Lucerne Festival im Sommer 2016, Sinfoniekonzert 9 Luzerner Sinfonieorchester | James Gaffigan | Ekaterina Sementschuk, 22. August, besucht von Léonard Wüst
Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester
James Gaffigan Dirigent Ekaterina Semenchuk Mezzosopran
Gioachino Rossini (1792–1868)
Giovanna d’Arco, bearbeitet für Mezzosopran und Orchester von Salvatore Sciarrino
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Ouvertüre Zum Märchen von der schönen Melusine op. 32
Hector Berlioz (1803–1869)
La Mort de Cléopâtre. Lyrische Szene für Mezzosopran und Orchester
Ferruccio Busoni (1866–1924)
Turandot-Suite op. 41
Richard Strauss (1864–1949)
«Tanz der sieben Schleier» aus Salome
Rezension:
Das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) setzte das Motto des Sommerfestivals „Prima Donna“ bis anhin am konsequentesten um. Alle fünf aufgeführten Werke handeln von Frauen, dazu mit Solistin Ekaterina Sementschuk, eine Mezzosopranistin für die zwei Kompositionen „Ouvertüre zum Märchen von der schönen Melusine“ (Mendelssohn Bartholdy) und „La Mort de Cléopâtre, Lyrische Szene für Mezzosopran und Orchester“ (Berlioz). In der ersten Konzerthälfte begegneten wir der geheimnisvollen Nixe Melusine und der ebenso machtvollen wie schönen ägyptischen Königin Kleopatra, der sogar Julius Caesar verfiel und die sich von einer giftigen Kobra totküssen liess. Die kurze Mendelssohn Komposition war so etwas wie das Amuse bouche des Konzertes, das darauf durch die rotgewandete Weissrussin Ekaterina Semenchuk mit Kleopatras lyrischem Tod so richtig lanciert wurde. Auch in den schwierigsten Passagen und Kolorationen äusserst souverän meisterte sie dieses Referenzstück für Mezzosopranistinnen, was das Publikum auch mit entsprechendem Applaus, gewürzt mit einzelnen Bravorufen, zu würdigen wusste.

Den zweiten Konzertteil eröffnete Rossinis Kantate über die französische Nationalheilige Giovanna d`Arco. Versöhnlicher, dem Belcanto näher als die doch eher moderne Kleopatra, weniger Dissonanzen, runder zu singen, für die nun schwarz – golden gekleidete Solistin, die auch dieses Werk überaus souverän interpretierte, unterstützt vom gut aufgelegten Innerschweizer Orchester. Und eben dieses spielte sich in der darauffolgenden Turandot – Suite von Busoni unter Gaffigans Dirigat in einen wahren Klangrausch und brachte das Auditorium fast zum Ausflippen und Toben. Der abschliessende Tanz der sieben Schleier aus „Salome“ von Richard Strauss war dann noch Schaulaufen für die Lokalmatadoren, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurden, was zu einer langanhaltenden Standing Ovation führte.

James Gaffigan und Ferrucio Busoni scheint eine ganz spezielle Verbindung zu sein, fast könnte man von musikalisch – erotischer Liaison sprechen. Zitat Gaffigan: Als ich vom diesjährigen Festivalschwerpunkt erfuhr („Prima Donna“, Anmerkung Redaktion), kam mir sofort die Turandot von Ferruccio Busoni in den Sinn, den wir in der vergangenen Saison beim Luzerner Sinfonieorchester in den Fokus gerückt haben und der dieses Jahr seinen 150. Geburtstag feiert. Busoni ist ein, auch in der Schweiz, viel zu wenig bekannter Komponist. Seine Musik ist verrückt und modern, dabei immer aus der Tradition erwachsen, und die Turandot-Suite ist eines seiner zugänglichsten, ja zündendsten Stücke.
Erneut demonstrierte das LSO, dass es zurecht seinen Platz hat an diesem Weltklasse Festival, den es sich in den letzten Jahren durch beeindruckende Konzerte erspielt hat. So musiziert das Hausorchester des Luzerner Theaters auf Augen- oder besser Ohrenhöhe mit den Wiener Symphonikern, den Berliner Philharmonikern und andern Klangkörpern der obersten Liga. Das Publikum feierte die Protagonisten mit einem stürmischen Schlussapplaus, bei dem der Dirigent die einzelnen Sektionen aufforderte, sich zu erheben für eine jeweilige Separatanerkennung ihrer Leistung durch Applausverstärkung. Auch das Publikum stand, trampelte mit den Füssen und feierte ein aussergewöhnliches Orchester, ein tolles Programm und auch ein bisschen sich selbst.
Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch
www.gabrielabucher.ch Paul Ott:www.literatur.li
- Aufrufe: 836

