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Luzerner Theater im KKL: A Child of Our Time, 3. Juni 2016, besucht von Léonard Wüst

A Child of Our Time Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Michael Tippett im KKL LuzernOratorium für Soli, Chor und Orchester von Michael Tippett

Text von Michael Tippett In englischer Sprache

Produktionsteam und Besetzung

Howard Arman Dirigent Mark Daver Einstudierung Chor Luzerner Theater
Pascal Mayer Einstudierung Collegium Musicum
Stephen Smith Einstudierung Matthäuskantorei Luzern
Andreas Felber Einstudierung Pro Musica Viva

Jutta Maria Böhnert Sopran, Utku Kuzuluk Tenor, Eunkyong Lim Alt, Marc-Olivier Oetterli Bass

Chor Luzerner Theater (Einstudierung: Mark Daver) | Chor Collegium Musicum (Einstudierung: Pascal Mayer) | Studierende der HSLU – Musik (Einstudierung: Pascal Mayer) | Matthäuskantorei Luzern (Einstudierung: Stephen Smith) | Pro Musica Viva (Einstudierung: Andreas Felber) Luzerner Sinfonieorchester

Vor dem Konzert fand die Verabschiedung von Dominique Mentha und Howard Arman in Form eines Talks statt. Es moderierte Gabriela Kaegi, Redakteurin bei Radio srf. Es entwickelte sich ein interessantes, durchaus auch amüsantes Gespräch mit Rück – und Ausblicken der beiden Künstler, Leider fiel die Moderatorin den beiden Herren etwas oft ins Wort.

 Dominique MenthaRückblick: «A Child of Our Time» ist die letzte Produktion der zwölfjährigen Intendanz Dominique Menthas am Luzerner Theater und bezieht sich zurück auf deren Anfang, als er, als erstes Stück seiner Luzerner Laufbahn, in der Werft  die KZ Oper „Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann inszenierte. Fazit: Es waren schöne, interessant bereichernde zwölf Jahre in Luzern mit einem tollen Ensemble und einem dankbaren treuen, durchaus auch neugierigem, für Neues offenen, Publikum. Ab Herbst übernimmt er eine Gastprofessur für die Ausbildung der Sänger an der Kunstuniversität in Graz.

 

Howard ArmanHoward Arman, seit August 2011 Musikdirektor des Luzerner Theaters, wird ab Herbst künstlerischer Leiter des weltweit renommiertenChors des BayerischenRundfunks. Über seine Luzerner Zeit existiert sein Bonmot, sinngemäss: Es ist nicht möglich, hier unglücklich zu sein!

Die beiden Herren beantworteten noch ein paar Fragen aus dem Publikum und wurden von diesem auch mit einem herzlichen, langanhaltenden Applaus verabschiedet.

Zum Konzert:

Vor leider etwas enttäuschend wenig Publikum boten die Musiker und ungefähr 120 Chormitglieder den recht schwierigen, schwer verdaulichen  Stoff von Michael Tippett dar.

Die Komposition:

 Herschel Feibel GrynszpanBasierend auf der Geschichte des polnisch – jüdischen Jünglings Herschel Feibel Grynszpan, der in Paris, aus Verzweiflung über die Deportation seiner Familie und von Bekannten, den Nazi Legationssekretär Ernst Eduard vom Ratherschoss, zeichnet das Werk die folgenden Geschehnisse in Deutschland und auch in den Ländern im Ostens ab. Das Attentat diente den Nazis als willkommener Vorwand für die Reichskristallnacht, die Pogrome und die unmittelbar beginnenden systematischen Verfolgungen von diversen Ethnien, besonders der Juden.

Das Oratorium illustriert tonal die düstere Endzeitstimmung und Hoffnungslosigkeit der Verfolgten und Vertriebenen zu jenen Zeiten, widerspiegelt deren Leiden und Schmerzen, der physischen, als auch der psychischen. Michael Tippett war politisch und sozial engagiert mit durchgehender und konsequenter pazifistischer Haltung (er verweigerte den Kriegsdienst, ebenso den Ersatzzivildienst und musste dafür gar zwei Monate ins Gefängnis).

Erstmals erklang A Child of Our Time am 19. März 1944 im Adelphi Theatre in London mit durchaus nachhaltigem Erfolg.  Eher ungewöhnlich: der Komponist schrieb auch den Text selber.

