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Dancemakers Series #8 Foto Ingo Höhn

Luzerner Theater, Dancemakers Series #8, 8. Juni 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Dancemakers Series #8 Foto Ingo Höhn
Dancemakers Series #8 Foto Ingo Höhn
Besetzung:
Zach Enquist, Sada Mamedova (Choreographie Dario Dinuzzi)
Zach Enquist, Sada Mamedova (Choreographie Dario Dinuzzi)

Tanz Luzerner Theater: Martina Consoli, Zach Enquist, Rachel P. Fallon, Shota Inoue, Carlos Kerr Jr., Rachel Lawrence, Olivia Lecomte, Dor Mamalia, Sada Mamedova, Salome Martins, Aurelie Robichon, Enrique Saez Martinéz, Tom van de Ven, Dario Dinuzzi, Andrea Thompson

 

Rezension:

Die Serie «Dancemakers» gibt den Tänzern des Luzerner Balletts einmal pro Jahr die Möglichkeit, sich selber auszudrücken, zu zeigen, wie sie sich und den Tanz sehen. Das führt jedes Mal zu speziellen Begegnungen und spannenden Programmen, so auch letzten Donnerstag an der Première von «Dancemakers Series  #8“ im Südpol

 

Sada Mamedova, Andrea Thompson (Choreographie Zach Enquist)
Sada Mamedova, Andrea Thompson (Choreographie Zach Enquist)

Die Themen der sieben Choreographien sind alle relativ ernsthaft, tiefgründig und philosophisch und die Tänzerinnen und Tänzer gehen auch in ihrem körperlichen Ausdruck einen Schritt weiter, weg vom ausschliesslichen Tanz hin zu einer Art «Bewegungs-Erzähl-Theater» mit tänzerischen Interaktionen. Es wird viel gesprochen, rezitiert, teilweise in Reimen, es gibt Video-Einspielungen und Schattenspiele.

 

Ausdrucksstarke Bilder

Martina Consoli, Zach Enquist, Andrea Thompson, Sada Mamedova (Choreographie Dario Dinuzzi)
Martina Consoli, Zach Enquist, Andrea Thompson, Sada Mamedova (Choreographie Dario Dinuzzi)

«playFULL» von Carlos Kerr Jr., «Kintsukuroi» von Olivia Lecomte und Sada Mamedova und «Crescens» von Dario Dinuzzi stehen reinem Tanztheater am nächsten. «playFULL» erinnert an den Alltag einer Männer-WG. Drei junge Männer provozieren, necken und bekämpfen sich, dies auf einer Bühne mit lediglich einer dunklen freistehenden Wand mit Türe. Kerr gelingen ausdrucksstarke und teilweise amüsante Bilder. Auch Olivia Lecomte überzeugt mit eindrücklichen Momenten. Wenn sie für einen Sekundenbruchteil mitten im Lichtkreis in einer Pose verharrt, hat das etwas von einer Momentaufnahmen in Schwarz-Weiss. In «Crescens» betanzt Enrique Sáez Martínez mit kraftvollen Bewegungen die leere Bühne und weiss sie doch zu füllen.

 

Skurriler Höhepunkt

Olivia Lecomte (Choreographie Olivia Lecomte) 1Dor Mamalia dokumentiert in «I’mpossible» den Untergang einer Person. Er steht im Dialog mit einem überdimensionalen rotleuchtenden Stoff-Herz (Tom van de Ven), die Deutung der Bilder ist nicht immer ganz einfach. Eindrücklich seine unglaubliche Elastizität, wenn er sich in schlangengleichen Bewegungen auf der Bühne windet. Zach Enquist befasst sich in «What lies between» (Rachel Lawrence, Andrea Thompson, Sada Mamedova) mit den Gewohnheiten der Menschen und ihrer Unfähigkeit, diese zu ändern. Zwei Frauen scheinen sich gegenseitig verfallen, eine dritte drängt sich immer wieder dazwischen. «The Balancing Act» von Dario Dinuzzi thematisiert die Einsamkeit. Die Tänzer/-innen (Dario Dinuzzi, Andrea Thompson, Sada Mamedova, Zach Enquist und Martina Consoli) betanzen kleine Holzhürden, jeder auf seine eigene Art. «+3» von Shota Inoue verlangt dem Zuschauer einiges ab, unterhält aber auch mit schrägen Ideen. Wenn sich die drei (Rachel Lawrence, Sada Mamedova und Tom van de Ven) mit  verschlungenen Armen und Beinen in beinahe unmöglichen Positionen winden, erinnert das an das Gesellschaftsspiel «Twister» und mit der Heiratsszene mit Einrad erlebt das Stück einen skurrilen Höhepunkt. Nicht alles offenbart sich dem gemeinen Tanzliebhaber. Aber die Tatsache, dass es viele gemeinsame neue Elemente gibt in den 7 Choreografien lässt die Frage aufkommen, ob «Dancemakers» hier Weichen stellt für das, was kommen wird?

