Salzburger Schlosskonzert, Marmorsaal im Schloss Mirabell vom 2. Juni 2015, besucht von Léonard Wüst
Besetzung und Programm:
Duo Luz LESKOWITZ, Violine und Luca TONCIAN, Klavier
W.A. MOZART Sonate für Klavier und Violine in B-Dur, KV 454, F. SCHUBERT Sonate für Violine und Klavier in A-Dur, op. 162, D 574, C. FRANCK Sonate für Violine und Klavier in A-Dur
Grundinformationen über die Protagonisten dieses Konzertes:
Luz Leskowitz (*1943), Violine, war u.a. Schüler von Yehudi Menuhin, ist Gründer und Leiter der Salzburger Solisten und Leiter der Salzburger Schlosskonzerte. Er spielt auf einer Ex-Prihoda Stradivarius aus dem Jahre 1707. Luca Toncian, Klavier wurde 1989 in Klausenburg, Siebenbürgen geboren und hat u.a. schon mit den Berliner Philharmonikern konzertiert. An der Qualität der Künstler kann man schon in etwa den Stellenwert der Schlosskonzerte einordnen.
Rezension:
Im wunderschönen Marmorsaal waren leider nur ungefähr 40 Personen anwesend, darunter je etwa zur Hälfte junge asiatische Touristen und gestandene Konzertgänger aller Altersstufen und aus aller Herren Länder.
Eigentlich logisch, dass in der Mozartstadt als erstes etwas von diesem genialen Komponisten programmiert war. Leskovitz hatte Mozart`s Violinsonate KV 454 gewählt und das erwies sich als perfekt zur Demonstration der Harmonie zwischen dem jungen, manchmal etwas übereifrigen Toncian und dem ausgereiften, sensiblen Violinisten. Dienten das Largo, Allegro und das Andante zur Sensibilisierung der Sinne, fanden ebendiese mit dem furiosen finalen Allegretto freudvolle Erlösung.
Dann in dieser wahrhaft romantischen Umgebung die Sonate für Violine und Klavier des Romantikers Schubert, fast dacht ich zu viel der Romantik, wurde aber durch die subtilen meisterlichen Violinläufe im Allegro moderato und das wahrhaft scherzende Scherzo eines Besseren belehrt. Weitergeführt auch im anschliessenden Andantino, vollendet aber schlussendlich doch durch das melancholische und trotzdem in lebensbejahendem Engagement dargebotene Allegro vivace.
Das auf ganz besondere Art berührte Publikum verabschiedete die Künstler mit grossem Applaus in die Pause.
Im 2. Konzertteil kam für mich musikalisches Neuland, mit der Sonate für Violine und Klavier A-Dur von César Franck erlebte ich eine Live Premiere, hatte ich diese doch bisher ausschliesslich ab Tonträgern gehört. Beim Studieren des Programms vor Konzertbeginn hatte ich noch erstaunt zur Kenntnis genommen, dass gleich zwei der total 3 vorgetragenen Sonaten in A-Dur geschrieben sind. Schnell war aber klar, dass dies aufgrund der Verschiedenheit der Werke, nicht von Bedeutung war und sich besonders der junge Pianist in Franck`s Meisterstück sehr wohl fühlte, ausserordentlich im perlenden Allegro ausdrucksstark ausgelebt. Auch hier fanden sich die beiden Musiker wieder im Recitativa. Fantasia, bevor mit dem brillant vorgetragenen Allegretto poco mosso (da hatte Toncian sich längst vom Übereifer verabschiedet), der absolute Höhepunkt dieses aussergewöhnlichen Konzerterlebnisses folgte. Für mich der optimale Auftakt in „meine“ persönlichen Salzburger Festspiele in dieser ersten Juniwoche 2015.
Trailer: César Franck Sonata Allegretto poco mosso 4°mov. Maristella e Mario Patuzzi
www.youtube.com/watch?v=ctPKsqh5_0o
Text: www.leonardwuest.ch
Fotos:
https://www.salzburger-schlosskonzerte.at/de/index.htm
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Konzertprogramm:
Das Konzert begann mit der Uraufführung von Edward Rushtons „I nearly went, there“, entstanden als Kompositionsauftrag von Migros-Kulturprozent-Classics. Das Stück referierte auf Mahlers 5. Sinfonie, was erst nach der Pause wirklich bildhaft wurde. Der Ausgangspunkt für Rushton sei – dies das Programmheft – „die bekannte Anekdote, Mahler habe den überbordenden Schlagzeugpart der Sinfonie auf Bitten seiner jungen Frau Alma zurückgestutzt“. Alma Mahler jedenfalls sass nicht im Berner Konzert, denn hier war gar nichts zurückgestutzt. Rushton beginnt mit massivem Einsatz musikalischer Gewalt, beschäftigt das ganze Orchester, fordert das Publikum. „Erfrischend“, nennt es mein fachkundiger Kollege.
Das Mittelstück des Konzerts bildet das „Konzert für Violine und Orchester, e-Moll op. 64“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gespielt von Janine Jensen auf der Barrère, einer Stradivari aus dem Jahr 1727. Auch in der Klassik spielt ja die Optik eine immer grössere Rolle vor allem bei der Vermarktung junger Solist/innen. Dem begegnet man mit einer gewissen Zurückhaltung und der Angst vor einer braven, akademischen Interpretation. Nichts von alledem bei Janine Jensen. Ihr Spiel begeistert von den ersten Tönen an durch das facettenreiche und feinfühlige Beherrschen des Instruments. Immer mit beiden Beinen standfest auf dem Boden, entlockte sie ihrer Violine feenhafte Klänge, die im Dialog mit dem gut aufgelegten Orchester durch die Themen des Konzerts führten. Der begeisterte Applaus trug dem Publikum eine kurze Solozugabe von Janine Jansen ein.