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Blutkrebs: Bessere Versorgung nach innovativer Zelltherapie

Am Uniklinikum kommen neuartige Stammzell- und CAR-T-Zell-Therapien
erfolgreich zum Einsatz. Das Projekt SPIZ verbessert die Versorgung von
Betroffenen - auch im ländlichen Raum. Das sachsenweite Projekt wird mit
4,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfond des Bundes gefördert. Nun wird
die erste Patientin nach einer Antikörpertherapie (CAR-T-Zellen) über das
Projekt betreut, das Versorgungslücken in Sachsen schließen soll – passend
zum Motto des diesjährigen Weltkrebstages, der am 4. Februar 2024 begangen
wird.

Aufgrund von innovativen Zelltherapien haben sich die Heilungschancen bei
Patientinnen und Patienten mit Blut- oder Lymphdrüsenkrebs in den
vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus Dresden ist eines von drei hämato-onkologischen Zentren in
Sachsen, an denen Patientinnen und Patienten mit einer
Stammzelltransplantation oder einer CAR-T-Zell-Therapie behandelt werden
können. Nach diesen komplexen Therapien besteht für die Betroffenen ein
hohes Risiko für lebensgefährliche Komplikationen. Dort setzt unter
anderem das Projekt SPIZ (sektorenübergreifende Versorgung von
Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen nach
innovativer Zelltherapie) an. „Patientinnen und Patienten, die in diese
Studie eingeschlossen werden, erhalten eine intensive Nachsorge,
unabhängig ihres Wohnortes“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand am Uniklinikum. „Ziel ist es, schwere Komplikationen rechtzeitig
zu erkennen, aber lange Fahrten ins Krankenhaus zu vermeiden.“

Im Rahmen des neuen Nachsorgeprogramms SPIZ werden insgesamt 302
Patientinnen und Patienten aus den drei sächsischen hämato-onkologischen
Zentren an den Uniklinika in Dresden und Leipzig sowie am Klinikum
Chemnitz in die Studie eingeschlossen, nachdem sie eine der neuartigen
Zelltherapien erhalten haben. Das Einzugsgebiet beträgt bis zu 200
Kilometer, was regelmäßige ambulante Vorstellungen in der Nachsorge
erschwert. „In Studien sind die Ergebnisse der innovativen Zelltherapien
besser als in der Routineversorgung, was nicht zuletzt an einer effektiven
Nachsorge liegen dürfte. Unser Anspruch ist es, dieses Potential der
Therapien in die Versorgungsrealität vor allem im ländlichen Raum zu
übertragen“, erklärt Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen
Klinik I des Universitätsklinikums Dresden und Mitglied im
geschäftsführenden Direktorium des Nationalen Centrums für
Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC).

SPIZ hat zum Ziel, die Patientinnen und Patienten engmaschig und digital
unterstützt unter anderem mittels App und Videosprechstunde zu betreuen,
um Komplikationen nach der Zelltherapie rechtzeitig zu erkennen und die
Lebensqualität der beteiligten Patientinnen und Patienten zu erhöhen.
Zugleich sollen ihnen übermäßig viele lange Fahrten für die regelmäßige
Nachsorge in die Zentren erspart werden, indem abwechselnd zu den
Ambulanzvorstellungen am Zentrum Hausbesuche durch onkologische
Fachpflegekräfte durchgeführt werden. Am Universitätsklinikum Dresden
werden in diesem Jahr etwa 80 bis 100 Blutkrebspatientinnen und -patienten
über das Programm SPIZ betreut. Weitere Patientinnen und Patienten werden
an den ebenfalls beteiligten Zentren Universitätsklinikum Leipzig und
Klinikum Chemnitz behandelt. Um die Wirksamkeit zu prüfen, ist SPIZ als
randomisiert kontrollierte Studie konzipiert, wobei der innovative
Versorgungspfad mit der aktuellen Regelversorgung verglichen wird.
Zusammen mit dem Konsortialpartner AOK PLUS wird zudem eine
gesundheitsökonomische Analyse durchgeführt, um nach einer positiven
Evaluation die Übertragung in die Regelversorgung zu ermöglichen.

