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Wie künstliche Intelligenz die Diagnostik von Karzinomen in Brust und Magen revolutioniert

Auf dem Foto sind (v.l.n.r.) Prof. Daniela Aust (Vize-Direktorin am Institut für Pathologie), Dr. Falk Zakrzewski von asgen und Dr. Ulrich Sommer (Funktionsoberarzt am Institut für Pathologie) und zu sehen. Foto: Uniklinikum Dresden.
Auf dem Foto sind (v.l.n.r.) Prof. Daniela Aust (Vize-Direktorin am Institut für Pathologie), Dr. Falk Zakrzewski von asgen und Dr. Ulrich Sommer (Funktionsoberarzt am Institut für Pathologie) und zu sehen. Foto: Uniklinikum Dresden.

Gemeinsam mit den Dresdener Start-Up asgen wird am Institut für Pathologie
des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden ein auf Künstlicher
Intelligenz (KI) basiertes Softwaresystem für die Verwendung in der
Krebsdiagnostik erprobt. Das Vorhaben, das sich aktuell in der
Validierungsphase befindet, ist Teil des BMWi-geförderten
Leuchtturmprojektes EMPAIA und fügt sich in die Strategie der Dresdener
Hochschulmedizin bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz ein.

KI-Anwendungen aus der Industrie werden verstärkt klinisch erprobt,
könnten perspektivisch in immer mehr Fachbereichen zum Einsatz kommen und
erhalten mit der vom Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit
an der Hochschulmedizin Dresden gerade neu ausgeschriebenen Professur für
Klinische KI ein profiliertes wissenschaftliches Fundament. Angesichts des
Wandels, den KI in der Pflege und Medizin verursachen wird, lautet das
Kredo: medizinisches Fachpersonal zu jeder Zeit in die Erprobung
einbeziehen und so Akzeptanz schaffen.

Künstliche Intelligenz (KI) schickt sich an, die Medizin zu
revolutionieren. – Auch auf dem Campus der Hochschulmedizin Dresden: Hier
sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem besten Weg, mit dem
Einsatz eines KI-basierten Softwaresystems einen wichtigen Beitrag zur
Entlastung des Personals in Pathologischen Instituten zu leisten. Dass ein
entsprechender Bedarf besteht, zeigt allein ein Blick auf die aktuellen
und zukünftigen Herausforderungen dieses Fachs. Die Ausweitung des
Tumorscreenings erhöht seit Jahren die Fallzahlen in Pathologischen
Instituten, Innovationen in der Krebstherapie steigern die Komplexität der
Diagnostik und damit die Qualifikationsanforderungen an entsprechendes
Fachpersonal. Dabei ist die Pathologie bereits stark vom Fachkräftemangel
betroffen. Mit dem Einsatz von KI-Systemen insbesondere in der
Bildanalyse, kann diesen Herausforderungen begegnet werden. Schließlich
haben sie das Potenzial, automatisiert Gewebemerkmale schnell analysieren,
Strukturen quantifizieren und daraus diagnostische Parameter berechnen zu
können und so die Auswahl zielgerichteter Therapien zu optimieren.

KI als Unterstützung und nicht als Ersatz für die eigene Arbeit begreifen

Das Universitätsklinikum Dresden und das Dresdner Start-Up asgen arbeiten
gerade gemeinsam daran, mit Hilfe von KI die Diagnostik von Brust- und
Magenkarzinomen zu revolutionieren. PAIKON lautet der Name der von asgen
entwickelten, einzigartigen KI-Pipeline, mit der innerhalb weniger Minuten
mikroskopische Aufnahmen ganzer Tumorareale automatisch analysiert werden.
Mit diesem als HER2-FISH-Analyse bezeichneten Verfahren wird die
Ausprägung von für Brust- und Magentumore relevanten Tumormakern
untersucht, um so Aufschlüsse über geeignete Therapieformen zu generieren.
Aktuell läuft diese Untersuchung noch manuell ab. Pathologinnen und
Pathologen oder entsprechend geschultes medizinisches Personal zählen
hierfür sichtbar gemachte Tumormaker-Signale in circa 20 Zellkernen von
mikroskopiertem Gewebe repräsentativ stichprobenartig aus, um Rückschlüsse
auf das Tumorwachstum ziehen zu können. Zur Bestimmung der Erfolgsquoten
finden regelmäßig Ringversuche statt. Bei Unklarheiten im
Auszählungsprozess wird zusätzliches Fachpersonal konsultiert und die
Analyse gegebenenfalls wiederholt, teilweise auch mit einer höheren Anzahl
an Zellkernen. Dieses Kontrollverfahren senkt zwar die Gefahr
individueller Fehler, erhöht den Zeit- und Personalaufwand jedoch massiv.
Eine KI-basierte Auswertung wird das Prozedere beschleunigen und
potenziell verlässlicher gestalten. PAIKON grenzt zu analysierende
Bereiche (ROI: Region of interest) ein und Zellkerne sowie darin
enthaltene Tumormaker lassen sich automatisch erkennen. Auswahl der ROI
und Segmentierung der Zellkerne können dabei sowohl vollautomatisch als
auch manuell ablaufen, Pathologinnen und Pathologen können also jederzeit
intervenieren.

