Lange Zeit war das Ruhrgebiet verschrien als Gegend, die nicht mit besonders vielen Schönheiten aufzuwarten hat. Geprägt von der Industrie und des Bergbaus handelte es sich zwar um einen Ort, in dem der Wohlstand in den frühen Jahren der Bundesrepublik schnell anstieg, jedoch war der Ruf der einzelnen Städte eher der, dass es sich um bloße Arbeitsorte handelt. Heute hat sich der Ruf und das Bild des Ruhrgebiets deutschlandweit geändert und jeder weiß, dass die Region auch kulturell viel zu bieten hat. Dies ist vor allem das Ergebnis des gelungenen Strukturwandels.
Im Ruhrgebiet leben bedeutet, stets etwas geboten zu bekommen
Vor allem diejenigen, die auf stetige Abwechslung und Angebote aus sind, kommen im Rahmen der vielen Städte auf ihre Kosten. Hier hat heute längst ein besonderer Lifestyle Einzug gehalten und es ist so, dass die Städte einander bereichern. Oftmals wird die Region gar nicht mehr in ihren einzelnen Orten verstanden, sondern als riesige Metropolregion, welche zusammengehört und somit als Ballungsraum ein ganz neues Gewicht bekommt. Der größte Ballungsraum Europas bietet trotz des ähnlichen Lebensgefühls der Menschen dennoch eine große Menge an Abwechslung, die hier geboten wird. Schließlich liegen Shopping in außerordentlichen Zentren und die Entspannung an Rhein und Ruhr sehr nah beieinander. Beides ist an einem Tag möglich, da die Distanzen zwischen den einzelnen Orten auf einem sehr kleinen Niveau befindlich sind. Ein ebenfalls enorm wichtiges Feld für die Region bildet der Sport im Ruhrgebiet ab. Die Vorreiterrolle hat, wie so häufig, der Fußball inne. Er hält die Menschen zusammen und sorgt neben allen Diskussionen auch dafür, dass man gemeinsam auf bestimmte Ereignisse hinfiebern kann.
Schick und voll im Trend inmitten der vielen Städte
Wo sich besonders viele Menschen begegnen, da ist auch das Bedürfnis groß, gut auszusehen und sich selbst auf besondere Art und Weise wohlfühlen zu können. Dabei spielt, wie so häufig, auch der perfekte Schuh eine Rolle. Gerade die Damenwelt mag gerne mit einem schicken Accessoire am Fuß überzeugen und sich in den Städten des Reviers sehen lassen. Die heutigen Möglichkeiten des Shoppings erstrecken sich dabei bekanntlich nicht nur über die Innenstädte und Shoppingzentren, sondern auch in der riesigen Welt des World Wide Webs. Längst ist die große Modewelt mit ihren neuen Trends und stetigen Veränderungen im Revier angekommen. Es handelt sich auch um ein Stückchen Strukturwandel, der sich im Lifestyle der Menschen niederschlägt, die sich auf Dinge wie Mode und Kultur besinnen, während die Schwerindustrie eher in den Hintergrund rückt.
Ein neues Lebensgefühl nach dem Strukturwandel
Selbstverständlich wird im Revier nach wie vor schwer gearbeitet. Doch haben sich die Bereiche und Lebenswelten verschoben, wie es in der ganzen Republik der Fall ist. Hier könnte das Ruhrgebiet als gutes Beispiel für einen gelungenen Strukturwandel herhalten, welcher zu einer Dienstleistungsgesellschaft führt, in der der Mehrwert eines Produktes oder eben einer Dienstleistung im Vordergrund steht. Das Lebensgefühl und die Erwartung, mehr vom Leben zu wollen, hat sich bei den Menschen festgesetzt und es ist auch ein neues Bewusstsein entstanden. Hier handelt es sich um das Bewusstsein, in einer besonderen Region zu leben, die weit mehr zu bieten hat als das, wofür sie über Jahre bekannt war. Es gilt nun, den Spagat zwischen der Bewahrung der Bewahrung der Tradition und der Offenheit für die Moderne zu wahren.
