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Brille & Gesellschaft: Der Einfluss berühmter Brillenträger auf die Popkultur

Brille Symbolbild

Brille Symbolbild

Brillen sind längst nicht mehr nur Sehhilfen, sondern auch modische Accessoires, die einen einzigartigen Stil und Persönlichkeit ausdrücken können. In diesem Artikel werden wir den Einfluss berühmter Brillenträger auf die Popkultur und die Gesellschaft untersuchen. Von Hollywood-Ikonen bis zu Musiklegenden haben Brillen nicht nur eine Sehhilfe, sondern auch ein Statement des individuellen Stils und Charakters in der Welt der Prominenten werden lassen.

 

Ein historischer Blick durch die Brille: Vom Erfindungsgeist zum modischen Statement

 

Für uns sind Brillen heute alltägliche Gegenstände, die von Millionen Anwendern auf der ganzen Welt genutzt werden. Dabei kann man leicht übersehen, wie komplex und ausgereift die Sehhilfen tatsächlich sind. Auch die Entwicklungsgeschichte dürfte vielen Menschen nicht präsent sein.

 

Die Ursprünge der Brille reichen zurück ins 13. Jahrhundert, als der italienische Mönch und Erfinder, Fra Alessandro della Spina, die ersten Brillen fertigte. Ursprünglich als Sehhilfe für Altersweitsichtige konzipiert, breitete sich die Innovation rasch in Europa aus. Doch es dauerte bis zum 18. Jahrhundert, bis Brillen nicht nur funktionale Instrumente waren, sondern auch als modische Accessoires betrachtet wurden.

 

Bedeutungswandel im 20. Jahrhundert

 

Im 20. Jahrhundert erlebten Brillen eine Revolution, als Hollywood-Ikonen wie James Dean und Marilyn Monroe Brillen als Stilmittel einsetzten. Diese Entwicklung setzte sich fort, als intellektuelle Ikonen wie John Lennon Brillen als Ausdruck von Kreativität und Rebellion popularisierten. Heute sind Brillen nicht nur ein Mittel zur Sehkorrektur, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsdarstellung.

 

Die spannende Geschichte der Brille verdeutlicht, dass Brillen nicht nur technologische Entwicklungen widerspiegeln, sondern auch kulturelle Trends und den Wandel in der Wahrnehmung von Sehhilfen. Von ihrem bescheidenen Anfang bis zur modernen Vielfalt an Stilen sind Brillen zu einem faszinierenden Teil der Geschichte geworden, der weit über ihre praktische Funktion hinausreicht.

 

Die soziale Akzeptanz von Brillen: Vorbilder für Brillenträger

 

In einer Gesellschaft, in der Äußerlichkeiten oft beurteilt werden, spielen prominente Brillenträger eine Schlüsselrolle in der Förderung der sozialen Akzeptanz von Brillen. Indem sie öffentlich Brillen tragen, brechen sie Stereotypen und inspirieren zu einem positiven Wandel in der Wahrnehmung von Sehhilfen.

 

Der Weg zu mehr Vielfalt: Brillen als Ausdruck der Individualität

 

Die heutige Brillenmode ist weit mehr als nur Sehkorrektur – sie ist ein Ausdruck der Individualität. Prominente wie Oprah Winfrey und Steve Jobs haben dazu beigetragen, Brillen als Mittel der Selbstdefinition zu etablieren, indem sie unterschiedliche Stile und Formen als Ausdruck ihrer Persönlichkeit zelebrierten. Brillen schaffen Raum für Vielfalt und tragen zur kulturellen Akzeptanz unterschiedlicher Ausdrucksformen bei.

 

Brillen Symbolgrafik
Brillen Symbolgrafik

 

 

Die Ikonen vergangener Zeiten: Brillen in der goldenen Ära des Films

 

In der goldenen Ära des Films verliehen Ikonen wie Audrey Hepburn und Marilyn Monroe Brillen nicht nur funktionale Bedeutung, sondern machten sie zu zeitlosen Modeaccessoires. Diese Schauspielerinnen trugen Brillen nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im echten Leben mit Eleganz, wodurch Brillen zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Stils und ihres einzigartigen Charakters wurden und so die Brillenkultur nachhaltig prägten.

