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Herzchirurgische Versorgung im Jahr 2020: Von COVID-19-Pandemie betroffen, jedoch bundesweit gewährleistet

Alljährlich publiziert die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) in ihrer Leistungsstatistik die neuesten
herzchirurgischen Daten, Zahlen und Fakten zur herzchirurgischen
Patientenversorgung in Deutschland. Trotz der erschwerten Bedingungen im
Kontext der SARS-CoV-2-Pandemie, konnte die herzchirurgische
Fachgesellschaft auch für das herausfordernde Jahr 2020 die
Leistungszahlen als wegweisendes Instrument der Dokumentation und
Qualitätssicherung erheben.

Herzpatientinnen und Herzpatienten sind in Deutschland bestens und
jederzeit versorgt (24/7/365). Unter Berücksichtigung
gesundheitspolitischer Aspekte, sprich, den Pandemie-Belastungen und dem
Pflegenotstand, des stetig ansteigenden Patientenalters und der damit
zwangsläufig verbundenen Ko- und Multimorbidität, zeigt sich die
herzchirurgische Versorgung dennoch auf einem bemerkenswerten
Qualitätsniveau. So dokumentiert es die DGTHG-Leistungsstatistik 2020.
Gleichzeitig zeigt sich für das vergangene Jahr, gekennzeichnet durch
mehrere Lock- und Shutdowns, ein signifikanter Rückgang bei den
herzchirurgisch etablierten Operationen und Interventionen, die vermutlich
den diffizilen Herausforderungen und komplexen Geschehnissen der Corona-
Pandemie geschuldet sind.

Corona führt zu Rückgang herzchirurgischer Operationen in allen
Bundesländern

So wurden im Jahr 2020 im Mittelwert 110,9 herzchirurgische Operationen je
100.000 Einwohner*innen in den 16 Bundesländern vorgenommen, wobei Bayern
mit 94,4 Eingriffen den niedrigsten, und Sachsen-Anhalt mit 167,0
Eingriffen je 100.000 Einwohner den Spitzenwert erreichten. Insgesamt sank
die Gesamtzahl der Herz-Operationen im engeren Sinne um 7,6 Prozent von
100.446 im Jahr 2019 auf 92.809 Eingriffe im vergangenen Jahr. Inkludiert
man alle erfassten Eingriffskategorien (inkl. Herzschrittmacher-,
Defibrillator-Eingriffe, Operationen der herznahen Hauptschlagader ohne
HLM), summiert sich die Gesamtzahl auf 161.815 im Jahr 2020 (2019:
175.705); ebenfalls ein deutlicher Rückgang um 7,9 Prozent. Gleichzeitig
ist jedoch sicher davon auszugehen, dass die Patientenversorgung für
dringliche und Notfalleingriffe zu jeder Zeit flächendeckend bzw.
bundesweit durch die 78 etablieren Fachabteilungen für Herzchirurgie mit
ihren insgesamt ca. 1000 tätigen Herzchirurginnen und Herzchirurgen
sichergestellt war.

Steigendes Patient*innenalter und nahezu stabile Überlebensraten

Seit Jahren (2011-2020) ist zu beobachten, dass das Alter der
herzchirurgischen Patientinnen und Patienten sukzessive steigt.
Insbesondere die Altersgruppe der 80+ Jährigen machte im Jahr 2020 ca.
19,2 Prozent (2011:13,4 Prozent) der operierten Patienten aus, gefolgt von
der Altersgruppe der 70-79jährigen mit 32,2 Prozent. Trotz der jährlichen
Zunahme älterer Patient*innen in den herzchirurgischen Fachabteilungen,
liegen die Krankenhaus-Überlebensraten in den einzelnen
Eingriffskategorien bei durchschnittlich konstant 97 Prozent und spiegeln
so die erfolgreiche, qualitativ hochwertige herzchirurgische Versorgung.