Schon seit dem Mittelalter wird mit Bier gekocht. Das dunkel gebraute gab den Speisen, vor allem den Saucen, viel Gehalt. Und ich erinnere mich, als uns die Kochexperten an der Abschlussprüfung die «Fangfrage» stellten, ob man eine Carbonade de boeuf mit Rot -oder Weisswein ablöscht?
BIER Kochen kombinieren genießen
Weder noch – mit Bier nämlich. Das Bier hat beim Kochen verschiedene Wirkungen. Das Fleisch nimmt den Geschmack vom Bier auf. Zweitens gibt es die Zuckerbestandteile im Malz, die beim Garen für einen karamellisierenden Effekt sorgen. Drittens macht die natürliche Hefe das Gericht mürbe. Einsatzmöglichkeiten beim Kochen: Reduktion: Das Bier wird schnell eingekocht und kann so als Basis für Saucen dienen. Beize: Das Bier dient dabei als Marinade, in welcher beispielsweise Fleisch, Fisch, Geflügel oder Gemüse eingelegt wird. Beim Fleisch wird durch die Kohlensäure die Eiweissstruktur verändert, was es zarter und aromatischer macht. Ablöschen: Eine kleine Menge Bier wird über die Speise gegossen, verdampft und führt zu einem Glanz. Bei Braten wird die Kruste bei diesem Vorgehen noch knuspriger. Aufschäumen: Mit Eigelb zusammen kann Bier aufgeschäumt oder auch wie eine Sauce Hollandaise mit Butter verwendet werden. Mittels Aufschäumens wird es auch möglich, ein süsses Bier-Sabayon zu kreieren. Flüssigkeit: Bier kann hervorragend als Milch- oder Wasserersatz verwendet werden. Teige mit Bier machen Brote oder andere Backwaren besonders lecker.
Koch beim Kochen mit Biertrinken
Wer mit Bier kocht, muss dieses aber auch mögen. Wie bei einem Gericht mit Wein zubereitet, serviert man auch das passende Bier als Begleiter. So zum Beispiel bei der Carbonade de boeuf nach belgischer Art. Nur muss man deswegen das Bier nicht in Belgien holen man findet dieses auch in einem Spezialitätengeschäft. Es gelingt aber durchaus auch mit einem kräftigen dunklen, in der Schweiz gebrauten Bier.
Rindsvoressen nach belgischer Art für 4 Personen – der Klassiker
Kochen mit Bier rustikale Rezepte
Ca. 800gr Rinds Ragout, vorteilhaft von der Haxe oder Hals (ist saftiger), schmoren. Ca. 1dl Erdnussöl, Salz und Pfeffer. 4 große Zwiebeln. 2 EL Tomatenextrakt, 2 Knoblauchzehen, ca. 200 g Rüebli, 1 Zweig Thymian, 2 Lorbeerblätter, 2 Nelken, 30 g Rohrzucker, 3 EL Rotweinessig, ca. 7 dl Bier (z.B. Bockbier) 2 EL Petersilie (fein gehackt).
Bier kaltstellen ist auch kochen
Das Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen, dann in einem Bräter bei großer Hitze im Erdnussöl von allen Seiten braun anbraten. Das Fleisch herausnehmen und beiseitestellen. Die Zwiebeln schälen und in Achtel schneiden. Knoblauch fein hacken. Rüebli schälen und in grobe Stücke schneiden. Zwiebeln im Bratensatz glasig schwitzen, Knoblauch und Rüebli zugeben, Tomatenmark mit anrösten. Das Fleisch mit der gehackten Petersilie, Thymian, Lorbeer, Nelken, Rohrzucker, Rotweinessig zurück in den Bräter geben. Mit Bier bedecken und auf mittlerer Flamme auf dem Herd zugedeckt etwa 2 Stunden schmoren. Während der Schmorzeit immer wieder Bier nachgiessen und einen Schluck für den Koch. Die Schmorzeit hängt vom gelagerten Fleisch ab (zwischendurch ein Stück probieren). Vor dem Servieren die Lorbeerblätter und die Nelken entfernen. Beilage Kartoffelstock, Pappardelle oder wie in Belgien hausgemachte Frites.
