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Gesundheit

Leichter Anstieg der kindlichen Kurzsichtigkeit flacht nach dem Lockdown wieder ab

In China ist die Kurzsichtigkeit bei Kindern während des strengen
Lockdowns leicht angestiegen, wie eine großangelegte Untersuchung ergab.
Ursachen waren Tageslichtmangel und verstärktes Sehen im Nahbereich. Eine
neue Studie zeigt nun, dass dieser Trend in der Volksrepublik nach dem
Lockdown wieder rückläufig ist – der Aufenthalt im Freien bei Tageslicht
bremst die Entwicklung kindlicher Kurzsichtigkeit ab. Darauf macht die
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) aus Anlass des
Weltkindertages am 20. September 2021 aufmerksam.

Wie sich die Situation in Deutschland darstellt und was Eltern gegen die
Kurzsichtigkeit ihrer Kinder unternehmen können, diskutieren DOG-Experten
auf der Vorab-Pressekonferenz zur DOG 2021 online. Der Kongress findet vom
30. September bis 3. Oktober 2021 virtuell statt.

Kurzsichtigkeit entwickelt sich meist im Alter zwischen acht und zwölf
Jahren und hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten weltweit
zugenommen. In asiatischen Ländern wie Singapur und China liegt die Rate
der Myopie, wie der Fachausdruck für Kurzsichtigkeit lautet, unter jungen
Erwachsenen bei über 80 Prozent, in Europa knapp unter 50 Prozent. Vor
allem zwei Faktoren fördern Kurzsichtigkeit: Tageslichtmangel und langes
Nahsehen. „In Asien verbringen Kinder sehr viel Zeit in geschlossenen
Räumen, um zu lernen. Dies ist der Hauptgrund für die stark verbreitete
Myopie in Fernost“, sagt Professor Dr. med. Wolf Lagrèze, Leitender Arzt
der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie und Schielbehandlung
an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Während des strengen Lockdowns in China mit Ausgangsbeschränkungen und
lang andauernden Schulschließungen haben sich Tageslichtmangel und
Nahsehen weiter intensiviert. In der Folge stieg die Kurzsichtigkeit
gerade bei jüngeren Kindern an, wie eine chinesische Studie mit hoher
Fallzahl belegt (1). „Der Unterschied bei den Brillenwerten zu den
Vorjahren war zwar gering, aber statistisch signifikant“, erläutert
Lagrèze.

Eine weitere Studie aus China zeigt unterdessen, dass die Myopierate nach
dem Lockdown wieder rückläufig ist (2). „Dies ist ein Beweis, dass
Lichtmenge und Sehgewohnheiten einen Einfluss auf die Myopisierung haben“,
konstatiert der Freiburger DOG-Experte. Hinweise, dass man den
Lockdowneffekt auf Deutschland übertragen kann, gibt es jedoch nicht. „Uns
liegen leider keine vergleichbaren Daten vor“, erklärt Lagrèze. „Zudem war
der Lockdown in China deutlich strenger als bei uns.“

Dass die intensive Nutzung von PC, Tablets oder Smartphones
Kurzsichtigkeit fördert, erscheint unwahrscheinlich: Laut KIGGS-Studie hat
die Myopierate unter deutschen Kindern in den zurückliegenden elf Jahren
nicht zugenommen (3); auch der relative Anteil an Brillen, die wegen
Kurzsichtigkeit verordnet werden, blieb in den vergangenen 16 Jahren
unverändert (4). „Es gibt bislang keine kontrollierte Studie, die einen
Einfluss von Smartphones, PCs oder Tablets auf die Kurzsichtigkeit
belegt“, sagt Lagrèze. Erwiesen ist jedoch, dass Tageslicht vor
Kurzsichtigkeit schützt. „Kinder sollten deshalb täglich zwei Stunden im
Freien verbringen“, fügt der DOG-Experte hinzu. Studien belegten zudem
einen negativen Einfluss der Nutzung digitaler Geräte auf die
psychosoziale Entwicklung und Konzentrationsfähigkeit der Kinder. „Eltern
sind in jedem Fall gut beraten, die digitale Bildschirmzeit ihrer Kinder
zu begrenzen“, so Lagrèze.