Mittels App werden Symptome dokumentiert

Das Programm SPIZ sieht in der intensivierten Nachsorge in Ergänzung zu
ambulanten Vorstellungen Video-Sprechstunden vor, um eine schnelle
Abklärung von Symptomen zu ermöglichen und lange Anfahrtswege zu
reduzieren. Zudem kommt eine „Onko-Nurse“ in regelmäßigen Abständen zu
Hausbesuchen, kann den Zustand der Betroffenen vor Ort beurteilen, Blut
abnehmen, Angehörige beraten und den Unterstützungsbedarf im häuslichen
Umfeld einschätzen. In einer speziellen App dokumentieren die Patientinnen
und Patienten kontinuierlich Symptome und weitere wichtige Parameter. Die
Daten werden an fünf Tagen pro Woche von onkologischen Fachpflegekräften
ausgelesen und bei Auffälligkeiten dem ärztlichen Personal vorgelegt.
Regelmäßige Online-Fallkonferenzen ermöglichen die enge Zusammenarbeit
aller in die Patientenversorgung eingebundenen Akteure, etwa aus den
Bereichen Sozialarbeit, Psychoonkologie, der niedergelassenen Ärzteschaft
und den onkologischen Zentren. Bei Fragen und Problemen können sich die
Patientinnen und Patienten jederzeit an speziell geschulte Case-
Managerinnen und -Manager wenden, die zudem alle Termine sowie die
Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren koordinieren.

„Wir erwarten, dass aufgrund der verbesserten Nachsorge weniger
notfallmäßige Krankenhauseinweisungen erfolgen, die mit erheblichen Kosten
verbunden sind. Zum anderen können durch Video-Sprechstunden lange und
damit teure Anfahrten reduziert werden, die in der Regel per Taxi
erfolgen, da die Betroffenen aufgrund von Medikation und Abwehrschwäche
zumeist weder öffentliche Verkehrsmittel noch das eigene Auto nutzen
können“, erklärt Dr. Jan Moritz Middeke von der Medizinischen Klinik I des
Uniklinikums Dresden und Forschungsgruppenleiter am Else-Kröner-Fresenius-
Zentrum für Digitale Gesundheit (EKFZ).

Die AOK Plus begleitet das Projekt aktiv und stellt Abrechnungsdaten zur
Verfügung. Alle Auswirkungen des Projektes auf den Gesundheitszustand und
die Lebensqualität der teilnehmenden Patientinnen und Patienten sowie die
entstehenden Kosten werden kontinuierlich durch das Zentrum für
Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) erfasst und evaluiert. Bei
positiver Evaluation soll die im Projekt vorgeschlagene Versorgungsform
dauerhaft in die Regelversorgung der Krankenversicherungen überführt
werden. Das Konsortialprojekt wird aus dem Innovationsfonds des
Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit 4,1 Millionen Euro gefördert. „Die
Förderung unterstreicht die Expertise am Standort Dresden im Bereich der
onkologischen Forschung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit
innovativen Krebstherapien“, sagt der Medizinische Vorstand Prof. Michael
Albrecht.

Erste Patientin am Uniklinikum wird über SPIZ versorgt

Als eine der ersten Patientinnen wird Elke Hartwig am Uniklinikum Dresden
in das Programm aufgenommen. 2019 bekam die heute 60-Jährige die Diagnose
Multiples Myelom, eine bösartige Knochenerkrankung, die zu den
Blutkrebsarten zählt. Elke Hartwig ließ damals bei ihrem Arzt heftige
Rippen- und Rückenschmerzen abklären, eine Untersuchung im MRT zeigte
schließlich den Tumorbefall ihres Skeletts. Daraufhin wurde sie ans
Uniklinikum überwiesen. „Das war ein großer Glücksgriff für mich“, sagt
Elke Hartwig heute. Zunächst erfolgte eine Behandlung mittels
Stammzelltransplantation, doch der Krebs kam zurück. Inzwischen zeigten
andere, innovative Zelltherapien gute Erfolge. „In diesem Bereich hat sich
in den vergangenen ein, zwei Jahren unheimlich viel getan“, sagt Dr.
Katharina Egger-Heidrich, Fachärztin für Innere Medizin. Zwar sei ein
Multiples Myelom anders als etwa akute Leukämie nicht heilbar. „Wir haben
mit den neuartigen Zelltherapien aber gute Remissionen erreicht.“ Das
heißt, die Krankheitserscheinungen können hinausgezögert werden.