Regie Ueli Blum
Das Stück spiele in vier Gärten, steht im Programm. Drei unterschiedliche Gartenlandschaften sind auf der Bühne aufgebaut: zwei einfache Klappstühle und ein Tisch links, in der Mitte eine lässig arrangierte Lounge-Landschaft, rechts unten am Boden 3 Strohballen. Um zusätzlich darauf hinzuweisen, wo die Handlung gerade stattfindet, wird auf einer grossen Leinwand das dazugehörende Haus eingeblendet, mit, notabene, Berücksichtigung der Jahreszeit in der Bepflanzung!
Er mischt sie aber nicht nur auf, er lockert sie auch auf, denn plötzlich sind Kathrins Haare offen, eine Blume steckt drin und der Ausschnitt geht vergleichsweise tief, die Barfussbäuerin hat sich herausgeputzt und trägt Schuhe, Jasmin ein enges, elegant und teuer aussehendes Kleid. Jede will auf ihre Art George erobern und ihn in seinen letzten Wochen begleiten.
Die Schauspieler sind alle grossartig, sie spielen nicht nur, sie sind ihre Figuren durch und durch. Gekonnt wird mit den Kostümen die langsame Veränderung angetönt. Es wird viel Klartext geredet, die Dialoge sind teilweise sehr witzig und brachten den einen oder anderen Szenenapplaus, das Publikum war begeistert. Und was schlussendlich mit George passiert ist, das müssen Sie schon selber herausfinden – ein Besuch lohnt sich, ein vergnüglicher Abend auf hohem Niveau ist garantiert; denn alle lieben eben George!
Besetzung und Programm:
Tubin bediente sich für viele seiner Kompositionen, wie z.B. auch Bela Bartok in Ungarn, Motiven aus Volksliedern seines Heimatlandes. Schön konstruierte Melodienbogen aufsteigend in höchste Lagen, abstürzend in tiefste Bässe, wechselten mit abrupten Tempowechseln, die Orchestrierung stark bläserlastig, kamen doch auch in der estnischen Volksmusik vor allem Blasinstrumente zum Einsatz. Dirigentin Anu Tali akzentuiert sehr viel mit dem Oberkörper, vor allem mit den Schultern, gibt sehr energisch die Marschrichtung an. Mit deutlich erkennbarer Gestaltungsfreude offerierte sie uns die estnische Musik, da schimmerte auch eine gehörige Portion Nationalstolz durch. Entsprechend enthusiastisch wurden die Protagonisten vom Auditorium mit Applauskaskaden überschüttet, was Anu Tali emotional sehr nahe ging, verdrückte sie sich doch eine Träne. In der kurzen Pause wurde der Konzertflügel von fleissigen Helfern auf seinen Platz gerollt, für das folgende Klavierkonzert Nr. 1 von Frédéric Chopin. Anu Tali kehrte zusammen mit Solistin Yulianna Avdeeva auf die Bühne zurück und geleitete das Orchester in die Partitur, während die russische Pianistin, gespannt wie die Sehne eine Pfeilbogens, auf dem Klavierschemel sitzend, ihren Einsatz abwartete. Leider übertrug die Dirigentin die Opulenz der Estnischen Tanzsuite etwas in Chopins Werk, das deshalb zuerst etwas mächtig daher kam. Dank der Souveränität, der Virtuosität und dem gestalterischen Können der aufstrebenden, sich an die absolute Weltklasse herantastenden Yulianna Avdeeva, hielt sich das leichte Erstaunen, damit der etwas getrübte Hörgenuss, in Grenzen. Das Publikum jedenfalls liess sich nicht davon abhalten, diese Pianosternstunde stehend zu applaudieren und die Protagonisten ausgiebig zu feiern.
Die das Konzertprogramm abschliessende Sinfonie Nr. 1 von Sergej Prokofjew, war dann noch ein Schaulaufen der Künstler, die all ihre Qualitäten präsentieren und ihrer Spielfreude freien Lauf lassen konnten. Das Auditorium genoss und würdigte dieses ungewöhnliche Konzerterlebnis mit einem kräftigen, langanhaltenden Schlussapplaus.
Besetzung und Programm: