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Forschung trifft Küche: Medizinisches Kochbuch zur wohl gesündesten Ernährung der Welt

Neuerscheinung im April: Das Buch „Mediterrane Ernährung“ verbindet
wissenschaftliche Erkenntnisse der Universität Hohenheim mit leckeren
Rezepten

Bunt, abwechslungsreich und gesund: Die mediterrane Küche gilt als
gesündeste Ernährung der Welt. Dass sie tatsächlich eine
gesundheitsfördernde Wirkung besitzt, haben Dr. Benjamin Seethaler und
Prof. Dr. Stephan C. Bischoff von der Universität Hohenheim in Stuttgart
in ihren Studien nachgewiesen. In einem populärwissenschaftlichen Ratgeber
erklären sie jetzt, welche vorbeugende und heilende Kraft die
Ernährungsweise hat – ebenso leicht verdaulich wie die wissenschaftlich
fundierten Rezepte im Buch.

Wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in der eigenen Küche umsetzen: Das
Buch „Mediterrane Ernährung“ ist der Auftakt der neuen Reihe Medical
Cooking vom TRIAS-Verlag, einem Thieme Tochter-Verlag. Im ersten Teil des
Buchs liefern Dr. Benjamin Seethaler und Prof. Dr. Stephan C. Bischoff vom
Fachgebiet Ernährungsmedizin & Prävention der Universität Hohenheim
wissenschaftliche Erkenntnisse zur mediterranen Ernährung. Im zweiten Teil
folgen 110 Rezepte, die von der Ökotrophologin Bettina Snowdon extra für
dieses Buch entwickelt wurden.

„Die Kombination ist ein wahres Erfolgsrezept“, so Prof. Bischoff. „Die
Leser:innen erfahren, wie sie ganz konkret etwas für ihre Gesundheit
machen können. Die mediterrane Ernährung schmeckt gut und ist einfach und
langfristig umzusetzen.“

Hohenheimer Forscher belegen die gesundheitlichen Vorteile der
mediterranen Ernährung

„In unseren Studien konnten wir nachweisen, dass eine mediterrane
Ernährung zu besseren Blutwerten und einer verbesserten Magen-Darm-
Gesundheit führt“, erklärt Dr. Benjamin Seethaler. Er hat die positiven
gesundheitlichen Effekte der Mittelmeerküche im Rahmen seiner Promotion in
Hohenheim erforscht. Die Erkenntnis: Eine mediterrane Ernährung schützt
aktiv vor Herzinfarkt, Arteriosklerose, Krebs und Diabetes.

Für das erste deutschsprachige populärwissenschaftliche Buch zu diesem
Thema haben die Wissenschaftler der Universität Hohenheim ihre
Erkenntnisse leicht verständlich aufbereitet: Sie geben einen spannenden
Einblick tief in den Körper und erklären, wie sich die Ernährung auf den
Blutdruck, den Fettstoffwechsel, die Blutgefäße und als Schutz vor
Krebsentstehung auswirkt.

„Mit dem Buch zeigen wir, dass man durch die Ernährung effektiv die eigene
Gesundheit verbessern kann“, betont der Arzt Prof. Bischoff. Für die
Praxis hält das Buch über 100 Rezepte bereit, die aus den
wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt wurden. „Kurzfristige Diät-
und Ernährungstrends haben in aller Regel keinen gesundheitlichen
Mehrwert. Damit ein Ernährungs- und Lebensstil gesundheitsfördernd wirkt,
muss man langfristig am Ball bleiben. Aber wenn’s – wie bei der
mediterranen Ernährung - schmeckt, fällt das leicht“, so Bischoff.

Für jeden Geschmack etwas dabei: Leckere Rezepte für einen gesunden
Lebensstil

Ein Vorteil der mediterranen Küche: Sie ist so vielfältig, dass für jeden
etwas dabei ist. „Die mediterrane Ernährung hat viele unterschiedliche
Facetten und ist für Menschen jeden Alters, jeder sportlichen Aktivität
und jeder Ernährungsform geeignet“, sagt Dr. Seethaler. Welche
Lebensmittel zur mediterranen Ernährung gehören, listen die Forscher
übersichtlich im ersten Teil des Buchs auf. Mit Hilfe anschaulicher
Ernährungs-Pyramiden können sie die Leser:innen nach eigenem Geschmack
kombinieren – und direkt nachkochen.