 

Die Brille als Markenzeichen: Musiker, Künstler und ihre einzigartige Brillenwahl

 

Musiker und Künstler nutzen Brillen nicht nur als Sehhilfen, sondern auch als auffälliges Markenzeichen. John Lennon's ikonische runde Brillen und Elton John's extravagante Modelle sind Beispiele für künstlerische Brillenwahl. Diese Musiker integrieren Brillen geschickt in ihre Bühnenpräsenz, wodurch sie nicht nur einen funktionalen Zweck erfüllen, sondern auch zu einem integralen Bestandteil ihres künstlerischen Ausdrucks und ihrer Identität werden.

 

Brillen in der Popkultur: Der Einfluss von Film und Fernsehen

 

Die Verwendung von Brillen in Film und Fernsehen geht über die Rollen der Schauspieler hinaus. Selbst fiktive Charaktere werden im Kino oft mit einer bestimmten Brillenwahl ausgestattet, um ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. Von Clark Kent's Verwandlung in Superman bis zu Harry Potters ikonischer runder Brille – Brillen sind auf der Leinwand ein prägendes Element. Diese visuelle Entscheidung beeinflusst nicht nur den Charakter, sondern trägt auch dazu bei, Stereotypen zu durchbrechen und den Einfluss von Brillen als Ausdruck von Intelligenz und Persönlichkeit zu verstärken.

 

 

Weltberühmte Brillenträger

 

Wir haben bereits erfahren, dass Brillen viel mehr sind als einfache Sehhilfen. In der schillernden Welt der Prominenten werden Brillen zu modischen Statements, die Ikonen prägen und Trends setzen. In diesem Absatz werfen nicht nur einen Blick auf die Sehgewohnheiten der Reichen und Berühmten, sondern beleuchten, wie Brillen zu kulturellen Symbole und Stilmitteln avancieren.

 

Johnny Depp: Der Mann mit den kleinen, runden Gläsern

 

Die Hollywood-Ikone ist nicht nur für ihre schauspielerische Genialität bekannt. Johnny Depp  begeistert seine Fans auch mit seinem einzigartigen Stil, der oft von markanten Brillen geprägt ist. Ob es die runde Vintage-Brille als Willy Wonka oder die kantige Sonnenbrille als Jack Sparrow ist, Depps Brillenwahl spiegelt seine künstlerische Vielfalt wider. Seine Brillen werden zu einem unverkennbaren Teil seiner Persönlichkeit und unterstreichen seinen Ruf als einer der facettenreichsten Schauspieler unserer Zeit.

 

Oprah Winfrey: Klare Sicht auf Erfolg

 

Oprah Winfrey, Medienmogulin und Philanthropin, trägt nicht nur ihre Brille mit Eleganz, sondern setzt auch ein Zeichen für Selbstakzeptanz und Intelligenz. Mit ihrer markanten eckigen Brille unterstreicht sie nicht nur ihren einzigartigen Stil, sondern erinnert auch daran, dass Brillen nicht nur Sehhilfen sind, sondern auch Ausdruck von Charakter und Weisheit. Oprahs Brillenwahl wird zu einem Symbol ihrer klaren Sicht auf Erfolg und ihrem Engagement für positive Veränderungen in der Welt.

 

Elton John: Exzentrik durch Exklusivität

 

Der legendäre Musiker Elton John ist nicht nur für seine extravagante Musik bekannt, sondern auch für seinen unverwechselbaren Brillenstil. Seine Sammlung auffälliger, oft farbenfroher Brillen ist zu seinem Markenzeichen geworden. Von überdimensionalen Rahmen bis zu funkelnden Glitzerdetails – Elton Johns Brillen sind ein Ausdruck seiner künstlerischen Exzentrik und zeigen, wie Brillen nicht nur die Sicht, sondern auch den Blick auf Individualität und Originalität formen können.

 

Fazit: Brillen als kulturelle Symbole im Wandel der Zeit

 

In einem Zeitalter, in dem das Image von Prominenten einen erheblichen Einfluss auf die Gesellschaft hat, spielen Brillen eine entscheidende Rolle. Von ikonischen Filmstars bis zu zeitgenössischen Musikgrößen haben Brillen nicht nur Sehkorrekturen ermöglicht, sondern auch als kulturelle Symbole gedient. Ihr Einfluss auf die Popkultur und die gesellschaftliche Wahrnehmung wird weiterhin von Generation zu Generation weitergegeben, wodurch Brillen zu zeitlosen Accessoires werden, die weit über ihre praktische Funktion hinausgehen.

