Interessierte erwarten beim 2. Gesundheitsdenkertag der SRH Hochschule für Gesundheit am 27. April zahlreiche Tipps, um ihre Gesundheit zu schützen.
Ostern rückt näher und damit für viele auch der Urlaub: endlich ausspannen. Doch was passiert, wenn man im Urlaub krank wird? Wie kann man dem vorbeugen? Und was ist eigentlich Reisemedizin? Anlässlich des 2. Gesundheitsdenkertages der SRH Hochschule für Gesundheit am 27. April 2022 wird Prof. Dr. Tom Ziegler, Studiengangsleiter im Bachelor-Studiengang Physician Assistant am Campus Gera, einen Vortrag zum Thema „Fit für den Urlaub – Reisemedizin aktuell“ halten.
Prävention spielt eine essenzielle Rolle, um physisch und mental leistungsfähig zu sein und zu bleiben. Erholt sich der Körper und baut das Stresslevel ab, ist die Gefahr groß krank zu werden. Dies kann vor oder während des Urlaubes geschehen. Prof. Dr. Tom Ziegler wird Interessierten daher im Rahmen der Veranstaltung praktische Tipps mitgeben, um dies zu verhindern bzw. dem während des Urlaubes entgegenwirken zu können.
Doch auch im Berufsalltag ist eine gute Prävention entscheidend, um fit für den Job zu bleiben. So liegt etwa bei Lehrer:innen die Prävalenz von Stimmstörungen in vielen Studien bei über 50 Prozent. Insgesamt ist rund ein Drittel der Menschen in sogenannten Sprechberufen beschäftigt und damit einem höheren Risiko für Stimmprobleme ausgesetzt. Prof. Dr. Karl- Heinz Stier, Studiengangsleiter im Bachelor-Studiengang Logopädie am Campus Stuttgart, hat mit der Akzentmethode® eine Präventionsmethode für Stimmstörungen genauer erforscht. Im Rahmen seines Vortrages „Kommunikation als Schlüssel zum Miteinander – Wie meine Stimme fit bleibt“ wird er diese effektive und evidenzbasierte Behandlungsform vorstellen. Zentrale Aspekte der Methode sind Rhythmisierung, Akzentuierung sowie die Koordination von Atmung, Phonation, Artikulation, Körperbewegung und Sprache. Prof. Dr. Karl-Heinz Stier gibt dabei Tipps, wie wichtige Bereiche einer physiologischen Stimmbildung im Unterricht und im Alltag eingesetzt werden können, um präventiv Stimmstörungen vorzubeugen.
Der 2. Gesundheitsdenkertag der SRH Hochschule für Gesundheit unter dem Motto „Möglichkeiten aufzeigen – Chancen nutzen“ startet am 27. April 2022 um 15 Uhr mit einer Begrüßung und Vorstellung der Hochschule durch Vizepräsident Prof. Dr. Björn Eichmann. Die genauen Vortragszeiten können auf der Webseite der SRH Hochschule für Gesundheit nachgelesen werden. Die Veranstaltung ist eingebettet in den Themenmonat „Gesund gedacht“, mit dem das Themenjahr anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Gesundheitshochschule der SRH fortgesetzt wird.
Interessierte können sich für die kostenfreie Online-Veranstaltung ab sofort unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder über https://eveeno.com/607932927 anmelden.
Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding (v. l. n. r.) Dr. Jens Thol/Universitätsmedizin Halle (Saale)
Studie untersucht, ob Intervallfasten eine Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt verhindern kann. Herzstiftung fördert Untersuchung am Universitätsklinikum Halle/Saale.
