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Augenheilkunde als Vorreiterin der Ambulantisierung DOG warnt: „Mehr ginge zu Lasten der Patientinnen und Patienten“

Ambulantisierung ist ein wichtiger Eckpunkt der großen Krankenhausreform,
die derzeit von der Krankenhauskommission der Bundesregierung erarbeitet
wird. Auf dem skizzierten Weg sieht die Deutsche Ophthalmologische
Gesellschaft (DOG) ihr eigenes Fach bereits weit fortgeschritten: Einer
aktuellen Umfrage zufolge finden in Augenkliniken heute bereits 80 Prozent
der Behandlungen ambulant statt. Im Hinblick auf die Ambulantisierung
nehme die Ophthalmologie daher eine Vorreiterrolle ein, so die DOG. Die
Fachgesellschaft warnt zugleich davor, den stationären Anteil noch
wesentlich abzusenken – ein weiterer radikaler Schritt in der
Augenheilkunde ginge auf Kosten der Patientinnen und Patienten.

Knapp über 84 Prozent – so hoch ist bereits jetzt der Anteil der
ambulanten Leistungen an Deutschlands Augenkliniken. Das ist das Ergebnis
einer Online-Umfrage, die die DOG gemeinsam mit der Vereinigung der
Ophthalmologischen Lehrstuhlinhaber (VOL) und der Vereinigung Deutscher
Ophthalmologischer Chefärzte (DOCH) durchgeführt hat. „Entsprechend werden
nur knapp 16 Prozent der Patienten stationär behandelt“, sagt Professor
Dr. med. Claus Cursiefen, Generalsekretär der DOG, der die Umfrage mit
initiiert hat.

Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2019 und markieren den vorläufigen
Endpunkt einer jahrelangen Entwicklung hin zu mehr ambulanten und weniger
stationären Behandlungen. „Mit dieser Entwicklung hat unser Fach die
aktuelle Forderung nach Ambulantisierung quasi bereits vorweggenommen“, so
Cursiefen. Hauptursache für den Trend hin zur ambulanten Augenheilkunde
sei die beeindruckende Entwicklung minimalinvasiver Operationstechniken in
den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.

Hierdurch habe sich zum einen das Behandlungsspektrum vergrößert, zum
anderen liefen die Eingriffe deutlich schonender ab und machten so eine
ambulante Versorgung überhaupt erst möglich. „Das lässt sich sehr gut an
einer der häufigsten Augenoperationen überhaupt, der Operation des Grauen
Stars, demonstrieren“, erklärt Cursiefen. Während jährlich mindestens
700.000 Kataraktoperationen in Deutschland erfolgen, wurden davon im Jahr
2021 laut Statistischem Bundesamt nur 93.922 im stationären Bereich
erbracht – das entspricht etwa 13 Prozent. „Der Eingriff findet nur noch
relativ selten stationär statt“, so Cursiefen.

An der Umfrage nahmen 56 der insgesamt 102 deutschen Augenkliniken teil,
in die Auswertung konnten 51 davon einbezogen werden. „Damit stand uns –
mit Ausnahme der Versorgung in Belegabteilungen – eine große,
repräsentative Stichprobe zur Verfügung“, sagt Dr. Philip Gass,
Geschäftsführer der DOG. In den einzelnen Kliniken seien im Index-Jahr
2019 zwischen 813 und 70.000 Behandlungen dokumentiert worden –
durchschnittlich rund 21.400 pro Klinik –, die sich rechnerisch zu einer
Gesamtzahl von knapp 1,1 Millionen addierten. „Bei 915.836 ambulanten
Behandlungen ergibt sich die erwähnte Quote von 84,1 Prozent“, erläutert
Gass. Augenkliniken erbringen somit nicht nur die gesamte stationäre
ophthalmologische Versorgung, sondern auch einen erheblichen Teil der
ambulanten.

Die stationäre zugunsten einer ambulanten Behandlung zu reduzieren, wie es
die Reformpläne vorsehen, ist für die Augenheilkunde damit kein Neuland.
„Wir begrüßen diese Tendenz prinzipiell“, sagt Cursiefen. Eine leichte
Erhöhung der ambulanten Versorgungsquote sei vermutlich auch im Bereich
der Ophthalmologie noch möglich. „Allerdings ist das Potenzial in unserem
Fach weitgehend ausgeschöpft“, merkt der DOG-Generalsekretär an.

