Luzerner Theater, Tanz 23: Kinder des Olymp Tanzstück von Fernando Melo nach dem Filmklassiker «Les Enfants du Paradis» – Uraufführung, besucht von Gabriela Bucher – Liechti
Produktion und Besetzung:
Musikalische Leitung: Rolando Garza Rodríguez Choreographie: Fernando Melo Bühne und Kostüme: Patrick Kinmonth Licht: David Hedinger Dramaturgie: Simone Günzel Künstlerische Leitung: Kathleen McNurney Künstlerische Mitarbeit: Shumpei Nemoto
Tanz Luzerner Theater: Martina Consoli, Zach Enquist, Rachel P. Fallon, Shota Inoue, Carlos Kerr Jr., Rachel Lawrence, Olivia Lecomte, Dor Mamalia, Sada Mamedova, Salome Martins, Aurelie Robichon, Enrique Saez Martinéz, Isaac Spencer, Tom van de Ven, Dario Dinuzzi Luzerner Sinfonieorchester
Rezension:
Eines gleich vorweg: «Kinder des Olymp» ist kein Ballettabend im üblichen Sinn. Diese Produktion lässt sich in keine Schublade stecken. Es ist gleichzeitig Theater, Film, Tanz und Pantomime, man sieht Bilder, wie man sie noch nie gesehen hat und erlebt Momente, wie man sie noch nie erlebt hat
Die Geschichte basiert auf dem Film «Les enfants du paradis» von Marcel Carné. Es geht um die schöne Garance im Paris des 19. Jahrhunderts und um die vier Männer, welche sich im leidenschaftlichen Beziehungskarussell um sie drehen: der Pantomime Baptiste, der Schauspieler Frédéric Lemaître, der Graf Eduard von Monteray und der Gauner Lacenaire. Es ist eine Geschichte über Liebe, Schicksal, Hoffnung und Enttäuschung, über Träume und Erinnerungen und der brasilianische Choreograf Fernando Melo, welcher im 2014 mit seinem «Don Juan» begeistert hatte, erzählt sie auf seine ganz eigene Weise
Der erste Akt hat etwas tief Melancholisches. Garance sitzt auf ihrem Bett und kämmt ihr Haar mit dem Rücken zum Publikum. Gleichzeitig spiegelt sie sich, zusammen mit dem ganzen Theatersaal, auf einer lichtdurchlässigen Folienwand. Auf und durch diese spielen sich in der Folge magische Momente ab. Wenn sich ihr Körper in der Erinnerung – und Spiegelung – unter den imaginären Berührungen Baptistes aufbäumt, ist das Poesie und Zauber zugleich. Möglich wird dies durch eine hochkomplexe Licht- und Spiegelungstechnik, aber auch durch eine unglaubliche Präzision und Abstimmung der Bewegungen der Tänzer vor und hinter der Wand. Zwischen Tagträumen und Erinnerungen greift Melo kurze Film-Szenen auf. Erzählt werden diese von den Tänzern zwischen schwarzen Bahnen, welche hinter der Spiegelfolie hin- und hergeschoben werden. Damals und jetzt, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen und überlagern sich, wie die schwarzen Bahnen
Der zweite Akt beginnt im Théâtre des Funambules. Hier wird die Spiegelung auf die Spitze getrieben: Die Tänzer führen ihre Bewegungen auf dem Boden liegend aus, eine Kamera filmt sie dabei und die Szenen werden auf eine grosse Leinwand projiziert. Die Artisten zeigen waghalsige Kunststücke, fliegen anmutig durch die Luft, balancieren halsbrecherisch auf Stäben, klettern Leitern hoch, dies alles hochpräzise und zugleich mit einer schwebenden Leichtigkeit. Sähe man die Tänzer nicht auf dem Bühnenboden, könnte man meinen, es handle sich um eine Filmeinspielung. Die Bilder sind so ungewöhnlich, die Szenen so märchenhaft, dass das noch etwas unter der Dramatik des 1. Aktes stehende Premieren-Publikum immer gelöster wurde und sich schliesslich prächtig amüsierte
Der Tanz bleibt im Hintergrund bei dieser Produktion, es sind lediglich kurze Begegnungen, Kontakte, Berührungen. Die Tänzer verdoppeln sich, fallen in sich zurück, wachsen aus sich heraus, das alles ist eine lichttechnische Meisterleistung, aber auch eine Meisterleistung der Präzision. Jede Bewegung muss stimmen, muss abgestimmt sein, damit der Fluss, die Stimmung, die Magie der Bilder nicht gestört oder gebrochen wird. Das gelingt und begeistert in jeder Hinsicht. Gekonnt untermalt mit Werken von Peteris Vasks und Chopin, interpretiert von Musikern des LSO unter der Leitung von Rolando Garza Rodriguez ist dieser «Tanz 23» ein aussergewöhnliches Erlebnis mit ganz neuen Dimensionen.