Gefülltes Omelette, Paella oder Walnuss-Aufstrich: In engem Austausch mit
den Wissenschaftlern hat die Rezept-Entwicklerin Bettina Snowdon
praktische Gerichte für den Alltag kreiert. Dass die Rezepte schmecken,
kann Dr. Seethaler bestätigen: Er hat einige der Rezepte bereits selbst
getestet. „Wenn ich ein Rezept empfehlen darf, dann auf jeden Fall den
Bohnen-Walnuss-Aufstrich“, so der Forscher.

Ausblick: Man nehme Mikroalgen (statt Fisch)

Die Forschenden der Universität Hohenheim beschäftigt außerdem, wie man
die Ernährungsweise künftig noch nachhaltiger gestalten kann. Denn wegen
der gesunden Omega-3-Fettsäuren spielt Fisch eine wichtige Rolle in der
mediterranen Küche.

„Fische enthalten diese gesundheitsfördernden Fettsäuren, da sie sich zum
Teil von Mikroalgen ernähren, die eben diese enthalten“, erklärt Dr.
Seethaler. Die Überlegung der Forschenden ist nun: Können Menschen auch
direkt von den Mikroalgen profitieren, ohne Fisch „als Zwischenstation der
Omega-3-Fettsäuren“ zu verzehren?

„Aus ernährungsmedizinischer Sicht erscheint es sehr vernünftig, den
Speiseplan um Mikroalgen zu erweitern, die in kontrollierten Bedingungen
wachsen und dadurch praktisch frei von Schadstoffen sind. Aber vor allem
unter Nachhaltigkeits-Aspekten ist es Vorteilhafter, Algen in Aquakultur
zu züchten als Fische“, so die schnelle Antwort von Prof. Dr. Bischoff.

Auch zu diesem Thema wird es bald Neuigkeiten aus der Universität
Hohenheim geben.

Text: Hagenau

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Ultraschall bei Lungenembolie: Schnelle Therapieentscheidung am Krankenbett

Ultraschalluntersuchungen sind in Deutschland flächendeckend verfügbar,
sie sind kostengünstig und strahlenfrei. Zudem reicht ihre Aussagekraft
mittlerweile oft an die der wesentlich teureren CT- und MRT-Aufnahmen
heran. Dies findet nun auch zunehmend Eingang in die medizinischen
Leitlinien. Die gerade aktualisierte S2k-Leitlinie „Diagnostik und
Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie“ der Deutschen Gesellschaft
für Angiologie räumt dem Ultraschall jetzt eine wichtigere Rolle ein. Die
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) hat an
der Leitlinie mitgearbeitet und begrüßt die Änderung. So könnten wichtige
Therapieentscheidungen viel schneller getroffen werden.

Tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien sind häufige und oft auch
schwerwiegende Erkrankungen: Nach Herzinfarkt und Schlaganfall stehen sie
an dritter Stelle der Herz-Kreislauf bedingten Todesursachen. „Thrombosen
und Lungenembolien sind dabei Ausdruck desselben zugrundeliegenden
Krankheitsgeschehens“, sagt Dr. Wolfgang Blank, Internist und
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Klinikum am Steinenberg in Reutlingen,
der an der Überarbeitung der Leitlinie für die DEGUM mitgearbeitet hat.
Bei beiden Krankheitsbildern ist der Blutfluss in den Gefäßen durch
Thromben gestört.

Die Thrombenbildung beginnt meist in den tiefen Beinvenen, seltener in den
Arm- oder Beckenvenen. Verbleibt der Blutpfropf vor Ort, wächst weiter und
behindert den Blutfluss, kann es zu den typischen Beschwerden einer tiefen
Venenthrombose kommen: Die betroffene Extremität schmerzt, schwillt an,
ist warm und gerötet. Häufig wird die Venenthrombose vom Betroffenen nicht
bemerkt. Besonders gefährlich wird es dann, wenn sich das Blutgerinnsel
löst und mit dem Blutstrom in Richtung Lunge geschwemmt wird. Dann kommt
es zu einer Lungenembolie, bei der Teile des Lungengewebes von der
Blutversorgung abgeschnitten werden. Klinische Symptome sind plötzliche
Atemnot, Brustschmerz, Schwindel, Herzrasen und Blutdruckabfall bis zum
Herz-Kreislaufstillstand.