Seit Anfang Januar wird Elke Hartwig mit einer CAR-T-Zell-Therapie
behandelt, die sehr gut anschlägt. Dabei handelt es sich um eine
Krebsimmuntherapie, bei der T-Zellen aus dem Blut gesammelt und
gentechnisch so verändert werden, dass sie Krebszellen im Körper selbst
bekämpfen. „Das macht mir zumindest die Hoffnung, dass ich die Zeit mit
meinen Enkelkindern noch etwas genießen kann“, sagt die Patientin, die in
Arnsdorf im Dresdner Umland wohnt. Dass sie nun über das Projekt SPIZ
täglich Feedback über ihren Gesundheitszustand an das Uniklinikum meldet,
gibt Elke Hartwig Sicherheit. „Es ist ein gutes Gefühl, über die App in
Verbindung mit dem medizinischen Personal zu stehen.“ Dort gibt sie etwa
an, wie hoch der Blutdruck und die Körpertemperatur ist und ob sie Fieber
oder sonstige Beschwerden hat. „Sollten Auffälligkeiten auftreten, meldet
sich eine Ärztin oder ein Arzt und bespricht das weitere Vorgehen“, sagt
Dr. Katharina Egger-Heidrich.

Neben dem Uniklinikum Dresden sind mit Saxocell, NIO/BNHO (Verbände
niedergelassener Onkologinnen und Onkologen), dem Nationalen Centrum für
Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) und dem Zentrum für Evidenzbasierte
Gesundheitsversorgung (ZEGV) der Hochschulmedizin Dresden weitere,
miteinander vernetzte Partner an dem Projekt beteiligt. Das
Zukunftscluster Saxocell fokussiert sich insbesondere auf die aktuellen
Entwicklungen im Bereich der Genmodifikation, insbesondere von
Immunzellen. Diese modifizierten oder editierten Zellen können, wenn sie
beispielsweise mit spezifischen tumorerkennenden Rezeptoren ausgestattet
werden, Tumor- und andere krankheitsverursachende Zellen vernichten.
Solche chimären Antigenrezeptoren, oder einfach CARs, sind in der Vision
von SaxoCell der Schlüssel zur Herstellung "lebender Arzneimittel". CARs
können das Immunsystem auf fast jedes beliebige Ziel umleiten. Nach
gentechnischer Modifikation, entweder der eigenen Zellen von Patientinnen
und Patienten oder von Zellen, die für alle Patientinnen und Patienten
verwendet werden können (sogenannte allogene Ansätze), kann es theoretisch
möglich werden, viele ernsthafte Erkrankungen erstmals wirklich ursächlich
zu heilen.

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Psychotherapeutische Ambulanz in Greifswald ist Gewinn für Patienten und Studierende

In Greifswald hat am Mittwoch (31.01.2024) die neue psychotherapeutische
Ambulanz an der Universität eröffnet.

In Greifswald eröffnet heute die neue psychotherapeutische Ambulanz an der
Universität.
Wissenschaftsministerin Bettina Martin nennt diese Eröffnung in
Kombination mit dem in diesem Wintersemester neu gestarteten
Masterstudiengang für Psychotherapie „einen wichtigen Schritt für eine
bessere psychotherapeutische Versorgung in der Region“: „Wir setzen am
Standort der Universität Greifswald mit der Ausbildung von Fachkräften im
Bereich der Psychotherapie einen neuen Schwerpunkt. Es besteht zunehmend
Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung. Oft müssen Patientinnen und
Patienten Monate lang warten. Doch die Fachkräfte sind rar. Umso wichtiger
ist es, dass wir die benötigten Fachkräfte stärker im eigenen Land
ausbilden.“
In Greifswald existiert mit der Ambulanz ein Behandlungsangebot, das allen
jungen Patientinnen und Patienten offensteht. Gleichzeitig werden dort
Studierende praxisnah ausgebildet.
„Von der psychotherapeutischen Hochschulambulanz profitieren sowohl Kinder
und Jugendliche als auch die Studierenden an der Universität Greifswald“,
sagte Martin. „In Verbindung mit dem im Wintersemester 2023/24
eingerichteten Masterstudiengang Psychotherapie werden dort nicht nur
dringend benötigte Behandlungsangebote geschaffen, sondern auch dringend
benötigte Fachkräfte für die Zukunft ausgebildet. Hier findet eine hoch
attraktive und praxisorientierte Lehre statt, indem Studierende unter
fachkundiger Anleitung und Begleitung direkt mit den Patientinnen und
Patienten arbeiten. Die Einrichtung der Ambulanz ist ein Ergebnis der
guten Zusammenarbeit zwischen der Universität Greifswald und dem
Wissenschaftsministerium. Dafür möchte ich allen Beteiligten und im
Besonderen Frau Prof. Dr. Brakemeier meinen Dank aussprechen.“
Die Behandlungsangebote richten sich sowohl an Kinder und Jugendliche als
auch an Eltern. Gerade bei Kindern ist eine frühzeitige Behandlung
notwendig, da in der Kindheit oftmals die Ursachen für psychische
Erkrankungen im Erwachsenenalter liegen. Hier setzt die neue Ambulanz an.

