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Den Herausforderungen der Zeit mit Kunst, Design und Musik begegnen: Hochschultage der HfK Bremen, 8.– 9. Juli 2023

Ausstellungen, Konzerte, Performances, Installationen – die Hochschultage
der HfK Bremen zeigen aktuelle Tendenzen in Kunst, Design und Musik auf.
Am 8. Juli, von 11 bis 21 Uhr, und am 9. Juli, von 11 bis 20 Uhr, findet
im Speicher XI und Speicher XI A der Rundgang durch die HfK statt. Der
Eintritt ist frei.

In der Schnittmenge von Kunst, Politik, Philosophie, Gestaltung und
Wissenschaft zeigt sich das Potenzial der HfK. Die Studierenden der
Hochschule für Künste Bremen sind kreative, zukunftsorientierte und
kritische Akteure. Sie begegnen den Herausforderungen, Chancen und Krisen
unserer Zeit durch künstlerische Entwicklungen, Interventionen und
gestalterische Projekte. Das, was sie tun, hat Ausstrahlungswirkung auf
Stadt und Gesellschaft – sie regen zum Denken an, starten Dialoge und
geben Impulse für Veränderungen.

Dies zeigt sich ganz besonders eindrücklich während der Hochschultage: Mit
einem interdisziplinären Ansatz und durch das Experimentieren mit
unterschiedlichen Materialien, Medien, Technologien und Arbeitsweisen sind
Ausstellungskonzepte, Installationen, Performances, Vorträge, Mode, Filme
und Videokunstwerke sowie Konzertprogramme entstanden, die Themen wie
Nachhaltigkeit, Mobilität, Solidarität, Digitalisierung, Gesundheit oder
auch die Energiewende thematisieren. Themen neu zu denken, neu zu
gestalten, ist Teil der künstlerischen Ausbildung, der künstlerischen
Reflexion. Die Perspektiven der Studierenden laden dazu ein, den eigenen
Blickwinkel zu hinterfragen.

Jedes Jahr nehmen zwischen drei bis sechs tausend Besucher:innen an den
Entdeckungen im Speicher XI und nun auch im neuen Gebäudekomplex Speicher
XI A in der Überseestadt teil, lernen dabei angehende Künstler:innen,
Gestalter:innen sowie Musiker:innen kennen und erkunden die Studios,
Werkstätten und Ateliers.

Aktionen finden sowohl im Innen- als auch im Außenbereich statt. Die
Hochschultage bündeln die Perspektiven der gesamten Hochschulgemeinschaft.
Sie zeigen die künstlerischen Praktiken, musikalische Vielfalt, Diskurse
und Projekte der HfK Bremen in all ihren Facetten. Für
Studieninteressierte bieten die Hochschultage darüber hinaus ausführliche
Informations- und Beratungsmöglichkeiten über die Studienangebote und das
Bewerbungs- und Aufnahmeverfahren.

Auftaktveranstaltung und Amtsübergabe

Prof. Dr. Mirjam Boggasch tritt am 1. Juli 2023 ihr Amt als neue Rektorin
der Hochschule für Künste an und löst damit Prof. Roland Lambrette nach
sechsjähriger Amtszeit ab.
Im Rahmen der offiziellen Auftaktveranstaltung der Hochschultage wird am
8. Juli 2023, ab 14 Uhr, die Amtsübergabe erfolgen, die von Tim Cordßen-
Ryglewski, Staatsrat bei der Senatorin für Wissenschaft und Häfen Bremen,
begleitet wird. Darüber hinaus findet die Verleihung der Hochschulpreise
für herausragende Leistungen in den Studiengängen statt.


Öffnungszeiten:

•       Samstag, 8. Juli, 11– 21 Uhr mit anschließenden Performances,
Musik und Tanz
•       Samstag, 8. Juli, 14 Uhr: Eröffnung der Hochschultage 2023 mit
künstlerischen Beiträgen, der Verleihung der Hochschulpreise und
Amtsübergabe
•       Sonntag, 9. Juli, 11–20 Uhr

Programm

Änderungen vorbehalten

8.7., 14:00–15:45 Uhr, Chaos Bühne
Eröffnungsveranstaltung
Eröffnung der Hochschultage 2023 mit künstlerischen Beiträgen, der
Verleihung der Hochschulpreise und Amtsübergabe.