Was kann man sonst noch mit Bier zubereiten?
Kabeljau im Bierbackteig
Eine Gulaschsuppe und ein Chili con Carne werden mit einem Schuss dunklen oder hellen Bier noch aromatischer. Oder eine würzige Biersuppe.Vegetarisch?
Auch das ist kochen mit Bier wenn auch auf nicht so gemeinte Art und Weise
Camembert im Bier Teig gebacken: Für den Bier Teig wird ca. ½lt helles Bier, 1 Ei und ca. 50gr Mehl verrührt, bis ein zäher Teig entsteht. Nun werden die Camembert Viertel in den Teig eingewickelt und in einer Pfanne mit reichlich Erdnussöl auf beiden Seiten herausgebacken. Geht auch mit Fischstückchen. Und zum Nachtisch? Ein Bieramisu- einfach googeln – hab’s ausprobiert. Mundet herrlich.
Nach viermaliger Corona bedingter Verschiebung kam das Konzert der italienischen Cantautori Legende endlich doch noch zustande. Es könnte doch eine, wenn nicht gar die letzte Tournee des doch schon 85jährigen norditalienischen Weltstars sein (* 6. Januar 1937 in Asti).
Allgemeines zum italienischen Musiker
Paolo Conte 50 Jahre Azzuro
“Die barsche Raucherstimme, ein Klavierstil, der in einer Honky-Tonk-Bar genauso zu Hause zu sein scheint wie in einem Tango-Palast oder einem Broadway-Cabaret, und die Weltanschauung eines wettergegerbten Romantikers haben Paolo Conte in Italien zu einem bestens bekannten Songwriter gemacht,” hieß es vor ein paar Jahren in der New York Times. Doch die Popularität Contes reicht schon seit Jahrzehnten weit über die Grenzen Italiens hinaus. Auch im Rest Europas besitzt sein Name eine unglaubliche Zugkraft, was sich auch an diesem Abend in der Dübendorfer «The Hall» ( die frühere Samsung Hall)zeigte, die proppenvoll war, besetzt von einem, altersmässig sich eher demjenigen Contes annähernden Publikum.
Späte Lancierung der Karriere als Sänger
Seine Berufslaufbahn begann Conte in der Kanzlei des Vaters, die er nach dessen frühem Tod übernahm. Neben seiner juristischen Arbeit spielte er eine Zeit lang als Vibrafonist in verschiedenen Jazz-Bands. 1962 erschien das Album “The Italian Way of Swing” des Paolo Conte Quartetts, in dem auch sein Bruder Giorgio mitwirkte. Bald fing er an, eigene Titel zu komponieren und zu texten. Für Adriano Celentano schrieb er den Super-Hit “Azzurro».
Seine lässige, mitunter fast müde wirkende Stimme, die nonchalant auf dem Hochseil der Melodien balanciert, poetische Fragmente von kurzen Begegnungen, plötzlichen Begeisterungsmomenten und nostalgischen Erinnerungen erzählt, zieht jeden und jede in seinen Bann, erstaunlich eigentlich, dass er erst nur für andere komponierte, Beispiele: “La coppia più bella del mondo” und “Azzurro” etwa durch Adriano Celentano, “Insieme a te non ci sto più” durch Caterina Caselli, “Tripoli ‘69” durch Patty Pravo, “Messico e nuvole” durch Enzo Jannacci sowie “Genova per noi” und “Onda su onda” durch Bruno Lauzi.
Doktor iuris und Vibraphonist
Erst 1974, mit seinem Doppelalbum «Paolo Conto» lancierte er seine Karriere als Sänger, er, der nach Abschluss der Schule erst einmal eine andere Laufbahn einschlägt: er schließt ein Jurastudium mit einer Doktorarbeit ab und praktiziert einige Jahre lang als Rechtsanwalt. Nebenher spielt er aber auch Vibraphon in lokalen Bands, mit denen er gelegentlich auf Tournee geht. 1960 belegt er bei einem Jazzwettbewerb in Oslo den dritten Platz. Unter dem Namen Paul (sic!) Conte Quartet nimmt er 1962 eine erste Jazz-EP für RCA auf, die allerdings keine große Resonanz findet.