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S3-Leitlinie zur Therapie von COVID-19 Patienten aktualisiert

Auch wenn das Risiko eines schweren Verlaufs bei einer COVID-19 Erkrankung
deutlich gesunken ist, erkranken derzeit nach wie vor täglich viele
Menschen in Deutschland an dem Virus. Inzwischen gibt es eine große Anzahl
an Publikationen und Therapiestudien zur Behandlung von an COVID-19
Erkrankten. Um einen guten Überblick über die Therapieempfehlungen
behalten zu können, haben Vertreter von 17 Fachgesellschaften sowie
Patientenvertreter die Leitlinie zur Therapie von COVID-19 aktualisiert.

Federführend beteiligt war neben der Deutschen Interdisziplinären
Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) auch die Deutsche
Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin
(DGIIN), die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP) sowie die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Gesicherte Erkenntnisse und strukturiertes, sicheres Management von
COVID-19

Die aktualisierte Leitlinie umfasst Empfehlungen über den gesamten Verlauf
der Erkrankung von der ambulanten Therapie bis zur Behandlung im
Krankenhaus. „Nach wie vor werden täglich Hunderte neue wissenschaftliche
Arbeiten zu COVID-19 publiziert. Die vorliegende Leitlinie bezieht nun
alle neuen und gesicherten Erkenntnisse mit ein und ist für ein
strukturiertes, sicheres und ressourcenschonendes Management von
COVID-19-Patientinnen und Patienten in Praxis und Krankenhaus
unerlässlich“, sagt Professor Stefan Kluge, Koordinator der Leitlinie und
Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf. Da an der Erstellung alle an der Therapie beteiligten
Fachgruppen mitgewirkt haben, enthält die Leitlinie eine
fächerübergreifende Betrachtung.

„Die stetige Aktualisierung der Leitlinie zur Therapie von Patienten mit
COVID-19 ist sehr wichtig“, betont Prof. Gernot Marx, Vizepräsident der
DIVI und Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und
Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen. „Nur so können wir auch
die neusten Erkenntnisse aus der Forschung ans Bett unserer Patienten
bringen." Da es sich um eine relativ neue Erkrankung handele, müsse und
werde hier weiterhin sehr viel geforscht.

Generell betont Marx allerdings, gehöre die Behandlung von Corona-
Erkrankten auch auf Intensivstationen mittlerweile neben vielen anderen
Erkrankungen zum Alltag.

Aktualisierte Empfehlungen zu zahlreichen Medikamenten

Die medikamentöse Therapie von COVID-19-Patienten nimmt in der
aktualisierten Leitlinienfassung einen besonderen Stellenwert ein. So
enthält sie aktualisierte Empfehlungen zu zahlreichen Medikamenten. „Wir
gehen in der Leitlinie ausführlich auf die derzeit eingesetzten
Medikamente ein. Die Leitlinie stellt klar heraus, dass bei Patienten mit
einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf eine medikamentöse
Frühtherapie erfolgen sollte“, so Professor Christoph Spinner, Vertreter
der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Mithilfe der Förderung durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) und der Unterstützung des AWMF-Instituts für
Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi), konnten die Autoren erneut
wichtige therapeutisch relevante Fragestellungen mit systematischen
Evidenzsynthesen hinterlegen. „Die Sichtung der Literatur und die
systematischen Evidenzsynthesen waren Grundlage für die konsentierten
Empfehlungen in der Leitlinie“, so Professor Nicole Skoetz, Professorin
für Öffentliches Gesundheitswesen an der Medizinischen Fakultät der
Universität zu Köln.