Die DOG drängt daher darauf, bei der konkreten Ausgestaltung der Reform
Augenmaß walten zu lassen und zumindest in Hinblick auf die Augenheilkunde
zu differenzieren. „Patientinnen und Patienten mit stationärem
Behandlungsbedarf müssen auch weiterhin stationäre Leistungen in Anspruch
nehmen können“, betont Cursiefen. Dazu zählten unter anderem Kinder und
Personen mit dementiellen Erkrankungen, aber auch Menschen mit schweren
Allgemeinerkrankungen oder Komplikationen. „Eine weitere deutliche
Absenkung des stationären Anteils ginge letztlich zulasten dieser
besonders vulnerablen Gruppen“, warnt der DOG-Generalsekretär.

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Studienbereich Physiotherapie der HS Gesundheit fördert digitale Rehabilitation in Ostafrika

Ziel des Gemeinschaftsprojekts mit sieben internationalen Universitäten
ist es, den digitalen Wandel vor Ort zur Verbesserung der gesundheitlichen
Versorgung und Rehabilitation zu unterstützen

Der Studienbereich Physiotherapie der Hochschule für Gesundheit (HS
Gesundheit) in Bochum ist Teil des internationalen RADIC-Projektes
(Rehabilitation for all through digital innovation and new competencies),
das sich zum Ziel gesetzt hat, den digitalen Wandel in Ostafrika zu
unterstützen und auszubauen, um gesundheitliche Rehabilitation
beispielsweise nach Erkrankungen, Unfällen oder Operationen für alle
Menschen dort zugänglich zu machen. Am Erasmus-Projekt, das im April 2023
startete, sind neben der HS Gesundheit auch die projektleitende Jamk
University of Applied Sciences aus Finnland sowie sechs ostafrikanische
Universitäten (aus Tansania, Sansibar, Kenia und Ruanda) beteiligt.

Um die gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen vor Ort besser
einschätzen und die Bedarfe versorgen zu können sollen in den kommenden
drei Jahren eine Innovationsgemeinschaft für digitale Rehabilitation in
Ostafrika entwickelt, Kompetenzen von Klinikern, Lehrenden und
Studierenden im Bereich der digitalen Rehabilitation gestärkt und
Lehrpläne der Partnereinrichtungen hinsichtlich der multidisziplinären
digitalen Rehabilitation erneuert werden. Bereits im Mai 2023 findet der
erste Workshop an der University of Rwanda statt, bei dem der Startschuss
zur Entwicklung der Innovationsgemeinschaft fallen wird. „Diese
Gemeinschaft soll eine Bildungs- und Lernplattform für die Zusammenarbeit
zwischen den Hochschulen und dem Unternehmenssektor bieten“, sagt der
RADIC-Projektleiter der HS Gesundheit, Prof. Dr. Christian Grüneberg.
„Neben dem innovativen Charakter der technikaffinen, aber oft
unterversorgten Regionen stellen diese Projekte einen besonderen Mehrwert
für viele Studierende der HS Gesundheit dar. So haben diese im Rahmen
Ihres Bachelorstudiums Physiotherapie die Möglichkeit, sich an
verschiedenen Aktivitäten des Projekts zu beteiligen.“ Für die
Studierenden ergibt sich so bereits im Studium die Chance, aktiv an
internationalen physiotherapeutischen Forschungsprojekten mitzuwirken.
„Beispielsweise werden sich die ersten Arbeiten auf anwendbare Lösungen
zur digitalen Rehabilitation fokussieren, um so auch die Potentiale und
die Herausforderungen für Deutschland zu erkennen beziehungsweise weiter
zu entwickeln“, ergänzt Grüneberg.

Zum Hintergrund:
Der Bachelorstudiengang Physiotherapie an der HS Gesundheit bietet den
Studierenden in sieben Semestern neben dem Erwerb von wissenschaftlichen
Kompetenzen für die anwendungsorientierte Forschung ein
kompetenzorientiertes, innovatives Studium auf höchstem Niveau mit dem
akademischen Abschluss Bachelor of Science in Physiotherapie und dem
beruflichen Abschluss zum*r staatlich anerkannten Physiotherapeut*in.

