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Luzerner Theater: Dracula oder Frust der Unsterblichkeit, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Luzerner Theater: Dracula oder Frust der Unsterblichkeit 

 

 

 

 

 

 

 

Produktionsteam

Lia Schmieder Inszenierung
Viola Valsesia Bühne
Christian Schweizer Kostüme
Michel Barengo Musik
Carmen Bach Dramaturgie

Besetzung

Wiebke Kayser, Clemens Maria Riegler, Patrick Slanz

Dracula im UG

Eine theatralische Soirée

Er scheut das Tageslicht, Knoblauch und Kreuze. Er gilt als furchterregender Blutsauger, der den Menschen Lebenskraft aussaugt, um selbst unsterblich zu sein. Er ist aber auch ein sensibles Wesen, melancholischer Neurotiker, eine fragile Gestalt, aus der Zeit gefallene Kreatur und ein individualistischer Aussenseiter, der am Rande der Gesellschaft sein Schattendasein fristet. Interpretiert man seine Unsterblichkeit nicht als bedrohliche Überlegenheit, sondern als schwere Bürde, ist der Vampir vor allem als eine gequälte Seele zu bemitleiden. Denn ist die ewige Jugend wirklich so erstrebenswert?

Dracula oder der Frust der Unsterblichkeit, so heisst der letzte Teil der Trilogie zur Horrorliteratur im UG des Luzerner Theaters. Eine Horrorgeschichte ist es indes nicht, vielmehr hat das Stück etwas Bedrückendes, Beklemmendes und gleichzeitig Entrücktes an sich. Beim Betreten des Saals trifft der Besucher auf ein junges Paar auf einem kunstvoll drapierten dunkelroten Tuch, beide schwarz gekleidet, mit dunklen Brillen. Er liegt mit lässig verschränkten Armen da, sie liest ihm etwas vor aus einem Buch, im Hintergrund Edith Piafs la Vie en Rose und ein dumpfes Geräusch wie ein Herzschlag. Ein schönes Bild auf den ersten Blick, es hat etwas Kunstvolles an sich, etwas Künstliches auch. Eine dritte Figur tritt auf (Patrick Slanzi), diese viel präsenter, handfester, im Hier und Jetzt, während die anderen zwei in einer Art Zwischenwelt zu sein scheinen. Anhand von Texten diverser Schriftsteller wie Kierkegaard, Rousseau, Jelinek, Nietzsche sinnieren und philosophieren die drei über das Leben und Sterben, über die Ewigkeit, die Unsterblichkeit. Das Ganze kommt zwar ruhig daher aber nicht emotionslos. Wiebke Kayser haucht ihre Texte mehr als dass sie sie spricht, den Blick zu Boden gerichtet, oder ins Nichts, sie selber mehr Nichts als Geschöpf, kraftlos, halbblind, ihre Bewegungen leblos, beinahe sphärisch, als könnte sie sich jederzeit auflösen. Ganz stark die Szene, wo sie und Clemens-Maria Riegler sich wie verletzte Vögel in sanft-fliessenden Gesten umgarnen, Rieglers Spiel intensiv wie immer, aber mit einer anderen Dimension der Intensität.

Nein, da ist kein Horror, auch wenn Blut getrunken wird, auch wenn die zwei wie Fledermäuse von einer Stange hängen, auch wenn grausige Riten beschrieben und dunkle Mythen heraufbeschwört werden. Da ist eine gewisse Faszination und gleichzeitig ein gewisses Erbarmen, man wünscht sich für die beiden, sie würden erlöst von diesem kraft- und lustlosen Leben, erlöst von der Unsterblichkeit, die sich in dieser Form keiner wünschen kann. Aber wenn das Publikum den dunklen Ort des Geschehens verlässt, liegen die beiden wieder in ihrer Anfangspose auf dem roten Tuch, sie liest vor, er hört zu, bereit zur ewigen Wiederholung.