Es ist Fastenzeit und Intervallfasten liegt nach wie vor im Trend. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass diese Form des Fastens diverse positive Eigenschaften für die Gesundheit mit sich bringt. So kann Intervallfasten nicht allein beim Abnehmen helfen, sondern es beeinflusst auch Herz-Risikokrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin günstig. Somit kann Intervallfasten bei Herzinfarktpatienten dazu beitragen, das Risiko für einen weiteren Infarkt zu reduzieren. In Deutschland werden pro Jahr über 212.000 Herzinfarkte vollstationär versorgt (Deutscher Herzbericht 2020). Wissenschaftler der Universitätsklinik für Kardiologie in Halle an der Saale schauen nun aber noch einen Schritt weiter: In ihrer Studie „Intervallfasten nach Myokardinfarkt“ (INTERFAST-MI) gehen Zoe Kefalianakis, Dr. med. Jochen Dutzmann und Prof. Dr. med. Daniel Sedding mit ihrem Team der Frage nach, ob das Intervallfasten auch die Regeneration des Herzens nach einem Herzinfarkt unterstützen kann, um so eine Herzschwäche (chronische Herzinsuffizienz) zu vermeiden. Die Deutsche Herzstiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 68.000 Euro. Ein aktuelles Forschungs-Video der Herzstiftung stellt das Projekt vor: https://www.youtube.com/watch?v=51jPSd43oNI
„Intervallfasten löst Veränderungen im Zellstoffwechsel aus, die wiederum viele Gemeinsamkeiten mit genau den Zellprogrammen zeigen, die eine Heilung des Herzmuskels und eine Wiederherstellung der Durchblutung und der Pumpfunktion des Herzens begünstigen“, betont Prof. Dr. Daniel Sedding, Direktor der Uniklinik für Kardiologie in Halle (Saale). Sedding leitet die Studie gemeinsam mit Dr. Dutzmann, der hinzufügt, dass man mit der INTERFAST-MI-Studie zur Klärung beitrage, inwiefern sich Intervallfasten zur Vorbeugung von erneuten Herzinfarkten und einer Herzschwäche „als ein neuer nebenwirkungsarmer Therapiebestandteil etablieren“ lässt.
Was bewirkt Intervallfasten im Körper? Fastenperioden setzen ein Regenerationsprogramm in Gang, das den Energiehaushalt im Körper optimiert und Schutzmechanismen der Körperzellen aktiviert. Dieser Vorgang, versetzt Körperzellen in eine Art Winterschlaf (Hibernation) und verbessert so die Immunabwehr und die Heilungsmechanismen. Darüber hinaus startet er in den Zellen eine Art Entrümpelungsprogramm (Autophagie) und verändert deren Stoffwechsel. Die Zellen konzentrieren sich daraufhin auf einen effektiveren „Super- Kraftstoff“ für Gehirn und Muskeln, die sogenannten Ketonkörper. „Wir wollen mit unseren Untersuchungen klären, ob diese Prozesse während des Intervallfastens dazu beitragen können, Herzinfarktpatienten vor einer Herzinsuffizienz zu bewahren“, erläutert Dr. Dutzmann.
Wie könnte Intervallfasten eine chronische Herzschwäche verhindern? Bei einem Herzinfarkt wird ein Teil des Herzmuskels aufgrund einer verstopften Herzkranzarterie (Thrombus/Blutpfropf) von der Sauerstoffversorgung getrennt. Dieser Teil des Herzens verfällt nach dem Infarkt entweder in einen Winterschlaf (Hibernation) oder stirbt gar ab und vernarbt. In der Folge verliert das Herz allmählich an Leistung und es kann zu einer chronischen Herzinsuffizienz kommen. Bei der Behandlung von Herzinfarktpatienten kommt es also auch darauf an, die Pumpfunktion des Herzmuskels soweit wie möglich wiederherzustellen, um der drohenden Herzinsuffizienz vorzubeugen. Hier könnte das Intervallfasten und das durch die Fastenperioden ausgelöste „Hunger-Notfallprogramm“ ins Spiel kommen, das Zellprogramme in Gang setzt, die eine Heilung des Herzmuskels und eine Wiederherstellung von Durchblutung und Pumpfunktion begünstigen.
Studie zum Intervallfasten: So geht das Forschungsteam vor In der INTERFAST-MI-Studie werden Patientinnen und Patienten nach einem schweren Herzinfarkt anhand von Zufallskriterien auf zwei Gruppen aufgeteilt. Während die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer der ersten Gruppe nach der Methode 16:8 Intervall fasten (16 Stunden am Stück fasten, 8 Stunden nach Belieben essen), ernähren sich diejenigen der zweiten Gruppe weiter wie bisher. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiten beide Gruppen eng, untersuchen die Herzfunktion jeweils nach einem, drei und sechs Monaten und vergleichen die Ergebnisse miteinander. Ziel ist es festzustellen, ob das Intervallfasten einen nicht-medikamentösen, nebenwirkungsarmen Ansatz zur Heilung des Herzmuskels nach einem Infarkt darstellen könnte. In weiteren Schritten soll auch erforscht werden, wie sich das Intervallfasten auf weitere Folgen des Herzinfarkts auswirkt, wie die Anzahl der nötigen Krankenhauseinweisungen, das Entstehen von Folgeerkrankungen oder das Auftreten eines neuen Infarkts.
