Zum Hauptinhalt springen

Gesunder Schlaf: Warum er so wichtig für das Herz ist

Schlechter Schlaf und zu wenig davon schädigt dauerhaft Herz und
Kreislauf. Was ein gesunder Schlaf ist und wann Schlafstörungen krankhaft
werden, erklärt ein Herzspezialist im aktuellen Herzstiftungs-Podcast

Gesunder Schlaf wirkt wie ein Medikament: Während der Nachtruhe erholt
sich der Körper, Stoffwechselprozesse wie der Fett- und Zuckerstoffwechsel
werden reguliert, das Immunsystem gestärkt und zelulläre Reparaturprozesse
angestoßen. Auch der Blutdruck wird während der Nachtruhe langfristig
konstant gehalten. Umgekehrt hat Schlafmangel gravierende Folgen für den
Körper – insbesondere für das Herz: „Wer dauerhaft zu wenig oder schlecht
schläft, erhöht dadurch sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder
kann dadurch bereits bestehende Erkrankungen wie die koronare
Herzkrankheit oder das metabolische Syndrom beschleunigen“, warnt der
Herzspezialist Prof. Dr. med. Dr. phil. Anil-Martin Sinha vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung im aktuellen
Herzstiftungs-Podcast der imPULS-Reihe unter www.herzstiftung.de/podcast-
schlaf
Wie viel Schlaf ist gesund, was macht einen „gesunden“ Schlaf aus und
welche Auswirkungen haben schlafbezogene Atemstörungen wie die Schlafapnoe
auf Herz und Kreislauf? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der
Chefarzt der Abteilung für Kardiologie, Nephrologie, Pneumologie und
Internistische Intensivmedizin am Sana Klinikum Hof im aktuellen
Herzstiftungs-Podcast.

Dauerhafter Schlafmangel: Warum schädlich für Herz und Gefäße?
Während wir schlafen ist das Gehirn hochaktiv. In den verschiedenen
Schlafphasen formt und festigt sich das Gedächtnis und ein Großteil an
Informationen, die tagsüber aufgenommen wurden, werden beim Schlafen
wieder gelöscht. „Zwischen der Leistungsfähigkeit des Gehirns und der
Qualität des Schlafes besteht ein enger Zusammenhang“, sagt Prof. Sinha.
Nicht nur für die geistige, auch für die körperliche Regeneration ist ein
erholsamer Schlaf wichtig. Denn während wir schlafen, werden
Metabolisierungsprozesse wie Fett- und Zuckerstoffwechselprozess so
reguliert, dass der Körper all das, was er am Tag aufgenommen hat,
verarbeiten kann. Zudem werden Hormone so reguliert, dass sie zur
richtigen Tageszeit zur Verfügung stehen wie das Stresshormon Cortisol
oder das Schlafhormon Melatonin. Umgekehrt bedeutet dauerhaft schlechter
Schlaf Stress. „Der Körper ist aktiv und wird gezwungen, zum Beispiel
seine Stresshormone aufrechtzuerhalten, die sonst runtergefahren werden“,
erläutert der Kardiologe: „Stress aber löst einen zu schnellen Puls und
einen zu hohen Blutdruck aus. Bis der Patient das merkt, ist es allerdings
meistens schon zu spät, weil man hohen Blutdruck zunächst nicht spürt.“
Zudem wirken die gestörten Stoffwechselprozesse „wie ein
Brandbeschleuniger“ auf das metabolische Syndrom, bei dem sich massives
Übergewicht, erhöhte Blutzucker- und Fettstoffwechselwerte sowie
Bluthochdruck bündeln. Das metabolische Syndrom ist eine der Hauptursachen
der koronaren Herzkrankheit (KHK) und lebensbedrohlicher Komplikationen
wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

„Schlaf sollte wohldosiert sein“
Von einer Schlafstörung spricht man, wenn ein Mensch über einen Zeitraum
von einem Monat oder länger mindestens dreimal pro Woche Schwierigkeiten
mit dem Ein- oder Durchschlafen hat. Häufig stecken psychische,
neurologische oder andere körperliche Erkrankungen hinter einer
Schlafstörung. Ein gesunder Schlaf dauert aus Sicht von Schlafmedizinern
zwischen sechs und acht Stunden. „Wobei das individuell und auch in den
Altersgruppen unterschiedlich sein kann“, betont Kardiologe Prof. Sinha im
Podcast. Während Erwachsene meist mit einer Schlafdauer zwischen sechs und
neun Stunden und Senioren manchmal auch mit weniger als sechs Stunden
hinkommen, brauchen Schulkinder in der Regel neun bis elf und Säuglinge
sogar 14 bis 17 Stunden Schlaf. „Schlaf sollte wohldosiert sein“, bringt
es Prof. Sinha auf den Punkt. Denn auch dauerhaftes zu viel Schlafen könne
zu fehlgesteuerten Stoffwechselprozessen führen, die schädlich für den
Körper sind.