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Migros-Kulturprozent-Classics, FILARMÓNICA JOVEN DE COLOMBIA , Casino Bern, 14.11. 2023 besucht von Léonard Wüst

Filarmónica Joven de Colombia

Konzertimpression von Vanessa Bösch

Besetzung und Programm:

FILARMÓNICA JOVEN DE COLOMBIA
ANDRÉS OROZCO-ESTRADA * Leitung
HILARY HAHN * Violine

PROGRAMM
FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY
Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

WOLFGANG DAVID ORDOÑEZ PEÑA Travesía. Fanfarria y Pajarillo

Ein Klangabenteuer mit Wolfgang David Ordoñez Peña: Travesía, Fanfarria y Pajarillo

Die Filarmonía Joven de Colombia, unter der mitreißenden Leitung von Andrés Orozco Estrada, präsentierte eine faszinierende musikalische Reise mit dem Werk “Travesía, Fanfarria y Pajarillo” des kolumbianischen Komponisten Wolfgang David Ordoñez Peña, ein klangliches Abenteuer, das das Publikum auf vielfältige Weise begeisterte.

Einführung in Wolfgang David Ordoñez Peña’s Klangwelt: Travesía

Konzertimpression von Vanessa Bösch
Konzertimpression von Vanessa Bösch

Die Konzerthalle erfüllte sich mit Spannung, als Orozco Estrada den Taktstock hob und das Orchester die Reise in die faszinierende Klangwelt von Wolfgang David Ordoñez Peña begann. “Travesía” entfaltete sich als ein beeindruckendes Stück, das mit einer Mischung aus melodischen Linien, rhythmischer Komplexität und harmonischer Raffinesse beeindruckte. Eingesetzt wurde auch Schlagwerk, das in Südamerika auch für Volksmusik Usus ist, so Maraca. Auch das  Xylophon stach immer wieder hervor. Die Filarmonía Joven de Colombia tauchte tief in die vielschichtigen Facetten dieses Werks ein und setzte jede musikalische Nuance mit Präzision und Leidenschaft um.

Fanfaren der Leidenschaft: Fanfarria

Der Übergang zur “Fanfarria” war wie ein musikalischer Weckruf. Die Fanfare, gespielt mit beeindruckender Präzision, verlieh dem Saal eine festliche Atmosphäre. Orozco Estrada führte das Orchester mit Energie und Begeisterung, während die Musiker die dynamischen Kontraste und die strahlende Klangpracht der Fanfare zum Leben erweckten. Die Komposition zeigte Ordoñez Peña’s Fähigkeit, traditionelle Elemente mit zeitgenössischer Vitalität zu verbinden.

Pajarillo: Kolumbianische Folklore im Orchesterklang

“Pajarillo” führte das Publikum auf eine tiefgreifende kulturelle Reise durch Kolumbien. Die Verbindung von Orchester und kolumbianischer Folklore war meisterhaft gelungen. Die Rhythmen und Melodien des Pajarillo, einem traditionellen kolumbianischen Tanz, durchzogen den Saal und entfachten eine lebendige Atmosphäre. Die Filarmonía Joven de Colombia interpretierte die folkloristischen Elemente mit Respekt und zugleich mit einer erfrischenden Modernität.

Die Virtuosität der Filarmonía Joven de Colombia: Technische Brillanz und klangliche Vielfalt

Das Orchester beeindruckte nicht nur durch seine musikalische Sensibilität, sondern auch durch seine technische Brillanz. Orozco Estrada lenkte die Filarmonía Joven de Colombia durch die komplexen Strukturen von Ordoñez Peña’s Kompositionen, wobei jedes Instrumentalensemble seine klangliche Vielfalt in vollem Glanz präsentierte. Die Streicher lieferten warme und nuancierte Klänge, die Holzbläser setzten farbenfrohe Akzente, und die Blechbläser brachten kraftvolle Fanfaren hervor – ein harmonisches Zusammenspiel auf höchstem Niveau.