Erneut Rückgang der Koronaren Bypass-Operationen

Ein Rückgang um 14 Prozent auf 29.444 (2019: 31.244) war bei den
isolierten koronaren Bypass-Operationen zu verzeichnen, bei gleichzeitigem
Anstieg (0,2 Prozent) der Überlebensrate auf 97,2 Prozent. Die
Durchführung der koronaren Bypass-Operationen mit weiteren Prozeduren lag
2020 bei 8.540, und damit ebenfalls rückläufig um 13,5 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr 2019 mit 9.869 Prozeduren.

2020: Weniger Herzklappeneingriffe im Corona-Jahr 2020

Wurden 2019 noch 36.650 isolierte Herzklappen-Operationen gezählt, waren
es im vergangenen Jahr nur 35.469, 17.471 kathetergestützte-Eingriffe
inkludiert. Der überwiegende Teil der Herzklappenoperationen betrifft die
Aortenklappe. Bei 8.186 Patienten wurde im letzten Jahr eine isolierte
herzchirurgische Aortenklappenoperation mit Anwendung der Herz-Lungen-
Maschine durchgeführt (2019: 9.391). In weiteren 1.207 Kombinations-
Eingriffen wurde die Aortenklappe ersetzt und gleichzeitig die
Mitralklappe rekonstruiert oder ebenfalls ersetzt. Durch den Einsatz
kathetergestützter Therapieverfahren stieg die Zahl der Eingriffe bei
Patienten mit erworbenen Herzklappenerkrankungen in den letzten zehn
Jahren spürbar an.
Die Entscheidung für eine herzchirurgische Operation oder ein
kathetergestütztes Therapieverfahren muss stets anhand wissenschaftlicher
Leitlinien, in denen u.a. ein etabliertes interdisziplinäres Herzteam
obligat ist, erfolgen

Rekonstruktion: Goldstandard bei Mitralklappen-Eingriffen

Der Trend der letzten Jahre setzte sich auch 2020 fort: Bei den 6.050
(2019: 6.419) isolierten Mitralklappen-Operationen wurden bei 64,1 Prozent
aller Eingriffe, ergo 3.878-mal, die patienteneigene Mitralklappe
rekonstruiert. Bei den übrigen 2.172 Eingriffen (2019: 2.279) wurde die
Mitralklappe herzchirurgisch durch eine Prothese ersetzt. Dies auch vor
dem Hintergrund, dass nicht jeder Herzklappenfehler für eine
Rekonstruktion zugänglich ist. Die In-Hospital-Überlebensraten für diese
Patientengruppe liegt im Schnitt bei 97 Prozent.

Herzunterstützungssysteme: Überbrückung oder alternative Dauertherapie

Für schwer herzinsuffiziente Patient*innen ist weiterhin die
Herztransplantation der Goldstandard. In Ermangelung an Spenderherzen
stehen Herzunterstützungssysteme zur adäquaten Patientenversorgung zur
Verfügung. Die Anzahl der implantierten Herzunterstützungssysteme ist von
953 im Jahr 2019 auf insgesamt 843 im vergangenen Jahr zurückgegangen,
wobei die sog. Links-/Rechtsherz-Unterstützungs-systeme bei 97 Prozent der
Patienten zum Einsatz kommen (824 L/RAVD im Vorjahr: 924). Eine eher
untergeordnete Rolle spielen die biventrikulären Herzunterstützungssysteme
mit einer Zahl von 12 Implantationen in 2019 (Vorjahr: 14) und die
sogenannten Kunstherzen (Total artificial heart) mit 4 TAH Implantationen
in 2020 (2019:15 TAH).

Trotz Pandemie: Anstieg der Herztransplantationen um 2,1 Prozent
im Jahr 2020

Erfreulicherweise ist die Anzahl der Spenderherzen, und damit die Zahl der
Herztransplantationen, trotz der Corona-Pandemie in Deutschland um 2,1
Prozent gestiegen: von 333 Spenderherzen im Jahr 2019 auf 340 im
vergangenen Jahr. Die häufigsten Indikationen für die 528 Neuanmeldungen
für eine Herztransplantation im letzten Jahr waren die Kardiomyopathie und
die chronische ischämische Herzkrankheit. Die DGTHG sieht noch viel
Aufklärungsbedarf, um die Öffentlichkeit für das Thema Organspende weiter
zu sensibilisieren. Aktiv hat die herzchirurgische Fachgesellschaft daher
bereits zwei eigene Aufklärungs- bzw. Charity-Aktionen initiiert.

