Luzerner Theater, Die Zauberflöte, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart Première, 17. Dezember 2016, besucht von Léonard Wüst
Produktion und Besetzung:
Mit: Vuyani Mlinde (Sarastro), Diana Schnürpel (Königin der Nacht), Magdalena Risberg (Pamina), Maja Bader (Papagena), Denzil Delaere (Tamino), Bernt Ola Volungholen (Papageno), Rebecca Krynski (Erste Dame), Karin Torbjörnsdóttir (Zweite Dame), Sarah Alexandra Hudarew (Dritte Dame), Robert Maszl (Monostatos), Jason Cox (Sprecher / Zweiter Geharnischter), Kihun Koh (Priester / Erster Geharnischter) Luzerner Sängerknaben, Chor des LT, Luzerner Sinfonieorchester
Rezension:
Grundsätzliches zum Werk
Prinz Tamino und Pamina, fast noch Kinder, werden sowohl von Sarastro wie von der sternflammenden Königin der Nacht manipuliert: Pamina, Tochter der Königin, wurde von Sarastro entführt. Die zwei Machtinhaber vertreten das Männliche und das Weibliche und kämpfen, von der absoluten Richtigkeit ihrer jeweiligen Systeme überzeugt, um den siebenfachen Sonnenkreis, Symbol der alleinigen Vormachtstellung in der Welt. Die beiden jungen Menschen aber kämpfen vor allem um eins – um ihre Liebe. Papageno, Taminos Begleiter bei der gefährlichen Mission und von Beruf Vogelfänger in Stellung bei der Königin, sorgt als Vertreter alles Irdischen mit Witz und Charme für Bodenhaftung und, glücklich vereint mit Papagena, für Nachwuchs.
Emanuel Schikaneder hat als Vorlage u.a. das Märchen „Prinz Lulu oder die Zauberflöte“ von August Jacob Liebeskind verwendet. Sein Libretto und insbesondere Mozarts Musik fordern ein Theater, das die verwandelnde Kraft der Liebe offenbart und eines, das die Grenzen scharf beleuchtet, wenn die Liebe sich nicht durchzusetzen vermag. Obwohl die Oper bereits 1791 uraufgeführt wurde, hat diese Thematik einen
–leider– hoch aktuellen Bezug. In „Die Zauberflöte“ sind es diese diametralen Reiche und ihre Machthaber, des weibliche verkörpert durch die Königin der Nacht, auf der andern Seite das männliche, durch Sarastro und seine Ausführungsgehilfen.
Die Luzerner Inszenierung:
Die Inszenierung von Wouter Van Looy versucht, laut seiner Aussage in der Luzerner Zeitung, vor allem die Machtstruktur des dominierend Männlichen zu betonen, was aber nur in Ansätzen gelingt. Da sind zum Glück die ausgezeichneten gesanglichen und schauspielerischen Leistungen, die überzeugen. Primus inter pares der norwegische Bariton Bernt Ola Volungholen als Papageno“, der mit der aufgestellten Maja Bader (geborene Luzernerin) als „Papagena“ spielerisch, witzig interagierte.
Die Spannung und Dynamik von Mozarts Meisterwerk wirkte irgendwie gefangen in den vielen Käfigen, die auf der Bühne hin und her bewegt wurden. Da herrschte keine Bewegung, alles viel zu statisch und zähflüssig, da war man schon froh, wenn Papageno als „Gag“, als er sich einsam und verloren fühlte das „Wolgalied“ aus der Operette „Der Zarewitsch“ zum Besten gab. ( Allein, wieder allein. Hast du dort oben vergessen auch mich). Etwas mehr Bewegung nach der Pause durch starke Leistungen der, von Sarastro angeführten „Bösen“. Glanzleistung des bewährten Ensemblemitgliedes Robert Maszl als Monostatos“, der mit seiner Dreizack Schere als einer der wenigen, für etwas Bewegung sorgte.
Und da ist ja auch immer noch, quasi als Lebensversicherung, das Luzerner Sinfonieorchester, das unter der Leitung von Clemens Heil einmal mehr überzeugte, den Sängern nicht dominant, sondern ergänzend Support bot. Der Schlussapplaus war langanhaltend, nicht aber begeistert überbordend. Wenn es gelingt, wie von Wouter van Looy angekündigt, die Charaktere noch mehr auszuarbeiten, mehr Kontroversen zu schaffen, klar und deutlich abzugrenzen (Bei der Königin der Nacht und bei Sarastro ist das gelungen) und die andern Figuren auch solche, klarere Konturen erhalten, kann das Ganze noch richtig gut werden, so ist es aber leider nicht genug konsequent um vollständig zu überzeugen oder gar zu fesseln.
Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn:
Text: www.leonardwuest.ch
Fotos: www.luzernertheater.ch
Homepages der andern Kolumnisten: www.irenehubschmid.ch
www.marvinmueller.ch www.gabrielabucher.ch
Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li
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Besetzung und Programm:
Mit dem virtuosen Vortragen eben dieser Sinfonie, strafte Das LSO unter souveräner Leitung von James Gaffigan diese Skeptiker Lügen und bewies einmal mehr, dass es zu den besten Klangkörpern Europas gehört.
