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UNGES KREBSPORTAL – Die App:

Eine mobile Applikation als Unterstützung junger Krebspatient:innen in der
Akutphase und Nachsorge

Berlin, 14. Juli 2021– Am heutigen Mittwoch, dem 7. Geburtstag der
Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, stellte diese ihr
neuestes digitales Projekt im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz vor.
In Zukunft werden die Funktionen der individuellen Beratung im JUNGEN
KREBSPORTAL per App verfügbar sein. Diese kann kostenlos im App-Store
heruntergeladen werden.

Bereits im November 2015 initiierte die Deutsche Stiftung für junge
Erwachsene mit Krebs mit der individuellen Beratung im JUNGEN KREBSPORTAL
ihr erstes konkretes Hilfsangebot für junge Betroffene. Das Portal
ermöglicht seitdem jungen Patient:innen, die an Krebs erkrankt sind, waren
oder an einem Rezidiv leiden, einen schnellen Kontakt zu Expert:innen in
ganz Deutschland, um notwendige Informationen und Beratung zu erhalten.
Mithilfe des onlinebasierten Angebots können junge Krebspatient:innen
individuelle Fragestellungen an das hochqualifizierte Berater:innenteam
des JUNGEN KREBSPORTALS richten und erhalten in Online-Chats, Telefonaten
oder persönlichen Gesprächen vor Ort Antworten. Beratungen werden in den
Themenbereichen „Sozialrechtliche Fragestellungen“, „Veränderungen des
Hormonhaushaltes“, „Immundefekte“ sowie „Integrative Krebsmedizin“
durchgeführt. Mit über 1.400 registrierten Nutzer:innen und knapp 1.000
getätigten Beratungen ist das JUNGE KREBSPORTAL ein Erfolgsprojekt.

Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen
Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, betont die Wichtigkeit des
Hilfsangebots für die jungen Betroffenen: „Junge Menschen werden durch
eine Krebsdiagnose mitten aus dem Leben gerissen. Viele sind gerade dabei
durchzustarten, haben Pläne gemacht und befinden sich im Aufbruch zur
Eigenständigkeit. Nicht wenige fühlen sich in dieser Situation allein
gelassen mit ihren Sorgen.“ Umso wichtiger ist es, diese Betroffenen
möglichst frühzeitig abzuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre
Fragen niederschwellig und ohne großen Aufwand von Expert:innen
beantworten zu lassen. „Junge Krebspatient:innen befinden sich in einer
besonderen Situation. Eine begleitende Beratung, die unkompliziert,
schnell und digital ablaufen kann, ist eine große Chance. Das JUNGE
KREBSPORTAL leistet hier einen wichtigen Beitrag.“, ergänzt Freund.

Auch Prof. Dr. med. Diana Lüftner, Vorstand der Stiftung, weist auf die
außergewöhnliche Situation der Betroffenen hin: „Weder die Familien noch
die Gesellschaft sind auf diese Fälle vorbereitet. Außerdem spielen ganz
andere Themen eine Rolle als bei älteren Krebs-patient:innen. Eine
mögliche Unterbrechung der Ausbildung, die Rückkehr in den Beruf oder auch
Fragen der Fertilitätserhaltung sind hier akut. Eine Auseinandersetzung
damit ist mit enormem bürokratischem Aufwand verbunden.“

Sich in diesem Papierdschungel zurecht zu finden, ist auch für nicht
Betroffene eine Heraus-forderung, findet Dr. med. Volker König. Als
Chefarzt in der onkologischen Rehabilitation ist er seit 20 Jahren in der
Klinik Bad Oexen tätig. Im JUNGEN KREBSPORTAL engagiert er sich bereits
seit Beginn als ehrenamtlicher Berater im Bereich „Sozialrechtliche
Fragestellungen“ und unterstützt die Stiftung mit seiner Expertise. „Das
Angebot im JUNGEN KREBSPORTAL unterstützt junge Menschen, die sich durch
die Erkrankung selbst und durch den Zeitpunkt der Erkrankung im jungen
Lebensalter in einer doppelten Krisensituation befinden und sich in dem
Labyrinth der verschiedenen Vorschriften, aber auch
Unterstützungsmöglichkeiten, zurechtfinden müssen.“