 

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Umfrage: 75 Prozent der Frauen meinen, dass der Partner auch der beste Freund sein kann

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Migros-Kulturprozent-Classics präsentiert das Guangzhou Symphony Orchestra, Tonhalle Zürich, 26. Januar 2015, besucht von Irène Hubschmid

Das Guangzhou Symphony OrchestraProgramm

Guo Wenjing  (*1956)
„Folk Song Suite“ für Streichorchester
Yin Chengzong / Chu Wanghua / Sheng Lihong / Liu Zhuang
„Der Gelbe Fluss“, Konzert für Klavier und Orchester
Peter Tschaikowski (1840-1893)
Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64  

Rezension:

Dieses aussergewöhnliche Konzert ging einem bis zum Schluss unter die Haut. Dirigent Lin Daye leitete seine zahlreichen Musiker, sein grossartiges Orchester mal sanft mit Tai-Chi-anmutenden Gesten, mal mit eher streng temperamentvollen.

Dirigent Lin Daye

 

Die „Folk Song Suite“ unterstrichen die Instrumentalisten der Kontrabässe und Celli, indem sie auf ihre Instrumente klopften. Dies erzeugte eine wunderschöne Atmosphäre, fast wie ein Bild von der Weite Chinas.

Die Komposition „Der Gelbe Fluss“ beginnt mit einem Harfenakkord. Den Solopart am Flügel übernahm die 20-jährige Mélodie Zhao, eine Schweizerin mit chinesischen Wurzeln.

Solistin am Piano Mélodie Zhao

 

Leider übertönten die anderen Musiker zeitweise das grandios perlende Spiel der Solistin. Die Komposition ist teilweise jazzig, melodiös, bombastisch. Die asiatischen Akzente setzt die traditionelle Bambusflöte. Das Finale reiht mehrere Kampflieder der Partei aneinander, bevor ganz zuletzt die Mao-Hymne „Der Osten ist rot“ ertönte, die in die Schlusszeile der „Internationalen“ übergeht. Ein wuchtig-lautes Klangerlebnis.

Als Zugabe spielte Mélodie Zhao noch ein kurzes, fröhliches, berauschendes chinesisches Stück, bevor man das gutgestimmte Publikum in die Pause entliess.

Zweiter Konzertteil:

Tschaikowskis 5. Sinfonie begann mit schwermütigen Klängen, mit russischer Melancholie, die sich bis zum Finale zur Euphorie steigerte. Fast zu perfekt gespielt und pompös fürs Ohr.

Das bravouröse Orchester verdankte den Applaus des begeisterten Publikums mit zwei Zugaben.

Text: www.irenehubschmid.ch

Konzert organisiert von: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home

Fotos: Homepage von Migros-Kulturprozent

Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch www.gabrielabucher.ch
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Luzerner Theater: DIE AFFÄRE RUE DE LOURCINE Komödie von Eugène Labiche Deutsch von Elfriede Jelinek, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Die Affäre Rue de Lourcine

 

 

 

 

 

 

 

 

 Produktionsteam

Andreas Herrmann Inszenierung
Max Wehberg Bühne
Catherine Voeffray Kostüme
Sandro Corbat Musik
David Hedinger Licht
Ulf Frötzschner Dramaturgie

Besetzung Christian Baus Mistingue, Jörg Dathe Lenglumé, Hans-Caspar Gattiker Potard, Bettina Riebesel Norine, Samuel Zumbühl Justin

Rezension

Die Komödie von Eugène Labiche (1815-1888) handelt von zwei alten Freunden, die nach einem feucht-fröhlichen Klassentreffen zusammen aufwachen und keine Ahnung mehr haben, was am Vorabend passiert ist. Alles spricht dafür, dass sie die Mörder eines Kohlemädchens sind, über welches in der Morgen-Zeitung berichtet wird. Dass diese Zeitung allerdings 20 Jahre alt ist, wissen sie nicht. Die beiden versuchen nun fieberhaft, Indizien und Zeugen aus dem Weg zu schaffen. Dies die Geschichte zur neusten Produktion des Luzerner Theaters. Umgesetzt wurde sie durch Andreas Herrmann mit Musik von Sandro Corbat. Für die Bühne zeichnet Max Wehrberg.

