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Lucerne Festival am Piano Tastentag 3 Nareh Arghamanyan, 20. November 2016, besucht von Léonard Wüst

Nareh Arghamanian c Peter Fischli, Lucerne FestivalBesetzung und Programm:

Nareh Arghamanyan  Klavier

Aleksandr Skrjabin (1872–1915)
Klaviersonate Nr. 3 fis-Moll op. 23

Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Ausgewählte Lieder in Klaviertranskriptionen

Nikolai Medtner
Sonata Reminiscenza a-Moll op. 38 Nr. 1

Igor Strawinsky (1882–1971)
Danse infernale, Berceuse und Finale aus Der Feuervogel, arrangiert für Klavier von Guido Agosti

Michail Glinka (1804–1857)
Nocturne La separation

Romance L’alouette, arrangiert für Klavier von Mili Balakirew

Mili Balakirew (1837–1910)
Islamej. Orientalische Fantasie für Klavier

Rezension:

Konzert im Rahmen des Tastentags

Der Tastentag widmete sich der russischen Klavierschule mit Martin Meyers Lecture (14.00) und den Pianisten Georgy Tchaidze (11.00), Alexej Gorlatch (16.00) und Nareh Arghamanyan (18.00).

Einen Streifzug durch hundert Jahre russische Musikgeschichte unternahm dabei Nareh Arghamanyan.

Sie wurde am 21. Januar 1989 in Armenien (damals noch Teil der Sowjetunion) geboren, begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel und schon drei Jahre später wurde sie am staatlichen Tschaikowsky-Konservatorium in Eriwan aufgenommen, mit 15 Jahren wurde sie an die Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien zugelassen.

Die Künstlerin stellte kurzfristig die Reihenfolge um und startete mit der Komposition von Nikolai Medtner und stellte Strawinskys „Feuervogel“ an den Schluss. Eine glückliche Entscheidung, wie sich erweisen sollte, waren doch die Werke der zuletzt gespielten drei Komponisten die technisch spektakulärsten. Dagegen wirkten selbst die vorher gespielten Stücke von Skrjabin und Rachmaninow relativ brav. Richtige Trouvaillen, da weniger bekannt, dagegen Michail Glinka und Mili Balakirew, deren Werke zwischen denen der arrivierteren Komponisten zur Aufführung gelangten.

Im 19. Jahrhundert galt „Islamej“, orientalische Fantasie für Klavier von Mili Balakirew, als beinahe unspielbar. Aleksandr Skrjabin soll sich beim Üben derselben sogar die rechte Hand verletzt haben, wurde kolportiert. Aber für die Armenierin schien selbst diese Höchstschwierigkeit nicht das geringste Problem zu sein, meisterte sie doch die Tücken der Partitur mit ihrer stupenden Technik brillant.

Nareh Arghamanyan c Julia WeselyEs folgte der krönende Abschluss mit Strawinsky: Danse infernale, Berceuse und Finale aus „Der Feuervogel“, arrangiert für Klavier von Busoni – Schüler Guido Agosti. Hier konnte die Pianistin nochmal so richtig in die Tasten greifen, das Publikum zu Bravorufen animieren. Fulminante Läufe, effektvoll gesetzte Fortissimi und animierte Körpersprache perfektionierten das Gesamtkunstwerk. Stürmischer Applaus inklusive stehende Ovation war die verdiente Anerkennung für eine aussergewöhnliche Klaviervirtuosin an diesem Tastentag.
Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Beethovens Fünfte, Luzerner Sinfonieorchester, KKL Luzern, 16. November 2016, besucht von Léonard Wüst

Hannu Lintu, Beethovens Fünfte, Luzerner SinfonieorchesterBesetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

Hannu Lintu, Leitung

Stojan Krkuleski, Klarinette, Christoffer Sundqvist, Klarinette

John Adams (*1947)
«Short Ride in a Fast Machine»
–
Siegfried Matthus (*1934)
Konzert für zwei Klarinetten und Orchester (Uraufführung)
–
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

 

Rezension:

