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Immunologisches Gedächtnis schützt langfristig vor Coronavirus

Nach einer SARS-CoV-2-Infektion oder einer Coronavirus-Impfung werden
bestimmte Abwehrzellen gebildet, die einen langfristigen Immunschutz
verleihen. Diese langlebigen Gedächtnis-T-Zellen tragen wesentlich dazu
bei, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Forschende der Universität
Zürich haben nun entschlüsselt, wie dieses immunologische Gedächtnis
entsteht.

Wie eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder eine Immunisierung durch Impfungen
zu einer langfristig schützenden Immunität führen kann, ist nach wie vor
ungeklärt. Onur Boyman, Direktor der Klinik für Immunologie, und sein
Forschungsteam von der Universität Zürich und vom Universitätsspital
Zürich, haben nun genauer untersucht, wie sich ein solcher Langzeitschutz
ausbildet. Zusammen mit Forschenden der ETH Zürich haben sie jene
Signalmoleküle identifiziert, die entscheiden, wann aus einer Immunzelle
eine sogenannte Gedächtnis-T-Zelle gebildet wird.

Von kurzlebigen zelltötenden zu langlebigen Gedächtnis-T-Zellen

Die von B-Zellen produzierten, virusspezifischen Antikörper allein reichen
für die effektive Abwehr des neuen Coronavirus nicht aus. Ebenso wichtig
für die Immunität gegen SARS-CoV-2 ist die zelluläre Immunantwort. Zentral
sind hier virusspezifische T-Zellen des Typs «CD8+». Sie erkennen jene
Körperzellen, die vom Virus infiziert sind, und töten diese ab. Diese
zytotoxischen T-Zellen bekämpfen somit jene Viren, die sich in den
Wirtszellen verstecken, und verhindern so, dass Millionen neuer Viren
freigesetzt werden. «Diese T-Zellen sind aber nur kurze Zeit aktiv und
sterben rasch ab. Wichtig für einen langfristigen Immunschutz sind
langlebige Gedächtnis-T-Zellen, die bei einem erneuten Viruskontakt sehr
rasch aktiv werden», betont Boyman. Bezeichnet wird dieses Phänomen als
immunologisches Gedächtnis.

Bisherige Studien untersuchten die gesamten CD8+-T-Zell-Populationen, die
gegen das Virus gebildet werden. Boyman und seinem Team ist es nun
gelungen, einzelne virusspezifische T-Zell-Klone von Personen, die sich
mit SARS-CoV-2 infiziert haben, von der akuten Infektion bis zu einem Jahr
nach der Genesung nachzuzeichnen. Und damit auch jene Signalmoleküle zu
identifizieren, die für den Übergang von der akuten Zelltötungs- zur
langfristigen Gedächtnisphase verantwortlich sind – eine Art molekulare
Signatur.

Botenstoffe des Immunsystems bestimmen Zellentwicklung

Wie die Forschenden zeigen, war die Signatur der langlebigen CD8+
Gedächtnis-T-Zellen bereits während der akuten Infektion vorhanden. Sie
liessen sich somit frühzeitig von ihren kurzlebigen Pendants
unterscheiden. «Die eindeutige Signatur der Gedächtniszellen enthält
Signale für Immunbotenstoffe wie etwa Interferone, die bei der Abwehr von
SARS-CoV-2, aber auch generell bei der Kontrolle von Virusinfektionen
wichtig sind», erklärt Onur Boyman.

Immunantwort unterscheidet sich von Patient zu Patient

Die Studie trägt dazu bei, zu verstehen, wie das immunologische Gedächtnis
gegen SARS-CoV-2 gebildet und aufrechterhalten wird – oder nicht. Denn
während manche Infektionen zu einem robusten und langanhaltenden
Immungedächtnis führen, ist dies bei anderen nicht der Fall. Die neu
identifizierte Signatur ermöglicht zudem herauszufinden, bei welcher Art
der Infektion – milder oder schwerer Verlauf bzw. auf die Schleimhäute
begrenzter oder systemischer Verlauf – eine langfristige Immunität
gebildet wird. Auch die Impfstoffe, die unterschiedliche Inhalts- und
Hilfsstoffen enthalten, beeinflussen die Immunantwort. «Auch wenn jeder
Mensch etwas anders auf das Virus oder einen Impfstoff reagiert, trägt die
zelluläre Immunität bei geimpften und genesenen Personen wesentlich dazu
bei, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern», so Boyman.