Professor Gustavo B. Baretton, Direktor des Institutes für Pathologie am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, hält eine entsprechende Co-
Existenz von KI sowie Pathologinnen und Pathologen für nötig, um Akzeptanz
zu schaffen und KI als Assistenz und nicht als Ersatz für die eigene
Arbeit zu begreifen. „Dennoch befinden wir uns in einer Phase, in der KI-
Lösungen eine immer wichtigere Rolle für die Zukunftsfähigkeit der
Pathologie spielen. Als Institut sind wir offen für entsprechende
Anwendungen und freuen uns über die Zusammenarbeit mit asgen und das
weltweite Interesse an solchen Lösungen“, sagt Prof. Baretton.

Tatsächlich sind sowohl asgen als auch das Institut für Pathologie des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden in EMPAIA, einem KI-
Leuchtturmprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
(BMWi), vertreten, das als eines von 16 Verbundprojekten aus ursprünglich
130 Einreichungen als Gewinner aus dem KI-Innovationswettbewerb des BMWi
hervorging. Das Projekt erfuhr insbesondere wegen seines namenhaften
Konsortiums und der ambitionierten Zielsetzung weltweite Beachtung. Mit
einer Förderung von 11 Millionen Euro über drei Jahre und weiteren 6,2
Millionen Euro von Industriepartnern wie Philips oder Roche forciert
EMPAIA die Schaffung eines Ökosystems zur Entwicklung, insbesondere aber
Inverkehrbringung von KI-Lösungen für pathologische Institute in ganz
Deutschland. Neben Partnern aus Industrie und Verbänden besteht das
Konsortium aus einer Reihe von klinischen Referenzzentren, in denen
innovative KI-Produkte vorab getestet werden sollen. Aktuell läuft im
Institut für Pathologie des Dresdner Uniklinikums – eines der
Referenzzentren – die Validierungsphase von PAIKON. Mit Hilfe der
Fachexpertise am Institut wird die KI-Lösung aktuell trainiert. Auf Basis
von Trainingsdatensätzen, die sich aus Aufzeichnungen von Markierungen und
Klassifizierungen von Zellkernen durch viele unabhängige Pathologinnen und
Pathologen speisen, soll kollektives Wissen gebündelt und gleichzeitig
herausgefunden werden, welchen Einfluss das Softwaresystem tatsächlich auf
die Qualität und Geschwindigkeit pathologischer Untersuchungen hat und wie
groß ein mögliches Bias auf individueller Ebene ist. Durch diesen Prozess
wird letztlich die Bandbreite an menschlichem Wissen um die über die KI
abzubildende Analyse erweitert und ein individueller menschlicher Fehler
(falls vorhanden) in seiner Gewichtung stark reduziert.