Das breite musikalische Schaffen von Paolo Conte wird ergänzt durch sein malerisches und grafisches Werk, das sich an der klassischen Moderne orientiert. Aufgrund seines Liedes „Genova per noi“ ist er Ehrenbürger von Genua.
Conte kreiert akustische Gemälde
Conte zelebriert Musik, nie sich selbst. In seiner unnachahmlichen poetischen Art sind seine Lieder einzigartige akustische Gemälde
It’s wonderful
Es ist, und war nie, das typisch südländische Temperament, das diesen aussergewöhnlichen Künstler ausmacht, im Gegenteil: die Magie liegt in seiner, nach aussen gestülpten Introvertiertheit, der melancholischen, aber nicht traurigen Besinnlichkeit, seinen oft bittersüssen, mal selbstironischen Texten. Er strahlt eine Ruhe aus, die ihn, so scheint es, über dem Alltäglichen stehen lässt.
Der temperamentvolle Max
Er kann schon auch temperamentvoll, seine Mitmusiker mit Gesten , nach vorne treibend dann auch als Scat Sänger intonierend ( Scatgesang meint mit seiner Stimme Instrumente imitieren, eine im Jazz oft angewandte Technik, die der Italiener meisterhaft beherrscht.)
Blu Tangos
Paolo Conte mit Band Foto Kurt Schäfer
Eines der zahlreichen Highlights dieses Konzertes, während dessen Intonierung Paolo Conte seinen Mitmusikern ausreichend Zeit liess, ein paar virtuose Soli einzustreuen.
Für mich erstaunlich, dass Massimo Pitzianti für die blauen Tangos nicht das Bandoneon, sondern das Akkordeon benutzte.
Ausser der Cellistin, dem Kontrabassisten, dem Violonisten und zwei der drei Gitarristen brillierten alle andern Bandmitglieder als Multiinstrumentalisten. So spielte Gitarrist Daniele Dall’Omo noch die Mandoline und, selten in einer Jazzcombo, auch noch die portugiesische Gitarre ( das weltweit am härtesten gespannte Saiteninstrument überhaupt).
Massimo Pitzianti spielte gar Akkordeon, Bandoneon, Klarinette, Baritonsaxophon, und Sopransaxophon. Luca Velotti präsentierte sich mit Sopransaxophon, Tenorsaxophon und Klarinette, Daniele Di Gregorio beherrschte Schlagzeug, Perkussion und das Holzxylophon meisterlich usw.
Besonders hervortun konnten sich, als Primus inter pares, Akkordeonist Massimo Pitzianti und Violinist Piergiorgio Rosso die exzellente Solosequenzen darboten und dafür mit entsprechendem Szenenapplaus, mit dem das Publikum das ganze Konzert hindurch nicht geizte, belohnt wurden.
Konzert ohne seine Megahits
Conte liess seine grossen «Knaller», wie zum Beispiel «Azzurro» und «Gelato al limon» links liegen, präsentierte, mit ein paar Ausnahmen, wie L’orchestrina, eher Canzoni neueren Datums. Aber wie der Altmeister und seine kongenialen Mitmusiker*innen dies taten, war schlicht und einfach überragend.
Trotz stürmischem, nicht enden wollenden Applaus und einer «Standing Ovation» gewährte Paolo Conte keine Zugabe, was das Auditorium mit Erstaunen, gemischt mit einer gewissen Enttäuschung akzeptieren musste. Das kann aber den Gesamteindruck, die Freude an dieser grandiosen Darbietung nur minimal schmälern.