Finanzierung
Die Studie wurde finanziell unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds
(SNF), vom Klinischen Forschungsschwerpunkt CYTIMM-Z der Universität
Zürich (UZH), einem Innovationsgrant des Universitätsspitals Zürich (USZ),
dem Pandemiefonds der UZH, vom Botnar Research Centre for Child Health
(BRCCH) sowie von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen
Wissenschaften (SAMW).

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Weltkrebstag: BZgA informiert über Risiken von Rauchen und Alkohol

Zum Weltkrebstag am 4. Februar 2022 weisen die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Beauftragte der Bundesregierung
für Sucht- und Drogenfragen auf die Risiken von Rauchen und Alkohol hin.
In Deutschland erkranken rund 500.000 Menschen jährlich an Krebs, nahezu
240.000 Menschen sterben daran. Im Jahr 2020 waren die vielfach durch
Rauchen hervorgerufenen Krebserkrankungen der Atemwege die häufigste
Krebsart mit Todesfolge: Mehr als 46.000 Menschen verstarben daran.
Demnach ist Rauchen der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für die
Entstehung von Krebs.

Auch Alkohol kann Krebs auslösen. Mehr als 20.000 Krebserkrankungen
jährlich sind in Deutschland auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen.
Besonders gefährdet, an Krebs zu erkranken, sind Raucherinnen und Raucher,
die gleichzeitig riskant Alkohol trinken. Die Kombination von
Alkoholkonsum und Rauchen verursacht insbesondere Krebserkrankungen der
oberen Atemwege und des oberen Verdauungstraktes, wie Mundhöhlen-,
Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs.

Burkhard Blienert, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und
Drogenfragen: „Wenn wir uns anschauen, wie viele Menschen in Deutschland
und weltweit an den Folgen von Tabak- und Alkoholkonsum versterben, wird
deutlich: Es gibt akuten Handlungsbedarf! Daher haben wir im
Koalitionsvertrag auch klar formulierte Ziele: Mehr Prävention gerade für
Kinder, Jugendliche und Schwangere sowie restriktivere Maßnahmen bei
Werbung und Sponsoring. Das sind wichtige Vorhaben im Sinne des Jugend-
und Gesundheitsschutzes, denen wir in dieser Legislatur nachkommen
müssen.“

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Für das Rauchen und den Konsum von
Alkohol gilt: Je mehr konsumiert wird, umso höher ist das Risiko für eine
Krebserkrankung. Nichtrauchen und der Verzicht auf Alkohol sind deshalb
die beste Wahl, um einer Krebserkrankung vorzubeugen. Damit das gelingen
kann, unterstützt die BZgA Bürgerinnen und Bürger mit kostenlosen und
nachweislich wirksamen Angeboten und Tipps.“

Für den ersten Schritt in ein rauchfreies Leben bietet die BZgA mit
https://www.rauchfrei-info.de eine kostenlose telefonische Beratung zum
Rauchstopp und ein Online-Ausstiegsprogramm an.

Die BZgA-Informationsangebote der Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“
helfen weiter mit Empfehlungen zum verantwortungsvollen Umgang mit
Alkohol: Gesunde Frauen sollten nicht mehr als ein kleines alkoholisches
Getränk pro Tag trinken, gesunde Männer nicht mehr als die doppelte Menge.
Mindestens zwei Tage pro Woche sollten alkoholfrei sein, damit sich keine
Gewöhnung einstellt, die schleichend zur Sucht werden kann.