Professur für Clinical AI am EKFZ beschleunigt Entwicklung

Zur allgemeinen Strategie, KI in den klinischen Alltag einfließen zu
lassen, passt auch, dass im Rahmen des Aufbaus des Else Kröner Fresenius
Zentrums (EKFZ) für Digitale Gesundheit momentan eine Professur für
Clinical Artificial Intelligence (AI) ausgeschrieben ist. Hierin sollen
konkrete, klinisch relevante Fragestellungen aufgegriffen und mittels
Methoden der KI neue Erkenntnisse zu den Pathomechanismen von Erkrankungen
und der Verknüpfung, klinischer und Bildgebungsdaten erbracht werden. Für
Professor Jochen Hampe, wissenschaftlicher Sprecher des EKFZ für Digitale
Gesundheit, ist die Einrichtung der Professur für Clinical AI nur die
logische Fortführung, des am Uniklinikum Dresden eingeschlagenen Weges.
„Künstliche Intelligenzen spielen am Campus Dresden eine immer größere
Rolle und werden immer gewinnbringender eingesetzt. Wir konnten am EKFZ
für Digitale Gesundheit gerade Fördermittel vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) einwerben, mit denen Zulassungsprozesse von
Medizinprodukten durch KI sicherer und transparenter gestaltet werden
sollen. Zusammen mit den Bestrebungen aus dem EMPAIA-Projekt sind damit
wichtige Forschungsgrundlagen geschaffen, die im Rahmen einer Professur
ausgebaut werden können,“ so Prof. Hampe.

Ein Ende des „KI-Runs“ ist dabei gar nicht absehbar. Weitere
Projektvorhaben sind bereits eingereicht und PAIKON soll bei positivem
Befund der Validierung bereits ab Ende des Jahres Routine bei der
Brustkrebsanalyse werden. „Die Akzeptanz wird ganz automatisch kommen“,
ist sich Professor Baretton sicher. „Schließlich sind Pathologinnen und
Pathologen, MTAs sowie andere Akteure des Bereichs eng in die klinische
Erprobung eingespannt und bereits jetzt in der Validierungsphase deutet
sich das Potenzial der KI-Lösung an,“ so Professor Baretton.

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Mit Immunzellen den Krebs besiegen

Die Schering Stiftung zeichnet Judith Feucht für ihre Beiträge zu
Entwicklung und Einsatz von T-Zelltherapien zur Verbesserung der
klinischen Versorgung bei Tumorerkrankungen mit dem Friedmund Neumann
Preis 2021 aus. Der Forschungspreis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Dr. Judith Feucht hat mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten entscheidend
zu einer Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit von T-Zelltherapien
beigetragen. Für T-Zelltherapien werden körpereigene Abwehrzellen, die
weißen Blutzellen, genetisch verändert, so dass sie Tumorzellen erkennen
und bekämpfen. Ein häufiges Problem bei Krebserkrankungen ist, dass die
unveränderten körpereigenen T-Zellen die Tumorzellen oft nicht als
Bedrohung erkennen und entsprechend nicht angreifen können. Mit Hilfe
eines gentechnologischen Verfahrens können körpereigene T-Zellen im Labor
zu Chimären Antigenrezeptor-T-Zellen, kurz CAR T-Zellen, umgewandelt und
anschließend in den menschlichen Organismus zurück transferiert werden.
Mit diesen Antigenrezeptoren ausgestattet sind die T-Zellen dann in der
Lage, die Tumorzellen im Körper aufzuspüren und zu vernichten. Judith
Feuchts Forschung im Labor von Prof. Michel Sadelain am Memorial Sloan
Kettering Cancer Center in New York (USA) und im Rahmen des iFIT
Exzellenzcluster an der Kinderklinik Tübingen erbrachte wichtige
Erkenntnisse über die therapeutische Wirksamkeit der CAR T-Zellen und trug
wesentlich zur Entwicklung einer neuen Form dieser gentechnisch
veränderten weißen Blutzellen bei. Diese neuartigen CAR T-Zellen zeigen in
präklinischen Studien verbesserte therapeutische Resultate und werden
aktuell an Patient*innen erprobt.

Für diese herausragenden Forschungsleistungen erhält Dr. Judith Feucht am
7. September 2021 den Friedmund Neumann Preis 2021. „Judith Feucht ist es
auf beeindruckende Weise gelungen, ihre am Memorial Sloan Kettering Cancer
Center in New York (USA) begonnene Forschung am iFIT Exzellenzcluster, in
Verbindung mit ihrer klinischen Arbeit an der Kinderklinik Tübingen,
erfolgreich weiterzuführen“, begründet Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan H. E.
Kaufmann, Vorsitzender des Stiftungsrates, die Wahl der Jury.

