Bayreuther Festspiele, Das Rheingold, 7. August 2016, besucht von Léonard Wüst
Besetzung 2016
| Musikalische Leitung | Marek Janowski | |
| Regie | Frank Castorf | |
| Bühne | Aleksandar Denić | |
| Kostüm | Adriana Braga Peretzki | |
| Licht | Rainer Casper | |
| Video | Andreas Deinert Jens Crull |
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| Technische Einrichtung | Karl-Heinz Matitschka | |
| Wotan | Iain Paterson | |
| Donner | Markus Eiche | |
| Froh | Tansel Akzeybek | |
| Loge | Roberto Saccà | |
| Fricka | Sarah Connolly | |
| Freia | Caroline Wenborne | |
| Erda | Nadine Weissmann | |
| Alberich | Albert Dohmen | |
| Mime | Andreas Conrad | |
| Fasolt | Günther Groissböck | |
| Fafner | Karl-Heinz Lehner | |
| Woglinde | Alexandra Steiner | |
| Wellgunde | Stephanie Houtzeel | |
| Floßhilde | Wiebke Lehmkuhl | |
Grundsätzliches:
Das Festspielhaus verfügt über 1974 Sitzplätze, ist über 40 Meter hoch, mit einem Bühnenausschnitt von 12 x 12 Metern, dazu kommt noch eine 12 Meter hohe Unterbühne. Es sind zeitweise bis zu 80 Bühnenarbeiter im Einsatz. Der Raum ist architektonisch so konzipiert, mit den drei Proszenien, den seitlich versetzten Säulen, den ansteigenden Sitzreihen usw., dass er wie ein schwingender Geigenkasten wirkt, was die weltweit einmalige Akustik ausmacht. Die Obermaschinerie, über der bis zu 24 Meter hohen Bühne, beherbergt den sogenannten Bayreuther Schnürboden, mit dem sich tonnenschwere Bühnenelemente auf die Bühne abseilen lassen. Eine ausgeklügelte Konstruktion, deren Funktion laufend erweitert, verbessert und verfeinert wird. Die Orchesterproben vor den Festspielen finden praktischerweise im Festspielrestaurant statt, da man dieses ja erst mit Beginn der Festspiele braucht.
Auftakt:
Das Werk beginnt mit einem etwa vierminütigen Vorspiel (136 Takte), in dem sich aus einem tiefen Es-Dur-Akkord Themen des wogenden Rheins entwickeln. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung, in der zunächst die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde auftreten. Diese sind naive Naturwesen, die einen zauberhaften Schatz besitzen und in der Tiefe des Flusses hüten – das Rheingold.
Ein tätowierter Altrocker (Wotan) trifft auf drei Hollywood Blondinen (die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde), die das Rheingold hüten. Dies im „Golden Motel“ in einer der Poollandschaft, eine Grillparty zelebrierend. Regisseur Frank Castorf bringt „American Graffiti“ auf den grünen Hügel, sehr gewagt und vor allem äusserst anspruchsvoll und anstrengend. Castorf verschachtelt sehr viel, die unterschiedlichen Handlungen laufen teilweise gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen. Die Live Projektionen auf eine Leinwand über der Bühne verwirren zusätzlich. Mehrere Kameramänner filmen auf der Bühne, in die Handlung integriert, was natürlich Ansichten aus den verschiedensten Perspektiven ermöglicht. Durch diese, fast Überinszenierung, verkommt das eigentlich Wesentliche, Wagners Musik, fast zur Nebensache. Dass alle Rollen sehr gut besetzt sind und das Festspielorchester unter der Leitung von Marek Janowski Musik vom Feinsten zelebriert, ist in Bayreuth ja völlig klar, ich werde deshalb nicht auf die diversen Charaktere eingehen, sondern beschränke mich auf den Rahmen dieser Inszenierung. Da bleibt noch Zeit, einen von einer Rockergang inszenierten Tankstellenüberfall einzufügen, die Gier des Menschen nach dem Schatz, dem Reichtum symbolisierend. Alberich erobert sich schlussendlich den begehrten Ring des Nibelungen, der nur Unheil bringen soll. Auch lässt er sich vom Schmiede eine Tarnkappe anfertigen, die ihn unsichtbar macht, so er den Häschern entkommen kann. Zusammen mit Loge macht sich Wotan auf den Weg nach Nibelheim, in die Tiefe der Erde, und es gelingt ihnen durch List, Alberich den Nibelungenschatz samt dem Tarnhelm und Ring (dem Schlüssel zu Macht und Reichtum) abzunehmen, worauf Alberich den Schatz und den Ring verflucht. (Zitat Alberich: „Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge, und wer ihn nicht hat, den nage der Neid“).
