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Orpheum Stiftung präsentiert: Wiener Symphoniker, Dirigent: Philippe Jordan, Tonhalle Zürich, 4. September 2015, besucht von Irène Hubschmid

Wiener SymphonikerBesetzung und Programm:

Wiener Symphoniker Dirigent: Philippe Jordan

Solisten: Nikolaj Znaider  Violine; Kyoungmin Park, Viola

Anton Webern: Variationen op. 30 –

Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364 –

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Die Begrüssung zum Orpheum Jubiläumskonzert erfolgte durch Annelise Berger (Musikredakteurin, Moderatorin bei Radio SFR 2)

Rezension:

Kyoungmin Park, Solistin Bratsche, ViolaDas zehnminütige Werk von Anton von Webern(1883-1945), Uraufführung: Winterthur, Stadthaussaal, 3. März 1943 gewidmet einem seiner wichtigsten Förderer Dr. Werner Reinhart aus Winterthur/CH. Interessante Klangkomposition, die Dodekaphonie (Zwölftonreihe), hatte alles          andere als Harmonie für das Ohr. Man hörte leider die Harfe überhaupt nicht. Ich war froh dass das Werk nur 10Minuten dauerte. Geschmacksache! Die Wiener Symphoniker spielten die Musik des österreichischen Komponisten und die Variationen mit grosser Ernsthaftigkeit. Die komplexe Metamorphose eines musikalischen Themas.

Dirigent Philippe JordanGlücklicherweise bot das Konzert noch zwei weitere Werke. Unter anderem die Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364 (1779/80) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Uraufführung: wahrscheinlich Salzburg 1779 oder 1780 (möglicherweise mit Leopold und W. A. Mozart als Solisten).

Die zwei Solisten spielten ihre Partien einfach brillant. Die Bratschistin/Viola, Kyoungmin Park, die Virtuosin stammt aus Südkorea mehrfache Preisträgerin, spielte mit trauter Selbstsicherheit zusammen mit Nikolaj     Znajder, Violine, Dänemark. Die Chemie zwischen den beiden stimmte äusserst vorteilhaft,     besonders im altbekannten, elegischen Andante.    

 

Nikolaj Znaider, Solist ViolineZnajder ein ehemaliger Orpheum Solist – gilt heute nicht nur als einer der bekanntesten Geiger, er ist überhaupt ein vielseitiger Künstler seiner Generation. Mit einem seligen Lächeln wechselseitig zum ersten Konzertmeister und zur Bratschistin, streicht er seine Geige mit einer spielerischen Leichtigkeit. Die Sinfonia war ja auch stimulierend und verursachte der Zuhörerin geradezu Gänsehaut. Das Publikum applaudierte dermassen, dass die beiden Solisten noch eine Zugabe darboten. Ein Duo für Streicher von Mendelssohn.

Anschliessend spielten die Wiener Symphoniker mächtig und stimmig Ludwig van Beethovens (1770-1827), Sinfonie Nr. 7 op. 92, Uraufführung: Wien, Universität (heute Akademie), 8. Dezember 1813. Auch Richard Wagner führte seinerzeit das Werk mehrmals auf. Die Interpretation     klang sehr festlich, das Auditorium spendierte dem Orchester und dem Dirigenten begeistert riesigen Applaus. Philippe Jordan trat zum ersten Mal als Chefdirigent der Wiener Symphoniker mit seinem Orchester in Zürich auf. Sozusagen ein Heimspiel, der international anerkannte Schweizer ist in Zürich geboren. Die exzellenten Wiener Symphoniker gelten international mit als die grössten Kulturbotschafter ihres Landes Österreich.

Text: www.irenehubschmid.ch 

Fotos: orpheum.ch/ger/

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Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 24 LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra, Matthias Pintscher, Dirigent, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Lucerne Festival Academy OrchestraBesetzung und Programm:

Lucerne Festival Academy Orchestra, Matthias Pintscher, Dirigent

Tod Machover (*1953)

Eine Sinfonie für Luzern
Auftragswerk von Lucerne Festival, Uraufführung

Rezension: Luzern feiert sich und seine Sinfonie

Es gibt Matineen und Matineen – es gibt jene wie letzten Sonntag, wo das Publikum ziemlich spärlich erscheint und mehrheitlich im älteren Segment anzusiedeln ist, dann gibt es jene wie diesen Samstag, wo der Saal ausserordentlich gut besetzt ist und das Publikum so durchmischt wie selten: Von den Kleinsten der Kleinen bis zu den Silberhaarigen war alles vertreten.