Wer mehr über das Bachelorstudium Physiotherapie und den Beruf des*der
Physiotherapeut*in erfahren möchte, hat die Möglichkeit, am virtuellen
Studieninformationsabend mit dem Leiter des Studienbereichs
Physiotherapie, Prof. Dr. Christian Grüneberg, teilzunehmen. Er findet am
24. April von 18 bis 19 Uhr statt, eine vorherige Anmeldung ist nicht
erforderlich. Weitere Termine sind für den 15. Mai, 12. Juni, 26. Juni und
10. Juli 2023 geplant (jeweils ab 18 Uhr).

Über die Hochschule für Gesundheit in Bochum:
Die Hochschule für Gesundheit in Bochum hat den ambitionierten Anspruch,
die führende Bildungseinrichtung für Gesundheit in Deutschland zu sein.
2009 mit fünf Studiengängen gestartet, studieren heute über 1.800
Studierende in vielfältigen und innovativen Bachelor- und Masterprogrammen
an unserer Hochschule. Ob sie in unseren Studiengängen die Qualität der
gesundheitlichen Versorgung verbessern, den gerechten Zugang zu Gesundheit
für vielfältige Gruppen sicherstellen oder Konzepte entwickeln, wie sie
mit knappen Ressourcen im Bereich Gesundheit wirtschaftlich und
nutzbringend umgehen. Es geht uns immer darum, einen Beitrag zur
Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung der Menschen zu leisten.
Unser Studienangebot schließt aktuelle Themen wie Digitalisierung im
Gesundheitssektor, Nachhaltigkeit und Diversität aktiv mit ein.
Fachspezifisch geprägte Skills-Labs zum berufspraktischen Kompetenzerwerb,
Computerräume sowie Kommunikations- und Bewegungslabore sorgen für
hervorragende Studienbedingungen. Zudem bieten zahlreiche Kooperationen
mit unterschiedlichen Einrichtungen der Versorgungspraxis ideale
Bedingungen für praktische Studienphasen im In- und Ausland.

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Unterschätztes Risiko: Bluthochdruck bei Kindern

Rechtzeitig entdeckt, kann Bluthochdruck bei Kindern erfolgreich behandelt
werden. Wie frühzeitiges Eingreifen schwere Folgen für Herz und Gefäße
verhindern kann, erläutert der Kinderherzspezialist Prof. Dr. Robert Dalla
Pozza im aktuellen herzblatt-Sonderdruck der Deutschen Herzstiftung

Bluthochdruck gilt als stiller Killer. Still, weil er unbemerkt schweren
Schaden anrichten kann. Herz, Hirn, Nieren und Augen sowie Gefäße kann er
massiv schädigen, wenn er über Jahre unentdeckt und unbehandelt bleibt.
„Von großer gesundheitlicher Bedeutung für die einzelnen Patienten ist die
Tatsache, dass der Bluthochdruck im Kindesalter das Blutdruckniveau des
Erwachsenen bestimmt“, erklärt Prof. Dr. med. Robert Dalla Pozza,
leitender Oberarzt der Abteilung für Kinderkardiologie und pädiatrische
Intensivmedizin im LMU Klinikum München, Campus Großhadern. Den
Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen und mögliche Ursachen zu klären, sei
deshalb besonders wichtig, um mit Hilfe der Therapie vor den Folgen des
hohen Blutdrucks schützen zu können, betont der Kinderherzspezialist und
Mitautor des herzblatt-Sonderdrucks „Arterieller Bluthochdruck im
Kindesalter: eine unterschätzte Gefahr“ der Deutschen Herzstiftung und
ihrer Kinderherzstiftung. Dieser kann kostenfrei per Telefon angefordert
werden unter 069 955128-400 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
(1). Die Volkskrankheit Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) betrifft in
Deutschland nach Expertenschätzungen 20-30 Millionen Erwachsene (Infos:
www.herzstiftung.de/bluthochdruck). Von den Kindern und Jugendlichen in
Deutschland leiden rund zwei bis drei Prozent unter Bluthochdruck, das
sind etwa 400.000 Betroffene. Bei Bluthochdruck wird das Blut dauerhaft
mit zu viel Druck auf die Gefäßwände durch den Körper gepumpt. Die
dauerhafte Gefäßbelastung und sich daraus entwickelnde arteriosklerotische
Gefäßveränderungen (Gefäßverkalkung) erhöhen die Gefahr für Herz-
Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter wie Herzinfarkt, Schlaganfall
oder Nierenversagen, wenn der hohe Blutdruck unentdeckt und unbehandelt
bleibt.