Angebote der BZgA zur Unterstützung beim Rauchstopp:

Telefonische Beratung unter der kostenfreien Rufnummer 0800-8 31 31 31
(Mo.-Do. von 10 bis 22 Uhr, Fr.-So. von 10 bis 18 Uhr)

Online-Ausstiegsprogramm mit bewährten Informationen, Tipps und täglicher
E-Mail sowie persönlicher Begleitung durch Online-Rauchfrei-Lotsinnen und
-Lotsen auf https://www.rauchfrei-info.de

START-Paket zum Nichtrauchen mit Broschüre „Ja, ich werde rauchfrei“,
einem „Kalender für die ersten 100 Tage“, einem Stressball und anderen
hilfreichen Materialien.
Kostenlose Bestellung bei der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung, 50819 Köln, Fax: 0221/8992257, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Informationen zu Rauchen und Krebserkrankungen unter: https://www
.rauchfrei-info.de/informieren/rauchen-gesundheit/krebserkrankungen

Die BZgA beteiligt sich mit ihren Rauchstopp-Angeboten an der
Bundesinitiative „Rauchfrei leben – Deine Chance".
Weitere Informationen unter: https://www.nutzedeinechance.de

Informationen der BZgA zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol:

Informationen für Erwachsene unter:
https://www.kenn-dein-limit.de
Informationen für Jugendliche ab 16 Jahren unter:
https://www.kenn-dein-limit.info
Informationen für Jugendliche unter 16 Jahren unter:
https://www.null-alkohol-voll-power.de

Beratungstelefon der BZgA zur Suchtvorbeugung unter 0221-89 20 31 (Mo.-Do.
von 10 bis 22 Uhr, Fr.-So. von 10 bis 18 Uhr, Preis entsprechend der
Preisliste des Telefonanbieters für Gespräche in das Kölner Ortsnetz)

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Forum Gesundheitsforschung stellt Indikatoren für erfolgreiche Kooperationen vor

Kooperationen sind heute für eine effektive und erfolgreiche
Spitzenforschung unerlässlich. Das gilt insbesondere in der
Gesundheitsforschung mit ihren aktuellen und zukünftigen großen
Herausforderungen. Das Forum Gesundheitsforschung hat konkrete Ziele und
Indikatoren für gewinnbringende Kooperationen zusammengestellt, die den
beteiligten Akteuren helfen sollen, ihre Zusammenarbeit ziel- und
erfolgsorientierter zu planen und umzusetzen.

„Gewinnbringende Gestaltung und Steuerung von Kooperationen“ – unter
diesem Titel hat das Forum Gesundheitsforschung ein Papier herausgebracht.
Es richtet sich an alle Akteure in der Gesundheitsforschung, um
Stellenwert, Mehrwert und Ergebnisorientierung von Kooperationen zu
stärken. Zusammenarbeit ist auch in der Gesundheitsforschung kein
Selbstzweck, sondern sie liefert die Grundlage für eine effiziente und
erfolgreiche Forschung sowie den Transfer von Erkenntnissen in die
Versorgung und das Gesundheitswesen. Voraussetzung ist eine effektive
Planung und Steuerung. Hierfür liefert das Papier konkrete Anhaltspunkte.

Schlüsselindikatoren helfen bei Planung und Umsetzung

Kernpunkt des Papieres ist die Vorstellung von Schlüsselindikatoren (Key
Performance Indicators, KPIs) als Hilfsmittel für die Weiterentwicklung
bestehender sowie für die erfolgsorientierte Gestaltung neuer
Kooperationen. Diese KPIs können von Akteuren konkreter Kooperationen
entlang ihrer jeweiligen Hintergründe und Ziele ausgewählt und angepasst
werden. So können sie zielorientiert planen, Leistung und Erfolg ihrer
Zusammenarbeit abschätzen, und entsprechend steuern. Dies soll im Ergebnis
dazu dienen, insbesondere strategisch und langfristig angelegte
Kooperationen effektiver und erfolgreicher, und damit auch attraktiver für
alle Beteiligten zu gestalten.