Dynamik und Ausdruck: Orozco Estradas Dirigierkunst

Filarmónica Joven de Colombia
Filarmónica Joven de Colombia

Die Dirigierkunst von Andrés Orozco Estrada erwies sich erneut als mitreißend und inspirierend. Seine Fähigkeit, das Orchester durch die unterschiedlichen Stimmungen von “Travesía, Fanfarria y Pajarillo” zu führen, war beeindruckend. Von leisen, introspektiven Momenten bis hin zu kraftvollen Ausbrüchen behielt Orozco Estrada die Kontrolle über die Dynamik, wodurch das Publikum in den Bann der musikalischen Erzählung gezogen wurde.

Fazit: Eine klangliche Entdeckungsreise

Das Konzert mit Wolfgang David Ordoñez Peña’s “Travesía, Fanfarria y Pajarillo” war zweifellos eine klangliche Entdeckungsreise. Die Filarmonía Joven de Colombia und Andrés Orozco Estrada lieferten eine mitreißende Interpretation, die die Vielfalt und kulturelle Tiefe der kolumbianischen Musik feierte. Die Komposition basiert auf dem “Joropo”, einem populären venezolanischem Tanz und Musikstil (auch Música Llanera), der vor ca. 300 Jahren in den Llanos entstand und so wirbelten die Töne und Schläge bunt und lebensfreudig durch den Berner Casinosaal, ganz zur Freude des Publikums, das nicht mit entsprechendem Applaus geizte.

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Einführung in die Romantik: Orozco Estradas leidenschaftliche Dirigierkunst

Andrés Orozco-Estrada Leitung
Andrés Orozco-Estrada Leitung

Die Konzerthalle füllte sich mit erwartungsvoller Stille, als Solistin Hilary Hahn zusammen mit Dirigent Andres Orozco Estrada die Bühne betrat. Die leidenschaftliche Dirigierkunst des gebürtigen Kolumbianers Orozco Estrada wurde unmittelbar spürbar, als er die Spannung in der Luft aufbaute. Die Filarmonia Joven de Colombia, bestehend aus talentierten jungen Musikern, antwortete mit einer beeindruckenden Präzision und einem harmonischen Zusammenspiel. Orozco Estrada führte das Orchester durch die fein nuancierten Passagen von Mendelssohns Werk und verlieh jedem Abschnitt eine eigene dynamische Intensität.

Hilary Hahns virtuose Interpretation: Technische Brillanz und emotionale Tiefe

Hilary  Hahn Solistin Violine
Hilary Hahn Solistin Violine

Die Bühne erstrahlte, als Hilary Hahn in das Geschehen eingriff. Schon die ersten Töne verzauberten das Publikum. Hahns Spiel zeugte von technischer Brillanz, während sie gleichzeitig eine beeindruckende emotionale Tiefe in jede Phrase einfließen ließ. In Mendelssohns Violinkonzert fand sie einen perfekten Ausdruck für ihre künstlerische Sensibilität. Ihre Virtuosität in den anspruchsvollen Passagen verschmolz nahtlos mit der orchestralen Begleitung, wobei sie die zarten Melodien ebenso meisterhaft beherrschte wie die kraftvollen Tutti-Passagen.

Mendelssohns Meisterwerk: Ein Sturm der Gefühle

Die magische Atmosphäre erreichte ihren Höhepunkt, als das Orchester und Hahn gemeinsam in die dramatischen Passagen des zweiten Satzes eintauchten. Das Konzert für Violine und Orchester op. 64, ein Spiegelbild der romantischen Sturm-und-Drang-Ära, faszinierte durch seine wechselnden Stimmungen. Von zarten lyrischen Momenten bis zu stürmischen Ausbrüchen schuf Mendelssohn eine reichhaltige Klangpalette, die von Solistin Hahn,Orozco Estrada und der Filarmonia Joven de Colombia meisterhaft präsentiert wurde.

Dynamik und Präzision: Orchester in Bestform

In den schnellen Sätzen des Konzerts bewies das orchester nicht nur seine technische Versiertheit, sondern auch die beeindruckende Fähigkeit zur dynamischen Gestaltung. Orozco Estrada navigierte das Orchester mit Präzision durch die raschen Wechsel der Tempi, wobei jede Gruppe von Instrumenten ihre eigene Rolle mit Bravour spielte. Die Holzbläser strahlten in den lyrischen Passagen, die Blechbläser setzten kraftvoll Akzente, und die Streicher lieferten eine klangliche Vielfalt, die das Publikum in ihren Bann zog.

Begeisternder Schlussakkord

Konzertimpression von Vanessa Bösch
Konzertimpression von Vanessa Bösch

Die Schlussakkorde hallten durch den Konzertsaal, und das Publikum brach in tosenden Applaus aus. Orozco Estrada, Hilary Hahn und die Filarmonia Joven de Colombia ernteten langanhaltende Ovationen für ihre herausragende Leistung. Die emotionale Tiefe, die technische Brillanz und die harmonische Zusammenarbeit zwischen Solistin und Orchester machten das Werk Mendelssohns zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis. Die Kombination aus Orozco Estradas leidenschaftlicher Dirigierkunst, Hahns virtuosem Violinspiel und dem beeindruckenden Können des jugendlichen Orchesters schuf einen unvergesslichen Abend. Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester wurde in all seiner Pracht und Emotionalität zum Leben erweckt, und das Publikum erlebte die Magie der Musik in ihrer reinsten Form.

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Grundsätzliches zum Werk

Das Werk ist viersätzig wie eine romantische Sinfonie, einfach aufgebaut mit Rückgriffen auf altbekannte formale Vorbilder, zum Beispiel die Sonatensatzform oder die Scherzo Form. Und: Sie führt, wie man das seit Beethoven kannte, «vom Dunkel ins Licht», «per aspera ad astra». Der erste Satz ist ein typisch Schostakowitsch er Sonatensatz, mit einer dramatischen, kraftvollen, marschartigen Durchführung, die allerdings auch ihre grotesken Masken hat. Der zweite Satz ist ein
beliebtes Scherzo. Der dritte, langsame Satz, wird gemeinhin als das
Zentrum des Werkes aufgefasst. Es ist ein sehr nachdenklicher Satz,
der für russische Kommentatoren klare Trauerthemen enthält, wobei
bezeichnenderweise die für russische Beerdigungen charakteristischen
Blechbläser in diesem Satz fehlen; in der Tat bäumt sich der Satz zu
einem gewaltigen emotionalen Tremolo-Höhepunkt auf. Völliger Gegensatz
dazu ist der abrupte, laute Beginn des Finales. Es ist eine leichte
Abwandlung des Marschthemas des ersten Satzes in der Vierten
Sinfonie. Das Finale bietet einen ruhigeren Mittelteil, indem
Schostakowitsch ein Eigenzitat hinein “schmuggelt”. Es sind dies Zeilen aus dem
Pushkin-Gedicht “Wiedergeburt”, das Schostakowitsch direkt zuvor vertont
hatte; in diesen Worten spricht der von der Macht gebeutelte
Künstler. Direkt im Anschluss beginnt die mächtige anschließende Coda
mit ihrem zweifelhaft optimistischen Schluss.
Das Licht, die Erlösung, ist der Schluss: ein glorioser Marsch, mit fortissimo schabenden Geigen, donnernden Pauken, jaulendem Blech. Den Jubel hat Schostakowitsch derart inszeniert, dass es schon fast wehtut. Ätzend, diese Lautstärke, erbarmungslos, diese Achtel, geschunden, die Membran der Pauke unter diesen Quarten-Schlägen.

Ein Trip, den Du ohne Drogen antreten kannst

Konzertimpression von Vanessa Bösch
Konzertimpression von Vanessa Bösch

Das Orchester und der Dirigent nehmen uns mit auf eine packende Reise durch die Partitur, die eigentlich schlicht unbeschreiblich ist, zu sehr wühlt diese Interpretation auf. Ob Bläser, Streicher, Schlagwerk, Harfe, Triangel, ob piano, Mezzo oder forte, jede Nuance sitzt, jeder Ton, jedes Tempo, die Streicher  ob gestrichen oder gezupft, ob die Bläser sich leicht über die Streicher schwingen oder Tragik und Schmerz schmetternd äussern, die Paukisten mal, sprichwörtlich, so richtig auf die Pauke hauen dürfen. Du weißt nicht, ist das nun schmerzhaft, oder freudig, sogar, am wahrscheinlichsten, schmerzhafte Freude. Nicht nur das Publikum ist gepackt, nein, man sieht auch den Musikern an, wie sie sich freuen, leiden, an – und entspannen, sich dem akustischen Orgasmus entgegenspielen, das Auditorium auf den Trip mitnehmen. Der kontinuierliche Spannungaufbau explodiert nach dem letzten Ton in einer wahren Applausexplosion, Bravorufen und einer langen stehenden Ovation.

Aussergewöhnlich, dass die Darbietenden die Sinfonie auf eine gewisse Art szenisch vortrugen, indem sie mimisch, durch Gesten mit dem Kopf usw. den Druck und den Schmerz ausdrückten, die der Komponist zur Zeit der Entstehung der Sinfonie durchlebte.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Vanessa Bösch und  http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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Konzertimpression von Vanessa Bösch

Andrés Orozco-Estrada Leitung

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Hilary Hahn Solistin Violine

Konzertimpression von Vanessa Bösch

 

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LAC Lugano, Arthur Millers Blick von der Brücke’, besucht von Marinella Polli

Massimo Popolizio, Regisseur und Protagonist in Blick von der Brücke

Szenenbild der Vorstellung am LAC

Produktion und Besetzung:
Compagnia Umberto Orsini,
Teatro di Roma – Teatro Nazionale,
Emilia Romagna Teatro ERT / Teatro Nazionale
Regie Massimo Popolizio
Bühnenbild Marco Rossi Licht Gianni Pollini
Kostüme Gianluca Sbicca Ton Alessandro Saviozzi
Eddie Carbone, Massimo Popolizio
Beatrice Carbone, Valentina Sperlì
Avvocato Alfieri, Michele Nani
Marco, Raffaele Esposito
Rodolfo, Lorenzo Grilli
Catherine, Gaja Masciale
Tony, Felice Montervino
I Agente, Gabriele Brunelli
II Agente, Adriano Exacoustos
Louis, Marco Parlà

Am LAC ist in diesen Tagen ‘Uno sguardo dal ponte’ (,Ein Blick von der Brücke’, ‘A View from the Bridge’) über die Bühne gegangen. Dieses Drama von Arthur Miller ist weniger bekannt als sein ‘Tod eines Handlungsreisenden‘ aber sicher nicht weniger tief.

Von Titeln und Brücken 

Massimo Popolizio und Valentina Sperlì als Beatrice Carbone
Massimo Popolizio und Valentina Sperlì als Beatrice Carbone

Die Brücke, auf die der Titel des Stücks anspielt, ist die New Yorker Brooklyn-Bridge. In einer Szene denkt der Rechtsanwalt Alfieri gerade dort über die Geschehnisse. Alfieri, den von Eddie zu Rate gezogen wird, ist der Erzähler, eine direkte Beziehung (eine Brücke?) zum Publikum, eigentlich auch eine Art Chor wie in den griechischen Tragödien.

Die Tragödie eines Mannes

Massimo Popolizio, Regisseur und Protagonist in Blick von der Brücke
Massimo Popolizio, Regisseur und Protagonist in Blick von der Brücke

Der Protagonist Eddie Carbone, ein italoamerikanischer Hafenarbeiter, lebt mit seiner Frau Beatrice und seiner Nichte Catherine in Brooklyn, wo viele Einwanderer aus Sizilien leben. Als sich die Nichte in einen von diesen verliebt………
Miller verbindet in einem literarisch grossartigen Werk Gesellschaftskritik und Psychoanalyse, aber es geht hier im Grunde eher um die Tragödie eines einzelnen Mannes, um kranke Liebe und Eifersucht, und weniger um Migration und die damalige Situation der Italiener in NYC.