8.7.–9.7., jeweils 11:00–18:00 Uhr, 1.16.040
Die Keramikwerkstatt ist geöffnet
Keramikworkshop. Drehen von Gefäßen auf der Töpferscheibe oder modellieren
von Gegenständen mit der Hand

8.7.–9.7., jeweils 13:09–13:46 Uhr
The Übersee Tour, or, The Oversee Tour
Ein geführter Rundgang durch die HfK Bremen
Performance; Wendy Lin; Integriertes Design

8.7.–9.7., jeweils 18:00 Uhr, 2.11.080
Babel and Maria
Lust, Virtualität, Poesie
Performance; Peng Liu; Digitale Medien

8.7., zwischen 21:00–22:00 Uhr
EYES WIDE SHUT IN THE GARDEN
Ein Hörspaziergang zum Sonnenuntergang über die Pflanzen im HfK-Garten
Warten/Garten. Im Rahmen des Seminars von Christian Andres Rosales Fonseca
und Prof. Dr. Mona Schieren

8.7., 16:00–22:00 Uhr; 9.7., 12:00–18:00 Uhr
Chaos Bühne
Ein buntes Musikprogramm mit einer Mischung aus Jazz, elektronischen
Beats, Bands und mehr von HfK-Studierenden
Konzerte, DJ-Sets; Jorin Rahfoth; Digitale Medien

8.7., 10:00–18:00 Uhr; 9.7., 12:00–16:00 Uhr
Radio Angrezi broadcasting at the Hochschultage
Konzerte, Talk Shows, Musik. Stay tuned: radioangrezi.de

8.7., 19:00–21:00 Uhr; 9.7., 19:00–21:30 Uhr, 2.11.080
Synesthesia Festival
Performances während des von Digitale Medien Studierenden organisierten
audiovisuellen Kunstfestivals.

9.7., 15:00–16:30 Uhr, 4.15.070
TURTLE A REBIRTH OCTOPUS T
Eine Performance zum Tarotkartenlesen
Kaja Poestges; Digitale Medien


Konzerte

Samstag, 8.7.

11:00 Uhr, Auditorium
Concerto Grosso - Early Wind Consorts
Lilli Pätzold, Patrice Boileau, Catherine Dörücü (Zink)
Maria Kruse (Blocklöte)
Miguel Callejas Garcia (Gesang)
Paula Pinn, Hans Fröhlich (Barockfagott)
Pooyan Farzin (Traversflöte)
Alexandra Mikheeva (Barockposaune)
Yuka Mitani (Barockposaune)
Josue Meléndez Peláez (Orgel)

12:30 Uhr, Gießerei
Solo: Violine
Maren Diederichsen

13:30 Uhr, Gießerei
Solo: Akkordeon
Xinyi Fang
Yue Liu
Jingran Yin

16:00 Uhr, Auditorium
Hochschulpreise Preisträger:innenkonzerte # 1
Kristofer Gjoni (Klavier)
Kalliopi Rizou (Violine)
Wenwen Zhao (Klavier)

17:30 Uhr, Gießerei
Ensemble Fulcrum
Nae Matakas (Sopran)
Alexander Schuhmann (Bariton)
Jingwen Lin (Traversflöte)
David Agaiarov (Barockgeige)
Adrienn Illes (Cembalo)

Sonntag, 9.7.

11:00 Uhr, Auditorium
Quintett: Posaunen, Trompeten und ein Horn
Milan Klesse, Alexander Lehmbecker (Posaune)
Francesco Barbara, Louisa Bessling (Trompete)
Lennart Heuser (Horn)

11:30 Uhr, Gießerei
Solo: Cello
Aleksandr Bukin

12:00 Uhr, Chaos Bühne
Hochschulpreise Preisträger:innenkonzert # 2
Magnus Bodzin (E-Piano)
Moritz Schöwing (Kontrabass)

12:30 Uhr, Gießerei
Recorder Consort
Leah Meier, Chaeeun Lee & Grigorii Titov (Blockflöte)

13:00 Uhr, Auditorium
Ensemble
Julia Stocker (Sopran)
Olek Gerber (Klavier)

14:00 Uhr, Auditorium
Ensemble
Yujing Zhu (Violine)
Klaus Heidemann (Klavier)