Setzt die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit ein, sollte das Fortschreiten
abgebremst werden – mit hochverdünnten Atropinaugentropfen, speziellen
Brillen oder Kontaktlinsen. „Starke Kurzsichtigkeit ist neben dem Faktor
Lebensalter der Hauptrisikofaktor für teils gravierende Augenerkrankungen
wie Makuladegeneration, Netzhautablösung oder Glaukom“, betont DOG-
Präsident Professor Dr. med. Hagen Thieme. „Wir erwarten daher mit
Spannung die Ergebnisse einer Studie zur Therapie der Kurzsichtigkeit mit
Atropintropfen, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert.“

Auf der Online-Vorab-Pressekonferenz am 23. September 2021 wird Professor
Wolf Lagrèze auch über den aktuellen Stand zur Therapie kindlicher
Kurzsichtigkeit mit Atropinaugentropfen berichten.

Quellen:
(1)     Wang J, Li Y, Musch DC, et al. Progression of Myopia in School-
Aged Children After COVID-19 Home Confinement. JAMA Ophthalmol.
2021;139(3):293–300. doi:10.1001/jamaophthalmol.2020.6239
(2)     Chang P et al. Ophthalmology 2021; epub
(3)     Schuster, Alexander et al. Prävalenz von Kurzsichtigkeit und deren
Veränderung bei Kindern und Jugendlichen. Ergebnisse der deutschen KiGGS-
Studie. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 855-60; DOI:
10.3238/arztebl.2020.0855
(4)     Wesemann, W. Häufigkeit der Brillenträger in Deutschland.
Ophthalmologe 115, 421–423 (2018).
<https://doi.org/10.1007/s00347-018-0698-9>

  • Aufrufe: 88

Fortschritte in der Krebsmedizin kommen früher bei Patient*innen an

Die gemeinsame Jahrestagung der
Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für
Hämatologie und Medizinische Onkologie findet in diesem Jahr aufgrund der
fortdauernden COVID-19-Pandemie als Hybridveranstaltung mit einer
begrenzten Teilnehmer*innenzahl statt. Vom 1. bis 4. Oktober 2021 können
die Teilnehmer*innen das umfangreiche Wissenschafts- und
Fortbildungsprogramm mit 236 Sitzungen im CityCube in Berlin oder online
via Livestream verfolgen.

Wie wichtig der Austausch in der Krebsmedizin ist, zeigt das Beispiel der
molekularen Tumorboards. Unter Nutzung modernster diagnostischer Methoden,
lernender Systeme und innovativer Informationstechnologien können dort in
einem Team über Fachdisziplinen und Sektorengrenzen hinweg Empfehlungen
für eine auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie entwickelt
werden. Dabei steht das molekulare Tumorboard für ein hohes Maß an
Translation: Onkologische Innovation kommt früher bei Patient*innen an.

Lernende und wissensgenierende Versorgung

Fortschritte in der Krebsmedizin sollen Patient*innen möglichst frühzeitig
zugutekommen. „Digitalisierung und künstliche Intelligenz für die
Bearbeitung großer Datensätze und deren Integration in die klinische
Entscheidungsfindung sowie verbessertes Management von Nebenwirkungen
durch elektronische Einbindung der Patient*innen sind brennende Themen,
die wir auf der Jahrestagung diskutieren wollen“, erklärt Prof. Dr. med.
Andreas Mackensen, diesjähriger Kongresspräsident und Direktor der
Medizinischen Klinik – Hämatologie und Internistische Onkologie des
Universitätsklinikums Erlangen. Dabei nehmen auch niedergelassene
Hämatolog*innen und Onkolog*innen an der wissensgenerierenden Versorgung
teil. Wie das im Detail aussehen kann, wird am Beispiel der molekularen
Tumorboards für den Bereich der niedergelassenen Hämatologie und Onkologie
vorgestellt.