Das erstaunt aber nicht, denn die Luzerner wollten wohl selber herausfinden, wie ihre Stadt tönt, vielleicht auch, ob ein Amerikaner, in diesem Fall Tod Machover, wirklich in der Lage ist, diese zu verstehen und musikalisch so ertönen zu lassen, wie sie ist.

Dies hatte sich der in Boston lebende Komponist Tod Machover, der «composer in residence» des Luzerner Festspielsommers 2015 zum Ziel gesetzt. Über ein Jahr reiste er regelmässig nach Luzern und sammelte Töne für dieses klingende Stadtportrait. Er rief die Bevölkerung auf, ihm typische, bekannte, beliebte Klänge und Geräusche ihrer Stadt zuzusenden, setzte sich zusammen mit Chören, Musikern, Jodlerinnen. Er spazierte stundenlang durch die Stadt, machte Jugendliche und Kinder zu Co-Komponisten, dies mit Hilfe des von ihm geschaffenen Computerprogramms «Hyperscore». Aus all diesem zusammengetragenen Material entstand die Sinfonie für Luzern, welche nun an diesem Samstagmorgen uraufgeführt wird.

Die Bühne des KKL ist bis in die hinterste Ecke gefüllt mit Musikern. Sie spielen sich ein, eine Kakophonie von Streichern, Perkussionsinstrumenten, Bläsern, Glocken, ein paar Musiker stecken die Köpfe zusammen und lachen, eine bindet sich die Haare hoch, eine Violinistin winkt ins Publikum. Rasante Celloläufe wechseln sich mit Triangel-Geläute, ein Handy klingelt, das Publikum unterhält sich rege, ist bester Stimmung – auch so tönt Luzern!

Tod Machover, KomponistWährend einer knappen Stunde führt der Komponist Machover ins Werk ein, erklärt, wie er zu welchen Tönen, Geräuschen, Melodien gekommen ist, wie er diese verarbeitet hat. Kurze Ausschnitte werden gespielt vom Lucerne Festival Academy Orchestra unter Matthias Pintscher und auf der riesigen Leinwand hinter dem Orchester werden Fotografien gezeigt, Musiker vorgestellt, Techniken erklärt. Machover ist sichtlich und hörbar begeistert von seiner Zeit in Luzern, von der Stadt, der Bevölkerung und von der Zusammenarbeit mit dem Lucerne Festival. Das einzige, wofür sie nicht bereit gewesen seien, erklärt er lachend, seien lebende Kühe auf der Bühne.

Matthias Pintscher, DirigentEr hat alles eingearbeitet in diese Symphonie, und dank der Einführung erkennt man in diesem gewaltigen Klangstrom die verschiedenen Geräusche, Orte, Gegebenheiten auch wieder in der anschliessenden Uraufführung: die Reuss, Schritte auf Kopfsteinpflaster, Gesprächsfetzen, die Holzbalustrade der Kapellbrücke, Geplätscher diverser Brunnen Luzerns. Kuhglocken wechseln sich mit Kirchenglocken, Wolfgang Sieber gewittert auf der Orgel, die Stücke der Kinder der «Four-Forest Bilingual International School» mit Namen wie «Singing policeman», «Donkey March» und «Elevator to Pilatus» sind Teil des Ganzen geworden und als dann mit grossem Getöse auch noch die «Barfuessfäger Guuggemusig Lozärn» den Saal sozusagen von hinten aufrollt,   wird der weisse Saal zum brodelnden Musikkessel. Die beiden Chöre singen «Lozärn i ha di gärn» von der Orchestergalerie herunter, Wolfgang Sieber orgelt was das Zeugs hält, die Kirchenglocken läuten und das Orchester gibt alles.