Die Schering Stiftung vergibt den mit 10.000 € dotierten Preis in diesem
Jahr zum 10. Mal an Nachwuchswissenschaftler*innen, die herausragende
Leistungen in der humanbiologischen, organisch-chemischen oder
humanmedizinischen Grundlagenforschung erbracht haben. Der Preis will
exzellente wissenschaftliche Leistung sichtbar machen, die frühe
Entwicklung eines eigenständigen Forschungsprofils honorieren und die
wissenschaftliche Etablierung der Preisträger*innen unterstützen.

Judith Feucht wurde für den Friedmund Neumann Preis 2021 von Prof. Dr.
Rupert Handgretinger, bis 2021 Ärztlicher Direktor der Abteilung für
Allgemeine Pädiatrie, Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums
Tübingen, vorgeschlagen. „Als Ärztin und Wissenschaftlerin verbindet Frau
Feucht klinische und wissenschaftliche Arbeit und es ist ihr dabei
gelungen, den Traum jeder*jedes translationalen Forscher*in zu
verwirklichen, nämlich die eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum
Nutzen von Patient*innen anzuwenden,“ so Handgretinger.

***** PREISVERLEIHUNG FRIEDMUND NEUMANN PREIS 2021 *****

7. September 2021, 18:30 Uhr, in englischer Sprache
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften | Markgrafenstr. 38 |
10117 Berlin

Teilnahme nur mit Anmeldung möglich. Bitte akkreditieren Sie sich bei Dr.
Katja Naie, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. .

***** VORTRÄGE VON DR. JUDITH FEUCHT *****
8. September 2021, 10 Uhr
Schüler*innen-Vortrag: Living Drugs: Wie man das körpereigene Immunsystem
für den Kampf gegen Krebs stärkt
Oberstufenzentrum Lise Meitner – School of Science, Berlin-Neukölln (nicht
öffentlich)

23. September  2021, 13:00 Uhr
Öffentlicher wissenschaftlicher Vortrag: Novel CAR designs and therapeutic
applications
Berliner Institut für Gesundheitsforschung in der Charité (BIH)
In englischer Sprache | Online. Eine Registrierung wird rechtzeitig auf
www.bihealth.org freigeschaltet.

***** HINTERGRUNDINFROMATIONEN *****
Judith Feucht forscht zur Weiterentwicklung und Verbesserung von
zellulären Immuntherapien, insbesondere an Chimären Antigenrezeptor
T-Zellen („CAR T-Zellen“). Bei der T-Zelltherapie werden Immunzellen aus
dem Blut der Patienten isoliert und gentechnologisch verändert, um ihre
Spezifität und Effektivität gegen Krebszellen zu verstärken. CAR T-Zellen
haben insbesondere bei hämatologischen Krebserkrankungen wie der akuten
lymphatischen Leukämie große klinische Erfolge erzielt.
Trotz der hohen initialen Ansprechraten erleiden jedoch teilweise
Patient*innen im Verlauf ein Rezidiv, und einige Tumorerkrankungen
sprechen bislang nur unzureichend auf die Therapie an. Ziel der Forschung
von Judith Feucht ist es daher, die CAR T-Zelltherapie weiter zu
verbessern und diese auch bei anderen schwerwiegenden Erkrankungen
erfolgreich einzusetzen.
Ihre bisherigen Forschungsarbeiten konnten zeigen, dass die antitumorale
Wirkung von CAR T-Zellen durch spezifische Modifikationen in ihren
Signaldomänen deutlich verbessert werden kann. Aufgrund der
erfolgsversprechenden Daten wird dieses CAR Design nun in klinischen
Studien am Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) in New York
evaluiert. Zudem konnte Feuchts wissenschaftliche Arbeit zur präklinischen
Entwicklung neuer CAR T-Zelltherapien für Patienten mit schwerwiegenden
nichtmalignen Erkrankungen beitragen sowie die erfolgreiche Anwendung von
CAR T-Zellen in Kombinationstherapien bei soliden Tumoren demonstrieren.