Die Aufführung in Luzern:

Bedenkend, dass für die Einstudierung des sehr anspruchsvollen Werkes denkbar schwierige Voraussetzungen und wenig Zeit waren, erstaunt die grossartige Umsetzung durch die Laienchöre, vorbereitet durch ihre jeweiligen musikalischen Leiter, zusammengeführt durch Howard Arman. Ergänzt durch die vier gut aufgelegten Solisten des Opernensembles des Luzerner Theaters und auf der Basis der instrumentalen Interpretation des Luzerner Sinfonieorchesters ergab sich ein harmonisches Ganzes. Alle der drei,  mit ungefähr ca. 25 Minutengleich langen Werkteile, waren in sich unterschiedlich, trotzdem schlüssig und zusammenhängend. Die Chorpassagen ganz besonders stark in den, vom Komponisten ins Werk eingeflochtenen Spirituals.

Sopranistin Jutta Maria Böhnert Die Solostimmen verkörperten diverse Personen, besonders auffallend der klare Sopran der wieder genesenen Julia Maria Böhnert (Sie hatte, erkältungshalber, die Premiere von Bellinis „Norma“ und einige der folgenden Vorstellungen nicht singen können und wurde durch Morenike Fadayomi von der Düsseldorfer Oper am Rhein vertreten.)A Child of Our Time, die Chöre auf der Empore übere dem Orchester Die Dramatik des aufwühlenden Stoffes und dessen perfekter Reflektion und Umsetzung durch alle Aufführenden fesselten das Auditorium und berührte die Seelen. Ein ganz starker Schlusspunkt unter die Ära Mentha in Luzern. Ein Abgang, der nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt und ein zahlreicheres Publikum verdient hätte. Grosses Kompliment an die engagierten Laienchormitglieder und deren musikalischen Leiter, von denen fast alle ihre Feuertaufe auf der grossen Bühne des KKL in Luzern erlebten und mit Können erfolgreich gestalteten.Dirigent Howard Arman A Child of Our Time, die SolistenDies sahen auch die Zuschauer so und bedankten sich mit langanhaltendem starkem Applaus für dieses eindrücklich ungewöhnliche Erlebnis.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch Fotos Ingo Höhn

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Luzerner Theater Dancemakers Series #7 Choreografien aus dem Tanzensemble, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Luzerner Theater Dancemakers Series #7 Choreografien aus dem TanzensembleProduktionsteam

Ensemblemitglieder «Tanz Luzerner Theater» Choreografie
Zoran Marković Ballettmeister und Probenassistent
David Clormann Licht & technische Einrichtung
Gregor von Wyl Ton & technische Einrichtung
Lucie Machan Dramaturgie
Kathleen McNurney Künstlerische Leiterin «Tanz Luzerner Theater»

Besetzung

Chiara Dal Borgo, Rachel P. Fallon, Davidson Farias, Juan Ferré Gómez, Mercédes Maria Christina Go, Shota Inoue, Rachel Lawrence, Salome Martins, Martina Pedrini, Aurélie Robichon, Anton Rosenberg, Richèl Wieles, Eduardo Zúñiga

 

Rezension:

Die Serie «Dancemakers» bürgt für Vielfalt, aber auch für Nähe zwischen Zuschauern und Tänzern, sei es auf der Bühne, in den Gängen des Südpols oder nach der Vorstellung im Bus zurück in die Stadt. Aber auch für die Nähe der Choreografien zu den Tänzern, denn für einmal leben die Tänzer das aus auf der Bühne, was sie selber direkt bewegt. Allein schon dies hebt die Serie «Dancemakers» ab von den übrigen Tanzanlässen und macht sie zu etwas Besonderem.

