Lucerne Festival zieht erfreuliche Bilanz mit 90 Prozent Auslastung
Am heutigen Sonntagabend endet das diesjährige Lucerne Festival im Sommer. Insgesamt kamen 77ʼ900 Besucher aus 49 Ländern zum Sommer-Festival nach Luzern, das über vier Wochen und fünf Wochenenden vom 12. August bis 11. September unter dem Motto «PrimaDonna» 88 künstlerische Zahl- und 24 Gratis-Veranstaltungen präsentierte. Die 88 Verkaufsveranstaltungen waren zu 90 Prozent ausgelastet und verzeichneten 64ʼ900 Besucher, 25 der Veranstaltungen waren ausverkauft. Zu den 24 Gratis-Veranstaltungen kamen 13ʼ000 Interessierte. Die Auslastung der 29 Sinfoniekonzerte betrug durchschnittlich 94 Prozent. Sehr beliebt war der Erlebnistag am 21. August mit 4ʼ800 verkauften Karten, zur Gratis-Reihe «40min» kamen 4ʼ600 Interessierte ins KKL Luzern, das Eröffnungskonzert verfolgten insgesamt 1ʼ500 Personen beim Public Viewing auf dem Inseli.
Grosser Festival-Abschluss am kommenden Wochenende
Mit einem vielfältigen künstlerischen Konzert-Wochenende geht das Festival morgen und übermorgen zu Ende: Am heutigen Abend tritt Simone Rubino, der Gewinner des diesjährigen «Credit Suisse Young Artist Award», als Solist des zweiten Konzerts der Wiener Philharmoniker auf, es dirigiert Tugan Sokhiev. Die Premiere von Luigi Nonos Prometeo, die diesjährige Kooperation mit dem Luzerner Theater, findet ebenfalls heute Abend statt. Am Samstag feiert um 11 und 15 Uhr die neue Young Performance-Produktion «Divamania» Premiere, das Spyros-Klaviertrio ist um
11 Uhr und die Berliner Philharmonikerinnen sind um 16 Uhr im MaiHof zu erleben, Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle Berlin am Samstagabend im KKL Luzern. Beim Abschlusskonzert am Sonntag um 17 Uhr steht die monumentale Turangalîla-Sinfonie von Olivier Messiaen auf dem Programm: Der Pianist Jean-Yves Thibaudet und Cynthia Miller sind die Solisten des Konzerts des Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela, das von Gustavo Dudamel geleitet wird.
Festival-Thema «PrimaDonna»
Lucerne Festival rückte unter dem Motto «PrimaDonna» die Rolle der Frau in der Musik in den Mittelpunkt: Von elf Dirigentinnen, die das Festival im Sommer-Programm vorstellte, traten allein fünf beim grossen Erlebnistag am 21. August auf: Konstantia Gourzi, Mirga Gražinytė-Tyla, Anu Tali, Maria Schneider und Elena Schwarz. Der Erlebnistag stiess auf höchstes Interesse: Rund 4ʼ800 Karten konnten bei den sechs Konzerten und den zwei «Young»-Veranstaltungen verzeichnet werden, rund 200 Interessierte kamen zum Diskussions-Panel am Nachmittag. Olga Neuwirth war «composer-in-residence» des Sommers 2016, sieben ihrer Werke waren in sechs Konzerten zu erleben. Bedeutende Komponistinnen der letzten Jahrhunderte wie Ethel Smyth, Fanny Mendelssohn oder Clara Schumann wurden im Laufe des Festivals vorgestellt. Als «artistes étoiles» standen alle weiblichen Künstlerinnen im Fokus des Sommers, darunter Iveta Apkalna, Martha Argerich, Cecilia Bartoli, Isabelle Faust, Sol Gabetta und Anne-Sophie Mutter, die gleich mit drei Konzerten ihr 40-jähriges Luzerner Bühnenjubiläum feierte. In der weiblich besetzten Debut-Reihe stellten sich Tianwa Yang, Asya Fateyeva, Harriet Krijgh, das Trio Rafale, Hagar Sharvit und das Quatuor Zaïde vor. Mit Elim Chan debutierte zum ersten Mal eine junge Dirigentin. Weitere Projekte wie «Soundzz.z.zzz…z», die Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern, oder das NZZ-Podium mit Martin Meyer stellten ebenfalls das Thema «PrimaDonna» in den Mittelpunkt.
