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Royal Concertgebouw Orchestra | Iván Fischer, KKL Luzern, 27.8.2023, besucht von Max Thürig

Royal Concertgebouw Orchestra
Royal Concertgebouw Orchestra
 

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Besetzung und Programm:
Royal Concertgebouw Orchestra
Iván Fischer Dirigent
Richard Wagner (1813–1883) Vorspiel zur Oper Die Meistersinger von Nürnberg
Gustav Mahler (1860–1911) Sinfonie Nr. 7 e-Moll

Ein Abend der Meisterwerke und klanglichen Raffinesse erwartete das Publikum am vergangenen Sonntag beim Konzert des Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung des Dirigenten Iván Fischer. Das vielseitige Programm, bestehend aus dem Vorspiel zur Oper “Die Meistersinger von Nürnberg” und Gustav Mahlers monumentaler Sinfonie Nr. 7 in e-Moll, fesselte die Zuhörer mit seiner klanglichen Pracht, seiner Wucht und emotionalen Tiefe.

Vorfreude auf Wagner: Das Vorspiel zur Oper “Die Meistersinger von Nürnberg”

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann
Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Der Abend begann mit dem Vorspiel zur Oper “Die Meistersinger von Nürnberg” von Richard Wagner. Wagner hatte sich schon 1845 mit ersten Ideen zu diesem Werk befasst und es war als heiteres Gegenstück zum gerade vollendeten Tannhäuser gedacht. Die Umsetzung liess dann aber 16 Jahre auf sich warten…
Dirigent Iván Fischer und das Royal Concertgebouw Orchestra entführten das Publikum im ersten Teil in die Welt der musikalischen Erzählung, in der das Vorspiel die charakteristischen Themen und die atmosphärische Stimmung dieser großartigen Oper einfing. Fischer verstand es meisterhaft, die Spannung aufzubauen und die musikalische Erzählung mit einer feinen Balance zwischen lyrischer Intimität und triumphaler Kraft zu präsentieren.

Mahlers Monumentalität: Sinfonie Nr. 7 in e-Moll

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann
Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Der Höhepunkt des Abends war Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 in e-Moll. 1904 verbrachte der Komponist den Sommer am Wörthersee und nahm hier die kompositorische Arbeit auf. Er schuf zuerst die beiden Nachtmusiken, komponierte den ersten und fünften Satz im Sommer darauf und vollendete so das Werk. An den Details der Orchestrierung feilte er noch weiter. Diese Sinfonie Nr.7 vereint die unterschiedlichsten musikalischen Welten und führt die Konzertbesuchenden vom Trauermarsch zur Jubelfeier oder vom Totentanz zur Serenade. Auch die Instrumentenpalette ist beeindruckend: So bekommen eine Gitarre und eine Mandoline ihren Auftritt und die als Schlaginstrumente eingesetzten feinen Herdenglöckchen sowie auch die Spielereien mit Echoklängen entführen die Zuhörenden in eine idyllische Alpenwelt!   Der Dirigent und sein Orchester setzten ihre Interpretation mit beeindruckendem Engagement um, wobei sie die dramatischen Höhepunkte und die introspektiven Momente dieser Sinfonie meisterhaft einfingen. Von den majestätischen Klängen des ersten Satzes bis zum stürmischen Scherzo und dem ergreifenden Adagio-Satz präsentierten die Protagonisten Mahlers musikalische Vision mit außergewöhnlicher Klarheit und Empfindsamkeit.

Ein Zusammenspiel von Perfektion: Orchester und Dirigent

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann
Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Das Royal Concertgebouw Orchestra und Iván Fischer agierten in perfekter Harmonie. Des Dirigenten klare und präzise Gesten führten zu einer reibungslosen Koordination und ermöglichten es dem Orchester, die fein abgestuften Klangfarben und die dynamische Bandbreite der Werke eindrucksvoll darzustellen. Die nahtlose Verschmelzung  schuf eine tiefgreifende Interpretation, die die emotionale und klangliche Tiefe der Musik widerspiegelte.