Indikatoren bieten auch nützliche Hilfestellungen für Evaluationen

Das Papier ist dem Forum zufolge nicht nur geeignet für die Steuerung und
Erfolgsmessung von Kooperationsprojekten. Vielmehr könne es auch für die
Formulierung von Leitfragen und Bewertungskriterien für Begutachtungs-
oder Evaluationsprozesse genutzt werden. Das Forum Gesundheitsforschung
plant, sich auch über die Erarbeitung der Empfehlung hinaus kontinuierlich
mit dem Thema Kooperationen zu befassen.

Über das Forum Gesundheitsforschung

Dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten
Forum Gesundheitsforschung gehören die fachlichen Spitzenvertreterinnen
und -vertreter der deutschen Forschungsorganisationen, der Wirtschaft und
des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung
sowie Vertreterinnen und Vertreter der Patientenschaft und der
Versorgungsseite an. Das Forum ermöglicht einen systematischen,
organisationsübergreifenden und kontinuierlichen Dialog zwischen den
verschiedenen Akteuren in der deutschen Gesundheitsforschung und
erarbeitet Empfehlungen zu wichtigen Fragen der Gesundheitsforschung.

Über den DLR Projektträger
Die Geschäftsstelle des Forums Gesundheitsforschung ist beim DLR
Projektträger angesiedelt. Der DLR Projektträger bietet als einer der
größten Projektträger Deutschlands seit nahezu 50 Jahren umfassende,
wissensbasierte Dienstleistungen rund um das Management von Forschung,
Bildung und Innovation. Zu seinen Auftraggebern gehören Bundesministerien,
die Europäische Kommission, Bundesländer sowie Wissenschaftsorganisationen
und Verbände. Er berät zu Strategien und Programmen, steuert begleitende
Dialogprozesse, plant und übernimmt die operative Umsetzung von
Förderprogrammen, unterstützt den Wissenstransfer und evaluiert die
Wirkung von Programmen und Initiativen der Auftraggeber.

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Boehringer-Ingelheim-Preis: Neue Erkenntnisse zu Blutkrebs und Immunsystem

Dr. Sabine Muth vom Institut für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz wird mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis für theoretische Medizin ausgezeichnet.  Peter Pulkowski
Dr. Sabine Muth vom Institut für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz wird mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis für theoretische Medizin ausgezeichnet. Peter Pulkowski

Die Boehringer Ingelheim Stiftung zeichnet den Mediziner Dr. Michael Kühn
und die Biologin Dr. Sabine Muth mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis aus.
Kühn erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für klinische Medizin. Er hat
herausgefunden, dass sich mit einer Kombination zweier Medikamente eine
häufige Blutkrebserkrankung wesentlich effektiver behandeln lässt als
bisher. Muth erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für theoretische
Medizin. Sie hat einen Signalweg entdeckt, über den Bakterien der
Darmflora das Immunsystem aktivieren. Die Erkenntnisse haben hohe
klinische Relevanz, weil sie neue Möglichkeiten für Therapien eröffnen.
Die Preise sind jeweils mit 15.000 Euro dotiert.

„Ich freue mich sehr für die beiden Preisträger:innen, die sich mit solch
wichtigen Forschungsthemen beschäftigen und diese mit großer
Professionalität vorantreiben – ein Beleg dafür, dass die Forschung an der
Universitätsmedizin Mainz einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis
von Erkrankungen leistet. Weiterhin danke ich der Boehringer Ingelheim
Stiftung, dass sie die Nachwuchswissenschaftler:innen der
Universitätsmedizin Mainz bereits seit so vielen Jahren würdigt“, sagt der
Wissenschaftliche Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin Mainz,
Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann.

„Wir sehen derzeit noch deutlicher, wie wichtig medizinische Forschung für
uns alle ist. Daher freuen wir uns, dass wir mit dem Boehringer-Ingelheim-
Preis exzellente Talente fördern, motivieren und anspornen können. Dr.
Kühn und Dr. Muth haben einmal mehr gezeigt, welch hohes Niveau die
Forschung an der Universitätsmedizin Mainz hat. Ich gratuliere beiden
herzlich im Namen der Stiftung“, sagt Christoph Boehringer, Vorsitzender
des Vorstandes der Boehringer Ingelheim Stiftung.