Auf der Bühne des Luzerner Theaters steht ein riesiges Bett, sonst nichts. Darauf liegen ein paar Kleidungsstücke, der eine oder andere Schuh, alles achtlos hingeworfen, auch ein  schlafender, halbangezogener Mann. Auf diesem Bett  aus riesigen, weichen Matratzenteilen spielt sich das ganze Geschehen ab. Nebst wunderbar skurrilen Momenten und ganz speziellen Bildern, welches dieses Bühnenbild ermöglicht, verlangt es aber auch alles ab von den Schauspielern. Diese kämpfen sich anderthalb Stunden nicht nur bildlich auf unsicherem Boden. Sie  torkeln, schwanken, rennen, stampfen, kämpfen, tanzen, vergraben und verstecken sich  und diverse Gegenstände in diesem weissen, wogenden Meer von grossen, weissen Kissen.   

Die erste Szene geht dank einem herausragenden Jörg Dathe als Lenglumé ziemlich unter die Haut. Mit wirrem Haar, schmerzverzerrtem Gesicht, weinverschmiertem Unterhemd und einer Stimme wie Schmirgelpapier  torkelt er völlig verkatert auf dem riesigen Bett herum und versucht sich zu erinnern, man meint die Kopfschmerzen selber zu spüren. Immer wieder blitzt während des Stücks der französische Humor auf, auch in der Person von Potard, dem Vetter (Hans-Caspar Gattiker) in seinem sehr Unterkörper-betonten Freizeit-Tenue und immer wieder entstehen spannende Bilder durch das riesige Bett, welches die Protagonisten klein und unscheinbar erscheinen lässt und die Proportionen verzerrt. Und immer wieder gibt es Momente voller Komik und Skurrilität, zum Beispiel wenn die beiden angeschlagenen Freunde sich anzuziehen versuchen, ein urkomisches Ballett zu Musik von Purcell, bei Tisch, wenn den Zuschauern vier paar Schuhsolen anklagend entgegenstarren, vier Köpfe über einem beleuchteten Balken, der als Tisch dient, hervorlugen, eine Szene wie aus einem Märchen, die Darsteller wie Kinder an einer Geburtstagsparty. Leider zieht diese Szene sich dann aber sehr lange hin, da helfen weder die umwerfende Mimik von Bettina Riebesel als Norine noch die Sprüche von Christian Baus als Mistingue. Beinahe gespensterhaft der Auftritt des rabenschwarzen Dieners Justin (Samuel Zumbühl), wenn er wie ein Totengräber mit rauchendem Kessel über die Bühne schreitet und im schwarzen Nachthimmel über Lenglumé ein zarter grauer Wolkenschleier hängen bleibt.

Die Komik ist da, Gags gibt’s viele, skurrile Momente auch, das Bühnenbild ist einzigartig, die Schauspieler geben alles. Mit etwas weniger Längen würde das Stück wohl noch dichter und die Lacher noch zahlreicher.

Text: www.gabrielabucher.ch
Kleiner Trailer der Produktion: http://www.art-tv.ch/11340-0-Luzerner-Theater-Die-Affaere-Rue-de-Lourcine.html?reg=3144

Kleine Fotodiashow vonTanja Dorendorf / T+T Fotografie www.ttfoto.ch 

Weitere Aufführungsdaten und andere Informationen: http://www.luzernertheater.ch/

https://fotogalerien.wordpress.com/2015/01/27/luzerner-theaterdie-affare-rue-de-lourcine-komodie-von-eugene-labiche-deutsch-von-elfriede-jelinek/

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