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Eine Woche im (Klavier-)Glück Luzerns Klavierfestival «Le Piano Symphonique» ab 2024 mit Martha Argerich als «Pianiste Associée»

Martha Argerich Foto (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

Es geht bereits in die dritte Runde: das Klavierfestival «Le Piano Symphonique» des Luzerner Sinfonieorchesters.

Und es wartet mit einer besonderen Sensation auf: Ab 2024 wird die legendäre Pianistin Martha Argerich «Pianiste Associée» des Klavierfestivals, das vom 16.–21. Januar 2024 am Vierwaldstättersee stattfindet. Damit dürfte Luzern – weltweit beachtet – seinen Ruf als «Hauptstadt des Klaviers», wie die NZZ apostrophierte, nun endgültig manifestieren.

Seit Jahren mit dem Luzerner Sinfonieorchester und dessen Intendanten Numa Bischof Ullmann freundschaftlich verbunden, wird Martha Argerich als «Pianiste Associée» künftig eine Schlüsselrolle im Klavierfestival «Le Piano Symphonique» einnehmen: „Ich bin glücklich, Pianiste Associée des neuen Luzerner Klavierfestivals «Le Piano Symphonique» zu werden. Schon beim vergangenen Klavierfestival im Februar 2023 hatte ich eine wunderschöne Zeit und fühlte mich überaus gut aufgehoben. Es war eine Woche voller Freude, persönlicher Begegnungen und ganz besonderer Atmosphäre. Die Einladung des künstlerischen Leiters Numa Bischof Ullmann, in Zukunft eine Schlüsselrolle beim Klavierfestival 2024 zu übernehmen, habe ich mit Begeisterung angenommen. Beim «Le Piano Symphonique» wird es außergewöhnliche Programme geben, mit schönen Überraschungen, einmaligen Begegnungen und viel Freude für alle Musikbegeisterten.“ Der Begriff «Associée» darf dabei durchaus wörtlich genommen werden: Einerseits betont er die langfristige Mitwirkung Martha Argerichs, andererseits meint er ebenso grundsätzlich das gemeinsame Musizieren mit anderen Pianistinnen und Pianisten beim Klavierfestival.

Somit eröffnen sich dem Klavierfestival «Le Piano Symphonique» nochmals ganz neue Perspektiven und pianistische Gipfeltreffen: Martha Argerich wird sowohl im Duo (16.1.), als Premiere auf großer Bühne erstmals zusammen mit Jean-Yves Thibaudet (19.1.) sowie im Klaviertrio (17.1.) als auch in einer «Carte Blanche» zu erleben sein. Und das in einem illustren Kreis großartiger Pianistinnen und Pianisten ‒ unter ihnen an gleich drei Tagen Maria João Pires (16., 18.1.& 20.1.) in einem Rezital, im Duo zu vier Händen mit Argerich und Leonskaja und in Schuberts Winterreise mit Matthias Goerne. Elisabeth Leonskaja (17.&18.1.) spielt Griegs Klavierkonzert und ist erstmalig in einem Duo zu vier Händen mit Pires zu hören. Zudem wird eine Auswahl führender Pianisten der nächsten Generation wie David Fray (17.1.), Benjamin Grosvenor (19.1.), Oliver Schnyder (18.1.) und Kit Armstrong (19.&20.1.) Luzern vom 16.–21. Januar 2024 pianistisch verzaubern. Kammermusikalisch runden weltbekannte Größen wie die Geigerin Janine Jansen und Mischa Maisky am Cello (17.1.) das Programm „L‘Art du Trio avec Piano“ ab.

Mit Rising Star Yoav Levanon (Nachwuchsstar beim «Le Piano Symphonique» 2023) wird das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Michael Sanderling die beiden Klavierkonzerte von Liszt (17.&18.1.) sowie dessen «Totentanz» (20.1.) spielen und auch für Warner Classics aufnehmen.

Die vierzehnjährige französische Pianistin Arielle Beck (19.1.) wird zudem als die „Entdeckung 2024“ des Festivals vorgestellt.

Dass das Klavierfestival «Le Piano Symphonique» definitiv im Hier und Jetzt, also in der unmittelbaren Gegenwart angekommen ist, zeigen zwei Kompositionsaufträge an Marc-André Hamelin (20.1.) und Brett Dean (19.1.), die im Rahmen des Klavierfestivals im Januar 2024 ihre Uraufführung erleben werden.

Das renommierte Klaviermagazin «Piano News» schrieb unlängst: „Dass «Le Piano Symphonique» mit seinen spannenden und diversen Programmgestaltungen eine große Zukunft hat, steht außer Frage … es ist ein Segen für alle Klavierliebhaber, die gerne Ungewöhnliches entdecken wollen und dafür eine Reise in das wunderschöne Luzern in Kauf nehmen.“

Nutzen Sie die einmalige Gelegenheit, Künstlerinnen und Künstler von Weltruf und internationalem Rang aus unmittelbarer Nähe zu erleben ‒ in den Räumen des KKL Luzern, im Orchesterhaus des Luzerner Sinfonieorchesters in Kriens, in der ehrwürdigen Lukaskirche sowie im stilvollen Hotel Schweizerhof.

https://sinfonieorchester.ch/de/klavierfestival-le-piano-symphonique-2/

 

Klavierfestival Luzern «Le Piano Symphonique»