Die Symphonie überzeugt, melodiöse Passagen, unterlegt mit Wassergeräuschen wechseln   mit jazzigen Rhythmen, da ist viel Augenzwinkern mit dabei, viel Enthusiasmus seitens des Lucerne Festival Academy Orchestras unter Matthias Pintscher und das Ganze endet so, wie es begonnen hat: mit dem sphärischen Klang einer Klangschale des Hotels Palace.

Wer Luzern so liebt, wer so begeistert musikalisch davon erzählt, der wird auch von den Luzernen geliebt. Der letzte Ton ist kaum verklungen, steht bereits der ganze Saal und feiert die Interpreten und den Komponisten frenetisch.   Dieser strahlt und scheint sichtlich zufrieden mit sich, der Welt, Luzern und seiner Sinfonie für diese Stadt.

 

Weitere Infos zu diesem Projekt unter

sinfoniefuerluzern.ch/de/

Text: www.gabrielabucher.ch

 

Fotos: www.lucernefestival.ch

 

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Orpheum Stiftung präsentiert: Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau, Tonhalle Zürich, 30.August 2015, besucht von Léonard Wüst

Tschaikowsky Sinfonieorchester MoskauBesetzung und Programm:

Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau
Dirigent: Vladimir Fedoseyev

Valery Kikta
Neues Werk, Uraufführung

Dmitri Schostakowitsch
Cellokonzert Nr. 1 Es-Dur op. 107
Solist: Aurélien Pascal

Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30
Solist: Vadym Kholodenko

Rezension:

Grundsätzliches zur Orpheum Stiftung:

Einen Tag nach der „Streetparade“ der Raver rund ums Zürcher Seebecken mit ca. einer Million Besuchern, ging es beim 25 Jahr Jubiläum der Orpheum Stiftung in der Tonhalle beschaulicher zu und her. Im fast voll besetzten Konzertsaal begrüsste Gründer und Stiftungsratspräsident   Dr. Hans Heinrich Coninx die Besucher, erläuterte einige Eckdaten und nannte ein paar Zahlen der Stiftungsgeschichte. (Detailliertere Informationen finden Sie über den eingefügten Link am Ende des Artikels).  

Dirigent Vladimir FedoseyevGestartet wurde in den ersten Konzertteil mit einer Uraufführung des ukrainischen Komponisten Valery Kikta, die auf Wunsch und Anregung des Orpheum - Kuratoriumsvorsitzenden Vladimir Fedoseyev entstand und Hans Heinrich Coninx und dessen Gattin Christine Gerber Coninx gewidmet ist.

Die Introduktion klang irgendwie vertraut, kein Wunder, ähnelt sie doch dem Eurovisionssignet, Eurovisions-Melodie / Fenseh-Signet / nach Marc-Antoine Charpentier (1636-1704), entwickelte sich aber nach diesen paar Tönen immer eigenständiger und raumfüllender, eine Komposition, an die man sich durchaus gewöhnen könnte und das Zeug zum Klassiker hat, wenn sie öfter gespielt werden wird. (Auch Werke manch Heute als gross geltender Komponisten brauchten ihre Zeit zur Verbreitung und Popularisierung, Tonträger gabs ja noch nicht, mussten also nach und nach in den Salons der grossen Städte, mancherorts, wo vorhanden, in Konzertsälen meist von den Komponisten selbst aufgeführt werden. Auch Partituren und deren Kopien wurden seinerzeit noch teilweise, ja sogar meistens von Hand verfasst). Die Komposition wurde immer eindrücklicher und vertrauter und endete spektakulär. Das Orchester wurde für die Interpretation reichlich mit Applaus bedacht.

Solist am Cello Aurélien PascalEs folgte der, wie sich im Nachhinein erwies, Höhepunkt des Konzertabends, die Darbietung des Konzertes für Violoncello und Orchester in Es – Dur von Dmitri Schostakowitsch durch Aurélien Pascal. Mit erstaunlicher Abgeklärtheit an – oder wehklagte der junge Pariser mit seinem Instrument, die damals aktuelle Gefühlswelt des Komponisten nach aussen stülpend, dies natürlich mit einer blendenden Technik und viel Enthusiasmus, so gekonnt, dass man fast ein Raunen des Publikums zu hören vermeinte. Da staunte selbst das sehr sachkundige Publikum, wie reif der junge Musiker, das für den russischen Cellisten Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch (1927 – 2007) geschriebene Werk zelebrierte. Entsprechend fiel der Applaus für den Solisten und das ihn kongenial unterstützende Orchester aus.