Leitlinie empfiehlt intensivierte Antikoagulation zu erwägen

Professor Florian Langer von der Deutschen Gesellschaft für Thrombose und
Hämostaseforschung (GTH) weist auf die Notwendigkeit einer adäquaten
Thromboseprophylaxe mit Heparin bei hospitalisierten Patienten hin: „In
den ersten Wellen der Pandemie haben wir viele Erkrankte mit Thrombosen
und Lungenembolien gesehen. Die Leitlinie empfiehlt hierzu, bei im
Krankenhaus behandelten COVID-19-Patienten mit moderater
Krankheitsaktivität und erhöhtem Risiko für einen schweren
Krankheitsverlauf eine intensivierte Antikoagulation zu erwägen, also die
Gabe von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung in einer höheren als
sonst üblichen Dosierung.“

Empfehlungen für ambulante wie auch stationäre Behandlung

Die Leitlinie umfasst Empfehlungen über den gesamten Verlauf der
ambulanten und stationären Behandlung. Von der Diagnostik über die
Therapie bis hin zum weiteren Krankheitsverlauf. Darüber hinaus beinhaltet
sie viele andere Aspekte wie Besonderheiten bei intensivmedizinischen
Patientinnen und Patienten, beispielsweise zur Wachbauchlagerung sowie
hygienische, ethische und palliativmedizinische Aspekte.

Die vorliegende Aktualisierung wird unter dem Projekt „S3Cov19live –
Living Guideline: Empfehlungen zur Therapie von Patienten mit COVID-19“
(Förderkennzeichen: 01VSF2300) durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen
Bundesausschusses für den Zeitraum 01.08.2023 bis 31.07.2026 gefördert.

Interessierte können die S3-Leitlinie auf der Website der AWMF abrufen:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html

Federführend:
•       Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und
Notfallmedizin (DGIIN)
•       Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI)
•       Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)
•       Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI)

Unter Mitwirkung von:
•       Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin
(DGAI)
•       Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)
•       Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseforschung (GTH)
•       Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
•       Deutscher Rat für Wiederbelebung (German Resuscitation Council;
GRC)
•       Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
•       Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN)
•       Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
•       Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
•       Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
•       Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
•       Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA)
•       Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
•       Patientenvertretung (individueller Betroffener)

Originalpublikation:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html

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Wechseljahre: Diese Risiken fürs Herz sollten Frauen kennen

Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren verlangen für Frauenherzen
besondere Aufmerksamkeit. Welche Risikofaktoren für Herz und Kreislauf
rücken besonders in den Fokus der Herzmedizin? Und wie schützen sich
Frauen bereits vor der Menopause? Herzstiftung klärt auf

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bei Frauen immer noch unterschätzt,
dabei sind diese Erkrankungen mit rund 190.700 Sterbefällen im Jahr 2022
die häufigste Todesursache bei Frauen. Am häufigsten sterben Frauen an der
chronischen koronaren Herzkrankheit (KHK) mit rund 34.900 Gestorbenen
(2022).  An Herzinsuffizienz starben 22.900 Frauen, an Hypertensiver
Herzkrankheit („Hochdruckherz“) rund 17.200 und an Herzinfarkt, der längst
keine „Männerkrankheit“ darstellt, rund 18.900 Frauen (1). „Auch für
Frauen sind Herzerkrankungen wie Koronare Herzkrankheit, Herzschwäche oder
Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und Vorhofflattern der häufigste
Grund für Krankenhauseinweisungen und vorzeitigen Tod. Nur dass diese
Erkrankungen bei ihnen aufgrund des hormonellen Schutzes meist etwa zehn
Jahre später als bei Männern auftreten“, warnt die Kardiologin Prof. Dr.
med. Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen
Herzstiftung. Für Frauen gelten dieselben Risikofaktoren für Herz- und
Gefäßerkrankungen wie für Männer:  Bluthochdruck, Diabetes,
Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht sowie Lebensstilfaktoren wie
Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Stress sowie ungenügend
oder unregelmäßiger Schlaf. „Kommen Frauen in die Wechseljahre können die
hormonellen Veränderungen die Risikokonstellation für Herz und Gefäße
zusätzlich verschärfen“, betont die Chefärztin der Klinik für Kardiologie,
Angiologie und Pneumologie am Marienhospital Wesel. Auch können
Herzerkrankungen und ihre Komplikationen wie der Herzinfarkt in der
Symptomatik und in ihrer Entstehung je nach Geschlecht verschieden sein.
„Auf Besonderheiten wie diese müssen wir Frauen verstärkt aufmerksam
machen und für gezielte Vorsorge-Maßnahmen sensibilisieren“, so die
Kardiologin anlässlich der Initiative Go Red for Women® der US-
amerikanischen Herzgesellschaft (American Heart Association, AHA) mit
Aktionen am 2. Februar rund um die Herzgesundheit bei Frauen. Die
Herzstiftung nimmt die Initiative der AHA zum Anlass, um auch hierzulande
Frauen für ihr Herz zu sensibilisieren, mit Infos unter
https://herzstiftung.de/frauenherzen