Auch dieses Mal sind ganz unterschiedliche Werke entstanden, von verspielt-vergnügt über traurig-komisch bis hin zu sinnlich-poetisch. «Before it’s gone» von Richèl Wieles, zeigt einen kurzen Einblick in eine vordergründig fröhliche Familie, dann kommt es schleichend zu Veränderungen, zu Übergriffen, manchmal im Abseits, manchmal offensichtlich. Danach folgt «What happens in the Woods» von Mercédes Maria Christina Go. Sie tanzt gleichzeitig im Video und auf der Bühne, im Wald und im Jetzt, verloren und doch präsent. «You’re not alone» von Davidson Farias scheint Aurélie Robichon und Juan Ferré Gomez auf den Leib geschrieben. Sie sind zwei in eins, sich selber suchend zwischen zwei Spiegeln auf einer weissen Teppichbahn, teilweise absolut synchron, wunderbar fliessend, zusammengeschweisst und verwoben bescheren sie dem Publikum einen magischen Moment als wunderschönes Paar.

«ma(m)ma» von Shota Inoue ist etwas zwischen Kampfsport und Tanz, ein Kräftemessen von Freunden und gleichzeitig Rivalen, ein sich gegenseitig Übertrumpfen, ein Ausloten dessen, was bewegungstechnisch aber auch zwischenmenschlich möglich ist. Dabei entstehen ganz neue, unerwartete Bewegungsmuster, manchmal heftig, manchmal archaisch, dann wieder komisch und verspielt. Hochspannend und überraschend, eine neue Bewegungsform die fasziniert.

Shota Inoue als Clown überzeugt nicht nur mit seinen kraftvollen Bewegungen in «Them» von Rachel P. Fallon, sondern auch mit seiner Mimik, ein komisch-tragischer Clown, wie man ihn sich vorstellt, daneben erscheint Zúñiga als Magier im selben Stück leichtfüssig elegant. Von Zúñiga stammt «Archipel», ein Zusammenspiel von drei Figuren, die sich immer wieder verlieren, finden, sich neu aufstellen, dies in einem atemberaubenden Tempo. Rachel P.  Lawrences «They shoot single people, don’t they» ist eine etwas skurrile Geschichte und bewegt sich zwischen Theater und Tanz. Darin sucht Davidson Farias eine Partnerin oder allenfalls die Tierart, in welcher er nach einem eventuellen Scheitern seiner Suche wiedergeboren werden soll, hier eine wiederum ganz andere Tanz-Ausdrucks-Form.

Zwischen den Blöcken, sozusagen zum Zeitvertreib und zum grossen Vergnügen des Publikums, tanzen Zúñiga und Wieles abwechslungsweise, am Ende dann gemeinsam, zu «Tip Toe Thru‘ the Tulips with Me» eine Art Parodie auf den klassischen Tanz: Pirouetten, Arabesken, Hebefiguren, immer schön lächelnd, leicht überdreht, in durchschimmernden violetten Flatter-Shirts, im letzten Teil zusätzlich mit engen goldenen Shorts, ein Augenzwinkern, das beim Publikum sehr gut ankommt.

Mit ganz wenig haben die jungen Choreografinnen und Choreografen ganz viel auf die Bühne des Südpols gezaubert. Es ist immer wieder spannend, was ihnen dabei alles einfällt und vor allem was sie bewegt, sie, die nun ein Jahr lang von anderen Choreografen bewegt und ein Stück weit beeinflusst worden sind.

Kleine Fotodiashow von Ingo Höhn Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2016/05/26/luzerner-theater-dancemakers-series-7-choreografien-aus-dem-tanzensemble-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: Ingo Höhn www.luzernertheater.ch

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Luzerner Theater: Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bittenProduktionsteam

Andreas Herrmann Inszenierung, Viola Valsesia Bühne

Silvana Arnold Kostüme, Denim Szram Musik
Clemens Gorzella Licht, Carmen Bach Dramaturgie

Besetzung Christian Baus, Jörg Dathe, Hans-Caspar Gattiker, Wiebke Kayser, Lilli Lorenz, Bettina Riebesel, David Michael Werne

Rezension:

Auf der Bühne stehen sieben Schauspieler, identisch gekleidet in Anzug und Deux-Pièces in den Farbnuancen blau und beige mit gelben Helmen. Sie scheinen auf einer Besichtigungstour zu sein. Interessiert hören sie dem Vortragenden zu, dann ziehen sie durchsichtige Regenmäntel über und schieben sich hinter der Bühne durch einen imaginären Tunnel. Die Anfangsszene scheint auf den ersten Blick nicht viel zu tun zu haben mit dem Stück von Georges Perec. Später reiht sie sich dann aber ein in die verschiedenen improvisierten, oft stummen Szenen, welche immer wieder eingeschoben werden und den Büroalltag persiflieren: Der Betriebsausflug, das Betriebsfest, der Büroalltag in Form einer Art Dokumenten-Ballett, schrill, schräg, skurril und eine wunderbare Plattform für die Spiellust der Akteure auf der Bühne.

