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Chorkonzert 3 Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble, Leitung Thomas Hengelbrock, Solisten, 6. April 1017, besucht von Léonard Wüst

Balthasar-Neumann-Ensemble c Florence GrandidierBesetzung und Programm:

Balthasar-Neumann-Chor und -Solisten

Balthasar-Neumann-Ensemble

Thomas Hengelbrock  Dirigent

Daniel Behle  Evangelist

Markus Butter  Christusworte

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Johannes-Passion BWV 245
Zweite Fassung von 1725

Rezension:

Grundsätzliches zum Werk

Die Johannes-Passion ist die früheste der heute bekannten Passionsmusiken Bachs. Da im Nekrolog des Komponisten von insgesamt fünf Passionen die Rede ist, von denen außer der Johannes-Passion jedoch nur die Matthäus-Passion erhalten und die Markus-Passion als verschollen nachweisbar sind, gilt es als möglich, dass Bach bei Teilen der Johannes-Passion auf ein früheres Werk zurückgegriffen hat, das ein Biograph des 19. Jahrhunderts auf 1717 datiert, über das jedoch keine sichere Aussage möglich ist. Von der Karfreitag 1724 uraufgeführten ersten Fassung des Werks sind lediglich Einzelstimmen erhalten, die jedoch große Ähnlichkeit mit der heute verbreiteten Fassung aufweisen. Wesentliche Unterschiede sind eine einfachere Satzweise, eine kürzere Fassung von Satz 33, der vom Zerreißen des Vorhangs im Tempel berichtet, und vermutlich noch fehlende Stimmen für Querflöte. Auch war das Werk ursprünglich als Umrahmung einer einstündigen Karfreitagspredigt angedacht, also von den damals Verantwortlichen so quasi als Beigemüse geplant.

Das Balthasar-Neumann-Ensemble immer wieder ein Ohrenschmaus

Immer wieder aufs Neue ein akustischer Hochgenuss sind Konzerte mit dem, von Thomas Hengelbrock 1995 gegründeten, Balthasar-Neumann-Ensemble.

Thomas Hengelbrock  Dirigent  c Florence GrandidierDas Orchester, ca. 3o Musiker (Kammermusikgrösse) betrat zuerst die Bühne, gefolgt vom Chor, bestehend aus 10 Sängerinnen und 13 Sängern. Hengelbrock, der auch das Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie in Hamburg leitete, betrat darauf die Bühne in Begleitung von Daniel Behle (Evangelist) und Markus Butter (Christusworte) sichtlich gut gelaunt, gewohnt locker –  selbstsicher und nahm seine Arbeit unverzüglich auf, ohne Taktstock, nur mit den Fingerspitzen das Orchester und den Chor führend. Da das Orchester auch mit Gambe und Laute bestückt war, ergab sich ein wunderbares, schon fast barockes Klangbild, dessen Feinheiten der Dirigent immer wieder heraus kitzelte.

Bemerkenswertes  bei den Alt – Arien

Die Arien in der Alt Stimmlage wurden alle von Carlos Mena, einem Sänger vorgetragen, nicht von einer der Altistinnen.

Daniel Behle  Evangelist  c Marco BorggreveDas Zusammenwirken von Orchester und Chor, singend kommentiert von „Evangelist“ Daniel Behle (Debut am Lucerne Festival) und dem ehemaligen „Wiener Sängerknaben“ Markus Butter als Vortragender der „Christusworte“, hätte nicht perfekter sein können, alle agierten auf absolutem Weltklasseniveau, keinerlei Anstrengungen sich anmerken lassend bei diesem Monumentalwerk.

Jede/r einzelne des Chorensembles hätte an einer renommierten Bühne ein Engagement als Solist auf sicher

Die Sängerinnen des Ensembles glänzten bei den von ihnen vorgetragenen Arien auch als Solisten, die den Vergleich mit gestandenen dieser Gattung nicht zu scheuen brauchen. Ein besonderer Genuss waren die Mono – und Dialoge die „Pilatusverkörperer“, der Bass Manfred Bittner, auf dem ersten Balkon darbot. Die Sängerinnen traten bei ihren jeweiligen Soli ein paar Schritte aus dem Gesamtchor, sodass jederzeit die jeweils agierende gut zu sehen war. Exzellent auch die klar verständliche Artikulation aller Protagonisten.

