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Bulgarien Duftende Rosen, imposante Kathedralen und römische Ruinen: In Bulgarien lässt es sich eintauchen in die 8000-jährige Geschichte und die Zeit der Thraker. Kulturell beeindruckend und auch kulinarisch spannend mit ausgezeichnetem Wein, Spanferkel und gebackenen Schweinsohren.
Sofa, die aufstrebende Hauptstadt Bulgariens
Der Beitritt zur EU hat viel Geld in die staatlichen Kassen gespült. Der Lebensstandard in Sofia ist relativ hoch, was auch für die Preise in Hotels und Beizen gilt. Beeindruckt hat uns der Residence Club (mit Tenue Vorschrift) und einem auf 2-Sterne-Michelin-Niveau präsentierten 5-Gänge-Menu. Die Gastgeber wollten unserer Reisegruppe zeigen, dass hochstehende Kulinarik auch in Sofia zelebriert wird.
Hektisches Treiben dann anderntags. Alte quietschende Trams haben Vortritt. Fernab vom Gewühl entdeckten wir Cafés im Schatten hoher Bäume, Schachspieler in Parks, Shisha rauchende Menschen, Museumshallen und die grösste orthodoxe Kirche des Balkans: Die Aleksandar Nevski Kathedrale mit der schönsten Ikonensammlung Bulgariens.
So ist Sofia für Städtereisende durchauseinen mehrtägigen Aufenthalt wert.
Unser nächstes Ziel ist Thrakien
Die eine Völkergruppe der Antike. Auf Kopfsteinpflastern erkunden wir Plovdiv, die zweitgrösste Stadt des Landes. Sie gilt als Tor zu Thrakien und «bulgarisches Rom», da sie wie Rom auf Hügeln erbaut wurde. Wer das antike Theater, Grabstätten, und die drittälteste Moschee des Balkans besucht, kann in die über 8000-jährige Geschichte Bulgariens eintauchen. Prächtige Bürgerhäuser zeugen von der bulgarischen Renaissance. Die Via Diagonalis, seit der Antike Kreuzweg zwischen Westeuropa und dem Nahen Osten, verläuft mitten durch die Stadt.
Neue Geschäfte liegen neben Ausgrabungen der Antike. Plovdiv sei die schönste Stadt Thrakiens, schrieb schon der griechische Dichter Lukan im 2. Jahrhundert, damals als Satiriker bekannt, mit Plovdiv meinte er es aber ernst. Zugleich ist Plovdiv eine moderne Universitätsstadt mit fünf
Hochschulen und grünen Pärken die sich herausputzt hat, um 2019 Kulturhauptstadt Europas zu werden.
Einer der grössten Rosenöl-Exporteure der Welt
Unweit der Stadt Kazanlak erstreckt sich gut 90 Kilometer lang, zwischen dem Balkan und dem Gebirge Sredna, von West nach Ost, das Tal der Rosen.
Nun wir waren etwas zu früh, um blühende Rosen zu bewundern. Die beste Saison ist im Juni und Juli. Zur Erntezeit schwärmen die Menschen in Scharen frühmorgens zu den Rosen, wenn die
Sonne über den Horizont wandert.
Erst in Schürzen gepflückt und dann in Säcken gesammelt, kommen die noch nicht geöffneten Blüten in die Destillationsapparate. Während dreier Stunden
werden ihnen bei 120 Grad das Wasser und Öle entzogen. Immer noch gehört Bulgarien zu den grössten Rosenöl-Exporteuren der Welt. Für eineinhalb Tonnen reines Rosenöl braucht es fünf Millionen Kilo Rosenblüten. Preis pro Liter gegen 7000 Euro. In der Nähe des Tals der Rosen, etwas südlicher, entdecken wir zahlreiche Grabhügel.
Die Thrakischen Könige
Es sind die Grabmäler der thrakischen Könige. Mit zum Teil bestens im Original erhaltenen Malereien und Fresken. Da die Konservierung ein konstantes Raumklima erfordert, und die Körperfeuchtigkeit der Besucher die Bilder über kurz oder lang in Mitleidenschaft zieht, dürfen Touristen nur einzeln und zu einem höheren Preis in die Geschichte hinuntersteigen. Wir bewunderten deshalb Replikate, die nicht weniger beeindruckend sind. Eine Vielzahl des bei den Ausgrabungen gefundenen Goldschmuckes wie Ringe, Kronen, Köpfe und Totenbeigaben sind im Original in den Museen ausgestellt. Wir fahren weiter Richtung Svilengrad auf holprigen Strassen, vorbei an verlassenen Dörfern. Ab und zu hält eine Schafherde den spärlichen Verkehr auf.
