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Bregenzer Festspiele 2015 Seebühne: Turandot von Giacomo Puccini, besucht von Léonard Wüst

Bregenzer Festspiele 2015 Seebühne: Turandot von Giacomo Puccini  Bregenzer Festspiele 2015 Seebühne: Turandot von Giacomo PucciniGrundsätzliches zu den Bregenzer Festspielen:

Die Bregenzer Festspiele sind ein Kulturfestival, das jährlich im Juli und August in der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz in Österreich stattfindet.

Wie alles begann:

1946 Bastien und Bastienne und Einekleine Nachtmusik (als Ballett) von Wolfgang Amadeus Mozart beim Gondelhafen auf zwei schwimmenden Baukränen.

1947 bis 1949 Spiel auf dem See beim Strandbad (1001Nacht von Ernst Reiterer nach Motiven von Johann Strauss Sohn, letzte Produktion an diesem Standort).

Ab 1950 mit der Operette Gasparone erste Produktion auf der Seebühne.

Heuer werden also die 70sten Festspiele abgehalten mit dem Höhepunkt des Puccini Klassikers „Turandot“ auf dem See.

 

Anziehungspunkt für die meisten Besucher ist das Spiel auf der weltweit größten Seebühne (welche aus über 29000 Einzelteilen besteht). Das Festival ist bekannt für die Schönheit der natürlichen Kulisse des Bodensees, überdimensionale Bühnenbilder, technische Kabinettstückchen und eine einzigartige Akustik, die durch die Technik des Bregenzer Richtungshörens erreicht wird. Intendantin der Bregenzer Festspiele ist seit Jänner 2015, als erste Frau überhaupt, Elisabeth Sobotka.

Elisabeth Sobotka, Intendantin der Bregenzer FestspieleDas Programm der Bregenzer Festspiele umfasste beispielsweise 2014 etwa 80 Veranstaltungen, die von über 215.000 Zuschauern besucht wurden. Das Hausorchester der Festspiele sind die Wiener Symphoniker. Gespielt wird auf der Seebühne (ca. 7000 Plätze), dem Festspielhaus Bregenz mit bis zu 1765 Plätzen, dem Theater am Kornmarkt und auch im Kunsthaus Bregenz finden Veranstaltungen statt

Es gibt europaweit heute diverse Events auf Seebühnen, z.B. Mörbisch am Neusiedler See in Österreich. In der Schweiz die Thunersee- und Walenseebühne, momentan die mobile „Seerose“ auf dem Vierwaldstättersee im Rahmen des „Gästival“ zum Jubiläum 200 Jahre Tourismus Zentralschweiz um nur die bekanntesten zu benennen. Trotzdem war, ist und bleibt die Bregenzer Seebühne unbestritten das Mass aller Dinge in diesem Bereich.

Über die grandiose Kulisse etwas zu schreiben erübrigt sich fast, ist diese doch bei jeder Neuinszenierung schlich einzigartig und atemberaubend umwerfend. Diese aber auch immer wieder richtig in Szene zu setzen beherrschen die Spezialisten hinter und neben der Bühne meisterhaft, sodass doch jedes Mal wieder Einzigartiges entsteht, genau auf das programmierte Stück abgestimmt bis ins Detail, inklusive den Nebenschauplätzen, z.B. den eingesetzten Booten auf dem See.

Besetzung:

Turandot Erika Sunnegardh
Altoum Manuel von Senden
Timur Dimitry Ivashchenko
Der unbekannte Prinz (Calaf) Rafael Rojas
Liù Marjukka Tepponen
Ping Thomas Oliemans
Pang Peter Marsh
Pong Kyungho Kim
Ein Mandarin Yasushi Hirano

Musikalische Leitung Paolo Carignani
Inszenierung und Bühne Marco Arturo Marelli
Kostüme Constance Hoffman
Licht Davy Cunningham
Chorleitung Lukáš Vasilek
Dramaturgie Olaf A. Schmitt

Wiener Symphoniker
Prager Philharmonischer Chor
Bregenzer Festspielchor
Artisten | Feuerkünstler
Kleindarsteller & Statisterie der Bregenzer Festspiele
Bühnenmusik in Kooperation mit dem Landeskonservatorium Vorarlberg

Paolo Carignani, DirigentBregenz benötigt auch keine grosse Namen bei der Besetzung um die Massen anzulocken die es braucht, um die Tribüne für jede der 26 Aufführungen voll zu besetzen. Bregenz setzt auf qualitativ grossartige Sänger/Darstellerinnen in wechselnden Besetzungen, um den Erwartungen gerecht zu werden und den selbstgesetzten Ansprüchen zu genügen. Dass dies gelingt, belegen die Besucherzahlen eindrücklich. Für Musikliebhaber fast ein „Muss“, jedes zweite Jahr nach Bregenz zu pilgern und trotzdem immer wieder aufs Neue beeindruckt zu sein.