Sinfonieorchester-Höhepunkte und Antritt von Riccardo Chailly
Bei den 29 Sinfoniekonzerten der weltweit renommiertesten Orchester betrug die durchschnittliche Auslastung 94 Prozent. Insgesamt waren elf dieser Konzerte ausverkauft, darunter die beiden eröffnenden Abende mit dem Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Riccardo Chailly, die beiden Konzerte des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim, der Auftritt des Mahler Chamber Orchestra unter Barbara Hannigan, die beiden Konzerte der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und das Konzert des Orchesters der Lucerne Festival Academy unter der Leitung von Alan Gilbert mit Anne-Sophie Mutter als Solistin. Mit Emmanuelle Haïm dirigierte erstmals eine Frau die Wiener Philharmoniker in Luzern, Marin Alsop leitete das São Paulo Symphony Orchestra. Die renommiertesten männlichen Dirigenten traten ebenfalls aufs Podium, so zum Beispiel Bernard Haitink, der sein
50. Luzerner Bühnen-Jubiläum feierte. Ausserdem waren Daniele Gatti, Kirill Petrenko, Valery Gergiev, Yannick Nézet-Séguin, Herbert Blomstedt und Tugan Sokhiev zu erleben.
Start der neuen Ära der Lucerne Festival Academy
An der diesjährigen Lucerne Festival Academy nahmen 129 Orchestermusiker aus 28 Nationen im Alter zwischen 17 und 32 Jahren, zwölf junge Komponisten, fünf Nachwuchs-Dirigenten und
zwölf Alumni teil. Erstmals fand die Akademie unter der Leitung ihres neuen Künstlerischen Leiters Wolfgang Rihm statt, der ein neues Composer Seminar ins Leben rief. Matthias Pintscher, der neue Principal Conductor der Lucerne Festival Academy, dirigierte die Eröffnung mit dem Ensemble intercontemporain und leitete das Akademie-Orchester in einem Programm mit Werken von György Ligeti, Mark Andre und Igor Strawinsky. Dieses Konzert wurde am 6. September als Eröffnungskonzert der Hamburger Elbphilharmonie in der Laeiszhalle wiederholt. Alan Gilbert leitete einen Meisterkurs Dirigieren und Susanna Mälkki erarbeitete mit dem Orchester Olga Neuwirth’s Uraufführung Trurliade-Zone Zero (Roche Commissons). Die Teilnehmer der Akademie waren in insgesamt 14 Konzerten zu erleben, darunter in vier «40min»-Konzerten und in drei Sinfoniekonzerten.
Mit 4’600 Besuchern sehr beliebt waren auch in diesem Sommer die «40min»-Konzerte im Luzerner Saal des KKL Luzern. Durchschnittlich kamen rund 460 Besucher pro Abend, drei waren bis auf den letzten Platz belegt. Die Hälfte der «40min»-Veranstaltungen präsentierte zeitgenössische Musik. Im Foyer des KKL Luzern wurde das «Interval» eingeweiht – in der neuen Lounge, die als Begegnungsort für Publikum und Musiker gestaltet wurde, trafen sich Musikinteressierte sowohl vor als auch nach den Konzerten.
Die 20 Konzerte der Reihe «Young» waren mit insgesamt 91 Prozent Auslastung sehr gut besucht, präsentiert wurden insgesamt fünf Produktionen. 14 Termine waren ausverkauft, darunter die Sitzkissenkonzerte der Produktion «Goldmädchen»und acht Vorstellungen der «Aufziehprinzessin», der diesjährigen Kooperation mit dem Figurentheater Petruschka. «Divamania», die neue Young Performance-Produktion mit sechs Musikern und zwei Tänzern, wird am kommenden Samstag, um 11.00 Uhr und um 15.00 Uhr uraufgeführt. Im Frühjahr 2017 geht die Produktion dann auf Schweiz-Tournee nach Verscio, Zug, Chur, Genf, Solothurn und Zürich. Rund 2ʼ350 Schülerinnen und Schüler aus 120 Schulklassen kamen darüber hinaus zu den 18 Schulvorstellungen und vier Workshops.
Als ein Highlight im Bereich Moderne war die Uraufführung des burlesken Musiktheaters Die Künstliche Mutter von Michel Roth zu erleben. Beide Vorstellungen waren voll belegt. Von insgesamt 15 Uraufführungen, die im Rahmen des Sommer-Festivals im Programm standen, erklangen acht Uraufführungen junger internationaler Komponisten im Rahmen des Kompositionswettbewerbs des Schweizerischen Tonkünstlervereins. Am Erlebnistag dirigierte Konstantia Gourzi die Premiere eines eigenen neuen Werks für das Orchester der Lucerne Festival Academy. Der Perkussionist Victor Hanna spielte das neue Schlagzeugkonzert Trurliade-Zone Zero von «composer-in-residence» Olga Neuwirth.