Schauspielensemble Luzerner TheaterDann stellen sich die Personen in ihrer Funktion vor; das Angebot, die Alternative, die positive Hypothese, die negative Hypothese, die Wahl und der Schluss, dazu kommen als siebte Person die Masern. Nun geht es also darum,  beim Bereichsleiter eine Lohnerhöhung zu erwirken, was durch die diversen Funktionen verschiedenste Versionen und Möglichkeiten zulässt. Diese werden durchgespielt, neu erdacht und leicht abgeändert von neuem durchgespielt, immer und immer wieder. Daneben wird auch das Vorstellungsgespräch geübt: Jeder versucht, sich in seinen speziellen Fähigkeiten hervorzutun, wiederum ein Moment, wo sich die Schauspieler so richtig verwirklichen und austoben können. Auch an Ratschlägen fehlt es nicht, so doziert ein «Coach», predigt fast eher, am Rednerpult, sein Vortrag so salbungsvoll und grabesernst, dass man am Ende des Referats statt „Danke“ ein „Amen“ erwartet.  

Lilli Lorenz, David Michael Werner, Hans-Caspar Gattiker, Wiebke Kasyser, Bettina Riebesel, Jörg DatheEs ist anfänglich nicht ganz einfach, in das Stück einzutauchen, die Wiederholungsschleifen, die verschlungenen Varianten, all diese „entweder/oder“ ziehen sich etwas in die Länge, die improvisierten Szenen driften teilweise ab ins Fantastische. Nach der Pause verdichtet sich die Geschichte, fängt an, sich immer schneller zu verändern, der Bittsteller mutierte in der Zwischenzeit vom „schlecht Entlohnten“ zum „Ausgebeuteten“, die Lage spitzt sich zu. Er wird zwar zum Mitarbeiter des Jahres gekürt, man spürt aber, gut kommt das trotzdem nicht.

Es gibt viele heitere, absurde und aberwitzige  Momente, es wurde auch oft gelacht an der Première und die sieben Schauspieler scheinen sich zeitweise selber köstlich zu amüsieren. Ein absolutes Highlight ist das Bühnenbild. Die Bühne ist als Raum ausgekleidet mit durchsichtiger Gaze, in diesem Raum selber befindet sich ein zweiter Raum, ein mobiler Kubus  ebenfalls mit Wänden aus Gaze. Die Schlichtheit besticht, fasziniert, die Durchlässigkeit und gleichzeitig Begrenztheit, im Zusammenspiel mit den Lichteffekten erzeugt Bilder von grosser Intensität. Und wenn sich die Schauspieler im Gegenlicht als schwarze Gestalten mit leuchtenden Plastikbällen auf die Bühne schleichen, ist das grosses Kino. Auch das Schlussbild mangelt nicht an Symbolik: die Gaze gibt den Blick frei auf die ausgeschalteten skelettartig wirkenden Scheinwerfer hinter der Bühne.

Wiebke Kayser, Jörg Dathe, Hans-Caspar Gattiker, Christian Baus, Lilli Lorenz, David Michael Werner, Bettina RiebeselEs ist eine würdige Abschiedsvorstellung, welche das ganze Ensemble den Besuchern beschert und es lohnt sich, die anfänglich vielleicht etwas ungewohnten Szenen durchzusitzen und sich auf dieses spezielle Experiment einer Nachfrage nach Gehaltserhöhung einzulassen.

