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Hocheffizientes TUM-Elektroauto vorgestellt

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume, Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und Prof. Thomas F. Hofmann, Präsident der TUM, bei der Premiere des muc023. /English version: Bavaria's Minister of Science Markus Blume, Munich's second mayor Katrin Habenschaden and Prof. Thomas F. Hofmann, President of TUM, at the premiere of muc023.
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume, Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und Prof. Thomas F. Hofmann, Präsident der TUM, bei der Premiere des muc023. /English version: Bavaria's Minister of Science Markus Blume, Munich's second mayor Katrin Habenschaden and Prof. Thomas F. Hofmann, President of TUM, at the premiere of muc023.

Premiere für das neue Wettkampfauto der Studierendengruppe TUfast Eco. Das
neue Elektroauto soll an vergangene Erfolge anknüpfen und in Sachen
Effizienz neue Maßstäbe setzten. Geringeres Gewicht, ein erhöhter
Wirkungsgrad einzelner Komponenten und ein deutlich verringerter
Luftwiderstand zeichnen das neue Modell gegenüber seinem Vorgänger aus. Im
Mai 2023 soll sich das Fahrzeug beim Shell Eco Marathon mit anderen
Studierendengruppen aus Europa messen.

Elektromobilität möglichst effizient zu gestalten, ist nicht nur eine
Herkulesaufgabe für die Industrie, auch Studierende der Technischen
Universität München (TUM) arbeiten intensiv an diesem Ziel. Unter dem
Teamnamen TUfast Eco tritt die Studierendeninitiative in diesem Jahr
bereits zum zwanzigsten Mal bei internationalen Wettbewerben an. Garant
für erneute Topplatzierungen soll das nun vorgestellte muc023 Elektroauto
sein. Im Beisein des Bayerischen Wissenschaftsministers Markus Blume,
Münchens zweiter Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und des Präsidenten
der TUM, Prof. Thomas F. Hofmann, präsentierte das Team sein neues E-Auto
der Öffentlichkeit.

Weiterentwicklung des Vorgängers noch effizienter

Muc023 ist mit rund 65 Kilogramm ganze zehn Kilogramm leichter als sein
Vorgänger. Möglich machen das unter anderem Anpassungen an der Karosserie
und neue Radaufhängungen, die knapp 40 Prozent leichter als die des
Vorjahres sind. Auch die Effizienz der elektrischen Bauteile konnte das
Team verbessern. So laufen die neuen permanent erregten Synchronmotoren
auf dem Prüfstand bis zu fünf Prozent sparsamer als die bisher verwendeten
Modelle. Um möglichst sparsam mit der in den Akkus gespeicherten
elektrischen Energie zu hantieren, spielt auch die Aerodynamik eine noch
stärkere Rolle als bislang.

Verkleidete vordere Radkästen und ein angepasster Hinterwagen verhelfen
dem muc023 zu einem cw-Wert von gerade einmal 0.13, rund 20 Prozent
weniger als beim Vorgänger (0.16) und deutlich weniger als selbst stark
optimierte Pkw, die sich im Bereich von 0.20 ansiedeln. Der Wert gibt
vereinfacht ausgedrückt an, wie windschlüpfig ein Körper im Luftstrom ist.
„Unser Team ist sehr stolz auf das neue Auto. Wir haben aus den
vergangenen Wettbewerben viel gelernt und für muc023 das Augenmerk auf
Details gelegt. Die Summe an Verbesserungen ergibt ein beeindruckendes
Ergebnis, das sich hoffentlich auch in den Ergebnissen bei den anstehenden
Challenges widerspiegelt“, erklärt Gleb Lialine, Team-Manager des TUfast
Eco Teams.

Die Daten des muc023 im Überblick:

Leistung: 570 Watt / 0,77 PS
Drehmoment: 12,7 Nm
Luftwiderstandsbeiwert: 0.13

Innovation und gesellschaftliche Verantwortung

TUM-Präsident Hofmann lobte den Einsatz der Studierenden: „Sie werden
angetrieben von ihrer Leidenschaft für den Wettbewerb. Und ihr Fahrzeug
ist ein wunderbares Beispiel dafür, worum es uns an der TUM geht:
Spitzeninnovationen, die in eine konkrete Anwendung umgesetzt werden und
alles verbunden mit der gesellschaftlichen Verantwortung für mehr
Nachhaltigkeit. Besonders begeistert mich auch, wie viele unterschiedliche
Disziplinen hier zusammenwirken, von den Ingenieurwissenschaften über
Informatik und Design bis hin zu Management. Und die Mitglieder von TUfast
kommen aus 80 verschiedenen Ländern. Wir als TUM werden das Projekt
deshalb weiterhin bestmöglich unterstützen.“