Bereits zum vierten Mal fand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern der Wettbewerb «Soundzz.z.zzz…z» statt. Gespräche mit Künstlerinnen bilden die Basis des experimentellen dokumentarisch-künstlerischen Projekts von Sophia Martell und Silke Strahl zum Festival-Thema «PrimaDonna», das am kommenden Sonntag um 15 Uhr im Kunstmuseum erneut zu erleben ist.
Sehr gut frequentiert mit rund 5ʼ300 Personen war das Festival «In den Strassen» vom 23. bis 28. August mit acht Weltmusik-Ensembles. Rund 300 Besucher kamen zu den zwei Konzerten an der Freiluft-Bar auf dem Inseli «Zu Gast bei der Buvette».
Radio SRF2 Kultur zeichnete 23 Konzerte auf, die zum Teil weltweit übertragen wurden und sendete sechs dieser Konzerte live, darunter das Eröffnungskonzert am 12. August, das auch zeitversetzt am gleichen Abend auf SRF1 gezeigt wurde und als Live-Stream bei arte.tv zu erleben war. Das zweite Konzert der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle am 31. August wurde ebenfalls live auf concert.arte.tv gestreamt. Die 52-minütige TV-Dokumentation Maestras von SRF/Accentus Music, die während des Sommer-Festivals gedreht wurde, wird am Sonntag,
9. Oktober 2016, auf SRF1 in der Sendung Sternstunde Musik um 11.55 Uhr und um 23.20 Uhr zu sehen sein.
Hauptsponsoren Credit Suisse | Nestlé AG | Roche | Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
Themensponsor Vontobel
Konzertsponsoren Bucherer AG | Clariant | Franke | Givaudan | KPMG AG | Ringier AG
Aktuelle Filme zu Lucerne Festival auf Youtube unter www.youtube.com/lucernefestival
Background-Informationen und Berichte im Lucerne Festival Blog unter blog.lucernefestival.ch
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Besetzung und Programm:
Dann betrat die Solistin, in flammendes Rot gekleidet, zusammen mit Dirigent Alan Gilbert die Bühne und zelebrierte das, von Norbert Moret für sie im Jahre 1988 komponierte Konzert. «Ein grossartiges, wenn auch kurzes Werk, farbig und raffiniert geschrieben», schwärmt die Widmungsträgerin. So war denn der erste Satz sphärisch, nebulös, gleichsam dampfendem Licht. Im zweiten Satz, dieses transparent Schimmernde ergänzend, feine Vibraphonsequenzen im Zusammenspiel mit der schwingenden Violine, die auch mal leicht klagend daherkam. Mutters besinnlich einschmeichelnder Ton überzeugte einmal mehr und macht ihre Interpretationen so einzigartig. Dass begeisterte Publikum bedankte sich mit langanhaltendem tosenden Applaus. Ebenso überzeugend agierten Solistin und Orchester bei einem der bekanntesten Werke der zweiten Wiener Schule, „Dem Andenken eines „Engels“, von Alban Berg. Ob früher, als umjubeltes Wunderkind und Karajan Zögling, oder heute, als gefeierter etablierter Weltstar, Ann Sophie Mutter weiss das sachkundige Auditorium immer wieder zu begeistern und darf dafür auch immer grossen Applaus ernten. So begab man sich emotional aufgewühlt und begeistert vom Gebotenen in die Pause.
Zuerst demonstrierten Alan Gilbert und das Orchester in kurzen Sequenzen, wie die Leitmotive geschrieben sind, welches für wen oder was steht und wie Schönberg sie miteinander verflochten, oder gegenseitig überlagert hat. Damals war Schönberg noch nicht der Wegbereiter und Initiant der Zwölftontechnik, sondern eher der noch konservative Revolutionär, der aus dem Vollen schöpfte, sei es vom Aufbau des Werkes her. Da bediente er sich Elementen seines Förderers Richard Strauss, Kompositionsgerüsten des späten Brahms und auch beeinflusst von Schuberts Klangkonstruktionen, aber alles so, dass sämtliche Spielräume geöffnet bleiben für seinen konstruktiven Ehrgeiz, seine künstlerische Freiheit, Freiräume, die vieles andeuten, aber nichts festlegen oder gar vorschreiben. Also hintergründig doch ein Schritt in seine zukünftige Tonwelt, in den Aufbruch zu neuen Klangwelten, die die zweite Wiener Schule begründen wird. Alan Gilbert, hauptberuflich Chef der New York Philharmonic, geleitete das Orchester in eine wahre Klangorgie, ein fast archaischer Ausbruch der Emotionen, überbordend ausufernd, dennoch fein ziseliert und facettenreich. Der stürmische Schlussapplaus, teilweise stehende Ovation, liess einem fast vergessen, dass wir im ersten Konzertteil ebenfalls eine Weltklassedarbietung geniessen durften.
