Herzstiftung informiert über Risiken hoher Cholesterinwerte und gibt
Empfehlungen zu Lebensstil und medikamentöser Therapie
Ein hoher Cholesterinspiegel zählt zu den größten Risikofaktoren für Herz-
Kreislauf-Erkrankungen. Insbesondere hohe LDL-Werte (LDL=Low Density
Lipoprotein) steigern das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu
erleiden. Sind die Werte nur leicht erhöht, reicht häufig bereits eine
Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, um das Risiko
deutlich zu senken. Bei stark erhöhten Werten oder wenn
Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichen, sollte eine medikamentöse Therapie
erfolgen. „Wissenschaftlich am besten gesichert ist die Verringerung des
Risikos durch Statine“, erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Laufs vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, Direktor der Klinik
und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Dabei
gilt: Je niedriger die LDL-Cholesterinwerte, desto niedriger das Risiko.
Wie hoch die Cholesterinwerte sein dürfen, ist aber individuell und hängt
von verschiedenen Faktoren wie dem Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen und damit von zusätzlich bestehenden Risikofaktoren ab.“
Informationen über Ursachen und Folgen hoher Cholesterinwerte sowie
Möglichkeiten der Therapie finden Betroffene und Interessierte unter
www.herzstiftung.de/cholesterin
Den kostenfreien Ratgeber „Hohes Cholesterin: Was tun?“ kann man unter
www.herzstiftung.de/bestellung oder per Tel. unter 069 955128-400
anfordern.
Je größer das Herz-Kreislauf-Risiko, desto niedriger der Zielwert
Grundsätzlich ist Cholesterin kein schädlicher Stoff, sondern sogar
lebenswichtig als Baustein für Zellwände sowie als Ausgangsstoff für die
Bildung von Gallensäuren und verschiedenen Hormonen. Problematisch wird
es, wenn zu viel von der fettähnlichen Substanz im Blut anfällt.
Überschüssiges LDL-Cholesterin (LDL-C) lagert sich in den Gefäßwänden ab
und verursacht Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose). Gemeinsam mit anderen
Risikofaktoren steigern diese Verkalkungen das Risiko für Herzinfarkte und
Schlaganfälle.
Ziel einer Behandlung ist daher in erster Linie, dieses Risiko zu senken
und Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern. „Entscheidend ist, wie
hoch das gesamte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist“, betont der
Kardiologe. Aktuellen Therapieempfehlungen (1) zufolge werden folgende
LDL-C-Werte angestrebt:
- Für gesunde Menschen, mit niedrigem Risiko, ohne Risikofaktoren gilt ein
LDL-Cholesterinwert unter 115 mg/dl (<3,0 mmol/l) als Zielwert.
- Bei gesunden Menschen mit mäßig erhöhtem Risiko, mit einzelnen
Risikofaktoren, beispielsweise Übergewicht oder leicht erhöhtem Blutdruck,
sollte der LDL-Cholesterinwert unter 100 mg/dl (<2,6 mmol/l) liegen.
- Für Patienten mit hohem Risiko, z. B. Menschen mit ausgeprägtem
Bluthochdruck, genetisch bedingten hohen Cholesterinwerten oder Raucher,
sollte ein LDL-Cholesterin von unter 70 mg/dl (<1,8 mmol/l) angestrebt
werden.
- Bei Patienten mit sehr hohem Risiko, beispielsweise mit bekannten Herz-
und Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose) oder nach einem Herzinfarkt oder
Schlaganfall, mit Diabetes liegt der LDL-C-Zielwert unter 55 mg/dl (<1,4
mmol/l). Bei besonderen Risiko-Konstellationen kann es sinnvoll sein das
Cholesterin noch weiter zu senken. Für Patienten mit sehr hohem Risiko,
die innerhalb von 2 Jahren unter einer Statintherapie ein zweites Ereignis
erleiden, sollte ein LDL-Zielwert unter 40 mg/dl (<1,0 mmol/l) in Erwägung
gezogen werden.