Wissenschaftsminister Blume sagte: „Die Studentinnen und Studenten machen
den besonderen TUM-Spirit aus. Wir alle sind unglaublich stolz auf das
phantastische Engagement und die vielen erfolgreichen Teams an der TUM.
Sie kombinieren Innovation mit nachhaltigem Verantwortungsbewusstsein für
die Zukunft unserer Gesellschaft. Genau das brauchen wir. Und wir drücken
alle Daumen für das TUfast Eco Team für die anstehenden Wettbewerbe!“

Wettbewerb findet einmal pro Jahr statt

Der Shell Eco Marathon wird jährlich ausgerichtet und findet auf
unterschiedlichen Kontinenten statt. Das Team der TUM tritt mit seinem
Elektrofahrzeug beim europäischen Ableger der Veranstaltung an. 2023
starten die Studierenden zum vierten Mal in der Kategorie Urban Concept,
bei der die Autos auch eine gewisse Nähe zu anwendbaren Pkw aufweisen
müssen und keinen reinen Prototypen-Status haben. 2022 holte sich das Team
in der Gesamtwertung den zweiten Platz, in diversen Unterkategorien wurde
TUfast Eco Erster.

Eigene Forschung schon während des Studiums

Studentische Forschungsgruppen und Studierendeninitiativen haben an der
TUM eine lange Tradition. Teams wie TUfast bieten den Studierenden die
Möglichkeit, das im Studium erarbeitete Wissen direkt in die Praxis
umzusetzen und selbstständig zu forschen. Dabei können die Gruppen
regelmäßig in Wettbewerben überzeugen und standen oft an der Spitze.

Weitere Informationen:

Webseite des TUfast Eco Teams: https://tufast-eco.de/

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Zürcher Kammerorchester, Tabula Rasa — Daniel Hope und Sebastian Bohren, Tonhalle Zürich, 25. April 2023, besucht von Léonard Wüst

Zürcher Kammerorchester Foto Harald Hoffmann

Besetzung und Programm:
Zürcher Kammerorchester
Daniel Hope Leitung und Violine
Sebastian Bohren Violine
Wolfgang Amadeus Mozart Adagio und Fuge c-Moll, KV 546
Arvo Pärt Tabula rasa
Alfred Schnittke Concerto grosso Nr. 3 für zwei Violinen, Streichorchester, Cembalo, Klavier und Celesta
Martin Wettstein The Temple of Silence. Konzert für zwei Violinen und Streichorchester (Uraufführung)
Edvard Grieg Aus Holbergs Zeit. Suite im alten Stil, op. 40

Begrüsst wurden wir durch die kaufmännische Leiterin des ZKO, Helene Eller, die einen gerafften Überblick über den aktuellen Konzertplan des Orchesters gab, etwas Rück – und auch Ausblick und dann das Wort an ihre Kollegin, der künstlerischen Leiterin, Lena – Catharina Schneider übergab, die ein paar kurze Erläuterungen zu den Werken dieses Konzertabends gab.

Wolfgang Amadeus Mozart Adagio und Fuge c-Moll, KV 546

Ein typischer Mozart dieses musikalische «Amuse d’oreille». Die Kopplung eines freien, expressiven Adagios mit einer Fuge für Streicher war in der Berliner Schule weit verbreitet, also nicht etwa aus der Wiener Klassik erwachsen, wobei Kaiser Joseph II. dieses Genre sehr schätze und Mozart ihm wahrscheinlich bedeuten wollte, dass er das Komponieren einer Fuge zumindest ebenso gut beherrschte wie  des Kaisers Hofkomponisten Albrechtsberger und Salieri, die darauf spezialisiert waren.

Schon in dieser Fuge spiegelt sich Mozarts Kühnheit

Daniel Hope Violine und Leitung Foto Ansgar Klostermann

Schon jenes „kurze Adagio“ ist Mozart kühn genug geraten, trotz der äußerlich „barocken“ Gestalt mit punktierten Rhythmen und pathetischen Gebärden. Im Detail herrscht hier jene radikale Konsequenz der Stimmführung, wie er sie in den Jahren 1787/88 entwickelte. Dazu passt wiederum kongenial die Fuge, ein Extrem an Chromatik, wie es selbst Mozart kein zweites Mal geschrieben hat, im Übrigen die einzige vollendete der vielen Klavierfugen, die er 1782/83 studienhalber für den Baron van Swieten begonnen hatte.