Ein Erlebnis der Meisterschaft

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann
Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Insgesamt war dieses hochstehende Konzert ein Erlebnis der kunstvollen Umsetzung der Intentionen Wagners und Mahlers. Die Interpretationen des Vorspiels zu “Die Meistersinger von Nürnberg” und Mahlers Sinfonie Nr. 7 führten das Publikum durch verschiedene emotionale Landschaften, wobei die nuancierte Wiedergebung und die leidenschaftliche Ausführung des Orchesters beeindruckten.

Standing Ovation

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann
Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Die Perfektion, mit der das Royal Concertgebouw Orchestra unter der meisterlichen Führung von Iván Fischer diese sehr anspruchsvollen Werke darbot, war eine Hommage an die Tiefe und die Schönheit der klassischen Musik. Die Zuhörer wurden in eine Welt klanglicher Raffinesse und künstlerischer Meisterschaft entführt, die noch lange nachklingen wird. So erstaunt der tobende Schlussapplaus mit einer Standing Ovation nicht, sondern interpretiert sich

Text:www.maxthuerig.ch

Fotos: Patrick Hürlimann  www.lucernefestival.ch

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Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Iván Fischer Dirigent Foto Priska Ketterer Lucerne Festival

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra geleitet von Ivan Fischer Foto Patrick Hürlimann

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

Konzertbild Royal Concertgebouw Orchestra von Patrick Hürlimann

 

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Boston Symphony Orchestra | Andris Nelsons | Jean-Yves Thibaudet, KKL Luzern, 28.8.2023, besucht von Léonard Wüst

Boston Symphony Orchestra
Boston Symphony Orchestra
 
 

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Besetzung und Programm:
Boston Symphony Orchestra<
Andris Nelsons Dirigent
Jean-Yves Thibaudet Klavier
Carlos Simon (*1986) Four Black American Dances Schweizer Erstaufführung
Camille Saint-Saëns (1835–1921) Klavierkonzert Nr. 5 F-Dur op. 103 Ägyptisches Konzert
Igor Strawinsky (1882–1971) Petruschka. Burleske in vier Bildern

Zum Dirigenten

Dirigent Andris Nelsons Foto Marco Borggreve
Dirigent Andris Nelsons Foto Marco Borggreve

Sorgfältigste Vorbereitung und elektrisierende Orchesterleitung zeichnen den lettischen Dirigenten Andris Nelsons (*1978 in Riga) aus – er ist Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra und Kapellmeister des Gewandhausorchesters Leipzig. Mit beiden Orchestern hat er 2020 seinen Vertrag verlängert: Dem BSO wird er bis zum Ende der Saison 2024–25 vorstehen und dem Gewandhausorchester Leipzig bis zum Ende der Saison 2026–27.

Kraftvoller Ausdruck und Eindringliche Emotionen: “Four Black American Dances” von Carlos Simon

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Schweizer Erstaufführung von “Four Black American Dances” durch das renommierte Boston Symphony Orchestra, im folgenden BSO genannt,  unter der Leitung von Andris Nelsons war zweifellos ein kulturelles Ereignis von großer Bedeutung. Carlos Simon, der Komponist dieses Werks (*1986), schuf eine musikalische Reise, die tiefe Einblicke in die afroamerikanische Kultur bietet und zugleich kraftvolle Ausdrucksformen des Tanzes feiert.

Eine Hommage an Kultur und Identität: Die Bedeutung von “Four Black American Dances”

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

“Four Black American Dances” ist mehr als nur ein musikalisches Werk – es ist eine Hommage an die reiche Kultur und Identität der afroamerikanischen Gemeinschaft. Carlos Simon nimmt den Hörer mit auf eine faszinierende Reise durch verschiedene Epochen und Genres der Musik, die die Vielfalt und Stärke dieser Kultur widerspiegeln. Von nostalgischen Klängen bis hin zu rhythmischer Energie zelebriert Simon die Tiefe und Bedeutung des afroamerikanischen Erbes.