„Bei beiden Krankheitsbildern ist es von entscheidender Bedeutung, die
Diagnose rasch zu stellen und umgehend eine gerinnungshemmende Therapie
einzuleiten“, sagt Blank. Bei Verdacht auf eine Venenthrombose hat die
Ultraschalluntersuchung der großen Beinvenen bereits seit Langem einen
festen Platz im diagnostischen Ablauf. Wird eine Lungenembolie vermutet,
weicht die neue Leitlinie von der bisherigen ab. Sowohl bei stabilen als
auch bei instabilen Patientinnen und Patienten wird jetzt ein Triple-
Ultraschall (Venen, Herz, Lunge) empfohlen. Die am Patientenbett
durchgeführte Sonografie sei die wichtigste Entscheidungshilfe für die
initiale Einschätzung, heißt es dort. „Per Echokardiografie lässt sich
unter anderem schnell und sicher eine Dehnung der rechten Herzkammer
erkennen, die durch den Blutstau in den Lungengefäßen verursacht wird“,
erläutert Blank. Die aktualisierte Leitlinie trage nun der großen
Bedeutung Rechnung, die dem Ultraschall gerade in Situationen zukomme, in
denen ein CT nicht verfügbar sei – etwa bei Notfällen außerhalb der
Klinik, in der Notaufnahme oder auf der Intensivstation. Wenn medizinische
Gründe gegen einen CT-Einsatz sprechen, ist der Ultraschall unverzichtbar.
Das ist etwa bei Schwangeren der Fall, bei Menschen mit
Kontrastmittelallergie oder bei Niereninsuffizienz.

Auch wenn die Diagnose Lungenembolie bereits feststeht, lassen sich
mithilfe des Ultraschalls wertvolle zusätzliche Informationen gewinnen.
Sofern sich die Lungenembolie im CT nicht nachweisen lässt, kann die
Verdachtsdiagnose durch den sonografischen Nachweis einer Venenthrombose
erhärtet werden. Der Ultraschall liefert somit eine wichtige
Entscheidungsgrundlage für die Diagnose, die Wahl der Therapie und zur
Verlaufskontrolle.

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Wie Frühgeborene von High Tech-Herzmedizin profitieren

"Piccolo"-Premiere am HDZ NRW: In Zusammenarbeit mit dem Klinikum Dortmund
gelingt Kinderherzspezialisten am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW),
Bad Oeynhausen, ein effektiver, höchst seltener Eingriff im Katheterlabor.

Ein Ungeborenes im Mutterleib wird von seiner Mutter mit sauerstoffreichem
Blut versorgt. Dazu leitet eine Verbindung zwischen der Hauptschlagader
(Aorta) und der Lungenschlagader, der sogenannte Ductus arteriosus, das
Blut weitgehend am Lungenkreislauf vorbei. Erst nach der Geburt, wenn sich
die Lungen entfalten und das Neugeborene zu atmen beginnt, schließt sich
der Ductus arteriosus in den ersten Lebenstagen. Bei Frühgeborenen kann es
allerdings zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Das kleine Mädchen, das im Klinikum Dortmund viel zu früh in der 26.
Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, heisst Anna und wiegt nur 830 Gramm.
Das Team der Neonatologie des Klinikum Dortmund stellt in den ersten
Lebenswochen das Überleben des Frühgeborenen sicher. Doch über den viel zu
großen offenen Ductus arteriosus fließt weiterhin sauerstoffreiches Blut
direkt in den Lungenkreislauf. Die Spezialisten wissen, dass der Ductus
verschlossen werden muss, damit die kleine Anna langfristig überleben
kann. Die Medikamente, die helfen können, den offenen Ductus arteriosus zu
verschliessen, wirken bei ihr leider nicht.  Daher nehmen die Ärzte
Kontakt zum Kinderherzzentrum in Bad Oeynhausen auf. Gemeinsam planen sie
einen außergewöhnlichen Eingriff, um das kleine Mädchen zu retten.

Vier Wochen nach der frühen Geburt in Dortmund landet ein Hubschrauber auf
dem Dach des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen.
Das Frühgeborene wiegt jetzt immerhin 1.200 Gramm. Oberärztin Claudia
Schäfer und eine Intensivpflegefachkraft aus Dortmund begleiten es in das
Kinderherzkatheterlabor, wo Oberarzt PD Dr. Jochen Grohmann,  Professor
Dr. Stephan Schubert, Direktor der Kinderkardiologie, und ihr Team alle
Vorbereitungen für den höchst seltenen, in Bad Oeynhausen erstmaligen
Eingriff getroffen haben. Auch ein herzchirurgisches Team unter der
Leitung von Prof. Univ. Dr. Eugen Sandica steht in Bereitschaft vor Ort.