Die Damen, hauptsächlich rot gekleidet und die Herren des Orchesters im gewohnten Schwarz, starteten beschwingt, sicht – und hörbar, voll motoviert in den Konzertabend, von Chef Daniel Hope souverän durch die Partitur geführt.

Nach dem langenanhaltenden Applaus richtete auch Daniel Hope ein paar Worte an die Besucher im praktisch ausverkauften grossen Tonhalle Saal.

Arvo Pärt “Tabula rasa”

«Tabula Rasa“ ein Geniestreich, eine Wegmarke der zeitgenössischen Moderne von Pärt. Nach einem achtjährigen Sabbatical, einer  Auszeit, die er dem Studium mittelalterlicher Musik, der Gregorianik und der Renaissance-Polyphonie widmet, findet er 1976 zum Komponieren zurück: Er hat die Lösung für sich selbst in einem gleichsam musikalischen „Zurück zur Natur“ gefunden, in einem Kloster komponiert.

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Synchrones Intro der beiden Violinen bevor sich leise die anderen Streicher dazu schleichen, aber gleich wieder, diesmal abwechselnd von den beiden Violinen «überflogen» werden, alles in eher düsteren, nachdenklichen Notenbögen, fein austariert durch Sebastian Bohren und Daniel Hope und irgendwie fast bestaunt durch ihre Mitmusiker*innen, die je nach dem, auch ins Geschehen eingreifen. Etwa nach der Hälfte der Komposition, hat Arvo Pärt eine längere Orchestersequenz eingefügt, bevor wieder die beiden Solisten in den Vordergrund treten.

Laute Glocke erinnert an die Stille

Das Tintinnabulum links aussen kam heute Abend zum Erklingen bei Pärts tabula rasa

Die zwischendurch immer mal ertönenden Schläge auf dem «Tintinnabulum», einer Art Stangenglocke, erinnert an die Glockenschläge während des Komponisten Aufenthalt im Kloster. Das mit einem roten Filzhammer geschlagene Röhrenglockenspiel setzte dazwischen immer wieder markante Akzente

Gegen Ende eine eigentliches «fade out» das man sonst nur in der Popmusik kennt, in diesem Fall ein zunehmend sanftes Ausstreichen der Töne durch das Cello ins Nirgendwo, bei Pärt wohl in die Stille des Klosters, seinem selbstgewählten temporären Exil.

Das Auditorium zeigte sich tief bewegt ob der hingebungsvollen Interpretation durch die Protagonistinnen und geizte nicht mit dementsprechendem Applaus.

Stilbildend auch für andere Musikgenres

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Welche Bedeutung andere Musiker dem Werk beimessen belegt u.a. die Tatsache, dass einer der bekanntesten Jazzpianisten unserer Zeit, Keith Jarrett, das Werk zusammen mit dem Staatsorchester Stuttgart, den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, dem Lithuanian Chamber Orchestra und Violinist Gidon Kremer auf CD verewigte.

 

Alfred Schnittke Concerto grosso Nr. 3 für zwei Violinen, Streichorchester, Cembalo, Klavier und Celesta

Der 1934 geborene russisch/deutsche Komponist Alfred Schnittke, der in den 50er Jahren am Moskauer Konservatorium studierte und später dort auch unterrichtete, hatte in der damaligen Sowjetunion einen schweren Stand als Komponist und gewann seine Popularität zunächst im Westen, etwa mit den Aufführungen seines 1. “Concerto Grosso” für zwei Violinen, Cembalo, Präpariertes Klavier und Streicher, das 1977 entstand. Zwei Jahre später komponierte er sein Konzert für Klavier und Streicher.

Alfred Schnittkes Komposition Concerto grosso Nr. 3 ist im besten Sinne extrem gespenstisch. Introvertiert und in gleichem Maße explosiv erscheint dieses, da ohne eigentliche Satzbezeichnung,  einsätzige Sonate, deren innere Struktur nur noch die morschen Überreste der Sonatensatzform bestimmt. Dissonante Schock-Stöße beenden erstickende Kantilenen und beschwören einen nervösen Totentanz herauf, während eisige Tremolo-Splitter des Klaviers in einen voll-pedalisierten Malstrom stürzen. Zuletzt durchschießt der schicksalshafte Akkord, der das Stück immer wieder heimsucht, aggressiv das bittersüße Lamento.

Snittkes immense Mannigfaltigkeit

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Um diese Mannigfaltigkeit zu bannen, entwickelte Schnittke seine polystilistische Schreibart: ein Miteinander verschiedener Stilebenen ein parodistisch anmutendes Umspringen zwischen Nähe und Ferne, Höhe und Tiefe, Dichte und Auszehrung. All dem liegt die Vorstellung einer kreisenden Zeit zugrunde, die Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges verschmilzt.