Solist am Piano Vadym KholodenkoDann, im zweiten Konzertteil erklang es endlich: Das Leitmotiv des dritten Klavierkonzertes, das mich immer in eine Rachmaninowendlosschlaufe versetzt, die durchaus belastend sein kann nachts, wenn Du nicht mehr raus- und keinen Schlaf mehr findest. Wahrscheinlich trägt dazu auch „Shine“(der Weg ans Licht) die 1996, Oscar -   preisgekrönte verfilmte Biografie von David Helfgott bei. Fedosejef   ging den Part, von dem ja verschiedene, von Rachmaninow selber überarbeitete Versionen existieren, erstaunlich zügig an, was mich auf eine Spieldauer um die 42.50 Minuten spekulieren liess, meistens sind es so um die 44. Khodolenko nahm dann eigenmächtig etwas Tempo weg, keineswegs weil er technisch nicht in der Lage wäre, die äusserst anspruchsvolle Aufgabe zu meistern, mir schien eher, er könne dadurch mehr Persönlichkeit einbringen. Der Solist wurde aber bei den Orchestereinsätzen vom Dirigenten wieder angetrieben. Später fanden sich die beiden auf einem angenehmen Tempo, bei dem man sich auch als Zuhörer nicht überfordert fühlte, ist es doch, laut Berechnungen, von allen großen Klavierkonzerten das mit den meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart. Schlussendlich dauerte die Nummer 3 gestoppte 43:07. So oder so war jede Sekunde ein Hochgenuss, dementsprechend heftig applaudierte das Auditorium den Protagonisten, die daraufhin noch zwei kleine Zugaben darboten, wovon die zweite eine Kurzversion eines mir unbekannten Walzers. Zu einer Standing Ovation reichte es dann doch nicht ganz, das hing wahrscheinlich auch mit einem gewissen Gerechtigkeitssinn gegenüber dem ebenso grandiosen Solocellisten Aurélien Pascal im ersten Konzertteil zusammen. Entspannt freudig machte ich mich auf die Fusswegschlaufe Richtung Hauptbahnhof, war es doch für mich ein Novum dieses Rachmaninow - Klavierkonzert live erlebt zu haben, kannte ich doch nur diverse Versionen ab Tonträgern.

Nachtrag zum Tempo beim Klavierkonzert Nr. 3 von Sergej Rachmaninow:

(Könnte eventuell die Erklärung sein: Quelle Wikipedia: Russische Pianisten bevorzugen allerdings i. d. R. die klanggewaltigere Original-Kadenz, die heute als ossia gedruckt wird. Einige Pianisten mischen die Kadenzen; dann wird mit der schnelleren angefangen und einige Takte vor Presto in die originale übergeleitet).

Rachmaninow Klavierkonzert Nr.3 d-moll
Allegro ma non tanto, 17:53 Intermezzo:Adagio, 27:38 Finale:Alla breve

Rachmaninow Klavierkonzert Nr.3, Denis Matsuev

www.youtube.com/watch?v=SYXL_dex69Q

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: orpheum.ch/ger/

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Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 17, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, François-Xavier Roth, Dirigent, Sabine Meyer, Solistin Klarinette, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und FreiburgBesetzung und Programm:

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg François-Xavier Roth, Dirigent Sabine Meyer, Solistin Klarinette

György Ligeti (1923-2006) Lontano für grosses Orchester

Márton Illés (*1975) Re-akvarell für Klarinette und Orchester
(Auftragswerk von LUCERNE FESTIVAL und des Norddeutschen Rundfunks | Uraufführung)

Béla Bartók (1881-1945) Konzert für Orchester Sz 116

Rezension:

Man hätte dem SWR Symphonieorchester Baden-Baden und Freiburg an seinem allerletzten Konzert einen etwas besser besetzten Saal gewünscht. (Ab nächstem Jahr fusioniert es mit dem Radio Sinfonieorchester Stuttgart). Am ausgezeichneten Ruf des Orchesters konnte es nicht liegen und schon gar nicht an der hochkarätigen Solistin Sabine Meyer an der Klarinette. Aber es gab wohl gleich mehrere Gründe für das Wegbleiben der Besucher: Ein vielleicht letzter wunderschöner Sommersonntag, die Tatsache, dass es sich um eine Matinée handelte und ein nicht ganz so gängiges Programm mit Werken von Ligeti und Bartok, dazu eine Uraufführung des jungen ungarischen Komponisten Màrton Illés.

 

Wer sich an diesem hochsommerlichen Sonntag ins kühle KKL gewagt hatte, erlebte ein musikalisches Ereignis der Sonderklasse. Das Konzert begann mit «Lontano» für grosses Orchester von György Ligeti, einem einsätzigen Orchesterstück, welches der Komponist im Auftrag des Südwestfunks Baden-Baden geschrieben hatte. Mit den ersten Tönen fühlte man in eine andere Welt versetzt. Der Dirigent François-Xavier Roth liess das grosse Orchester zeitweise wie auf Zehenspitzen daherkommen. Das sanfte, sphärische Flimmern erinnerte an eine Fata Morgana, die Töne schienen im Saal zu schweben, schoben sich heran, flirrten im Raum, die brummenden Bässe legten sich darunter wie Motorengeräusche. Der Klangteppich schwoll an, fiel in sich zusammen und bäumte sich ein letztes Mal auf, bevor er in einem einzigen Ton, lediglich einem schwachen Summen, endete und dabei einmal mehr die fantastische Akustik des Weissen Saals unterstrich.

 

Sabine Meyer, Solistin Klarinette_c_Thomas RabschIm Auftrag von Lucerne Festival schrieb Màrton Illés «Re-akvarell», ein Konzert für Klarinette und Orchester. Er widmete das Werk dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie der Klarinettistin Sabine Meyer. Zwei langsame Sätze rahmen einen schnellen. Neben sechs Hörnern und unzähligen Holzbläsern werden Harfe, Klavier, Akkordeon und drei Schlagzeuge eingesetzt, trotzdem kommt das Stück leichtfüssig und filigran daher. Die Solistin Sabine Meyer spielte oder wob vielmehr anfänglich über mehrere Takte einen einzigen Ton, übergab diesen ans Orchester, welches daran weiter spann, reihte sich wieder ein, nur um sich gleich wieder herauszuschälen und eine neue Melodie zu kreieren. Manchmal stiegen die Töne wie Seifenblasen aus ihrem Instrument, manchmal fragte man sich, wie sie diese aus ihrem Instrument herauszauberte. Das Orchester griff ihre Melodien immer wieder auf, fiel in sich zusammen, ein gegenseitiges Anspornen, das sich ins Atemlose steigerte. Wie Wellen rollten die Akkorde an, ein Aufschrei des Orchesters, rasende Läufe der Solistin und ein letztes Verlöschen. Das Publikum feierte begeistert den Komponisten, die Solistin, das Orchester und den Dirigenten.

 

Als letztes Stück folgte nach der Pause Béla Bartoks Konzert für Orchester, eines seiner bekanntesten Stücke und zugleich eines der zugänglichsten. Das Werk trägt den Namen Konzert, weil die einzelnen Instrumente mehrheitlich solistisch eingesetzt werden. Wehmütige, pathetische Momente wechselten sich mit tänzerischen und humorvollen Passagen. François-Xavier Roth konnte mit dem SWR Sinfonieorchester aus dem Vollen schöpfen, eine mitreissende, kraftvolle und temporeiche Interpretation.

 

Mit einer Schubert-Zugabe verabschiedete der Dirigent das Orchester, das, so seine dem Publikum zugewandte Bemerkung, als Vertreterin der Avantgarde nach Ansicht einiger Politiker «überflüssig» geworden sei.

Abschliessend feierten die Konzertbesucher die Süddeutschen Musiker mit langanhaltendem Applaus und einer Standing Ovation.

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch

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