Klangliche Vielfalt und Eindringliche Emotionen: Eine musikalische Reise

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Aufführung des BSO unter der Leitung von Andris Nelsons brachte die klangliche Vielfalt und die eindringlichen Emotionen der Komposition der 37jährigen Afroamerikaners Simon  auf beeindruckende Weise zur Geltung. Jede der vier Tänze erzählt eine eigene Geschichte, die durch die geschickte Orchestrierung und die dynamische Interpretation des Orchesters zum Leben erweckt wurde. Von den sanften Melodien des ersten Tanzes bis zur explosiven Energie des vierten Tanzes entstand ein fesselnder Kontrast, der das Publikum mitriss.

Von der Melancholie zur Begeisterung: Die Struktur von “Four Black American Dances”

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Struktur dieses famosen Werkes ist so gestaltet, dass sie den Hörer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. Der erste Tanz, geprägt von einer sanften Melancholie, zieht den Zuhörer in eine introspektive Stimmung. Dann folgen Stücke voller Lebendigkeit und Rhythmus, die die Vitalität der afroamerikanischen Kultur hervorheben. Diese Abfolge von Stimmungen und Klängen verleiht dem Werk eine erzählerische Tiefe.

Orchestrale Präzision und Leidenschaft: Die Interpretation des Boston Symphony Orchestra

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Interpretation von “Four Black American Dances” durch das Orchester aus Massachusetts war geprägt von einer meisterhaften Balance zwischen orchestraler Präzision und leidenschaftlichem Ausdruck. Der lettische Dirigent führte das Orchester mit Hingabe und Sensibilität, was zu einer Darbietung führte, die sowohl kraftvoll als auch nuanciert war. Die dynamischen Kontraste wurden mit großer Klarheit dargestellt, wodurch die Emotionen des Werks in ihrer ganzen Tiefe erlebbar wurden.

Ein Aufruf zur Reflexion und Anerkennung: Gesellschaftliche Relevanz

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Aufführung von “Four Black American Dances” hat auch eine gesellschaftliche Relevanz, da sie zur Reflexion über kulturelle Vielfalt, Identität und Geschichte anregt. Das Werk erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Beiträge der afroamerikanischen Gemeinschaft zur Musik und zur Gesellschaft anzuerkennen und zu würdigen. Es ist eine kraftvolle Erinnerung an die Notwendigkeit, kulturelle Barrieren zu überwinden und eine inklusive Welt zu schaffen.

Ein Unvergessliches Erlebnis: Die Schweizer Erstaufführung von “Four Black American Dances”

Insgesamt war die Schweizer Erstaufführung von “Four Black American Dances”, durch das Boston Symphony Orchestra und Dirigent Andris Nelsons ein unvergessliches musikalisches Erlebnis. Carlos Simon schuf ein Werk, das nicht nur künstlerisch beeindruckt, sondern auch eine wichtige Botschaft über Kultur, Identität und Gemeinschaft vermittelt. Die Komposition ist um etliches radikaler als Kompositionen grosser amerikanischer Komponisten wie Georg Gershwin oder Leonard Bernstein. Die Kombination aus meisterlicher Orchestrierung, leidenschaftlicher Interpretation und kultureller Tiefe machte diese Aufführung zu einem bedeutenden Moment in der Geschichte des Lucerne Festivalsund ich bin mir sicher, von diesem Komponisten wird man noch hören, vor allem in Form weiterer avantgardistischer Werke.

Klangliche Exotik und Virtuosität: Jean-Yves Thibaudet und das Ägyptische Konzert

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Aufführung des Klavierkonzerts Nr. 5 F-Dur op. 103, auch als “Ägyptisches Konzert” bekannt, war ein mehr als eindrucksvolles Zeichen von Musikalität und Virtuosität. Unter der Leitung des, auch körperlich sehr stattlichen Dirigenten, präsentierte das BSO gemeinsam mit dem renommierten Pianisten Jean-Yves Thibaudet eine Darbietung, die die faszinierenden Klänge und exotischen Inspirationen des Werks perfekt einfing.

Eine Reise ins Antike Ägypten: Das Geheimnis des Ägyptischen Konzerts

Das “Ägyptische Konzert” ist geprägt von exotischen Klängen und inspirierenden Motiven, die den Hörer auf eine musikalische Reise ins antike Ägypten mitnehmen. Jean-Yves Thibaudet verlieh diesem Werk eine lebendige Tiefe und Intensität, während er die klangliche Schönheit und Raffinesse der Komposition hervorhob. Die verträumten Passagen und rhythmischen Nuancen verschmolzen zu einem reichen und farbenfrohen Klanggemälde.