Ich möchte erwähnen, dass alle Antiquitäten in meinen Stücken
von mir nicht gestohlen, sondern gefälscht wurden“, sagte Alfred Schnittke einmal. So zitierte er in diesem Werk einige grosse Komponisten die entweder im Geburts- oder im Todesjahr die Zahl 85 haben. Wie z.B. J.S. Bach, G.F. Händel, und Domenico Scariatti alle  geb. 1685, Alban Berg geb 1885, Gábor Darvas, Paul Creston und Reinhard Schwarz – Schilling, alle gest. 1985 usw.

Heinrich Schütz, porträtiert von Christoph Spätner, um 1660

Schnittke tat dies aus folgendem Grund: Es war die Auftragskomposition der damaligen DDR zur Feier des 300sten Geburtstag des Komponisten Heinrich Schütz. Der 1585 in Köstritz geboren wurde und 1672 in Dresden verstarb.

 

 

 

 

 

 

Konzertmeister Willi Zimmermann

Die Solisten und das Orchester spielten sich hervorragend durch die sehr anspruchsvolle Partitur, wobei Konzertmeister Willi Zimmermann sich ab und zu als Interimsdirigent betätigte.

 

 

 

 

Die Polistlistik als Markenzeichen

Schnittke selbst prägt für seine Kompositionstechnik den Begriff „Polystilistik“.
Aber das ist weit mehr als eine Technik oder ein Begriff: Es ist
ein ästhetisches Programm, ein ernsthafter Versuch, den Teufels-
kreis der nur noch sich selbst genügenden Avantgardemusik zu durchbrechen. „Die großen Figuren der Vergangenheit können nicht verschwinden … Ihre Schatten sind
lebensfähiger als das Pantheon-Gedränge von heute…“, hat Alfred Schnittke behauptet. Mit stilistischen Allusionen – hier im barocken Concertato-Stil – hat Alfred Schnittke einen Zusammenbruch der alten – oder vielleicht auch der aktuellen, weil im Museumsgefängniskasernierten Welt auskomponiert.

Der Ordnung halber hier doch noch die Auflistung der Sätze in dem eigentlich einsätzigen Werk

  1. Allegro
  2. Risoluto
  3. Pesante
  4. [Keine Tempovorgabe] (später als Adagio benannt)
  5. Moderato

Daniel Hope Violine und Leitung

In diesem Werk spielen der Cembalist, der Pianist und die beiden Geiger eine Doppelrolle, indem sie als Konzertsolisten wie auch »gruppenführend« auftreten. Das Concerto grosso  wirkt wie ein veritables Violinkonzert mit zwei zur Hochform auflaufenden brillanten Solisten. Die mal ein Duett spielten, sich darauf förmlich gegenseitig durch die Partitur jagten, sodass sich daraus plötzlich  ein veritables Duell entwickelte, schlicht atemberaubend.

Das sachkundige Auditorium wusste diese grossartige Performance mit den entsprechenden Applauskaskaden zu würdigen, bevor man sich in die Foyers zur Pause begab.

Martin Wettstein The Temple of Silence. Konzert für zwei Violinen und Streichorchester (Uraufführung)

Sebastian Bohren
Photo: Marco Borggreve

Auf dieses Auftragswerk des ZKO war das Auditorium natürlich besonders gespannt, zumal das «Tonhalle Publikum» doch eher als konservativ einzustufen ist.

Es waren dann teilweise auch sehr forsche Töne aber immer ausbalanciert mit feinzislierten Klangfinessen, mal furiose Tonexplosion, mal ganz fein ausgestrichen, progressiv und doch vertraut, erstaunlich, wie Wettstein variiert ohne den Zusammenhalt zu zerstören. .

