Zum Hauptinhalt springen

Wund(er)heilung mit Amnion - DGFG erhält deutschen Wundpreis 2021

Amnionspende als Wund(er)mittel: Bei seit Jahren an chronischen Wunden
leidenden Patientinnen und Patienten führte die Auflage der hauchdünnen
Membran meist zu einer vollständigen Heilung. Dieser Behandlungserfolg,
die Folge einer Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Gesellschaft für
Gewebetransplantation (DGFG) und dem Rhein-Maas Klinikum, wurde nun im
Rahmen des Deutschen Wundkongresses 2021 mit dem deutschen Wundpreis
ausgezeichnet. Die Amnionmembran kommt aus der Lebendspende und wird bei
einer geplanten Kaiserschnittgeburt aus der mütterlichen Plazenta
gewonnen. Ihr werden besonders wundheilungsfördernde und antientzündliche
Eigenschaften zugeschrieben.

Gewürdigt wurden in der Kategorie „Kasuistik“ Professor Dr. Hans-Oliver
Rennekampff (Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und
Verbrennungschirurgie, Rhein-Maas Klinikum), Dr. Nicola Hofmann
(Wissenschaftliche Leitung, DGFG) und Martin Börgel (Geschäftsführer,
DGFG). Bei dem in diesem Jahr ausschließlich online stattfindenden
Deutschen Wundkongress präsentierte Prof. Rennekampff drei Fälle, bei
denen bereits nach erstmaliger Amnionanwendung ein deutlicher Fortschritt
erzielt werden konnte: „Bei einer absoluten Stagnation der Wundheilung und
fehlender Therapieoptionen ist das Amnion wie eine Art Booster, welches
die Wunde zur besseren Selbstheilung anregen soll. Dort sehe ich den Wert
des Amnions“, so Rennekampff.

Amniontransplantate für viele Bereiche in der Medizin anwendbar

Um diese Therapieoption Patientinnen und Patienten vermehrt zugänglich zu
machen, stellt die DGFG (humane) Amnionmembran für die klinische Anwendung
bei chronischen Wunden zur Verfügung – unter der Genehmigung des Paul-
Ehrlich-Instituts (PEI). „Während die Wirksamkeit der Amnionmembran
international anerkannt ist, werden ihre Vorteile in der
Patientenanwendung bisher noch wenig genutzt“, meint Dr. Nicola Hofmann.

Dabei bestätigen die von Prof. Rennekampff demonstrierten Praxiserfolge
die besonderen Qualitäten der Amnion: Die von der kindlichen Seite der
Plazenta stammende Membran verfügt über wundheilungsfördernde und
antientzündliche Eigenschaften, verhindert Narbenbildung und wird vom
Immunsystem kaum abgestoßen. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Natur
hier eine perfekte Lösung gefunden hat. Denn die Amnionmembran befindet
sich zwischen zwei an sich fremden Immunsystemen, das von Mutter und Kind
und führt daher zu keiner Abstoßungsreaktion oder Unverträglichkeit bei
Patientinnen und Patienten“, so Dr. Hofmann.

Neben Wundheilungsstörungen, z. B. beim diabetischen Fußsyndrom, kommt
Amnion auch in  ophthalmologischen  Anwendungsgebieten in Form des
AmnioClip-plus sowie im orbitalen, mund- und kiefer-chirurgischen
Tätigkeitsbereich, in der gynäkologischen Chirurgie (Uterus und Vagina)
und als temporärer Hautersatz bei thermischen Verletzungen zum Einsatz.

Aus einer Plazentaspende können u. U. mehrere hundert Amniontransplantate
gewonnen werden. Anders als Organe werden Gewebe nicht unmittelbar
transplantiert, sondern zunächst von geschultem Personal in
spezialisierten Gewebebanken zu Transplantaten weiterverarbeitet. Im
vergangenen Jahr konnte die DGFG mehr als 2.000 solcher Amnionpräparate
vermitteln. „Wir erfahren immer mehr Zuspruch in der Amnionspende und
-vermittlung, was nicht zuletzt dem wachsenden Netzwerk an kooperierenden
Häusern geschuldet ist. Erfahrene Kollegen wie Prof. Rennekampff sind
dabei wertvolle Botschafter, die die unkomplizierte Anwendung und immense
Wirksamkeit von Amnion sichtbar machen“, sagt Martin Börgel,
Geschäftsführer der DGFG.