Genau in dieser Situation befand sich Fayez. Der junge Mann aus Berlin
erhielt mit 27 Jahren die Diagnose NET (neuroendokriner Tumor) und
engagiert sich seitdem in der Stiftung. Gleich zu Beginn seiner Erkrankung
suchte er sich Unterstützung im Portal: „Zum Zeitpunkt der Erkrankung
fällt man in ein bodenloses Loch und hat das Gefühl, man sei der einzige
junge Mensch, der so einen Schlag bekommt. Das JUNGE KREBSPORTAL hat mir
gezeigt, dass es bereits eine große Community und auch viele Helfer gibt,
die ein tolles Netz haben und sich somit um jeden jungen Erkrankten und
seine individuellen Probleme kümmern können. Bei mir ging es weniger um
die Erkrankung, sondern um die sozialen Folgen. Wie läuft es mit der Bafög
Rückzahlung? Wie lange bekomme ich Krankengeld? Wann muss ich eine EU-
Rente beantragen? Wie komme ich an einen guten Rehaplatz? Diese und viele
weitere Fragen wurden mir von Experten beantwortet, und ich konnte mich
ganz auf meine Diagnose und die Folgen konzentrieren.“

Zusätzlich zum Beratungsangebot für junge Patient:innen bietet das
Onlineportal auch Fachkräften aus verschiedenen Bereichen eine Möglichkeit
des Austausches mit den Berater:innen des JUNGEN KREBSPORTALS. Fachkräfte,
wie beispielsweise Ärzt:innen, Pflegepersonal oder Sozialarbeiter:innen,
können sich über einen Konzilzugang mit ihren individuellen Anfragen an
das JUNGE KREBSPORTAL wenden. Die Berater:innen unterstützen sowohl bei
fallspezifischen als auch bei allgemeingültigen Fragenstellungen.

Betroffene engagieren sich als Tandem-Partner:innen für andere junge
Krebspatient:innen

Seit Februar 2021 haben junge Krebspatient:innen zudem die Möglichkeit
sich in einer „Tandem-Beratung“ von anderen jungen Betroffenen durch ihre
Krebserkrankung begleiten zu lassen. Die Tandem-Partner:innen unterstützen
Betroffene mit ähnlichen Diagnosen anhand ihrer eigenen persönlichen
Erfahrungen mit einer Krebserkrankung und helfen mit Tipps und Tricks
durch diese herausfordernde Zeit. Derzeit sind Tandem-Partnerschaften zu
den Themen „Familie & Krebs“ und „Studium & Krebs“ sowie
diagnosespezifisch für Betroffene mit Brustkrebs, Hodenkrebs, Hodgkin-
Lymphomen und Gehirntumoren möglich. Das Angebot wird kontinuierlich um
weitere Diagnosen und Schwerpunktthemen erweitert.

Sich in dieser Form für andere junge Betroffene einzusetzen, ist für die
Tandem-Partner:innen ein Herzenswunsch. „Ich engagiere mich, damit es
andere leichter haben als ich damals. Die jungen Betroffenen sollen
wissen, dass sie nicht allein sind und dass sie Hilfe und Unterstützung
während der schwierigen Phasen erhalten“, erzählt Katrin aus Berlin. Die
junge Frau erhielt mit 35 Jahren die Diagnose Brustkrebs Triple negativ,
als sie gerade die Probezeit im Internationalen Büro der HU Berlin
bestanden hatte. In der Akutphase hätte sie sich sehr über die Möglichkeit
gefreut sich mit anderen jungen Betroffenen auszutauschen und Fragen
stellen zu können. Ähnlich ging es Dafinka aus Bonn, die ebenfalls mit 35
Jahren an Brustkrebs erkrankte. Die junge Mutter unterstützt die Stiftung
im Bereich „Familie & Krebs“ und hilft als Tandem-Partnerin Betroffenen in
ähnlichen Situationen: „Gerade für junge Eltern ergeben sich andere
familiäre und sozialrechtliche Fragen. Im JUNGEN KREBSPORTAL können sie
von den Erfahrungen der Tandem-Partner profitieren. Ich engagiere mich,
damit sich die Betroffenen leichter ein soziales Netzwerk aufbauen können
und ein paar Sorgen weniger haben, um sich mehr auf die Heilung zu
konzentrieren.“

Betroffene nutzen die Hilfsangebote vorwiegend über mobile Endgeräte

Auswertungen des Nutzer:innenverhaltens haben gezeigt, dass zwei Drittel
aller Besucher:innen der Website der Stiftung und des JUNGEN KREBSPORTALs
diese mit mobilen Endgeräten ansteuern. „Das ist nicht weiter
verwunderlich“, bestätigt Lüftner mit Blick auf die Zielgruppe der
18-39-Jährigen und fährt fort: „Viele junge Betroffene müssen in der
Akutphase in Klinken oder Praxen oft lange Wartezeiten überbrücken. Dabei
haben sie stets ihre Mobiltelefone oder Tablets bei sich.“

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs hat deshalb die
Funktionen der individuellen Beratung im JUNGEN KREBSPORTAL in eine mobile
Applikation überführt.