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch Ingo Höhn

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Cameron Carpenter entstaubt die Orgel , Tonhalle Zürich, besucht von Irène Hubschmid

Cameron Carpenter an seiner selbstgebauten OrgelBesetzung
Cameron Carpenter International Touring Organ

Programm:  Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 «St.Anne»
Johann Sebastian Bach/
Gustav Mahler Syncretisches Präludium und Fuge in D-Dur, arr. Cameron Carpenter
Johann Sebastian Bach Chaconne d-Moll nach Busonis Klavierbearbeitung von BWV 1004, arr. Cameron Carpenter
Gustav Mahler «Rondo Finale», aus: Sinfonie Nr. 5 cis-Moll, arr. Cameron Carpenter
Olivier Messiaen «Dieu parmi nous», aus: La Nativité du Seigneur, neuf méditations pour orgue
Claude Debussy «La cathédrale engloutie», aus: Préludes I
Maurice Ravel La Valse, arr. Cameron Carpenter

Rezension:

Cameron Carpenter, 1981 in Pennsylvania,  USA, geboren, führte mit elf Jahren erstmals J.S. Bachs „Das "Wohltemperierte Klavier“ (BWV 846-893) auf.

Cameron Carpenter ist wirklich ein Ausnahmekünstler. Genial, aufgeweckt, mutig und entdeckungsfreudig.Nicht nur sein selbstgebautes Instrument, sprich die Orgel, wie auch die dazugehörige Musikanlage und auch sein exzentrisches Äusseres erzielten eine imposante Darstellung und dies alles gegenüber der klassischen Tonhalle-Orgel. Das Konzertpodium erinnerte an den Roman von Stendal: Le Rouge et le Noir.  Die Verstärker, deren zahlreich, wurde vom Publikum nicht allerseits goutiert. Es war dadurch manchmal überdimensioniert laut.

Zum Einstieg spielte Carpenter Präludium und Fuge „St. Anne“  J.S. Bach (1685-175). Ein fulminanter Auftakt wie Carpenter Bach versteht, interpretiert und wiedergibt; ja eine richtige Tonflutwelle gefolgt von sanfteren Passagen.

Im Anschluss das Syncretische Präludium und Fuge von J.S. Bach/Gustav Mahler (1860 -1911) arr. Cameron Carpenter. Man wusste nicht ob es Bach oder Mahler war. Manchmal war es ein zartes bis lieblichesTonspiel und dann auch wieder impulsiv bis aggressiv. Ein Musikspiel mit vielen Akzenten..

Das Chaconne nach Busonis Klavierbearbeitung von J.S. Bach arr. Cameron Carpenter hatte wirklich einen sinnlichen, wilden und zügellosen Charakter, frei nach Carpenter.

Das „Rondo-Finale“ von Gustav Mahler arr. Cameron Carpenter klang zeitweise wie ein Wasserfall, modern, quirlig, pointiert, sphärisch bis entrückt.

Nach der Pause. Bei gewissen Zuhörern zeichnete sich ein Sättigungsgrad ab und die  vollbesetzten Zuhörerreihen lichteten sich etwas.

Von Olivier Messiaen (1908-1992) „Dieu parmi nous“, aus La Navitiédu Seigneur, neuf médiations  pour orgue.  Einfach nur göttlich schön, meditativ und mit klerikalem Charakter.

Claude Debussy (1862-1918) „La cathédrale engloutie“, aus Préludes I. Anfang mit sonorem Glockenklang! Es vermittelte das Gefühl als wäre man in einer immensen Kathedrale. Carpenter spielte mit Kopf, Herz und grosser Hingabe. Dumpfe Untertöne begleitet mit ebenso gefälligen, wie leichtfüssigen Klängen.

Maurice Ravel (1875-1937)  La Valse, arr. Cameron Carpenter. Die Walzerklänge versanken in den Tonvariationen des Interpreten. Eine Fusion von „alt und neu“ in der Orgelmusikpräsentation, speziell und einzigartig.

Enthusiastischer Publikumsapplaus manchmal auch Standing Ovation.

Das Publikum beglückte Cameron Carpenter noch mit zwei Zugaben! In der einen Orgeldarbietung vermittelte er zackig/rassige Marschmusik.

Es war eine unendliche wie anregende Orgelgeschichte und für den Musiker noch lange nicht ausgeschöpft. Wenn er seiner authentischen Art und dem Carpenter-Kolorit treu bleiben kann, stehen ihm weiterhin Tür und Tor offen.

Trailer "All you need is Bach"

youtube.com/watch?time_continue=65&v=lcqOyWyqnUs

Text: www.irenehubschmid.ch 

Fotos: www.cameroncarpenter.com/ und  zko.ch/das-zko/

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Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

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