Moderne Krebsmedizin: Noch mehr Kooperation

Durch die Entwicklung der Hochdurchsatzsequenzierung (Next Generation
Sequencing, NGS) werden zahlreiche genetische Veränderungen in Tumorzellen
identifiziert, die unter bestimmten Voraussetzungen auch Ansatzpunkte für
gezielt wirksame Therapien sein können. „Die Sequenzierung allein genügt
deswegen eben nicht als alleinige Entscheidungsbasis für die individuell
beste Krebstherapie“, betont Prof. Dr. med. Lorenz Trümper,
Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Vorstand Krankenversorgung
der Universitätsmedizin Göttingen. Die optimale onkologische Behandlung
sollte sowohl auf Basis dieser genetischen Befunde, vor allem aber auch in
persönlicher Kenntnis klinischer und patientenindividueller Faktoren
gewählt werden, wie die DGHO in einem gemeinsamen Positionspapier mit
anderen wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften 2019 bereits
betont hat. In molekularen Tumorboards beteiligen sich deshalb auch
Expert*innen verschiedener Disziplinen an der Entwicklung einer
Therapieempfehlung für die*den individuellen Patient*in, beispielsweise
neben dem betreuenden Fachgebiet wie der Hämatologie/Onkologie auch andere
organspezifische Fächer wie die Pathologie, die Humangenetik, die
Bioinformatik oder die Molekularbiologie/Biochemie. Dabei wird der
Einschluss von Patient*innen in klinische Studien immer diskutiert, weil
nur so aus der Versorgung Erkenntnisse für künftige Patient*innen
generiert werden können. Initiiert wurden molekulare Tumorboards
seinerzeit als forschungsorientierte Einrichtungen für Patient*innen mit
seltenen Tumorerkrankungen. Inzwischen sind sie an allen onkologischen
Spitzenzentren in Deutschland etabliert. Welche Rolle sie zukünftig in der
Routineversorgung spielen werden, ist Gegenstand einer Pro- und Contra-
Diskussion am Sonntag, 3. Oktober 2021.

Zielgerichtete Therapie verbessert Prognose

Ein herausragendes Beispiel für die Identifikation molekularer
Veränderungen von Tumoren als Basis für die Entscheidung für eine
bestimmte medikamentöse Tumortherapie (und damit für ein bestimmtes
Arzneimittel) ist die zielgerichtete Therapie von Patient*innen mit nicht
kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Das Netzwerk Genomische Medizin
(NGM) Lungenkrebs hat bereits 2010 begonnen, molekulare/genetische Tests
für Betroffene mit NSCLC verfügbar zu machen. Etwa zwei Drittel der
Patient*innen mit NSCLC weisen eine spezifische genetische Mutation im
Tumor auf. Für immer mehr genetische Veränderungen stehen mittlerweile
zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Am Sonntagvormittag, 3. Oktober
2021 beschäftigt sich ein eigenes Symposium mit dem molekular-alterierten
NSCLC. „Dabei gilt dieses Prinzip längst nicht mehr nur für Lungenkrebs.
Auch bei anderen Krebserkrankungen spielt die Diagnose von spezifischen
Mutationen zur Identifikation der am besten passenden medikamentösen
Tumortherapie eine immer wichtigere Rolle“, betont Trümper.

Immuntherapie entwickelt sich rasant weiter

Auch die Immuntherapie kann die Prognose bei vielen Krebserkrankungen
deutlich verbessern. In verschiedenen erkrankungsspezifischen Symposien
werden aktuelle Empfehlungen und Studienergebnisse zum Einsatz von
Immuncheckpoint-Inhibitoren, monoklonalen Antikörpern und CAR-T-Zellen
präsentiert. Ein besonderes Augenmerk wird in einem Symposium am Sonntag,
3. Oktober 2021 auf klinische Erfahrungen mit der CAR-T-Zelltherapie
gelegt. Auch neue Entwicklungen dieses therapeutischen Prinzips wie duale
CAR-T-Zellen, Adapter-CAR-T-Zellen oder NK-CAR-T-Zellen werden im
Symposium vorgestellt.

Ebenfalls im Fokus: Ethische Fragen in der Krebsmedizin

Neben fachspezifischen Fragestellungen beschäftigt sich die Jahrestagung
2021 auch mit wichtigen gesellschaftlichen und ethischen Themen. So werden
am Freitag, 1. Oktober 2021 Forschungsergebnisse zur Priorisierung in der
Krebsversorgung im Kontext der COVID-19-Pandemie vorgestellt, und ein
Symposium am Montag, 4. Oktober 2021 beschäftigt sich mit der palliativen
Versorgung im Kontext der Pandemie. Auch dem Thema der (ärztlich)
assistierten Selbsttötung, das in diesem Jahr wieder auf die
gesellschaftliche und politische Agenda gelangt ist, widmet sich der
Kongress in einem Symposium am Freitag, 1. Oktober 2021. „Wir freuen uns,
dass wir die Bundestagsabgeordneten Renate Künast und Katrin Helling-Plahr
sowie Prof. Alfred Simon von der Akademie für Ethik in der Medizin als
Referentinnen und Referenten gewinnen konnten“, erklärt Mackensen. Auch
die Frage, welche Rolle Ärzt*innen beim assistierten Suizid einnehmen
sollen, wird im Symposium diskutiert.