Betroffene und Konzilsuchende haben die Möglichkeit sich im Portal zu
registrieren und per App ihre individuellen Anfragen an das
Expert:innenteam zu stellen. Auch bereits registrierte Nutzer:innen können
sich ab sofort mit ihren Daten in die App einloggen.

Ebenso haben die Berater:innen und Tandem-Partner:innen zukünftig die
Möglichkeit die App zum Beantworten der Anfragen zu nutzen. Anhand von
Push-Notifications erhalten die Nutzer:innen kleine Benachrichtigungen,
wenn neue Anfragen eingegangen sind oder eine Antwort auf ihre Fragen
vorliegt. Der Nachrichtenverlauf in der App erinnert grafisch an
klassische Messenger-Apps.

Erweiterungen und neue Funktionen sind bereits in Planung

Die Programmierung der JUNGES KREBSPORTAL-App mit ihren grundlegenden
Funktionen der individuellen Beratung war lediglich ein erster Schritt.
Bereits jetzt ist eine erste Erweiterung des Systems in Planung. Die auf
der Portal-Website bereits verfügbare Funktion des Berater:innen-/Tandem-
Partner:innen-Forums wird in einem ersten Update auch in der App verfügbar
sein. Darin haben Berater:innen und Tandem-Partner:innen die Möglichkeit
sich untereinander auszutauschen, Fälle zu besprechen und gezielt
Diskussionen zu einzelnen Themenbereichen zu eröffnen.

Darüber hinaus prüft die Stiftung, ob auch die anderen digitalen
Hilfsangebote des JUNGEN KREBSPORTALs in die App integriert werden können.
Hierzu zählen neben der Ersten Hilfe für Betroffene auch die Wissensseiten
der Stiftung sowie die regelmäßigen Online-Sprechstunden und die
Webinarangebote.

Die App ist aktuell bereits in der Version für Android-Endgeräte
verfügbar. Die iOS-Version für Apple-Geräte wird im Laufe des Juli
ebenfalls im App-Store downloadbar sein.

Nach der Veröffentlichung der JUNGES KREBSPORTAL-App plant die Stiftung
eine rasche Überarbeitung der Werbematerialien des Hilfsangebots. Flyer
und Plakate werden um die Tandem-Partnerschaften und die App ergänzt und
breitflächig an Onkologische Stationen und Praxen in ganz Deutschland
verteilt. Entsprechende Infomaterialien können unter info@junge-
erwachsene-mit-krebs.de bei den Stiftungsmitarbeiter:innen bestellt
werden.

Ein besonderer Dank gilt unseren beiden Projekt-Förderern, der Albert und
Barbara von Metzler-Stiftung aus Frankfurt am Main und der Strube Stiftung
aus Stuttgart, ohne die die Umsetzung der JUNGES KREBSPORTAL-App nicht
möglich gewesen wäre.

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland nahezu 16.500 junge Frauen und Männer
im Alter von
18 bis 39 Jahren an Krebs. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit
Krebs ist Ansprechpartnerin für Patient:innen, Angehörige,
Wissenschaftler:innen, Unterstützer:innen und die Öffentlichkeit. Die
Stiftungsprojekte werden in enger Zusammenarbeit mit den jungen
Betroffenen, Fachärzt:innen sowie anderen Expert:innen entwickelt und
bieten direkte und kompetente Unterstützung für die jungen Patient:innen.
Die Stiftung ist im Juli 2014 von der DGHO Deutsche Gesellschaft für
Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. gegründet worden. Alle
Stiftungsprojekte werden ausschließlich durch Spenden finanziert. Die
Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist als gemeinnützig
anerkannt.