Virtuosität und Ausdruckskraft: Jean-Yves Thibaudet am Klavier

Die Aufführung von des französischen Tastenvirtuosen war ein eindrucksvolles Beispiel für Virtuosität und Ausdruckskraft am Klavier. Seine Finger glitten mit beeindruckender Leichtigkeit über die Tasten, während er gleichzeitig jede Note mit einer intensiven Emotion durchdrang. Thibaudet schuf eine fesselnde Verbindung zwischen dem Publikum und der Musik, indem er die Zuhörer auf eine emotionale Reise mitnahm. Thibaudet, alles andere als ein «Blender», stellt nicht seine überragende Technik in den Vordergrund, wie das häufig von russischen oder asiatischen Pianist*innen praktiziert wird, sondern überzeugt mit seiner, trotz vielen heftigen, teils fast brachialen Kadenzen des Werkes, Emotionalität und feinfühligem Spiel.

Orchestrale Brillanz und Sensibilität: Das Boston Symphony Orchestra

Die Zusammenarbeit zwischen dem gebürtigen Lyoner und dem BSO unter der Leitung von Andris Nelsons war eine perfekte Symbiose aus orchestraler Brillanz und sensibler Interpretation. Das Orchester schuf eine klangliche Kulisse, die die Virtuosität des Klavierspiels hervorhob und gleichzeitig die komplexen Texturen und Stimmungen des Werks einfing. Die sorgfältig abgestimmten dynamischen Nuancen verliehen der Aufführung eine beeindruckende Tiefenschärfe.

Eine Fusion von Kulturen und Klängen: Exotische Elemente im Ägyptischen Konzert

Das “Ägyptische Konzert” von Camille Saint-Saëns ist eine gelungene Fusion von verschiedenen Kulturen und Klängen. Die exotischen Motive und Rhythmen entführen den Zuhörer in eine ferne Welt, während gleichzeitig die klassische Form des Konzerts bewahrt wird. Diese Kombination schafft eine einzigartige musikalische Erfahrung, die sowohl ansprechend als auch tiefgründig ist.

Ein Unvergessliches Musikerlebnis: Ägyptisches Konzert mit Jean-Yves Thibaudet

Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli
Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Die Aufführung des Ägyptischen Konzerts mit Jean-Yves Thibaudet am Klavier und dem Boston Symphony Orchestra unter Dirigent Andris Nelsons war zweifellos ein musikalisches Ereignis von besonderer Bedeutung. Die Virtuosität und Ausdruckskraft von Thibaudet, kombiniert mit der orchestralen Brillanz des Boston Symphony Orchestra, schuf ein faszinierendes Klanguniversum. Das Werk wurde zu einer Reise durch Kulturen und Klänge, maßgeblich von der Leitung des Dirigenten Andris Nelsons geprägt. Seine Fähigkeit, das Orchester in Einklang zu bringen und gleichzeitig die individuellen Nuancen der Musik zu betonen, trug wesentlich zur klanglichen Qualität der Aufführung bei. Nelsons schuf einen Raum für Erhabenheit und Intensität, der das Publikum in den Bann zog. Er legte sich in den Klang hinein und formte die Musik mit überragender Zartheit.

Die überragende Darbietung der Komposition des vom französische Komponisten in Ägypten verfassten Werkes wurde vom Auditorium mit stürmischem, langanhaltendem Applaus belohnt, der erst verebbte, als ich Thibaudet für eine kurze Zugabe wieder an den Flügel setzte.

Krönender Abschluss mit Strawinsky

Die Gelegenheit, um noch einmal so richtig ihr grosses Können demonstrieren, bot sich den Musikern mit dem letzten Werk des Abends, dem 1910 von Igor Strawinsky in Paris für die Compagnie der Balletts Russes komponierten „Petrouschka“, zu welchem der Komponist, zusammen mit Alexandre Benois, auch das Libretto verfasste. Ursprünglich als Konzertstück für Klavier und Orchester konzipiert, adaptierte Strawinsky den Stoff für das Ballett, erschuf mit seinen Puppenfiguren eine Fantasiewelt, die er aber in den Rahmen einer realen Welt, den Sankt Petersburger Fastnachtsmarkt einbettete.