Judith Feucht studierte Humanmedizin an der Eberhard-Karls-Universität
Tübingen, wo sie 2011 promoviert wurde und ihre Approbation als Ärztin
erhielt. Anschließend arbeitete sie als Assistenzärztin und
Wissenschaftlerin in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
in Tübingen. 2015 wechselte sie als Postdoktorandin in das Labor von Prof.
Michel Sadelain am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York,
USA. Im September 2020 ist Judith Feucht wieder nach Tübingen
zurückgekehrt. Sie arbeitet als Ärztin in der Kinderklinik und leitet ihre
eigene Arbeitsgruppe am Exzellenzcluster „Individualisierung von
Tumortherapien durch molekulare Bildgebung und funktionelle
Identifizierung therapeutischer Zielstrukturen (iFIT)“ der Universität
Tübingen, dem einzigen onkologischen Exzellenzcluster in Deutschland. Ziel
des Clusters ist es, durch ein umfassendes Verständnis biologischer
Prozesse in Tumoren innovative und nachhaltige Krebstherapien zu
entwickeln. Wissenschaftlich beschäftigt sich Frau Feucht vorwiegend mit
zellulären Immuntherapien, insbesondere mit der Verbesserung und

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Die Bekämpfung von Diabetes und Adipositas muss vorrangiges Politikziel werden

Keine Krankheit belastet das Sozial- und Gesundheitssystem so sehr wie
Adipositas – noch nicht einmal die Coronapandemie. Der im Bundestag
beratene Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung
(GVWG) sieht nun die Einführung eines DMP Adipositas vor. Allerdings
drängt die Zeit: Daher empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG),
bei der Ausgestaltung des neuen DMP Adipositas bestehende Strukturen und
Expertise aus dem DMP für Typ-2-Diabetes zu nutzen. Außerdem müssen in der
nächsten Legislaturperiode endlich auch Maßnahmen zur Primärprävention von
Übergewicht wie eine gesunde Mehrwertsteuer oder eine verbindliche
Ampelkennzeichnung eingeführt werden.

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig, jeder vierte
adipös. Weltweit hat sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl der
übergewichtigen Menschen erhöht, in Deutschland sogar verdreifacht. Grund
dafür ist laut Professor Dr. med. Matthias Blüher, Vorstandsmitglied der
DDG und Direktor des Helmholtz Instituts für Metabolismus-, Adipositas-
und Gefäßforschung des Helmholtz Zentrums München an der
Universitätsmedizin Leipzig, die hierzulande weit verbreitete ungesunde
Ernährungsweise, der immobile Lebensstil und die hochtechnisierte
Arbeitswelt, die Ernährung und Bewegung zusätzlich negativ beeinflusse.

Über 60 Krankheiten stehen im Zusammenhang mit Übergewicht – allen voran
Diabetes, aber auch Krankheiten von Herz und Gefäßen, Leber oder Lunge,
Beschwerden des Bewegungs-apparates sowie verschiedene Krebsarten. „Die
Adipositas-Welle muss eingedämmt werden, sonst werden wir ganz abgesehen
von den individuellen Schicksalen und Problemen auch volkswirtschaftliche
Nachteile erleiden“, warnt DDG Präsident Professor Dr. med. Andreas Neu.
Denn Adipositas habe dramatische biologische und gesellschaftliche Folgen.
Die Fehlzeiten wegen Arbeitsunfähigkeit, aber auch die Zahl der
Frühverrentungen steigt bei Menschen mit starkem Übergewicht deutlich an.
„30 Milliarden Euro Kosten entfallen jedes Jahr allein auf
Gesundheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit Adipositas“, so Blüher. Die
indirekten Kosten belaufen sich sogar auf 60 Milliarden jährlich.

Das jetzt geplante DMP Adipositas ist ein notwendiger Schritt, um die
Versorgung der Menschen mit krankhaftem Übergewicht deutlich zu verbessern
und damit auch die Zahl der Neuerkrankungen an Diabetes Typ 2 zu
reduzieren. „Viele dachten lange Zeit, man müsse sich doch einfach mehr
bewegen und weniger essen“, sagt Blüher. Doch eine Krankheit lasse sich
nicht mit Appellen bekämpfen. „Wir müssen verstehen, warum Menschen zu
viel essen und sich zu wenig bewegen.“ Um krankmachende Verhaltensmuster
aufzubrechen, brauche es ein multimodales Konzept aus Ernährung, Bewegung,
Verhaltenstherapie – gegebenenfalls auch einer medikamentösen und
chirurgischen Therapie.