Produktion und Besetzung:
Die Geschichte basiert auf dem Film «Les enfants du paradis» von Marcel Carné. Es geht um die schöne Garance im Paris des 19. Jahrhunderts und um die vier Männer, welche sich im leidenschaftlichen Beziehungskarussell um sie drehen: der Pantomime Baptiste, der Schauspieler Frédéric Lemaître, der Graf Eduard von Monteray und der Gauner Lacenaire. Es ist eine Geschichte über Liebe, Schicksal, Hoffnung und Enttäuschung, über Träume und Erinnerungen und der brasilianische Choreograf Fernando Melo, welcher im 2014 mit seinem «Don Juan» begeistert hatte, erzählt sie auf seine ganz eigene Weise
Der erste Akt hat etwas tief Melancholisches. Garance sitzt auf ihrem Bett und kämmt ihr Haar mit dem Rücken zum Publikum. Gleichzeitig spiegelt sie sich, zusammen mit dem ganzen Theatersaal, auf einer lichtdurchlässigen Folienwand. Auf und durch diese spielen sich in der Folge magische Momente ab. Wenn sich ihr Körper in der Erinnerung – und Spiegelung – unter den imaginären Berührungen Baptistes aufbäumt, ist das Poesie und Zauber zugleich. Möglich wird dies durch eine hochkomplexe Licht- und Spiegelungstechnik, aber auch durch eine unglaubliche Präzision und Abstimmung der Bewegungen der Tänzer vor und hinter der Wand. Zwischen Tagträumen und Erinnerungen greift Melo kurze Film-Szenen auf. Erzählt werden diese von den Tänzern zwischen schwarzen Bahnen, welche hinter der Spiegelfolie hin- und hergeschoben werden. Damals und jetzt, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen und überlagern sich, wie die schwarzen Bahnen
Der Tanz bleibt im Hintergrund bei dieser Produktion, es sind lediglich kurze Begegnungen, Kontakte, Berührungen. Die Tänzer verdoppeln sich, fallen in sich zurück, wachsen aus sich heraus, das alles ist eine lichttechnische Meisterleistung, aber auch eine Meisterleistung der Präzision. Jede Bewegung muss stimmen, muss abgestimmt sein, damit der Fluss, die Stimmung, die Magie der Bilder nicht gestört oder gebrochen wird. Das gelingt und begeistert in jeder Hinsicht. Gekonnt untermalt mit Werken von Peteris Vasks und Chopin, interpretiert von Musikern des LSO unter der Leitung von Rolando Garza Rodriguez ist dieser «Tanz 23» ein aussergewöhnliches Erlebnis mit ganz neuen Dimensionen.
Text:
Besetzung:
Al Jarreau ist siebenfacher Grammy Gewinner, spielte mit in der obersten Liga der Entertainer, auf Augenhöhe mit Grössen wie Frank Sinatra, Dean Martin, Harry Belafonte, Sammy Davis jr., Joey Bishop, Peter Lawford usw. An diesem Abend im Kongresshaus, am letzten Konzert einer Tournee, die ihn durch 18 Länder führte, war er nur noch noch ein Schatten seiner selbst, eine Legende, die sich selbst demontiert, oder vom Management demontiert wird. Von zwei Assistenten im Rollstuhl auf die Bühne geschoben, installierte sich der 76jährige auf einem Schemel.
Mit George Duke verbindet ihn eine uralte Freundschaft traten sie doch schon in den 1960ern in San Francisco als Al Jarreau and the George Duke Trio auf. Seine allererste Band hiess aber „The Indigos“, wie Jarreau im Verlaufe des Konzertes erzählte. Trotz sichtlicher Erschöpfung, unterliess es Jarreau nicht, Anekdoten zum Besten zu geben, das Publikum auch auf diese Weise, eben ganz im Stil eines Entertainers, zu unterhalten. Er wirkte durchaus sehr lebendig, seine Extremitäten deuteten dies auch immer wieder an, wippte und schaukelte er doch auch im Sitzen, sein Stimmvolumen aber litt natürlich durch das Kauern auf dem Schemel, unmöglich, bei zusammengedrücktem Brustkorb auf seinem normalen Level zu singen. So erinnerte er einzig bei den Klassikern „Pennsylvania 65000“ (Glenn Miller Welthit) und bei „Take the A Train“ (einem von Billy Strayhorn 1939 komponierten und getexteten Jazzstandard, der vom Duke Ellington Orchestra ab 1941 als Erkennungsmelodie verwendet wurde) einigermassen an den Künstler, den man in guter Erinnerung hat. Es war denn vor allem der Verdienst der ausgezeichneten NDR Big Band mit den exzellenten Solistinnen, dass das Konzert trotzdem noch zu einem, wenn auch mit nur grad 60 Minuten, kurzen Erlebnis wurde. Dass seine Stimme einst besser gurgeln, knattern, stöhnen, gurgeln und schnalzen konnte, verzieh das Publikum, mehrheitlich eher gesetzteren Alters, etwas irritiert zwar, spendete aber doch langanhaltenden, wenn auch eher höflichen, denn begeisterten Applaus.