Risiken erkennen und minimieren: frühzeitiger Blutdruck-Check
Insbesondere Übergewicht/Adipositas, chronische Nierenerkrankungen sowie
die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Psychopharmaka), Rauchen und
Drogenmissbrauch sind die häufigsten Risikofaktoren für den primären
Bluthochdruck im Kindes- und Jugendalter. Primär, „weil keine andere
sekundäre Ursache bekannt ist und dieser primäre, arterielle Bluthochdruck
aus dem Zusammenspiel vieler vererblicher Faktoren und Umwelteinflüssen
wie falsche Ernährung, Stress oder Übergewicht resultiert“, erläutert
Prof. Dalla Pozza.
Um die Gefahr für Herz und Gefäße rechtzeitig einzudämmen und die bereits
genannten Spätschäden (Arteriosklerose) und Komplikationen im
Erwachsenenalter frühzeitig zu verhindern, rät der Kinderkardiologe
bereits im Kleinkindalter den Blutdruck regelmäßig zu beobachten. „Eine
Blutdruckmessung sollte bei jedem Kind ab dem vierten Lebensjahr
stattfinden. Bei Kindern mit Risikofaktoren für Bluthochdruck sollte sie
bereits ab dem dritten Lebensjahr durchgeführt werden.“ Besonders bei den
rund 8.700 Kindern, die mit einem angeborenen Herzfehler jährlich in
Deutschland zur Welt kommen und außerdem mit Gefäßdefekten wie
Hauptschlagaderverengung (Aortenisthmusstenose) geboren werden, muss
sorgfältig darauf geachtet werden, dass der Blutdruck im unbedenklichen
Bereich liegt. Das gilt auch für frühgeborene Kinder, die nach der Geburt
intensivmedizinisch behandelt worden sind.

Blutdruck messen bei Kindern: Worauf sollte man achten?
Um den Blutdruck bei Kindern richtig zu messen, gibt es ein paar wichtige
Punkte zu beachten:
- Die Blutdruckmessung sollte am rechten Oberarm nach einer etwa
fünfminütigen Ruhepause erfolgen.
- Die Messungen sollten dreimal wiederholt werden.
- Bei älteren Kindern sollte im Sitzen, bei Säuglingen und kleineren
Kindern im Liegen gemessen werden.
- Die Größe der Manschette korrekt wählen: Der aufblasbare Teil sollte gut
am Arm anliegen, gegebenenfalls eine Kindermanschette wählen.
- Die Messung sollte man noch zweimal im Abstand von ein bis zwei Minuten
wiederholen: Wiederholungsmessungen fallen meist niedriger aus. Den
Mittelwert der letzten beiden Messungen notieren.
- Messungen mit vollautomatischen, sogenannten oszillometrischen Geräten,
sind mittlerweile auch bei Kindern üblich.
- Weiterhin gilt die auskultatorische Messung, also die manuelle
Blutdruckmessung mit Hilfe eines Stethoskops, als Goldstandard.
- Die Messwerte sollten mit den entsprechenden Normwerten, die für Kinder
ab einem Jahr zur Verfügung stehen, verglichen werden.

Um die Diagnose Bluthochdruck zu sichern beziehungsweise den Erfolg einer
Behandlung zu prüfen, sollte auch bei Kindern eine 24-Stunden-
Langzeitblutdruckmessung erfolgen. „Eine Bestätigung der Diagnose muss von
einem Facharzt durch mehrere Blutdruckmessungen im Abstand von einigen
Tagen bis Wochen erfolgen“, betont der Kinderkardiologe Prof. Dalla Pozza.
Steht die Diagnose arterieller Bluthochdruck fest, folgen u.a.
Ultraschalluntersuchungen von Herz und Nieren. Beim Augenarzt gibt eine
Spiegelung des Augenhintergrunds Auskunft über Gefäßveränderungen (Gefahr
der Arteriosklerose). Je jünger ein Kind ist, desto wahrscheinlicher ist
ein sekundärer Bluthochdruck. Im Säuglingsalter handelt es sich immer um
einen sekundären Bluthochdruck, wobei angeborene Nieren- und
Herzerkrankungen als Ursachen im Vordergrund stehen. „Bei älteren Kindern
ist ein primärer Bluthochdruck wahrscheinlicher. Dabei handelt es sich in
vielen Fällen um eine familiär gehäuft vorkommende arterielle Hypertonie
ohne erkennbare Ursache“, erklärt Prof. Dalla Pozza.