Die Anreise mit dem Auto ins bayerische Oberfranken von Luzern aus dauert etwas über acht Stunden, doch um den wagnerschen Gesamtring auf dem grünen Hügel mal live zu erleben, würde sich diese lange Autofahrt wohl sicher lohnen.
Er tauchte schlicht und einfach nicht mehr zu den Proben auf. Dies liess natürlich die Spekulationen über die Gründe wild wuchern, es kursierten die verschiedensten Gerüchte, u.a. Nelsons habe unterschiedliche musikalische Ansichten als Thielemann, bis anhin alle unbestätigt. Nelsons konnte kurzfristig durch Hartmut Haenchen ebenbürtig umbesetzt werden.
Festspieldirektorin Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten und Musikdirektor Christian Thielemann, beide seit 1. September 2015 in Amt und Würden, scheinen gut aufeinander abgestimmt.
Fotos:
Mitwirkende
Die über 1000 Plätze waren ausverkauft und so stand einem Konzertgenuss nichts mehr im Weg. Verantwortlich für dieses Entertainment, also die Unterhaltung, zeichnete Christoph Walter (C.W.) mit seinen Mitmusikern. Er tat dies nicht nur mittels Musik, sondern führte auch charmant durch den Abend, gab Anekdoten zum Besten, durchaus mal mit einem Augenzwinkern. Wohltuend, dass auf bombastischen Lichtspektakel verzichtet wurde und wirklich die Musik und die Interpreten im Vordergrund standen. So folgte man denn gerne der musikalischen Aufforderung „Nimm Dir chli Zyt“, einer C.W. Eigenkomposition, die er, im Duett mit Solosängerin Nelly Patty, zu Beginn vortrug. Bei den folgenden Arrangements lernte man die Band etwas näher kennen, deren Mitglieder sich mittels kurzen Improvisationen grad selber vorstellen konnten. Ob die Streichergruppe ( inkl. Harfe), die Bläsersektion oder der Rhythmusblock, alles natürlich ausgewiesene erfahrene Musikerinnen, geführt von einem souveränen, sichtlich gutgelaunten Chef, ergänzt mit Nelly Patty und David Morell als kongeniale Vokalisten. Es wurde ein vielseitiges Programm geboten, sehr abwechslungsreich, für jeden Geschmack etwas, dennoch weitab von „Mainstream“. Mit dem Trompetenreferenzstück „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ war diese auch an diesem Sommerabend in Zofingen in Ordnung. Besonders eindrucks- und gefühlvoll von Nelly Patty interpretiert die „Hymne a`l Amour“, die durch Edith Piafs Version auf der ganzen Welt bekannt ist.
Obwohl qualitativ sehr nah am Original, setzte Nelly doch kleine, aber feine, eigene Akzente, wurde dafür vom beeindruckten Auditorium auch mit dem entsprechen kräftigen langanhaltenden Applaus belohnt. Einen eben solchen erntete auch die sehr ungewöhnliche, weil quergeflötete Version von „Tico Tico“, ein Werk, das nach und nach auch die andern Musiker einband, die satten Bläsersätze wechselten mit den Gitarrenimprovisationen von Randy Müller. Sänger David Morell interpretierte noch den Bette Midler Song Wind Beneath My Wings, während Nelly der französischen Hauptstadt huldigte mit der Interpretation des Chansons von Jacques Dutronc „Il est cinq heures, Paris s’éveille“ Auch die Dreigroschenoper fehlte nicht, dargereicht mit „Macky Messer“, im Duett von Nelly und David. C.W. betonte, dass es sehr gute und erfolgreiche Schweizer Musiker und Komponisten gibt.
Dieser Ansage liess er Taten folgen und so kamen wir in den Genuss eines Medley von Polo Hofer: Mit dem legendären „Kiosk“ bewies David Morell, welch grossartiger Interpret er ist, dass man sich auch gut ergänzt, bewiesen Nelly Patty und David im Duett mit einer wunderschön arrangierten Version der „Alperose“, dann waren auf der Bühne noch alle „Giggerig“ und versetzten das Publikum damit in totale Feststimmung.
Da muss schon eine eigens dafür komponierte und getextete Melodie her (En Tag zum fiire).Das ist aber dem Perfektionisten C.W. noch nicht genug. Zum Vortragen derselben wird in der Person von Franziska Wigger eine Jodelkapazität aufgeboten.