Patient berichtet: Zuversicht dank Amnionspende

Wie belastend das Leben mit einer nicht-heilenden Wunde sein kann, zeigt
die Geschichte von Harald. H.: Bei einem Arbeitsunfall zog sich der
54-Jährige einen Achillessehnenriss zu – die entstandene Operationsnaht
entzündete sich. Alltägliches wie Auto fahren, zum Sport gehen oder selbst
duschen waren ihm nicht mehr möglich oder nur mit Hilfe seiner Frau.

Nach jahrelanger, aussichtsloser Behandlung begab er sich in die Hände von
Prof. Rennekampff, welcher bei der Wundstrategie umdachte und Amnion
auflegte. Mit Sofort-Effekt, denn die Wunde begann sich zu schließen. „Ich
wäre definitiv wieder zu einer Amnionbehandlung bereit“, blickt Herr H. im
Interview mit der DGFG zurück, „es ist unkompliziert und hat uns durch
seltenere Verbandswechsel sehr entlastet“.
>> Vollständige Patientengeschichte unter www. gewebenetzwerk.de
/amnionspende-als-chance-fuer-neuanfang/

Zur DGFG

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben der
Amnionmembran auch Augenhornhäute, Herzklappen und Blutgefäßen sowie
Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Die DGFG fördert seit 1997 die
Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des
Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der
Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das
Handelsverbot. Zur Aufgabe der DGFG zählt die bundesweite Versorgung von
Patientinnen und Patienten mit qualitativ hochwertigen Transplantaten. In
2020 realisierte die DGFG 2.816 Spenden – 6.364 Transplantate kamen
Patientinnen und Patienten zu Gute.

Auch in Zukunft werden immer mehr Menschen auf humanes Spendergewebe
angewiesen sein. Nach wie vor treten im Zuge des demographischen Wandels
viele Krankheitsbilder, die eine Gewebetransplantation als letzte
Therapieoption erfordern, verstärkt auf und führen zu einer wachsenden
Nachfrage. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale
Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische
Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen.
Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich
von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen:
Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden,
das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover,
die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
Neubrandenburg.

Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung
durch Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder
kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland. In 2020 haben sich
folgende Häuser dem bundesweiten Netzwerk angeschlossen: Friedrich-Ebert-
Krankenhaus Neumünster, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Krankenhaus
Buchholz und Winsen, DIAKOVERE Verbund Hannover, Evangelisches BETHESDA
Krankenhaus Duisburg und das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart.

  • Aufrufe: 73

Gesicherte Qualität in der Telemedizin

Als eines von drei Zentren bundesweit erfüllt das Institut für Angewandte
Telemedizin am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen,
vollumfänglich die ISO-Norm als Zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem.

Das Institut für Angewandte Telemedizin (IFAT) am Herz- und
Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, hat als eines von drei
Zentren deutschlandweit in einem umfassenden und anerkannten
Prüfungsverfahren nachgewiesen, dass sein Managementsystem die
Anforderungen der internationalen Qualitätsnorm ISO 9001:2015 vollständig
erfüllt.

Das IFAT wird seit Juli 2020 unter der gemeinsamen Leitung der
Klinikdirektoren Prof. Dr. Volker Rudolph (Allgemeine und Interventionelle
Kardiologie/Angiologie) und Prof. Dr. Philipp Sommer
(Elektrophysiologie/Rhythmologie) am HDZ NRW geführt. Als Oberärzte
zeichnen die Herzspezialisten Mustapha El Hamriti  für den Schwerpunkt
Herzrhythmus- und Gerinnungsstörungen sowie Dr. Daniel Dumitrescu für die
Themen Herzinsuffizienz und Pulmonale Hypertonie verantwortlich, die
gemeinsam mit ihrem 15-köpfigen Team aus Ärzten, Wissenschaftlern und
medizinischen Fachkräften neben dem Qualitätszertifikat die Bescheinigung
der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) darüber erhielten, dass
das Qualitätsmanagement des Instituts den Forderungen der DGK-
Arbeitsgruppe für Telemedizin (AG 33 Telemonitoring) vollumfänglich
entspricht.