Gesund leben: Ohne Medikamente Kinder vor Bluthochdruck schützen
Fast die Hälfte der Kinder in Deutschland bewegt sich zu wenig. „Mangelnde
Bewegung, erhöhte Kalorienzufuhr durch unbewusstes und unkontrolliertes
Snacken stellen ein Risiko für die Entwicklung einer Hypertonie dar“,
warnt Prof. Dalla Pozza. Laut einer Forsa-Umfrage im Mai 2022 (2) ist
jedes sechste Kind in Deutschland dicker geworden und fast ein Drittel der
Kinder isst mehr Süßes. Im Vergleich zu Kindern mit normalem Gewicht haben
fettleibige Kinder ein mehr als zehnfach erhöhtes Risiko für
Bluthochdruck, warnen Kinder- und Jugendmediziner (3).
Um den Blutdruck zu senken, eignen sich für Kinder ebenso wie für
Erwachsene Ausdauersportarten, die den Blutdruck stärker senken als
Krafttraining. Bei deutlich erhöhten Blutdruckwerten wird Patienten bis
zur Senkung der Blutdruckwerte von statischen Belastungen (z. B.
Mountainbiking, Krafttraining, Alpinskilauf, Rudern) abgeraten. Täglich 60
Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität werden zur Prävention
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen.
Extrem zuckerhaltige Getränke, Drinks mit Koffeingehalt und Alkohol
steigern den Blutdruck ebenso wie Rauchen (auch passives der Eltern),
Drogen (z.B. Ecstasy, Kokain, Crack und Amphetamine) und sollten unbedingt
vermieden werden. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist ebenfalls zur
Vorbeugung von Risikokrankheiten wie Bluthochdruck wichtig. Weg vom
Weißmehlbrötchen, hin zu herzgesunder abwechslungsreicher Ernährung. Auch
Kinder mögen knackiges Obst und Gemüse, richtige Vermittlung und Anleitung
vorausgesetzt. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt daher die
Mittelmeerküche (https://herzstiftung.de/mediterrane-rezepte). Sie besteht
vorwiegend aus ballaststoff- und proteinreichen Lebensmitteln und ist
reich an frischem Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten,
pflanzlichen Ölen, Nüssen, Fisch, Salaten und Kräutern. Reichen diese
Behandlungsmöglichkeiten nicht aus, empfehlen Mediziner zusätzlich eine
medikamentöse Therapie.

Blutdrucksenkung mit Medikamenten
Problem sind die noch nicht ausreichenden Studienergebnisse für Präparate
im Kindesalter, so dass auch sogenannte Off-Label-Produkte mit
ausführlicher Risiko-Nutzen-Aufklärung eingesetzt werden. Wegen ihrer
ungünstigen Nebenwirkungen werden Betablocker Kindern eher selten
verschrieben. Erstes Mittel der Wahl sind ACE Hemmer (Angiotensin-
Converting-Enzyme-Hemmer), die an Enzymen und Hormonen des RAAS (Renin-
Angiotensin-Aldosteron-System) ansetzen. Das RAAS besteht aus Enzymen und
Hormonen, die entscheidend mitwirken an der Regulation des Blutdrucks und
des Flüssigkeitshausaltes. Ähnlich blutdrucksenkend wie ACE-Hemmer und oft
besser verträglich sind AT1-Rezeptorblocker (hemmen u.a. die Bildung des
Hormons Angiotensin2, das Blutgefäße verengt und als Folge steigt der
Blutdruck). Lästige Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und
Wasseransammlungen in den Beinen haben Kalziumantagonisten. Sie zählen
dennoch zu den sehr wirksamen Präparaten zur Behandlung des gefährlichen
Bluthochdrucks.
(sh/wi)