Gutes Klima für den Weinbau
Der Weinbau Bulgariens geht bis ins achte Jahrhundert vor Christus zurück, als Bulgarien zum Reich der Thraker gehörte. Die Römer bevorzugten Weine aus dieser Gegend und im Mittelalter bauten vor allem die Mönche Weine an. Während der türkischen Herrschaft(1396–1878) ging die Weinproduktion aus religiösen Gründen zu Gunsten der Tafeltraube zurück. Nach der Vernichtung eines grossen Teils der Reben durch die Reblaus hielten sich die Winzer beim Wiederaufbau an westeuropäische Vorbilder.
Ein Vorzeige-Weingut ist heute Katarzyna. Es liegt im Süden bei Svilengrad und Mezek, nahe der Grenze zu Griechenland. Das Klima für den Weinbau könnte idealer nicht sein: Die Sommer sind heiss und trocken, die Winter mild und regnerisch. Die Angestellten arbeiten von Hand. Tsevetlina Nikolova ist CEO von Katarzyna und Herrin über 700 Hektaren. 200 000 Tonnen Trauben werden von den Zwillingsbrüdern Svilen und Ivan gekeltert. Im Fasskeller erklingt leise klassische Musik. «Die Schwingungen erhöhen die Qualität der Weine», sagen die Önologen. Nicht nur Weine haben wir verkostet. Bei Festen kommt Spanferkel auf den Tisch. Bevor gegessen wird, trinkt man einen Rakja. Fröhlich singende und tanzende Menschen bevölkern die Lokale. Armut in Bulgarien?
«Das Essen und Trinken kann uns niemand nehmen», sagt ein Gast. «Manchmal feiern wir die Armut sogar ein bisschen.» Die Vorspeisen kommen zusammen auf den Tisch: Salate, geräucherte Auberginen, gefüllte Peperoni. Dann Hackfleischbällchen sowie Poulet und Rind, auf dem offenen Feuer an Spiessen gebraten. Der Eintopf «Sach» ist perfekt geschmort. Paprikaschoten, Lauch, Petersilie, Zwiebeln und Minze geben den Gerichten Geschmack und Farbe. In einer Landbeiz wagen wir uns an Kuttelsuppe, gebackene Schweinsohren und panierte Schweinszunge. Da war nach dem Essen ausnahmsweise noch ein Rakja gefragt.
Vieles mehr gäbe es noch zu entdecken
Zentralbulgarien mit den Nationalpärken, Höhlen und Klöstern. Das Balkangebirge und die Donaulandschaften. Und zum Schluss Badeferien am Schwarzen Meer in Varna oder Burgas. Auf ein nächstes Mal!
Diese Reportage ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.
Eingeladen hatten Antonio Mastrogiovanni (Reiseleitung; www.am-import.ch), Plovdiv Tourismus, Katarzyna Estate.
Gut zu wissen
Bulgarien ist seit 2007 EU-Mitglied und hat rund 8 Millionen Einwohner.
Währung: Man zahlt in Lew; 100 Franken sind 180 Lew.
Preise für Essen und Trinken sind sehr günstig.
Sprache: Das bulgarische Alphabet ist kyrillisch. Verständigungssprache ist Englisch. Viele Bulgaren sprechen Englisch oder Deutsch.
Flüge: Ab Zürich oder Genf. Die Flugzeit beträgt zwei Stunden.
Strassen: Die Autobahn in den Süden (Sofia–Plovdiv–Kasanlak–Svilingrad) ist in
gutem Zustand. Vignette erforderlich.
Hotels: Suite Hotel Sofia und Grand Hotel Sofia.
Plovdiv: 8 1⁄2 Art Guest House.
Kasanlak: Hotel Palas. Svilingrad: Hotel Parish.