Eigentlich deutete von der Programmation her alles darauf hin, dass Beethovens Fünfte der Höhepunkt des Konzertes sein würde. Das war sie dann auch, allerdings nicht uneingeschränkt, da die Uraufführung des Doppelkonzertes für zwei Klarinetten von Siegfried Matthus (*1934) im ersten Konzertteil, beim Publikum im ausverkauften Konzertsaal ebenso grosse Begeisterung hervorrief, auch, weil mit Stojan Krkuleski einer der beiden Solisten Mitglied des LSO ist. Gestartet wurde furios mit dem  fünfminütigen John Adams Knüller über die musikalisch dargestellte, rasante Fahrt mit einem PS potenten Sportwagen (Short ride in a fast machine). Da war vom Orchester volle Präsenz ab der ersten Sekunde gefragt. Geleitet vom schlaksigen finnischen Gastdirigenten Hannu Lintu meisterten die Musiker diese kurze, aber explosive Spritzfahrt und erhielten dafür den entsprechenden Applaus. Darauf positionierten sich die zwei Solo Klarinettisten vor dem Orchester für das nun folgende Konzert für zwei Klarinetten und Orchester. Bald wurde hörbar, wie schalkhaft süffisant der Komponist die Soli in der Partitur gelistet hat. Es entwickelten sich spannende Monologe, dazu die erfolglosen Versuche in unisonen Dialog zu treten. Setzte Krkuleski seinen End Ton, folgte Sundqvist mit einem konstant höheren, was seinen Mitstreiter sichtlich enervierte. Dies wiederum ärgerte Sundqvist, der sich selbst im Recht wähnte. Stojan Krkuleski, Solist KlarinetteSo nahm die Tragikomödie ihren Lauf, bis beide Solisten perplex verstimmt die Bühne verliessen. (Dies immerhin fast synchron). Das Orchester spielte die Partitur ungerührt weiter, worauf sich die beiden Solo Klarinetten wieder dazu gesellten, schlussendlich zusammenrauften und doch noch zu einer finalen Harmonie gelangten. Sie bewiesen bei diesem musikalischen „Pas de deux“, dass sie nicht nur aussergewöhnlich gute Musiker sind, sondern dazu  über sehr grosse komödiantische Fähigkeiten verfügen. Obwohl dieses Szenario vom Komponisten höchstpersönlich im Programm so beschrieben war, überraschte die Umsetzung desselben in seiner Konsequenz doch, sichtlich genossen vom köstlich amüsierten Publikum. Dabei war das Ganze in keinster Weise klamaukhaft, sondern eine augenzwinkernde, feinfühlige Parodie auf Personen, die, aller Bemühungen zum Trotz, nicht auf die gleiche Wellenlänge kommen, sich nicht zur gleichen Zeit mit dem wortwörtlich gleichen Ton äussern können. Versöhnlich, dass zum Schluss doch noch alles Friede, Freude, Eierkuchen war. Christoffer Sundqvist, Solist  KlarinetteDas Auditorium war hell begeistert und überwältigt, weil, nebst Witz und Ironie, auch die musikalische Qualität auf höchstem Level war. So begab man sich gutgelaunt in die Pause.

Der zweite Konzertteil Beethovens 5. Sinfonie

Hannu Littu führte gradlinig und klar durch die Partitur, zügig, nicht zu pompös, gar brachial. Diese Interpretation erlaubte, besonders den Bläsern, feine Ziselierungen, zurückhaltend diskret und trotzdem deutlich. Wo Beethoven häufig etwas bärbeissig daherkommt, liess der finnische Dirigent auch mal eine Spur Zärtlichkeit, gar Erotik durchschimmern, manchmal auf dem Pult wie ein nordischer Torero agierend, seinen ganzen Körper einsetzend,  dann wippend und mit grosser Gestik, mal mit blossen Fingerbewegungen die Töne rauskitzelnd. Ein Hör – und Sehgenuss par excellence, getragen durch ein gewohnt souveränes, auf höchstem Niveau agierenden LSO. Das  sichtlich zufriedene Publikum honorierte diese Darbietung mit kräftigem, langanhaltendem Applaus, zu einer stehenden Ovation reichte es erstaunlicherweise nicht ganz.