Markus Butter  Christusworte  c Matthias CreutzigerAm Schluss der Passion langanhaltende Stille, dann aber starker stürmischer Applaus für die Protagonisten des Abends. Da die Johannes Passion ja nicht mit einem furiosen Finale endet, wie eine Sinfonie, sondern eher nachdenklich leis – ruhig, realisierte der Grossteil des Publikums erst gar nicht, dass es (das Werk) „vollbracht war“.

Impressionen  des Chorkonzertes 3 vom 6. April 2017, Diashow von Peter Fischli, Lucerne Festival.

fotogalerien.wordpress.com/2017/04/07/impressionen-des-chorkonzertes-3-vom-6-april-2017-diashow-von-peter-fischli-lucerne-festival/

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch Peter Fischli

Links auf die andern von mir besuchten Konzerte am Osterfestival 2017

 

Sinfoniekonzert 2 musicAeterna , Leitung Teodor Currentzis, Solisten, 7. April 2017, besucht von Léonard Wüst

https://innerschweizonline.ch/wordpress/sinfoniekonzert-2-musicaeterna-leitung-teodor-currentzis-solisten-7-april-2017-besucht-von-leonard-wuest/

Chorkonzert 4 Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung Mariss Jansons, Solisten, 8. April 2017, besucht von Léonard Wüst

 

https://innerschweizonline.ch/wordpress/chorkonzert-4-chor-und-symphonieorchester-des-bayerischen-rundfunks-leitung-mariss-jansons-solisten-8-april-2017-besucht-von-leonard-wuest/

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«Ein Luzerner Jedermann», Bericht der Medienkonferenz von Gabriela Bucher – Liechti

Theaterplatz Luzern Symbolbild c Zentralplus arupAnlässlich der Medienkonferenz von Dienstag, 4. April informierte der Intendant des Luzerner Theaters Benedikt von Peter über das Projekt «Ein Luzerner Jedermann»: In Kooperation mit den Freilichtspielen Luzern wird ab dem 25. Mai 2018 auf dem Jesuitenplatz dieses Freilichtspektakel nach Hugo von Hofmannsthal aufgeführt. Bis Ende Juni 2018 sind 21 Aufführungen vorgesehen.

v.l.n.r.Christoph Risi, Thomas Schulte-Michels, Benedikt von Peter, Foto Ingo Höhn

 

Von Peter erzählte, wie erstaunt er gewesen sei über die Dichte der Laientheater auf der Luzerner Landschaft, ein ungehobener Schatz, meinte er. Mit diesem «innerstädtischen Freilichtspiel» möchte er eine Plattform schaffen für eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land und den existierenden Graben zuschütten. Schauspieler/-innen des Ensembles, Gäste (keine unbezahlbaren Stars, bekräftigte er) und unzählige Laienschauspieler/-innen aus Stadt und Land werden mitwirken. Es soll eine Mischung aus Mundart und Hochsprache, aus Musik und Akrobatik werden, «etwas zwischen heiligem Geist und Spass», scherzte er. Der Hauptdarsteller, dessen Namen noch nicht verraten wurde, ist unüblicher Weise erst 30-jährig, denn es sei viel erschreckender, wenn ein Junger abgeholt werde.

v.l.n.r.Christoph Risi, Thomas Schulte-Michels, Benedikt von Peter, Foto Ingo Höhn

 

Von Peter und Christoph Risi der Freilichtspiele Luzern bestätigten, dass sie gut unterwegs seien. Es habe zwar Überzeugungsarbeit gebraucht, aber sie hätten den Zuspruch der Stadt. Der Jesuitenplatz mitten in der Innenstadt ist insofern ideal, als er einerseits so zentral gelegen ist und nahe beim Theater, welches als Ausweichmöglichkeit bei Schlechtwetter dienen wird. Zudem sind etliche Infrastrukturen bereits vorhanden und müssen nicht neu erfunden werden. Dass es einige Bedenken aus dem Weg zu räumen galt ist verständlich, denn die geplante Tribüne wird in die Reuss ragen. Die Zuschauer auf den obersten Rängen sitzen also über dem Wasser. Das sei ein vorübergehender Eingriff in das Stadtbild, auch wenn man bemüht sein werde, dieses Podest so zu gestalten, dass es sich optimal einbette in die Kulisse der Altstadt. Dass die Stadt sich damit einverstanden erklärt habe, sei sehr lobenswert.