Richard Galliano mit der Camerata Salzburg im KKL Foto Christa Bühler
Besetzung und Programm: Camerata Salzburg Richard Galliano – Weltstar des Akkordeons Alexander Sitkovetsky – Violine & Leitung Peter Tschaikowski: Streichsextett D-Moll op. 70 “Souvenir de Florence”
Anton Bruckner: Adagio aus dem Streichquintett F-Dur WAB 112
Astor Piazzolla: Oblivion
Richard Galliano: “Opale” Konzert für Akkordeon und Streichorchester
Peter Tschaikowski :Streichsextett D-Moll op. 70 “Souvenir de Florence”
Alexander Sitkovetsky Violine und Leitung
Energiegeladen, glutvoll, gleichsam mit der Tür ins Haus beginnt zwar der Kopfsatz – einem bestimmten Nationalstil lässt sich dieses Allegro con spirito aber nicht zuordnen. Etwas anderes scheint wichtiger: wie Tschaikowski aus dem massiven, orchestralen Beginn, in dem sich alles der Melodie der 1. Geige unterordnet, nach und nach Kontraststimmen herauslöst. Das sehnsüchtige Seitenthema entwickelt sich rasch zum Duett (1. Geige und Cello), wird dann immer mehr aufgebrochen, bis alle Instrumente gleichberechtigt sind. Und das ist der Startschuss zu einer Durchführung, in der Tschaikowski die vorgestellten Motive nach allen Regeln der Kunst miteinander kombiniert. Derr gebürtige Moskauer Konzertmeister Alexander Sitkovetsky leitete das gutaufgelegte Salzburger Orchester sitzend diskret, stilsicher mittels Mimik und Kopfbewegungen.
Zweiter Satz mit langem Atem
CAMERATA SALZBURG
Ganz anders kommt der 2. Satz daher: eine Art Ständchen mit „Gitarren“-Begleitung und langem Atem, das man sich in der Tat als Gesangsszene in mediterraner Umgebung vorstellen kann. Wie ein Spuk huscht der Mittelteil mit flirrenden Tremolo Gesten vorbei, dann herrscht wieder pure melodische Schönheit. Die beiden Schlusssätze hingegen werden von slawischen Tonfällen beherrscht. Im elegischen Scherzo verdichtet sich die Rhythmik immer mehr, ein Prozess, der sich sogar über den fröhlichen Dur-Mittelteil hinweg fortsetzt. Und im Finale bricht Tschaikowski die orchestrale Vollstimmigkeit durch zwei Fugato-Episoden auf. Das ist nun auf keinen Fall mehr italienisch zu nennen, sondern eher eine Verbeugung vor dem Widmungsträger des Werks; der St. Petersburger Gesellschaft für Kammermusik, unter deren Vereinsmitgliedern gab es nämlich viele Deutsche.
Die vielen Pizzicato lockern auf
Der Komponist hat ungewöhnlich viele Pizzicato, die mal von den Violinen, dann Celli, schlussendlich von den Bratschen intoniert werden in die Partitur geschrieben, was das Werk merklich aufheitert und das «düstere» vertreibt.
Tschaikowskis Unzufriedenheit
Alexander Sitkovetsky Leitung und Violine
Dass gerade diese satztechnischen Feinheiten Tschaikowski Kopfzerbrechen bereiteten, kommt in mehreren Briefstellen zum Ausdruck. „Ich schreibe mit unglaublicher Anstrengung“, klagte er seinem Bruder; „mich belastet nicht der Mangel an Einfällen, sondern die Neuheit der Form.“ Weil er mit der ersten Fassung des Werks nicht zufrieden war, überarbeitete er es im Winter 1891/92 noch einmal und gab es erst dann in Druck.
Das Auditorium genoss die souveräne Darbietung der Musiker und honorierte diese mit einem langanhaltenden Applaus, bevor man sich in die Foyers in die Pause begab.
ANTON BRUCKNER – ADAGIO AUS DEM STREICHQUINTETT F-DUR WAB 112
Dieses viersätzige Werk verbindet klassische Satzformen mit einer avancierten, an Wagner geschulten harmonischen Sprache. Auch die Bruckner-typischen Verläufe mit ihren blockhaft gegeneinander gesetzten Passagen finden sich hier, so dass das Quintett tatsächlich wie eine ins kammermusikalische Format übertragene Sinfonie wirkt.