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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Mariinsky Orchestra, Kulturcasino Bern, 17. November 2016, besucht von Paul Ott

Mariinsky OrchestraBesetzung und Programm:

Valery Gergiev (Leitung)
Leonidas Kavakos (Violine)

Dieter Ammann
„Turn“ (2010)
Dmitri Schostakowitsch
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77
Modest Mussorgski
„Bilder einer Ausstellung“

 

Rezension: Ein Maestro im Bein-Korsett

Das zweite Konzert von Migros-Kulturprozent-Classics in Bern bot mit dem Mariinsky Orchestra aus St. Petersburg nicht nur ein anderes Programm als dasjenige in Luzern, sondern begann mit Verspätung und der Ankündigung, dass der Maestro Valery Gergiev den Meniskus verletzt habe, aber das Konzert dennoch durchziehe. Ob als Dirigent auf einem nicht sehr stabil wirkenden Stuhl oder nach der Pause stehend, das linke Bein in einer Manschette: Das Publikum rechnete ihm seinen Durchhaltewillen hoch an!

Valery Gergiev (Leitung)Den Anfang machte Dieter Ammanns „Turn“ (2010), der Dreh- und Angelpunkt eines musikalischen Triptychons, über das der von der Aufführung sichtlich begeisterte Komponist im Programmheft sagt: „Ich habe ein formales Konzept entwickelt, das eine bewusste Überfrachtung des Orchestersatzes exponiert, um so eine musikalische Aura zu schaffen, die in der Folge dann einer grundlegenden Veränderung unterzogen bzw. völlig gebrochen wird.“ So gut das Orchester das Stück umsetzt, es bleibt ein Fremdkörper im Programm dieses Abends.

Es folgte Dmitri Schostakowitschs „Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77“ aus dem Jahr 1947/48, das jedoch erst nach Stalins Tod 1955 zum ersten Mal aufgeführt werden konnte. Über die kulturpolitische Bedeutung des Werkes in der Sowjetunion ist hinlänglich berichtet worden. In der heutigen Aufführung wirkt das Geigenspiel frisch, leicht und luftig, während man sich – vor allem im dritten Satz – fragt, wozu es da ein Orchester braucht oder ob es den Klang der Violine, die auch die zartesten Töne mit höchster Präzision betont, nicht eher behindert. Es mag an der Anlage des Konzerts liegen oder an der Interpretation des Orchesters. Egal. Denn Leonidas Kavakos gibt mit seinem unglaublichen Spiel Grund zur Begeisterung. Er ist kein Zeremonienmeister (wie etwa die Kopatchinskaja), sondern ein Liebhaber der Geige, was er auch in einer fein gespielten Zugabe mit Zitaten aus der Barockzeit zeigt, die wir jedoch nicht zuordnen konnten.

Leonidas Kavakos (Violine)Nach der Pause zeigt sich das Mariinsky Orchestra auf dem Höhepunkt seines Könnens, und es ist ein besonderer Genuss, von einem russischen Orchester Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ (1874)  zu hören, zwar ein oft gespielter Klassiker im Konzertbetrieb, aber selten mit so viel Leidenschaft aufgeführt. Dankenswerterweise sind die Titel der Bilder im Programmheft aufgelistet, so erkennt man den Gnom, den Ochsenkarren, das Heldentor an der bombastischen Wiedergabe, den Marktplatz von Limoges und die Tuilerien in ihrer luftigen Lebendigkeit und die allseits bekannte Promenade als Begleiter durch die Ausstellung. Man würde sich wünschen, zu den Klängen der Musik vor den Bildern von Viktor Hartmann zu stehen, die Mussorgski als Anregung dienten, zum Beispiel das reizend betitelte „Ballett der unausgeschlüpften Küken“. Die „Bilder“ wurden übrigens in der Orchesterfassung von Maurice Ravel präsentiert.

Es gab dann mit Claude Debussys „Prélude à l’Après-Midi d’un Faune“ (1894) noch eine grosszügige Zugabe, die zeigte, dass die russische und französische Kultur über lange Zeit eine große Affinität hatten, die heute noch auf der Bühne ihren Platz findet.

Ein toller Konzertabend!