Ein Video-Clip „Kann Intervallfasten das Herz reparieren?“ mit dem Forscherteam der Universitätsklinik für Kardiologie Halle (Saale) ist abrufbar unter: www.youtube.com/watch?v=51jPSd43oNI
Weitere Infos zur INTERFAST-MI-Studie unter www.herzstiftung.de /intervallfasten-herzinfarkt
Fasten ist nicht gleich Fasten Hinweis der Herzstiftung zum Fasten Auch wenn Fasten im Trend liegt, sollte es gut überlegt sein und vorbereitet werden, sagt der Münchener Ernährungsexperte und Ernährungsmediziner und Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. Vor allem Herzpatientinnen und -patienten sollten keine Alleingänge planen, sondern jede Fastenmethode vorab mit einer Herz-Spezialistin oder Herz- Spezialisten besprechen. Was der Ernährungsspezialist der Herzstiftung zu den unterschiedlichen Fastenarten wie Intervall-/Intermittierendes Fasten sowie Heil-, Basen-, Null- bzw. Wasserfasten (Nulldiät) sagt, erfahren Interessierte unter www.herzstiftung.de/fasten
Das Therapiekonzept von AngioAccel erhöht mit Hilfe einer sogenannten ‚Herzhose‘ und EKG-gesteuerter Manschetten den Blutfluss von Patient*innen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – einer Durchblutungsstörung in den Beinen, die vom Volksmund auch Schaufensterkrankheit genannt wird. Es konnte gezeigt werden, dass sich mit dem von Ärzten entwickelten Antepulsations-Verfahren die körpereigene Regeneration der Arterien und Durchblutungsstörungen in den Beinen auch nicht-invasiv sehr gut behandeln lassen. Das innovative Verfahren bietet insbesondere auch für bereits in ihrer Mobilität eingeschränkte Patient*innen einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Behandlungsmethoden.
Berlin/Brandenburg an der Havel, 07.04.2022
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der VIP+ Innovationstagung in Berlin das MHB-Projekt AngioAccel mit dem Innovationspreis 2022 ausgezeichnet.
„Wir freuen uns riesig über diese Auszeichnung! Unser VIP+ gefördertes AngioAccel-Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung und Validierung eines Medizinproduktes, das zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit eingesetzt werden kann. Dabei gehen die Arterien, die den Fuß oder das Bein mit Blut und Sauerstoff versorgen, nach und nach zu. Durch den geringeren Blutfluss kommt es zu einer geringeren Sauerstoffversorgung, was wiederum zur Folge haben kann, dass betroffene Personen teilweise weniger als 50 Meter an einem Stück gehen können. Durch die notwendig werdenden Unterbrechungen wird diese Krankheit vom Volksmund auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet. In weiter fortgeschrittenen Stadien dieser Erkrankung kommt es auch zu Wundbildung, nicht selten kann es dann auch zu Fuß- oder sogar Beinamputationen kommen. In der VIP+ Validierungsphase ist es uns gelungen, gegen diese Erkrankungen einen Demonstrator, also eine Art Prototypen, und das erste an der MHB erdachte Medizinprodukt zu entwickeln“, erklärt Dr. Philipp Hillmeister, Leiter des Forschungszentrums Angiologie am Städtischen Klinikum Brandenburg, einem MHB Universitätsklinikum im Verbund. Das Projekt wurde von Prof. Ivo Buschmann, Prof. für Angiologie an der MHB sowie Klinikdirektor und Chefarzt für Angiologie, ins Leben gerufen und dann gemeinsam mit Dr. Philipp Hillmeister umgesetzt und weiterentwickelt.
