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Luzerner Theater Tanz 22: Up/Beat , Uraufführung 23. September 2016,, besucht von Gabriela Bucher - Liechti

Tanz 22 UpBeat Luzerner Theater c Gregory BatardonProduktionsteam

Choreographie: Georg Reischl Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Georg Reischl Licht: David Hedinger Dramaturgie: Lucie Machan Künstlerische Leitung: Kathleen McNurney

Besetzung

Mit: Vincent Glanzmann (Schlagwerk und Komposition)

Tanz Luzerner Theater: Martina Consoli, Zach Enquist, Rachel P. Fallon, Shota Inoue, Carlos Kerry Jr., Rachel Lawrence, Olivia Lecomte, Dor Mamalia, Sada Mamedova, Salome Martins, Aurelie Robichon, Enrique Saez Martinéz, Isaac Spencer, Tom van de Ven, Dario Dinuzzi

Rezension:

Für die neue Tanzproduktion «Up/Beat» ist im Luzerner Theater der «Globe» beibehalten worden, sodass die Zuschauer einmal mehr ganz neue Ein- und Ausblick haben. Sie sitzen in den oberen Rängen und schauen auf die Tänzer herunter. Das hat etwas Befremdliches einerseits, andererseits lässt es  neue Perspektiven, neue Bilder, neue Aspekte zu.

Befremdlich, da die Gesichter kaum sichtbar sind, der Fokus liegt auf den Körpern, den Oberkörpern der Tänzer, die je nach Lichteinfall neue Akzente bekommen. Schatten vertiefen die Schulterpartien, Scheinwerfer lassen nackte Rücken glänzen und wenn die Tänzer mit ihren schwarzen Socken über den ebenfalls schwarzen Boden gleiten, werden sie zu fusslosen, schwebenden Gestalten.

Befremdlich eingangs aber auch, da ein grosser Teil des Ensembles neu ist, woran man sich als begeisterte Anhängerin der vorangehenden Truppe zuerst gewöhnen muss. Und schlussendlich befremdlich, weil die ersten Sequenzen von «Up/Beat» trotz viel Bewegung etwas beinahe Statisches haben. Sie kommen  schnörkellos und irgendwie freigelegt daher, wie die Tänzer selber, welche anfänglich nur in Unterwäsche auf der Bühne stehen. Die Bewegungsmuster sind anders, neu,  Gruppen bilden sich, fallen auseinander, Bewegungen beginnen, enden aber nicht dort, wo man sie erwartet. Die Körper winden sich, zittern, Arme fliegen, flattern, erratisch, beinahe spastisch, bis hin zur Ekstase – dies alles im Einklang mit der Musik des schlicht genialen Schlagzeugers Vincent Glanzmann. Und genau dort liegt die Faszination, welche sich mit der Zeit einstellt: Bei dieser Symbiose zwischen Musik und Tanz, zwischen Ton und Bewegung. Sie erreicht einen ersten absoluten Höhepunkt beim Pas de trois zwischen Dor Mamalia, Rachel P. Fallon und Tom van den Ven, wenn die Körper sich in absolutem Einklang mit der Musik bewegen, als wären sie selber die Musik,  knarzend, wenn das Schlagzeug knarzt, flirrend wenn das Schlagzeug flirrt, ein unglaubliches und unglaublich faszinierendes Miteinander. Dieses wiederholt sich, wenn das ganze Ensemble sich vor dem Schlagzeuger aufbaut und mit ihm zu spielen beginnt, man weiss  nicht, wer wen zu immer rasanteren Rhythmen antreibt. Wenn sich Zack Enquist mit dem Schlagzeug einen Pas de deux liefert, ist das atemlos faszinierend, ebenso die verschlungenen, ineinander übergehenden Elemente des Pas de deux zwischen Sada Mamedova und Dario Dinuzzi.

Die Kostüme, ebenfalls von Georg Reischl, sind so klar und schnörkellos wie das Stück selber. Wenn praktisch das ganze Ensemble in grauen Hosen und blütenweissen Shirts über den schwarzen Boden flieht, sich unter aufgespannten Regenschirmen verkriecht, mit weissen Ballonen spielt, entstehen wunderschöne Bilder von grosser  Klarheit und so nur möglich von oben. Und wenn sich Rachel Lawrence in der Schlussszene aus dem kriechenden Bodennebel zu befreien versucht, ist das schlicht berückend.