Eine total packende Inszenierung

Ein grossartiger Massimo Popolizio als Eddie Carbone
Ein grossartiger Massimo Popolizio als Eddie Carbone

Der Regisseur Massimo Popolizio konzentriert sich nicht auf die soziale Situation der Migranten aus Sizilien, sondern sehr figurennah auf den Charakter und auf die Gefühle des Hafenarbeiters Eddie. So wie auch auf dessen dramatische private Geschichte, auf die emotionale Entfremdung des Protagonisten von seiner Frau Beatrice, und auf die immer krankhaftere Anziehung für seine Nichte. Die Tragödie wird vom Regisseur sehr schlüssig gezeichnet, dank auch der perfekten Charakterisierung des Anwalts, welcher, wie schon gesagt, nicht nur Erzähler ist, sondern Mediator, Moderator, mehr:  er hat sozusagen die gleiche Funktion des Chors in der antiken Tragödie. Obwohl die Psychoanalyse, die so typisch für die amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts ist, sehr wichtig in diesem Stück ist, lässt das Ende aber sofort an das Schicksal, an das blinde Fatum denken, das man leider immer hinnehmen muss.

Eine Klasse Besetzung

Massimo Popolizio als Eddie Carbone und Gaia Masciale als Catherine
Massimo Popolizio als Eddie Carbone und Gaia Masciale als Catherine

Der Regisseur Massimo Popolizio selber in der Rolle von Eddie Carbone ist einfach grossartig. Und das, besonders wenn er eifersüchtig wie ein Adoleszent reagiert, nachdem er die Liebe zwischen Catherine und dem Migranten Rodolfo erfährt. Zuerst grotesk, dann wahnsinnig bis zum tragischen Rache-Schuss, dennoch immer plausibel. Ebenso wie Gaja Masciale in der Rolle der Nichte Catherine, die Eddie als Waise aufgenommen hat. Glaubwürdig in ihrer harmlosen, naiven Zuneigung  für den Onkel, sowie auch als Objekt der Begierde, und wirklich rührend, wenn sie am Schluss versteht, dass es sich für ihn um eine ganz andere Art von Liebe handelt. Typengerecht besetzt und ebenfalls plausibel Valentina Sperlì als Beatrice, die duldsame, unterwürfige Ehefrau, die aber versucht, das Mädchen zu mehr Distanz zu bewegen, sobald sie die Gefährlichkeit der Situation erkennt. Den drei Schauspielern ebenbürtig sind Lorenzo Grilli als immer fröhlicher Rodolfo, Beatrices Cousin, in den sich Catherine verliebt, so wie Raffaele Esposito als Marco. Ideal besetzt Michele Nani als Rechtsanwalt Alfieri, der die furchtbare Tragödie kommen sieht.

Das Bühnenbild und die Kostüme 

Szenenbild der Vorstellung am LAC
Szenenbild der Vorstellung am LAC

Nicht zuletzt dank Marco Rossis Bühnenbild sehen wir eine freie, zeitlose und fast abstrakte Inszenierung. Die mit den sparsamen aber eloquenten Details ausstaffierte Bühne besteht aus einer kleinen und klaustrophobischen Wohnung, in welcher man sich ziemlich eng bewegt,  und aus trostlosem, billigem Mobiliar, das typisch für die Wohnverhältnisse eines Hafenarbeiters ist. Im Hintergrund schwarze Silhouetten von Laufstegen und Containern. Gianni Pollinis Light Design, betont jedes psychologische Register. Sehr eloquent sind auch die Kostüme von Gianluca Sbicca: ein aufreizender Minirock und leichte, kokette Frühlingskleider für eine Catherine, die mehr und mehr Selbstbewusstsein und erste Emanzipationszeichen zeigt; schwarz für die aus Süditalien stammende Ehefrau; dunkle Anzüge aus den 50er Jahren für den Protagonisten und für den Rechtsanwalt Alfieri.

Text: https://marinellapolli.ch/

Fotos    Marinella Polli  Yasuko Kageyama :https://www.luganolac.ch/it/lac/home

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Ein grossartiger Massimo Popolizio als Eddie Carbone

Massimo Popolizio als Eddie Carbone und Gaia Masciale als Catherine

OSI LAC Lugano_Foto Kaupo Kikkas

 

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The Manhattan Transfer KKL Luzern, 13.11.2023 besucht von Léonard Wüst

The-Manhattan-Transfer

Konzertfotos von Max Thürig

Besetzung:
Janis Siegel, Cheryl Bentyne, Alan Paul und Trist Curless alle Vocals
Varon Gershovsky Piano
Boris Kozlov Bass
Ross Pederson Drums