Virtuose Klangmalerei: Igor Strawinskys Petruschka

Die Aufführung von “Petruschka. Burleske in vier Bildern” durch das beeindruckende BSO unter der fachkundigen Leitung von Dirigent Andris Nelsons war ein triumphaler Moment der musikalischen Kreativität und Ausdrucksstärke. Igor Strawinskys Werk wurde in dieser Darbietung zu einem lebhaften und eindringlichen Erlebnis, das die Zuhörer auf einen Jahrmarkt in St. Petersburg Ende des 19. Jahrhunderts versetzte.

Bühne der Lebendigkeit: Die Vielschichtigkeit von “Petruschka”

“Petruschka” ist bekannt für seine tiefgründige musikalische Erzählung, die das Leben und die Emotionen von Jahrmarktpuppen zum Leben erweckt. In dieser Aufführung vermittelte das amerikanische Renommierorchester die Vielschichtigkeit der Charaktere und Ereignisse mit außerordentlicher Präzision. Die musikalische Darstellung der verschiedenen Szenen war reich an Details und fesselte das Publikum von Anfang bis Ende.

Klangliche Palette der Emotionen: Von Leichtigkeit bis Dramatik

Die Interpretation von “Petruschka” war eine beeindruckende Demonstration der klanglichen Palette von Emotionen. Von den lebhaften, tänzerischen Passagen bis zu den ergreifenden Momenten der Dramatik wurde jede Nuance der Musik mit Einfühlungsvermögen und Leidenschaft wiedergegeben. Die orchestrale Darstellung spiegelte die Freuden und die Tragödien des Puppenlebens auf packende Weise wider.

Klangliche Brillanz und Präzision: Das Boston Symphony Orchestra

Die Aufführung von “Petruschka” zeugte von der klanglichen Brillanz und Präzision des Boston Symphony Orchestra. Unter der Leitung von Andris Nelsons entstand eine nahtlose Verbindung zwischen den verschiedenen musikalischen Elementen. Die orchestrale Dynamik wurde meisterhaft gesteuert, wodurch die musikalische Erzählung ihre volle Wirkung entfalten konnte. Die Nuancen von Farben und Klangstrukturen wurden mit erstaunlicher Genauigkeit dargestellt.

Künstlerische Führung und Ausdruck: Dirigent Andris Nelsons

Die Interpretation von “Petruschka” wäre ohne die künstlerische Führung von Dirigent Andris Nelsons nicht komplett gewesen. Seine tiefgreifende Interpretation verband die einzelnen Elemente zu einem fesselnden Ganzen. Nelsons verlieh der Musik Tiefe und Ausdruckskraft, indem er die Stimmungen und Charaktere subtil hervorhob und das Orchester zu einer harmonischen Einheit formte.

Ein Meisterwerk der Klangmalerei: “Petruschka” mit dem Boston Symphony Orchestra

Insgesamt war die Aufführung von “Petruschka. Burleske in vier Bildern” durch das Boston Symphony Orchestra und Dirigent Andris Nelsons ein wahres Meisterwerk der Klangmalerei. Die orchestrale Darstellung des lebendigen Jahrmarkts und der sich entwickelnden Puppencharaktere war faszinierend und eindringlich. Die Präzision, die Tiefe der Interpretation und die musikalische Ausdrucksstärke verliehen diesem Konzert eine kraftvolle Wirkung. Diese Darbietung von “Petruschka” wird zweifellos als ein denkwürdiges und beeindruckendes Musikerlebnis in Erinnerung bleiben.