Restaurants: Sofia: Lazy Life & Food mit Shisha-Raucherplätzen.
Plovdiv: Stastlivzi Pod Tepeto («Glückseligkeit unter der Mauer»),
Dolce Fellini Pasticceria & Gelateria, Porkys.
Kazanlak: Magnolia.
Svilingrad: Mosta (direkt am Fluss Mariza).
Nachdem der polnische Investor Christoph Trylinski zu Beginn der Nullerjahre seine weltbekannte Wodkamarke Belvedere mit Gewinn verkaufen konnte, machte er sich an die Verwirklichung seines Traums vom eigenen Weingut. Die Suche nach Rebberg Land führte ihn durch halb Europa. Angetrieben von einem hartnäckigen Pioniergeist, wollte er sich in einem unbeschriebenen Gebiet niederlassen, das bezüglich der Qualität seines Bodens wie der klimatischen Verhältnisse alle Voraussetzungen für die Erzeugung von hochstehenden Weinen bot.
Trylinski wurde im Süden Bulgariens, im alten Thrakien, fündig: Nahe der griechischen Grenze, am Fusse des Rhodopi-Gebirges fand er sanft gewelltes Land, dessen Böden aufgrund seiner Lage im Niemandsland zwischen Ost- und Westblock unverbraucht, arm und phosphatreich waren. Dazu kam ein favorables Klima mit milden, regnerischen Wintern, heissen, trockenen Sommern und einer Sonnenscheindauer von 3000 Stunden pro Jahr. Trylinski taufte das Weingut nach seiner Tochter «Katarzyna». Über die Jahre wurden ab 2004 700 Hektar Land mit Reben bepflanzt. Die Anbauweise ist konventionell, hundert Hektar werden biologisch bewirtschaftet. Vierzig Prozent ist bewässert, geerntet wird von Hand. Wer das sehr umfangreiche Sortenverzeichnis liest – Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon, Viognier, Muscat, Traminer bei den Weissen; Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah Cabernet Franc, Malbec, Tempranillo und Carmenere bei den Roten –, ahnt, welchen Weintypus Katarzyna anstrebt: ausdrucksstarke, mehrheitsfähige Gewächse im internationalen Stil. Verkostet man danach die Weine, erfolgt die Bestätigung: Katarzyna alimentiert uns mit einer Fülle von fruchtintensiven, konzentrierten Weinen, reinsortig oder in Assemblagen ausgebaut – tiefgründiger die Roten, etwas technisch anmutend zuweilen die Weissen. Die Qualitätspyramide führt vom tadellosen Tischwein bis zum exklusiven Premium-Gewächs. Die Preiskalkulation ist ehrgeizig. Ausstattung, Weinnamen und Marketing sind clever und kreativ. Einzig ein Wein tanzt aus der Reihe, der rote Mavrud, ein charaktervoller, eigenständiger, angenehm rustikaler Tropfen aus der gleichnamigen autochthonen bulgarischen Sorte.
Christoph Trylinski ist es in relativ kurzer Zeit gelungen, Katarzyna an der Spitze von Bulgariens Weinen zu etablieren. Önologische Unterstützung erhielt er zu Beginn aus Frankreich. Michel Rolland, der weltbekannte, schillernde Weinberater, war vor Ort. Danach kamen seine Jünger. Doch seit 2010 ist die Produktion in bulgarischer Hand. Die beiden 33-jährigen Zwillinge Svilen und Ivan Kisiov wirbeln mit Geschick und Enthusiasmus im weitläufigen Gär- und Ausbaukeller der 2006 erbauten State-of-the-Art- Kellerei. Svilen schnupperte vorher in Mendoza/Argentinien, Ivan im Napa Valley.
