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Gesundheit

Online-Studie zum Coronavirus gestartet

Psychologie-Studierende an der Universität Konstanz laden zur Teilnahme
ein

Seit Dezember 2019 ist ein neues Coronavirus (2019-nCoV) im Umlauf.
Zunächst im chinesischen Wuhan ausgebrochen, verbreitet sich das neue
Coronavirus seitdem auch über China hinaus. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 30. Januar 2020 eine
gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen. Im
Rahmen dieser Entwicklung ist an der Universität Konstanz die Online-
Studie „EUCLID“ zum Coronavirus gestartet. Hier geht es zur Umfrage:
cutt.ly/euclid-umfrage.

Unter dem Namen „Elektronische Umfrage zur Coronavirus-Lage in
Deutschland“ (EUCLID) untersuchen Masterstudierende des Konstanzer
Fachbereichs Psychologie unter der Leitung der Gesundheitspsychologin
Prof. Dr. Britta Renner das Verhalten und die Einschätzung der Bevölkerung
in Bezug auf das neue Coronavirus. Über die aktuelle Umfrage hinaus ist
eine umfassende Untersuchung über den zeitlichen Verlauf der Verbreitung
des Virus hinweg geplant, mit der beispielsweise auch der Einfluss der
Medien auf das Verhalten und die Einschätzung der Menschen genauer
analysiert wird.

Faktenüberblick:
• Coronavirus-Studie EUCLID an der Universität Konstanz
• Master-Studierende im Fachbereich Psychologie starten Online-Umfrage
• Unter der Leitung der Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Britta Renner von
der Universität Konstanz
• Zur Online-Umfrage: cutt.ly/euclid-umfrage

  • Aufrufe: 219

Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln – ganz ohne Operation

DEGUM fordert Kostenübernahme des Verfahrens durch die Krankenkassen

Einen Tee einschenken oder Haare kämmen – wenn die Hände unkontrollierbar
zittern, werden einfachste Aufgaben zur Herausforderung. Patienten mit
solchen Symptomen leiden oft an einem essentiellen oder an einem
Parkinson-Tremor, chronisch fortschreitenden Bewegungsstörungen mit
unwillkürlichem Zittern. Die Standardtherapie mit Medikamenten ist nur
selten ausreichend und mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet.

Bei der operativen Therapie, der sogenannten „Tiefen Hirnstimulation“
(THS), werden Elektroden in der Tiefe des Gehirns platziert, was mit einer
Eröffnung des Schädels einher geht. Eine neue Therapie, bei der die tief
im Gehirn liegenden Störherde mittels Magnetresonanztomografie-gesteuertem
fokussiertem Ultraschall (MRgFUS) ausgeschaltet werden, kann die
Beschwerden auch ohne offene Chirurgie deutlich lindern. Eine aktuelle
Studie, in der Zeitschrift „Neurology“- erschienen, belegt, dass das
Zittern bei den Teilnehmern auch drei Jahre nach dem Eingriff noch
deutlich verbessert war. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der
Medizin (DEGUM) empfiehlt den Einsatz der neuen Methode, da sie schonend
und präzise angewandt werden kann.

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Ein Tremor tritt am häufigsten an Händen oder Armen auf, aber auch der
Rumpf oder der Kopf können betroffen sein. „Die Bewegungsstörung entsteht
im Groß- und Zwischenhirn in Bereichen, die an der Bewegungssteuerung
beteiligt sind“, sagt DEGUM-Experte Professor Dr. Ullrich Wüllner, Leiter
der Sektion Bewegungsstörungen an der Klinik für Neurologie des
Universitätsklinikums Bonn. Die Aktivität dieser Hirnareale ist zwar
prinzipiell über Medikamente beeinflussbar, die Mittel wirken jedoch
längst nicht bei jedem Patienten. Die operative Therapie war bislang ein
stereotaktischer Eingriff, bei dem die betreffenden Hirnareale mithilfe
fest implantierter Elektroden und elektrischen Impulsen aus einem
Batterie-Aggregat – ähnlich einem Herzschrittmacher - moduliert werden.
Bei diesem als tiefe Hirnstimulation bezeichneten Verfahren muss jedoch
der Schädel des Patienten geöffnet werden, dadurch entsteht die Gefahr von
Hirnblutungen oder Infektionen.