Dem Festspielpublikum schien das Ganze, im Gegensatz zu früheren Castorf Inszenierungen, zu gefallen. Zur Musik, respektive dem Dirigat: Es gab schon ein paar Wackler aufgrund der speziellen Akustik im Festspielhaus. Brav bei den Einsätzen, vieles klingt da wohl durchdacht und sauber, fast zu Lehrbuchhaft. Marek Janowski erwies sich als ausgewiesener Kenner der Partitur, leider zu grundsolide. Bleibt zu hoffen, dass sich im weiteren Verlauf des Rings noch etwas ändert und er das Orchester aktiver voranreibt. Trotzdem bekam der Dirigent den größten Beifall.
Fotodiashow Szenenbilder Rheingold, Bayreuther Festspiele c Enrico Nawrath
Fotos der Protagonisten
Einführungsartikel Bayreuther Festspiele 2016:
Die Walküre, 8. August 2016
Siegfried, 10. August 2016
Götterdämmerung, 12. August 2016
Kleiner Trailer über das Festspielhaus Bayreuth
Text: leonardwuest.ch
Fotos: bayreuther-festspiele.de/deutsch/deutsch_2.html
www.gabrielabucher.ch Paul Ott:www.literatur.li
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Produktionsteam und Besetzung:
Am heutigen Sonntagabend endet das diesjährige Lucerne Festival im Sommer. Insgesamt kamen 77ʼ900 Besucher aus 49 Ländern zum Sommer-Festival nach Luzern, das über vier Wochen und fünf Wochenenden vom 12. August bis 11. September unter dem Motto «PrimaDonna» 88 künstlerische Zahl- und 24 Gratis-Veranstaltungen präsentierte. Die 88 Verkaufsveranstaltungen waren zu 90 Prozent ausgelastet und verzeichneten 64ʼ900 Besucher, 25 der Veranstaltungen waren ausverkauft. Zu den 24 Gratis-Veranstaltungen kamen 13ʼ000 Interessierte. Die Auslastung der 29 Sinfoniekonzerte betrug durchschnittlich 94 Prozent. Sehr beliebt war der Erlebnistag am 21. August mit 4ʼ800 verkauften Karten, zur Gratis-Reihe «40min» kamen 4ʼ600 Interessierte ins KKL Luzern, das Eröffnungskonzert verfolgten insgesamt 1ʼ500 Personen beim Public Viewing auf dem Inseli.
Besetzung und Programm:
Dann betrat die Solistin, in flammendes Rot gekleidet, zusammen mit Dirigent Alan Gilbert die Bühne und zelebrierte das, von Norbert Moret für sie im Jahre 1988 komponierte Konzert. «Ein grossartiges, wenn auch kurzes Werk, farbig und raffiniert geschrieben», schwärmt die Widmungsträgerin. So war denn der erste Satz sphärisch, nebulös, gleichsam dampfendem Licht. Im zweiten Satz, dieses transparent Schimmernde ergänzend, feine Vibraphonsequenzen im Zusammenspiel mit der schwingenden Violine, die auch mal leicht klagend daherkam. Mutters besinnlich einschmeichelnder Ton überzeugte einmal mehr und macht ihre Interpretationen so einzigartig. Dass begeisterte Publikum bedankte sich mit langanhaltendem tosenden Applaus. Ebenso überzeugend agierten Solistin und Orchester bei einem der bekanntesten Werke der zweiten Wiener Schule, „Dem Andenken eines „Engels“, von Alban Berg. Ob früher, als umjubeltes Wunderkind und Karajan Zögling, oder heute, als gefeierter etablierter Weltstar, Ann Sophie Mutter weiss das sachkundige Auditorium immer wieder zu begeistern und darf dafür auch immer grossen Applaus ernten. So begab man sich emotional aufgewühlt und begeistert vom Gebotenen in die Pause.
Zuerst demonstrierten Alan Gilbert und das Orchester in kurzen Sequenzen, wie die Leitmotive geschrieben sind, welches für wen oder was steht und wie Schönberg sie miteinander verflochten, oder gegenseitig überlagert hat. Damals war Schönberg noch nicht der Wegbereiter und Initiant der Zwölftontechnik, sondern eher der noch konservative Revolutionär, der aus dem Vollen schöpfte, sei es vom Aufbau des Werkes her. Da bediente er sich Elementen seines Förderers Richard Strauss, Kompositionsgerüsten des späten Brahms und auch beeinflusst von Schuberts Klangkonstruktionen, aber alles so, dass sämtliche Spielräume geöffnet bleiben für seinen konstruktiven Ehrgeiz, seine künstlerische Freiheit, Freiräume, die vieles andeuten, aber nichts festlegen oder gar vorschreiben. Also hintergründig doch ein Schritt in seine zukünftige Tonwelt, in den Aufbruch zu neuen Klangwelten, die die zweite Wiener Schule begründen wird. Alan Gilbert, hauptberuflich Chef der New York Philharmonic, geleitete das Orchester in eine wahre Klangorgie, ein fast archaischer Ausbruch der Emotionen, überbordend ausufernd, dennoch fein ziseliert und facettenreich. Der stürmische Schlussapplaus, teilweise stehende Ovation, liess einem fast vergessen, dass wir im ersten Konzertteil ebenfalls eine Weltklassedarbietung geniessen durften.