Die gesamte Leistungsstatistik (Folien und Report) steht zum kostenfreien
Download unter:
https://www.dgthg.de/de/dgthg_leistungsstatistik

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Hohe Bereitschaft zur Spende von Gesundheitsdaten

In der Covid-19-Pandemie sind viele Menschen bereit, ihre Gesundheitsdaten
für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Das ist ein wichtiges Ergebnis
einer Studie des Technologie-Zentrums Informatik und Informationstechnik
(TZI) der Universität Bremen. Die Forschenden haben die persönliche
Einstellung der Nutzerinnen und Nutzer zur Corona-Datenspende-App des
Robert-Koch-Instituts untersucht und daraus Empfehlungen für die
Entwicklung von Technologien abgeleitet, die bei zukünftigen Krisen zum
Einsatz kommen sollen.

Mehr als 500.000 Menschen haben die Corona-Datenspende-App des Robert-
Koch-Instituts bislang heruntergeladen, die eine frühzeitige
Identifikation von Covid-19-Hotspots ermöglichen soll. Die Bereitschaft,
persönliche Gesundheitsdaten für die wissenschaftliche Auswertung zur
Verfügung zu stellen, erwies sich dabei als überraschend hoch. Die
Arbeitsgruppe Mensch-Technik Interaktion am Technologie-Zentrum Informatik
und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen hat die Motivation
der Nutzerinnen und Nutzer untersucht, indem sie mehr als 10.000
Erfahrungsberichte auswertete und ausführliche individuelle Befragungen
von Usern durchführte.

Entgegen bisherigen Erfahrungen mit anderen Projekten aus der
Gesundheitsforschung geben die App-Nutzer auch dann ihre Daten für die
Forschung frei, wenn sie keinen direkten Nutzen für sich selbst sehen.
Offenbar genügt in diesem Fall der Anreiz, einen Beitrag zur Bewältigung
eines großen gesellschaftlichen Problems zu leisten. Während den meisten
Nutzerinnen und Nutzern das Ziel der App – die frühzeitige Erkennung von
Corona-Hotspots – bewusst war, konnten sie den persönlichen Wert ihrer
Datenspende nicht nachvollziehen. Das Forschungsteam schließt daraus, dass
für die Nutzerinnen und Nutzer das Gemeinwohl die vorherrschende
Motivation war. Viele Anwenderinnen und Anwender ließen sich auch nicht
von technischen Problemen entmutigen, die einen negativen Einfluss auf die
Erfahrung hatten. Sie warteten auf Fehlerbehebungen und unterstützten sich
gegenseitig. Einige äußerten sogar Unverständnis, warum sie nicht noch
zusätzliche persönliche Daten eingeben können, die ihnen für das Projekt
nützlich erscheinen.

Lehren für zukünftige Projekte der wissenschaftlichen Bürgerbeteiligung

Für künftige vergleichbare Projekte, die auf Datenspenden von Bürgerinnen
und Bürgern für das Gemeinwohl setzen, heben die Forscherinnen und
Forscher die Bedeutung von Kommunikation, Transparenz und Verantwortung
hervor. „Bewährt hat sich zum Beispiel die Unterstützung der Corona-
Datenspende-App durch die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut“,
erklärt Professor Johannes Schöning. Es sei ratsam, dass offizielle
Institutionen solche Projekte der wissenschaftlichen Bürgerbeteiligung
(„citizen science“) aktiv unterstützen und ihren Nutzen für die
Gesellschaft klar kommunizieren.