Ausführliche Informationen unter: https://www.haematologie-
onkologie-2021.com/

Über die DGHO

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e.V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.800 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patient*innen
im Fachgebiet.

Über die OeGHO

Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie
hat sich zum Ziel gesetzt, die Betreuung von Patient*innen österreichweit
an den höchsten Standard heranzuführen. Die OeGHO zählt als
Fachgesellschaft aktuell ca. 800 Mitglieder, von denen ein Großteil
Fachärzt*innen für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und
Internistischer Onkologie sind. Neben der Aus-, Fort- und Weiterbildung
von Ärzt*innen sowie Pflegekräften, der Festlegung von Standards für die
Fachärzt*innenausbildung und Ausbildungsstätten und der Erarbeitung von
Leitlinien will die OeGHO die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen
allen an der Krebstherapie Beteiligten und die Forschung auf dem Gebiet
der Hämatologie und Onkologie aktiv fördern.

Über die SGMO

Die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO)
vereinigt als medizinische Fachgesellschaft Ärzt*innen, die auf die
Erforschung, Diagnose und Behandlung bösartiger solider Tumoren und
hämato-onkologischer Erkrankungen spezialisiert sind. Seit der Gründung
der SGMO im Jahre 1999 hat ihre Mitgliederzahl stetig zugenommen und
erreicht heute 402 ordentliche und außerordentliche Mitglieder. Die SGMO
vertritt die standespolitischen Interessen der medizinischen Onkolog*innen
und setzt sich für Forschung, Weiter- und Fortbildung ein.

Über die SGH

Die Schweizerische Gesellschaft für Hämatologie (SGH) ist die medizinische
Fachgesellschaft der Ärzt*innen mit dem Facharzttitel Hämatologie. Sie hat
folgende Zielsetzungen: Die Förderung der Hämatologie in der Schweiz, die
Forschungsförderung, die Weiter- und Fortbildung und die Wahrung der
beruflichen Interessen der Hämatolog*innen in der Schweiz sowie die
Förderung der Kollegialität unter den Mitgliedern. Die SGH zählt 325
Mitglieder.

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(1) DGHO-Positionspapier „Qualitätsgesicherte Molekulardiagnostik in der
Onkologie“, Januar 2019
(2) Pakkala S, Ramalingam SS. Personalized therapy for lung cancer:
striking a moving target. JCI Insight. 2018;3(15):e120858.
https://doi.org/10.1172/jci.insight.120858

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Deutsche Leberstiftung warnt zum Weltkindertag: Übergewicht bei Kindern hat bereits pandemische Ausmaße

Das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland unterstreichen zum
Weltkindertag am 20. September 2021 ihre Forderung, die Kinderrechte im
Grundgesetz zu verankern. Unter dem Motto „Kinderrechte jetzt!“ sind
bundesweit von zahlreichen Initiativen verschiedene Aktionen geplant, die
ein kinderfreundlicheres Deutschland in den Fokus stellen. Die Corona-
Pandemie hat nochmals verdeutlicht, dass die Belange der Kinder kaum
berücksichtigt werden – unter anderem mit alarmierenden Auswirkungen auf
die Gesundheit.

Den diesjährigen Weltkindertag nimmt die Deutsche Leberstiftung zum
Anlass, erneut auf die immer weiter steigende Zahl von stark
übergewichtigen und adipösen Kindern mit einer geschädigten Leber
hinzuweisen.

Im Mai 2021 warnte das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
dass die Corona-Pandemie möglicherweise einen der besorgniserregendsten
Trends in der Europäischen Region noch weiter verstärken könnte – die
wachsende Zahl fettleibiger Kinder. Und auch deutsche Fachgesellschaften
für Adipositas- und Kindermedizin stellen aktuell fest, dass bei Kindern
ein deutlicher Anstieg an Adipositas und Neumanifestationen von
Typ-2-Diabetes während der coronabedingten Einschränkungen zu verzeichnen
ist. Mit Übergewicht und Adipositas assoziiert ist auch bei Kindern die
nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), die mittlerweile die
häufigste chronische Lebererkrankung im Kindes- und Jugendalter ist.