Telemedizinische Dienste dienen im Herz- und Diabeteszentrum NRW längst
nicht mehr allein dem Austausch von Expertenwissen, sondern werden vor
allem als Unterstützungsangebote für Patient und Arzt eingesetzt, unter
anderem beim Telemonitoring von modernen Kardioimplantaten
(Herzschrittmachern und Defibrillatoren). Immer mehr ergänzen die
Leistungen des IFAT dabei die klassische Pflege und Betreuung chronisch
Erkrankter, insbesondere durch Vorsorge- und Selbstmanagement-Angebote für
Herz-Kreislauf- und Diabetespatienten. Mit wachsender Nachfrage startete
jüngst das neue telemedizinische Versorgungsprogramm HerzConnect® mit dem
Ziel, Krankenhausaufenthalte von Patienten mit schwerer Herzschwäche und
ein Fortschreiten der Erkrankung mit Hilfe engmaschiger telemedizinischer
Betreuung deutlich zu reduzieren.

Nur zwei weitere telemedizinische Zentren in Deutschland sind ebenso wie
das IFAT vollumfänglich nach den Maßgaben der ISO-Norm 9001:2015
zertifiziert. Die kontinuierliche Aufrechterhaltung und ständige
Verbesserung des zertifizierten Qualitätsmanagementsystems am IFAT in
enger Anlehnung an die gesetzlichen Forderungen laut Sozialgesetzbuch (SGB
V) hat sich in der Einrichtung des HDZ NRW, die 2003 erstmals bundesweit
mit spezieller herzmedizinischer Ausrichtung und sektorenübergreifenden
telemedizinischen Versorgungsangeboten startete, seit vielen Jahren
bewährt.

Die zweitägige Prüfung betraf neben der telemedizinischen
Leistungserbringung vor allem auch den organisatorischen Aufbau, die
Dokumentation sämtlicher Prozesse sowie strukturierte Maßnahmen zur
kontinuierlichen Verbesserung. Besonderes Lob erhielt das IFAT für die
individuell auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittenen
telemedizinischen Serviceleistungen, die als engmaschige Begleitung sowohl
von Schwerkranken als auch während  der ambulanten Rehabilitation, als
telemedizinisches Gerinnungsmanagement, zum Blutdruck-, Herzinsuffizienz-
oder Gewichtsmanagement sowie zur Diagnostik bei Herzrhythmusstörungen in
Anspruch genommen werden können. „Diese Auszeichnung ist der Verdienst
aller Fachkräfte im IFAT, die sich als persönliche Ansprechpartner mit
unglaublichem Einsatz für das Wohl ihrer Patienten engagieren“, betonten
die Leitenden Oberärzte Dr. Daniel Dumitrescu und Mustapha El Hamriti.

_______

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen, ist ein international führendes Zentrum zur Behandlung von
Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 35.000 Patienten pro Jahr,
davon 14.600 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes
Spezialklinikum in Europa.

Das Institut für angewandte Telemedizin (IFAT) ist federführend bei der
Entwicklung und Implementierung telemedizinischer Systeme im Bereich der
Kardiologie. Seit seiner Gründung im Jahr 2003 wurden hier mehr als 11.000
Patienten telemedizinisch betreut. Die Telemedizin ermöglicht eine
medizinische Überwachung auch über große Entfernungen und verhilft dem
Patienten dadurch zu mehr Sicherheit und Lebensqualität. Das IFAT ist in
medizinische Qualitätsstudien eingebunden und forscht zu verschiedenen
kardiologischen sowie telemedizinischen Fragestellungen.

  • Aufrufe: 64

Wenn das Hüftgelenk aus dem Drucker kommt

Wissenschaftler in Deutschland und Polen erforschen in einem von zwei internationalen Fraunhofer-Leistungszentren neue Technologien für den Einsatz von 3D-Druckverfahren in der Medizintechnik.  © ronaldbonss.com
Wissenschaftler in Deutschland und Polen erforschen in einem von zwei internationalen Fraunhofer-Leistungszentren neue Technologien für den Einsatz von 3D-Druckverfahren in der Medizintechnik. © ronaldbonss.com

Deutsch-polnisches Leistungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft bringt
additive Fertigung in die Medizintechnik – erste Demonstratoren werden
bereits Ende 2021 präsentiert