Bruckner bearbeitete das Quintett mehrmals
Mehrfach wurde das Werk bearbeitet: für Streichorchester, gemischte Besetzung und sogar für romantisches Sinfonieorchester. Der langsame Satz, ein Adagio in der seltenen Tonart Ges-Dur, liegt in weiteren Arrangements vor; mit seinen 15 Minuten Spielzeit hat er die Länge eines veritablen Sinfoniesatzes. Geprägt ist er im Wesentlichen von zwei Hauptthemen, die sich in Ausdruck, melodischer und rhythmischer Gestaltung ähneln; das zweite Thema könnte man als Spiegelung des ersten bezeichnen. Kontrastierend sind dagegen die jeweiligen Begleitungen angelegt: selbständige Gegenstimmen im ersten Fall, statische Akkorde im zweiten.
Im Mittelteil des Satzes, der Durchführung, vermischen sich diese Begleitmuster, können Akkorde und Gegenstimmen auch gleichzeitig auftreten. Die Folge davon: eine ständige Belebung, Ausweitung des Klangraums und des harmonischen Spektrums, bis sich die angestaute Energie in vier Takten maximaler Lautstärke entlädt. Auch in der Reprise kommt es noch zu solchen kurzen Eruptionen, doch beruhigt sich das Geschehen zusehends, um am Ende sanft zu verklingen.
Bruckners Tiefgläubigkeit durchdringt die Komposition
Natürlich ist auch dieses Quintett wie die großen Sinfonien des Meisters von der Naturmystik und der katholischen Religiosität Bruckners durchdrungen. Bedürfte es darüber hinaus eines Belegs für Bezüge zum Osterereignis und zu dem Thema unseres Konzerts, so wären auf die thematischen Verwandtschaften zwischen dem Adagio des Quintetts und dem der Siebten Sinfonie (Bruckners Trauermusik auf Richard Wagner) und auf die hymnischen Züge in den Coda Teilen des ersten und letzten Satzes hinzuweisen. Das Orchester wurde für diese Intonation mit stürmischem Applaus belohnt.
Dann kommt er, der «Aufhänger» dieses Konzertes, aber, bevor Galliano die Bühne betritt, werden die Stühle der Musikerinnen und Musiker zusammengerückt. Diese lockere Orchesteraufstellung beflügelt den Akkordeonisten, der locker stehend zu Piazollas «Oblivion» anhebt – einem Klassiker des Revolutionärs des Tangos, Astor Piazzolla.
ASTOR PIAZZOLLA: OBLIVION
Richard Galliano
Der Argentinier Astor Piazzolla ging in die Musikgeschichte als derjenige Komponist ein, der dem Tango zu neuer Blüte verhalf. In den USA, wo er aufwuchs, lernte er den Jazz kennen, in Europa studierte er klassische Musik bei Nadia Boulanger; beide Einflüsse mischte er mit dem altehrwürdigen, aber auch etwas eingestaubten Nationaltanz seiner Heimat, dem er so eine regelrechte Frischzellenkur verpasste. Diese stilistische Offenheit, der Einbezug von komplizierteren Rhythmen, dissonanter Harmonik und sogar Kontrapunktik, passte den Traditionalisten zwar nicht, bescherte Piazzollas Musik aber einen weltweiten Siegeszug.
„Oblivion“, komponiert 1982 für den Film „Heinrich IV.“ des italienischen Regisseurs Marco Bellocchio, ist ein berühmtes Beispiel für die künstlerische Überformung des traditionellen Modells durch Piazzolla. Der zugrunde liegende Tango-Rhythmus, hier stark verlangsamt, tritt in den Hintergrund und überlässt der sehnsüchtigen Melodie Raum zur Entfaltung. Im Original ist es das Bandoneon, also das Knopfakkordeon, das mit seinem dünnen, etwas angerauten Ton wehmütigen Erinnerungen nachhängt („oblivion“ heisst „das Vergessen“), aber schon bald wurde das Stück auch für andere Soloinstrumente wie Geige oder Cello arrangiert.