Termine 16.-21. Januar 2024 (Kurzübersicht Programme)

 

 

* Dienstag *

 

  1. Januar 2024 | 19 Uhr | Luzern | KKL

Eröffnungskonzert

Mario João Pires Klavier

 

Werke von Debussy, Mozart & Schubert

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  1. Januar 2024 | 21:30 Uhr | Luzern | KKL

Martha Argerich & Maria João Pires Klavier

 

Werke von Mozart & Schubert

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* Mittwoch *


  1. Januar 2024 | 12:30 Uhr | Luzern | Lukaskirche

David Fray Klavier

 

Werke von Schubert

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  1. Januar 2024 | 19 Uhr | Luzern | KKL

Yoav Levanon Klavier

Elisabeth Leonskaja Klavier

Luzerner Sinfonieorchester

Michael Sanderling Chefdirigent

 

Werke von Liszt (Levanon) & Grieg (Leonskaja)

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  1. Januar 2024 | 21 Uhr | Luzern | KKL

Martha Argerich Klavier

Janine Jansen Violine

Mischa Maisky Violoncello

 

“L’Art du Trio avec Piano”

Das Programm wird später bekannt gegeben.

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* Donnerstag *

 

  1. Januar 2024 | 12:30 Uhr | Luzern | Lukaskirche
    Oliver Schnyder & Daniel Behle

„made in Switzerland“

 

Werke von Mendelssohn, Schubert, Liszt und Strauss

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  1. Januar 2024 | 19 Uhr | Luzern | KKL

Yoav Levanon Klavier

Luzerner Sinfonieorchester

Michael Sanderling Chefdirigent

 

Werke von Liszt und Wagner

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  1. Januar 2024 | 20:30 Uhr | Luzern | KKL

Surprise

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  1. Januar 2024 | 21 Uhr | Luzern | KKL

Elisabeth Leonskaja Klavier

Werke von Schumann

 

Elisabeth Leonskaja & Maria João Pires Klavier

Werke von Schubert

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* Freitag *

 

  1. Januar 2024 | 12:30 Uhr | Luzern | Lukaskirche

Benjamin Grosvenor Klavier

 

Werke von Schumann, Dean (UA) & Liszt

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  1. Januar 2024 | 16:30 Uhr | Luzern | tba

«Entdeckung 2024»

Arielle Beck Klavier

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  1. Januar 2024 | 19 Uhr | Luzern | KKL

Jean-Yves Thibaudet Klavier

 

Debussy Préludes Buch 1&2

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  1. Januar 2024 | 21 Uhr | Luzern | KKL

Martha Argerich & Jean-Yves Thibaudet Klavier

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  1. Januar 2024 | 21:30 Uhr | Luzern | KKL

Kit Armstrong Orgel

 

Liszt Fantasie und Fuge über den Choral “Ad nos, ad salutarem undam”

 

* Samstag *

 

  1. Januar 2024 | 12:30 Uhr | Luzern | Lukaskirche

Kit Armstrong Klavier

 

Liszt 12 Transzendentale Etüden

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  1. Januar 2024| 16:30 Uhr | Luzern | Café Kunstmuseum

Panel/Colloquium mit Kit Armstrong

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  1. Januar 2024 | 18 Uhr | Luzern | Luzerner Saal (OH Kriens)

Performance der Musikschule Luzern von rund 100 Pianisten

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  1. Januar 2024 | 19 Uhr | Luzern | KKL

Yoav Levanon Klavier

 

Liszt Totentanz

Hamelin “Hexensabbat” (world premiere)

 

Matthias Goerne & Maria João Pires

Schubert Die Winterreise op. 89, D 911

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  1. Januar 2024 | 21:30 Uhr | Luzern | KKL

Martha Argerich Klavier

 

Carte blanche

Das Programm wird später bekanntgegeben

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* Sonntag *

 

  1. Januar 2024 | 11 Uhr | Luzern | Schweizerhof

Llyr Williams Klavier

 

Werke von Schubert/Liszt & Wagner/Liszt

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Statement: „Die eigene Willenskraft ist Rauchstopp-Maßnahme Nummer 1“

Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver stellt zentrale Ergebnisse der RauS-
Studie vor

Der Rückgang der Raucher/-innen ist in Deutschland ins Stocken geraten:
Während die Zahl jugendlicher Raucher/-innen bis 2022 jährlich einen
historischen Tiefstand erreicht, bleibt die Rauchprävalenz im mittleren
und höheren Erwachsenenalter stabil oder steigt sogar an. „Dieser Trend
ist besorgniserregend, denn Rauchen ist das größte vermeidbare
Gesundheitsrisiko der Deutschen. Umso wichtiger ist es, mehr über dieses
Thema zu sprechen, zu forschen und zu debattieren“, betont Prof. Dr. Heino
Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung
(ISFF) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS),
anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai. „Zwar ist die Bereitschaft
zum Aufhören unter Rauchenden grundsätzlich hoch, gleichzeitig gelingt der
Rauchstopp häufig erst nach mehreren Versuchen oder aber erst, wenn dieser
mit einer gewissen Ernsthaftigkeit angegangen wird.“

Gemeinsam mit seinem Team sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
des Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt (CDR) und
des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg
(ZIS) untersuchte Stöver in der sogenannten Rauchstopp-Studie (RauS),
welche Mittel und Methoden zur Rauchentwöhnung angewandt werden und
inwiefern sie wirklich hilfreich sind. Durch die im Zuge der Studie
durchgeführte Online-Befragung konnten insgesamt 6.192 Stichproben von
aktuellen und ehemaligen Raucherinnen und Rauchern erhoben werden.

„93 Prozent der Studien-Teilnehmenden gaben an, mindestens einen Versuch
unternommen zu haben, mit dem Rauchen aufzuhören. Im Schnitt benötigten
die Befragten knapp vier ernsthafte Rauchstopp-Versuche bis zum Erfolg. 61
Prozent der Teilnehmenden nannten die eigene Willenskraft neben dem
Wechsel zur E-Zigarette als die Rauchstopp-Maßnahme Nummer 1. Sie wird
gleichzeitig auch als am hilfreichsten bewertet“, erklärt Stöver.
Gleichzeitig gäbe es nur wenige als evidenzbasiert geltende Rauchstopp-
Methoden. Aus den Studienergebnissen lässt sich ablesen, dass ärztliche
oder telefonische Beratung, Einzel- oder Gruppentherapien,
Nikotinersatztherapie mit Kaugummi oder Pflastern oder eine
medikamentengestützte Behandlung nur bei einem kleinen Teil der
Rauchstopp-Versuche angewendet werden. Mit diesen Ergebnissen können
Erkenntnisse vorheriger Studien, etwa der DEBRA[1]-Studie, bestätigt
werden.

Stöver ergänzt: „Gerade unter den eher wenig genutzten Rauchstopp-Methoden
fällt auf, dass Apps und Websites sowie Ortswechsel vergleichsweise gut
bewertet werden – hier existiert möglicherweise ein Potenzial, das stärker
genutzt werden könnte.“ Ähnliches zeige sich für Ersatzrituale oder
individuelle Methoden: neben der Verwendung von häufig genannten Kaugummis
sowie diversen essbaren Dingen wie Bonbons oder Lutschpastillen gaben die
Befragten eine Vielzahl von Möglichkeiten an, mit denen sie sich im Zuge
ihres Rauchstopp-Versuchs alternativ beschäftigten bzw. aktuell
beschäftigen.

Faktoren, welche die Motivation für den Rauchstopp begünstigen, sind
vielfältig. „Neben unangenehmen Begleiterscheinungen wie schlechtem Geruch
spielt das Thema Gesundheit die mit Abstand dominierende Rolle. Eigene
Erkrankungen, die nichts mit dem Rauchen zu tun haben, werden oftmals als
Startpunkt für Rauchstopp-Versuche genutzt“, so der Suchtexperte weiter.
„Sie erhöhen das Bewusstsein um mögliche Schäden und Regeneration, um
konkrete eigene gesundheitliche Probleme oder solche im engeren Umfeld.
Auch Verantwortung für eigene Kinder, angefangen mit Schwangerschaften,
später in Form einer Vorbildfunktion, ist für viele Raucherinnen und
Raucher eine wichtige Motivation für den Rauchstopp. An dieser Stelle
sollten Präventions- oder Ausstiegsprogramme für Rauchstopp-Willige
ansetzen.“

„Neben den Faktoren, die den Rauchstopp positiv beeinflussen, gibt es
jedoch auch Probleme und Hindernisse, auf die Raucherinnen und Raucher bei
ihrem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, stoßen. Eine Vielzahl dieser
Hemmnisse geht auf bestimmte, mit dem Rauchen verbundene Rituale zurück,
die auch gesellschaftliche Aspekte einbeziehen“, so der Suchtexperte.
„Dies können etwa ritualisierte Rauchpausen auf der Arbeit, die Zigarette
in Verbindung mit dem Konsum von Kaffee oder alkoholischen Getränken, die
generelle Tagesstruktur oder auch andere Rauchende im sozialen Umfeld bzw.
Freundeskreis sein. Gleichzeitig gibt es weitere Alltagssituationen, die
das Rauchen ‚triggern‘ und damit den Rauchstopp verzögern können.“
Konkrete Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit und Unruhe, erhöhter
Appetit, Konzentrationsschwäche, Schlafprobleme oder Kopfschmerzen seien,
so das Ergebnis der Studie, weniger ausschlaggebend.

Die detaillierten Ergebnisse der RauS-Studie können in der 2023 im
Frankfurter Fachhochschulverlag erschienenen Publikation „Die Zigarette
liegt in den letzten Zügen. Alternative Formen der Nikotinaufnahme“
eingesehen werden.

Gerne steht Prof. Dr. Stöver für Interviews, Fragen und weitere Statements
rund um die sozialwissenschaftlichen Aspekte von
Rauchentwöhnungsstrategien zur Verfügung.

Zur Person:
Prof. Dr. Heino Stöver ist Dipl.-Sozialwissenschaftler und Professor für
sozialwissenschaftliche Suchtforschung am Fachbereich Soziale Arbeit und
Gesundheit der Frankfurt UAS. Er leitet seit 2009 das Institut für
Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF). Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist
die sozialwissenschaftliche Suchtforschung. Stövers Forschungsschwerpunkte
sind von hoher gesellschaftlicher Bedeutung, da diese Zielgruppen
gesundheitlich und teils sozial extrem belastet sind und oft zu spät
behandelt werden. Die späte Behandlung kann zum Tod führen und verursacht
hohe Kosten, die bei früherer Behandlung verringert werden könnten. In den
letzten fünf Jahren hat Stöver mehr als 20 Forschungsprojekte für
nationale und internationale Auftraggeber durchgeführt und hat dafür bei
diversen nationalen und internationalen Fördermittelgebern Dritt- und
Forschungsfördermittel in Höhe von mehr als 2,5 Mio. Euro eingeworben.