Erst seit 2019 ist eine im Vergleich zu einer großen herzchirurgischen
Operation schonende Herzkathetertherapie zum Verschluss des Ductus
arteriosus bei so kleinen Kindern überhaupt möglich. Alle Organe bei
Frühgeborenen sind zart und zerbrechlich, schon kleine Veränderungen
können das Herz-Kreislaufsystem gefährden. Erfahrene Kinderkardiologen wie
Schubert haben etwa 30 bis 40 Verfahren dieser Art bei Kindern bis zu
einem Gewicht von 3000 Gramm erfolgreich durchgeführt, einige wenige bei
noch kleineren, zwischen 1000 und 2000 Gramm leichten Frühgeborenen.

Minimalinvasiv und vorwiegend unter Ultraschall- und minimaler
Röntgenkontrolle führen Grohmann und Schubert den schmalen Katheter über
eine Leistenvene bis zum kleinen Kinderherzen vor, wo sich ein winziges
Nitinol-Schirmchen im Ductus entfaltet und die offene Verbindung schließt.
„Bei der Platzierung dieses „Piccolo“-Schirmchens können
Millimeterbruchteile über den Erfolg entscheiden“, sagt Schubert.
„Entsprechend hoch war die Anspannung und Konzentration im
Herzkatheterlabor, das verlangt auch einem so routinierten Team wie
unserem einiges ab.“

Die Überwachung im Herzkatheterlabor bestätigt nach dem knapp
zweistündigen Verfahren, dass der Eingriff erfolgreich ist. „Wir mussten
sicherstellen, dass das kleine Schirmchen in seiner Position fest
verankert ist, keine daneben liegenden Gefäße einengt und die Herz-
Kreislauf-Situation nach dem Verfahren stabil bleibt“, erläutert Schubert.
Etwa drei Stunden bleibt das kleine Mädchen deshalb noch vor Ort auf der
Kinderherzintensivstation in Bad Oeynhausen. Dann wird es noch am gleichen
Abend wieder zurück auf die Frühgeborenen-Station geflogen, wo das
Dortmunder Team und seine erleichterten Eltern warten.

„Das war schon eine sehr außergewöhnliche und beeindruckende
Zusammenarbeit“, fasst Professor Schubert die „Piccolo“-Premiere des HDZ
NRW und Klinikum Dortmund zusammen. „In diesen Tagen erreicht unsere
gemeinsame Patientin ihren ursprünglich errechneten Geburtstermin. Es ist
schön zu hören, dass sie eine gute Lebensperspektive hat. Das freut uns
riesig und sollte betroffenen Eltern Mut machen. Auch bei einem sehr
frühen und schwierigen Start ins Leben können wir Kindern mit angeborenem
Herzfehler heute in den allermeisten Fällen gut helfen.“ Ähnliche
Transporte herzkranker Kinder könnten zudem zukünftig vielleicht auch
vermieden werden, - indem Interventionen dieser Art in Kooperation mit
anderen Häusern auch vor Ort in der Geburts- und Kinderklinik durchgeführt
werden können.

Hintergrundinformation:

Ein offener Ductus arteriosus (DA) ist einer der häufigsten angeborenen
Herzfehler bei Frühgeborenen und macht bis zu 10 Prozent aller angeborenen
Herzfehler aus. Frühgeborene sind öfter von einem persistierenden Ductus
arteriosus Botalli (PDA) betroffen als andere Neugeborene. Der PDA führt
dann zu einer vermehrten Lungendurchblutung und damit wiederum zur
Verschlechterung der Atmung – ein Teufelskreis. Die chirurgische Ligatur
des PDA ist eine herkömmliche Form des Verschlusses, wenn er sich durch
Medikamente nicht verkleinert oder verschliesst. Durch den
Herzkathetereingriff erfolgt der Verschluss schonender und damit
minimalinvasiv durch das Leistengefäß. Damit erspart man den Frühgeborenen
die Eröffnung des Brustkorbes.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.800 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Das Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler des HDZ NRW
wird von Prof. Dr. Stephan Schubert, Direktor der Klinik für
Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler, und Prof. Univ. (assoc) Dr.
Eugen Sandica, Direktor der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene
Herzfehler, gemeinsam geleitet. Es zählt zu den international führenden
Kliniken zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit angeborenem
Herzfehler und ist zertifiziertes Zentrum für die Behandlung von
Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Zur ausgewiesenen
Expertise des Zentrums zählt die Therapie des gesamten Spektrums von
angeborenen Herzfehlbildungen im Neugeborenen-, Kindes-, Jugend- und
Erwachsenenalter. Jährlich werden hier über 1.000 Patienten mit
herausragenden Ergebnissen auch im internationalen Vergleich stationär
sowie 4.500 bis 5.000 Patienten ambulant betreut.