 

 

Zur Entstehung des Werkes

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Eigentlich hätte er Sänger werden sollen. Herbert Crowley (1873–1937) verliess Lon-
don und begann in Paris bei einem berühmten italienischen Tenor zu studieren. Das
Lampenfieber machte den Traum zunichte, Crowley liess das Singen bleiben. Heute gilt Crowley als unverwechselbarer Zeichner
in den Anfängen des Comics, der ein Stern am New Yorker Kunsthimmel hätte werden können. 1913 war er mit zwei Bildern an der legendären Armory Show zusammen mit anderen europäischen Avantgardekünstlern vertreten. The Temple of Silence ist eine Kollektion streng symmetrischer Bilder von Tempelanlagen, eine Mischung aus Detailversessenheit und Mystik, die nach dem legendären Comic The Wigglemuch entstand. Sein Leben sei wie eine «lange dunkle Wolke, mit einem Lächeln zwischendrin», schrieb Crowley in sein Tagebuch in der
Zeit, als Carl Gustav Jung den Exzentriker in Küsnacht zu therapieren versuchte. Crowley hätte das Umfeld Jungs als «Psychosumpf» empfunden, sagt seine Nichte Susanna  Wettstein Scheidegger und  sie wiederum ist die Tante des Auftragskomponisten Martin Wettstein, der mit der Wiederentdeckung Crowleys im Jahr 2017dessen faszinierende Bildwelt kennenlernte. Die Spiegelsymmetrie ist ein zentrales Verfahren Crowleys und zeichnet auch The Temple of Silence aus. Wettstein greift in seinem gleichnamigen Konzert für zwei Violinen und Streichorchester dieses Verfahren verbindenden Faden zu zertrennen und lässt sich ausserdem von Arvo Pärts Tabula rasa und dessen Reduzierung auf wenige Mittel und ausgewogene Proportionen inspirieren. «Meine Musik soll Menschen von
heute berühren, gar begeistern», sagt Martin Wettstein, «und in ihnen selbst etwas in
Schwingung bringen.»

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Wettsteins Werk ist äusserst komplex, deshalb auch fast nicht möglich zu beschreiben, fehlen doch, natürlich bei einer Uraufführung, auch jegliche Vergleichsreferenzen, sei es in Form von Trailern oder Rezensionen, Kritiken  usw.

 

 

 

Dem aufmerksamen Publikum aber gefielen die aussergewöhnlichen Töne und es spendete denn auch einen langanhaltenden, stürmischen Beifall.

Martin Wettstein

Zum Schluss gesellte sich auch noch Komponist Martin Wettstein zu den Musiker*innen und durfte einen grossen Extraapplaus für sein Werk geniessen.

 

 

 

 

Edvard Grieg «Aus Holbergs Zeit» Suite im alten Stil, op. 40

Erstaunlich liebliche, fast zärtliche Klänge im zweiten Konzertteil, die man von Norwegern, die man sonst eher als unterkühlt, spröde wirkend wahrnimmt, nicht unbedingt erwartet.

Grundsätzliches zur Entstehung

Jede europäische Nation hat ihre Symbolgestalt für den Spätbarock. Für die Franzosen ist es das Louis Quinze, die Epoche Ludwigs XV., für die Portugiesen die große Zeit des König Joao V., für die Deutschen die Bachzeit und für die Engländer die Ära des Premierministers Horace Walpole. In Norwegen ist es der Dichter Ludvig Holberg, den die gesamte Nation mit jener Zeit identifiziert. Der große Sohn der Stadt Bergen wurde 1684 geboren, ein Jahr vor Bach und Händel, und drückte als Philosoph, Dichter und Humorist der Epoche seinen Stempel auf.

Hommage zum 200sten Geburtstag eines grossen Norwegers

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Als seine Heimatstadt 1884 seinen 200. Geburtstag feierlich beging, trug der damals berühmteste Bewohner Bergens, Edward Grieg, mit einer Kantate für Männerchor und einer Klaviersuite zum Gelingen des Jubiläums bei. Auf einer Reise nach Berlin instrumentierte Grieg die Klaviersuite Aus «Holbergs Zeit «für Streichorchester. Es wurde eines seiner bis heute populärsten Werke, das er gleichwohl nicht mochte. Dennoch gilt die Suite neben den Streicherserenaden von Dvorak und Tschaikowsky als das dritte große Werk der Spätromantik für Streichorchester.

Norwegen à la «française»

Was Grieg hier mit den Mitteln des romantischen Streicherklangs wiederbelebte, war die spätbarocke Orchestersuite mit ihren französischen Tanzformen. Er benutzte vier der beliebtesten Barocktänze, Sarabande, Gavotte, Musette und Rigaudon, denen er ein Präludium voranstellte und eine Air beigab.

Beim Präludium erinnern aufsteigende Skalen im punktierten Rhythmus an die französischen Ouvertüren des Barock. Darauf folgt als erster Tanz Satz die langsame Sarabande, die hier aller barocken Erdenschwere beraubt ist und träumerisch-süß daherkommt, besonders im Mittelteil mit seiner Bratschen-Melodie. Die Gavotte dagegen verwandelt den typischen Zwei-Viertel-Auftakt dieses Tanzes in geradezu unverschämt gute Laune, und auch die folgende Musette, ein Tanz, der dem Dudelsack seinen Namen verdankt, ist an rustikaler Eingängigkeit nicht zu übertreffen.