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Tagung zu Antifeminismus und Autoritarismus im Nahen Osten und Osteuropa

In Verbindung mit dem Erstarken autoritärer populistischer Bewegungen im
Nahen Osten und Osteuropa sind in den letzten Jahren Tendenzen erkennbar,
Demokratisierungsprozesse rückgängig zu machen. Der erfolgreiche Versuch,
bedeutende Teile der Öffentlichkeit zu mobilisieren, resultiert aus einer
gesellschaftlichen Polarisierung im Zuge empfundener Krisen. Der
Rechtspopulismus befasst sich im Allgemeinen mit dem Drang, das
"authentische Selbst" der Nation wiederherzustellen. Gerade Feminismus und
"gender" sind als Feindbilder in diesem Prozess wirksam geworden. Daher
stehen Autoritarismus sowie Antifeminismus und anti-gender Politiken in
einer engen Wechselwirkung.

Ausgehend von diesen Befunden haben das Herder-Institut für Historische
Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft sowie das
Centrum für Nah- und Mitteloststudien und das Zentrum für Gender Studies
und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg
internationale Wissenschaftler:innen eingeladen, die antifeministische
Politik autoritärer Regime im Nahen und Mittleren Osten sowie in Osteuropa
in vergleichender Perspektive zu diskutieren. Die von der Fritz Thyssen
Stiftung für Wissenschaftsförderung geförderte Konferenz führt zwei
Forschungsstränge zusammen: die Untersuchung von Antifeminismus und
geschlechterfeindlicher Politik und die Untersuchung von autoritärem
Populismus. Sie konzentriert sich auf zwei Regionen, in denen gegenwärtig
antifeministische und anti-gender Politiken deutlich erkennbar sind und
die bisher aus einer vergleichenden Perspektive zu wenig erforscht wurden.
Die Vortragenden werden einen besonderen Fokus auf die Rolle des
jeweiligen Staates und der organisierten Religionen in diesen Prozessen
ebenso legen wie auf die gegenhegemonialen Strategien der feministischen
Frauenrechtsbewegungen. Besondere Höhepunkte werden die Keynotevorträge
von Nadje Al-Ali (Brown University) und von dem Mitglied des UN Committee
on the Elimination of Discrimination against Women Dalia Leinartė
(Vilnius) darstellen.

Weitere Informationen zum Programm erhalten Sie unter: https://www.herder-
institut.de/event/anti-feminism-and-anti-gender-politics-in-authoritarian-
regimes/

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Aus dem Leben gerissen: Plötzlicher Herztod bei jungen Menschen – wie davor schützen?

Junge Herzen retten: Für mehr Aufklärung und Forschung zu den Ursachen des
plötzlichen Herztods bei jungen Menschen starten die Herzstiftung, das
Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome in
Frankfurt und die Sportmedizin Saarbrücken die Initiative „Gemeinsam gegen
den plötzlichen Herztod“

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Bei einem Großteil der Betroffenen bestand eine langjährige
Erkrankung der Herzkranzgefäße, die koronare Herzkrankheit (KHK). „Das hat
den Effekt, dass der plötzliche Herztod und seine Ursachen von vielen
Menschen eher als ein Problem des Alters wahrgenommen werden, weil die KHK
als Risikokrankheit für den plötzlichen Herztod meistens erst bei älteren
Menschen konkret in Erscheinung tritt. Aber nicht für alle Betroffenen des
plötzlichen Herztods ist das der Fall“, berichtet Herzspezialist Prof. Dr.
med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
„Auch junge sportliche Menschen unter 40 Jahren erleiden, wenn auch
selten, einen plötzlichen Herztod. Plötzlich und unerwartet kommt es bei
ihnen meist ohne die bekannten vorherigen Warnzeichen zum Herzstillstand“,
warnt Voigtländer. Das führte etwa der prominente Fall des dänischen
Profifußballers Christian Eriksen vor Augen. Dieser bekam während der EM
2021 auf dem Rasen einen plötzlichen Herztod, den er dank schneller
professioneller Reanimation überlebt hat. „Wir sehen für diese junge
Risikogruppe dringlichen Aufklärungsbedarf, etwa zu den ganz spezifischen
Ursachen, die hier einen plötzlichen Herztod bedingen können“, betont der
Kardiologe und Intensivmediziner.
Das Aufklären der Bevölkerung und ein besseres Verständnis der Ursachen
des plötzlichen Herztods bei jungen Menschen durch mehr Forschung stehen
daher im Fokus der neuen Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen
Herztod“. Die Deutsche Herzstiftung, das Zentrum für plötzlichen Herztod
und familiäre Arrhythmiesyndrome am Universitätsklinikum Frankfurt am Main
und das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des
Saarlandes starten diese Initiative gemeinsam unter anderem mit
Informationen für betroffene Familien und Interessierte unter
https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten

Plötzlich und unerwartet sterben 1.000 bis 2.000 junge Menschen pro Jahr
In etwa 40 Prozent der Fälle sind die Betroffenen eines plötzlichen
Herztodes im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Im Alter von 1 bis 40 Jahren
rechnen Experten mit jährlich 1.000 bis 2.000 Todesfällen durch
plötzlichen Herztod in Deutschland – bei hoher Dunkelziffer. Im Sport
liegt die Häufigkeit bei 1 bis 2 Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden
pro Jahr. Ursachen des Herztodes im jungen Alter sind meistens angeborene
Herzfehler, Veränderungen der Herzkranzgefäße (Koronaranomalien),
Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und vor allem genetisch bedingte
Herzerkrankungen. Aber auch Drogenkonsum (z. B. Kokain, Amphetamine) zählt
zu den Ursachen in diesem Lebensabschnitt. „Dass auch junge Menschen dem
plötzlichen Herztod – wenn auch selten – zum Opfer fallen können, wissen
viele nicht. Der plötzliche Herztod bei jungen, scheinbar gesunden
Menschen scheint meistens das erste Anzeichen der zugrundeliegenden
Erkrankung zu sein, weil die genannten Herzerkrankungen lange ohne
eindeutige Beschwerden verlaufen können“, erklärt Prof. Dr. Silke
Kauferstein, Leiterin des Zentrums für plötzlichen Herztod und familiäre
Arrhythmiesyndrome am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums
Frankfurt am Main. „Aufgrund der erblichen Komponente dieser
lebensgefährlichen Herzereignisse müssen wir potenzielle Risikogruppen in
der Bevölkerung für diese Thematik sensibilisieren.“

Den plötzlichen Herztod besser verstehen: Bundesweites Register für
Prävention
Am Zentrum für plötzlichen Herztod bauen Prof. Kauferstein und ihr Team
ein bundesweites Register für die Prävention plötzlicher Herztodesfälle
„RESCUED“ (REgister zur Prävention des Sudden/UnExpected Cardiac Death)
auf, ein Projekt, das auch von der Herzstiftung mit rund 100.000 Euro
gefördert wird (Infos: https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten).
„Unser gemeinsames Ziel ist es, auf Basis der Register-Daten zu einem
besseren Verständnis der Ursachen des plötzlichen Herztods bei jungen
Menschen zu gelangen, um datenbasiert Risikofaktoren für plötzliche
Herztodesfälle zu erkennen und gezielte personalisierte
Präventionsstrategien entwickeln zu können“, erklärt der Herzstiftungs-
Vorsitzende Voigtländer die umfangreiche Förderung. Im Fokus der
Untersuchungen stehen insbesondere erbliche Genvarianten als Auslöser
bösartiger Herzrhythmusstörungen in den Herzkammern, die zum
Herzstillstand führen. Um plötzliche Herztodesfälle wissenschaftlich
auszuwerten, ist eine möglichst breit aufgestellte Datenbasis nötig. Daher
arbeitet das Frankfurter Zentrum mit anderen Registern zusammen, u. a. mit
dem Sudden Cardiac Death (SCD)-Register Deutschland unter der Leitung von
Prof. Dr. Tim Meyer, Ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und
Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Die Herzstiftung ist
Partner auch dieses SCD-Registers.

Familienangehörige als mögliche Risikopatienten: Gen-Untersuchung kann
schützen
Genvarianten zählen zu den häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztods im
jungen Alter. Zugleich stellen sie einen großen Anteil an plötzlichen
Herztodesfällen, die trotz Obduktion ungeklärt bleiben: 40 Prozent der
Herztodesfälle bei den 1- bis 40-Jährigen. Diese Fälle werden auch „Sudden
Arrhythmic Death Syndrome“ (SADS) genannt. Hinter SDAS können sich
Genvarianten verbergen, die zu elektrischen Herzerkrankungen, so genannten
Inonenkanalerkrankungen, mit Potenzial für bösartige Herzrhythmusstörungen
wie Kammerflimmern führen. Dazu gehören zum Beispiel das Long-QT-Syndrom
(LQTS), das Brugada-Syndrom (BrS), die Katecholaminerge polymorphe
ventrikuläre Tachykardie (CPVT). Andere Genvarianten können aber auch zu
strukturellen Veränderungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien) führen wie
beispielsweise der Arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie
(ARVC). Am Beispiel der Mainmetropole Frankfurt schätzen Experten die Zahl
der Patienten mit LQTS auf etwa. 300 und mit BrS auf 76 bis 230.
Bei ungeklärten plötzlichen Herztodesfällen in jungen Jahren, aber auch
bei anderen Todesumständen wie Tod im Schlaf oder plötzlichem Tod im
Wasser wird eine Untersuchung der Verstorbenen inklusive der postmortalen
Gendiagnostik empfohlen. Auch wird den betroffenen Familien in einer
eigens dafür eingerichteten Spezialambulanz angeboten, dass bei ihnen
selbst eine genetische und kardiologische Untersuchung im Hinblick auf ein
Risiko für einen plötzlichen Herztod erfolgt. Das Frankfurter Zentrum für
plötzlichen Herztod ist eine solche Anlaufstelle für Betroffene.
„Familienangehörige sind potenzielle Risikopatienten, weil diese
Herzerkrankungen häufig mit einem 50-prozentigen Risiko für Angehörige
ersten Grades einhergehen, selbst Träger der Genveränderung zu sein“,
erklärt die Molekularbiologin Kauferstein. Eine kardiologische
Untersuchung dieser Verwandten ersten Grades „kann daher Hinweise
erbringen, die zur Prävention des plötzlichen Herztodes oder von anderen
lebensbedrohlichen Herzereignissen beitragen“. Denn viele dieser
Erkrankungen sind gut behandelbar bzw. es gibt Vorsichtsmaßnahmen. Neben
Beratung, Diagnosestellung und gegebenenfalls Therapieentscheidungen
arbeitet das Frankfurter Zentrum mit Kardiologen und weiteren Spezialisten
zusammen, um diese frühen Todesfälle bestmöglich aufzuklären. „Je nach
Risikoprofil des Patienten geht es um bestimmte Maßnahmen wie das
Vermeiden bestimmter Medikamente oder bestimmter Sportarten, die
Rhythmusstörungen begünstigen, oder um eine Schrittmacher-Therapie mit
einem implantierbaren Defibrillator, der vor Kammerflimmern schützt“,
erklärt Kauferstein.