(Für Nichteingeweihte: eine Produktion wird jeweils zwei Jahre gespielt, da die Kosten und der Aufwand viel zu hoch wären für bloss eine Saison).

Über „Turandot“: Puccinis Tod im Jahr 1924 ließ die Oper unvollendet, sein Kollege Franco Alfano komponierte auf Grundlage der Skizzen einen Schluss. Chinesisches Kolorit, mächtige Chorszenen und von ihren Gefühlen überwältigte Figuren bestimmen dieses Werk. Die Rätselszene wird zum musikalischen Wettkampf zwischen Sopran und Tenor. Effektgeladen und hingebungsvoll lässt Puccini seine Liebenden nach den Sternen greifen.

 

Bregenzer Festspiele 2015, 25. Juli, Spiel auf der Seebühne: „Turandot“ von Giacomo Puccini,

 

Marjukka Tepponen, Sklavin LiùBesonders eindrucksvoll die mit einem aussergewöhnlichen Timbre gesegnete Marjukka Tepponen als Liù, die nach verhalten zartem Beginn ihrer Rivalin Turandot (Erika Sunnegardh) auch mit erstaunlicher Selbstbestimmtheit entgegen tritt.

Das „Nessun dorma“ kommt aus dem Mund von Tenor Rafael Rojas überraschend meditativ, fast unwirklich fern, daher. Alle arbeiten hier zusammen, das lustvoll pointierende Trio Ping, Pang und Pong – das waren an diesem Abend: Thomas Oliemans, Taylan Peter Marsh und Kyungho Kim, ebenso wie Manuel von Senden in einem berührenden Kurzauftritt als alternder chinesischer Kaiser.

Man spürt da auch eine genaue Probenarbeit von Dirigent Paolo Carignani, der in der Aufführung überhaupt nicht auf Überhitzung und Knalleffekte setzt. Dass Carignani eher langsame, aber durchweg spannungsvolle Tempi wählt, kommt den Solisten zugute, die zwischen den Massenszenen mit dem Prager Philharmonischen Chor Raum für psychologische Konturen gewinnen und die, andererseits, dem Publikum genug Zeit lassen, das, wie immer, spektakuläre Bühnenbild zu geniessen.

 

Rafael Rojas, Calaf der unbekannte PrinzMarco Arturo Marelli richtete nicht die ganze Inszenierung nur auf das „“Nessun dorma“ aus, ungewohnt aber nachvollziehbar in dieser Umgebung und das Werk von Puccini hat ja auch nach dieser Arie noch einiges zu bieten.

 

Die Abläufe flüssig, ohne Durchhänger, die Kostümierung der Statisten zumeist unscheinbar dezent grau, umso mehr explodieren die Farben förmlich bei den Massenszenen mit den in den chinesischen Nationalfarben gehaltenen Kostümen der Tänzer, Jongleure, Feuerschluckern und andern Artisten bei den aufwändigen Choreografien auf der imposanten Bühne, die bis in die letzten Winkel bespielt wird.

 

 

 

Erika Sunnegardh, TurandotEinmal mehr ein Feuerwerk an Eindrücken für alle Sinne, präsentiert von einem aussergewöhnlichen Ensemble, begleitet von den gewohnt souveränen Wiener Symphonikern unter der Leitung von Paolo Carignani und vom Publikum mit heftig enthusiastischen Schlussapplaus entsprechend gewürdigt.

Kleine Fotodiashow der Produktion Fotos ab Homepage der
Bregenzer Festspiele:

fotogalerien.wordpress.com/2015/07/27/turandot-impressionen-der-seebuehne-in-bregenz-originalbilder-ab-der-homepage-der-bregenzer-festspiele/

fotogalerien.wordpress.com/2015/07/04/turandot-seebuhne-der-bregenzer-festspiele-kleine-fotodiashow/

Eigene Fotos rund um Turandot:

fotogalerien.wordpress.com/2015/07/26/turandot-seebuehne-der-bregenzer-festspiele-25-juli-2015-kleine-fotodiashow-eigene-fotos/

Trailer des SWR über die Produktion:

http://www.swr.de/kunscht/spektakel-auf-dem-see-die-bregenzer-festspiele-mit-turandot/-/id=13831134/did=15847324/nid=13831134/zdgm5r/index.html

Text: leonardwuest.ch

Fotos: bregenzerfestspiele.com/

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Mozart Dinner Concert im stilvollen Ambiente des Barocksaales des Stiftskeller St. Peter in Salzburg, 4. Juni 2015, besucht von Léonard Wüst

Barocksaal des Stiftskeller St. Peter in Salzburg

 

 

 

 

 

 

Besetzung und Programm:

 

Das Amadeus Consort Salzburg

Arien & Duette aus „DON GIOVANNI“ KV 527

Ouverture, Arien & Duette aus „FIGARO“ KV 492

„Eine kleine NACHTMUSIK“ KV 525
Arien & Duette aus „DIE ZAUBERFLÖTE“ KV 620

Ankündigung des Veranstalters:

Beim Mozart Dinner Concert dürfen Sie sich auf höchste musikalische Qualität freuen! In der hervorragenden Akustik des Barocksaals musizieren die zwei Opernsänger und fünf Instrumentalisten des AMADEUS CONSORT aus den großen Mozart Opern „Die Zauberflöte“, „Don Giovanni“ und „Figaros Hochzeit“. Konzertiert wird in drei Teilen jeweils vor den Gängen des Dinners – die Musik soll ja nicht gestört werden. Jeder Kunstform ihr Zeit!

Der Veranstaltungsort

Impression BarocksaalIm Stiftskeller St. Peter ist der Spielort des Mozart Dinner Concerts – ein einzigartiges, historisches Umfeld, dem berühmten Benediktiner-Kloster angeschlossen und im ältesten Teil Salzburgs gelegen. Das Restaurant wurde im Jahre 803 erstmals urkundlich erwähnt von Alkuin von York, dem Sänger Karls des Großen. Daher wird es als das älteste Restaurant Mitteleuropas bezeichnet. Der Barocksaal ist auch einer der wenigen Konzerträume Salzburgs, in welchem noch echtes Kerzenlicht gestattet ist. Man kann dies bei kaum einem anderen Konzert mehr erleben.

Rezension:

An diesem wunderschönen lauen Vorsommerabend schlenderte ich erwartungsvoll gutgelaunt entlang des grossen Festspielhauses über den Max Reinhardtplatz Richtung des Schauplatzes des heutigen Konzertes. Es erwartete mich ein äusserst netter persönlicher Empfang durch die kompetente Chefin de Service inklusive Begleitung an den für mich reservierten Tisch in unmittelbarer Nähe der kleinen Orchesterbühne. Nach und nach trudelten die Besucher ein in dem wunderschönen Raum, der bis zu 180 Personen Platz bietet, dies an ovalen Tischen für bis zu sieben Personen und drei kleineren quadratischen Tischen für Paare oder Einzelpersonen wie mich. Nachdem die Getränke anserviert und alle Kerzen der Kronleuchter angezündet waren, eröffnete die Gastgeberin den Abend, indem sie mit einer kleinen Glocke bimmelte, als Zeichen und Aufforderung zum Beenden der Unterhaltungen und gleichzeitig das Signal für die Musiker zum Beginn ihres Auftrittes. Diese betraten dann auch, angeführt vom Kontrabassisten den Saal, ihre Instrumente mit sich tragend und nahmen ihre Plätze auf der Bühne ein, drei Geigenspieler (davon eine weibliche), ein Cellist und der bereits erwähnte Kontrabassist. Platziert auch auf der Bühne war ein Cembalo, das aber an diesem Abend nie gebraucht werden sollte, diente wohl als Komplettierung des historischen Bühnenbildes,  zu dem auch die stilechte Kleidung der Orchestermitglieder gehörte. Dann gings auch schon furios los mit dem Duett (Masetto/Zerlina) „Giovanette che fatte all`amore“ aus Don Giovanni. Ab dem ersten Ton in bestechender Form war der Tenor dieses Abends. Da sich die Sänger an verschiedenen Orten im Saal aufhielten, je nach Arie oder Duett auch den Raum durchschweifend, erschlossen sich ganz verschiedene Klangwelten, mal tönts von nah und man wurde am Tisch sitzend direkt angesungen, inklusive Blickkontakt, dann tönts von fern aus der Tiefe des Raumes, wenn die Sopranistin im hinteren Teil des Saales einen männlichen Gast singend umschmeichelt. Alle sechs dargebotenen Teile des Don Giovanni, Gesamtdauer ca. 30 Minuten, wurden mit kräftigem Applaus bedacht, die Künstler verliessen den Saal und es folgte der erste Akt des kulinarischen Teils in Form einer klaren Zitronen – Hühnersuppe mit Topfen – Rosmarinknödel, was in etwa 20 Minuten in Anspruch nahm, dann Einmarsch des Orchesters für die Fortsetzung des musikalischen Teils mit der Ouvertüre zu „Le Nozze di Figaro“. Es folgte das Duett (Figaro/Susanna) „cinque, dieci, venti“, das die Sänger in den Saal eintretend begannen und sich zum Orchester gesellend weiter intonierten. Dabei bezogen die Darsteller ganz bewusst und spielerisch auch das Publikum gestenreich und mit wirkungsvoller Mimik ins Geschehen ein, was selbiges sich amüsiert auch gefallen liess. Die Darbietung der sechs Stücke aus dieser Oper dauerte ca. 30 Minuten und wurde auch beeindruckt applaudierend belobigt. Leider war die Sopranistin immer noch zu kopfstimmlastig und wirkte etwas gehemmt im Gegensatz zum Tenor, der es auch sichtlich genoss, in diesem Ambiente sein Können zu demonstrieren. Es folgte der 2. Akt des kulinarischen Teils, für den ein Kapaun Federn lassen musste, dargereicht mit einem Kartoffelgratin und etwas sehr knackigen, fast noch rohen Karotten. Es reihte sich der letzte Teil des musikalischen an den Hauptgang, beginnend mit dem Allegro (1. Satz) der kleinen Nachtmusik und noch fünf Arien/Duette aus der Zauberflöte. Da präsentierte sich der Tenor auch als Lederhosen – Papageno mit Kopffeder auf der Höhe der Aufgabe und auch die Sopranistin wirkte und sang lockerer. Schnell waren die fünf Stücke gespielt und gesungen. Für den langanhaltenden Applaus gewährten die Künstler dann eine Zugabe in Form einer speziellen Interpretation von „Happy birthday“, direkt an den Tischen von zwei Geburtstagfeiernden vorgetragen, simultan sekundiert durch das Servieren des Desserts unter Gebrauch von viel Wunderkerzen durch die Servicemitarbeiter. Besonderes Lob gebührt auch den Orchestermitgliedern, die jederzeit auf hohem Niveau Mozarts Kompositionen intonierten.

Salzburger Nockerln Es herrschte allseits Zufriedenheit und Vorfreude auf das Dessert, das mir dann doch noch die nicht gesungene „Königin der Nacht“ in Form einer Portion Salzburger Nockerln anstelle des vorgesehenen Honig Parfaits bescherte. Zusammengefasst ein gelungener Abend, natürlich irgendwie auch touristentauglich inszeniert, aber das beherrschen die Österreicher halt wirklich meisterhaft und wenns den Besuchern gefällt und schmeckt, ist das Ziel ja erreicht und alle Seiten sinds zufrieden. Natürlich erwarte ich an so einem Anlass nicht den Level einer Inszenierung an der Wiener Staatsoper. Es ist eine gelungene Mischung von Kulinarik für den Körper und Musik für die Sinne und das Gemüt, wobei die Küchenleistung leider nicht ganz mit der künstlerischen mithalten konnte. Bedienung war aufmerksam, jederzeit präsent und sehr freundlich. Das Preis - Leistungsverhältnis ist durchaus in Ordnung, also keineswegs etwas in Richtung Touristenfalle. Mozart für jedermann, amüsant, vergnüglich und unterhaltend dargereicht.

Kleine, aber bedeutende „Unterlassungssünde“: Leider war keine schriftliche Information verfügbar, wer an diesem Abend welche Rolle verkörperte und sang und wie die Orchestermitglieder heissen.

Einige Hörproben des Events:

soundcloud.com/amadeus-consort-salzburg/13-serenade-kv-525-kleine-nachtmusik-1-allegro

soundcloud.com/amadeus-consort-salzburg/03-schnelle-fuesse

soundcloud.com/amadeus-consort-salzburg/09-la-ci-darem

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:

http://www.stpeter-stiftskeller.at/mozart-dinner.html

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Oper Schloss Hallwyl Mozarts „Die Zauberflöte“, Première, 24. Juli 2015 besucht von Léonard Wüst

Spielstätte der Oper Orchester und Chor:

Argovia Philharmonic, Zürcher Sing-Akademie

Besetzung an der Première:
Tamino: Yujoong Kim
Erster Priester; Marek Gasztecki
Zweiter Priester: Neal Banerjee
Die Königin der Nacht: Christina Rümann
Pamina: Anne Ellersiek Erste Dame: Olga Kindler Zweite Dame: Wioletta Hebrowska Dritte Dame: Lien Haegeman Cover 2./3. Dame: Gianna Lunardi Drei Knaben: Solisten der Luzerner Sängerknaben Ein altes Weib (Papagena): Stephanie Pfeffer
Papageno: Martin Achrainer Monostatos: Karsten Münster
Erster Geharnischter: Gregory Finch Zweiter Geharnischter: Hendrik J. Köhler
Cover Sprecher Löwe: Ahmed Ajil

Grundsätzliches zum Werk und zur Spielstätte (Zitate ab der Homepage des Veranstalters)

Die Zauberflöte im wunderschönen und einmaligen Ambiente von Schloss Hallwyl zu inszenieren ist Freude pur und eine schöne Herausforderung!
Mozarts unsterbliche Musik betört und es überrascht nicht, dass die Zauberflöte nach wie vor eine der weltweit beliebtesten und meist aufgeführten Opern ist.

Prinz Tamino und Pamina, fast noch Kinder, werden sowohl von Sarastro wie von der sternflammenden Königin der Nacht manipuliert: Pamina, Tochter der Königin, wurde von Sarastro entführt. Die zwei Machtinhaber vertreten das Männliche und das Weibliche und kämpfen, von der absoluten Richtigkeit ihrer jeweiligen Systeme überzeugt, um den siebenfachen Sonnenkreis, Symbol der alleinigen Vormachtstellung in der Welt. Die beiden jungen Menschen aber kämpfen vor allem um eins – um ihre Liebe. Papageno, Taminos Begleiter bei der gefährlichen Mission und von Beruf Vogelfänger in Stellung bei der Königin, sorgt als Vertreter alles Irdischen mit Witz und Charme für Bodenhaftung und, glücklich vereint mit Papagena, für Nachwuchs.

Emanuel Schikaneder hat als Vorlage u.a. das Märchen „Prinz Lulu oder die Zauberflöte“ von August Jacob Liebeskind verwendet. Sein Libretto und insbesondere Mozarts Musik fordern ein Theater, das die verwandelnde Kraft der Liebe offenbart und eines, das die Grenzen scharf beleuchtet, wenn die Liebe sich nicht durchzusetzen vermag.
Die Hallwyler Inszenierung lehnt sich eng an den Märchenstoff und wird es dem Publikum überlassen, ob - und falls - mit welchem der beiden Machtsysteme es sympathisiert.

Obwohl die Oper bereits 1791 uraufgeführt wurde, hat diese Thematik einen –leider– hoch aktuellen Bezug.

In „Die Zauberflöte“ sind es diese diametralen Reiche und ihre Machthaber, die das Interesse von Regina Heer geweckt haben. In ihrer Inszenierung arbeitet sie die Kontroversen Aussagen und Taten dieser beiden heraus. So werden einerseits Grenzen scharf beleuchtet und andererseits aufgeweicht.