Genau diese unverschämt gute Laune wussten die Damen und Herren auf der Orchesterbühne vollumfänglich auf das Publikum zu übertragen

Als lyrischen Kontrapunkt ließ Grieg eine Air in g-Moll folgen, einen melancholischen Gesang, den er als “religiöses Andante”, sprich: als Gebet bezeichnete. Zweifellos dachte er dabei an die Air aus der 3. Orchestersuite von Bach, das auch heute noch berühmteste Beispiel einer barocken Air.

Den delikaten Schlusspunkt setzt ein Rigaudon, ein schneller Tanz mit charakteristischem Auftakt aus Viertel-Zwei-Halben. Unter Griegs Händen verwandelt sich dieser Rhythmus in ein duftiges Rondo zu Pizzicato-Begleitung mit sanftem g-Moll-Mittelteil.

Das Orchester lief zur Hochform auf, begeisterte, verbreitete Wohlgefallen  mit seinem freudvollen schwelgerischen Spiel.

Das Auditorium, begeistert vom grossartigen Spiel der Protagonist*innen, feierte diese mit einem langanhaltenden, nicht enden wollenden Schlussapplaus.

Dafür beschenkten uns die Zürcher noch mit einer rassigen Zugabe in Form des letzten Satzes «Alla Tarantella»: Prestissimo con fuoco von Erwin Schulhoff (1894-1942) aus fünf Stücke für Streichquartett (1923), die irgendwie Rimski Korsakows «Hummerflug» zitierte.

Die Proagonistinnen bedanken sich für den Applaus

Da auch hier der Applaus nicht enden wollte, bemerkte Daniel Hope, dass man uns hier behalten wolle und sie deshalb noch, mit dem Streichquartett a-Moll, ein äusserst anspruchsvolles Werk von Sir William Turner Walton spielen würden.

Fazit

Einmal mehr ein äusserst gelungener, beeindruckender Konzertabend beim ZKO in der grossartigen, von 2017 bis 2021 für ca. 175 Millionen Franken, total neurenovierten Tonhalle in Zürich.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.zko.ch

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Tonhalle-Zürich-grosser-Konzertsaal vor dem Konzert

Sebastian Bohren und Daniel Hope engagiert auf der Bühne auf der ViolineFoto von Linda Schürmann ZKO

Daniel Hope inmitten seines Orchesters Foto Sandro Diener

Hochkonzentriert am zuhören

Konzertmeister Willi Zimmermann

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Die Proagonistinnen bedanken sich für den Applaus

Konzertfoto von Linda Schürmann ZKO

Die Proagonistinnen bedanken sich für den Applaus

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Die heimischen Erdbeeren sind da, weiss Herbert Huber

Erdbeeren schon der Duft verführt

Es lohnt sich mehr als nur auf die heimischen Erdbeeren zu warten. Und mit zwei speziellen Rezept Ideen erst recht. Im tiefsten Winter werden die Konsumenten heutzutage verführt Erdbeeren zu kaufen. Ob sie Geschmack haben oder nicht – es müssen einfach Erdbeeren sein.

Erdbeeren im Körbli
Erdbeeren im Körbli

Aus Peru oder Südafrika. Später z.B aus Huelva in Spanien. Mit dieser Geschichte allerdings will ich Ihnen die Lust auf Erdbeeren nicht vergällen. Darüber haben Kassensturz und „espresso“ von SRF ausführlich berichtet. Oder googeln sie mal:  Erdbeeren Huelva.

Nun, dass die Menschen nicht warten mögen, bis die Saison für Erdbeeren da ist, ist keine «Erfindung» der letzten Jahre.

Erdbeerernte
Erdbeerernte

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die sich im Palace Hotel Gstaad zugetragen hat: In den 1960er-Jahren. Tiefer Winter. Otto Schlegel, der Küchenchef, war mit dem Wunsch eines Gastes herausgefordert, subito Erdbeeren zu organisieren. Der Gemüselieferant aus Luzern besorgte diese aus Japan, wohl zur Sorte «Fragaria Nipponica» gehörend. Jede Beere wurde einzeln in Seidenpapier verpackt geliefert.  Der Preis sprach sich unter den Angestellten wie ein Lauffeuer herum: 3 Franken das Stück. Wir Köche mit unserem Monatslohn von 320 Franken begannen zu rechnen …

Kletter-Erdbeere  Hummi
Kletter-Erdbeere Hummi

Heute sind Erdbeeren kein Luxusprodukt mehr, im Gegenteil. Die fast ganzjährige Verfügbarkeit, oft zu Tiefstpreisen angeboten, schaden dem Ansehen der Erdbeere. Leider, denn nach wie vor sind einheimische Erdbeeren etwas Wunderbares. Und oh Wonne, jetzt sind sie da. Also die beste Zeit unsere Erdbeeren zu geniessen ist jetzt. Dazu 2 Tipps aus meinem Repertoire.