Nach der anfänglichen Skepsis und dem leichten Befremden ob all dem Neuen verlässt man das Theater mit der Überzeugung, dass  da sehr viel drin liegt und dass es im Lauf der Saison viel Neues, Spannendes zu entdecken geben wird mit dem neuen Tanzensemble des Luzerner Theaters.

«Tanz 22: Up/Beat» Interview mit Choreograph Georg Reischl vom Luzerner Theater

luzernertheater.ch/upbeat

Fotodiashow von Gregory Batardon  Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/24/luzerner-theater-tanz-22-upbeat-urauffuehrung-23-september-2016-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

 

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Die Walküre, Bayreuther Festspiele, 8. August 2016, besucht von Léonard Wüst

ayreuther Festspiele, Die Walküre c Bayreuther Festspiele Enrico NawrathBesetzung 2016

Musikalische Leitung Marek Janowski
Regie Frank Castorf
Bühne Aleksandar Denić
Kostüm Adriana Braga Peretzki
Licht Rainer Casper
Video Andreas Deinert
Jens Crull
Technische Einrichtung Karl-Heinz Matitschka
 
Siegmund Christopher Ventris
Hunding Georg Zeppenfeld
Wotan John Lundgren
Sieglinde Heidi Melton
Brünnhilde Catherine Foster
Fricka Sarah Connolly
Gerhilde Caroline Wenborne
Ortlinde Dara Hobbs
Waltraute Stephanie Houtzeel
Schwertleite Nadine Weissmann
Helmwige Christiane Kohl
Siegrune Mareike Morr
Grimgerde Wiebke Lehmkuhl
Rossweisse Alexandra Petersamer

 

 

Rezension:

1.Aufzug:

Das Bühnenbild überraschenderweise fast klassisch im Gegensatz zur Inszenierung des „Rheingolds“ am Vortag. Frank Castorf siedelt „Die Walküre“ im Aserbaidschan des späten 19. Jahrhunderts an. Auf der drehbaren Bühne eine sehr hohe Holzkonstruktion mit einem Bohrturm, der aber auch Wachtürmen in Konzentrationslagern und denen der früheren innerdeutschen Grenze ähnelt. Angenehm unaufgeregter auch die Handlung, wodurch die Musik und die Stimmen die ihnen zustehende Bedeutung und Aufmerksamkeit  erhielten. Dadurch verdeutlichte sich auch die Genialität der ganz speziellen Konstruktion des bis zu 12 Meter tiefen Orchestergrabens, der den Klang des verdeckt spielenden Orchesters auf indirektem Weg in den Zuschauerraum entweichen lässt. Etwas ganz Aussergewöhnliches ist auch das Festspielorchester selbst, das sich aus den besten Musikern großer deutscher Orchester zusammensetzt und als bestes Wagnerorchester überhaupt gilt. Der Orchesterklang, vom gewölbten Wall des Grabens zunächst an die Bühnenrückwand geworfen, trägt die Stimmen der Sänger gleichsam hinaus ins Publikum.

 2. Aufzug

Der zweite Aufzug versetzt uns in göttliche Sphären. Zwischen Wotan und Fricka, Wotans Frau, entspinnt sich ein heftiger Streit.

Wotans Plan, den er am Ende des Rheingolds gefasst hatte, war inzwischen weiter umgesetzt worden. Im Kampf gefallene Helden werden von den neun Walküren, Wotans Töchtern, auf die von den Riesen errichtete Burg Walhall gebracht, um Wotans Armee zu bilden und den befürchteten Angriff Alberichs auf die Herrschaft der Götter abzuwehren. Zudem will Wotan verhindern, dass Alberich wieder in den Besitz des Ringes gelangte („dann wäre Walhall verloren“). Er selbst darf aber gegen Fafner, der Goldschatz und Ring in Gestalt eines Drachen hütet, nicht antreten („mit dem ich vertrug, den darf ich nicht treffen“); so wünscht er sich einen unabhängigen Helden, der den Ring für ihn zurückgewinnen könnte. In dieser Rolle sieht er Siegmund. Lieblingstochter Brünnhilde soll diesem im bevorstehenden Kampf mit Hunding beistehen und zum Sieg verhelfen. Fricka verlangt nun jedoch von Wotan, im Zweikampf für Hunding einzutreten, weil Hunding Opfer eines Ehebruchs – noch dazu eines inzestuösen – geworden sei.