Vorsicht bei Verdacht auf Schlafapnoe
Zu einer der häufigsten Schlafstörungen zählt die Schlafapnoe, bei der es
während des Schlafs immer wieder zu Atemaussetzern kommt. Rund acht bis
zehn Prozent der Männer und zwei bis fünf Prozent der Frauen in
Deutschland sind nach Experten-Angaben von Schlafapnoe betroffen. Kurze
Aufwachreaktionen, die wir meist gar nicht bemerken, sind harmlos. Bei
Patienten mit der Schlafapnoe treten sie aber bis zu 300-mal pro Nacht
auf, bedingt durch Atemaussetzer. Dauert dabei die Atempause mindestens
zehn Sekunden, spricht man in der Medizin von einer gestörten Atmung.
Typische Symptome der Schlafapnoe sind Schnarchen und eine große
Tagesmüdigkeit. Schnarchen allein ist – außer für den Bettnachbarn – kein
Problem. „Erst wenn es beim Schnarchen zwischendrin zu den Atemaussetzern
kommt, liegt eine Schlafapnoe vor“, erklärt Sinha. „Und diese
Atemnaussetzer, die sind dann schon ein mords Stress, den man dem Körper
zumutet.“ Denn Zellen und Organe werden nicht mehr ausreichend mit
Sauerstoff versorgt und der Körper gerät dann in einen Alarmzustand, so
dass Blutdruck und Herzfrequenz steigen. Bei mehr als 15 Atemaussetzern
pro Stunde liegt eine moderate Schlafapnoe vor, bei mehr als 30 Aussetzern
pro Stunde spricht man von einer schweren Schlafapnoe. Bei Verdacht auf
Schlafapnoe sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen, rät der
Kardiologe: „Eine unbehandelte Schlafapnoe erhöht das Risiko für
Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall und verkürzt die
Lebenserwartung.“

Tipps für einen besseren Schlaf
Neben körperlichen Ursachen können auch Stress im Alltag, schwere
Mahlzeiten am Abend oder generell ein ungesunder Lebensstil
Schlafstörungen begünstigen. Wer schlecht ein- oder durchschläft, sollte
daher abends nur leichte, proteinreiche Mahlzeiten zu sich nehmen und
mindestens vier Stunden vor dem Schlafengehen keinen Kaffee mehr trinken.
Weitere Tipps für einen gesunden Schlaf sind unter anderem:

- Sorgen Sie für eine Art Abend- und Schlafroutine: Gehen Sie abends etwa
immer zur gleichen Zeit ins Bett. Einschlaf- und Aufstehzeit sollten
jeweils nicht um mehr als 30 Minuten variieren.
- Das Schlafzimmer sollte kühl, ruhig und abgedunkelt sein – ideal sind 18
Grad. Frische Luft sorgt ebenfalls für besseren Schlaf.
- Regelmäßige Schlafrituale wie Atemübungen, das Anhören ruhiger Musik
oder Meditation helfen dabei, zur Ruhe zu kommen und besser einzuschlafen.
- Meiden Sie am späten Abend elektronische Geräte wie Computer, Smartphone
oder Tablet (Blaulichtemissionen!).
- Regelmäßiger Sport verbessert den Schlaf – allerdings nicht, wenn Sie
spät abends aktiv sind. Verlegen Sie Ihre körperliche Aktivität daher auf
die Zeit vor 18 Uhr.

Service
Mehr Tipps für einen gesunden Schlaf sowie Informationen zu Ursachen und
Folgen von Schlafstörungen erhalten Sie im aktuellen Herzstiftungs-Podcast
„Warum wird unser Herz krank, wenn uns Schlaf fehlt?“ unter
www.herzstiftung.de/podcast-schlaf und in der  Ausgabe 2/2022 der
Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute mit dem Titel „Herzgesund schlafen“.
Ein Exemplar dieser Ausgabe kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder
unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden. Unter
www.herzstiftung.de finden Sie per Suchfunktion-Eingabe „Schlaf“ weitere
hilfreiche Infos.