Service-Tipps

Der Artikel „Arterieller Bluthochdruck im Kindesalter: eine unterschätzte
Gefahr“ von Prof. Dr. Robert Dalla Pozza ist im gleichnamigen aktuellen
Sonderdruck von herzblatt, der Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung zum
Leben mit angeborenem Herzfehler enthalten. Ein
Probeexemplar/Rezensionsexemplar dieses Sonderdrucks kann kostenfrei bei
der Kinderherzstiftung angefordert werden unter Tel. 069 955128-400 oder
per Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Der Artikel „Hoher Blutdruck schadet schon Kindern“ von Prof. Dr. Elke
Wühl in der Herzstiftungs-Broschüre „Bluthochdruck: Herz und Gefäße
schützen“ kann kostenfrei angefordert werden bei der Herzstiftung unter
Tel. 069 955128-400 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Online-Seminar: „Arterieller Bluthochdruck im Kindes- und Jugendalter“

Wann: Mittwoch, 19. April 2023, Start 17:30 Uhr
Link: https://herzstiftung.de/live
Referent: Prof. Dr. med. Robert Dalla Pozza, stellv. Leiter der Abteilung
für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin des LMU Klinikum
München Campus Großhadern
Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Der Vortrag des Kinderkardiologen richtet sich an interessierte Eltern,
Familien mit betroffenen Kindern mit/ohne angeborenem Herzfehler sowie an
betroffene Jugendliche. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen an
den Experten zu richten. Für die Teilnahme ist kein Einschalten von Kamera
und Mikrofon erforderlich. Fragen zu diesem Online-Seminar können vorab an
kinderherzstiftung@herzstiftung.de gesendet werden.

Schon gewusst? Die Kinderherzstiftung feiert 30-jähriges Jubiläum:
https://herzstiftung.de/30-jahre-khs

Bild- und Fotomaterial erhalten Sie auf Anfrage unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder per Tel. unter 069 955128-114

Quellen:
(1)     Dalla Pozza, R., Weil, J., Arterieller Bluthochdruck im
Kindesalter: eine unterschätzte Gefahr, Sonderdruck von herzblatt, der
Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung zum Leben mit angeborenem
Herzfehler, Frankfurt a. M., 2023
(2)     Pressemeldung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (https
://adipositas-gesellschaft.de) „forsa-Umfrage zeigt Folgen der Corona-
Krise für Kinder: Gewichtszunahme, weniger Bewegung, mehr Süßwaren – Jedes
sechste Kind ist dicker geworden“ vom 31.05.2022 (abgerufen am 12.04.2023)
(3)     Wühl, E., Hoher Blutdruck schadet schon Kindern, in: Deutsche
Herzstiftung (Hg.), Bluthochdruck: Herz und Gefäße schützen, Frankfurt a.
M. 2021

Zusatz-Informationen für Redaktionen zum Thema Bluthochdruck bei Kindern:

Die Schweregrade des Bluthochdrucks
Mediziner unterscheiden beim arteriellen Bluthochdruck bei Kindern
bestimmte Schweregrade und teilen sie in sogenannte Perzentile
(Hundertstelwerte) ein. Diese Messwerte dienen als Vergleichsgröße.

- Hochnormaler Blutdruck: Werte über 90. Perzentile
Nur wenn zusätzliche Risikofaktoren wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Diabetes mellitus oder chronische Nierenerkrankungen vorliegen, wird
empfohlen, den Blutdruck abzusenken. Zur Risikoverminderung sollten nicht
medikamentöse Maßnahmen ergriffen werden.
- Bluthochdruck Grad 1: Werte über 95. Perzentile
Eine Behandlung mit Medikamenten ist notwendig. Begleitet werden sollte
sie von nicht medikamentösen Maßnahmen zur Reduktion des Herz-Kreislauf-
Risikos.
- Bluthochdruck Grad 2: Werte über 99.Perzentile
Stationäre Behandlung und Überwachung sind erforderlich. Intensivbehandelt
werden muss, wenn weitere Symptome wie Herzschwäche, Schwindel oder
Benommenheit auftreten (Hypertensiver Notfall).