3.Aufzug:

Symbolisch eine Ölförderpumpe um den modernen Schatz des Nibelungen zu finden, also seltene Rohstoffe. Im Hintergrund projiziert der Regisseur Bilder einer Grubenkatastrophe in Russland 1942 mit kyrillischer Untertitelung Wotan nimmt bewegt Abschied von seiner Lieblingstochter, sieht ihr zum letzten Mal in die Augen und küsst die Gottheit von ihr. Dann befiehlt er Loge, den Fels mit Feuer zu umgeben, und bestimmt: „Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“ Die beeindruckten Zuschauer spendeten langanhaltenden, kräftigen Applaus für diese eindrückliche Vorstellung. Besonders gefeiert wurde dabei erneut der in Warschau geborene und in Wuppertal aufgewachsene Dirigent Marek Janowski, der dieses Jahr alle Werke des Gesamtrings dirigiert.

(Zitat Johann Jahn br-klassik.de):Marek Janowski hat sich von der Abgeklärtheit und Geradlinigkeit im Rheingold freigemacht – schon der Tremolo-Auftakt zu Beginn hat mehr Feuer als die Reise nach Nibelheim einen Tag zuvor. Insgesamt legt er über die gesamte Strecke ein Tempo vor, das es in sich hat. Da gelingen zwar tolle Akzente und Farben zwischen den Instrumentengruppen, was man vorher vermisst hat, Manches aber gerät verwackelt zwischen Graben und Sängern oder lässt keinen Gefühlsteppich zu, frei nach dem Motto: gleich weiter. Aber vielleicht ist das auch sein Ziel: Das, was auf der Bühne passiert, dürfte den Regietheaterfeind Janowski ohnehin wenig interessieren, da will er also die Musik klar trennen, als (von Wagner ja auch so komponierte) Bildersprache für sich. Aber ganz ohne Mitatmen geht’s natürlich auch nicht. (Zitatende)

Das wohl bekannteste Stück des gesamten Rings ist der „Ritt der Walküren“ mit den so typischen Blechbläser Passagen, auch Nichtklassikbewanderten bekannt durch Integrierung als Filmmusik in Francis Ford Coppolas Meisterwerk aus dem Jahre 1979Apocalypse Now“.

 

Bayreuther Festspiele, Die Walküre, Fotodiashow Szenenfotos von Enrico Nawrath

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/18/bayreuther-festspiele-die-walkuere-szenenfotos-von-enrico-nawrath-8-august-2016/

Bayreuther Festspiele, Die Walküre Fotos der Protagonisten ab Homepage der Bayreuthrer Festspiele

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/18/bayreuther-festspiele-die-walkuere-8-august-2016-fotos-der-protagonisten/

 

„Apocalypse Now“ Walkürenritt über Vietnam

Mit dem Walkürenritt von Richard Wagner ziehen sie in den Vietnam-Krieg: Szene aus „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola. (Quelle: Apocalypse Now in der Limited Steelbook Edition bei Art House)

www.dailymotion.com/video/x12yhll_apocalypse-now-ritt-der-walkuren-anflug-german_music

Links auf die anderen Artikel des Gesamtrings 2016:

Einführungsartikel Bayreuther Festspiele 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87226366-besuch-der-bayreuther-festpiele-fuer-den-gesamtring-6-bis-13-august-2016-durch-leonard-wuest

Das Rheingold, 7. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87226800-bayreuther-festspiele-das-rheingold-7-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

bayreuth.de/tourismus-kultur-freizeit/veranstaltungen/richard-wagner-festspiele-in-bayreuth/bayreuth-filme/

Siegfried, 10. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227253-siegfried-bayreuther-festspiele-10-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Götterdämmerung, 12. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227404-goetterdaemmerung-bayreuther-festspiele-12-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Kleiner Trailer über das Festspielhaus Bayreuth

http://www.bayreuth.de/tourismus-kultur-freizeit/veranstaltungen/richard-wagner-festspiele-in-bayreuth/bayreuth-filme/

Text: leonardwuest.ch

Fotos: bayreuther-festspiele.de/deutsch/deutsch_2.html

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Bayreuther Festspiele, Das Rheingold, 7. August 2016, besucht von Léonard Wüst