 

Dor Mamalia (Choreographie Dor Mamalia)
Dor Mamalia (Choreographie Dor Mamalia)

Last but not least und man verzeihe die Banalität: Die Tänzerinnen und Tänzer stehen zum Schlussapplaus auf der Bühne, 13 unterschiedlichste Menschen aus 9 verschiedenen Nationen aber mit der gemeinsamen Leidenschaft für den Tanz, fürs Ausprobieren und Experimentieren, eines der berührendsten Bilder dieses Abends!

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2017/06/08/luzerner-theater-dancemakers-series-8-8-juni-2017-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten

Konstantin Wecker mit Band, Kongresshaus Zürich, 6. Juni 2017, besucht von Leonard Wuest

Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten
Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten
Besetzung: Konstantin Wecker mit Band, Jubiläumskonzert zum 70. Geburtstag

Poesie und Widerstand

Rezension:

70 Jahre Ungehorsam – verändert hat sich der Künstler in seinem Leben schon oft, ein anderer ist er nie geworden (Zitat des Veranstalters abc production).

Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten
Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten

Wenn der Ur – Bayer durch die Lande tourt, strömen seine Fans seit Jahrzehnten und füllen die Konzertsäle und Hallen. Seine Themen sind auch heute noch, oder wieder, sehr aktuell. Dazu hat er die Gabe, seine Texte in markante, wiedererkennbare Melodien zu packen. Wenn dazu noch ausgezeichnete Mitmusiker auf der Bühne stehen, ist ein unvergesslicher Abend garantiert.

Konstantin Wecker Foto Bayerischer Rundfunk c Wilschewski
Konstantin Wecker Foto Bayerischer Rundfunk c Wilschewski

Eröffnet wurde das Konzert mit einer Playbackeispielung, dazu betraten die fünf Begleitmusiker die Bühne, besetzten ihre Platze und übernahmen nahtlos die eingespielte Melodie. Es folgte der Einzug des „Gladiators“ Konstantin Wecker, der sich vom hinteren Saaleingang her singend durch das Publikum seinen Weg bahnte und sich so  den Zugang zur Bühne verschaffte. Bejubelt von den Konzertbesuchern, Hardcorefans meist  eher gesetzteren Alters, startete er das Set mit „Kein Ende in Sicht“, Liedzeile daraus: Kein Ende in Sicht, den Anfang verprasst, dazwischen nur tänzelndes Schweben. Den Sinn dieses Unsinns noch lang nicht erfasst, doch immerhin: leben im Leben! Es folgte Lied auf Lied, unterbrochen nur durch Monologe, Anekdoten aus seinem prallgefüllten Leben und natürlich Applaus, viel Applaus. Zwischendurch hatten auch seine Mitmusiker, von denen ein jeder mindestens zwei Instrumente beherrschte, Gelegenheit, mit Soli zu glänzen. So spielte z. B. die Cellistin ebenso gut den Elektrobass, der Violinist beherrschte auch die Leadgitarre ausgezeichnet, usw. Wecker meinte noch, er habe jetzt 50 Jahre darauf gewartet, endlich 70 zu werden, die ersten 20 Lebensjahre könne man ja nicht voll anrechnen. Dann interpretierte er zuerst Lieder aus seinem frühen Schaffen, dann sang er sich nach und nach über die jüngste Vergangenheit, z. B. mit „Der alte Kaiser“ (komponiert als Hommage an die Aufständischen auf dem Tahrir Platz) bis  in die Gegenwart. Ein Streifzug durch ein ganzes Künstlerleben, das nicht nur mit Glanzlichtern gesegnet ist, sondern auch grosse Brüche aufweist

 

Noch immer mal wütender Rebell, mal zärtlicher Poet

Konstantin Wecker Foto Maximilian Lottmann
Konstantin Wecker Foto Maximilian Lottmann

Wecker kam aber immer gestärkt zurück, nichts konnte seiner Popularität etwas anhaben, Wecker Fans sind unerschütterlich und treu ergeben. Amüsiert schaut der Künstler zurück, seinen Karrierestart als Darsteller in Softpornos nutzt er gar, um sein Machoimage zu untermauern. Ein Gehabe, dass sogar seinem verehrten Vater einst die Bemerkung entlockte: Aha, Männlein will Mann spielen.