Gallianos furioser Tastentanz
Richard Galliano, der diesen Klassiker wohl schon hunderte Mal gespielt hat, weiss mit seiner, leicht «Musette angehauchten» Interpretation zu begeistern und lässt seine Finger auf der Tastatur furios tanzen, so man fast fürchtet, dass er sich einen Knopf in die Finger spielt. Obwohl im Dezember 71jährig geworden, versprüht der Urfranzose noch immer jugendlichen Esprit und ungebrochene Begeisterung für die Musik und für sein fast 7 kg schweres chromatisches Knopfakkordeon, das er, wie kein zweiter, meisterhaft beherrscht.
RICHARD GALLIANO – „OPALE“. KONZERT FÜR AKKORDEON UND STREICHORCHESTER
Gleich zu Beginn entführte Galliano uns in seine südfranzösische Heimat, mit einer Musik, die sich durch einen ungeheuren Vorwärtsdrang auszeichnet: Konkurrieren im Hauptthema unterschiedliche Dreierrhythmen miteinander, wechselt das Metrum später zu 5/8- und 7/8-Takten. Solist und Streicher agieren als gleichberechtigte Partner, die sich gegenseitig ihre Einfälle zuwerfen. Ein choralartiger Einschub verheisst kurze Erholung, bevor das leidenschaftliche Hauptthema wieder die Initiative an sich reisst. Die avantgardistische Komposition weist stark romantische, mal subtil-impressionistische Züge auf, aber auch für Vitalität ist gesorgt.
Rentrer au genre de la musette
Richard Galliano wie er leibt und lebt
Der 2. Satz ist ein langsamer Walzer, dessen thematischer Kern immer neu beleuchtet wird, mal schmerzlich-süss, mal liebevoll verklärt. Über allem liegt der Schleier des Nostalgischen; Galliano selbst spricht von „Bildern des alten Paris, Akkordeonklängen in den Strassen, Jahrmarktsorgeln“, die ihm vorschwebten. Im abschliessenden Allegro bricht sich wieder mediterrane Energie Bahn, nun aber kombiniert mit herrisch-forschen Tangorhythmen, die in ein furioses Finale münden. In allen drei Sätzen lassen solistische Einschübe – die Kadenzen des klassischen Konzerts – Raum für Improvisationen, in denen sich das Akkordeon als Instrument von enormer stilistischer Bandbreite und Ausdruckstiefe präsentiert. Stecken in ihm doch „sehr viele Rollen und Möglichkeiten, die man nutzen sollte“, so Galliano. „Das Akkordeon kann so mächtig wie ein kleines Orchester klingen und im nächsten Moment zart wie ein Blasinstrument.“ Mit „Opale“ hat er seinem Instrument ein klingendes Denkmal gesetzt. Bei seinem rasanten Tastenritt wurde Galliano kongenial unterstützt von den vorzüglichen Musiker*innen der «Camerata». Immer wieder fast unglaublich, über welche Fingerfertigkeit der Weltstar des Akkordeons verfügt, welch Tastentänze er aufführt, wie kraftvoll er auch mal die Harmonien hinhämmert. Temperamentvoll liess er seine Finger über die Knöpfe fliegen, fügte aber manchmal auch ganz feine, gefühlvolle Tremolo ein, liess sein Instrument gar weinen.
Das Auditorium war begeistert und applaudierte die Protagonisten zu einer Zugabe, die dann ,dargereicht wurde in Form eines Tangos. Das reichte aber dem Publikum noch nicht und die verdiente stehende Ovation konnte die Künstler noch zur folgenden zweiten Zugabe bewegen
Galliano bemerkte, dass es sich um eine «surpise» handle und so intonierten Richard Galliano mit dem Akkordeon und Konzertmeister Alexander Sitkovetsky auf der Violine Bachs dritte Orchestersuite ab Blatt. Solche Überraschungen liess sich das begeisterte Publikum natürlich gerne gefallen und liess nicht locker mit applaudieren.
Link auf ein Konzert von Richard Galliano – Paolo Fresu – Jan Lundgren im KKL Luzern vom 18. März 2015