Spendenkonto der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs:
Postbank, IBAN: DE57 1001 0010 0834 2261 04, BIC: PBNKDEFF

(Die angegebene Genderform vertritt alle Geschlechter.)

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Gesundheit braucht kluge Köpfe

Gesundheitsdenkertag an der SRH Hochschule für Gesundheit.

Ein Studium im Gesundheits- und Sozialwesen ist spannend, vielseitig und
trägt maßgeblich zu einer gesunden Gesellschaft bei. Zudem bietet es die
unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten. Derzeit studieren über 1.300
Studierende in 18 akkreditierten Bachelor- und Master-Studiengängen, an
insgesamt 13 Studienorten in ganz Deutschland. Damit leistet die SRH
Hochschule für Gesundheit einen aktiven Beitrag für eine gesunde
Gesellschaft.

Am 4. August 2021 lädt die Gesundheitshochschule der SRH ab 16:00 Uhr
Interessierte zum diesjährigen Gesundheitsdenkertag ein. Spannende
Impulsbeiträge, virtuelle Campusrundgänge und interessante Gespräche
warten auf die Interessent:innen. „Leidenschaft fürs Leben! So beschreiben
wir unsere Motivation und unseren Antrieb, die uns tagtäglich dazu
bringen, die Themen Gesundheit und Soziales mit all ihren Facetten weiter
voranzubringen und die Gesundheitsdenker von Morgen auszubilden. Genau mit
dieser Leidenschaft werden wir den Interessierten am 4. August 2021
begegnen“, so Prof. Dr. Björn Eichmann, Vizepräsident der SRH Hochschule
für Gesundheit.

Durchstarten für eine gesunde Karriere
Unterschiedliche Studienmodelle spiegeln die Vielfalt der SRH Hochschule
für Gesundheit wider. Sie vereinen Leben, Arbeit und Lernen optimal
miteinander. Darüber hinaus zeigen zahlreiche Angebote der
Gesundheitshochschule, wie der jährliche Gesundheitstag, das
Gesundheitsportal oder die Forschungscommunity, dass Gesundheit nicht nur
gelehrt wird, sondern auch aktiv in den Alltag eingebaut wird. Denn die
Gesundheit der Studentinnen und Studenten, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter aber auch der Gesellschaft liegt der SRH Hochschule für
Gesundheit besonders am Herzen.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?
Sichern Sie sich Ihren Studienplatz an der Gesundheitshochschule der SRH
und werden auch Sie ein Gesundheitsdenker von Morgen. Wir gestalten
gemeinsam Ihren Karriereweg im Gesundheitswesen. Interessierte können sich
kostenfrei und unverbindlich für die Veranstaltungen unter:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. anmelden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/christina-mueller/


Originalpublikation:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/news/2021/gesundheit-braucht-
kluge-koepfe-1/

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Durchbruch für die Behandlung der Zöliakie

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz federführend bei der
Entwicklung und klinischen Testung des ersten wirksamen Medikaments - Ein
Forscherteam hat unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef
Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie der
Universitätsmedizin Mainz, einen neuartigen medikamentösen Wirkstoff zur
Behandlung der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) entwickelt: den
Transglutaminase-Hemmer ZED1227. Das Medikament basiert auf einem
erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus. Die bisher einzige wirksame
Therapieoption für Betroffene ist eine streng glutenfreie Diät.

Im Rahmen einer klinischen Phase 2a-Studie haben die Mainzer
Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Kollegen gezeigt, dass
ZED1227 eine starke schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut hat und
die Entzündung, Erkrankungssymptome sowie die Lebensqualität der
Betroffenen verbessert. Damit ist ZED1227 das erste Zöliakie-Medikament,
für das eine klinische Wirksamkeit belegt werden konnte. Die
Studienergebnisse wurden jetzt in der international renommierten
Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht.

„Zöliakie-Betroffene verspüren durch die dauerhaft notwendige Vorsicht bei
der Ernährung einen erheblichen Leidensdruck. Mit dem Transglutaminase-
Hemmer ZED1227 wird ihnen zukünftig eine medikamentöse
Behandlungsmöglichkeit unterstützend zur glutenfreien Diät zur Verfügung
stehen, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und
Lebensqualität ermöglicht“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan,
der zusammen mit Prof. Markku Mäki (Tampere, Finnland) Erstautor der
Studie ist. Professor Schuppan leitet die Klinik-Ambulanz für Zöliakie und
Dünndarmerkrankungen an der Universitätsmedizin Mainz, einem bundesweiten
und internationalen Referenzzentrum für die Betreuung von Patienten mit
Zöliakie und komplexen Dünndarmerkrankungen, insbesondere auch für
Patienten mit den therapieresistenten und komplizierten Formen der
Erkrankung.