Text: Paul Ott www.literatur.li

Konzert organisiert von: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home

Fotos: Homepage von Migros-Kulturprozent

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Migros – Kulturprozent – Classics, Tournee II, Mariinsky Orchestra, KKL Luzern, 14.November 2016, besucht von Léonard Wüst

Das Mariinsky Orchestra aus Sankt PetersburgBesetzung und Programm:

Das Mariinsky Orchestra aus Sankt Petersburg

Valery Gergiev  (Leitung)
Leonidas Kavakos  (Violine)

Dmitri Schostakowitsch
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77
Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

Rezension:

Die Orchestermitglieder hatten ihre Platz schon eine geraume Zeit eingenommen, die Instrumente aufeinander abgestimmt, aber Maestro Gergiev liess auf sich warten, sehr lange, sodass auch die Musiker fast so etwas wie nervös wurden. Dann genoss Valery Gergiev sichtlich sein, vom Publikum heftig beklatschtes Erscheinen, in Begleitung des griechischen Violine Solisten Leonidas Kavakos (*1967). Valery Gergiev, LeitungResolut betrat er das Dirigentenpodest und hatte seine Mitmusiker sofort mit ein paar unauffälligen Fingerbewegungen in vollste Konzentration gebracht. Zur Aufführung gelangte das, von Dmitri Schostakowitsch seinem Freund  David Oistrach gewidmete Konzert  für Violine und Orchester Nr. 1. Dafür stand mit dem gebürtigen Athener Kavakos, u.a. Gewinner des Sibelius-Wettbewerbs 1985, ein mehr als nur kompetenter Solist auf der Bühne. Seine eigene Definition lautet: „Kunst ist, die Seele zu bilden“. Dies zu tun, bot ihm das ca. 40 minütige Werk ausreichend Gelegenheit, die er auch dementsprechend nutzte, was vom sachkundigen Auditorium, im gut besetzten Konzertsaal, sichtlich genossen wurde. Unterstützt vom grossartigen, sich dennoch zurückhaltenden Orchester, bot der Solist eine absolute Weltklasseperformance und setzte die Intentionen und Deutungen des Komponisten prägnant um. Solist Violine Leonidas Kavakos c Marco BorggreveDas Auditorium feierte die Protagonisten mit langanhaltendem stürmischem Applaus, wofür sich Kavakos mit einer kleinen Zugabe in Form einer Improvisation erkenntlich zeigte.

Nach der Pause folgte von Gustav Mahler die Sinfonie Nr. 5 Cis Moll

Entstanden am Wörthersee, wo Mahler sich zur Rehabilitation nach schwerer Krankheit aufhielt, führt die Sinfonie wieder weg von seinen Vokalsinfonien, zurück zur reinen Instrumentalmusik.

Besonders bekannt und auch des Öftern als eigenständiges Werk konzertant aufgeführt natürlich das „Adagietto“, das Luchino Visconti für seinen 1971 entstandenen Film (basierend auf der gleichnamigen, 1911 geschriebenen, Novelle von Thomas Mann) „Tod in Venedig“ verwendete. Fast sicher, dass Mahler dieses Motiv des schwärmerischen Tons aufgrund seiner Begegnung mit der jungen Alma Schindler für diese als klingende Liebeserklärung komponierte, die umworbene Dame, die er im März 1902, noch während der Arbeit an der Komposition, heiratete. Der Komponist verwendete in seiner „Fünften“ auch viele Motive vorangegangener Sinfonien, aber ebenso Themen aus den Gesängen nach Rückert und den etwas älteren „Wunderhornlieder“. Selten zitiert er dabei die exakte Melodie, vielmehr musikalische Gesten oder die Akzentuierung eines bestimmten Tonfalls. Mahler schafft damit ein komplexes musikalisches Maskenspiel, in dem nicht klar wird, was sich hinter den Masken verbirgt. Er packt aber alles in das Werk. Todesangst, Kriegsschrecken, Liebessehnsucht ebenso wie fast kindliche Schwärmerei, Negatives wie Positives.

Die Mahler Sinfonie kam etwas zähflüssig daher, war wohl deshalb sehr üppig und umso monumentaler.

Dem Publikum jedenfalls gefiel diese Auslegung und es applaudierte die Musiker zu einer kurzen Zugabe.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home

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