Es geht um Hightech-Zahnersatz, um Prothesen, die Entzündungsreaktionen im
Körper eigenständig erkennen oder individuell angepasste Sitze für
Rollstühle. Ein deutsch-polnisches Leistungszentrum der Fraunhofer-
Gesellschaft erforscht neue Technologien für den Einsatz von 3D-
Druckverfahren, der sogenannten additiven Fertigung, in der
Medizintechnik. Für die Fraunhofer-Gesellschaft ist es eines von zwei im
März gestarteten internationalen Leistungszentren, die sich explizit der
grenzübergreifenden Zusammenarbeit widmen. Beteiligt am Zentrum »Additive
Technologien für Medizin und Gesundheit« (ATeM) sind auf deutscher Seite
das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS in Dresden
sowie das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU
in Chemnitz. Sie kooperieren mit der Fakultät Maschinenbau und dem Center
for Advanced Manufacturing Technologies (CAMT) der Technischen Universität
Breslau. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das
Projekt finanziell.
Additive Technologien bergen gerade für Hersteller in der Medizintechnik
interessante Möglichkeiten. Der 3D-Druck erlaubt individuelle und auf den
Patienten zugeschnittene Lösungen sowie die Integration neuer,
verbesserter Eigenschaften und Funktionen in Bauteile. Dies ist meist
nicht nur deutlich kostengünstiger als herkömmliche Verfahren, sondern
erlaubt auch, neuartige Therapien und Behandlungsansätze bereitzustellen.
Das 2021 gegründete Leistungszentrum ATeM möchte die additive Fertigung in
den kommenden Jahren zum etablierten Standardwerkzeug in der
Medizintechnik machen. Ende des Jahres wollen die Projektpartner bereits
erste Demonstratoren vorstellen.

In verschiedenen Einzelprojekten loten die Partner dafür neue
Anwendungsfelder aus. Eines der Projekte beschäftigt sich mit den Chancen
des 3D-Drucks in der Zahnmedizin. »Großes Potential liegt in der Nutzung
innovativer Werkstoffe und der Integration zusätzlicher Funktionalitäten
in den Zahnersatz, die den Tragekomfort für den Patienten erhöhen«,
erklärt dazu Prof. Dr. Frank Brückner, Technologiefeldleiter Generieren
und Drucken am Fraunhofer IWS. Die additive Fertigung könnte es gestatten,
deutlich komplexere Implantate nach einem 3D-Scan des Mundraums sofort zu
drucken und damit Wartezeiten zu verkürzen. Über additive Verfahren ließen
sich beispielsweise auch Metall- und Kunststoffmaterialien für eine
verbesserte Ästhetik miteinander kombinieren.

Intelligente Hüftgelenke: Sensorik und Fasern eröffnen neue Möglichkeiten

Ein weiteres Anwendungsszenario betrifft Funktionserweiterungen, wie etwa
die direkte Integration von Sensoren in medizinische Komponenten.
Empfindliche Sensoren in additiv hergestellten Knie- oder Hüftgelenken
könnten Entzündungsreaktionen nach der Operation feststellen, indem sie
auf höhere Temperaturen oder veränderte Biomarker reagieren. Ebenfalls
gedruckt werden sollen in Zukunft Lab-on-a-Chip-Systeme, mit denen sich
Organfunktionen und Abläufe im menschlichen Körper auf einem Chip
darstellen lassen. Das kann beispielsweise beim Testen von Medikamenten
zum Einsatz kommen.

Wie sich faserverstärkte 3D-Strukturen drucken lassen, erforschen derzeit
Wissenschaftler in zwei Projekten unter der Leitung des Fraunhofer IWU.
»Ein belastungsgerechtes Design eines Produkts, das dazu noch sehr leicht
ist, erreichen wir mit dem Einsatz von Verstärkungsfasern, die wir direkt
in die Kunststoffmatrix einbringen«, erklärt Prof. Dr. Lothar Kroll,
Wissenschaftlicher Direktor Leichtbau- und Textiltechnologien am
Fraunhofer IWU. Damit ließen sich beispielsweise Schädelimplantate aus dem
biokompatiblen thermoplastischen Kunststoff Polyetheretherketon (PEEK)
drucken. Auch an individuell angepassten Sitzen für Rollstühle sowie
hochfesten Orthesen arbeiten die Forschenden momentan.

Patienten profitieren schon bald von den Ergebnissen

Bereits seit 2008 existiert ein Fraunhofer-Project-Center, das vom
Fraunhofer IWS und dem CAMT der TU Breslau betrieben wird. »Wir freuen
uns, dass wir mit dem neuen Leistungszentrum nun die Synergieeffekte
dieser erfolgreichen Zusammenarbeit weiter ausbauen können«, sagt Prof.
Dr. Edward Chlebus, Dekan der Fakultät Maschinenbau der TU Wroclaw. Das in
Deutschland von der Fraunhofer-Gesellschaft bereits langjährig erprobte
Model der Leistungszentren richtet einen starken Fokus auf den
Wissenstransfer und Industriekooperationen. Auch grenzübergreifend setzt
es nun wichtige Impulse für die Stärkung der europäischen Wirtschaft.