Die Zöliakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des
Dünndarms. Weltweit ist nahezu ein Prozent der Bevölkerung davon
betroffen. Die Autoimmunerkrankung wird durch den Verzehr des in
verschiedenen Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel enthaltenen
Klebereiweißes Gluten verursacht. Bei der Erkrankung können
unterschiedliche Symptome, beispielsweise Durchfall oder Bauchschmerzen,
aber auch vielfältige Symptome außerhalb des Darms, inklusive
verschiedener Autoimmunerkrankungen, auftreten.

Wenn die bereits durch kleinste Mengen glutenhaltiger Nahrungsmittel
ausgelöste Entzündung der Dünndarmschleimhaut länger anhält, bilden sich
die sogenannten Zotten, die Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, zurück.
Dadurch verkleinert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut. In der Folge
können die Betroffenen weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen.
Unbehandelt kann die Zöliakie zu schwerwiegenden Komplikationen wie
Blutarmut, Knochenschwund, Wachstumsverzögerungen, Unfruchtbarkeit bis hin
zu Dünndarmtumoren führen.

Die Entwicklung des neuartigen Zöliakie-Medikaments ZED1227 wurde im
Rahmen des Spitzenclusters für Individualisierte Immunintervention (Ci3)
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Leuchtturmprojekt
gefördert.

Im Rahmen der aktuell publizierten Wirksamkeitsstudie haben die
teilnehmenden Patienten sich freiwillig einer täglichen Glutenbelastung
und zwei Endoskopien unterzogen. Der Arzneimittelwirkstoff ZED1227 wurde
als Tablette in drei unterschiedlichen Dosierungen verabreicht. Eine
vierte Patientengruppe erhielt ein Plazebo. Das Medikament verhinderte in
jeder Dosierung die glutenbedingte Entzündung und den Zottenschwund. Dabei
erwies sich die höchste Dosierung als am wirksamsten. Darüber hinaus
verbesserten sich mit jeder Dosierung des Medikaments die Zöliakie-
typischen Symptome sowie die empfundene Lebensqualität.

Beteiligt an der Patientenrekrutierung für die Phase-2a-Studie waren 20
klinische Zentren in sieben europäischen Ländern. Neben Mainz haben
Tampere (Finnland) und Oslo (Norwegen) die meisten der insgesamt 160
Patienten im Rahmen der Studie behandelt.
„Gemeinsam mit meinen Studien-Mitarbeiterinnen, Dr. Tina Friesing-Sosnik
und Sibylle Neufang, bin ich den Patienten unserer Mainzer Zöliakie-
Sprechstunde, die sich für diese Studie so bereitwillig und engagiert zur
Verfügung gestellt haben, sehr dankbar“, betont Professor Schuppan.

Der neue therapeutische Ansatz mit dem Medikament ZED1227 basiert auf der
Forschung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan zu den
krankheitsspezifischen Mechanismen bei der Zöliakie. Eine wesentliche
Rolle spielt dabei die Entdeckung des körpereigenen Enzyms
Transglutaminase (TG2), das im gesamten Darm vorkommt. Zöliakiepatienten
entwickeln gegen die Transglutaminase sogenannte TG2-Antikörper. Im Blut
von Zöliakiepatienten mit aktiver Erkrankung sind diese stark erhöht.

Gluten wird nicht vollständig verdaut. Unverdaute Glutenbruchstücke werden
von der Dünndarmschleimhaut aufgenommen. Die so aufgenommenen Bruchstücke
des Glutens reagieren mit TG2. Diese Reaktion verändert („deamidiert“) die
Glutenbruchstücke, so dass ihre entzündungsfördernde Wirkung in der
Darmschleimhaut stark erhöht wird. Das betrifft aber nur
Zöliakiepatienten, die eine besondere genetische Veranlagung mitbringen
müssen. Der neue medikamentöse Wirkstoff, das sogenannte „small molecule“
ZED1227, wurde entwickelt, um die überschießende Aktivität des Enzyms TG2
in der Dünndarmschleimhaut zu hemmen und so die durch Gluten
herbeigeführte Entzündung zu unterbinden.

Das Medikament wurde von den Mainzer Forschern in Zusammenarbeit mit den
Unternehmen Zedira GmbH (Darmstadt) und Dr. Falk Pharma GmbH (Freiburg)
entwickelt.
Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse der Phase-2a-Studie ist ab
Herbst 2021 eine größere Phase-2b-Folgestudie mit der besonders belasteten
Patientengruppe geplant, die nicht auf die glutenfreie Diät anspricht.

Originalpublikation:
Schuppan D, Mäki M, Lundin KEA, Isola J, Friesing-Sosnik T, Taavela J,
Popp A, Koskenpato J, Langhorst J, Hovde Ø, Lähdeaho ML, Fusco S, Schumann
M, Török HP, Kupcinskas J, Zopf Y, Lohse AW, Scheinin M, Kull K,
Biedermann L, Byrnes V, Stallmach A, Jahnsen J, Zeitz J, Mohrbacher R,
Greinwald R; CEC-3 Trial Group. A Randomized Trial of a Transglutaminase 2
Inhibitor for Celiac Disease. N Engl J Med 2021;385:35-45.
DOI: 10.1056/NEJMoa2032441

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Systemische Therapie bei Brustkrebs – Leitlinienempfehlungen aktualisiert

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) die S3-Leitlinie
Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms
aktualisiert und die Empfehlungen zum Einsatz von zielgerichteten
Therapien, etwa mit CDK4/6-Inhibitoren, bei Patientinnen mit
fortgeschrittenem Brustkrebs überarbeitet. Aufgrund neuer Zulassungen und
Studiendaten zur zielgerichteten Therapie war eine fokussierte
Aktualisierung zur Systemtherapie notwendig.

Für Patientinnen mit Brustkrebs konnte die Therapie durch den Einsatz von
CDK4/6-Inhibitoren deutlich verbessert werden – dies zeigen neue
Studiendaten. CDK4/6-Inhibitoren zählen zu den zielgerichteten Therapien,
sie hemmen die sogenannten Cyclin-abhängige Kinasen, die das Zellwachstum
kontrollieren und in Brustkrebszellen vermehrt aktiv sind. „Bei
Her-2-negativen Patientinnen mit hormonabhängig wachsendem metastasiertem
Brustkrebs können CDK4/6-Inhibitoren in Kombination mit einer
Hormontherapie das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen,“ so
Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Achim Wöckel, Universitätsklinikum
Würzburg. „Diese Patientinnen sollten deshalb eine Kombination aus
Aromatasehemmern oder Fulvestrant mit CDK 4/6- Inhibitoren erhalten,
sofern diese Substanzklasse bislang noch nicht eingesetzt wurde“,
führt Wöckel aus.

Hormonrezeptor-positive, Her-2-negative Brustkrebspatientinnen, bei denen
der Tumor bereits vor der Menopause streut, profitierten ebenfalls von der
Kombination aus CDK4/6-Inhibitoren und Hormontherapie, so Prof. Dr.
Wolfgang Janni vom Universitätsklinikum Ulm, Mitkoordinator der Leitlinie.
Allerdings müsse zunächst die Funktion des Ovars, beispielsweise durch die
Gabe eines GnRH-Antagonisten ausgeschaltet werden.

Statistisch gesehen erkrankt in Deutschland etwa eine von acht Frauen im
Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Im Jahr 2016 waren etwa 30 Prozent aller
Krebsneuerkrankungen bei Frauen auf Brustkrebs zurückzuführen, sie ist
somit die häufigste Krebserkrankung bei dieser Patient*innengruppe (Robert
Koch-Institut, Krebs in Deutschland 2016). Auch Männer können an
Brustkrebs erkranken, jedoch ist die Erkrankung selten und machte im Jahr
2016 etwa 0,3 Prozent aller bei Männern neu diagnostizierten
Krebserkrankungen aus. Die Sterberate bei Brustkrebs ist leicht
rückläufig, was auf eine verbesserte Therapie zurückzuführen ist.

An der S3-Leitlinie Mammakarzinom waren insgesamt 52 ehrenamtlich
arbeitende Fachexpert*innen aus 34 Fachgesellschaften und Organisationen
beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:  https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 30 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)
ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland.
Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und
Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine
Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe
weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die
DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die
gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen
Gremien. Mehr unter: https://www.dggg.de/

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