„Es ist wichtig, dass das künftige DMP Adipositas genau solche Konzepte
bei der Versorgung von Menschen mit starkem Übergewicht unterstützt“, so
die Forderung der DDG. Daher sollten bei der Entwicklung des neuen
Behandlungsprogramms etablierte Strukturen und Expertise aus dem DMP
Diabetes Typ 2 genutzt werden. Damit bekämen Menschen mit Adipositas
Zugang zu einer kontinuierlichen, strukturierten und qualitätsgesicherten
Therapie. Vor allem die sektorenübergreifende und interdisziplinäre
Verzahnung und das wirkungsvolle Zusammenspiel zwischen Ärzteschaft und
Diabetes-Beratungsberufen bietet nicht nur optimale Voraussetzungen für
die Begleitung von Menschen mit Diabetes, sondern auch mit Adipositas.

Das DMP Adipositas ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der 2020
verabschiedeten Nationalen Diabetes Strategie. „Unverzichtbar sind aber
auch verhältnispräventive Maßnahmen, die sicherstellen, dass Adipositas
gar nicht erst auftritt“, betont DDG Geschäftsführerin Barbara Bitzer: Es
bedarf einer verbindlichen Lebensmittelkennzeichnung und eines Verbots von
Werbung für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder und Jugendliche
richtet. Schon lange fordert die DDG auch die Einführung einer „Gesunden
Mehrwertsteuer“, die gesunde Lebensmittel mit geringem Anteil an Zucker,
Fetten und/oder Salz steuerlich entlastet, eine Stunde Bewegung am Tag für
Kinder und Jugendliche sowie verbindliche Ernährungsstandards für das
Essen in Kitas und Schulen. Nur dadurch kann langfristig ein Durchbruch
bei der Prävention von Adipositas und Diabetes erzielt werden. „Wie auch
immer die künftige Bundesregierung zusammengesetzt sein wird: Ein
konkreter Umsetzungsplan für die Bekämpfung dieser Krankheiten muss
oberstes Politikziel werden“, so Bitzer.

Link zur Stellungnahme der DDG zum DMP Adipositas vom November 2020:
<https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/politik/stellungnahmen
/stellungnahme-zum-entwurf-eines-gesetzes-zur-weiterentwicklung-der-
gesundheitsversorgung-punkt-ii8-entwicklung-eines-dmp-adipositas
>

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Neue Broschüre informiert (laien-)verständlich über Herzoperation

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
und die Deutsche Herzstiftung geben kostenfrei neue Infobroschüre zum
Thema Herzoperation heraus.

Kurz, prägnant, verständlich: Die neue Informationsbroschüre „Auf einen
Blick – Herzoperation“ der Deutschen Gesellschaft für Thorax,- Herz- und
Gefäßchirurgie (DGTHG) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung
richtet sich an Patientinnen und Patienten, bei denen zur Behandlung ihrer
Herzerkrankung eine Herzoperation notwendig ist oder war.
„Eine Herzoperation ist ein einschneidendes Ereignis, welches Fragen
aufwirft und Verunsicherungen hervorrufen kann. Daher ist die umfassende
Aufklärung ein wichtiges Instrument, um etwaige Ängste zu nehmen, den
Behandlungsablauf und das operative Verfahren zu erklären, und Antworten
auf häufige Fragen sowie verständliche Informationen in diesem
Zusammenhang zu geben“, erklärt Prof. Dr. Andreas Böning, Herzchirurg und
Präsident der DGTHG.

Auf elf Seiten der neuen Broschüre werden operative Zugangswege
dargestellt, körperliche Reaktionen auf eine Herzoperation aufgezeigt
sowie Wundheilung, Rehabilitation und Genesung nachvollziehbar
beschrieben. „Die individuelle Vorgehensweise besprechen Patientinnen und
Patienten im Detail immer mit ihren betreuenden Ärztinnen und Ärzten in
der herzchirurgischen Fachabteilung. Wir haben uns in der Broschüre auf
Allgemeingültiges konzentriert“, so Prof. Böning.

Patientinnen und Patienten, Interessierte und Krankenhäuser/Arztpraxen
können die Broschüre kostenfrei als Print oder im digitalen Format (PDF)
bei der Deutschen Herzstiftung anfordern.

Digital zum Download und Print-Produkt-Bestellung unter
https://www.herzstiftung.de/bestellung

1.595 Zeichen inkl. Leerzeichen

Weitere Informationen unter www.dgthg.de und www.herzstiftung.de

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