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Rund eine Million Euro Förderung: Projekt zur Entwicklung einer neuartigen Gentherapie bei hochaggressiven Hirntumoren

Ein Konsortium der Onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer
Center) in Dresden, Frankfurt-Marburg und Leipzig/Jena entwickelt eine
neuartige Gentherapie zur Behandlung eines besonders bösartigen
hirneigenen Tumors (Glioblastom). Ziel ist es, gleichzeitig ein Tumor-
unterdrückendes Gen (p53) in die Krebszellen einzuschleusen und
Mechanismen zu unterbinden, welche die Genfunktion blockieren können.
Hierfür entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter
anderem ein neues Nanopartikel-Transportsystem.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist eine
gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf (HZDR).

Das von Forschenden der Hochschulmedizin Dresden und am Nationalen Centrum
für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) geleitete Projekt „NANO-REPLACE“
wird von der Deutschen Krebshilfe mit rund einer Million Euro gefördert.

Das Glioblastom ist der häufigste und bösartigste hirneigene Tumor bei
Erwachsenen. Betroffene haben auch mit modernster Therapie – in der Regel
eine neurochirurgische Entfernung des Tumors, gefolgt von Chemotherapie
und Strahlentherapie – nur eine mittlere Überlebenszeit von weniger als
zwei Jahren. Weitere Verbesserungen in der Behandlung werden dringend
benötigt.

Charakteristisch für Glioblastome ist ein Verlust der Funktion des
tumorunterdrückenden Proteins p53, häufig verbunden mit Mutationen im
p53-Gen, das den Bauplan für das Protein enthält. p53 kann so die
unkontrollierte Teilung geschädigter Zellen nicht mehr unterdrücken. Die
gentherapeutische Einschleusung des nicht-mutierten p53-Gens (Wildtyp)
gilt als vielversprechende Therapieoption. Allerdings ist seit längerem
bekannt, dass die in den Krebszellen vorhandene mutierte Genvariante das
intakte Gen über verschiedene Mechanismen blockieren kann. „Wir verfolgen
daher in einem neuartigen gentherapeutischen Ansatz das Ziel, gleichzeitig
das Wildtyp-Gen einzuschleusen und das mutierte Gen und weitere molekulare
Ziele zu blockieren. Dies soll letztendlich zum Absterben der
Glioblastomzellen führen und das Fortschreiten der Tumorerkrankung
hemmen“, sagt Prof. Achim Temme, Leiter der Neurochirurgischen Forschung
der Hochschulmedizin Dresden.

„Die therapeutischen Möglichkeiten für Glioblastom-Patientinnen und
-Patienten zu verbessern, ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir freuen uns,
dass drei der von uns geförderten Comprehensive Cancer Center ihre
Kompetenzen zur Entwicklung einer vielversprechenden Gentherapie bündeln“,
sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.
„Dieses wichtige Forschungsprojekt unterstützen wir im Rahmen eines
gezielten Programmes, das das Ziel hat, Innovationen für die Krebsmedizin
zu entwickeln und die klinische und translationale Krebsforschung
voranzubringen. Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sollen durch
unsere Förderinitiative so schnell wie möglich den Patienten
zugutekommen.“