»Alle Partner sind Experten auf dem Gebiet der additiven Fertigung«, so
Robin Willner, Wissenschaftler am Fraunhofer IWS und Koordinator der
Geschäftsstelle des deutsch-polnischen Leitungszentrums. Die TU Breslau
sei zudem noch sehr eng mit der dortigen Medizinischen Fakultät verbunden.
»Zusammen haben wir nun einen guten Blick darauf, wo Bedarfe bestehen, wo
bisher noch keine Lösungen gefunden wurden und additive Technologien im
Medizin- und Gesundheitsbereich Mehrwerte schaffen könnten.«

Bereits Ende des dritten Quartals 2021 wollen die Beteiligten erste
Demonstratoren zu den verschiedenen Projekten präsentieren. Das ist zügig
möglich, weil die Partnereinrichtungen wichtige Grundlagen für die
aktuelle Forschung in der Vergangenheit bereits in verschiedenen
Vorstudien realisierten. Über Industriekooperationen oder mögliche
Ausgründungen sollen die Ideen für neue Medizinprodukte und Therapien
bereits in naher Zukunft den Patienten zugutekommen.

  • Aufrufe: 214

Deine Leber. Dein Leben.“: Jetzt aktiv werden und eine Fettleber verhindern oder regenerieren

Ob kneifender Hosenbund oder eng sitzende Bluse: Was viele „Zuhause-
Arbeiter“ in den letzten Monaten bereits beim morgendlichen Ankleiden
feststellten, wird nun durch die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Studie
belegt: Das Arbeiten im Home-Office geht oftmals mit weniger Bewegung und
mehr Körpergewicht einher. Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) –
verursacht durch ungesunde Ernährung in Verbindung mit Bewegungsmangel –
waren bereits vor der Corona-Pandemie ein großes Gesundheitsproblem und
immer öfter die Ursache für eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung
(NAFLD).

Die Ausrichter des 22. Deutschen Lebertages am 20. November 2021 – Gastro-
Liga e. V., Deutsche Leberhilfe e. V. und Deutsche Leberstiftung –
appellieren mit dem Motto: „Deine Leber. Dein Leben.“ an die eigene
Gesundheitsverantwortung. Im Vorfeld des bundesweiten Aktionstages rufen
sie zu einem Neustart für lebergesundes Essen und Leben auf.

Bereits vor der globalen Gesundheitskrise, die durch das Corona-Virus
ausgelöst wurde, warnten Medizin-Experten aus den unterschiedlichsten
Fachbereichen vor einer anderen weltweiten Gesundheitskrise: Die Zahl an
übergewichtigen und fettleibigen (adipösen) Personen steigt – betroffen
sind Erwachsene und Kinder. Übergewicht und Adipositas begünstigen die
Entstehung einer Fettleber.

„Die Leber leidet unter dem ungesunden westlichen Lebensstil, der häufig
gekennzeichnet ist durch hochkalorische und oftmals kohlenhydratreiche
Ernährung bei gleichzeitigem Bewegungsmangel. Diese Faktoren tragen bei
Erwachsenen und auch bei Kindern als wesentliche Ursachen zur Ausbildung
einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) bei. Assoziiert mit
NAFLDs sind oftmals weitere Erkrankungen, denen auch die Risikofaktoren
Übergewicht und Bewegungsmangel zugrunde liegen, wie beispielsweise Herz-
Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus – und leider verstärken sich
diese Erkrankungen gegenseitig“, erläutert Professor Dr. Peter R. Galle,
Direktor der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik der
Universitätsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Das Spektrum der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) ist
breit: Es reicht von der einfachen nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL)
über die chronisch fortschreitende, nicht-alkoholische Fettleberentzündung
(NASH) und eine Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung) bis zu einer
Leberzirrhose (Vernarbung der Leber). Im Stadium einer Leberzirrhose ist
das Risiko einer Tumorbildung erhöht: Es kann sich ein Leberzellkrebs
entwickeln (Hepatozelluläres Karzinom, HCC). Bei der nicht-alkoholischen
Fettleberentzündung kann Leberzellkrebs jedoch auch auftreten, bevor eine
Zirrhose vorliegt.

