Landschaftstheater Ballenberg: Ueli der Knecht, Première, 8. Juli 2015, besucht von Léonard Wüst

Besetzung:
Bernhard Schneider als Ueli und über 30 Laienspieler und –spielerinnen aus der Region
Regieteam, Musik usw. landschaftstheater-ballenberg.ch/de/2014/Ueli_der_Knecht/Regie_und_Autor
Die Première wurde, aufgrund der düsteren Wetterprognose, vorhergesagte Windböen und heftige Gewitter, aus Sicherheitsgründen kurzfristig um einen Tag verschoben. Die Zeitreise zurück in die Mitte des 19.ten Jahrhunderts, in der die Geschichte spielt, begann für mich ganz profan mit einer Autofahrt über die Autobahn via Luzern, auf den Brünigpass (1008 m. ü. M.) Richtung Freiluftmuseum Ballenberg bei Brienz, das seit Beginn (1991) als Kulisse dieser spektakulären Freilichtaufführungen dient.
Treffpunkt für geladene Gäste war beim Eingang West. Es folgte die offizielle Begrüssung durch Elisabeth Zölch Bührer, Vereinspräsidentin, a. National- und Regierungsrätin. Hocherfreut teilte sie mit, dass alle Vorstellungen, inklusive die kurzfristig ins Programm genommene Zusatzvorstellung, bereits 14 Tage vor der Première restlos ausverkauft waren und sie bedankte sich namentlich bei allen Mitwirkenden, Gönnern, Sponsoren usw. die zum guten Gelingen dieser, bereits 21. Produktion, des Vereins „Landschaftstheater Ballenberg“ ihren Beitrag, in welcher Form auch immer, geleistet haben. Die Zuschauerkapazität beträgt 760 Plätze pro Aufführung, alles gedeckte Tribünenplätze direkt an der Spielstätte, also beim Haus Madiswil (Baujahr 1709).
Es folgten noch ein paar grundsätzliche Informationen durch Peter Flück, Grossrat des Kantons Bern, neuer Präsident Stiftungsrat vom „Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz“.
Es scheint, als haben die Organisatoren einen optimalen Weg und Mix gefunden um den gordischen Knoten zu lösen. Vorzügliche Nutzung der örtlichen Gegebenheiten (wie z.B. diesmal das Madiswil Haus als Schauplatz der Aufführungen, statt Errichtung teurer künstlicher Kulissen). Richtige Grösse ( Anzahl Plätze auf der Zuschauertribüne), kongeniale Einbindung und Mitwirkung der einheimischen Bevölkerung, sehr gute Verankerung und viel Goodwill in der Region. Wenig bis gar keinen Klamauk, Effekthascherei oder Getöse bei der Inszenierung. Authentisches Landschaftstheater, punktgenaue Umsetzung der äusserst präzisen Chroniken des protestantischen Dorfpfarrers von Lützelflüh, Albert Bitzius, alias Jeremias Gotthelf, über das damalige Emmentaler Landleben, das keine Helden oder Mythen verklärt, keine Sagen begründet, sondern Realitäten schildert. Deshalb brauchen diese Inszenierungen auch nicht ein „Staraufgebot“ an Hauptdarstellern, sondern bloss gewisse Ergänzungen durch professionelle Darsteller/innen für ganz speziell fordernde Rollen (im aktuellen Fall den Meisterknecht Ueli, brillant dezent interpretiert durch Bernhard Schneider). Dieses Konzept lässt genügend Raum und Zeit, dass einheimisches „Schauspielergewächs“ reifen und zunehmend anspruchsvollere Rollen übernehmen kann, was wiederum die Verbundenheit zur treuen Gefolgschaft noch mehr stärkt, die aktiv beteiligten noch mehr motiviert und anspornt zu darstellerischen Höchstleistungen. Fast könnt man das Ganze als theatralisches „Perpetuum mobile“ apostrophieren.
So kann das Landschaftstheater Ballenberg beruhigt in die Zukunft schauen, sind doch die Aussichten durchaus rosig, dies im Gegensatz zu sehr viel anderen Open Air Produktionen in der ganzen Schweiz, die vielfach mit den hohen Kosten und gleichzeitig schwindenden Besucherzahlen zu kämpfen haben und fatalerweise meinen, mit noch aufwändigeren, noch teureren Produktionen diesen Negativtrend aufhalten zu können. Dass es aber auch anders und besser geht, demonstrieren die „Ballenberger“ seit 24 Jahren mit bis anhin 21 Produktionen eindrücklich, ohne dafür qualitative Kompromisse einzugehen oder diesbezügliche Einbussen hinnehmen zu müssen.