Rezension der Première, verfasst von Léonard Wüst

Nachdem zwei Tage vorher die „Titanic“ bei der Première des gleichnamigen Musicals auf der Walenseebühne von einem heftigen Gewitter fast vorzeitig versenkt wurde, hoffte man natürlich im Seetal auf den Wettergott, der Ähnliches verhindern sollte. Es sah auch dementsprechend aus, die Temperatur lag zu Beginn der Aufführung noch bei 31 Grad, der Himmel war bewölkt, wirkte aber nicht bedrohlich, obschon gleich am Anfang vereinzelte kleine Hagelkörner und Regentropfen fielen, das dauerte aber bloss einige Sekunden. So intonierte die Argovia Philharmonic unter der Leitung ihres Dirigenten Douglas Bostock die Ouvertüre optimistisch und schwungvoll, als einzige geschützt durch einen Stoffbaldachin und postiert zwischen den beiden Bühnenelementen, das linke, weibliche, (von der Zuschauertribüne her gesehen), blumenbekränzt, das Refugium der Königin der Nacht und ihrer Entourage, das rechte, männliche, gänzlich kahl, also ohne Blumen, das Reich des Sarastro mit seinen Getreuen und das Verlies der von ihm entführten Tochter der Königin der Nacht, der liebreizenden Pamina. In der Inszenierung von Regina Heer, wird Tamino nicht von einer Riesenschlange verfolgt und bedroht, sondern von einem Löwen. Aber auch dieser wird durch die Hofdamen der Königin besiegt, wofür sich dann aber der vorwitzig listige Papageno rühmt, als er von Tamino über die Geschehnisse während seiner kurzen Ohnmacht befragt wird. Dann entwickelt sich die ganze Geschichte wie hinlänglich bekannt, bis, ja, bis der grosse Regen kam. Zwar hatte ich mir vorsorglich eine der bereitgelegten Plastikregenpelerinen mit auf die Tribüne genommen, aber bei strömenden Regen diese auch richtig anzuziehen, ist eine Wissenschaft für sich. So kämpften die Zuschauer mit den Tücken des Objektes und die Sänger/innen mit den Wassermassen, Windböen und allem, was so dazugehört zu einem richtigen, langanhaltenden Sommergewitter. Als der Regen nach und nach schwächer wurde, ja fast gar aufhörte, war auch schon der erste Aufzug zu Ende. Da man des Sturmes wegen die Handlung gar nicht so richtig mitbekommen hatte, gingen manche davon aus, dass dies eine witterungsbedingte Unterbrechung, oder gar der Abbruch des Events sei. So versammelte sich das Publikum an geschützten Plätzen des Innenhofs und bei der Eingangsbrücke des Schlosses und beobachtete interessiert, wie sich diverse Helfer und Laiendarsteller ans Entwässern der verschiedenen Spielbühnen machten, um für den kommenden zweiten Aufzug die Trittsicherheit für die Akteure zu optimieren. Nach 20 Minuten gings weiter, nachdem man sich die Regenpelerine definitiv richtig umgelegt hatte um für weitere Wetterkapriolen besser gerüstet zu sein. Die liessen denn auch nicht lange auf sich warten. Kaum erklangen die ersten Takte der Musik, setzte auch der Regen wieder ein, dies wiederum relativ heftig und nicht bloss in Form eines kaum nennenswerten Sprüh- oder Nieselregens. Tapfer und solidarisch kämpften Akteure und Zuschauer sich durch den zweiten Teil, vereint dem Unbill der widrigen Umstände trotzend. Schwierig, die einzelnen Facetten der Produktion genau zu beurteilen und wieviel trotzige Solidarität im kräftigen langanhaltenden Schlussapplaus steckte. Wenn aber alles so war, wie es durch die grandiosen Tamino, Papageno und der Königin der Nacht mit ihren drei Hofdamen vor dem Wettercrash begonnen hatte, dürfte es hochstehende Unterhaltung sein und wird an den noch folgenden, hoffentlich unter vorteilhafteren Bedingungen durchgeführten Aufführungen dem Auditorium noch viel mehr Freude bereiten und die Künstler und alle Beteiligten werden den vollen, ihnen gebührenden Lohn für ihr Engagement erhalten.

Als versöhnliche Geste beim Schlussapplaus bekamen alle Beteiligten eine grosse Sonnenblume überreicht. Fazit, ein tolles Erlebnis wars allemal, da natürlich schon der Aufführungsort, das Schloss Hallwyl im Seetal, jederzeit einen Besuch wert ist.