Bayreuther Festspiele 2016 Rheingold Szenenfoto Enrico NawrathBesetzung 2016

Musikalische Leitung Marek Janowski
Regie Frank Castorf
Bühne Aleksandar Denić
Kostüm Adriana Braga Peretzki
Licht Rainer Casper
Video Andreas Deinert
Jens Crull
Technische Einrichtung Karl-Heinz Matitschka
 
Wotan Iain Paterson
Donner Markus Eiche
Froh Tansel Akzeybek
Loge Roberto Saccà
Fricka Sarah Connolly
Freia Caroline Wenborne
Erda Nadine Weissmann
Alberich Albert Dohmen
Mime Andreas Conrad
Fasolt Günther Groissböck
Fafner Karl-Heinz Lehner
Woglinde Alexandra Steiner
Wellgunde Stephanie Houtzeel
Floßhilde Wiebke Lehmkuhl

Grundsätzliches:

Das Festspielhaus verfügt über 1974 Sitzplätze, ist über 40 Meter hoch, mit einem Bühnenausschnitt von 12 x 12 Metern, dazu kommt noch eine 12 Meter hohe Unterbühne. Es sind zeitweise bis zu 80 Bühnenarbeiter im Einsatz. Der Raum ist architektonisch so konzipiert, mit den drei Proszenien, den seitlich versetzten Säulen, den ansteigenden Sitzreihen usw., dass er wie ein schwingender Geigenkasten wirkt, was die weltweit einmalige Akustik ausmacht. Die Obermaschinerie, über der bis zu 24 Meter hohen Bühne, beherbergt den sogenannten Bayreuther Schnürboden, mit dem sich tonnenschwere Bühnenelemente auf die Bühne abseilen lassen. Eine ausgeklügelte Konstruktion, deren Funktion laufend erweitert, verbessert und verfeinert wird. Die Orchesterproben vor den Festspielen finden praktischerweise im Festspielrestaurant statt, da man dieses ja erst mit Beginn der Festspiele braucht.

Auftakt:

Das Werk beginnt mit einem etwa vierminütigen Vorspiel (136 Takte), in dem sich aus einem tiefen Es-Dur-Akkord Themen des wogenden Rheins entwickeln. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung, in der zunächst die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde auftreten. Diese sind naive Naturwesen, die einen zauberhaften Schatz besitzen und in der Tiefe des Flusses hüten – das Rheingold.

Ein tätowierter Altrocker (Wotan) trifft auf drei  Hollywood Blondinen (die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde), die das Rheingold hüten. Dies im „Golden Motel“ in einer der Poollandschaft, eine Grillparty zelebrierend. Regisseur Frank Castorf bringt „American Graffiti“ auf den grünen Hügel, sehr gewagt und vor allem äusserst anspruchsvoll und anstrengend. Castorf verschachtelt sehr viel, die unterschiedlichen Handlungen laufen teilweise gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen. Die Live Projektionen auf eine Leinwand über der Bühne verwirren zusätzlich. Mehrere Kameramänner filmen auf der Bühne, in die Handlung integriert, was natürlich Ansichten aus den verschiedensten Perspektiven ermöglicht. Durch diese, fast Überinszenierung, verkommt das eigentlich Wesentliche, Wagners Musik, fast zur Nebensache. Dass alle Rollen sehr gut besetzt sind und das Festspielorchester unter der Leitung von Marek Janowski Musik vom Feinsten zelebriert, ist in Bayreuth ja völlig klar, ich werde deshalb nicht auf die diversen Charaktere eingehen, sondern beschränke mich auf den Rahmen dieser Inszenierung. Da bleibt noch Zeit, einen von einer Rockergang inszenierten Tankstellenüberfall einzufügen, die Gier des Menschen nach dem Schatz, dem Reichtum symbolisierend. Alberich erobert sich schlussendlich den begehrten Ring des Nibelungen, der nur Unheil bringen soll. Auch lässt er sich vom Schmiede eine Tarnkappe anfertigen, die ihn unsichtbar macht, so er den Häschern entkommen kann. Zusammen mit Loge macht sich Wotan auf den Weg nach Nibelheim, in die Tiefe der Erde, und es gelingt ihnen durch List, Alberich den Nibelungenschatz samt dem Tarnhelm und Ring (dem Schlüssel zu Macht und Reichtum) abzunehmen, worauf Alberich den Schatz und den Ring verflucht. (Zitat Alberich: „Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge, und wer ihn nicht hat, den nage der Neid“).