Als Regisseur hat Benedikt von Peter den in Basel lebenden Thomas Schulte-Michels gewinnen können. Dieser erklärte seine Motivation, bei dieser Produktion mit dabei zu sein auf äusserst unterhaltsame und humorvolle Weise. Anfänglich sei er skeptisch gewesen, habe prüfen wollen ob die Chemie stimme zwischen ihm und von Peter. Dass sie dies durchaus tut zeigte die sehr lockere Stimmung an der Medienkonferenz. Sie wünschen sich nun beide, den Schwung, den sie verspüren, zur gegebenen Zeit auf das Ensemble und die Laienschauspieler übertragen zu können. Auch Schulte-Michels lobte die Stadt Luzern für ihre nicht selbstverständliche Bereitschaft und ihren Mut, das Projekt zu unterstützen.

Im Herbst werden die Ausschreibungen vorgenommen, von Peter wird sich aber bereits in den kommenden Wochen diverse regionale Produktionen anschauen.

www.luzernertheater.ch  www.freilichtspiele-luzern.ch

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Luzerner Theater, La Traviata Oper von Giuseppe Verdi, Première 2. April 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

La Traviata, Ingo Höhn, Luzerner TheaterProduktionsteam & Besetzung

Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Benedikt von Peter Bühne: Katrin Wittig Kostüme: Geraldine Arnold Licht: David Hedinger Einstudierung Chor: Mark Daver Dramaturgie: Sylvia Roth Dramaturgie: Brigitte Heusinger

Mit: Nicole Chevalier (Violetta Valéry), Diego Silva (Alfredo Germont), Claudio Otelli (Giorgio Germont), Karin Torbjörnsdóttir (Flora Bervoix), Sarah Alexandra Hudarew (Annina), Robert Maszl (Gastone), Jason Cox (Baron Douphol), Bernt Ola Volungholen (Marchese d’Obigny), Vuyani Mlinde (Dottore Grenvil) Chor und Extrachor des LT, Luzerner Sinfonieorchester

 

Rezension:

Benedikt von Peter hat seine Inszenierung der «La Traviata», welche er für die Staatsoper Hannover entwickelt hat, nach Luzern geholt. Die amerikanische Sopranistin Nicole Chevalier, der die Inszenierung auf den Leib geschrieben ist, steht in dieser Produktion allein auf der Vorbühne des Theaters, ganz nahe am Publikum.

Dass diese «Traviata» nicht ganz alltäglich sein würde, war von Anfang an klar und die Spannung war gross. Würde die Umsetzung klappen mit lediglich Nicole Chevalier als Violetta auf der Bühne, würde sie die Spannung halten können über ganze zweieinhalb Stunden und dies ohne Pause? Und wie werden Schauplätze und Szenen umgesetzt und erzählt?

Exzellente Sängerin und Schauspielerin

Es waren magische Momente, die die Premierenbesucher am Sonntag im Luzerner Theater erlebten, hochemotional und aussergewöhnlich! Auf der Bühne stehen lediglich eine mobile Türe, ein Tisch, zwei Stühle und ein Spiegel, später noch ein Fenster. Und Nicole Chevalier als Violetta. Was sie dem Publikum bietet ist schlichtweg genial. Da ist ihre unglaubliche Stimme, die sie in jedem Ausdruck, in jeder Modulation, in jeder Gefühlslage absolut und mühelos im Griff hat. Sie singt ihr Weinen, ihr Lachen, sie singt ihre Verliebtheit, ihre  Verzweiflung, ihre Verbitterung. Sie singt tanzend, liegend, auf Spitzen balancierend und über Stuhlreihen kletternd. Und sie singt nicht nur, sie spielt dies alles auch, mit einer unglaublichen Intensität und Innigkeit.

Kleine szenische Mittel mit grosser Wirkung

Sie schaut zurück, erzählt ihre Geschichte, ein bisschen so, als würde ihr Leben kurz vor dem Tod nochmal vor ihrem inneren Auge ablaufen. In ihren Zwiegesprächen mit einem imaginären Alfredo oder Germont bewegt sie oft ihre Lippen als würde sie den Text in ihrer Erinnerung mitsprechen. Die szenischen Mittel sind einfach aber effizient, meist nur wie Fingerzeige: Eine Perücke, Lippenstift, Sektgläser, Wollsocken und Servietten und Besteck, das Plakat «vendesi» nicht nur fürs Landhaus sondern vor Violettas Körper. Alfredos Geldscheine, die sie aus ihrem Slip klaubt, das aufgehängte Kleid als Symbol ihrer Selbstaufgabe.

Ungewohnter Hörgenuss

Dass das Orchester auf Augenhöhe hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang auf der Bühne spielt  und die übrigen Sänger/-innen im zweiten Rang verteilt sind  hat zur Folge, dass die Zuhörer mitten im Geschehen sitzen, mitten in der Musik, in den Emotionen. Das erzeugt intime Momente von unglaublicher Intensität. Der Szenenapplaus fällt oft nur ganz spärlich oder total aus, was nichts mit den gesanglichen Leistungen zu tun hat. Im Gegenteil. Aber man möchte nicht stören, nicht zeigen, dass man zuschaut und mithört bei etwas, das so unheimlich privat ist.

Das Orchester auf der Bühne ist viel unmittelbarer, die leisen Stellen, die Duette zwischen Soloinstrumenten und Stimme prägnanter, wunderbar abgestimmt und wenn die Türen ins Foyer geöffnet werden und die Karnevalsmusik von draussen erklingt, erzeugt das noch einmal einen zusätzlichen neuen Hörgenuss.

Unglaubliche Violetta

Nicole Chevalier hat die Spannung gehalten, mehr als das, sie hat verzaubert, zu Tränen gerührt, bewegt, Mitleid, Mitgefühl und Trauer ausgelöst. Der letzte Ton war kaum verklungen, der letzte Atemzug kaum getan da stand schon der ganze Saal und applaudierte frenetisch. Die Begeisterung war riesig, die spontane Freude Nicole Chevaliers – und aller anderen – über den Erfolg herzerwärmend.

Erwähnenswert – trotz physischer Absenz – der wunderbare Tenor Diego Silvas (Alfredo) und der wuchtige und bewegende Bass von Claudio Ottelli (Germont).

Benedikt von Peters Rechnung ist aufgegangen, auch Luzern ist dieser Traviata verfallen!

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2017/03/29/luzerner-theater-la-traviata-oper-von-giuseppe-verdi-2-april-2017-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

 

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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Luzerner Theater, White Out – Begegnungen am Ende der Welt, 15. März 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

White Out, Szenenfoto von Ingo HöhnProduktionsteam

Inszenierung: Alexander Giesche Bühne und Kostüme: Nadia Fistarol Licht: David Hedinger Dramaturgie: Friederike Schubert Musik: Georg Conrad

Besetzung Mit: Lukas Darnstädt, Matthias Kurmann, Verena Lercher, Maximilian Reichert, Jakob Leo Stark, Alina Vimbai Strähler

 

Rezension:

«Seltsam im Nebel zu wandern…» mit dem Gedicht von Hermann Hesse begann Friederike Schubert die Einführung ins Stück «White out» von Alexander Giesche. Ein ungewöhnlicher Anfang für eine ungewöhnliche Produktion, erklärte sie. Das Gedicht, und ihr Hinweis, bei den Produktionen von Alexander Giesche werde der Zuschauer auf sich selber zurückgeworfen, begleiteten mich während den fast 2 Stunden der Première letzten Dienstag. Denn auf sich selber geworfen wird man bei diesen Bildern, die wenig mit Gewöhnlichkeit zu tun haben. Giesches «Visual Poem», dieses bildgewaltige, assoziative Werk, ist nicht einfach zu entschlüsseln, wobei Entschlüsselung wohl auch gar nicht das Ziel ist. Um Begegnungen am Ende der Welt geht es, um ein neues Erdzeitalter, das Anthropozän, das menschlich gemachte Zeitalter, welches das Holozän, das jetzige ablöst. Giesche inspiriert sich einerseits von diesem Anthropozän, andererseits vom «White out», einem meteorologischen Phänomen, welches vor allem in Polargebieten und im Hochgebirge auftritt  und zu starken Kontrastverringerungen und zur Orientierungslosigkeit führt. So entstanden – in Zusammenarbeit mit den Akteuren – Bildgeschichten im Grenzbereich von Ton- und Lichtinstallationen, Theater und Performance.

So viel lässt sich im Programmblatt lesen. Von Entschleunigung ist die Rede und davon, dass man als Zuschauer zum aktiven Assoziieren eingeladen wird. Gespannt dürfe man sein, und gespannt ist man auch und bleibt es irgendwie, den ganzen Abend über, gespannt, wie das nächste surreale Bild daherkommen, wie dieses aufgelöst wird, welche nächste Information der eiserne Vorhang preisgeben wird.

«Zahlreiche» Informationen

Aber von Anfang an: Auf der Bühne steht ein Mann in Sportausrüstung, hinter ihm der eiserne Vorhang des Theaters mit einer Milliardenstellen-Zahl. Mit einem Knall bläst der Mann seinen roten Lawinen-Airbag auf, den er danach den ganzen Abend um den Hals trägt. Unendliche Minuten lang gibt er detaillierte Informationen darüber, woraus eine Notfallausrüstung besteht, bei den Nahrungsmitteln gramm- und kaloriengetreu. Der Vorhang hinter ihm öffnet sich langsam, schliesst sich später genau so langsam wieder, den ganzen Abend über, immer mit irgendwelchen informativen Zahlen: Weltbevölkerung, Geburten an diesem Tag, Google-Klicks, ausgegebenes Geld für Videospiele, Todesfälle durch Krebs oder von herabfallenden Ventilatoren getroffene Menschen.

Lebende Installation

Dazwischen die Szenen auf der Bühne. Der Boden ist bedeckt mit Asche, der Hintergrund anfänglich hell ausgeleuchtet, Endzeitstimmung. Die 6er Runde besteht aus dem Expeditionsteilnehmer, nun in einem beleuchteten kleinen Zelt versteckt, einem Mann, welcher mit einem Detektor dem schwärzesten Schwarz auf der Spur ist, einem Soldaten, der nichts anderes tun kann als Fliegen, seit man ihm etwas zu viel Mittel gegen Flugangst gespritzt hat. Immer wieder durchquert er die Bühne von links nach rechts. Ein anderer Mann zieht einen grossen mobilen Scheinwerfer hinter sich her wie ein Hündchen, sendet damit Signale ins All und vollführt einen faszinierenden, beinahe poetischen Lichttanz mit ihm. Eine überdrehte Frau verrenkt sich in einer Art Schnee-Woodo-Verkleidung zum Techno-Beat, eine andere Frau in Abendrobe setzt sich an einen edel gedeckten Tisch mitten in dieser Aschelandschaft und harrt dort aus. Dann wieder sitzen alle sechs am Tisch, lachen sich beinahe tot über ihre Vornamen und Spendegewohnheiten, singen gemeinsam «don’t dream, it’s over», der Saal summt mit. Einer taucht dann noch ab ins Eisloch, zwei machen Selfies am Tisch, der schwebende Mann trägt nun ein weisses Hemd und schwarze Hosen, die Schnee-Woodo Frau windet sich am Boden,  der Mann mit dem Lawinen-Airbag hockt im Zelt.

Es sind teilweise faszinierende Bilder, eine lebende Installation. Man muss sich aber einlassen, sich der Entschleunigung stellen können. Die Jungen mochten es sehr, die Älteren blieben wohl teilweise etwas unentschieden – eben, seltsam im Nebel zu wandern…

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2017/03/15/lzerner-theater-white-out-begegnungen-am-ende-der-welt/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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