Die Gendermedizin beschäftigt sich gezielt mit der Erforschung von
geschlechterbezogenen kardiologischen Unterschieden: zum Beispiel bei
Krankheitssymptomen, beim Stoffwechsel, dem Hormon-, Immun- oder dem
Gefäßsystem sowie den Unterschieden hinsichtlich des Alters und der
Genetik. Medikamente können je nach Geschlecht anders wirken und bestimmte
Eingriffe im Ergebnis verschieden ausfallen. Über solche Unterschiede und
ihre Wechselwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sowie weitere wichtige
Themen rund um die Herzgesundheit bei Frauen informiert die Herzstiftung
auch in Form von Ratgebern und Podcasts die kostenfrei unter Tel. 069
955128-400 angefordert bzw. unter https://herzstiftung.de/podcasts
abgerufen werden können.

Risiko durch Bluthochdruck besonders nach der Menopause
Die Wechseljahre (Menopause) wirken sich unterschiedlich auf die
kardiovaskuläre Gesundheit bei Frauen aus. Beispiel Bluthochdruck: In
Deutschland haben nach Angaben der AOK (WIdO) rund 10,5 Millionen Frauen
Bluthochdruck (2). Kommen Frauen in die Wechseljahre, verdoppelt sich ihr
Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln, weil der Östrogenspiegel im
Blut in der Menopause sinkt. Das weibliche Geschlechtshormon sorgt dafür,
dass die Gefäße elastisch bleiben, wirkt blutdrucksenkend und schützt vor
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig steigt der Spiegel des Hormons
Testosteron. Das führt unter anderem dazu, dass Frauen verstärkt in der
Bauchregion Fett einlagern. Die Gefahr dabei: Bauchfett produziert selbst
Hormone, die den Appetit anregen und damit dafür sorgen, dass Frauen
zunehmen. Auch lassen diese Hormone den Blutdruck steigen. Bei vielen
Frauen in und nach den Wechseljahren kommen neben dem Übergewicht Ängste
und Schlafstörungen als weitere Risiken dafür hinzu, Bluthochdruck zu
entwickeln. „Frauen sollten deshalb wachsam für ihren Blutdruck sein und
ihn regelmäßig beim Arzt messen lassen oder ihn selbst messen“, rät die
Kardiologin Prof. Tiefenbacher. Denn ein nicht ausreichend behandelter
Bluthochdruck ist eines der gefährlichsten Risiken für Schlaganfall,
Herzinfarkt und andere schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Über die
Hormonersatztherapie und Bluthochdruck informiert die Herzstiftung unter
https://herzstiftung.de/frauen-bluthochdruck