15:00 Uhr, Auditorium
Solo: Klavier
Felipe Cerón

16:00 Uhr, Auditorium
Solo: Klavier
Francesca Di Pierro

19:00 Uhr, Auditorium
Behind the Doors
Ulrich Rahn (Gitarre/Gesang)
Suzan Balcioglu (Bass/ Gesang)
Dominik Pahmeyer (Schlagzeug)
Moritz Riedel (Piano/Saxophon)


Über die Hochschule für Künste Bremen

Rund 1.000 Studierende aus über 50 Ländern, 76  Professor:innen, 86
Mitarbeiter:innen der Verwaltung und mehr als 150 Lehrbeauftragte machen
die Hochschule für Künste Bremen zu einem lebendigen Ort.

Die HfK ist eine Hochschule der scheinbaren Gegensätze. Sie ist regional
verankert und doch extrem international ausgerichtet. Sie erstreckt sich
über verschiedene Standorte der Stadt, die sehr unterschiedlich sind, von
klassizistisch bis schwimmend und zeitgenössisch. Sie ist Kunst- und
Musikhochschule zugleich. Dieser Kontext, der die Hochschule ausmacht, ist
von besonderer Qualität und bildet einen Rahmen, der es ermöglicht sowohl
die kollektive als auch die individuelle künstlerische Entwicklung zu
stärken.

Das Studienangebot umfasst die Freie Kunst, Integriertes Design, Digitale
Medien sowie die Künstlerische und Künstlerisch-Pädagogische Ausbildung
Musik. Die HfK bietet darüber hinaus seit 2020 die Möglichkeit, im Rahmen
des künstlerisch-wissenschaftlichen PhD-Programms, insbesondere in den
Schwerpunktbereichen Integriertes Design und Digitale Medien, zu
promovieren. Durch offene Lehrveranstaltungen und gemeinsame
Prüfungsbetreuungen sowie durch die Werkstätten, Studios und thematische
Projekte werden Dialog und Zusammenarbeit gezielt gefördert. Mit rund 400
Veranstaltungen im Jahr gehört die HfK zu einer kulturellen und
gesellschaftlichen Säule der Stadt Bremen.
Die Beziehung zwischen den Mitgliedern der Hochschulgemeinschaft, ihre
vielfältigen Kooperationen, die engmaschige Betreuung sowie die
verschiedenen regionalen und internationalen Kollaborationen, tragen dazu
bei, dass die Studierenden sich zu starken individuellen Charakteren
entwickeln. So entstehen letztendlich Arbeiten, die hohe gesellschaftliche
Relevanz haben.

Arten der Pressemitteilung:
Buntes aus der Wissenschaft
Pressetermine

Sachgebiete:
Kunst / Design
Musik / Theater

Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.hfk2020.de/de/hochschule/hochschultage/2023/hochschultage2023-index.php

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Wie Zahnschmelz evolutionär entsteht

Forschende des UZH-Zentrums für Zahnmedizin haben die Bedeutung des Notch-
Signalwegs für die Evolution der Zahnform untersucht. Mutationen dieses
evolutionären Signalwegs können zu defektem Zahnschmelz führen.

Studien zur Evolution von Säugetieren stützen sich häufig auf die Analyse
von Zähnen, da diese die am besten erhaltenen Teile fossiler Skelette
sind. Die Form der Zähne und die Zusammensetzung des Zahnschmelzes – des
am stärksten mineralisierten Gewebes des Körpers – geben deshalb
Aufschluss über die Artenbildung, die über 200 Millionen Jahre Evolution
stattgefunden hat. Diese evolutionären Anpassungen, welche mit genetischen
Veränderungen verbunden sind, haben zu einer umfassenden Diversifizierung
der Zelltypen bei Tieren beigetragen.

Ein Forschungsteam des Zentrums für Zahnmedizin der Universität Zürich hat
nun den Notch-Signalweg als das zentrale Gennetzwerk für die evolutionäre
Veränderung der Zahnform und der Zusammensetzung des Zahnschmelzes
identifiziert. Der Notch-Signalweg ist ein uralter, evolutionär
konservierter Signalmechanismus, der Entscheidungen über den Zellstatus
und die korrekte Entwicklung der meisten Organe, darunter auch der Zähne,
kontrolliert.