  • Aufrufe: 103

Angeborene Herzfehler: Mit dem „Herzlotsen“ schnell und bequem Kliniken und Ärzte finden

Für die medizinische Versorgung von Kindern und Erwachsenen mit
angeborenem Herzfehler (EMAH) sind ausgewiesene Kinderherz- und EMAH-
Spezialisten in Kliniken und Praxen gefragt. Bei der Online-Suche hilft
jetzt der Klinik- und Arztfinder „Dein Herzlotse“ der Herzstiftung

Um Patienten mit angeborenem Herzfehler medizinisch zu versorgen, ist
kinderkardiologische Expertise gefragt. Angeborene Herzfehler (AHF) sind
komplex: Etwa 40 verschiedene sind bekannt, viele davon noch mit weiteren
Untergruppen. Zu den typischen Herzfehlern gehören Veränderungen an den
Herzkammern, an den Herzklappen oder an den Trennwänden zwischen den
Herzkammern (Loch in der Herzscheidewand). „Eine zuverlässige und
zielführende Arzt- oder Kliniksuche ist für Eltern mit einem herzkranken
Kind, aber auch für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler, deshalb
besonders wichtig. Angeborene Herzfehler bedürfen einer kontinuierlichen
und lebenslangen fachärztlichen Nachsorge, um Komplikationen zu
vermeiden“, betont Prof. Dr. Stefan Hofer, Vorstandsmitglied der Deutschen
Herzstiftung und Elternvertreter herzkranker Kinder. Mit dem Online-
Suchdienst „Dein Herzlotse“ bietet die Kinderherzstiftung in der Deutschen
Herzstiftung unter  https://herzstiftung.de/dein-herzlotse einen
zuverlässigen und aktuellen Arzt- und Klinikfinder.

Etwa 330.000 EMAH leben heute in Deutschland
Angeborene Herzfehler kommen bei ca. 1,1 Prozent der Neugeborenen vor.
Entsprechend werden pro Jahr in Deutschland 8.000 bis 9.000 Kinder mit
einem AHF geboren. Mehr als 95 Prozent von ihnen erreichen heute dank der
Behandlungsfortschritte das Erwachsenenalter. So leben nach
Expertenschätzungen 330.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH)
in Deutschland. Etwa 25.000 Patienten mit AHF werden pro Jahr in
Deutschland vollstationär behandelt und rund 5.600 Operationen von AHF
durchgeführt. Im Vorfeld eines Eingriffs stellen sich Betroffene womöglich
Fragen wie: Wo werde ich am besten behandelt? Wo finde ich einen passenden
Spezialisten? Wer dann nach einem Kinderkardiologen oder nach Kliniken mit
dem Schwerpunkt „angeborene Herzfehler“ sucht oder wissen möchte, ob ein
Krankenhaus für die Behandlung von EMAH spezialisiert ist, nutzt am besten
den neuen Herzlotsen der Kinderherzstiftung/Deutschen Herzstiftung. „Die
erfolgreiche Suche einer Klinik oder Praxis ist für betroffene Eltern oder
erwachsene Patienten mit angeborenem Herzfehler eine enorme Hilfe. Das
kann bei einem Ortswechsel aus beruflichen Gründen der Fall sein. Oder das
Kind wird langsam älter, wächst aus der kinderkardiologischen Versorgung
heraus und braucht eine spezielle EMAH-Versorgung“, weiß Herzstiftungs-
Vorstand Hofer. Der Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und
Notfallmedizin am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern ist selbst Vater von
zwei Kindern mit einem angeborenen Herzfehler.

Dank Herzlotsen wichtige Fragen vorab klären: Dürfen Eltern mit auf die
Station?
Auch weil die Versorgungsdichte an Kinderkardiologen und Kardiologen mit
EMAH-Zusatzqualifikation in Deutschland regional stark variieren kann,
kann der „Herzlotse“ für Betroffene in Gebieten mit einer geringen
fachärztlichen Versorgungsdichte eine zusätzliche Hilfe bei der Arzt- und
Kliniksuche sein. Er enthält wichtige Basisdaten wie Adresse und
Kontaktdaten eines Kinderherzzentrums, einer Klinik oder Praxis mit
kinderkardiologischem und/oder mit EMAH-Schwerpunkt. Zusätzlich erfasst
der Herzlotse viele weitere nützliche Informationen, z. B.

- zum therapeutischen und diagnostischen Leistungsangebot (Zahl der
Eingriffe pro Jahr, Art der Verfahren
kinderkardiologisch/-herzchirurgisch),
- zur Personalausstattung, zum ambulanten Bereich (Zahl prä- und
postoperativer Betreuungen pro Jahr) und
- zur EMAH-Fachexpertise (EMAH-Zertifikat/-Zusatzqualifikation) einer
Klinik oder Praxis.

„Für Eltern ist ein zentraler Punkt, wenn bei ihrem Kind ein längerer
Klinikaufenthalt wegen einer Herzoperation ansteht, ob sie auf die Station
mitaufgenommen werden können“, erklärt Hofer. „Der Herzlotse zeigt an, ob
Kliniken eine Mitaufnahme von Eltern auf die Station ermöglichen.“

Expertise der herzmedizinischen Fachgesellschaften fließt in Herzlotsen
ein
Mit rund 230 Klinik- und Praxis-Adressen ist der Herzlotse unter
https://herzstiftung.de/dein-herzlotse der umfangreichste Arzt- und
Klinikfinder auf dem Gebiet der angeborenen Herzfehler. Eine derart
umfangreiche Datengrundlage ist insbesondere der Unterstützung durch die
herzmedizinischen Fachgesellschaften, den Deutschen Gesellschaften für
Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK), für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) sowie für Kardiologie – Herz- und
Kreislaufforschung (DGK), zu verdanken. „Ein angeborener Herzfehler
erfordert neben der akuten medizinischen Versorgung eine lebenslange
regelmäßige Nachsorge bei einem Spezialisten. Der ,Herzlotse‘ ist hierbei
eine wertvolle Hilfe, eine fachärztliche Betreuung in nächster Nähe zu
finden“, betont Prof. Dr. Matthias Gorenflo, Präsident der DGPK und
Direktor der Klinik für Pädiatrische Kardiologie am Universitätsklinikum
Heidelberg.
(wi)

„Dein Herzlotse“: Der Arzt- und Klinikfinder ist erreichbar unter
https://herzstiftung.de/dein-herzlotse

Bildmaterial wie das Herzlotse-Logo kann angefordert werden per Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder per Tel. unter 069 955128-114

Service-Tipp

Online-Seminar: „Arterieller Bluthochdruck im Kindes- und Jugendalter“

Wann: Mittwoch, 19. April 2023, Start 17:30 Uhr
Link: https://herzstiftung.de/live
Referent: Prof. Dr. med. Robert Dalla Pozza, stellv. Leiter der Abteilung
für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin des LMU Klinikum
München Campus Großhadern
Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Der Vortrag des Kinderkardiologen richtet sich an interessierte Eltern,
Familien mit betroffenen Kindern mit/ohne angeborenem Herzfehler sowie an
betroffene Jugendliche. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen an
den Experten zu richten. Für die Teilnahme ist kein Einschalten von Kamera
und Mikrofon erforderlich. Fragen zu diesem Online-Seminar können vorab an
kinderherzstiftung@herzstiftung.de gesendet werden.

  • Aufrufe: 87

Neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Asthma speziell für Fachärztinnen und -ärzte veröffentlicht

Es gibt ab sofort eine verbesserte Entscheidungshilfe für eine gezielte,
moderne Asthma-Therapie, die auch relevante Themen wie Berufswahl und
digitale Unterstützungssysteme neu berücksichtigt: Die jetzt
veröffentlichte und umfassend überarbeitete S2k-Leitlinie „Fachärztliche
Diagnostik und Therapie von Asthma“ richtet sich in erster Linie an
pneumologisch tätige Fachärztinnen und -ärzte und wird heute im Rahmen des
Pneumologie-Kongresses in Düsseldorf präsentiert. Auf Basis neuester
wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden bestehende Kapitel der letzten
Leitlinien-Fassung aus dem Jahr 2017 umfassend ergänzt und überarbeitet,
etwa zum Einsatz von Biomarkern in der Asthma-Diagnostik oder zur
Anwendung von Biologika in der Asthma-Therapie. Die aktualisierten
Empfehlungen ergänzen die nationale Versorgungsleitlinie Asthma in
sinnvoller Weise: „Während die S3-Leitlinie aus dem Jahr 2020 für die
allgemeine Asthma-Versorgung in der Breite gedacht ist, richtet sich
unsere neue S2k-Leitlinie durch ihre Detailtiefe insbesondere an die
Bedürfnisse pneumologisch tätiger Fachärztinnen und Fachärzte“, erklärt
Leitlinien-Koordinator Professor Marek Lommatzsch, leitender Oberarzt der
Abteilung Pneumologie an der Universitätsmedizin Rostock. Federführende
Fachgesellschaft dieser Arbeit ist die Deutschen Gesellschaft für
Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), elf weitere (Fach-)Gesellschaften
aus Deutschland und Österreich waren an der intensiven Überarbeitung
beteiligt.

Gleich zu Beginn der Leitlinie – auch das ist neu – werden explizit zwei
wichtige Punkte hervorgehoben. Der erste Punkt bezieht sich auf den
Paradigmenwechsel in der Asthma-Therapie. „Vor einigen Jahren noch galt
noch das Paradigma der Symptom-Bekämpfung: Wenn ein Patient bestimmte
Symptome hatte, wurden Medikamente zur Symptomlinderung eingesetzt. Das
hat sich fundamental geändert. In der modernen Asthma-Therapie gilt das
Paradigma der Symptomprävention: Das heißt, wir können mit den modernen
Medikamenten verhindern, dass überhaupt erst Symptome entstehen. In der
breiten ärztlichen Versorgung ist dieser Paradigmenwechsel teilweise
leider noch nicht angekommen, hier wird Asthma oft immer noch allein mit
Bedarfsmedikamenten behandelt, welche die zugrundeliegende
Atemwegsentzündung nicht nachhaltig verringern“, so Lommatzsch. Damit im
Zusammenhang steht die zweite wichtige Neuerung der Leitlinie: die
erstmalige Benennung der sogenannten Asthma-Remission als Therapieziel.
Das bedeutet: Mithilfe verschiedener Medikamente, die möglichst
nebenwirkungsarm und nachhaltig die Atemwegsentzündung verhindern, wird
die Asthma-Erkrankung langfristig „schlafen gelegt“, also in Remission
gebracht. „Zuvor gab es nur das Therapieziel der kurzfristigen Asthma-
Kontrolle. Dieses Ziel wird durch die Asthma-Remission ergänzt. An den
Therapiezielen orientiert sich individuell die Auswahl der Medikamente“,
erklärt Lommatzsch.

Kleine Revolution in der Diagnostik: Biomarker-Test als unverzichtbar
bezeichnet



Während sich bisherige Leitlinien in puncto Asthma-Diagnostik sehr stark
auf die Lungenfunktionsmessung fokussierten, werden in der vorliegenden
Leitlinie auch drei Biomarker als Diagnose-Tools in den Vordergrund
gerückt. Insbesondere dem sogenannten FeNO-Test, bei dem der Gehalt an
Stickstoffmonoxid (NO) in der ausgeatmeten Luft gemessen wird, kommt dabei
eine besondere Bedeutung zu. „Der Test ist mittlerweile so genau, dass
auch geringste Mengen NO sicher gemessen werden können – und das kann ein
wichtiger Indikator sein: Je höher der Stickstoffanteil in der
Ausatemluft, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient oder
die Patientin Asthma hat. Und desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit,
dass er oder sie auf bestimmte Symptom-präventive Medikamente anspricht“,
erklärt Lommatzsch. Dennoch wird der FeNO-Test in Deutschland bisher nicht
von den Krankenkassen finanziert und ist dementsprechend noch nicht weit
verbreitet in der Praxis. „Auf Basis der erdrückenden wissenschaftlichen
Evidenz haben wir die FeNO-Testung als unverzichtbaren Bestandteil der
fachärztlichen Diagnostik in dieser Leitlinie bezeichnet. Wir wollen mit
dieser klaren Positionierung auch politische Entscheidungsträger und
Kostenträger davon überzeugen, den Test für eine breitere Anwendung
zugänglich zu machen. Das ist schon eine kleine Revolution für eine
Leitlinie: einen Test als unverzichtbar zu bezeichnen, der von den
Krankenkassen bislang gar nicht bezahlt wird“, so Lommatzsch.

Neuheiten in der Therapie: Gezielter Einsatz von Biologika



Auch im Bereich Asthma-Therapie enthält die aktualisierte Leitlinie
zahlreiche Neuheiten und Überarbeitungen. Im Zusammenhang mit schwerem
Asthma etwa gibt es neben einer neuen Grafik zur Definitionsklärung auch
eine konkrete Handlungsanweisung zum Einsatz von sechs Biologika, also
Medikamenten aus biologischen Substanzen. „Die Kolleginnen und Kollegen
können so genau ableiten, für welchen Patienten oder welche Patientin sich
welches Biologikum individuell eignet und so ganz gezielt behandeln. Das
gab es vorher in dieser Form nicht“, erläutert der Pneumologe. Ein neues
Kapitel gibt es auch zum Umgang mit Nebennieren-Insuffizienz, einer
Nebenwirkung durch langjährige Therapie mit Prednisolon – einem
Medikament, das früher bei schwerem Asthma eingesetzt wurde.
Asthma im Kontext: Von Berufswahl über Schwangerschaft bis hin zu
Digitalisierung
Zu ganz unterschiedlichen und relevanten Themenfeldern, die Asthma
tangieren, wurden komplett neue Kapitel verfasst. Zum Beispiel ein
Kapitel, in dem es um die Berufswahl von Jugendlichen mit Asthma geht. Ein
weiteres neues Kapitel behandelt speziell die Situation von Schwangeren
mit Asthma. Ein anderes befasst sich mit Begleiterkrankungen, die den
Erfolg der Asthma-Therapie erheblich mit beeinflussen. Dabei wird auch das
Wechselspiel zwischen Asthma und Psyche thematisiert. Hinzugefügt hat das
Autorenteam um Professor Lommatzsch außerdem ein eigenes Kapitel zu
digitalen Unterstützungssystemen in der Diagnostik und Therapie von
Asthma. „Hier haben wir die Evidenz zusammengetragen, welche Bedeutung und
Wertigkeit Apps haben zur Selbstkontrolle, zum Monitoring oder zur
Kommunikation mit der Ärzteschaft“, erklärt er.

  • Aufrufe: 89

Pneumologie-Forschungspreise über 20.000 Euro verliehen: Arbeiten zu Asthmatherapie und Atemnot ausgezeichnet

Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft
für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) für die beste
grundlagenwissenschaftliche Arbeit geht in diesem Jahr an Dr. Bilal
Alashkar Alhamwe von der Philipps-Universität Marburg. Ausgezeichnet wird
er für zwei herausragende Publikationen, in denen er die Schutzfunktion
von Umweltbakterien bei Bronchialasthma sowie die Immuntoleranz von
regulatorischen T-Zellen untersucht, die beispielsweise das Entstehen von
chronischen Entzündungen und Autoimmunkrankheiten verhindern. Der
ebenfalls mit 10.000 Euro dotierte DGP-Forschungspreis für die klinische
Forschung geht an Privatdozent Dr. Jens Spiesshoefer und Binaya Regmi vom
RWTH Universitätsklinikum Aachen. In einem speziell entwickelten Labor
können sie die Physiologie der Atempumpe untersuchen, also das
Zusammenspiel von Atemzentrum, nervaler Weiterleitung des Atemantriebs,
der unterschiedlichen Atemmuskeln – und hier insbesondere des Zwerchfells
– sowie des knöchernen Thorax. Mit diesen Erkenntnissen ließe sich das
Symptom der Luftnot viel differenzierter darstellen. „Die Siegerarbeiten
zeichnen sich beide durch ihre hohe wissenschaftliche Relevanz aus und
eröffnen verbesserte Therapieansätze in der Pneumologie“, sagt Professor
Wolfram Windisch, stellvertretender DGP-Präsident und Sprecher der
Preisjury. Die beiden Forschungspreise fördern gezielt den
wissenschaftlichen Nachwuchs in der Pneumologie und wurden heute Abend im
Rahmen des aktuell stattfindenden Pneumologie-Kongresses mit rund 4.400
Teilnehmenden in Düsseldorf überreicht.

Der 35-jährige Gewinner des DGP-Forschungspreises für die
grundwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich in seiner Arbeit vor
allem mit den komplizierten Veränderungen bei der epigenetischen
Umprogrammierung von Chromatin und der Darmmikrobiota. Dr. Bilal Alashkar
Alhamwe ist erst 2015 aus seiner Heimat Syrien nach Deutschland gekommen
und hat seitdem einen beeindruckenden Karriereweg eingeschlagen. So gewann
er zum Beispiel mehrere Posterpreise der Deutschen Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) und der European Academy of
Allergy & Clinical Immunology (EAACI). In einem seiner beiden nun
ausgezeichneten Fachartikel beschreibt Alashkar Alhamwe den positiven
Einfluss von durch Darmbakterien produzierten Fettsäuren auf die vermehrte
Produktion von T-Zellen, die wiederum die allergische Immunreaktion
hemmen. In seiner zweiten Arbeit befasst er sich mit dem Einfluss von
Atemwegsinfektionen auf das Darmmikrobiom und die allergische
Immunreaktion. „Die Exposition gegenüber Umweltbakterien kann das
Immunsystem verbessern und Asthmasymptome bei betroffenen Patienten
potenziell reduzieren. Durch das Verständnis der Verbindung zwischen
epigenetischen Veränderungen und der Darmmikrobiota kann es möglich sein,
innovative Behandlungen gegen Asthma zu entwickeln“, erklärt der
Preisträger. Von der Jury heißt es: „Zwei herausragende Publikationen, die
in besonderer Weise dazu beitragen, grundlegende Mechanismen von
Lungenerkrankungen besser zu verstehen“, würdigt Professorin Antje Prasse,
Jurymitglied und gleichzeitig Vorsitzende der Programmkommission des DGP-
Kongresses, die ausgezeichneten Forschungsarbeiten.

„Meine Forschung insgesamt konzentriert sich auf das bessere Verständnis
der molekularen und zellulären Mechanismen, die Lungenkrankheiten zugrunde
liegen“, sagt der Preisträger Alashkar Alhamwe. „Aktuell untersuche ich,
wie sich bei vorliegenden Allergien bestimmte Zell-Komponenten auf das
Fortschreiten oder auch auf den Schutz gutartiger wie bösartiger Tumore
auswirken – insbesondere bei Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs“.

Forschungs-Duo trägt zu mehr Verständnis der Atemnot beim Post-COVID-
Syndrom bei

Das Gewinner-Team des klinischen DGP-Forschungspreises, der 33-jährige
Pneumologe Privatdozent Dr. Jens Spiesshoefer und der 31-jährige
Pneumologe Binaya Regmi, kann in seinem Labor des RWTH
Universitätsklinikums Aachen (UKA) mittels hochmoderner Methoden gezielt
die Lungen und Atemmuskelfunktion messen. „Es ist Ziel unserer
Arbeitsgruppe, die Effekte von Beatmung auf die Atemmuskelfunktion und die
sich anschließende Luftnot – die sogenannte Dyspnoe – besser zu
untersuchen“, sagt Regmi, Erstautor der ausgezeichneten Arbeit. Bei
ungefähr zwei Dritteln der untersuchten Patienten war 15 Monate nach der
Entlassung aus dem Krankenhaus wegen einer COVID-19-Infektion eine
mittelschwere oder schwere Dyspnoe bei körperlicher Belastung vorhanden,
ohne dass Fehlentwicklungen der Lungen- oder Herzfunktion festgestellt
wurden. Unabhängig von der anfänglichen Schwere der Erkrankung und
unabhängig davon, ob die Akutbehandlung eine mechanische Beatmung umfasste
oder nicht, war bei den Post-COVID-19-Patienten der Zwerchfellmuskel
signifikant beeinträchtigt“, erläutert Spiesshoefer die Ergebnisse. Er ist
Senior-Autor der Studie sowie Leiter der Arbeitsgruppe Atemphysiologie und
Translationale Pneumologie nebst entsprechendem Labor innerhalb der Klinik
für Pneumologie und internistische Intensivmedizin am UKA.



Den Forschern zufolge ist die Identifizierung eines möglichen zugrunde
liegenden Mechanismus für Belastungsdyspnoe bei Patienten nach
COVID-19-Infektion klinisch hochrelevant. „Dies sind wichtige Erkenntnisse
von zentraler Bedeutung, die unmittelbar in der klinischen Praxis
Anwendung finden können. Erstens kann es für Patienten beruhigend sein,
eine mögliche Erklärung für die anhaltende Atemnot nach COVID-19 zu haben.
Zweitens hat sich das Atemmuskeltraining bei anderen Patientengruppen mit
Zwerchfellschwäche als wirksam erwiesen und stellt daher eine mögliche
therapeutische Intervention in diesem Umfeld dar“, würdigt
Juryvorsitzender Wolfram Windisch die Arbeit des Aachener Forschungsteams.

  • Aufrufe: 81