Die zwei Kisiovs erklären ihre Philosophie mit einer koketten Mischung von Schüchternheit und Selbstbewusstsein. Sie orientiert sich an den Massstäben, nach denen auf den renommierten Betrieben heute weltweit gearbeitet wird: Ernte zum akkurat richtigen Reifezeitpunkt, extrem pingelige Traubenselektion vor dem Kelterprozess, Kaltmazeration, Vergärung je nach Sorte und erwünschtem Wein Stil in modernsten Stahltanks oder Barriques, manuelle Behandlung der Maische bei den höherklassigen Roten, Ausbau in bis zu fünfzig Prozent neuer französischer Eiche und was alles der Katechismus des modernen Weins sonst noch fordert – inklusive Bewegung des Mosts mittels Schwerkraft und langer Flaschenreifung in unterirdischen Tunnels bei konstanter Temperatur. Und, haben die beiden Geschmackspräferenzen? Svilen antwortet nach kurzem Nachdenken: «Mein Bruder sucht eher die Eleganz im Wein. Ich dagegen setze auf die Struktur.» Sind sie sich manchmal auch uneinig? Die eineiigen Zwillingen schauen sich zunächst ratlos an, zucken mit den Schultern, schweigen lange bis Svilen sagt: «Bei der Festlegung des Erntebeginns streiten wir uns manchmal. Wir gehen frühmorgens gemeinsam in die Rebberge. Ich will loslegen. Ivan hält dagegen und will noch warten. Am Abend kehren wir zurück und kommen überein anderntags zu starten.» Harmonie pur also, die sich mit Genuss in den Weinen von Katarzyna nachspüren lässt.
Kleine Fotodiasow der Reise von Herbert Huber:
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Aufklärung über Reiseschutzimpfungen wie Malaria,
Typhus, Hepatitis A und B gehört zum Standartverfahren bei den beratenden
Ärzten und Praxen. Allerdings werden aktuelle Empfehlungen der Ständigen
Impfkommission (STIKO) zu diesem Thema nicht immer wahrgenommen. Verreisen
ohne oder mit inkomplettem Schutz kann gesundheitliche Folgen haben. Dr.
med. Burkhard Rieke informiert in der Zeitschrift Arbeitsmedizin
Sozialmedizin Umweltmedizin (ASU) über den aktuellen Stand.
Malaria
Insgesamt sind Malariafälle auf der Welt in den letzten Jahren
zurückgegangen. Die WHO geht von weltweit etwa 219 Mio. (2 Mio. mehr
gegenüber dem Vorjahr) klinischen Episoden aus, die Todesfallzahlen sind
auf 435 000 (–16 000) zurückgegangen. Zu Hauptverbreitungsländern gehören
Nigeria, Demokratische Republik Kongo und Mosambik. In Krisenstaaten wie
Venezuela, Jemen, Burkina Faso, Norden Namibias sowie Nordosten Südafrikas
werden dagegen Rückschläge verzeichnet. Neben der Weltkarte mit Malaria-
Risikozonen wurde eine Reihe von Regionalkarten (Lateinamerika, südliches
Afrika, Südasien, Südostasien) erstellt. Neu ausgewiesene Regionen mit
Prophylaxeempfehlung sind etwa Teile von Honduras, Nicaragua, Kolumbien,
Peru, Brasilien, Namibia, Botswana, Südafrika, Indien, Pakistan,
Kambodscha und Palawan (Philippinen). Verbesserungen sind in Panama,
großen Teilen Indiens, Thailands und Indonesiens oder auch in China zu
sehen. Letzteres wird möglicherweise bald für malariafrei erklärt.
Zum Malaria-Schutzkonzept werden folgende Methoden empfohlen:
Expositionsprophylaxe, Notfallselbstbehandlung (NSB) sowie
Prophylaxeeinnahme. Basis des Malariaschutzes ist in allen
Verbreitungsgebieten der Schutz vor Mückenstichen durch Aufenthalt in
moskitosicheren Räumen von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Wer dennoch
draußen unterwegs sein muss, sollte lange, körperbedeckende Kleidung
tragen und die für Mücken frei zugänglichen Hautpartien mit einem
Repellent (einem Wirkstoff zur Abwehr von stechenden Insekten) einreiben.
Am besten ist es, unter einem intakten Moskito¬netz zu schlafen. Die
Mitgabe einer Notfallselbstbehandlung ist dann gerechtfertigt, wenn die
Malaria realistisch droht und eine Abklärung der Fieberursache entlang des
Reiseweges aus Gründen der Infrastruktur für 48 Stunden (früher: 24
Stunden) nicht möglich ist. Eine eher geringe Malariagefahr rechtfertigt
nur die Expositionsprophylaxe. Wer länger als 7 Tage bei schlechter
medizinischer Versorgung im Malariagebiet unterwegs ist oder nach
Aufenthalt im Malariagebiet in schlecht versorgtes Gebiet reist, sollte
eine Notfallselbstbehandlung zur Verfügung haben. In jedem Fall sollten
die Ursachen des Fiebers von einem Arzt abgeklärt werden.
Typhus
Die internationale Epidemiologie bei Typhus hat sich geändert: Während die
Krankheitslast in Südamerika, insbesondere in den Andenstaaten
zurückgegangen ist, hat sie in Süd- und Südostasien eher zugenommen.
Verstädterung sowie Monsunregen führen zu erheblichen Überschwemmungen mit
Auswaschung von Fäkalmaterial aus Latrinen und Abwassergräben. Besondere
Vorsicht wird deshalb beim Verzehr der Rohkost im Ausland empfohlen. 2018
wurden laut Robert Koch-Institut 58 Fälle in Deutschland verzeichnet, 79 %
der Fälle stammen aus Asien (Indien, Pakistan und Nepal), 93 % waren
ungeimpft. In Deutschland steht ein injizierbarer Polysaccharid-Impfstoff
zur Verfügung, allein oder in Kombination mit Hepatitis-A-Impfstoff, der
tendenziell einen längeren Impfschutz vermittelt als die störanfälligere
Schluckimpfung.
Hepatitis A
Die Impfung gegen Hepatitis A zählt inzwischen zur klassischen
Reiseimpfungen. Ansteckungsgefahr ist erhöht bei mangelnder Hygiene,
Abwasserkontakt sowie bei Sexualkontakten unter Männern. Aktuell sind
Robert Koch-Institut 1043 Fälle und sechs Todesfälle bekannt. Nur sechs
von diesen Fällen waren korrekt geimpft, so dass ein Impfdurchbruch
möglich ist. Die Todesfälle betrafen Personen über 50 Jahren, da in dieser
Altersgruppe die Hepatitis A gefährlicher wird, während sie im
Vorschulalter oft ohne Symptome verläuft. Bei 61 % der Fälle wurde
Deutschland als Infektionsland angegeben. Zwei größere Ausbrüche waren
durch importierte Erdbeeren bzw. Datteln bedingt.
Hepatitis B
Eine Hepatitis-B-Impfung ist fortwährend sinnvoll. Rund 3,5 % der
Weltbevölkerung sind laut WHO chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus
infiziert, einem sehr umweltresistenten Keim, der den Körper mit jeder
Flüssigkeit verlässt und nur kleine Virusmengen für die Infektion
benötigt.
In Deutschland werden alle Kinder und Jugendlichen gegen Hepatitis B
geimpft. Weitere Indikationen sind berufliche Gründe (Medizin, Ersthelfer,
Polizei etc.), privates Risiko (Drogenkonsument, ungeschützter Kontakt mit
wechselnden Sexualpartnern) oder als reisemedizinische Maßnahme. Einer
Ansteckung ist man sowohl in der Medizin allgemein (Einmalspritzen,
Verbandsmaterial, OP-Wäsche, Dauerkatheter) als auch in der Zahnmedizin
ausgesetzt. Eine Hepatitis-B-Impfung ist daher für Vielreisende ein Muss,
für den Urlaubsreisenden eine vernünftige Ergänzung des Impfschutzes. 2018
wurden insgesamt 4507 Hepatitis-B-Virusnachweise gemeldet. Nur 32 % der
Betroffenen waren in Deutschland geboren. Das belegt auch, warum das
Konzept der Kindheitsimpfung nicht in der Lage ist, die Fallzahlen zu
senken. Zu viele nicht geimpfte Erwachsene infizieren sich im Ausland –
und die ins Land gekommenen Migranten haben das bundesdeutsche
Kinderimpfprogramm nicht durchlaufen. Auch wenn daher von einer
Reiseimpfung gesprochen wird, so liegt der gesundheitliche Vorteil des
Impfschutzes doch in Deutschland.
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag „Malaria, Typhus und die
Hepatitiden“ von Dr. med. Burkhard Rieke in der aktuellen Ausgabe der
Zeitschrift Arbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin (ASU) unter:
<https://www.asu-arbeitsmedizi
hepatitiden>
Solothurn die Ambassadorenstadt, die Stadt an der Aare ist Bischofssitz, Kantonshauptort des gleichnamigen Kantons oder auch Sankt-Ursen-Stadt, etwa gar Öufi Stadt?Ambassadoren? Aufgrund des früheren Sitzes der französischen Botschaft (16.–18. Jh.) der zentralen Lage wegen. Das relativ nahe Aarau war ja längere Zeit die fast wichtigste Stadt der noch jungen Eidgenossenschaft, in der auch viele Tagsatzungen stattfanden. Der Nationalrat- und Ständerat wählte erst am 28. November 1848 Bern zur Bundesstadt, nicht zur Hauptstadt und so ist Bern nur de facto, aber nicht de jure Hauptstadt der Schweiz.
Solothurn, da war doch noch was, ah ja: eine Verbindung zu Sorsi
Sankt-Ursen-Stadt? Aufgrund der gleichnamigen St. Ursenkathedrale (auch Kathedrale St. Urs und Viktor), die gleichzeitig die Kathedrale des Bischofs des Bistums Basel ist, ein Sitz übrigens, auf dem von 1982 bis 1993 der Surseer Dr. Otto Wüst sass, der notabene, gleichzeitig wie sein Jugend – und Jungwachtfreund Professor Hans Küng, an der päpstlichen Universität „Gregoriana“ in Rom studiert hatte, zusammen mit einem gewissen Joseph Aloisius Ratzinger, der später als Papst Benedikt der16. bekannt werden sollte.
Schtärneföifi, was hat das auf sich mit dem Öufi?
Öufi Stadt? Weil: die heilige Solothurner Zahl ist die 11(s`Öufi). Sie ist in der Stadt allgegenwärtig. Es gibt 11 Museen, Brunnen, Kapellen, Kirchen und eine Uhr mit einem Zifferblatt, das nur 11 Stunden zeigt. Besonders interessant ist das Vorkommen der Zahl 11 an der St. Ursen-Kathedrale. Unter anderem dauerte die Bauzeit 11 Jahre (1762-1773), 3 x 11 Meter hoch ist die Fassade, der Turm misst 6 x 11 Meter bis zum Wetterhahn und die Freitreppe besteht aus 3 Gruppen zu je 11 Stufen. Die Solothurner nennen sogar ihr Bier Öufi-Bier.“
Die Korporationsverantwortlichen wählten den Namen Barockstadt
Am 15. September 2019 machten sich über 130 Korporationsbürger auf, zusammen einen erlebnisreichen Tag zu verbringen. Man wurde chauffiert in drei hochmodernen Cars, wovon der eine am Bahnhof, die andern zwei am Oberen Graben, die Bürger „einsammelten“. In diesem Jahr sollte neben Gemütlichkeit und netten Gesprächen auch das kulturelle Erlebnis im Vordergrund stehen: Solothurn, die interessante Barockstadt an der Aare zeigte sich bei unserer Ankunft, nach einer etwa 45 minütigen Busfahrt, von ihrer schönsten Seite und dies bei bestem Spätsommerwetter.
Kaum angekommen, wurden wir schon verwöhnt
Schnell spazierte man die wenigen Meter vom Car bis zum alten Spital in dessen Sommergarten, idyllisch direkt an der Aare gelegen, servierte man uns sogleich einen Apéro riche und schon unterhielt man sich rege über dies und das, teilte dem Tischnachbar mit, für welche der drei Nachmittagsaktivitäten man sich entschieden habe. Gar nicht so leichte Wahl, standen doch drei interessante Varianten zur Wahl und alle beinhalteten das Motto „Öufi“: Die einen machten sich auf eine „Öufi“ – Schnitzeljagd und konnten gar einen Preis dabei gewinnen, andere absolvierten einen geführten „Öufi“ – Stadtrundgang. Ich hatte mich für das Öufi Boot entschieden. Natürlich wurden wir von den Organisatorinnen auch herzlich begrüsst, musikalisch unterhielt uns Daniel Fürer mit seinem Keyboard während des Aperitifs und auch am Nachmittag an gleicher Stelle während des Dessertbuffets. Schon bald dislozierten wir in einen der Speisesäle im oberen Stock, wo gepflegt aufgedeckt und schön dekoriert war, für unser Mittagessen. Zum Nüsslisalat und dem darauf folgenden „Salt – in bocca“ wurden auch die passenden Weine kredenzt und die Bürger taten sich sichtlich gütlich an Speis und Trank, auf dass sie gut gerüstet waren, für die nachher folgenden Nachmittagsaktivitäten.
