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Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 10 – Boulez-Hommage 7 Lucerne Festival Academy Orchestra | Ensemble intercontemporain | Mariano Chiacchiarini | Julien Leroy | Matthias Pintscher, besucht von Léonard Wüst

     Pierre Boulez und das LUCERNE FESTIVAL ACADEMY OrchestraProgramm und Besetzung:

Lucerne Festival Academy Orchestra Ensemble intercontemporain Mariano Chiacchiarini Dirigent (Peszat) | Julien Leroy Dirigent (Moussa) | Matthias Pintscher Dirigent

«Ein Tag für Pierre Boulez»

György Kurtág (*1926) Neues Werk
Auftragswerk von LUCERNE FESTIVAL | Uraufführung

Wolfgang Rihm (*1952) Fusées 2
Auftragswerk von LUCERNE FESTIVAL | Uraufführung

Piotr Peszat (*1990) Pensées Étranglées für Orchester
Auftragswerk im Rahmen der Roche Young Commissions | Uraufführung

Samy Moussa (*1984) Neues Werk für Orchester
Auftragswerk im Rahmen der Roche Young Commissions | Uraufführung

Matthias Pintscher (*1971) Osiris für Orchester

Pierre Boulez (*1925) Notations I-IV und VII. Fassungen für Klavier und Orchester

Rezension:

Ungewöhnlich neu und spannend war die Konzerteinführung. Pierre Boulez` Notations in den Augen und Ohren von 17 Schülern der 4. Klasse des Primarschulhauses Burg in Büron ((Kanton Luzern, Lehrperson Ingrid Guntern), erarbeitet in einem Workshop, umgesetzt und vorgeführt mit Musik, Tanz und Pantomime, teilweise auf eine Leinwand projiziert mit Vibraphonen vorgetragen, moderiert von Tobias Bleek vom „Klavier – Festival Ruhr“.

Pierre Boulez (Georg AnderhubLUCERNE FESTIVAL)Erstaunlich, mit wieviel Fantasie und Einfühlungsvermögen die jungen Schüler die Zwölftonwerke zusammen entwickelten und umgesetzt haben, beispielsweise indem sie sich pantomimisch von Mäusen zu Drachen und wieder zurück verwandelten, mit entsprechenden selbst dargebotenen Tonabfolgen auf den Vibraphonen. Scheinbar finden junge, nicht vorbeeinflusste Schüler einfacheren Zugang zu neuer Musik, als so manch gestandener Konzertgänger.

Diejenigen, die die Einführung besuchten, liessen sich jedenfalls positiv überraschen und spendeten den Surentaler Arrangeuren den verdienten Beifall, wofür sich diese, mit schon fast routinierten Verbeugungen, auch artig bedankten. Alle hatten ihren Spass, die Gebenden und die Nehmenden. Die optimale Vorbereitung für das folgende Konzert, das mit gleich vier Uraufführungen programmiert war. Kurzfristig wurde die Reihenfolge aber abgeändert, das Werk von Pjotr Peszat rückte in den zweiten Konzertteil, dafür folgte die Komposition „Osiris“ von Matthias Pintscher den drei übrigen Uraufführungen zum Schluss des ersten Teils. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte.