Zur Blockade des in den Tumorzellen vorhandenen mutierten Gens nutzen die
Forschenden einen speziellen Mechanismus zur Gen-Stilllegung, die so
genannte RNA-Interferenz (RNAi). Hierbei wird durch eine Bindung von
kurzen Ribonukleinsäure (RNA)-Stücken, sogenannte siRNAs, an die Erbgut-
übertragende messenger-RNA (mRNA) deren Ablesung in ein Protein
verhindert. Für die simultane Einschleusung eines für die Herstellung des
funktionsfähigen Proteins optimierten (Codon-optimierten) Wildtyp-p53-Gens
und der für die RNA-Interferenz nötigen RNA-Oligonukleotide (siRNAs)
entwickeln die Forschenden ein neues, nicht-virales Nanopartikel-
Transportsystem. „Oftmals werden Viren als Genfähren eingesetzt, die
jedoch neue Mutationen und andere Nebenwirkungen auslösen können und
technische Limitationen haben. Wir setzen hingegen auf nicht-virale,
biologisch gut verträgliche Trägermoleküle. Diese bilden Nanopartikel, mit
denen sich Gen und RNA gleichzeitig in die Tumorzelle einschleusen lassen
und die darüber hinaus Gewebe durchdringen können“, betont Prof. Achim
Aigner, Leiter der Selbständigen Abteilung für Klinische Pharmakologie im
Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität
Leipzig. „Künftig könnte bei der Operation des Glioblastoms ein Zugang
gelegt werden, durch den dann die Gentherapie direkt am Ort des
Tumorwachstums appliziert wird“, erklärt Prof. Achim Temme.

Neben der Entwicklung des Transport-Systems liegt ein wichtiger Fokus des
Forschungsprojekts „NANO-REPLACE“ darin, die Effekte der neuartigen
Gentherapie umfassend im Labor zu analysieren. Die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler arbeiten hierzu mit Kulturen und Mini-Tumoren aus
patienteneigenen Tumorzellen ebenso wie mit tumortragenden Mäusen. „Die
Anwendung dieser Trägermoleküle testen wir in Kombination mit einer
Blockade weiterer Zielproteine des Glioblastoms, welche die
Selbstverdauung zellulärer Bestandteile, die sogenannte Autophagie,
regeln. Diese Blockade soll verhindern, dass Tumorzellen dem
p53-induzierten Zelltod auf anderem Wege entkommen", erklärt Prof. Donat
Kögel, Gruppenleiter Experimentelle Neurochirurgie in der Klinik für
Neurochirurgie des Universitätsklinikum Frankfurt.

Außer dem NANO-REPLACE-Projekt war in der 9. Ausschreibung des
Förderschwerpunkts „Translationale Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe
noch ein weiteres standortübergreifendes Projekt unter Dresdner
Federführung erfolgreich, das den Einsatz künstlicher Intelligenz für
Diagnose, Prognose und Therapievorhersage bei Darmkrebs untersucht. „Wir
freuen uns, dass unter Dresdner Leitung und durch die Förderung der
Deutschen Krebshilfe wichtige Impulse ausgehen, um die Therapie und
Diagnostik für Krebspatientinnen und -patienten weiter zu verbessern“,
sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des
Universitätsklinikums Dresden.

Fakten zum Projekt:
•       Projektlaufzeit: 1. April 2023 bis 31. März 2026 (drei Jahre)
•       Konsortialpartner sind das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen
Dresden (NCT/UCC), das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen (UCT)
Frankfurt-Marburg und das Mitteldeutsche Krebszentrum (CCCG) Leipzig/Jena.
•       Das Projekt NANO-REPLACE („Genetische p53mut – Wildtyp-
Substitution: Entwicklung einer dualen Nanopartikel-basierten
Oligonukleotid-Therapie des Glioblastoms“) wird mit 955.015 Euro durch die
Deutsche Krebshilfe gefördert.

Zur Pressemitteilung steht ein Bild in druckfähiger Auflösung zur
Verfügung:
https://www.nct-dresden.de/fileadmin/media/nct-dresden/das-
nct/newsroom/pressemitteilungen/Glioblastomzellen.jpg

Bildunterschrift:
Frisch isolierte Glioblastomzellen eines Patienten in der Zellkultur
(400-fache Vergrößerung). © Prof. Temme, Uniklinikum Dresden.

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Die Nutzung ist kostenlos. Das NCT/UCC Dresden gestattet die einmalige
Verwendung in Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Thema der
Pressemitteilung. Bitte geben Sie als Bildnachweis an: „© Prof. Temme,
Uniklinikum Dresden“. Eine Weitergabe des Bildmaterials an Dritte ist nur
nach vorheriger Rücksprache mit der NCT/UCC-Pressestelle (Tel. 0351 458
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