Nachmittagsprogramm
Der Bootssteg, wo wir die zwei Schiffe friedlich entern konnten, befand sich direkt beim Sommergarten. Trotz nicht grad behindertenfreundlicher Einstiegmöglichkeit, ereignete sich kein Wassersturz, sogar die beiden Rollator Benutzerinnen landeten sanft auf den Planken, erwiesen sich also auch als seetüchtig. Während wir gemütlich westwärts, den Jurasüdfuss im Blicke, die Aare hinauf schipperten, machte sich eine andere Gruppe los, um Schnitzel zu jagen. Ob sie welche erlegt haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Dafür wurde mir von Mitgliedern der dritten Gruppe, die den geführten „Öufi“ Stadtrundgang unter die Füsse genommen hatten, bekräftigt, es sei s‘ Zäni gsi.
Minikreuzfahrt auf der Aare
Wir Kreuzfahrtpassagiere sahen den Weissenstein, nach dem auch unser Schiff benannt war, sogar die neuen Gondeln der Bahn, die die alten, aus Sicherheitsgründen aussortierten Sessel, nun ersetzen. Sie glitzerten silbern in der Nachmittagssonne. Vorbei am Schiffshafen, an gepflegten Villen, an badenden Familienausflüglern, Kanus, Kajaks, Gummi – und anderen Booten ausweichend, tuckerten wir gemütlich durch das Wasser. Der Schiffsführer absolvierte nach ca. einer halben Stunde eine elegante 180 Grad Drehung und es ging wieder Fluss abwärts, Richtung Altstadt, vorbei an Boulevardcafés, an markanten barocken Altstadtbauten, immer die Silhouette der Kathedrale im Hintergrund, dabei unterquerte das Schiff einige Brücken, moderne ebenso wie ältere, hochgeschwunge und solche, wo man sprichwörtlich die Köpfe einziehen musste, so knapp schlüpfte das Boot untendurch. Dann, nach etwa 90 Minuten wurden wir Freizeit Piraten wieder beim alten Spital an Land gesetzt, wo sich auch die andern Gruppen wieder einfanden.
Das Budget reichte auch für ein Dessertbuffet
Wie es scheint, haben unsere Chef*innen des Korporationsrates gut geschäftet im letzten Jahr, sodass es noch für eine abschliessendes Dessertbuffet mit vielen verführerischen Süssigkeiten und natürlich den dazu passenden Kaffee, mit oder ohne avec, gar noch für ein „Öufi“ Bier reichte. Auch dies wieder in lockerer Stimmung und die Waidmänner – und Frauen, die so tapfer die Schnitzel gejagt hatten, durften noch ihre Preise in Empfang nehmen. Schon bald wurde nicht Halali geblasen, aber darauf hingewiesen, dass die Cars uns jetzt wieder an dem Platz einladen würden, an dem wir ausgestiegen waren.
Kontrolliert, ob alle Schäfchen in den richtigen Bus einstiegen und sich nicht verlaufen, wurde von Nicole Fischer und als alle richtig versorgt waren, gings auch schon auf den Heimweg. Im Bus gabs natürlich auch noch viel zu erzählen, einige machten aber schon mal ein Nickerchen. Im Unterschied zum letzten Jahr gerieten wir in keinen Stau und waren so, fast pünktlich um 18.00 Uhr wieder da, wo wir am Morgen losgefahren waren, um einige Erfahrungen reicher und mit der Gewissheit, dass die Organisatorinnen wieder ein gutes Näseli gha hend und mit der Zufriedenheit, einen schönen Tag erlebt zu haben, ging man nach Hause.
Kleine Fotodiashow des Bürgerausflugs:
fotogalerien.wordpress.com/2019/09/16/buergerausflug-der-korporation-sursee-vom-15-sepember-2019/
Text und Fotos: www.leonardwuest.ch einige Fotos:
https://www.korporation-sursee.ch/
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