Dem Festspielpublikum schien das Ganze, im Gegensatz zu früheren Castorf Inszenierungen, zu gefallen. Zur Musik, respektive dem Dirigat: Es gab schon ein paar Wackler aufgrund der speziellen Akustik im Festspielhaus. Brav bei den Einsätzen, vieles klingt da wohl durchdacht und sauber, fast zu Lehrbuchhaft. Marek Janowski erwies sich als ausgewiesener Kenner der Partitur, leider zu grundsolide. Bleibt zu hoffen, dass sich im weiteren Verlauf des Rings noch etwas ändert und er das Orchester aktiver voranreibt. Trotzdem bekam der Dirigent den größten Beifall.

Fotodiashow Szenenbilder Rheingold, Bayreuther Festspiele c Enrico Nawrath

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/11/das-rheingold-bayreuther-festspiele-7-august-2016-besucht-von-leonard-wuest/

Fotos der Protagonisten

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/17/bayreuther-festspiele-das-rheingold-7-august-2016-fotos-der-protagonisten/

Einführungsartikel Bayreuther Festspiele 2016:

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87226366-besuch-der-bayreuther-festpiele-fuer-den-gesamtring-6-bis-13-august-2016-durch-leonard-wuest

Die Walküre, 8. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227034-die-walkuere-bayreuther-festspiele-8-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Siegfried, 10. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227253-siegfried-bayreuther-festspiele-10-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Götterdämmerung, 12. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227404-goetterdaemmerung-bayreuther-festspiele-12-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Kleiner Trailer über das Festspielhaus Bayreuth

bayreuth.de/tourismus-kultur-freizeit/veranstaltungen/richard-wagner-festspiele-in-bayreuth/bayreuth-filme/

Text: leonardwuest.ch

Fotos: bayreuther-festspiele.de/deutsch/deutsch_2.html

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Luzerner Theater: Prometeo Eine Tragödie des Hörens von Luigi Nono, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Prometeo_Luzerner_Theater_©_David_RoethlisbergerProduktionsteam und Besetzung:

Musikalische Leitung: Clemens Heil Szenische Einrichtung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Ulrike Scheiderer Kostüme: Andrea Pillen Video: Bert Zander Licht: David Hedinger Einstudierung Chor: Mark Daver Dramaturgie: Brigitte Heusinger Dirigent: Clemens Heil Dirigent II: Matilda Hofmann Dirigent II: Joachim Enders

Aki Hashimoto (Sopran I), Diana Schnürpel (Sopran II), Susanne Otto (Alt I), Karin Torbjörnsdóttir (Alt II), Denzil Delaere (Tenor), Caroline Vitale (Sprecherin), Robert Maszl (Sprecher), Roberto Fabbriciani (Flöte) (09.09. / 11.09. / 12.09.), Maruta Staravoitava (Flöte) (15.09. / 18.09. / 24.09. / 30.09. / 29.09. / 08.10. / 09.10. / 15.10.) , Andrea Nagy (Klarinette / Kontrabassklarinette), Jean-Philippe Duay (Posaune), Jozsef Bazsinka (Tuba / Euphonium)

Chor des Luzerner Theaters, Experimentalstudio des SWR, Luzerner Sinfonieorchester, Statisterie des Luzerner Theaters

 

Rezension:

Neu, ungewohnt, anders, faszinierend – so war der Auftakt der neuen Saison des Luzerner Theaters letzten Freitag anlässlich der Premiere des Werkes «Prometeo» von Luigi Nono. Bereits die Einführung zeigte, dass nichts mehr so ist wie es war: Anstatt im engen Gang des Obergeschosses fand sie  in der «Box» statt, mit Blick aufs Theater, auf die Menschen auf der Strasse, aufs Leben. Der «Einstieg» – im wahrsten Sinn des Wortes – erfolgt über die grosse Holztreppe vor dem Theater durchs Fenster ins Foyer. Durchs Fenster steigen sonst allenfalls Schauspieler auf der Bühne, nicht das Publikum, aber wie gesagt, nichts ist hier so wie es war.  Vor dem Einlass werden die Schuhe gegen Socken eingetauscht, das setzt schon mal alle irgendwie gleich, in den Saal, oder eben auf die Bühne, gelangt man durch Türen, die einen sonst verschlossen bleiben. Vorbei an Regiepulten und durch Gestänge kommt man an Orten vorbei, wo man normalerweise nie Einblick hat und findet sich voller Staunen im «Globe», dem Schiffsbauchähnlichen Raum, der so rein gar nichts mit dem üblichen Theatersaal zu tun hat. Jeder sucht sich seinen Platz, die Matratzen sind schnell belegt, man sitzt, hockt und liegt verteilt über den ganzen Theaterraum. Sogar der Geräuschpegel ist anders als sonst, teilweise auch verfremdet durch die Live-Elektronik des Experimentalstudios des SWR. Das einzig Bekannte dann kurz vor Beginn das Einstimmen der Instrumente. Dann wird es dunkel, Musiker und Sänger schälen sich aus dem Dunkel oben in den Balkonen, sitzen wie in einem Guckkasten dort, wo sonst das Publikum sitzt.

Anfänglich hat das Ungewohnte etwas Anstrengendes, man muss sich zuerst finden in der Sitzsituation, der Anordnung, muss klarkommen mit all diesen Leuten, die da kreuz und quer verteilt herumsitzen, muss sich einlassen auf diese langsame, beinahe durchscheinende Musik, dem «Nichtgeschehen». Dann aber verliert man sich je länger je mehr in den Tonlandschaften dieser Tragedia d’Ascolta, dieser Hörtragödie. Stimmen übergeben an Instrumente, überlagern sich, fliessen ineinander und in die Stille. Mal flüstern die Instrumente, mal keuchen, schnarren, heulen sie. Sirrende, sphärische Instrumentalstücke wechseln mit glasklaren Stimmen und man versteht den Hinweis im Programm, dass die Sänger sich nur «mit einem halben Stimmband durch die Komposition bewegen». Unglaublich, dass man so leise und gleichzeitig so präsent, so präzise und trotzdem so ausdrucksvoll singen kann. Die Musik scheint sich um sich selber zu drehen, fliesst durch’s Rund der oberen Ränge des «Globes», eine beinahe pausenlose, zweieinhalb Stunden dauernde Klanglandschaft. Zwei Mal kann man die Position wechseln, ab und zu bieten schwarz-gekleidete Frauen Wasser in weissen Plastikbechern an, legen Militär-Decken über nackte Beine, fürsorglich, mit unglaublich langsamen Bewegungen, entschleunigt wie die Musik.

Verstehen tut man wenig, das Lesen der eingeblendeten Texte ist kaum möglich, schieben sie sich doch über die Holzverkleidung, kriechen den Säulen entlang in die Höhe, umschlingen sie, legen sich als Tapete auf die Wände, um danach wie ein Wasservorhang in sich selber zu verfallen. Buchstabenteppiche legen sich über das Publikum und es entstehen faszinierende Zufallsbilder, ein «O» perfekt über dem Ausschnitt einer Zuschauerin, ein «he» auf dem Hemd ihres Nachbars, ein Streifenmuster auf einem schwarzen T-shirt.

Fasziniert, gefangen im Zuhören, ergibt man sich immer mehr, vergisst Ort und Zeit. Und wenn das Ohr zum Zentrum geworden ist, wie Benedikt von Peter erklärt, erreicht man eine Art Durchlässigkeit, eine Entrücktheit, eine Läuterung. Im letzten Stück «In der Wüste sind wir unüberwindbar» bleiben die Stimmen wie eine Fata Morgana flirrend und transzendent im Rund hängen und wenn der Dirigent langsam seinen Taktstock senkt und das Licht ausgeht, wirkt der aufbrausende Applaus anfänglich wie eine Ernüchterung und der Freitagabendrummel und der Autolärm draussen irgendwie unwirklich.

Es braucht etwas Zeit und Offenheit, um sich auf diesen «Prometeo» einzulassen, dann ist das Hörerlebnis aber einzigartig und in dieser Form, wenn überhaupt, wohl lange nicht mehr möglich.

Impressionen vom Entstehen der benötigten Infrastruktur:

vimeo.com/181510639?from=outro-embed

vimeo.com/180170993?from=outro-embed

Fotodiashow von DavidRoethlisberger Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/10/luzerner-theater-promoteofotodiashow-von-davidroethlisberger/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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