Der Boehringer-Ingelheim-Preis wird seit 1969 jährlich an
Nachwuchsforscher:innen der Universitätsmedizin Mainz verliehen. Den
Preisträger:innen sind unter anderem grundlegende Erkenntnisse über das
Immun-, das Herz-Kreislauf- und das Nervensystem, über
Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder über Krebs zu verdanken. Rund
dreißig von ihnen leiteten oder leiten inzwischen Kliniken oder Institute
an Universitätskliniken.

Zur Arbeit von Dr. Michael Kühn:

Dr. Michael Kühn, Oberarzt und Leiter einer Emmy Noether-Forschungsgruppe
an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin
Mainz, erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für klinische Medizin für
seine Arbeit: „Synergistic targeting of FLT3 mutations in AML via combined
menin-MLL and FLT3 inhibition“, veröffentlicht in der Fachzeitschrift
„Blood“.

Kühn hat mit einem Forschungsteam aus Wissenschaftler:innen
herausgefunden, dass sich durch die Kombination von zwei neuen
Medikamenten eine bestimmte Form der sogenannten akuten myeloischen
Leukämie (AML), einer häufigen Blutkrebserkrankung, wesentlich besser
eindämmen lässt, als wenn die Medikamente einzeln verabreicht werden.

Für die aktuelle Studie haben Kühn und sein Team im Labor zunächst
untersucht, wie eine neue Klasse von molekular zielgerichteten
Medikamenten (sogenannte Menin-Hemmstoffe) genau auf die Leukämiezellen
wirken. Dadurch stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass die
Medikamente ein bestimmtes Gen, FLT3 genannt, hemmen. „Das ist
bemerkenswert, denn es war bereits bekannt, dass eine Mutation dieses Gens
in etwa 30 Prozent der Fälle zur Leukämieentwicklung beiträgt“, sagt Kühn.
Schon vor einiger Zeit waren Medikamente entwickelt worden, welche die
Aktivität des Enzyms hemmen, das durch das FLT3-Gen produziert wird. Diese
sogenannten FLT3-Hemmer drängen die Leukämie anfangs häufig zurück und
wirken lebensverlängernd. Sie heilen die Krankheit aber nicht. Und ihre
Wirkung lässt mit der Zeit bei vielen Patient:innen nach, da die
Krebszellen Resistenzen gegen diese Medikamente entwickeln können. In
früheren Arbeiten hatte Kühn bereits herausgefunden, dass sich bei der
untersuchten Blutkrebsart in den kranken Zellen zwei bestimmte Proteine,
Menin und MLL, miteinander verbinden und so die Krankheit auslösen.

Im nächsten Schritt hat das Team um Kühn deshalb geprüft, was passiert,
wenn sie Patient:innen zusammen mit den FLT3-Hemmer Medikamente geben, die
die Produktion von Menin und MLL hemmen. „Im Ergebnis zeigt sich eine
synergistische Wirkung der Kombinationstherapie, das heißt, dass sich
dadurch der Effekt der Medikamente nicht bloß verdoppelt hat, sondern eine
vielfach erhöhte Wirksamkeit gegen die Leukämiezellen erzielt wird.
Gleichzeitig deuten unsere Daten darauf hin, dass Resistenzen gegen
FLT3-Hemmstoffe überwunden werden können“, sagt Kühn. „Deshalb ist es
naheliegend, dass wir diesen vielversprechenden therapeutischen Ansatz
bald in klinischen Studien überprüfen werden.“ Sollte sich die
Medikamentenkombination bewähren, könnte man so AML-Patient:innen mit
FLT3-Mutation mit weniger Nebenwirkungen behandeln. Bisher lässt sich AML
grundsätzlich nur durch eine aggressive Chemotherapie heilen. Diese hat
aber schwere Nebenwirkungen und kommt für die oft älteren Patient:innen
daher nicht in Frage.