Notch-Signalübertragung regelt Evolution der Zähne
Anhand genetisch veränderter Mausmodelle analysierte das Team um Thimios
Mitsiadis, Professor für Oralbiologie am Zentrum für Zahnmedizin der UZH,
die Auswirkungen der Notch-Rezeptoren auf die Zähne. Fehlten diese
Rezeptor-Moleküle, beeinträchtigte dies auch die Zahnmorphologie und die
Bildung des Zahnschmelzes, da zahlreiche wichtige Gene mutierten. Dieser
veränderte Notch-Signalweg führte zu einer evolutionären Regression und
damit zu weniger komplexen Zahnstrukturen, die eher an das Enameloid von
Fischen – ein weicheres, strukturell einfaches Gewebe – als an den harten
Säugetier-Zahnschmelz erinnern.

Laut Erstautor Mitsiadis werfen die Befunde der Studie ein neues Licht auf
den Notch-Weg als eine der entscheidenden Komponenten für die Variationen
der Zahnform und des Zahnschmelzes. «Wir stellen die Hypothese auf, dass
die Evolution der Zähne von der Notch-Signalübertragung abhängt», sagt
Mitsiadis. «Dank dieser Signalübertragung wurden aus den bereits
vorhandenen primitiven Zahnzelltypen neue Zelltypen, welche die Bildung
komplexerer und einzigartiger Strukturen wie dem Zahnschmelz
ermöglichten.»

Fehlbildungen im Zahnschmelz beim Menschen
Die Korrelation zwischen Notch-Molekülen und der Entstehung verschiedener
Zahnzelltypen könnte so einen allgemeinen Mechanismus darstellen, welcher
der Ausbildung spezialisierter Zelltypen bei Säugetieren zugrunde liegt.
«In den Zähnen lösen Mutationen der Notch-Signalübertragung die
Unterdrückung spezifischer Zahnzelltypen aus, die im Laufe der Evolution
erworben wurden. Der Verlust dieser Zellen führt zu Fehlbildungen im
Zahnschmelz und morphologisch veränderten Zähnen», erklärt Mitsiadis. Die
Modellierung dieser Veränderungen ermögliche demnach Vorhersagen darüber,
wie sich gewisse Mutationen beim Menschen auf den Zahnschmelz auswirken
könnten.

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nergieberater brauchen endlich ein eigenes Berufsbild! DEN: „Gut für Kunden und Klimaschutz – Schwarze Schafe verhindern“

Energieberater brauchen endlich ein eigenes Berufsbild. Davon ist das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. überzeugt. Dessen Vorsitzender, Dipl.-Ing. Hermann Dannecker, stellt fest: „Seit Jahren schon kämpft das DEN dafür, endlich ein eigenes Berufsbild für Energieberaterinnen und Energieberater zu entwickeln – bislang leider vergeblich. Dabei brauchen wir dringender denn je Perspektiven für den Nachwuchs, denn Energieberaterinnen und Energieberater spielen bei der praktischen Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten entscheidende Rollen. Außerdem muss angesichts des außerordentlich hohen Bedarfs an Beratungsleistungen unbedingt deren Qualität gesichert und kontrolliert werden. Nur so lassen sich schwarze Schafe verhindern, welche eine ganze Branche in Verruf bringen können.“

 

Der DEN-Vorsitzende weiter: „Wenn ein Bauherr Leistungen einer Energieberaterin oder eines Energieberaters in Anspruch nehmen will, sollte sie oder er natürlich wissen, mit wem man es zu tun hat und was man erwarten kann. Die Angebote sind derzeit immer noch sehr unterschiedlich. Wir haben es einerseits mit akademisch ausgebildeten Bauingenieuren, Architekten oder Technikern zu tun, wie sie beispielsweise im Deutschen Energieberater-Netzwerk organisiert sind, dann aber auch mit Energieberatern, die aus dem Handwerk stammen. Ohne deren Kompetenzen pauschal infrage stellen zu wollen, bestehen doch oftmals Unterschiede im Leistungsangebot und im Leistungsumfang. Ein eigenes nach Kompetenzen gestaffeltes und transparentes Berufsbild für Energieberater könnte es für Bauherren deutlich einfacher machen, die richtige Expertin oder den richtigen Experten zu finden.“ […]

 