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.operschlosshallwyl.ch/web/pages/2015/oper/oper.php

argoviaphil.ch/de/home

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Walenseebühne: Neuinszenierung: TITANIC – DAS MUSICAL, Première, 22. Juli 2015 besucht von Béatrice Wüst – Täschler

Walenseebühne: Neuinszenierung: TITANIC – DAS MUSICALBesetzung und Kreativteam;

Kate McGowan: Eveline Suter, Jim Farell: Gerrit Hericks, Kapitän Edward J. Smith: Christoph Wettstein, weitere Rollen: www.walenseebuehne.ch/Darsteller.467.0.html

Regie: Stanislav Moša, Musikalische Leitung:Dan Kalousek, Gesamtausstattung: Christoph Weyers

Kostüm: Andrea Kučerová, Maske: Sandra Wartenberg, Choreographie: Aneta Majerovà

Tondesign: Andreas Brüll, Lichtdesign: Rüdiger Benz

 Grundsätzliches zur „Titanic“

Grösser, schöner, besser, schneller als alles vorher dagewesene und absolut  unsinkbar, versehen mit diesen Attributen stach die,  in einer Werft in Belfast,  für die White Star Line gebaute Titanic zur ihrer Jungfernfahrt in See, ging aber drei Tage vor der geplanten Ankunft in New York, also am 14. April 1912 im Nordatlantik unter. Sie kollidierte mit einem Eisberg, der einen grossen Teil des Rumpfes aufriss. Erbärmlich starben 1514 Menschen, darunter besonders viele Auswanderer aus der dritten Klasse und viele Heizer und Matrosen.

Und doch, obwohl die Titanic das Grab im eisigen Atlantik gefunden hat, ist sie nicht tot. Seit dem Untergang ranken sich Geschichten und Legenden um sie,  Bücher wurden über die letzten Stunden geschrieben, Filme gedreht, Forschungen betrieben und mit Erfolg nach den Überresten gesucht. Die damalige Welt war von diesem Untergang sehr berührt, es gab sogar Teddybären in Trauerkleidung, die heute einen hohen Sammlerwert besitzen.

Rezension:

Bereits seit Tagen war die Temperatur auf gegen 30° geklettert, aber ausgerechnet am Abend der Premiere hat es geregnet, nein, regelrecht geschüttet. Die Schauspieler auf der Bühne waren klatschnass und die Tänzer mussten sich nach dem irischen Tanz gemütlich auf den Boden setzten, um eine lockere Stimmung zu demonstrieren. Sie taten dies  mit einer Nonchalance, als sei das keineswegs aussergewöhnlich. Auf der Tribüne waren in den vordersten Ränge, wie auf Kommando, unmittelbar alle in weisse Plastikregenmäntel gehüllt, die den Zuschauern vorgängig sicherheitshalber ausgehändigt wurden. Obschon die Walenseebühne über eine gedeckte Tribüne verfügt, fegte der Wind die Regenschauer auch auf die Besucher, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.

Das Musical - aus der Feder von Peter Stone, Musik und Liedtexte von Maury Yeston – hat mit seinen starken Bildern die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Die Bühne, ein riesiger Überseedampfer mit einer drehbaren Mittelbühne mit verschiedenen Ebenen hat viel zur Illusion des unmittelbaren „Geschichte-Erlebens“ beigetragen. Die Schauspieler, gemäss der Mode anfangs zwanzigstes Jahrhundert gekleidet, haben mit Begeisterung gesungen und gespielt, die Charaktere der Rollen ausgeprägt dargestellt. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptdarstellern Eveline Suter als Kate McGovan und Gerrit Hericks als Jim Farell entwickelte sich etwas zaghaft und hat einen kleinen Salto in die heutige Zeit genommen, indem Kate McGovan die ultimative Liebesfrage gestellt hat. Nebst  vielem Gepäck und unterschiedlichsten  Menschen haben sich als unsichtbare Passagiere Hoffnung, Liebe, Stolz und Uneinsichtigkeit  eingenistet.  So bietet das Musical nicht nur einen Abend lang Unterhaltung mit exzellenten Künstlern, sondern schafft auch Nachdenklichkeit unter den Zuschauern und ein leichter Schauer fährt den Rücken herunter beim Gedanken, was an diesem 14. April 1912 wirklich geschehen war.

Text :  Bèatrice Wüst

 

Slideshow der Produktion:

www.liveimage.ch/slideshow/?border#_hdtitanic2015b

Kleine Fotodiashow der Produktion von Béatrice Wüst – Täschler

fotogalerien.wordpress.com/2015/07/31/walenseebuehne-neuinszenierung-titanic-das-musical-premiere-22-juli-2015-besucht-von-beatrice-wuest-taeschler/

Fotos: www.walenseebuehne.ch

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