Um den persönlichen Anteil aller einzelnen Teilnehmenden und ihre direkten
Vorteile zu verdeutlichen, sollten Informationen allerdings auch auf
individueller Ebene kommuniziert werden, beispielsweise durch regelmäßige
Benachrichtigungen in der App. Auch der Aufbau einer Community, die sich
bei Fragen gegenseitig unterstützt, ist nach Angaben der TZI-
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ratsam. Um technische Probleme zu
vermeiden und die Entwicklung zu beschleunigen, sollten vorhandene
Gesundheits-Apps genutzt und durch krisenspezifische Technologien ergänzt
werden. So ist die Corona-Datenspende-App beispielsweise mit verschiedenen
Firness-Apps verbunden.

„Wir glauben, dass unsere Ergebnisse auf Projekte übertragbar sind, die
unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt werden“, sagt Schöning, „zum
Beispiel, wenn staatliche Akteure großflächige Gesundheitskrisen bekämpfen
müssen.“

Gefördert wurde die Studie von der Lichtenbergprofessur der
Volkswagenstiftung, dem BMWi-Netzwerk KI-SIGS, dem BMBF-Projekt InviDas
und dem Leibniz WissenschaftsCampus Digital Public Health Bremen

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Gesunder Schlaf gegen Herzinfarkt und Schlaganfall?

Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) am Universitätsklinikum Essen  Universitätsklinikum Essen
Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) am Universitätsklinikum Essen Universitätsklinikum Essen

Forscher des Uniklinikums Essen untersuchen Schlafcharakteristiken auf ihr
Potenzial für Herz- oder Hirninfarkte hin. Studienergebnisse sollen zur
Infarktvorbeugung und Genesung von Betroffenen beitragen.

In Deutschland werden pro Jahr rund 212.000 Herzinfarkte vollstationär
behandelt, über 44.000 Menschen versterben am Herzinfarkt. Einen
Schlaganfall erleiden pro Jahr ca. 270.000 Menschen. Starke körperliche
Belastungen, Stress, Ärger oder Drogenkonsum können akute Auslöser sein.
Doch auch der Schlaf steht im Verdacht, einen Infarkt auslösen zu können.
Denn Infarkte treten gehäuft in den Morgenstunden und nachmittags auf.
Anlass für das Projektteam um Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter
des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
(IMIBE) am Universitätsklinikum Essen, den Schlaf von Patienten, die
erstmals einen Herz- oder Hirninfarkt erlitten haben, im Rahmen der
sogenannten ACROSSS-Studie (Acute Coronary Syndrome, Stroke and Sleep) zu
untersuchen. Das mit knapp 70.000 Euro geförderte Forschungsvorhaben der
Deutschen Herzstiftung im Rahmen der ACROSSS-Studie trägt den Titel
„Zusammenhang zwischen Schlafcharakteristiken und dem Auftreten von
Herzinfarkten“.
„Es gibt Anhaltspunkte, dass bestimmte Schlafcharakteristiken das Risiko,
einen Herz- oder Hirninfarkt zu erleiden, beeinflussen“, erklärt Stang.
„Diese möglichen Risiken sind jedoch bisher zu wenig erforscht.“ Die
Relevanz der Schlafgesundheit für die Entstehung kardiovaskulärer
Erkrankungen hat längst auch die Herzstiftung erkannt: „Zur Bekämpfung
lebensgefährlicher Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall ist die
Erforschung bisher unterschätzter möglicher Risikofaktoren wie etwa
Besonderheiten des Schlafverhaltens enorm wichtig. Ergebnisse der ACROSSS-
Studie könnten hierbei einen bedeutenden Beitrag zur Infarkt-Verhütung
leisten“, wie der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung,
betont. Infos zum Forschungsprojekt bietet die Herzstiftung unter
www.herzstiftung.de/forschung/herz-und-schlaf und über den Zusammenhang
zwischen Herz und Schlaf unter www.herzstiftung.de/schlafstoerungen-
belasten-herz


Die Forscher erfragen Schlafgewohnheiten: Lang-, Früh- oder
Mittagsschläfer?
Knapp 700 Patienten aus namhaften Kliniken in Essen befragt das
Forscherteam bis zum Sommer 2022 in der ACROSSS-Studie zu ihren Schlaf-
und Lebensgewohnheiten. Die Forscher ermitteln unter anderem, ob die
Teilnehmer eher Langschläfer sind oder nicht, ob sie regelmäßig schlafen,
Frühaufsteher sind und/oder sich mittags hinlegen. „Man weiß zum Beispiel,
dass sich durch den ansteigenden Blutdruck beim morgendlichen Aufwachen
bei Menschen, deren Gefäße bereits angegriffen sind, Blutgerinnsel lösen
und damit einen Herz- oder Hirninfarkt zur Folge haben können“, sagt Dr.
Anna-Therese Lehnich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IMIBE. Ein
weiterer bekannter Risikofaktor für einen Herz- und Hirninfarkt ist eine
Schlafapnoe, eine Erkrankung, bei der es zu Atemaussetzern im Schlaf kommt
und die zu Sauerstoffmangel im Blut führen kann. Das Essener
Wissenschaftsteam will nun herausfinden, ob ein bestimmtes Schlafverhalten
ebenfalls mit einem Herz- oder Hirninfarkt einhergehen kann und ob es
wiederum Schlafcharakteristiken gibt, die einem Herz- oder Hirninfarkt
sogar vorbeugen können. Beispielsweise ist die Rolle des Mittagsschlafes
bisher zu wenig beforscht. In Abhängigkeit von Regelmäßigkeit und Länge
wurden bisher sowohl günstige als auch ungünstige Effekte beobachtet. Die
ACROSSS-Studienergebnisse sollen zu einer weiteren Klärung beitragen.

Erkenntnisse können Herz-Kreislauf-Patienten helfen
Nach drei und 12 Monaten werden die Studienteilnehmer erneut befragt. Bei
diesen Follow-up-Untersuchungen wollen die Forscher herausbekommen, wie
sich der Schlaf bei ihnen entwickelt hat. „Ein Infarkt ist ein
einschneidendes Ereignis und psychisch sehr belastend“, betont Dr.
Lehnich. „Viele Betroffene leiden an Erschöpfung, Ängsten, Depressionen
oder Schlafstörungen. Wir wollen herausfinden, ob es bei den Patienten zu
auffälligen Veränderungen im Schlafverhalten gekommen ist“. Auf Basis
dieser Erkenntnisse könnten Herz-Kreislaufpatienten künftig ihren Schlaf
gezielt mit speziellen Maßnahmen verbessern. Das könnte dazu beitragen,
einen Infarkt zu verhindern sowie auch eine Genesung positiv zu
beeinflussen.

(weg)

Sorgen Sie für einen erholsamen Schlaf
- Rauchen Sie nicht und trinken Sie weder Kaffee noch Alkohol vor dem
Schlafengehen
- Treiben Sie keinen Sport am späteren Abend; gehen Sie stattdessen
spazieren
- Gehen Sie nur schlafen, wenn sie wirklich müde sind
- Tauschen Sie Fernsehen oder Handy vor dem Schlafen gegen entspannende
Schlafrituale
- Meiden Sie Schlaftabletten
- Stehen Sie jeden Tag zur selben Zeit auf
- Trennen Sie sich in Ihrem Bett vom Alltag. Essen oder Arbeit sind hier
fehl am Platz

Service-Tipp: Infos über den Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und
Herzleiden bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei unter
www.herzstiftung.de/schlafstoerungen-belasten-herz

Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos unter www.herzstiftung.de

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DDG und VDBD warnen vor Versorgungsengpässen für Menschen mit Diabetes

Die stark steigende Zahl betreuungsintensiver, häufig älterer Patientinnen
und Patienten macht es notwendig, die Sprechende Medizin zu stärken. Das
fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im aktuellen
Positionspapier zur Bundestagswahl 2021. Auch der Verband der Diabetes-
Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) sieht einen
hohen Bedarf an einer auf den gesamten Menschen ausgerichteten Medizin. Je
besser Menschen mit Diabetes versorgt sind, umso besser ist ihr
Stoffwechsel eingestellt und die oft schwerwiegenden Folgen wie
Herzinfarkt, Amputationen, Erblindung oder Nierenversagen lassen sich
vermeiden. Dafür bedarf es gut ausgebildeter diabetologischer Fachkräfte.

Bis zum Jahr 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahren sein.
Viele von ihnen erkranken früher oder später an verschiedenen Krankheiten
wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, chronischen
Lungenerkrankungen und Krebs. 2040 werden schätzungsweise zwölf Millionen
Menschen eine Diabeteserkrankung entwickelt haben, die meisten Diabetes
Typ 2. Gleichzeitig wird bis zu diesem Zeitpunkt die Zahl der aktiven
Diabetologinnen und Diabetologen deutlich sinken. Ein Drittel ist heute
schon älter als 50 Jahre. Um Nachwuchs in ausreichender Zahl auszubilden,
muss die Diabetologie deutlich besser im Studium verankert werden. Dazu
ist ein Ausbau der klinischen Lehrstühle für Diabetologie zwingend
notwendig. „In den letzten Jahren haben sich diese fast halbiert. Bund und
Bundesländer müssen dafür sorgen, dass deren Anzahl an den 37
medizinischen Fakultäten in Deutschland wieder deutlich steigt. Sonst
laufen wir mittelfristig in ein Versorgungsdefizit“, warnt DDG Präsident
Professor Dr. med. Andreas Neu. „Je weniger Experten Diabetologie lehren,
desto weniger Berufsanfänger werden sich für eine Karriere in der
Diabetologie entscheiden.“

Erschwerend komme hinzu, dass Kliniken seit Jahren Stellen und Betten in
der Diabetologie abbauen, so dass die Weiterbildung des Nachwuchses in
allen Gesundheitsberufen dort nicht mehr erfolgen kann. „An allen großen
Versorgungskrankenhäusern muss die Diabetologie als selbstständige Einheit
erhalten bleiben. Immerhin leidet etwa ein Viertel aller
Krankenhauspatienten an Diabetes“, fordert DDG Vizepräsident Professor Dr.
med. Andreas Fritsche. „Ein wesentlicher Teil der Therapie von Menschen
mit Diabetes besteht im Gespräch, in Information und Aufklärung durch ein
multiprofessionelles Diabetesteam“, so Fritsche. „Genau das sind jedoch
Leistungen, für die Kliniken im Rahmen des DRG-Systems praktisch kein Geld
erhalten. In unserer Hochleistungsmedizin wird eine informierende,
aufklärende und patientenzentrierte Versorgung zu wenig wertgeschätzt.
Eine angemessene Vergütung dieser Leistungen muss daher endlich umgesetzt
werden, sonst werden künftig Diabetologen und Personal in der
Diabetesbehandlung fehlen und sich damit die Versorgung der Patienten
deutlich verschlechtern“, so Fritsche.

Des Weiteren fordert der VDBD, das Potenzial der Digitalisierung
patientenorientiert zu nutzen. „Die Digitalisierung ermöglicht
effizientere Prozesse, trägt zur Patientensicherheit bei und unterstützt
die Patienteninformation und -kommunikation“, sagt Dr. rer. medic. Nicola
Haller, Vorstandsvorsitzende des VDBD. „Sie schafft damit Freiräume im
Arbeitsalltag, die beispielsweise für das Patienten-Gespräch genutzt
werden können.“ Schon heute machen Diabetesfachkräfte und Diabetologen
sehr gute Erfahrungen, indem sie auf digitale Versorgungsmodelle setzen,
die von der Telemedizin bis zum digital orientierten Therapiemanagement
reichen. Außerdem sind die Behandelnden in der professionellen
Kommunikation mit chronisch, oft multimorbiden Kranken, erfahren.
Die Kombination dieser beiden Kompetenzen könnte als Modell
zukunftsweisend für die Gesamtmedizin sein: Die Digitalisierung
intelligent eingesetzt, kann das ärztliche Handeln wertvoll ergänzen und
damit dem medizinischen Personal ermöglichen, sich wieder auf das zu
fokussieren, was ihren Beruf im Kern ausmacht - die empathische Begleitung
von Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes.

Link zu den politischen Positionen der DDG:
<https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/politik>

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