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„Clankriminalität“? Begriff "schürt gesellschaftliche Ressentiments"

Der „Kampf gegen Clankriminalität“ hat es dieser Tage wieder vermehrt in
die Schlagzeilen geschafft. Medien berichten über „drastisch steigende
Zahlen“ in Niedersachsen und „Massenschlägereien“ im Ruhrgebiet. Dr. Hatem
Elliesie findet Begriffe wie „Clan“ und „Parallelgesellschaft“ unpassend
bis irreführend. „Es werden gesellschaftliche Ressentiments gegenüber
Personen aus dem Nahen Osten geschürt“, sagt der Forscher, der die
Professur für Islamisches Recht am Orientalischen Institut der Universität
Leipzig vertritt.

Herr Elliesie, das Wort Clankriminalität macht aktuell wieder die Runde.
Sie haben sich stets gegen diesen Begriff ausgesprochen – warum?

Weil es sich bei dem Kompositum „Clankriminalität“ um ein vom
Mediendiskurs, der Politik und Sicherheitsbehörden konstruierten Begriff
handelt, der in Statistiken auf Nachnamen von Großfamilien rekurriert. In
diese Statistiken fließen auch Ordnungswidrigkeiten und kleinere Vergehen
ein. Dadurch werden gesellschaftliche Ressentiments gegenüber Personen aus
dem Nahen Osten geschürt. Der wirksame Mythos, der Rechtsstaat sei durch
Familien XY gefährdet, deckt sich so aber nicht mit unseren und uns
bekannten empirischen Forschungsbefunden. Vielmehr ist es doch äußerst
bedenklich, wenn man grundlegende rechtsstaatliche Errungenschaften
aufgibt, indem man nicht einmal mehr vorgibt, der Aufklärung konkreter
Straftaten zu dienen, sondern aufgrund von Nachnamen und Herkunft per se
eine Verstrickung in Straftaten unterstellt.

Gibt es dennoch die sogenannten rechtsfreien Räume? Wie sehen die aus?

Dies ist ein weiteres medientaugliches Schlagwort, das den eben genannten
Mythos untermauern soll. Darunter versteht man allgemeinhin die
Unfähigkeit des Staates, Gesetze bei einem Zusammenbruch der öffentlichen
Ordnung durchzusetzen. Tumultlagen, wie wir sie beispielsweise in Berlin
oder Nordrhein-Westfalen immer wieder erleben, sind polizeilich zuweilen
zwar schwerlich und unter hohem Personaleinsatz in Griff zu bekommen, es
handelt sich deswegen aber noch nicht um einen rechtsfreien Raum. Wie ich
bereits an anderer Stelle gesagt hatte, gibt es, bezogen auf migrantische
Milieus, in Deutschland keine rechtsfreien Räume. Bilder von blinder
Zerstörung und eskalierender Gewalt, wie wir sie beispielsweise aus den
Pariser Vororten kennen, sind uns fremd.

Wie und wo erforschen Sie die Communities, wie Sie statt Clans gemeinhin
sagen – und was haben Sie bereits herausgefunden?

Meine Forschung, die meiner Forschungsteams und Forschungsverbundpartner
findet grundsätzlich im ganzen Bundesgebiet statt. Es hat sich aber
herausgestellt, dass die Phänomene der sogenannten Clankriminalität
verstärkt in den Bundesländern Berlin, Bremen und Nordrhein-Westfalen
vorzufinden sind. Dort haben wir zahlreiche Interviews durchgeführt und
Personengruppen im Alltag begleitet. Parallel dazu führen wir auch eine
Studie in der Justiz und den Ermittlungsbehörden der Bundesländer durch.
So banal es auch klingen mag, alle Gesprächspartner:innen bringen es auf
einen wesentlichen Punkt: Die jahrzehntelang mangelnde
Integrationspolitik, mit aufenthaltsrechtlichen Duldungen und fehlende
Arbeitserlaubnissen, hat kriminelle Strukturen gedeihen lassen. Nun, wo
Flüchtlinge aus Syrien und der Ukraine mit besseren Förderprogrammen
unterstützt werden, entstehen gesellschaftliche Spannungen, die sich in
Gewalttätigkeiten entfalten, wie wir sie jüngst in Nordrhein-Westfalen
erleben. Die Politik hat darauf noch keine Antwort.

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