Hohe Cholesterinwerte senken
Befindet sich der Cholesterinspiegel oberhalb der empfohlenen Grenze, rät
die Herzstiftung zunächst zu einer Veränderung des Lebensstils. Eine
gesunde Ernährung mit reichlich Gemüse, Vollkornprodukten sowie guten
Pflanzenölen können einen deutlichen Effekt auf den Cholesterinspiegel
haben. Beobachtungsstudien, eine darunter an mehr als 570.000 Menschen in
Europa und den USA (Mitrou et al., 2007), haben günstigen Effekte der
Mittelmeerküche bestätigt. Zu einem herzgesunden Lebensstil gehören zudem
der Verzicht auf Nikotin sowie regelmäßige Bewegung. Gut geeignet sind
insbesondere Ausdauersportarten wie Wandern, Laufen oder Schwimmen. Ideal
ist eine tägliche körperliche Aktivität von mindestens 30 Minuten.
Medikamentöse Therapie: Statine sind die erste Wahl
Nicht immer reichen die oben genannten Maßnahmen aus, um die
entsprechenden Zielwerte für das LDL-Cholesterin zu erreichen.
Insbesondere bei erblich bedingten hohen Cholesterinwerten sind die
Effekte gesunder Ernährung begrenzt. Zur Senkung von stark erhöhten
Cholesterinspiegeln stehen gut untersuchte Medikamente zur Verfügung. Die
Gruppe der Statine gilt dabei als erste Wahl. Statine hemmen die
körpereigene Bildung von Cholesterin in der Leber, sodass der LDL-
Cholesterinwert im Blut sinkt. „Für Statine ist in großen
wissenschaftlichen Studien bewiesen, dass sie das Risiko für Herzinfarkt
und Schlaganfall senken und ihre Einnahme über viele Jahrzehnte sicher
ist“, unterstreicht Laufs. Zwar gelten die Medikamente als sicher und
überwiegend gut verträglich, dennoch treten gelegentlich Nebenwirkungen
wie Muskelschmerzen auf. Betroffene sollten die Beschwerden mit ihrem Arzt
besprechen, denn häufig lässt sich durch einen Wechsel des Statins
Besserung erzielen. Lässt sich der Cholesterinspiegel mit Statinen nicht
ausreichend senken, kann eine Kombinationstherapie mit neueren
Wirkstoffgruppen sinnvoll sein. Über das Spektrum der zur Verfügung
stehenden Cholesterinsenker informieren die Herzstiftungs-Seite
www.herzstiftung.de/cholesterin und der Herzstiftungs-Ratgeber „Hohes
Cholesterin: Was tun?“, anzufordern unter www.herzstiftung.de/bestellung
Hohes Cholesterin und Covid-19
Eine US-Studie hat für Patienten mit einem metabolischen Syndrom ein
vierfach erhöhtes Risiko nachgewiesen, schwer an Covid-19 zu erkranken
oder gar daran zu sterben (2). Als metabolisches Syndrom wird ein
Zusammentreffen verschiedener Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hoher
Cholesterinspiegel, Diabetes und Übergewicht bezeichnet. Auch mit nur
einem Risikofaktor erhöht sich das Risiko für einen schweren Verlauf.
Tipp: Ausführliche Informationen zu den Ursachen und Folgen hoher
Cholesterinwerte sowie zu den neuen Therapieempfehlungen finden Sie im
Ratgeber „Hohes Cholesterin: Was tun?“, den Sie unter 069 955128-400 oder
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. kostenfrei bestellen können sowie auf unserer
Homepage im Online-Beitrag www.herzstiftung.de/cholesterin
Quellen:
(1) Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat im Jahr 2020 im
European Heart Journal neue Zielwerte für anzustrebende LDL-
Cholesterinwerte veröffentlicht. Ziel ist, das Risiko zu reduzieren, im
Verlauf von 10 Jahren an einem Herz-Kreislauf-Ereignis wie Herzinfarkt
oder Schlaganfall zu versterben. Diese neuen Empfehlungen setzen
niedrigere LDL-Cholesterin- Zielwerte fest als in den bisherigen
Empfehlungen: 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of
dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. The Task
Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of
Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS). European
Heart Journal (2020) 41, 111-188
(2) Metabolic syndrome linked to worse outcomes for COVID-19 patients.
Diabetes Care 2021 Jan; 44(1): 188-193.
https://care.diabetesjournals.org/content/44/1/188