Auf Warnsignale für ein Herztod-Risiko in jungen Jahren achten
Es sind Fälle wie diese, die Angehörige und nahestehende Menschen der
verstorbenen Person mit Fassungslosigkeit hinterlassen: der
Vierzehnjährige, der noch quickfidel das Fußballtraining absolviert und
den die Eltern am Abend tot im Haus vorfinden. Oder der 19-Jährige, den
seine Freundin am Morgen nach dem Wecker klingeln im Bett röcheln hört und
dann kurz darauf leblos im Bett findet. Beide Todesereignisse haben
gemeinsam, dass keine vorherigen Warnsignale für den plötzlichen Herztod
bekannt waren.
„Allerdings sehen wir bei unseren detaillierten Untersuchungen von
plötzlichen Herztodesfällen durchaus Warnsignale, die man ärztlich
abklären sollte, die aber oftmals verkannt wurden“, bestätigt Prof.
Kauferstein. Auf die folgenden Warnsignale sollte man deshalb achten:
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen), besonders bei spezifischen
Auslösern wie Stress, schriller Wecker, sportliche Belastung
- Krampfanfälle ohne eindeutig pathologische Befunde (z. B. Epilepsie)
einer Elektroenzephalographie (EEG)
- plötzliche ungeklärte Todesfälle in jungen Jahren in der Familie
- plötzlicher unerwarteter Tod im Wasser
- nicht erklärbarer Autounfall (auch bei bekannter Epilepsie)
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und/oder Herzschrittmacherpflichtigkeit
vor dem 50. Lebensjahr

„Wer beispielsweise ohne erkennbaren Grund einfach so auf dem Weg zum
Supermarkt in Ohnmacht fällt, sollte diesen Ohnmachtsanfall beim Arzt
abklären lassen“, betont Prof. Kauferstein im Herzstiftungs-Podcast zu
diesem Thema. Er ist zu hören unter https://herzstiftung.de/junge-herzen-
retten

Selten, aber auch bei jungen Sporttreibenden möglich: plötzlicher Herztod
beim Sport
Regelmäßiger Sport ist eine der effektivsten Maßnahmen, um das Herz lange
gesund und leistungsfähig zu halten. Doch plötzliche Herztodesfälle beim
Sport, so selten sie sich ereignen, können verunsichern. Je nach Studie
liegt die Häufigkeit des plötzlichen Herztods beim Sport bei 1 bis 2
Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden pro Jahr. Beim Sport beschleunigt
sich der Herzschlag deutlich – unproblematisch für ein gesundes Herz. Ist
es aber vorgeschädigt, kann die zugrundeliegende Sympathikusaktivierung
Kammerflimmern auslösen, das unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zum Tod
führt. Bei den häufigsten Ursachen für plötzliche Herztodesfälle beim
Sport ist zu unterscheiden zwischen Sportlerinnen und Sportlern unter 35
Jahren und darüber.

Angeborene Herzfehler oder erblich bedingte Herzerkrankungen häufige
Ursache
In nahezu allen Fällen liegt dem plötzlichen Herztod beim Sport eine
unerkannte Herzerkrankung zugrunde. „Bei Sportlerinnen und Sportlern unter
35 Jahren sind nach aktuellen Untersuchungen die häufigsten Ursachen eine
vorzeitige koronare Herzkrankheit genetisch bedingte Arrhythmiesyndrome
wie SADS und eine Myokarditis“, berichtet Prof. Meyer, Mitglied im
Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. Während des Sports können
durch die hohe Belastung, die hohe Herzfrequenz und den erhöhten
Sauerstoffbedarf des Herzens die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
ausgelöst werden. „Verpflichtende sportmedizinische Untersuchungen können
das Risiko eines plötzlichen Herztodes bei Sportlern deutlich senken“,
betont Sportmediziner Prof. Meyer. „Auch junge Menschen ohne
diagnostizierte Herzerkrankung sollten, bevor sie aktiv Sport betreiben,
ihr Herz untersuchen lassen, wenn sie belastungsabhängige Beschwerden
spüren, ungeklärte Bewusstlosigkeiten hatten oder wenn nahe Angehörige an
Herzerkrankungen leiden.“ Junge Erwachsene mit angeborenem Herzfehler
(EMAH) sollten – auch unabhängig von sportlicher Aktivität - ihr Herz
regelmäßig von einem EMAH-Spezialisten kontrollieren lassen.
Ab dem 35. bis 40. Lebensjahr, in dem Alter also, in dem auch das Risiko
für die Entwicklung einer KHK steigt, nimmt auch das Risiko für
plötzlichen Herztod zu. Bei Sportlern ab 35 Jahren ist dafür die KHK mit
etwa 80 Prozent mit Abstand häufigste Ursache. „Durch den beschleunigten
Herzschlag und den erhöhten Blutdruck während des Sports können Plaques
aus Blutfetten wie Cholesterin, Bindegewebe und Kalkablagerungen relevant
werden, an denen sich Blutgerinnsel bilden, die das Herzkranzgefäß
verschließen. Es kommt zum Herzinfarkt, der zu Kammerflimmern und
schließlich dem Herztod führen kann“, erklärt der Kardiologe Prof.
Voigtländer. Das Risiko für diese Todesfälle lässt sich ebenfalls durch
eine sportmedizinisch-kardiologische Untersuchung senken. Mit dem
Gemeinschaftsprojekt „Lebensretter sein: Fußballer lernen Wiederbelebung“
fördern die Herzstiftung und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) besonders bei
dieser Zielgruppe der Ü-Fußballer durch Schulungen die Bereitschaft zur
Laien-Reanimation und den korrekten Umgang mit der Notfallsituation eines
Herzstillstands.