„Der Auszeichnung und Preisverleihung ging eine intensive Phase der Prüfung und Vorbereitung voraus. So mussten wir nicht nur den Nachweis der Machbarkeit, sondern mit Pilotanwendungen und Testreihen auch die prinzipielle Tauglichkeit und Akzeptanz unserer Anwendung nachweisen. Wir haben in den vergangenen Jahren rund 1000 Patient*innen angiologisch in unserer Forschungsambulanz, dem „Lauflabor“ untersucht. Dabei konnten wir zeigen, dass sich mit dem von uns entwickelten Antepulsations-Verfahren die körpereigene Regeneration der Arterien und Durchblutungsstörungen in den Beinen auch nicht-invasiv sehr gut behandeln lassen. Dabei werden Manschetten um Hüfte und Oberschenkel gewickelt, so dass durch regelmäßige Druckluftstöße eine Art Training simuliert wird. Die durch Druckluftstöße vermittelte Kompression der Beine führt zu einer Beschleunigung des Blutflusses und simuliert effektiv so körperliches Training. Die Arterien des Körpers denken dann, der Mensch läuft gerade einen Marathon, obwohl er in Wirklichkeit im Bett liegt! Unser Verfahren bietet insbesondere auch für bereits in ihrer Mobilität eingeschränkte Patient*innen einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Behandlungsmethoden. Unser Projekt AngioAccel hat es dann auf eine Shortlist mit 10 ausgewählten Projekten geschafft, was für uns schon eine tolle Anerkennung bedeutet hat. Das wir jetzt mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg neben der TU München, dem Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und Verpackungstechnik (AVV) und der TU Dresden sogar zu den drei gleichrangigen Trägern des Innovationspreises 2022 gehören, macht uns glücklich und auch ein wenig stolz“, ergänzt Prof. Ivo Buschmann.
„Das Therapiekonzept von AngioAccel erhöht mit Hilfe einer sogenannten ‚Herzhose‘ und EKG-gesteuerter Manschetten den Blutfluss von Patient*innen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – einer Durchblutungsstörung in den Beinen. Das führt dazu, dass diese deutlich mobiler werden. Ziel des Vorhabens AngioAccel war im Programm VIP+, das Therapiekonzept an Patient*innen mit dem Krankheitsbild zu validieren. Die im Programm durchgeführten Arbeiten waren äußerst erfolgreich. Die Lebensqualität und Mobilität von den Patient*innen ist stark gestiegen: Sie konnten ihre zurückgelegten Gehstrecken um bis zu 500 Prozent verlängern“, heißt es in der Begründung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
„Forschung ist die Basis für die Wertschöpfung von morgen und zugleich Garant für eine hochwertige Gesundheitsversorgung. Das hat sich auch in der Corona-Pandemie gezeigt. Damit aus unserer exzellenten Forschung und vielen hervorragenden Ideen echte Innovationen werden, ist entscheidend, dass die Forschungsergebnisse in der Praxis ankommen. Der Forschungstransfer ist für uns immer zentral. Deshalb fördert das Bundesforschungsministerium mit dem Programm VIP+ den Transfer von Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Verwertung und gesellschaftliche Anwendung. Die ausgezeichneten Projekte eint, dass ihre Ergebnisse schnell und für viele Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen nutzbar werden. Die drei Preisträger-Projekte sind mit ihren Innovationen nicht nur echte Vorreiter auf ihren jeweiligen Gebieten, sondern haben das Potenzial für eine bessere Gesundheitsversorgung oder nachhaltigere Produkte“, erklärt Dr. h. c. Thomas Sattelberger, der zuständige Parlamentarische Staatssekretär im BMBF.
Der Preis wird in einem Turnus von zwei Jahren an wissenschaftliche Projekte verliehen, die Forschungsergebnisse vorbildlich in innovative Anwendungen umgesetzt haben. Auf den Preis können sich dabei Projekte aus allen Fachrichtungen und Wissenschaftsdisziplinen bewerben.
Zum Hintergrund
Das BMBF hatte das Förderprogramm „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung (VIP+)“ im Jahr 2015 gestartet. Das Programm unterstützt Wissenschaftler*innen dabei, exzellente technologische und nicht- technologische Ergebnisse ihrer Forschung hinsichtlich einer späteren Anwendung oder Verwertung zu überprüfen. Die Projekte testen ihre Ergebnisse dahingehend, ob sie tatsächlich praxistauglich und umsetzbar sind, beispielsweise in Anwendungsbereichen mit hohem wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen. Damit trägt VIP+ auch dazu bei, die Transferkultur in allen beteiligten Einrichtungen zu stärken. Seit dem Start von VIP+ wurden 175 Projekte mit einem Fördervolumen von fast 200 Millionen Euro bewilligt. Im Zeitraum von fünf Jahren nach Ablauf ihrer jeweiligen Förderungen durch VIP+ sind aus fast einem Drittel der ehemaligen Projekte Unternehmensgründungen erfolgt oder Unternehmen befinden sich in der Gründungsphase. In mehr als einem Fünftel der abgeschlossenen Projekte werden auf Basis der Arbeiten im Programm VIP+ neue Patente eingereicht.
Am 17. Mai 2022 ist Welt Hypertonie Tag. Dieser jährliche Aktionstag soll die öffentliche Aufmerksamkeit auf Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) lenken, insbesondere auf die Entdeckung dieser Erkrankung, die viele Folgekrankheiten nach sich ziehen kann. Wie dringend notwendig die Information über Bluthochdruck ist, zeigt eine aktuell in „The Lancet“ publizierte Studie: In Deutschland beträgt die Dunkelziffer fast 30 %. Daher startet die Deutsche Hochdruckliga zum Welt Hypertonie Tag ihre Jahreskampagne #entdeckergesucht.
Entdecker gesucht? Für Bluthochdruck? Ja, denn viele Menschen wissen nicht, dass sie unter Bluthochdruck leiden und damit langfristig ihre Gesundheit und die Aussicht auf ein langes Leben aufs Spiel setzen. Daher lohnt es sich, zum Entdecker zu werden. Um Bluthochdruck zu „entdecken“ und in der Folge gut einzustellen, hilft in der Regel nur eins: messen, messen und noch mal messen!
Wie wichtig es ist, seinen Blutdruck im Blick zu behalten, zeigte eine in „The Lancet“ [1] publizierte Studie. Sie analysiert die Entwicklung der Krankheitslast (Prävalenz) und der Krankheitskontrolle (Anteil der behandelten Patientinnen und Patienten) zwischen 1990 und 2019 anhand von 1.202 populationsbasierten Studien weltweit. Für Deutschland errechnete sie, dass nur 71 % aller weiblichen und 72 % aller männlichen Betroffenen um ihre Erkrankung wissen. Medikamente erhalten nur 64 % der Patientinnen und 61 % der Patienten. Schaut man sich an, wie viele erfolgreich behandelt sind und Blutdruckwerte im Zielbereich aufweisen, ist das in dieser Erhebung nicht einmal die Hälfte der Betroffenen (48 % der Frauen, 43 % der Männer).
Wenig Symptome – viele gefährliche Folgen „Das ist eine traurige Bilanz“, erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Zumal das Robert Koch-Institut 2015 noch die Bluthochdruckdunkelziffer mit 20 % angegeben hatte [2]. Beide Datensätze sind schwer vergleichbar, die Zahlen lassen aber die Interpretation zu, dass die ‚Awareness‘ für Bluthochdruck tendenziell abnimmt. Womöglich wird die Corona-Pandemie diesen Trend noch verstärken, da andere Gesundheitsprobleme im Fokus standen und viele Menschen aus Angst vor Ansteckungen die Routineuntersuchungen bei der Hausärztin/beim Hausarzt nicht mehr so engmaschig wahrgenommen haben.“ Dabei ist ein unbehandelter Bluthochdruck gefährlich, langfristig sogar lebensgefährlich. Grob gesagt, gehen fast die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte und fast ein Drittel aller Nierenkrankheiten auf sein Konto. Auch Demenzerkrankungen, sogar Erblindungen, zählen zu den Langzeitfolgen von dauerhaft erhöhten Blutdruckwerten. Eine Auswertung von Gesundheitsdaten der WHO-Länder [3] zeigte, dass die Anzahl der Todesfälle infolge von Herz- und Gefäßerkrankungen mit Bluthochdruck zusammenhängt: je höher die Blutdruckwerte, desto mehr tödliche kardiovaskuläre Ereignisse. Das Fazit von Dr. med. Marcel Schorrlepp, Mainz, Sprecher der AG Hausärztliche Internisten in der DGIM, lautet: „Bluthochdruck ist der Ausgangspunkt für viele Folgeerkrankungen und legt den Grundstein für die Multimorbidität der Betroffenen im höheren Alter. Bluthochdruck muss behandelt werden. Je früher und konsequenter, desto besser.“
Aktuelle Kampagne animiert zum Blutdruckmessen Doch in vielen Fällen wird die Diagnose Bluthochdruck gar nicht gestellt. Meistens spüren Betroffene nichts von der Erkrankung. In einigen Fällen führt Bluthochdruck zu Kopfschmerzen, innerer Unruhe oder auch mal Schwindel, aber diese Krankheitszeichen werden, zumindest wenn sie nur gelegentlich auftreten, oft als „Unpässlichkeit“ hingenommen und nicht mit einer Bluthochdruckerkrankung in Zusammenhang gebracht. Aufschluss über die Diagnose gibt am Ende nur die Blutdruckmessung. Wer die Diagnose „verpasst“, ist nicht selten überrascht, wenn sie als vermeintlicher Zufallsbefund nach einer Schlaganfall- oder Herzinfarktdiagnose gestellt wird (siehe Patientengeschichte). Gelegentliches Messen gibt hingegen frühzeitig Aufschluss. Ab Werten über 140/90 mm Hg wird es gefährlich – dann spricht man von Hypertonie (Bluthochdruck) und eine Therapie sollte eingeleitet werden. Optimal sind Blutdruckwerte unter 130/80 mm Hg. Bei leicht erhöhten Werten kann man viel durch einen gesünderen Lebensstil erreichen und die erhöhten Blutdruckwerte wieder „einfangen“: Gewicht verlieren, sich gesund ernähren und ausreichend bewegen ist das Patentrezept!