Erdbeersuppe

Erdbeeren mit Blüten
Erdbeeren mit Blüten

Die Hälfte der gekauften, schön reifen Erdbeeren pürieren und daraus mit Zucker, Prosecco eine suppenflüssige Sauce zubereiten. Total rechnet man etwa 250 gr pro Person. Mit etwas Zitronensaft und einer Umdrehung schwarzen Pfeffers aus der Mühle abschmecken. Die restlichen Erdbeeren in Scheiben schneiden und in einen Suppenteller legen. Die Sauce darüber geben. Die Beeren müssen zugedeckt sein. Kurz vor dem Servieren eine Kugel Erdbeerrahmeis (oder auch Sorbet) darauf. Das Ganze dann mit etwas Pfefferminz oder speziell mit Basilikumstreifen bestreuen.

Mit Erdbeeren gefüllte Crêpe

Erdbeeren zählt man zu den Nüssen
Erdbeeren zählt man zu den Nüssen

In einer feuerfesten Portionenform eine dünne Crêpe hineinlegen. Mit ein wenig

Zucker und einem Schuss Grand Marnier erwärmte, gescheibelte Erdbeeren drauflegen. Eine zweite Crêpe darauflegen.

Hängende Gärten der Semirmamis
Hängende Gärten der Semirmamis

Etwas geschlagenen Vollrahm mit einem Eigelb vermischen und das Ganze über die Crêpes verteilen. Bei starker

Oberhitze im Ofen auf oberster Rille bei 220 Grad kurz überbacken. Am Schluss eine Kugel Vanilleeis darauf und sofort servieren.

Erdbeeren es gibt sie auch in weiss
Erdbeeren es gibt sie auch in weiss

P.S Schlagrahm aus der Dose? Schweizer Milch wird nach Belgien oder Italien gekarrt, dort abgefüllt und wieder zurück in die Verkaufsregale gehievt. Von Hand geschlagener Rahm ist nicht nur ein Ritual sondern mundet auch besser. Oder einfach Doppelrahm oder extra „Beeri“ Rahm aus der Molkerei.

Wissenswertes über die “Erdbeere” genannte Nuss

Erdbeerernte im Treibhaus
Erdbeerernte im Treibhaus

Dass die Erdbeere eine Nuss ist, klingt erst mal befremdlich, deutet ihr Name doch auf eine Beere hin. Wie sich die Erdbeere wirklich botanisch zuordnen lässt, erfährst du in diesem Artikel.

Kleiner Geniesser erwischt beim Naschen der süssen Frucht
Kleiner Geniesser erwischt beim Naschen der süssen Frucht

Erdbeeren gehören botanisch betrachtet zu den Rosengewächsen. Ursprünglich wuchsen die Pflanzen nur in bewaldeten Regionen, durch die geringere Sonneneinstrahlung war das Obst deutlich kleiner. Im Laufe der Zeit wurden Erdbeeren mit mehr Fruchtfleisch gezüchtet. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an Sorten.

Doch Erdbeeren sind nicht nur aromatisch und süß. Sie stecken auch voller gesunder Inhaltsstoffe und sind zudem kalorienarm. Sie enthalten mehr Vitamin C als etwa Zitronen oder Orangen. Auch für Folsäure sind Erdbeeren ein guter Lieferant. Außerdem sind sie reich an Mineralstoffen wie

  • Eisen,
  • Calcium,
  • Kalium und
  • Zink.

Erdbeere: Nuss oder Nüsse?

Die eigentlichen Früchte der Erdbeere sind die kleinen Kerne – Nüsse genannt – auf ihrer Oberfläche. (Foto: CC0 / Pixabay / allanlau2000)

Anders als der Name der Erdbeere vermuten lässt, handelt es sich bei ihr um keine Beere. Botanisch zählt sie zu den Scheinfrüchten. Der rote, aromatische Teil der Erdbeeren ist eigentlich ein Teil der Blüte.