Selbst eine  so grosse Künstlerin wie Mercedes Sosa coverte mit „Ich singe weil ich ein Lied hab“, einen Wecker Song, das Lied, das sie auch gemeinsam bei einem Konzert 1988 in Wien, zusätzlich ergänzt durch Joan Baez, interpretierten.

Konstantin Wecker Foto Ufuk Arslan
Konstantin Wecker Foto Ufuk Arslan

Ebenso einprägsam wie sein „Einmarsch“ zu Beginn des Konzertes, war auch sein Abschied. Er verliess die Bühne, singend natürlich, streifte durch die Sitzreihen, umarmte diese und jenen, feierte seine Fans, die wiederum feierten ihn, kehrte schlussendlich auf die Bühne zurück und genoss mit seinen Mitmusikern noch eine langanhaltende stehende Ovation. Definitiver Höhepunkt war dann das ultimativ abschliessende : "Sage Nein!", begeistert umjubelt vom Auditorium und mit einer erneuten „Standing Ovation“ belohnt. Wecker bleibt Wecker, immer ein aussergewöhnliches Erlebnis. Trotz seinen 70 Jahren performt er immer noch vor und nach der Pause je ca. 90 Minuten.

Eine unendlich erscheinende Karriere

Konstantin Wecker Foto Annik Wecker
Konstantin Wecker Foto Annik Wecker

Über 50 Jahre schon bespielt Wecker die Bühnen Europas, gar der Welt und es macht nicht den Anschein, als ob er nächstens in Rente geht und sein spätes Familienidyll noch intensiver geniessen will. Unruhig unterwegs ist er noch immer. Vielleicht, Altersweisheit geschuldet, nicht mehr ganz so zornig, nicht aber weniger engagiert. Seinen Anhängern, meist im gleichen Alter geht es wohl ähnlich. Alt68er, von Utopisten zu Realisten mutiert, ohne ihre Träume zu verlieren oder Idealen abzuschwören. Wecker und Band interpretieren Song für Song, ergänzt durch des Meisters Anekdoten und Erinnerungen an musikalische Weggefährten, amüsante und ernste Begebenheiten, Lebensirrtümern, Irrwegen und Verfehlungen. Die späte Rückkehr auf den Pfad der Tugend, unterstützt von seiner damaligen Frau Annik, bereichert durch die beiden gemeinsamen Söhne.

Vielseitigkeit ist ein Markenzeichen von Konstantin Wecker

Konstantin Wecker und Hannes Wader Foto Thomas Karsten
Konstantin Wecker und Hannes Wader Foto Thomas Karsten

Er singt ja nicht nur seine Lieder. Er textete und komponierte auch für andere, wirkte als Schauspieler in vielen Gastrollen mit, komponierte Filmmusik, schrieb gar ganze Musicals, u.a., das Hundertwasser Musical, zusammen mit Christopher Franke das Musical Ludwig usw.. Seit dem Wintersemester 2007/2008 hat Wecker an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg einen offiziellen Lehrauftrag angenommen. Immer wieder engagiert er sich politisch und auch sozial an vorderster Front, wurde und ist eine Ikone der antifaschistischen Bewegung

 

Konstantin Wecker – Mercedes Sosa – Joan Baez – Ich singe weil ich ein Lied hab – Wien 1988:

www.youtube.com/watch?v=LhHAaJqjVhc

Konstantin Wecker: "Sage Nein!"

www.youtube.com/watch?v=aZtmfCJRErY

Ein Konzert von: www.abc-production.ch/

Fotos: www.abc-production.ch/ und Wikipedia und Homepage von

www.wecker.de/de/start.html

Text: www.leonardwuest.ch

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Festival Strings Lucerne

Festival Strings Lucerne, Beethoven at its best Solisten: Vilde Frang, Nicolas Altstaedt, Herbert Schuch, KKL Luzern, 2. Juni 2017, besucht von Léonard Wüst

Festival Strings Lucerne
Festival Strings Lucerne

Besetzung und Programm:

Daniel Dodds
, Violine & Leitung
 Vilde Frang
, Violine
 Nicolas Altstaedt
, Violoncello
 Herbert Schuch
, Klavier
 Festival Strings Lucerne
Ludwig van Beethoven: Konzert für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester C-Dur op. 56 «Tripelkonzert»
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93

 

Rezension:

Brillant, leichtfüßig und den kammermusikalischen Geist des Miteinanders verströmend wie wohl kaum ein anderes Konzert, kommt Beethovens berühmtes Tripelkonzert daher. Allzu selten steht es auf dem Programm, denn gleich drei hervorragende Solisten müssen auf das Beste miteinander harmonieren. (Zitat ProArte, Klassik für Hamburg)