Weitere Literatur
Lurbe, E. et al. (2009): Management of high blood pressure in children and
adolescents: recommendations of the European Society of Hypertension. doi:
10.1097/HJH.0b013e32832f4f6b

Flynn, J. T. et al. (2017): Clinical Practice Guideline for Screening and
Management of High Blood Pressure in Children and Ado- lescents. doi:
10.1542/peds.2017-1904

Perk, J. et al. (2012): European Guidelines on cardiovascular disease
prevention in clinical practice (version 2012): The Fifth Joint Task Force
of the European Society of Cardiology and Other Societies on
Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice (constituted by
representatives of nine societies and by invited experts). doi:
10.1093/eurheartj/ehs092

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Ärztliche Basisfertigkeiten trainieren

SkillsLab am Uniklinikum Jena von der Gesellschaft für Medizinische
Ausbildung zertifiziert

Spätestens im klinischen Teil des Studiums ist es für Medizinstudierende
soweit: Sie nehmen erstmals ihre spätere Rolle als Ärzte ein – und eigene
kleinere Untersuchungen vor. Um vorab ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es
ist, an echten Patienten Blut abzunehmen, ihr Ohr zu untersuchen oder
Erste Hilfe zu leisten, gibt es das sogenannte Skills Lab an der
Medizinischen Fakultät der Uni Jena. Hier können angehende Medizinerinnen
und Medizinern in einem geschützten Raum an lebensechten Modellen und mit
Schauspielpatienten ihre praktischen Basisfertigkeiten trainieren –
angeleitet von Tutorinnen und Tutoren, die selbst noch studieren. Auf
Augenhöhe, eng verflochten mit dem Lehrplan und in enger Verbindung mit
Ärztinnen und Ärzten am UKJ, die sich für die studentische Lehre als
klinische Partner engagieren. Dass das Lehrkonzept nicht nur die
Medizinstudierenden selbst begeistert, sondern auch objektiv
ausgezeichnete Qualitätskriterien erfüllt, zeigt die nun erfolgte
Zertifizierung durch den Ausschuss für praktische Fertigkeiten der
Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Dieser bescheinigt dem
SkillsLab Jena den Goldstandard in der simulationsbasierten Lehre.
Besonders überzeugt haben die Gutachter die Ausbildung der studentischen
Tutorinnen und Tutoren, die enge Einbettung ins Medizinstudium sowie die
interprofessionellen Lehrangebote.

Rund 50 studentische Tutorinnen und Tutoren betreuen im SkillsLab Jena
unterschiedliche Kurse, von Händedesinfektion über das Anlegen eines EKG
hin zum Angehörigengespräch, und schulen so die angehenden Ärztinnen und
Ärzte in Diagnostik, Therapie und Kommunikation. Angelehnt an die spätere
Ausbildung am Krankenbett auf Station bestehen die Kurse aus
Kleinstgruppen, in der Regel betreut ein Tutor sechs Studierende. Die
Tutoren selber werden auf ihre Rolle eingehend vorbereitet und sowohl
medizinisch als auch didaktisch geschult und eingearbeitet. Das
strukturierte Einarbeitungskonzept setzt dabei vor allem auf peer to peer
– Tutoren arbeiten künftige Tutoren ein –, aber auch auf die Vermittlung
didaktischer Fertigkeiten durch Pädagoginnen des SkillsLab sowie die enge
Zusammenarbeit mit den klinischen Partnern am UKJ. „Wir sind hier keine
Insel“, beschreibt es Urte Mille, Leiterin des SkillsLab. „Die Kursinhalte
am SkillsLab erarbeiten immer klinische Partner zusammen mit den Tutoren,
damit das, was den Studierenden hier vermittelt wird, auch den Lernzielen
entspricht.“ Die Fertigkeiten, welche die Tutoren den Studierenden im
SkillsLab beibringen, sind allesamt Basisfertigkeiten, beispielsweise
Blutabnehmen oder sich steril im OP einkleiden. Alle Kurse, die im
SkillsLab angeboten werden, sind vollständig ins Medizinstudium
eingebettet, also Pflicht- bzw. Wahlpflichtveranstaltungen. „Man muss
natürlich gut durchdenken: Was kann ein Student vermitteln und was sollte
einem Arzt vorbehalten sein“, sagt Mille. Spezielle Fertigkeiten lernen
die Studierenden dann später selbstverständlich im klinischen Kontext des
Studiums. Vom SkillsLab werden zukünftig neben den Studierenden der Human-
und Zahnmedizin auch Berufe profitieren. Schon jetzt gibt es Kurse für
Hebammenstudierenden der Ernst-Abbe-Hochschule oder die
Pflegeauszubildenden des UKJ, beispielsweise zu Geburt und Schwangerschaft
oder Deeskalation. Diese interprofessionellen Lehrangebote sollen
zukünftig im Sinne einer gemeinsamen Patientenversorgung erweitert werden.

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