Ein Werk mit zwei völlig unterschiedlichen Klangwelten

So entstehen eigentlich zwei Klangwelten, die real – folkloristische mit Jahrmarktsgeräuschen u.a. von Drehorgeln, Ausrufern usw. und die surreale Klangwelt der Puppen, die in einer Dreiecksbeziehung gefangen sind. Berühmtheit erlangte vor allem das Leitmotiv Petrouschkas, eines auf – und absteigenden Dreiklangs, ein total schräger, weil bitonal aus C Dur und Fis Dur. was zusammen den berühmten  „Petrouschka Akkord“ ergibt, ähnlich bekannt wie Wagners „Tristan Akkord“. Andris Nelsons schälte die Nuancen der Komposition feinfühlig heraus, liess es, immer mit vollstem Körpereinsatz, auch mal krachen, zelebrierte die Pianissimo mit zarten Fingergesten, lobte mit zustimmendem Kopfnicken, forderte mit ausholenden Armbewegungen mehr Tempo ein. Das amerikanische  Rennommierochester ergab sich ihrem Leiter, interpretierte die Komposition in Perfektion, auch mal mit einem leisen Schmunzeln, dann wieder energisch kraftvoll. Die Figuren, der Kasperl (Petruschka), die selbstverliebte Ballerina und der ebenso prächtige, wie dumme Mohr, präzis herausgearbeitet, kontrapunktierten das kommune Jahrmarktstreiben. Absolute Weltklasse, ob Solisten, das Orchester als gesamtes und die Interpretation. Dementsprechend begeistert fiel dann der Schlussapplaus aus, der Maestro wurde immer wieder auf die Bühne zurück applaudiert.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Peter Fischli  www.lucernefestival.ch

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Boston Symphony Orchestra Konzertimpression von Peter Fischli

Andris Nelsons Dirigent Foto Hiroyuki Itou

Solist Jean-Yves Thibaudet Foto Elisabeth Caren

Andris Nelsons gibt den Takt an Foto Peter Fischli

Solist Jean-Yves Thibaudet konzentriert am Konzertflüger Foto Peter Fischli

Das Boston Symphony Orchestra und Pianist Jean-Yves Thibaudet Konzertimpression von Peter Fischli

Komponist Carlos Simon geniesst den Applaus für sein Werk Four Black American Dances Foto Peter Fischli

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Automatisiertes Fahren mit Familie Hansen

Impulsgeberin und Autorin Franziska Hegner mit dem Buch
Impulsgeberin und Autorin Franziska Hegner mit dem Buch "Stufen des automatisierten Fahrens" (Foto: THI).

Das Transferprojekt „Mensch in Bewegung“ von THI und KU hat in
Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Andreas Riener, Forschungsprofessor am
CARISSMA, Franziska Hegner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am CARISSMA,
und dem Illustrator Helmut „Dino“ Breneis das Kinderbuch „Die Stufen des
automatisierten Fahrens“ herausgegeben.

An einem sonnigen Samstagvormittag begeben sich die Protagonisten des
Buches, die Familie Hansen, auf einen Ausflug in den Wald. Auf dem Weg
dorthin stellt ihnen ihr Auto, das Form und Farbe nach Belieben ändern
kann, die unterschiedlichen Stufen des automatisierten Fahrens vor: Die
Reise beginnt mit einem  automatisierten Fahrzeug der 1990er-Jahre und
endet mit einem vollautomatisierten Wagen der Zukunft.

Mit dem kindgerechten und farbenfroh bebilderten Büchlein stellt „Mensch
in Bewegung“ leicht verständlich einen wichtigen Teilaspekt der
Entwicklung der Mobilität vor. Bei „Mensch in Bewegung“ handelt es sich um
eine Kooperation der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) mit der
Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), die im Rahmen der
Förderinitiative „Innovative Hochschule“ vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung finanziert wird.

Mit der Innovationsallianz „Mensch in Bewegung“ haben die THI und die KU
eine Plattform geschaffen, um gemeinsam an der Lösung der drängenden
Fragen unserer Zeit zu arbeiten. Um die Herausforderungen anzugehen,
entwickeln Mitarbeitende und Forschende beider Hochschulen neue Formen der
Zusammenarbeit von Wissenschaft und Gesellschaft. Gute Rahmenbedingungen,
passgenaue Angebote sowie offene und flexible Räume dienen dazu, die
Transformation nachzuvollziehen und aktiv mitzugestalten. In diesem
Kontext ist auch das Booklet „Die Stufen des automatisierten Fahrens“
entstanden. Es soll gezielt junge Leserinnen und Leser über die Mobilität
von morgen informieren und wird auch am Stand der Mobilitätsregion
Ingolstadt auf der diesjährigen IAA verteilt werden. Die wissenschaftliche
Leitung bei der Konzeption des Booklets übernahm Andreas Riener,
Forschungsprofessor am CARISSMA Institut für automatisiertes Fahren an der
THI und Leiter des Clusters Mobilität im  Transferprojekt „Mensch in
Bewegung“.