Gefahr durch Myokarditis: Bei Infektion ist Schonung angesagt
Sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Sportlern kann auch eine
unerkannte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zum plötzlichen Herztod
führen. Diese kann z. B.  nach einer vorangegangenen, meist viralen
Infektion (z. B. Parvovirus/SARS-CoV-2) auftreten. Eine aktuelle Studie
zeigt, dass fast alle jungen Sportler, die aufgrund einer Myokarditis
gestorben waren, vorher eine Infektion der oberen Atemwege durchgemacht
hatten. „Wir raten Sportlerinnen und Sportlern deshalb, sich bei einem
Infekt immer ausreichend zu schonen und das Training erst dann wieder
aufzunehmen, wenn sie wieder vollständig gesund sind und sich fit fühlen.“
Patienten mit einer gesicherten Myokarditis müssen sich mehrere Monate
konsequent schonen: viel Ruhe, keine körperliche Belastung, keinerlei
Sport oder Ausdauertraining. Dies gilt auch für schwere körperliche Arbeit
im Beruf. Sport ist erst wieder nach einer Karenzzeit von mindestens drei
bis sechs Monaten möglich, wenn sich die Herzfunktion komplett erholt hat
und der Sportkardiologe nach Untersuchungen grünes Licht gibt.
(wi)

Info-Service
Aufklärungskampagne der Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen
Herztod“
Zahlreiche Informationen für betroffene Familien, medizinische Fachkreise
und Interessierte bietet die Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen
Herztod“ der Deutschen Herzstiftung, des Zentrums für plötzlichen Herztod
und familiäre Arrhythmiesyndrome und der Sportmedizin Saarbrücken auf der
Landing Page unter https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten

Herzstiftungs-Podcast über den plötzlichen Herztod bei jungen Menschen:
Der Podcast „Herzstillstand bei Teenagern – Schicksal oder vermeidbar?“
mit der Molekularbiologin und Rechtsmedizinerin Prof. Dr. Silke
Kauferstein (Universitätsklinikum Frankfurt am Main) ist abrufbar unter
https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/podcasts/herzstillstand-
teenager


Quellen:

- Bohm P et al., Sports-Related Sudden Cardiac Arrest in Germany, Can J
Cardiol. 2021 Jan; 37(1):105-112. doi: 10.1016/j.cjca.2020.03.021. Epub
2020 Mar 23.
- Bohm, Ph. et al.: Data from a nationwide registry on sports-related
sudden cardiac deaths in Germany, in: European Journal of Preventive
Cardiology 2016, Vol. 23(6), 649–656.
- Homepage des SCD-Register Deutschland: https://www.sportmedizin-
saarbruecken.de/de/forschung/aktuelle-projekte/sudden-cardiac-death-scd-
register-

Statements der Experten/-in

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung
Kardiologe, Ärztlicher Direktor, Agaplesion Bethanien-Krankenhaus und
Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt a. M.

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jährlich sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Die Bandbreite der Ursachen des plötzlichen Herztods ist komplex,
sie reicht insbesondere von der häufigsten Ursache, der koronare
Herzkrankheit (KHK), über Herzerkrankungen wie Herzschwäche und
Herzklappenerkrankungen bis hin zu angeborenen Herzfehlern und erblich
bedingten Herzerkrankungen. Weil der plötzliche Herztod in aller Regel
kein schicksalhaftes Ereignis ist, vor dem es kein Entkommen gibt, sondern
Komplikation einer - in den meisten Fällen – langjährigen Herzerkrankung,
müssen wir als Patientenorganisation für chronisch kranke Herz-Kreislauf-
Patienten und als Förderinstitution der Herz-Kreislauf-Forschung dauerhaft
in die Aufklärung, Forschung und Prävention dieser Krankheiten
investieren.