Kurzer Trailer der Produktion:
Text: www.gabrielabucher.ch Fotos: luzernertheater.ch
- Aufrufe: 738

Besetzung:
Al Jarreau ist siebenfacher Grammy Gewinner, spielte mit in der obersten Liga der Entertainer, auf Augenhöhe mit Grössen wie Frank Sinatra, Dean Martin, Harry Belafonte, Sammy Davis jr., Joey Bishop, Peter Lawford usw. An diesem Abend im Kongresshaus, am letzten Konzert einer Tournee, die ihn durch 18 Länder führte, war er nur noch noch ein Schatten seiner selbst, eine Legende, die sich selbst demontiert, oder vom Management demontiert wird. Von zwei Assistenten im Rollstuhl auf die Bühne geschoben, installierte sich der 76jährige auf einem Schemel.
Mit George Duke verbindet ihn eine uralte Freundschaft traten sie doch schon in den 1960ern in San Francisco als Al Jarreau and the George Duke Trio auf. Seine allererste Band hiess aber „The Indigos“, wie Jarreau im Verlaufe des Konzertes erzählte. Trotz sichtlicher Erschöpfung, unterliess es Jarreau nicht, Anekdoten zum Besten zu geben, das Publikum auch auf diese Weise, eben ganz im Stil eines Entertainers, zu unterhalten. Er wirkte durchaus sehr lebendig, seine Extremitäten deuteten dies auch immer wieder an, wippte und schaukelte er doch auch im Sitzen, sein Stimmvolumen aber litt natürlich durch das Kauern auf dem Schemel, unmöglich, bei zusammengedrücktem Brustkorb auf seinem normalen Level zu singen. So erinnerte er einzig bei den Klassikern „Pennsylvania 65000“ (Glenn Miller Welthit) und bei „Take the A Train“ (einem von Billy Strayhorn 1939 komponierten und getexteten Jazzstandard, der vom Duke Ellington Orchestra ab 1941 als Erkennungsmelodie verwendet wurde) einigermassen an den Künstler, den man in guter Erinnerung hat. Es war denn vor allem der Verdienst der ausgezeichneten NDR Big Band mit den exzellenten Solistinnen, dass das Konzert trotzdem noch zu einem, wenn auch mit nur grad 60 Minuten, kurzen Erlebnis wurde. Dass seine Stimme einst besser gurgeln, knattern, stöhnen, gurgeln und schnalzen konnte, verzieh das Publikum, mehrheitlich eher gesetzteren Alters, etwas irritiert zwar, spendete aber doch langanhaltenden, wenn auch eher höflichen, denn begeisterten Applaus.
Besetzung und Programm:
Die Programmwahl mit Mozart und Haydn war ansprechend und kolorierte deutlich die Charaktereigenschaften/Neigungen der Komponisten. So gelingt es der Solistin, wie auch dem Orchester, die musikalischen Ansichten/Empfindungen der beiden Komponisten deutlich in der tonalen Widergabe gekonnt zu verkörpern.
Das diesjährige Piano-Festival endet mit einer Gesamtauslastung von 89 Prozent, das sind 4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 17ʼ400 Besucher kamen insgesamt zum Festival, das neun Tage dauerte, davon 11ʼ900 zu den 13 Konzerten und rund 5ʼ500 zu den Gratis-Veranstaltungen.