Daniel Dodds, Leitung und Violine
Daniel Dodds, Leitung und Violine

Die Festival Strings Lucerne hatten am Vorabend, als erstes Schweizer Orchester überhaupt, in der Elbphilharmonie in Hamburg mit dem gleichen Programm gastiert, entsprechend hoch waren denn auch die Erwartungen des gutgelaunten Publikums im fast ausverkauften Konzertsaal die zusätzlich gesteigert wurden durch das Mitwirken der drei prominenten Solisten Vilde Frang, Nicolas Altstaedt und Herbert Schuch beim Tripelkonzert, das für den ersten Konzertteil programmiert war. Diese Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt, harmonierten doch die drei Solisten bestens miteinander, keiner war dominierend und sie fügten sich auch hervorragend ins Gesamtorchester ein, das für deren Soloparts, einen kompakten, feinausgewogenen Klangteppich legte. Beim Tripelkonzert handelt es sich beim ersten Satz um den längsten Satz in allen Instrumentalkonzerten Beethovens.

Triplekonzert, die Solisten,v.l.n.r. Schuch, Frang, Altstädt
Triplekonzert, die Solisten,v.l.n.r. Schuch, Frang, Altstädt

Zudem ist er nicht in der üblichen Sonatenhauptsatzform komponiert. Geleitet wurde das Konzert von Daniel Dodds, auf dem Konzertmeisterstuhl bei den ersten Geigen sitzend und selber auf seiner Violine mitspielend, ebenso diskret wie souverän. Das demonstrierte auch das grosse Vertrauen, welches Dodds  (er gehört auch zu den Solisten des Lucerne Festival Orchestra) in seine Mitmusiker hat. Die „Strings“ untermauern ihren Ruf, als eines der weltbesten Kammerorchester mit einer grossartigen Leistung und die Protagonisten durften für ihre Darbietung einen langanhaltenden Applaus ernten, für eine Zugabe liessen sie sich aber nicht erwärmen. Gutgelaunt begab man sich zur Pause in die Foyers des KKL, von dessen Dachterrasse aus sich immer wieder ein grandioser Blick über das Panorama rund um das Luzerner Seebecken bietet.

Zweiter Konzertteil: Beethovens 8. Sinfonie

Nicht gerade mit Lob überschüttet wurde diese, etwas im Schatten der 7. und der 9. Sinfonie stehende Komposition, nach ihrer Uraufführung am 27. Februar 1814 und doch hatte sie auch begeisterte Anhänger. Anton Diabelli etwa meinte u.a.: mit offenen Armen empfängt der wahre Kunstfreund dieses herrliche, glänzende Product des unerschöpflichen Beethoven. In ihren Entwürfen eigentlich als Klavierkonzert gedacht, überarbeitete der Komponist im Verlaufe des Sommers 1812 diese zu einer „richtigen“ Sinfonie. David Dodds geleitete, noch immer sitzend in der Position des Konzertmeisters, sein Orchester in das gewaltige Werk, in dem sich speziell im ersten Satz auch die Bläser, allen voran die Fagottisten, dann die Oboen, Querflöten usw. auszeichnen konnten. Dies unterstützt von den grundsoliden Streichern, die je nach dem, üppig begleitend, mal anfeuernd vorantreibend ihren Kollegen in nichts nachstanden, so einen wundervollen Gesamtklangteppich schufen, der dem Werk des Musikgenies mehr als gerecht wurde. Das Auditorium feierte die Musiker mit langanhaltendem, tosenden Applaus und vielen Bravorufen für diesen Konzertgenuss.

Veranstalter und Fotos: www.festivalstringslucerne.org/de/home

Text: www.leonardwuest.ch

Luzerner Sinfonieorchester, Solisten: Vilde Frang und Truls Mørk, KKL Luzern, 20. April 2016, Rezension über diesen Link:

innerschweizonline.ch/wordpress/luzerner-sinfonieorchester-solisten-vilde-frang-und-truls-mork-kkl-luzern-20-april-2016-besucht-von-leonard-wuest/

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ZKO, Musik für stürmische Zeiten, 21. Mai 2017, Schauspielhaus Pfauen, Zürich, besucht von Irène Hubschmid und Ruth Schiesser

 

Zürcher Kammerorchester

Programm und Besetzung:
Ignaz Pleyel Sinfonie D-Dur Ben. 126
Ignaz Pleyel Flötenkonzert C-Dur Ben. 106
Wolfgang Amadeus Mozart Andante C-Dur für Flöte und Orchester KV 315
Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 28 C-Dur KV 200
Emmanuel Pahud Flöte
Willi Zimmermann Konzertmeister
Zürcher Kammerorchester

Rezension:

Mit Emmanuel Pahud und seiner Flöte war das Konzert ein Genuss auf hohem Niveau. Begleitet wurde der weltbekannte Solist durch das nicht weniger bekannte Zürcher Kammerorchester.