Alarmierend sind die jüngsten Daten aus den vergangenen Pandemie-Monaten.
Hierzu gehören zum Beispiel die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Studie zu
den Auswirkungen der Arbeit im Home-Office: Zwei Drittel der Befragten
gaben an, sich weniger als früher zu bewegen. Ein Drittel hat eine
Gewichtszunahme von mindestens drei Kilogramm und sieben Prozent haben
sogar mehr als fünf Kilogramm Zuwachs beim Körpergewicht. Doch nicht nur
Menschen, die im Home-Office tätig sind, haben sich während der Corona-
Pandemie weniger bewegt und ungesünder ernährt. Auch viele Kinder,
Jugendliche und Personen, die weiterhin ihren Arbeitsplatz aufgesucht
haben, hatten durch geschlossene Fitnessstudios und Sportvereine weniger
Sportmöglichkeiten und mehr Zeit zum Essen und für Medienkonsum.

Die Ausrichter des 22. Deutschen Lebertages weisen darauf hin, dass es
sich bei der nicht-alkoholischen Fettleber um ein vermeidbares
Gesundheitsproblem handelt und dass eine bereits geschädigte Leber noch in
einem frühen Stadium der Verfettung durch einen veränderten Lebensstil
positiv beeinflusst werden kann. Die Aufhebung zahlreicher Corona-
Maßnahmen und die damit verbundenen Möglichkeiten für Sport und Bewegung
sollten als Motivationsschub für einen Neustart in ein lebergesundes Leben
genutzt werden.

Neben dem Deutschen Lebertag beschäftigen sich zahlreiche Gesundheitstage
wie der „International NASH Day“, der „Tag der gesunden Ernährung“ und der
„Europäische Adipositas-Tag“ mit den wichtigen Themen Ernährung, Bewegung
und Lebergesundheit.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) thematisiert die Problematik
der mangelnden Bewegung und empfiehlt mindestens 150 Minuten körperliche
Aktivität pro Woche. So kann laut WHO das Risiko, dass ein bewegungsarmer
sitzender Lebensstil zu chronischen Erkrankungen führen kann, ausgeglichen
werden.

Fachärzte empfehlen, bei extrem übergewichtigen Erwachsenen und Kindern
die Leberwerte im Blut (GPT, GOT und GGT) zu kontrollieren. Die empfohlene
Therapie zielt in erster Linie auf eine Lebensstil-Veränderung mit mehr
Bewegung und einer Ernährungsumstellung ab. Es gibt bislang keine
zugelassenen Medikamente für nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen.
Aktuell wird jedoch eine Vielzahl von neuen Substanzen zur Behandlung der
NAFLD in Studien erprobt.

„Das Forschungsgebiet nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen ist ein
sehr dynamisches Feld und aktuell sind viele Medikamente in der
Entwicklung. Wir haben in den letzten zehn Jahren sehr viel geforscht und
neue Erkenntnisse gewonnen, wie beispielsweise der Stoffwechsel in der
Leber funktioniert und was zu einer Lebererkrankung führt. Es gibt
vielversprechende Ansätze, die schon bald zu einer Zulassung von neuen
Medikamenten führen werden. Prävention und Früherkennung bleiben die
entscheidenden Faktoren, um rechtzeitig gegenzusteuern – beispielsweise
mit einem Lebensstil, der gesunde Ernährung und körperliche Aktivität
beinhaltet“, sagt Professor Galle und ergänzt: „Es ist sehr wichtig, die
Aufmerksamkeit für das Organ Leber breit zu streuen und mit Aktionstagen
wie dem 22. Deutschen Lebertag mit dem diesjährigen Motto ‘Deine Leber.
Dein Leben.‘ über das großartige Kraftwerk Leber zu informieren, über das
viele Menschen leider immer noch sehr wenig wissen.“

Mehr Infos zum 22. Deutschen Lebertag unter: http://www.lebertag.org

Alle Institutionen, die im Rahmen des 22. Deutschen Lebertages mit einer
lokalen Veranstaltung aufklären und informieren möchten, werden von den
Ausrichtern bei der Pressearbeit und mit Veranstaltungsmaterialien
unterstützt. Informationen, Anmeldungen und Downloads unter:
http://www.lebertag.org

Die Ausrichter des 22. Deutschen Lebertages am 20. November 2021:

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten
von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des
Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen, Tel 0641 – 97 48 10
<geschaeftsstelle@gastro-liga.de>
https://www.gastro-liga.de

Deutsche Leberhilfe e. V.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln, Tel 0221 – 28 29 980
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>
https://www.leberhilfe.org

Deutsche Leberstiftung
Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover, Tel 0511 – 532 6815
<presse@deutsche-leberstiftung.de>
https://www.deutsche-leberstiftung.de

  • Aufrufe: 163