Bluthochdruck bei jungen Frauen wegen „der Pille“
Auch junge Frauen sind nicht vor einem Bluthochdruck gefeit. Fünf bis zehn
Prozent der Schwangeren entwickeln im Laufe der Schwangerschaft einen
Bluthochdruck. Auch Frauen, die zur Verhütung „die Pille“ einnehmen, die
eine Kombination von Östrogen und Progesteron, enthält, können einen
Bluthochdruck entwickeln. Progesteron ist das in den Eierstöcken gebildete
Gelbkörperhormon, das vor allem den Menstruationszyklus, die
Schwangerschaft sowie die Entwicklung des Embryos regelt. Expertenangaben
zufolge reagieren ungefähr fünf Prozent der Frauen, die ein solches
Kombinationspräparat einnehmen, mit einem bedeutsamen Blutdruckanstieg.
Frauen, die die Pille einnehmen und außerdem übergewichtig sind, tragen
ein zwei- bis dreifach hohes Risiko für Bluthochdruck. „Liegen
gleichzeitig mehrere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Rauchen oder
Übergewicht vor, sollten Frauen mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über
andere Verhütungsmethoden sprechen und keine oralen Kontrazeptiva
einnehmen“, rät Prof. Tiefenbacher.

Vorsicht bei Schlafstörungen während und nach der Menopause
Ein gesunder Schlaf wirkt wie ein Medikament: Während der Nachtruhe erholt
sich der Körper, Stoffwechselprozesse wie der Fett- und Zuckerstoffwechsel
werden reguliert, das Immunsystem gestärkt und auch der Blutdruck wird in
dieser Ruhephase langfristig konstant gehalten. Bei Frauen kann es während
und nach den Wechseljahren verstärkt zu Schlafstörungen kommen, die das
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Die AHA weist mit Blick
auf die Studienlage darauf hin (3), dass etwa die Hälfte der Frauen in den
Wechseljahren von Schlafproblemen berichten. Eine aktuelle
Registerauswertung mit rund 290 Frauen (Alter 45 bis 55 Jahre) kommt zu
ähnlichen Ergebnissen. Laut AHA berichteten knapp 80 Prozent der Befragten
von einer schlechten Schlafqualität, die Hälfte von Schlafstörungen. Die
(vorläufige) Auswertung zeigte, dass häufiger diejenigen Frauen unter
einer schlechten Schlafqualität litten, die gerade in die Wechseljahre
gekommen waren oder sie gerade hinter sich hatten, im Vergleich zu jenen,
die noch nicht in den Wechseljahren waren. Die Untersuchung (4) ergab auch
einen Zusammenhang zwischen schlechter Schlafqualität und schlechter
Herzgesundheit, dem Vorhandensein einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA),
bei der es während des Schlafs immer wieder zu Atemaussetzern kommt, sowie
einer ungesunden Ernährung. So hatten Frauen mit Zeichen von
Schaflosigkeit einen schlechteren Body Mass Index (BMI). Bei
Teilnehmerinnen mit einem Risiko für OSA waren neben einem schlechteren
BMI zudem Blutdruck- und Blutzucker-Werte schlechter als bei anderen
Frauen.
„Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum verursachen Stress, der
wiederum wichtige Stoffwechselprozesse stört. Das wirkt sich negativ auf
die kardiovaskuläre Gesundheit und andere Lebensstilfaktoren aus. Frauen
mit Schlafproblemen sollten diese nicht auf ihren dicht gedrängten Alltag
mit Beruf und Familie schieben, sondern bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt
direkt ansprechen“, rät die Herzspezialistin aus dem Vorstand der
Herzstiftung. Umgekehrt lassen sich mit Hilfe von Lebensstilmaßnahmen wie
regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung solche Risikofaktoren wie
Übergewicht und Bluthochdruck günstig beeinflussen, die eine OSA
verursachen und so die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.
Die Herzstiftung empfiehlt Frauen daher generell und besonders noch bevor
es mit den Wechseljahren losgeht, die acht Schritte für ein gesundes Herz
in Angriff zu nehmen: https://herzstiftung.de/acht-tipps