Im Kampf gegen die Sterblichkeit durch plötzlichen Herztod stellt deshalb
die Deutsche Herzstiftung rund eine Million Euro an
Sonderforschungsförderung für Forschungsvorhaben zum plötzlichen Herztod
im gesamten Bundesgebiet zur Verfügung. Zusätzliche Fördermittel in Höhe
von rund 100.000 Euro stellt die Herzstiftung für das bundesweite Register
zur Prävention plötzlicher Herztodesfälle „RESCUED“ (REgister zur
Prävention des Sudden/UnExpected Cardiac Death) am Universitätsklinikum
Frankfurt am Main zur Verfügung. Ein weiterer wichtiger Baustein mit Fokus
auf die jungen Menschen mit Risiko für einen plötzlichen Herztod ist die
Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod“ mit der Herzstiftung,
dem Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am
Universitätsklinikum Frankfurt am Main und dem Institut für Sport- und
Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Infos:
https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Silke Kauferstein
Molekularbiologin und Leiterin des Zentrums für plötzlichen Herztod und
familiäre Arrhythmiesyndrome am Institut für Rechtsmedizin des
Universitätsklinikums Frankfurt am Main

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Dass bei einem Großteil der Betroffenen eine langjährige Erkrankung
der Herzkranzgefäße, die koronare Herzkrankheit (KHK) bestand, darf nicht
darüber hinwegtäuschen, dass auch junge sportliche Menschen unter 40
Jahren - wenn auch selten - einen plötzlichen Herztod erleiden. Plötzlich
und unerwartet kommt es bei ihnen meist ohne die bekannten vorherigen
Warnzeichen zum Herzstillstand. Dass auch junge Menschen dem plötzlichen
Herztod zum Opfer fallen können, wissen viele nicht!

In etwa 40 Prozent der Fälle sind die Betroffenen eines plötzlichen
Herztodes im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Im Alter von eins bis 40
Jahren kommt es schätzungsweise zu jährlich 1.000 bis 2.000 Todesfällen
durch plötzlichen Herztod in Deutschland – bei hoher Dunkelziffer.
Ursachen des Herztodes im jungen Alter sind neben angeborenen Herzfehlern,
Veränderungen der Herzkranzgefäße (Koronaranomalien), Herzmuskelentzündung
(Myokarditis) vor allem genetisch bedingte Herzerkrankungen. Der
plötzliche Herztod bei jungen, scheinbar gesunden Menschen scheint oft das
erste Anzeichen der zugrundeliegenden Erkrankung zu sein, weil die
genannten Herzerkrankungen lange ohne eindeutige Beschwerden verlaufen
können. Allerdings zeigen sich doch in einem relevanten Teil dieser Fälle
Warnhinweise wie z.B. unklare Ohnmachtsanfälle, die oft verkannt wurden.

Aufgrund möglicher erblicher Komponenten als Grundlage dieser
lebensgefährlichen Herzereignisse müssen wir potenzielle Risikogruppen,
allen voran Angehörige die einen jungen Menschen in der Familie haben, der
einen plötzlichen Herztod erlitt, für diese Thematik sensibilisieren. Mit
der Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod“ machen wir auf
Informationsangebote für Betroffene sowie auf Spezialambulanzen mit
Diagnose-, Therapie-, und Präventionsangeboten wie das Zentrum für
plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am Frankfurter
Universitätsklinikum unter https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten
aufmerksam.

Prof. Dr. med. Tim Meyer
Ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der
Universität des Saarlandes und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der
Deutschen Herzstiftung.

Regelmäßiger Sport ist eine der effektivsten Maßnahmen, um das Herz lange
gesund und leistungsfähig zu halten. Plötzliche Herztodesfälle beim Sport,
so selten sie sich auch bei augenscheinlich ‚gesunden‘ und
leistungsfähigen Sportlern ereignen, sind ein tragisches Ereignis und
können verunsichern. Sie sollten Menschen aber keineswegs davon abhalten,
regelmäßig Sport zu treiben. In nahezu allen Fällen liegt dem plötzlichen
Herztod beim Sport eine unerkannte Herzerkrankung zugrunde.

Vor allem bei Freizeitsportlern höheren Alters und Wiedereinsteigern
erhöhen ungewohnt hohe Belastungsintensitäten das Risiko eines plötzlichen
Herztodes. Intensives Sporttreiben und insbesondere wenig kontrollierbarer
Wettkampfsport erhöht das Risiko eines plötzlichen Herztodes, weil hohe
körperliche Belastungen bei Menschen mit unerkannten Herzerkrankungen
gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen können. Präventive
sportmedizinische Untersuchungen können das Risiko eines plötzlichen
Herztodes bei Sportlern deutlich senken. Auch junge Menschen ohne
diagnostizierte Herzerkrankung sollten, bevor sie aktiv Sport betreiben,
ihr Herz untersuchen lassen, wenn sie belastungsabhängige Beschwerden
spüren, ungeklärte Bewusstlosigkeiten hatten oder wenn nahe Angehörige an
Herzerkrankungen leiden.

Ziel des SCD-Registers Deutschland ist es, die Größenordnung plötzlicher
Todesfälle sowie überlebter Herztodesfälle beim Sport abzuschätzen und
insbesondere deren Ursachen möglichst genau zu erfassen. Weitere Register
wie das von der Herzstiftung geförderte Frankfurter RESCUED-Register zur
Prävention von plötzlichen Herztodesfällen auch außerhalb des Sportsektors
sind von enormer Bedeutung, damit wir bestehende Screening- und
Präventionsmaßnahmen verbessern bzw. ergänzen können, um eine Abnahme
tragischer Einzelfälle zu erreichen.

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