Originalpublikation:
MM Dzama, M Steiner, J Rausch, D Sasca, J Schönfeld, K Kunz, MC Taubert,
GM McGeehan, Chun-Wei Chen, A Mupo, P Hähnel, M Theobald, T Kindler, RP
Koche, GS Vassiliou, SA Armstrong, MWM Kühn. Synergistic targeting of FLT3
mutations in AML via combined menin-MLL and FLT3 inhibition. Blood 2020
136(21): 2442-2456. DOI: 10.1182/blood.2020005037.

Zur Arbeit von Dr. Sabine Muth:

Dr. Sabine Muth, Postdoktorandin am Institut für Immunologie der
Universitätsmedizin Mainz, erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für
theoretische Medizin für ihre Arbeit „Microbiota-Induced Type I
Interferons Instruct a Poised Basal State of Dendritic Cells”,
veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Cell“.

Muth ist es mit einem Team von Wissenschaftler:innen gelungen, einen
Signalweg aufzudecken, über den Bakterien der Darmflora das Immunsystem
beeinflussen. Das Team fand heraus, dass der Körper ständig auf diese
Bakterien reagiert, indem er geringe Mengen an Botenstoffen namens
Typ-1-Interferonen produziert. Diese Botenstoffe wiederum halten bestimmte
Zellen des Immunsystems, sogenannte dendritische Zellen, in einer Art
Habachtstellung. So können diese Zellen schnell reagieren und weitere
Teile des Immunsystems alarmieren, wenn Viren oder andere
Krankheitserreger eindringen.

„Die Menge an Typ-1-Interferonen, die der Körper in Reaktion auf seine
eigene Darmflora produziert, ist zwar sehr gering. Die durch sie
verursachte Voraktivierung der dendritischen Zellen ist aber notwendig,
damit diese überhaupt Immunantworten auslösen können“, sagt Muth. „Jedoch
bringt diese Voraktivierung der dendritischen Zellen das Risiko von
fehlgeleiteten Immunreaktionen und damit der Entstehung von
Autoimmunerkrankungen mit sich, wenn sie nicht konstant durch
Sicherheitsmechanismen des Immunsystems, wie regulatorische T-Zellen,
unterdrückt wird.“ Das Team zeigte, dass die Darmflora auch Immunzellen in
der Milz oder den Lymphknoten im Hals aktiviert. Dies ist bemerkenswert,
da diese Zellen keinen direkten Kontakt zu den Bakterien im Darm haben. In
Milz oder im Hals produzieren sogenannte plasmazytoide dendritische Zellen
als Antwort auf die Bakterien im Darm die geringen Mengen an
Typ-I-Interferonen und transportieren so die Signale der Darmflora in den
ganzen Organismus. Diese Erkenntnisse über das Zusammenspiel von
Immunsystem und Darmflora können helfen, neue Therapien für Krankheiten zu
entwickeln, bei denen die Darmflora gestört ist.

Originalpublikation:
L Schaupp, S Muth ,L Rogell, M Kofoed-Branzk, F Melchior, S Lienenklaus,
SC Ganal-Vonarburg, M Klein, F Guendel, T Hain, K Schütze, U Grundmann, V
Schmitt, M Dorsch, J Spanier, PK Larsen, T Schwanz, S Jäckel, C Reinhardt,
T Bopp, S Danckwardt, K Mahnke, GA Heinz, MF Mashreghi, P Durek, U
Kalinke, O Kretz, TB Huber, S Weiss, C Wilhelm, AJ Macpherson, H Schild, A
Diefenbach, HC Probst. Microbiota-Induced Type I Interferons Instruct a
Poised Basal State of Dendritic Cells. Cell 2020 181: 1-17. DOI:
10.1016/j.cell.2020.04.022.

Über den Boehringer-Ingelheim-Preis:
Der Boehringer-Ingelheim-Preis für exzellente wissenschaftliche Leistungen
auf dem Gebiet der klinischen und der theoretischen Medizin wird seit 1969
vergeben. Eine Fachjury der Universitätsmedizin Mainz wählt die
Preisträger:innen aus. Seit 1995 dotiert die Boehringer Ingelheim Stiftung
den Preis.

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