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Immer öfter zitiert: Zeitschrift für Pneumologie erhält erstmals Journal Impact Factor

Professor Tom Schaberg, Professorin Hortense Slevogt und Professor Santiago Ewig  Wahluniversum, Jessica Wahl
Professor Tom Schaberg, Professorin Hortense Slevogt und Professor Santiago Ewig Wahluniversum, Jessica Wahl

Immer mehr wissenschaftliche Beiträge der Fachzeitschrift Pneumologie
werden auch in anderen wissenschaftlichen Publikationen zitiert. Jetzt
erhält das Organ der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin (DGP) erstmals einen Journal Impact Factor. Dieser liegt
aktuell bei einem Wert von 1,2. „Das ist ein wichtiger
Entwicklungsschritt, der dafür sorgt, dass unsere Zeitschrift weiter an
Attraktivität und Strahlkraft gewinnt. Wer für unsere Zeitschrift einen
Beitrag einreicht, kann somit auch an anderer Stelle wahrgenommen werden“,
sagt Professorin Hortense Slevogt, Mitherausgeberin der Zeitschrift für
Pneumologie und Beatmungsmedizin sowie Mitglied des DGP-Vorstandes.

Zu verdanken ist dieser Erfolg vor allem den langjährigen Bemühungen der
Herausgeber. Besonders aktiv eingesetzt hat sich Professor Tom Schaberg,
der 15 Jahre lang Schriftleiter der Zeitschrift war. „Ich freue mich
unglaublich, dass unsere Bemühungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten
nun zum gewünschten Erfolg geführt haben. Damit wird unsere Zeitschrift
nun auch als Publikationsort für viele Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler aus Universitäten im gesamten deutschsprachigen Raum
interessant – egal ob Mitglied der DGP oder auch nicht“, sagt der
Mediziner und ehemaliger Chefarzt des Zentrums für Pneumologie am
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Zusammen mit seinem Herausgeber-
Kollegen Professor Santiago Ewig, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und
Infektiologie, Thoraxzentrum Ruhrgebiet, Evangelisches Krankenhaus Herne
und der Augusta-Klinik Bochum, wurde zwischen 2006 und 2021 immer wieder
mit allen relevanten Entscheidern gesprochen, um die DGP-Zeitschrift
weiterzuentwickeln.

Abwechslungsreiche Formate: Eine Chance für den wissenschaftlichen
Nachwuchs

Auch der Stuttgarter Thieme-Verlag, in dem die Zeitschrift nun schon im
77. Jahrgang erscheint, hat die Weiterentwicklung ständig unterstützt.
Herausgeber seit 2021 ist Professor Christian Grohé. „Zukünftig wollen wir
auch gerne abwechslungsreiche Formate ausprobieren. Unsere Schritt-für-
Schritt-Anleitungen oder auch das Quiz kommen sehr gut an. Aber natürlich
spielen weiterhin Leitlinien und Positionspapiere eine wichtige Rolle“,
sagt der Chefarzt der Klinik für Pneumologie an der Evangelischen
Lungenklinik in Berlin. „Wir freuen uns natürlich auch, wenn wir vermehrt
Artikelanfragen von Nachwuchswissenschaftlern, jungen Assistenzärztinnen
und -ärzten erhalten.“

Die Zeitschrift für Pneumologie erscheint monatlich und berichtet über die
neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen rund um die Lungenheilkunde.
Grundsätzlich werden nur Manuskripte angenommen, die noch nicht
anderweitig veröffentlicht oder zur Veröffentlichung eingereicht worden
sind. Interessierte Autorinnen und Autoren können sich direkt per E-Mail
an den Herausgeber Christian Grohé wenden:
editorialoffice.lungenklinik@jsd.de

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