Es begann lautstark mit dem Werk von Samy Moussa (dirigiert von Julien Leroy), dementsprechend fast ohne beruhigende Streicher, die Bühne war hauptsächlich den Schlaginstrumenten vorbehalten, erst ganz am Schluss wurde die Partitur etwas sanfter, versöhnlicher. Das Publikum fand Gefallen an den ungewohnten Tönen und applaudierte den Komponisten auf die Bühne, was dieser sich, strahlend, gerne gefallen liess. Anschliessend übernahm Matthias Pinscher das Dirigieren. Es folgten leisere Töne beim Auftragswerk des Lucerne Festivals des Ungarn György Kurtag, ein Komponist der Boulez – Generation (*1926), auch diese gefielen den Zuhörern die nun gespannt waren, was der, ebenfalls anwesende Wolfgang Rihm im Auftrag des Lucerne Festival komponiert hatte. Im Gegensatz zu den andern Komponisten, kennt man Rihm doch schon einigermassen an den Gestaden Vierwaldstättersees. Es begann irgendwie psychedelisch sphärisch geheimnisvoll, mit relativ kleiner Besetzung. Es waren nur acht Streicher, wovon vier Kontrabässe und ein Cello, den Bläsern und der Rhythmussektion zugesellt, etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch diese Komposition bestand die Feuertaufe mit Bravour, bestätigt durch den Applaus, bei dem Dirigent Pinscher den Komponisten auch auf die Bühne bat. Dann erklang zum ersten Mal am Lucerne Festival „Osiris“, Pintschers Komposition aus dem Jahre 2007, die Pierre Boulez zusammen mit dem Chicago Symphony Orchestra 2008 in Chicago uraufgeführt hatte, wahrlich eine Komposition für ein grosses Orchester in jeder Bedeutung des Wortes. Inspiriert durch das gleichnamige Bild von Joseph Beuys gelang Pinscher ein wirklich grosser Wurf, der alles enthält, was zeitlose Oeuvres ausmacht. Alle Ressourcen und Facetten des fabelhaften, von Pierre Boulez und Festival - Intendant Michael Häfliger gegründeten Orchesters voll ausschöpfend, setzte Pintscher seine Visionen in akustische Bilder um, zeitgenössische Musik, richtungsweisend wie von Mentor und Förderer Boulez angedacht. Wie der grosse Meister immer betont, darf Musik nie zu Ende sein, sondern sie ist ein immerwährender Schöpfungsakt, der kontinuierlichen Anpassung verpflichtet. Unter Beifallstürmen endete dieser erste Konzertteil und man begab sich aufgewühlt und emotional tief berührt in die Pause.

Matthias PintscherFür den Start des zweiten Konzertteils mit Pjotr Peszats „Pensees étranglées“ übernahm Mariano Chiacchiarini das Kommando am Dirigentenpult. Auch diese Komposition benötigt einen zahlenmässig gross besetzen Klangkörper und kommt trotzdem nicht grossspurig larmoyant daher, der junge Pole ist eher der Mann der leisen Töne, der sparsamen Gestik, nicht im Ausdruck, nur im Klangvolumen. Dies sah oder hörte auch das Auditorium so, dementsprechend der zustimmende Applaus. Zwischenspiel in Form einer kurzen Talkshow, für die Pintscher alle anwesenden Komponisten und Dirigenten dieses Abends auf die Bühne bat und um eine Aussage zur Beziehung des jeweiligen zu Pierre Boulez nachfragte. So gaben alle kurze Statements ab oder kleine Anekdoten zum Besten, wie auch Pintscher selber sein erstes Zusammentreffen mit dem grossen Musiker schilderte, gedacht als Einleitung zur Darbietung der „Notations“ I bis IV und VII. Präsentiert wurden diese dann in Form der Gegenüberstellung der ursprünglichen Klavierversionen, die Boulez als Zwanzigjähriger 1945 in Paris verfasste und den für Orchester bearbeiteten Notations I bis IV von 1978 und der Fassung der siebten aus dem Jahre 1998. Den Pianopart spielte Andrew Zhou, Student der Lucerne Festival Academy. Die Notations sind keine Ohrwürmer, sondern eben Bewertungen, d.h. alles in der Zwölftontechnik verfasst, die Interpretation ist offen, wie dies die Büroner Schüler bei der Einführung demonstriert hatten. Es ergaben sich reizvolle Direktvergleiche der verschiedenen Schaffungsphasen des Genies Boulez dem Vorwärtsdrang, der Befreiung von vermeintlichen Zwängen der Kompositionsarchitektur zum Erschaffen neuer Klangwelten, nicht bloss durch moderner arrangierte Musikliteratur. Wie eng Pintscher mit Boulez verbunden ist, zeigte sich sehr in der Umsetzung der Boulez Ideen durch das von ihm geleitete Festival Academy Orchestra. Dieses lief denn auch zur absoluten Topform auf in Form eines gewissen Spielrausches bis zur finalen Krönung mit der Notation VII. Eine Applauskaskade durch das überwältigte Publikum, fast ehrfürchtig dargeboten, diesen Zaubermoment festhaltend. Das war nicht eine kleine Nachtmusik sondern eine grosse Abendmusik als Krönung dieses denkwürdigen Tages der „Hommage an Pierre Boulez“, welcher leider aus gesundheitlichen Gründen nicht physisch anwesend sein konnte.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch

 

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Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 7 Kammerorchester Basel | Trevor Pinnock | Klaus Maria Brandauer | Solisten, besucht von Léonard Wüst

KammerorchesterBasel (c)Christian-FlierlProgramm und Besetzung:

Kammerorchester Basel | Trevor Pinnock | Klaus Maria Brandauer | Solisten

Trevor Pinnock | Klaus Maria Brandauer Kammerorchester Basel | Mitglieder der Basler Madrigalisten: Gunhild Lang-Alsvik Sopran | Ilze Paegle Sopran | Londa Deborah Loosli Mezzosporan | Bernadeta Sonnleitner Mezzosporan | Trevor Pinnock Dirigent | Klaus Maria Brandauer Sprecher | Lauryna Bendziunaite Sopran | Ursula Eittinger Mezzosopran

Henry Purcell (1659-1695) Suite aus der Masque The Fairy Queen Z. 629 (eingerichtet von Trevor Pinnock)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Ein Sommernachtstraum opp. 21 und 61 Ouvertüre und Bühnenmusik

Rezension:

Brandauer Klaus Maria_c_ChristofMattesEs war absehbar und es kam auch so: Der programmierte Sommernachtstraum mit rezitierten Texten wurde fast zur „One man Show“ des Klaus Maria Brandauer.

Aber von Anfang an. Der erste Konzertteil mit der Semi – Opera von Henry Purcell, uraufgeführt am 2. Mai 1692 in London, war eine der teuersten Produktionen jener Zeit und die erzielten Einnahmen deckten bei weitem die Kosten nicht, obwohl sie durchaus erfolgreich war und Zuspruch fand. Pinnock stellte für das heutige Konzert eine kleine Suite aus Purcells umfangreicher Bühnenmusik zusammen, die sowohl Instrumental – als auch Gesangsnummern umfasste, beginnend mit der festlichen fünfteiligen Symphonie to Act 4, beinhaltend die Ouvertüre mit zwei Trompeten, Kesselpauke und Streichern, bei denen, laut Purcell, die Sonne aufgeht, „bis sie schliesslich in vollem Glanz am Himmel steht und die Szene taghell beleuchtet“. Dann das schmerzlich - süsse von den Streichern eingeleitete und durch den Chor abgerundete „If love`s a sweet passion“, die Titanias Liebe zu dem in einen Esel verwandelten Zettel wiedergibt. Hier beeindruckten zwei Solistinnen sowie die vier Sängerinnen der Basler Madrigalisten, je drei Sopranistinnen und Mezzosopranistinnen. Während Lauryna Bendziunaite (Sopran) anfänglich noch etwas Mühe bekundete, sich von den Chorsängerinnen abzuheben, gelang dies Mezzosopranistin Ursula Eittinger überzeugend. Das Orchester, ausser den Cellisten alle stehend, der Dirigent auf dem Cembalo spielend Harmonien setzend, liess PinnockTrevor_c_Peer-Lindgreenuns hineingleiten in Purcells Welt der „Fairy Queen Z. 629“. Die Basler besonders beeindruckend in den leisen Passagen und mit überragenden, präzis gesetzten Bläsereinwürfen. Pinnock führte seine Mitmusiker mit fast unmerklichen Bewegungen aus den Handgelenken und Fingerzeigen, auf grosse ausholende Gesten konnte, oder wollte er verzichten. Gemeinsam mit den Sängerinnen boten sie eine überzeugende Darbietung dieses, relativ selten programmierten Werkes aus der Zeit vor dem Siegeszug der italienischen Oper in Grossbritannien. Die litauische Sopranistin steigerte sich kontinuierlich und brillierte im Duell mit dem Oboisten Matthias Arter, welcher dafür am Schluss einen Extraapplaus entgegen nehmen durfte. So überzeugte der erste Konzertteil das Publikum, welches mit Applaus nicht sparte und sich anschliessend gutgelaunt in die Pause begab.

Zweiter Konzertteil mit Felix Mendelssohns Sommernachtstraum, komponiert im zarten Alter von grad mal 17 Jahren. Frenetisch applaudierend empfing das Auditorium die auf die Bühne zurückkommenden Musiker und natürlich besonders den sich dazugesellenden Klaus Maria Brandauer. Dieser rezitierte dann auch gleich zwei Sätze, setzte sich nachher auf einen Stuhl, vermeintlich vor sich hindösend, während das Orchester die Ouvertüre zügig intonierte. Alle irgendwie unschlüssig, ob Brandauer wirklich eingenickt war, oder das nur spielte. Die Frage wurde dann schnell geklärt, brachte er sich doch als aufgeweckter Sprecher wieder ein und zurück ins Geschehen, in dem er auch zügig das Diktat übernahm und die Szene beherrschte. Zwischendurch wurde auch wieder musiziert, was aber, leider, fast etwas zur Nebensächlichkeit verkam und fast unterging. Zu dominant war Brandauer bei seinen Monologen und bot, fast dozierend,   eine Lehrstunde der Schauspielkunst mit allen Facetten der Sprachgewalt, Mimik und Gestik. Fast irritierend präsent erdrückte er seine Lauryna Bendziunaite, SopranBühnenpartner. Als er dann auch noch improvisierte, hatte er den Konzertsaal endgültig monopolisiert und erstaunt nahm man zur Kenntnis, wieviel Platz eine einzelne Person beanspruchen kann. Spielerisch deutete er dann sogar ein kleines Tänzchen mit dem Dirigenten an, was dieser amüsiert mitmachte. Dann aber meldete sich das Orchester mit dem bekannten Hochzeitsmarsch tongewaltig zurück und übernahm das Zepter wieder, was der Burgtheatermime mit den Worten schön, immer wieder schön quittierte. Weiter gings mit dem Zwischenspiel Melodram, bevor Brandauer zum Rüpeltanz bat, bestens dargeboten von den dazu herausgeforderten Instrumentalisten, wiederum gefolgt von einem Melodram, dem das grosse Finale mit allen Sängerinnen folgte, wo dann die Solosopranistin noch einen Glanzpunkt setzte, der das Gleichgewicht von Text und Musik wieder einigermassen ins Lot brachte.

 

Ursula Eittinger MezzosopranEin spezieller Abend der neue Akzente setzte und bei dem die Aufführenden mit einer Standing Ovation belohnt wurden.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch

kammerorchesterbasel.ch/de/orchester/

 

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Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 4 Festival Strings Lucerne | Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen | Daniel Dodds | Kurt Aeschbacher, besucht von Léonard Wüst

Festival Strings Lucerne (c) Georg Anderhub

 

 

 

 

 

Das Lucerne Festival im Sommer 2015 steht unter dem Motto „Humor“, der durchaus in der sogenannt ernsten Musik seinen Platz hat und auch vorhanden ist, wie Intendant Michael Häfliger immer wieder bekräftigt.

Der Auftakt mit Benjamin Brittens „Simple Symphony“ erwies sich dann doch nicht als so simpel, wie der Werk Name suggerierte. Eine Komposition, die für ein Streichorchester geschrieben ist, also waren zu Beginn keine Bläser auf der Bühne vertreten, fast symbolisch, spielten doch die Festival Strings. Interessante, spannend emotionale Jugenderinnerungen, die Britten in Musik umgesetzt hatte, demensprechend ungestüm startet der erste Satz mit dem „Biosterous Bourrée“ im Allegro ritmico, wechselt im zweiten zu einem fulminanten „Playful Pizzicato“, freudig und listig rasant gezupft von Konzertmeister Daniel Dodds und seinen Mitmusikern, die er zwar im Sitzen, aber trotzdem mit vollem Körpereinsatz animierte und vorantrieb. Dann die „Sentimental Sarabande“ mit strenger erhabener Würde, nachdenklich stimmend, etwas überzeichnet, aber nicht mit trockenem britischen Humor, eher spitzbübisch augenzwinkernd, was sich auch in der furios überzeugenden Brillanz des „Frolicsome Finale“ wiederspiegelt und die das Publikum voll begeisterte und zu Applausorgien veranlasste.

Daniel Dodds,  Konzertmeister und Musikalische LeitungEs folgte ein kurzer Bühnenumbau, das Bereitstellen zweier Konzertflügel für das nun folgende Konzert für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart, das dieser in Salzburg 1779 im Alter von 23 Jahren verfasste, für sich und seine Schwester Maria Anna „Nannerl“, mit der zusammen er das Konzert wohl auch des Öftern dort vorgetragen haben dürfte, was damals durchaus üblich war, aber nirgendwo genau dokumentiert ist.

 

Yaara Tal  und Andreas GroethuysenZum Konzert: Nun gesellten sich auch die Bläser zu den Streichern. Das Klavierduo, die Israelin Yaara Tal (1955*) und der Deutsche Andreas Groethuysen (1956*) nahmen ihre Plätze an den Flügeln ein. Daniel Dodds dirigierte das Werk stehend an, um sich schon nach wenigen Takten wieder hinzusetzen. Das Orchester glänzend aufgelegt, die Klaviervirtuosen fügten sich nahtlos ein, fein perlend die Läufe beim Allegro, filigran bis ins Detail austariert und ausgewogen harmonierten und ergänzen sich die beiden, ihren Ruf als eines der weltbesten Klavierduos festigend. Sicht - und spürbar die überschäumende Spielfreude bei der man sich gut vorstellen konnte, wie auch die Mozartgeschwister damals einander die Noten und Harmonien zuspielten, sich gegenseitig zur Perfektion antreibend. Nahtlos weiter der Genuss beim Andante des zweiten Satzes, etwas unspektakulär beginnend, ruhig routiniert und abgeklärt, dann aber kehrten die Emotionen zurück und die Kadenz erhöhend begannen die beiden einen musikalischen Dialog auf höchstem Niveau, grandios unterstützt von den, einmal mehr, souverän abgeklärten stilsicheren Festival Strings. Alles locker meisterhaft dargeboten und vom Auditorium dementsprechend bejubelt und gefeiert begaben sich die Musiker in die wohlverdiente Pause.

 

 

Kurt Aeschbacher, Erzähler, (c) Merly KnörleDer zweite Konzertteil startete mit Darius Milhaud: Le Bœuf sur le toitop. 58, das er kurz nach einer Brasilienreise eigentlich für einen Charly Chaplin Stummfilm komponierte, das dann aber anlässlich eines Kulturhappenings von Jean Cocteau im Jahre 1920 in der Comédie des Champs – Elysées als Ballettmusik erstmals zur Aufführung kam und entsprechend interessiert zur Kenntnis genommen wurde. Ein Werk, von dem gut vorstellbar ist, dass es George Gershwin für seine Cuban Overture inspiriert und beeinflusst haben könnte, sind es doch vor allem die markanten Bläsersequenzen, die diese quirlige Komposition prägen.

Dann folgte Camille Saint-Saëns : Le Carnaval des Animaux
Text : Loriot, von Kurt Aeschbacher in Mundart transponiert.

Auch hier wieder ein äusserst souveränes Musikensemble, inklusive dem Klavierduo Tal/ Groethuysen. Durch den Klang der Glasharfe hörte man die Kolibris schwirren, die Schreie der Violinen gingen manchmal durch Mark und Bein, wie textlich vorgegeben. Ein äusserst ansprechender Text, witzig, engagiert mit persönlichen Anpassungen vorgetragen, so mutierten z.B. die Kängurus zu Austauschstudenten aus Australien usw.

Ein jedes für sich ein Genuss, funktionierte aber irgendwie einfach nicht als „Ganzes“, sondern erinnerte etwas an Disneys Dschungelbuch, eben nur mit Musik und Text, statt zusätzlich auch bebildert. Die meisten nahmens gelassen, mit dem eingangs erwähnten Humor, dem das Sommerfestival ja gewidmet ist, verliessen aber doch ziemlich zügig den Saal, während Aeschbacher Fans die Protagonisten doch relativ heftig beklatschten.

Zugabe nach der ersten Konzerthälfte:

Yaara Tal & Andreas Groethuysen, Klavierduo: Sonata facile (Wolfgang Amadeus Mozart) in der Bearbeitung von Edward Grieg - 1. Satz, von einem Bekannten des Pianisten als „Mozart im Rotlichtmilieu“ bezeichnet oder auch Mozart light, also einfach, eben facile.

Zugabe nach der zweiten Konzerthälfte:

Festivals Strings Lucerne Saint-Saëns: Le Carnaval des Animaux – Finale.

Fazit: Geschmäcker sind halt doch sehr verschieden, dieses Konzert entsprach nicht ganz dem meinen, was den Tierkarneval anbelangt.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch

festivalstringslucerne.org/de/home

 

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Konzert und Dinner auf der Festung auf Hohensalzburg ob Salzburg, 7. Juni 2015, besucht von Léonard Wüst (2)

Festung Hohensalzburg ob SalzburgEs konzertierte das Mozart Ensemble Salzburg in der Besetzung:

Florian Beer, Violine

Raphael Brunner, Violine

Jutas Javorka, Viola

Tibor Bényi, Violoncello

Solistin : Viktoria Bényi

 

 

Mit folgendem Programm:
1. Konzertteil:

Ludwig van Beethoven ( 1770 – 1827)

Streichquartett Nr. 4 c-Moll Op. 18 Nr. 4

  1. Allegro ma non tanto (c-Moll)
  2. Scherzo. Andante scherzoso quasi Allegretto (C-Dur)
  3. Menuetto. Allegretto (c-Moll)
  4. Allegro – Prestissimo (c-Moll)

Joseph Haydn (1732 – 1809)

Hob.XVIII:11 Klavierkonzert D-Dur (1782)

    1. Vivace
    2. Un poco Adagio
    3. Rondo all’Ungarese.
    4. Allegro assai

2. Konzertteil

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Serenade Nr. 13, G-Dur. Eine kleine Nachtmusik (KV 525)

Antonin Dvorak (1841-1904)

Walzer (Streicherserenade)

Johann Strauss (1825 – 1899)

Kaiserwalzer & Leichtes Blut (Polka)

Rezension:

Restaurant zur Festung Hohensalzburg mit grandiosem Blick auf die Stadt SalzburgZuerst genoss ich im Festungsrestaurant, die Stadt Salzburg mir zu Füssen liegend, das zum gebuchten Arrangement gehörende Drei – Gang Menu, nicht ahnend, dass ich die angefutterten Kalorien umgehend wieder verbrennen würde.

Nach dem Dessert „Mozartvariationen“ war Aufbruch in Richtung des Konzertraumes.

Anstrengend war es schon, die vielen und langen Treppen hinauf zu steigen, bis ich mich im „Goldenen Saal“ nah bei der kleinen Orchesterbühne hinsetzen konnte.

Dieser Effort sollte sich lohnen, wie schon das Lesen des Programms andeutete, war doch als Auftakt nicht Mozart gelistet, sondern Beethoven und Haydn. Die ungefähr 40 Konzertbesucher erlebten eine gefühlvolle Interpretation aller Sätze des Streichquartetts, besonders auffällig, das, auch körperliche Engagement des Cellisten, der mir wie der Leitwolf des Ensembles vorkam. Jeder einzelne der Musiker natürlich ein Meister seines Fachs und mit Mozarteum – Erfahrungen. Das Ensemble wird jeweils ad hoc, entsprechend der jeweiligen Programmierung, zusammengestellt, da können auch mal Bläser mit dabei sein usw.. Manchmal gesellt sich auch noch ein Solist dazu, an diesem Abend, mit Viktoria Bényi also eine Solisten am Piano für Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur, das nach Beethoven zelebriert wurde und zwar erfrischend, angriffig und energisch, dies alles kongenial mitgetragen von den Streichern, die sichtlich Spass an der Sache hatten, wie natürlich das fachkundige Publikum auch. Mit grossem Applaus wurden die Musiker in die Pause entlassen. Viele Anwesende nutzten die Unterbrechung, um aus den Fenstern die grandiose Aussicht auf das nächtliche Salzburg zu geniessen und natürlich auch fotografisch zu dokumentieren. Nach kurzer Zeit schon etablierte sich das Ensemble wieder auf dem Podest und intonierte die wohl bekannteste Komposition Mozarts überhaupt „Die kleine Nachtmusik“ und dies so, wie es sich, für ein nach dem Meister benannten Ensemble auch gehörte. Darauf liess man auch Werken anderer Komponisten wieder Platz und wir bekamen Dvoraks slawisch geprägten Walzer dargereicht um abschliessend erstaunlicherweise mit wienerischen Klängen fröhlich beschwingt und angeregt zu werden. Auch dabei war wieder die grosse Spielfreude des Orchesters erlebbar und die Begeisterung der Zuhörer steigerte sich dadurch umso mehr. Beim „Kaiserwalzer“ fühlten wir uns auch wie solche und das „Leichte Blut“ der Polka schwappte über auf das Publikum.

Eines der Mozart Ensembles Salzburg Nichtendenwollende Applauskaskaden ermunterten die Protagonisten, noch eine schmissige Strausspolka nachzulegen, dies natürlich frenetisch bejubelt durch die Anwesenden. Irgendwann endet auch das schönste Konzert, glücklich und zufrieden verliess man Hohensalzburg, um mit der Festungsbahn wieder ins Tal zu fahren, angeregt diskutierend. Zu aller Freude, waren die Musiker im selben Wagen mit dabei und erfüllten noch eifrig die Autogrammewünsche. Zusammenfassend denk ich, diesen Aufstieg vom Restaurant zum „Goldenen Saal“ würde ich wieder mal in Kauf nehmen, jetzt wissend, womit ich dafür belohnt werde.

Trailer eines der  Orchester:

salzburghighlights.at/assets/flash/festungskonzerte.mp4

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:

salzburghighlights.at/de/konzerte

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