Kein Zweifel: The Manhattan Transfer ist die wohl legendärste Gesangsformation auf Erden, die im Lauf der letzten 50 Jahre dank unzähliger mitreissender Konzerte und Aufnahmen ein Millionenpublikum fand. Ihr Repertoire reicht von bekannten Stücken aus der Swing-Ära über Doo-Wop und Jive bis zu Pop-Welthits, mit denen sie die Hitparaden stürmten. 1981 schrieb das Quartett Musikgeschichte, indem es einen Grammy für Jazz und einen für Pop einheimste. Besonders spektakulär ist ihre Vocalese-Technik: In geradezu halsbrecherischer Manier werden instrumentale Jazzsoli mit unglaublicher Präzision und unüberbietbarer Intonationssicherheit nachgesungen. Nun aber brechen Janis Siegel, Cheryl Bentyne, Alan Paul und Trist Curless (der den 2014 verstorbenen Bandgründer Tim Hauser ersetzte) zu ihrer «World Farewell Tour» auf, um sich von den grossen Bühnen der Welt und ihren vielen Fans zu verabschieden und hatten dafür, nach November 2007, auch einen Auftritt im Luzerner KKL programmiert, sehr zur Freude der grossen Fanschar, altersmässig durchmischt, die den Konzertsaal füllte.

 

Streifzug durch 50 Jahre  Bandgeschichte

Konzertfotos von Max Thürig
Konzertfoto von Max Thürig

Das gutgelaunte, Publikum im praktisch ausverkauften Konzertsaal erfreute sich ob den, chronologisch entsprechend ihrer Veröffentlichung dargebotenen Songs, beginnend mit Nummern aus dem allerersten Album, das schlicht und einfach «The Manhattan Transfer» 1975 hiess, über «Atlantic» mit dem Glenn-Miller-Hit «Tuxedo Junction» bis hin zum Jazz-Rap «Cantaloop» aus ihrer vorletzten CD, Coming Out und Pastiche beide 1986  bis zu The Junction 2018 und Fifty 2022.

 

 

 

50 Jahre Tourneeerfahrung geschickt ausgespielt

Konzertfotos von Max Thürig
Konzertfoto von Max Thürig

Die äusserst routinierten Performer*innen gingen das Ganze sehr geschickt an, indem sie uns nur spärlich ihre bekanntesten Nummern servierten, diese immer in ein Set von 5 6 Songs verpackten und so uns Zuhörer stimmungsmässig langsam, aber sicher hochschaukelten.

Dass sie aber mit «Chattanooga Choo Choo», «Take the A Train» und«On A Little Street In Singapore», wie im November 2007, nicht nur meine absoluten Lieblinge und, akkordmässig, ihre absoluten Topnummern, wieder nicht vortrugen, erstaunte schon etwas.

Dafür wurden wir etwas entschädigt mit «Route 66»,«Bahia» und anderen «Knallern» aus ihrem schier unerschöpflichem Repertoire, dass sie sich über die letzten fünf Dekaden erarbeitet haben.

Die vier Vocalist*innen wurden von einer ausgezeichneten Jazz Combo begleitet, aus der Pianist/Keyboarder Yaron Gershovsky besonders herausstach.

Konzertfotos von Max Thürig
Konzertfoto von Max Thürig

Das Schlussbouquet mit den grossen Nummern «Birdland», «Boy from New York City» und «Tequila», animierten das Auditorium, stehend und klatschend mitzutanzen und so die Protagonisten unaufhörlich auf die Bühne zurückklatschten, bis diese sich «erbarmten» und wir noch in den Hochgenuss einer Supplement – Zugabe noch die Liebeserklärung an das Luzerner Konzertpublikum in Form ihres einzigen Single Nr., 1 Hits in den englischen Charts 1977 , «Chanson d’Amour», das vom begeisterten Publikum auch lange frenetisch und stehend abgefeiert wurde.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos   Max Thürig und www.allblues.ch

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Konzertfotos von Max Thürig

The-Manhattan-Transfer

Konzertfotos von Max Thürig

Konzertfotos von Max Thürig

Konzertfotos von Max Thürig

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