„Bluthochdruck früh zu erkennen und zu behandeln, rettet Leben, daher startet die Deutsche Hochdruckliga ihre Jahreskampagne #entdeckergesucht zum Welt Hypertonie Tag. Die zentrale Botschaft lautet ‚Blutdruckmessen ist einfach!‘ und wir möchten die Menschen zur Blutdruckmessung animieren, um die Dunkelziffer von Menschen mit Bluthochdruck zu senken“, so erklärt Prof. Dr. med. Florian Limbourg, Hannover, Mitglied im Vorstand der Deutschen Hochdruckliga und Initiator dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion, das Kampagnenziel. Die Kampagnenbotschaft wird durch drei augenfällige und einprägsame Plakatmotive transportiert. Auf einem begleitenden Faltblatt zur Kampagne finden sich auch eine Anleitung zur Blutdruckmessung in fünf Schritten und eine Messtabelle, wo man die Werte eintragen und den Wochendurchschnitt berechnen kann.
Social-Media-Mitmachaktion: #entdeckergesucht Um diese Botschaft in die Bevölkerung zu tragen, ist eine Social-Media- Kampagne und Mitmach-Aktion geplant: Gesucht werden mutige Menschen, die ihre Blutdruckwerte messen – und auch andere dazu motivieren, als „Entdecker“ ihren Blutdruck im Auge zu haben. Idee ist, dass jeder eine Woche lang gemäß Anleitung seine Blutdruckwerte misst, in dem Blutdruckpass auf dem Flyer (siehe Pressemappe) einträgt und am Ende seinen Wochendurchschnittswert berechnet. Dann einfach Foto von sich mit dem Faltblatt machen und mit dem Hashtag #entdeckergesucht posten. Allein, zu zweit, mit der Familie oder dem Gartenzwerg. Die witzigsten Einsendungen werden wir – wenn uns dafür das Einverständnis der Protagonisten vorliegt – im nächsten „Druckpunkt“ veröffentlichen. Seien Sie kreativ und überraschen Sie uns. Und falls Sie von Ihren Blutdruckwerten überrascht sind, weil der Durchschnittwert über 135/85 mm Hg liegt, lassen Sie es Ihre Ärztin/Ihren Arzt wissen. Denn ein unbehandelter Bluthochdruck ist gefährlich.
Weitere Inhalte der Pressemappe zum Welt Hypertonie Tag 2022 - Fakten/„Listings“ zu Bluthochdruck - Patientengeschichte von Ortwin Stein - Patientengeschichte Lars Schmidt - Hintergrundtext: Genetisch bedingter Bluthochdruck - Faltblatt Blutdruckmessen (inkl. Messtabelle) - Hintergrundtext: Blutdruckmessgeräte – achten Sie auf das Siegel der DHL! - Liste der DHL-zertifizierten Blutdruckmessgeräte - Banner/Kampagnenmotive zur Social-Media-Verbreitung - Foto Dr. med. Marcel Schorrlepp, Mainz, Sprecher der AG Hausärztliche Internisten in der DGIM (Copyright: privat) - Foto Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (Copyright: UKE Hamburg)
[1] (NCD-RisC), Zhou B, Carrillo-Larco RM, Danaei G et al. Worldwide trends in hypertension prevalence and progress in treatment and control from 1990 to 2019: a pooled analysis of 1201 population-representative studies with 104 million participants. Lancet 2021; 398, 957-980. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)01330-1/fulltext
[3] Sahin B, İlgün G. Risk factors of deaths related to cardiovascular diseases in World Health Organization (WHO) member countries. Health Soc Care Community. 2022 Jan; 30 (1): 73-80. doi: 10.1111/hsc.13156. Epub 2020 Sep 9