Nur bei den kleinen Kernen auf der Oberfläche handelt es sich aus botanischer Sicht um Früchte, genauer gesagt um Nussfrüchte. Diese vielen Nüsschen machen die Erdbeere zu einer Sammelnussfrucht. Deswegen befindet sich im Inneren auch kein Kern.

Nur wenige Nutzpflanzen gehören zu den Sammelnussfrüchten. Neben den Erdbeeren ist die Hagebutte der bekannteste Vertreter.

Erdbeeren sind für ihre Verbreitung auf Tiere und Menschen angewiesen. Sie essen das süße Fruchtfleisch (oder genauer: den fruchtigen Blütenboden) und scheiden die unverdauten Nüsse im Ganzen wieder aus.

Übrigens: Auch Himbeeren und Brombeeren zählen botanisch betrachtet nicht zu den Beeren. Wie Erdbeeren gehören sie zur Familie der Sammelsteinfrüchte. Johannisbeeren und Heidelbeeren hingegen würden auch Botaniker:innen als Beeren bezeichnen, da aus jeder Blüte tatsächlich eine Beere entsteht.

Text   www.herberthuber.ch

Fotos www.pixelio.de

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Erdbeeren assortiert

Spargel Salat mit Erdbeeren und Rucola

Erdbeeren in der Schwangerschaft lieber nicht

Marinierte Erdbeeren

Erdbeer Trifle Augen und Gaumenschmaus

Coupe Romanow ein Klassiker

Erdbeeren ein Genuss in allen Variationen

Erdbeer-Clafoutis

Schoko Erdbeeren spezielle Delikatesse

Auch ein Genuss als Erdbeer Shake

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Abschlusspublikation aus Wearable-Projekt InviDas veröffentlicht

Abschlusspublikation: Wearables und individuelle digitale Souveränität
Abschlusspublikation: Wearables und individuelle digitale Souveränität

Die Abschlusspublikation „Wearables und individuelle digitale
Souveränität“ präsentiert die Forschungsergebnisse des Projekts InviDas.

Berlin, 28. April 2023 – Wie kann eine reflektierte Entscheidungsfindung
im Hinblick auf die eigene Nutzung von Wearables und die eigenen Daten
gelingen? Welche Alternativen und Innovationen sind denkbar und notwendig?
Lassen sich diese auf andere Anwendungsbereiche übertragen? Die heute
veröffentlichte Publikation „Wearables und individuelle digitale
Souveränität“ des Projekts InviDas liefert Einblicke und Erkenntnisse zu
diesen Fragestellungen aus der dreijährigen Forschungsarbeit.

Der transdisziplinäre Forschungsverbund beleuchtet in den insgesamt sieben
Beiträgen, welche Herausforderungen Nutzer*innen haben, um Datenströme und
Datenschutzinformationen bei Wearables zu verstehen und stellt daran
anknüpfend Lösungsvorschläge dar. Dabei stand die Frage im Fokus, wie
interaktive Visualisierungen dazu beitragen können, informierte und
reflektierte Entscheidungen zu unterstützen.

Neben der Darstellung des nutzer*innenzentrierten Forschungsansatzes steht
die interaktive Visualisierung von Datenschutzinformationen auf der im
Projekt entwickelten Plattform datenschutzlotsin.de im Vordergrund.
Weitere Beiträge gehen auf die modellbasierte Softwareentwicklung und die
ethischen Implikationen von Wearables und deren Nutzung ein. Zudem werden
erforschte und analysierte Sicherheitsrisiken sowie die potenzielle
wirtschaftliche Verwertbarkeit und Nutzbarkeit der Plattform diskutiert.

ÜBER DAS PROJEKT

Der transdisziplinäre Forschungsverbund des Projekts InviDas, bestehend
aus Gesellschaft für Informatik, Stiftung Digitale Chancen, Garmin
Würzburg GmbH, RWTH Aachen, Universität Bremen und Otto-Friedrich-
Universität Bamberg, erforschte und entwickelte Ansätze und Lösungen, die
den Nutzer*innen von Wearables einen besseren Einblick in die
Datenschutzimplikationen und Datenflüsse ermöglichen. Gemeinsam wurden
alle Projektergebnisse, insbesondere die technischen Lösungen, iterativ
und partnerübergreifend erarbeitet.

Das Projekt InviDas (=Interaktive, visuelle Datenräume zur souveränen,
datenschutzrechtlichen Entscheidungsfindung; Laufzeit: 2020 bis 2023)
wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des
Forschungsprogramms „Technik zum Menschen bringen“ gefördert.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Elisabeth Schauermann

Originalpublikation:
https://gi.de/fileadmin/PR/InviDas/Invidas-Abschlusspraesentation.pdf

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