„Wie auch bei Erwachsenen macht sich eine nicht-alkoholische Fettleber
(NAFL) nur in seltenen Fällen durch Krankheitssymptome bemerkbar, sie ist
jedoch stets ein großes Gesundheitsrisiko: Während auch bei Kindern die
einfache Verfettung (NAFL) noch relativ harmlos ist, liegen bei einer NASH
(non-alcoholic steatohepatitis) bereits entzündliche Veränderungen der
Leberzellen und beginnende Ablagerungen von narbigen Fasern vor. Während
sich bei den meisten Lebererkrankungen ein Leberzellkrebs aus der
Leberzirrhose entwickelt, muss dies bei der Fettleber nicht der Fall sein.
Bei fast 50 Prozent der Fettleber-bedingten Krebsfälle litten die
Patienten vorher offensichtlich nicht an einer Leberzirrhose, sondern
lediglich an einer NASH. Daher sollte auch bereits bei Kindern und
Jugendlichen Aufmerksamkeit für dieses Thema geweckt werden“, erklärt
Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Leberstiftung und er fordert: „Um die Zukunft der kommenden Generationen
zu verbessern, müssen vorhandene wissenschaftliche und datenbasierte
Maßnahmen umgesetzt werden, die dazu beitragen können, eine gesündere
Ernährung und mehr Bewegung zu fördern. Unsere Kinder haben ein Recht auf
Gesundheit. Darüber hinaus ist es wichtig, dass in Deutschland an Kinder
gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel endlich verboten wird – dazu
gehört auch das Anpreisen solcher Produkte von Social Media-Influencern.“

Laut einer aktuellen Marktanalyse der Verbraucherorganisation Foodwatch,
die sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von
Lebensmitteln auseinandersetzt, sind in den vergangenen sechs Jahren für
Kinder beworbene Lebensmittel kaum gesünder geworden. Obwohl es
Selbstverpflichtungen der Industrie sowie eine Reduktionsstrategie des
Ernährungsministeriums gibt, sind mehr als 85 Prozent der an Kinder
vermarkteten Produkte zu süß, zu salzig und zu fettig. Und für diese
„Krankmacher“ wird ausgiebig Werbung gemacht: Eine Studie der Universität
Hamburg hat kürzlich festgestellt, dass ein Kind in Deutschland jeden Tag
durchschnittlich circa 15 Werbespots für ungesunde Produkte sieht – zwei
Drittel davon im Fernsehen, die übrigen über Social Media auf dem
Mobiltelefon oder dem PC.

Es ist bekannt, dass sich ein in der Kindheit erlerntes
Ernährungsverhalten im weiteren Leben häufig manifestiert. Die enormen
Kosten, die – abgesehen vom menschlichen Leid – für heute übergewichtige
Kinder entstehen, trägt letztendlich die Gesellschaft. Experten schätzen
die Ausgaben über die Lebenszeit gerechnet auf 393 Milliarden Euro.

Es sind Aufmerksamkeit und Handeln der Eltern gefragt, um Folgeschäden für
ihr übergewichtiges oder adipöses Kind zu vermeiden. Beispielsweise können
sich bestehende Fettablagerungen in der Leber zurückbilden oder das
Entstehen kann verhindert werden, wenn der Lebensstil mit angepassten
Sportaktivitäten und einer gesunden Ernährung geändert wird.

Bei Kindern mit deutlichem Übergewicht sollte regelmäßig die
Lebergesundheit überprüft werden. Sind die Leberwerte im Blut (GPT, GOT
und GGT) erhöht, ist dies möglicherweise ein Warnzeichen für eine
Lebererkrankung.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.

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Unwissen über Sepsis ist tödlich. Deshalb #DeutschlandErkenntSepsis

Unwissen über Sepsis ist tödlich: Am 13. September
ist Welt-Sepsis-Tag. In Deutschland gibt es ein großes Potential die
Sepsissterblichkeit zu reduzieren.

Jedes Jahr kommt es zu mindestens 20.000 vermeidbaren Todesfällen in
Verbindung mit Sepsis. Angesichts dieser Zahlen rufen die Initiatoren und
Partnerorganisationen der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ die
Bürgerinnen und Bürger auf, sich intensiver mit dem Thema Sepsis zu
befassen. Bei HIV/AIDS ist es gelungen, die Zahl der jährlichen Todesfälle
auf unter 300 zu senken. Von der Politik, der Gesundheitswirtschaft sowie
den Verantwortlichen und Beschäftigten im Gesundheitswesen fordern wir
deshalb, alles in ihrer Macht Stehende dafür zu tun, um bei der Sepsis die
gleichen Erfolge zu erzielen wie bei HIV/AIDS.
Laut der WHO ist die Mehrzahl der Sepsis-Todesfälle vermeidbar (1). Dies
gilt auch für die mit einer Sepsis verbundenen schweren Langzeitfolgen
(#LongSepsis), an denen bis zu 75% der jährlich weit mehr als 100 000
Überlebenden leiden. Die aktuelle COVID-19 Pandemie hat diese Einschätzung
leider in vollem Umfang bestätigt. Doch obwohl eine Sepsis häufiger
vorkommt als Herzinfarkt oder Schlaganfall und deren
Krankenhaussterblichkeit wesentlich höher ist, ist das Wissen über Sepsis
in Deutschland nur vergleichsweise gering ausgeprägt.
„Das Ziel der Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis (DES) ist es, dem
Unwissen entgegenzuwirken, und aufzuklären ist die klügste Art für mehr
Patientensicherheit zu sorgen.“, erklärt die Vorsitzende des
Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) und Initiatorin der Kampagne,
Dr. Ruth Hecker. Getragen wird das Bündnis durch vier
Partnerorganisationen: Neben dem APS sind das der Sepsisdialog der
Universität Greifswald, die Deutschen Sepsis-Hilfe e.V., sowie die Sepsis-
Stiftung. Seit Juli 2021 wird die Kampagne außerdem vom Bundesministerium
für Gesundheit finanziell gefördert.
„Nur wenige Menschen wissen, dass die Sterblichkeit bei Sepsis durch drei
einfache Maßnahmen drastisch reduziert werden kann: Erstens eine bessere
Vorbeugung gegen Infektionen, zweitens die Früherkennung anhand bestimmter
Warnzeichen, sowie drittens die Therapie der Sepsis als Notfall. Deshalb
müssen auch bei der Sepsis die gleichen Anstrengungen zur gesundheitlichen
Aufklärung und der Entwicklung präziser Diagnostika und effektiver
Therapeutika unternommen werden, die zu der erfreulichen Reduzierung der
Todesfälle bei HIV/AIDS geführt haben“, so der Vorsitzende der Sepsis-
Stiftung, Prof. Konrad Reinhart.
„Aus eigener Erfahrung weiß ich: Sepsis kann jeden und jede treffen, auch
völlig gesunde Menschen. Dann ist es überlebenswichtig, dass das Umfeld,
Angehörige, Kollegen und ganz besonders das medizinische Personal, Sepsis
auf dem Radar hat, um vermeidbare Verzögerungen und damit schwere Verläufe
zu vermeiden,“ betont Arne Trumann, Stellvertretender Vorsitzender der
Sepsis-Hilfe e.V. „Deshalb ist uns als weltweit erster
Selbsthilfeorganisation von Sepsisbetroffenen die Aufklärung der
Bevölkerung, die wir mit der Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis
voranbringen wollen, so wichtig!“
„Nötig ist auch eine stärke Orientierung des Gesundheitssystems an der
Patientensicherheit und die Einführung und adäquate Nutzung von
Qualitätssicherungsmaßnahmen und dem Instrumentarium des klinischen
Risikomanagements, etwa Critical Incident Reporting Systems (Meldesysteme
für Beinahe-Zwischenfälle),“ so Dr. Ruth Hecker weiter.
„Alleine durch krankenhausweite Schulungsmaßnahmen, interdisziplinäre und
berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit und die Unterstützung von
Qualitätssicherungsmaßen durch den Krankenhausvorstand konnte am
Universitätsklinikum Greifswald die Sepsis-Sterblichkeit um 15-20% gesenkt
werden “ betont Dr. Matthias Gründling, Initiator des Sepsisdialogs an der
Universitätsmedizin Greifswald.
Hintergrundinformationen:
Die genaue Zahl der Sepsisfälle in Deutschland ist unbekannt: Sepsis-Fälle
werden oft nicht als solche erkannt und in über 50% der Fälle nicht
dokumentiert. Exaktere Zahlen aus vergleichbaren Ländern legen für
Deutschland aber eine jährliche Häufigkeit zwischen 500 und 700 pro 100
000 Einwohnern nahe (2). Inzwischen wissen wir, dass auch bei der Mehrheit
der bisher über 92 000 Todesfälle durch COVID-19 die letztliche
Todesursache eine virale Sepsis ist (3).
Weiterführende Informationen zur Sepsis finden Sie auf den folgenden
Webseiten:
www.deutschland-erkennt-sepsis.de sowie von Sepsis-Stiftung, Sepsisdialog,
Sepsis-Hilfe e.V. und dem APS.

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