Ach ja, gespielt wurde anschliessend natürlich auch noch. Eingebettet in die grandiose Naturkulisse bei perfekten Wetterbedingungen boten die 37 Laiendarsteller und der einzige mitspielende Profischauspieler Gotthelf pur, die Regisseurinnen nutzten das natürliche Gelände für optische Auflockerungen und einige Handlungsszenen auf zwei Zeitebenen oder diversen angedeuteten Schauplätzen. Die hinlänglich bekannte Geschichte um Ueli den Knecht, und seine Mitstreiter bzw. Kontrahenten auf der „Glungge“, die Versuchungen, Mauscheleien, Versprechungen, kleinen Scharmützeln, definieren der Hackordnung, verteidigen der eigenen Interessen wurden von den Darstellern glaubwürdig, durchaus auch mal schalkhaft, bärbeissig- hässig oder grantig vermittelt und überzeugten das Publikum voll und ganz. Dieses geizte denn auch nicht mit gebührendem Schlussapplaus, den sich alle Mitwirkenden (vor und hinter der Kulisse) mehr als verdient haben, nicht zu vergessen die perfekt passende Musik von Ben Jeger. So ist auch der Erfolg der für nächstes Jahr geplanten Fortsetzung (Ueli der Pächter) fast absehbar.
Fazit: Nicht immer muss mit der ganz grossen Kelle angerichtet werden um erfolgreich zu sein, die Gegebenheiten und das vorhandene Potenzial möglichst gut ausschöpfen erscheint, nein ist, der vielversprechendere Weg. Dies haben die Verantwortlichen klugerweise erkannt und auch umgesetzt, dafür gebührt ihnen der entsprechende Respekt, grosse Anerkennung und, nicht zuletzt, auch Dank.
Bestens unterhalten, dementsprechend gut gelaunt, machte man sich auf den Heimweg.
Noch weitere Detailinformationen zum Stück, dessen Inhalt und Geschichte:
medien_dokumentation_ueli_der_knecht_2015 medienmitteilung_landschaftstheater_ballenberg produktionsdaten_2015
Link auf den Premièrenbericht von „Ueli der Pächter“ vom Juli 2016
Text: www.leonardwuest.ch
Fotos: Landschaftstheater Ballenberg landschaftstheater-ballenberg.ch/de/2014/Willkommen
www.gabrielabucher.ch Paul Ott:www.literatur.li
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Besetzung und Programm:
Der Querflötensolist Sir James Galway, zelebrierte das Flötenkonzert Nr. 2 in den reinsten Klängen, besonders das Allegro aperto war sensationell! Der aus Irland stammende, weltberühmte Musiker, dem es immer wieder gelingt, übermütig musikalische Grenzen zu überschreiten, beschenkte das frenetisch applaudierende Publikum noch mit drei Zugaben: Traditional, Brian Boru March und wie er sagte, speziell für Sir Roger Norrington : Danny Boy, eine in seiner Heimat sehr populäre Melodie. Der abseits der Bühne sitzende Norrington, nahm es gerührt und goutierend zur Kenntnis. Zum Abschluss noch den Satz: Badinerieaus der Orchestersuite Nr. 2 h-Moll von J. S. Bach.
Für das sehr temperamentvolle Adagio-Allegro der Sinfonie Nr. 38, die sogenannte „Prager“, wiederverwendete Mozart die am Anfang seiner Oper Don Giovanni gesetzte Partitur. Anschliessend an das Konzert ernannte das Zürcher Kammerorchester Sir Norrington zu ihrem Ehrendirigenten, dies verdienterweise und auch verständlich, denn selten spürt man eine solch gemütliche Vertrautheit zwischen Leiter und Orchester. Das Publikum im vollbesetzten Saal bekundete seine Begeisterung mittels einer Standing Ovation.
Programm: Werke von:
Perfekter Einstieg ins Konzert dank der überragenden Natalia Ryzhova bei der Interpretation des Werkes des geborenen Russen Strawinski. Mit spielerischer Leichtigkeit, gelassen abgeklärt stelle sie klar, dass sie nicht einfach nur eine grossartige Musikerin unter vielen ist, sondern eben eine talentierte, bestens gerüstete Solistin. Der grosse Applaus am Ende ihrer Darbietung machte deutlich, dass dies auch das, leider nicht sehr zahlreich aufmarschierte, Publikum so sieht, bzw. hört.
Dann betrat die, in ein dunkelblaues elegantes Abendkleid gehüllte, Solistin Fiona Milla Jäntti mit ihrer Violine die Szene und beherrschte dieselbe augenblicklich. Ihre Interpretation war so eindrücklich, dass James Gaffigtan leicht in die Knie ging, sich quasi tief beeindruckt verbeugend. Ob sie ihr Instrument als Zupf – oder Schlagkörper einsetzte oder sanft mit dem Bogen streichelte, in schnellen wie auch gemächlichen Passagen, mit leisen oder lauteren Tönen, ob Vibrato, oder Staccato, da war einfach alles harmonisch, inklusive ihrer Körpersprache. Offensichtlich haben Musikerinnen mit nordischen Wurzeln eine ausgeprägte Affinität zur Geige. (In dem Fall eine in Berlin geborene mit u.a finnischen Vorfahren). Da wächst eine heran, die sich nahtlos einreihen kann in der Folge einer Vilde Frang (Norwegen), Janine Jensen, Line Kruse (Dänemark), diesbezügliche nordische Tradition aufrechterhaltend. Das bezeugten auch die Applauswogen die dieser Demonstration folgten. In der anschliessenden Pause schnappte man überall begeisterte Gesprächsfetzen auf und es war klar, dass die beiden Solistinnen die Messlatte für die zwei noch folgenden Studienkolleginnen hoch gesetzt hatten und dass wohl besonders der Komponist einen schweren Stand haben dürfte, da er ja nicht in dem Sinne auf der Bühne präsent war wie die andern, sondern sein, durch das LSO vermittelte Werk, für sich selbst sprechen lassen musste.
Rücksichtslos (Ruthless) war aber die Uraufführung des Komposition studierenden Victor-Alexandru Colţea nicht, ungewohnt schon, berücksichtigt doch das Werk bevorzugt die Bläser und Perkussionisten, die Streicher spielen hier nicht unbedingt die erste Geige. Nicht klar herauszuhören, ob man dies unter zeitgenössisch einreihen soll oder in die Tradition der Moderne anfangs des 20sten Jahrhunderts, an die Franzosen anlehnend (Debussy, Poulenc,Messiaen). Deutlich erkennbar aber, dass er in der Klasse von Dieter Ammann studiert hat. Durch die abrupt fulminant verblüffende Schlusssequenz schienen die Zuhörer etwas irritiert, wie das Gebotene applausmässig zu bewerten ist, eigentlich so ohne erkennbare Bezugsperson, klatschte dann den jungen Rumänen ( er sichtlich erfreut und entspannt), aber doch dreimal auf die Bühne, wo ihn Gaffigan mit einer herzlichen Umarmung und die Musiker mit Applaus willkommen hiessen.
Darauf wurde der Konzertflügel wieder in die Mitte der Bühne gerollt, damit auch die letzte Solistin ihr Debut im KKL absolvieren konnte. Maria Anikinawirkte etwas verkrampft, vielleicht verunsichert, ob sie ihren Vorgängerinnen das Wasser reichen könne. Konnte sie, technisch (manchmal fast zu) perfekt, aber leider nicht mit der Ausstrahlung, die einer Solistin zugeordnet werden. Es war eine Lehrstunde, was möglich ist dank überdurchschnittlichem Talent, unbedingtem Willen, durch Einüben und stetes Repetieren der Grundtechniken, in den Werken Prokofjews besonders gefordert. Filigrane Fingerläufe, wie auch spektakuläre Über– und Untergriffe, zweihändiges Spielen am äussersten Rand der Tastatur, ob rechts oder links, aber alles irgendwie ohne Leben, rein mechanisch. Anikina spielte beeindruckend, aber nicht überzeugend. Der Grossteil des Publikums sah das aber anders und hatte seine helle Freude, durch fulminanten Applaus auch kräftig bezeugt. Fazit: Wie jedes Jahr ein Höhepunkt, nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die Konzertbesucher. Eigentlich unverständlich, dass bei solch äusserst moderaten Eintrittspreisen nicht mehr Musikbegeisterte den Weg ins KKL fanden. Ein Ticket für ein „normales“ Konzert des LSO im KKL kostet doppelt so viel wie das Solistenkonzert der HSLU. Einmal mehr gilt: „Les absents on toujours tort“. Ein schöner Musikabend an den Gestaden des Luzerner Seebeckens.