Zur Einführung begrüsste der Direktor Michael Bühler die Zuhörer und hielt eine Abschiedsansprache für die langjährige ZKO-Geigerin Sandra Goldberg, die seit 1985, dem gleichen Jahr, in welchem Michail Gorbatschow als Generalsekretär der KPdSU gewählt wurde, zum Ensemble gehörte und überreichte ihr mit nochmaligem Dank einen Blumenstrauss.

Emmanuel Pahud Revolution (c) Warner Classics- Fabien Monthubert

Dann zum Konzert mit dem Komponisten Ignaz Pleyel (Oesterreicher/Franzose) (1757-1831), einem Zeitgenossen von W.A. Mozart. Gespielt wurde die Sinfonie in D-Dur Ben 126 für Orchester. Ein melodiöser Auftakt und ein musikalischer Dialog mit prägnanten und teilweise rassigen Passagen, dann wieder abgelöst durch rhythmisch eher dezentere Töne. Eine tonale Kontrastkomposition, dies unterstrichen durch die Bläsereinsätze. Es war zeitweise Mozart ähnlich, da sich der Musikstil ebenso vital, inhaltsreich und wohlwollend präsentierte.

In der Folge kam Emmanuel Pahud (Schweizer, *1970 in Genf) mit seiner goldenen Querflöte und entzückte die Zuhörer mit dem Flötenkonzert C-Dur Ben 106, ebenfalls von Ignaz Pleyel. Pahud pflegt seit über 20 Jahren den Kontakt zum ZKO, obwohl er momentan mehrheitlich in Berlin tätig ist. Der Komponist Pleyel galt als Genie im Windschatten und es ist lohnenswert, diese Musik wieder vermehrt in die Konzertprogramme aufzunehmen. Diese  Verdrängung geschah durch den hohen Bekanntheitsgrad von Beethoven und Mozart. Emmanuel Pahud spielte die Komposition sehr virtuos, mit seiner vollen Konzentration äussert überzeugend, würdig und überragend. Sein verlängerter Atem, wie er sein Musizieren mit Flöte selbst nennt, brachten die Töne klar und meisterhaft zum Ausdruck. Da der Komponist ein Gegner der Revolution war, erläuterte Pahud: Musik ist eine Vision dessen, was sich die Menschen erhoffen. Zu Pleyels Zeit waren dies “Ruhe und klare Form” im ganzen seinerzeitigen Weltgeschehen.

Nach der Pause hielt Michael Bühler eine zweite Ansprache und kam mit einer  roten Schachtel auf die Bühne. Verlost wurde der Gönnerpreis. Die Glücksfee war Sandra Goldberg. Die Gewinnerperson selbst war nicht anwesend, wird sich aber sicher auch nachträglich freuen.

Emmanuel Pahud (c) Warner Classics-Fabien Monthubert

Anschliessend spielte der Solist das Konzert für Flöte und Orchester von W.A. Mozart. Ein ebenso erstklassiges, zauberhaftes, wie hochstehendes  Musikerlebnis. Einerseits mit grosser Intuition hingebungsvoll dargeboten und andererseits die Mozartkomposition reell, elegant und meisterhaft präsentiert. Dies bestätigt die These “Beim Hören von Mozart wird einem nie öde” und wir Musikkenner erfreuen uns immer wieder, dieses fantastische Stück durch qualifizierte Interpreten zu geniessen.

In der Folge intonierte das Orchester die Sinfonie Nr. 28 von Mozart.  Lebhafter und sonorer Auftakt. Die Titel der einzelnen Sätze wurden durch das Orchester schlicht perfekt umgesetzt, ja präzise, engagiert und freudvoll vermittelt, dem man aufmerksam lauschte. Das Publikum applaudierte langanhaltend stürmisch, sodass Konzertmeister Willi Zimmermann sich noch zu einer Zugabe überzeugen liess, dies nochmals mit Mozart.

Erfüllt verliessen die Zuhörer den Zuschauerraum, dankbar erfreut für den inhaltsreichen Musikabend sowie für den, anschliessend durch die Sponsoren offerierten Apéro.

Text: www.irenehubschmid.ch  und Ruth Schiesser

Fotos: Wikipedia und  www.zko.ch/#aktuelles-head

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Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

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