Herzinfarkt-Warnsignale: Symptome werden verschieden wahrgenommen
Wegen der weiblichen Hormone sind Frauen bis zu den Wechseljahren weniger
durch den Herzinfarkt gefährdet, der Herzinfarkt tritt bei ihnen fünf bis
zehn Jahre später auf als bei Männern. „Bei Frauen über 65 Jahren steigt
das Herzinfarktrisiko. Doch auch jüngere Frauen zwischen 40 und 50 sind
der Gefahr ausgesetzt – vor allem dann, wenn in der Familie häufig Herz-
Kreislauf-Erkrankungen aufgetreten sind oder wenn ein ungesunder
Lebensstil durch Bewegungsmangel, Rauchen, Übergewicht, Dauerstress oder
von außen zugeführte Hormone wie die ,Pille‘ das Infarktrisiko erhöhen“,
betont Prof. Tiefenbacher. Es gibt Besonderheiten beim Herzinfarkt, auf
die Frauen unbedingt achten sollten. Der Herzinfarkt bei Frauen ist anhand
der Symptome oftmals nicht so klar zu erkennen wie bei Männern. „Häufiger
als bei Männern können bei Frauen weniger eindeutige Symptome auftreten,
etwa Atemnot, ein Ziehen in den Armen, unerklärliche Müdigkeit,
Angstzustände, Schweißausbruch, Übelkeit oder Erbrechen, Schmerzen im
Oberbauch oder im Rücken“, erklärt Prof. Tiefenbacher. Bei Frauen kommt es
häufig vor, dass der typische Brustschmerz als Hauptsymptom des
Herzinfarkts nicht im Vordergrund steht wie bei den Männern, sondern
andere Symptome. Infos: https://herzstiftung.de/herzinfarkt-frauen-
symptome

Herzstiftung rät zum Vorsorge-Checkup ab 40 Jahren
Frauen sollten, ebenso wie Männer, ihr Risiko für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen bei Vorsorgeuntersuchungen ab 40 Jahren – bei familiärer
Vorbelastung früher - checken lassen, rät die Deutsche Herzstiftung. Das
könne der regelmäßige Gesundheits-Check-up bei Hausärztin oder Hausarzt
sein, der ab 18 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre erfolgt
(wird von der Krankenkasse bezahlt) und der neben der Blutdruckmessung
auch Blutzucker- und Blutfettwerte wie LDL-Cholesterin erfasst. Darüber
hinaus erlauben es etwa Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern oder
der Becken- und Beingefäße, frühzeitig Gefäßverkalkungen zu erkennen, die
für die Betroffenen noch ohne Symptome sind. Das EKG in Ruhe und unter
Belastung sowie die Ultraschalluntersuchung des Herzens ergänzen das
Untersuchungsspektrum.

Quellen:

(1) Destatis – Statistisches Bundesamt:  Todesursachen Anzahl der
Gestorbenen nach Kapiteln der ICD-10 und nach Geschlecht für 2022:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-
Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/gestorbene_anzahl.html?nn=210776
(2) Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Instituts der AOK
(WIdO) Bluthochdruck in Deutschland 2023.
(3) American Heart Association, Sleep problems linked to heart health
risks during and after menopause (PM der AHA vom 4. Dez. 2023):
https://www.heart.org/en/news/2023/12/04/sleep-problems-linked-to-heart-
health-risks-during-and-after-menopause

(4) American Heart Association, Scientific Session 2023- Associations
Between Multiple Dimensions of Poor Sleep and Life’s Essential 8
Cardiovascular Health Score During the Menopausal Transition: Findings
From the AHA Research Goes Red Weight Study (12. Nov. 2023):
https://www.abstractsonline.com/pp8/?_ga=2.252499981.569559676.1693429947-1069604919.1693247687#!/10871/presentation/9760

Service
Herzstiftungs-Podcast imPULS – Wissen für Ihre Gesundheit: „Warum
Frauenherzen anders sind – und anders behandelt werden müssen“- Ein
Gespräch mit Prof. Sandra Eifert: https://herzstiftung.de/service-und-
aktuelles/podcasts/frauen-herzerkrankungen


Infos zu Frauenherzen und Herzinfarkt-Alarmzeichen:
Rund um die Herzgesundheit von Frauen informiert die Herzstiftung mit
zahlreichen Infos unter www.herzstiftung.de/frauenherzen und über die
Herzinfarkt-Warnsignale unter https://herzstiftung.de/herzinfarkt-frauen-
symptome

Ratgeber: Der Ratgeber „Koronare Herzkrankheit und Herzschwäche – was ist
bei Frauen anders?“ (20 Seiten) kann kostenfrei bei der Herzstiftung unter
Telefon (0 69) 955128-400 und unter www.herzstiftung.de/bestellung
angefordert werden.
Bildmaterial zu Herzinfarkt-Warnzeichen und Ratgeber kann angefordert
werden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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