Eine schonendere Alternative bietet der Magnetresonanztomografie-
gesteuertem fokussiertem Ultraschall (MRgFUS): „Das neuartige Verfahren
funktioniert ohne operativen Eingriff. Es legt von außen gezielt nur
diejenigen Hirnareale lahm, die für das Zittern verantwortlich sind“,
erläutert Wüllner. „Die Ultraschallwellen werden genau auf den Zielpunkt
gesendet und dort wie bei einem Brennglas gebündelt.“ Eine MRT-gesteuerte
Neuronavigation stellt dabei sicher, dass nur der gewünschte Bereich im
Gehirn inaktiviert wird. Zudem erfassen die behandelnden Ärzte bereits
während der Behandlung die optimale Tremorkontrolle.

Die aktuelle Studie aus der angesehenen Zeitschrift „Neurology“ bestätigt
die Langzeitwirkung des Verfahrens. Forscher um Dr. Casey H. Halpern von
der Stanford-Universität haben das moderne Ultraschallverfahren bei 76
Patienten mit therapieresistentem essentiellem Tremor angewendet. Selbst
drei Jahre nach der Behandlung war das Zittern bei der Hälfte der
Studienteilnehmer noch deutlich verbessert. Auch Behinderungen und die
Lebensqualität, die durch die chronische Bewegungsstörung vor dem Eingriff
stark eingeschränkt war, hatten sich bei vielen Patienten noch gebessert
(56 und 42 Prozent). Da der Eingriff – trotz des schonenden Verfahrens –
eine umschriebene, dauerhafte Schädigung im Gehirngewebe hinterlässt,
können als Nebenwirkungen Gefühls-, Gangs- und Gleichgewichtsstörungen
auftreten. Im Vergleich zu den Nebenwirkungen eines operativen Eingriffs
sind diese jedoch eher gering.

DEGUM-Experte Wüllner macht selbst positive Erfahrungen mit dem
fokussierten Ultraschallverfahren: Seit eineinhalb Jahren führt er dieses
in seiner Bonner Neurologie-Abteilung durch – und konnte damit bereits 35
Patienten erfolgreich behandeln. „Bei Parkinson-Patienten, deren Tremor
medikamentös nicht in den Griff zu bekommen war, zeigt die Therapie sehr
gute, anhaltende Erfolge“, sagt der Neurologe. Bei Patienten mit
essentiellem Tremor tritt der Tremor bei etwa 30 Prozent der Patienten im
Verlauf abgeschwächt wieder auf. Dieser Langzeitverlauf wird auch in Bonn
im Rahmen einer Beobachtungsstudie am Deutschen Zentrum für
neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) genau studiert. Aufgrund der guten
Erfahrungswerte, die nun erstmals auch langfristig nachgewiesen werden
konnten, fordert die DEGUM eine Aufnahme der modernen Ultraschalltherapie
in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten dafür werden von
diesen derzeit noch nicht regelhaft übernommen.

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Mit Künstlicher Intelligenz personalisiert gegen Krebs

Rund eine halbe Million Menschen erkranken jedes Jahr an Krebs, Tendenz
steigend. Immer bessere Diagnosemöglichkeiten machen jedoch deutlich, dass
Krebs eine höchstindividuelle Krankheit ist und jede Patientin und jeder
Patient eine auf sie oder ihn persönlich zugeschnittene Therapie braucht.
Um dies zu ermöglichen, nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am
Berlin Instiute of Health (BIH) in verschiedenen Projekten die Hilfe von
künstlicher Intelligenz (KI) in Anspruch.

So können sie einzelne Krebszellen mit höchster Detailschärfe
charakterisieren, die passenden Medikamente für Patient*innen auswählen
und eine Krankenakte speziell für Krebspatient*innen entwickeln, die sie
auf ihrem oft langen Krankheitsweg begleitet und alle Krankheits- und
Behandlungsdaten aufnimmt.

Professorin Angelika Eggert, Direktorin der Kinderklinik der Charité mit
Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie, ist Sprecherin der
Forschungsplattform „Multi-Omics“ des BIH: „Hier können wir mithilfe neuer
molekularer Technologien Tumoren schon heute sehr präzise bis auf die
Ebene einzelner Zellen charakterisieren.“ So kann das komplette Erbgut der
Zellen entschlüsselt, sämtliche Proteine charakterisiert, der Stoffwechsel
der Zellen verfolgt und Biomarker oder Oberflächenmoleküle entdeckt
werden. Dabei fallen natürlich riesige Datenmengen an. „Um diese Daten zu
erfassen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen braucht man natürlich
auch die künstliche Intelligenz,“ sagt Angelika Eggert.

Die Analyse dieser molekularen Daten zu einem Tumor geben Auskunft
darüber, welche molekularen Ziele für eine Therapie möglich wären. Zudem
können die Wissenschaftler*innen das individuelle Rückfallrisiko des
Patienten oder der Patientin berechnen und daraufhin die Aggressivität der
Therapie anpassen. „Oder wir versuchen, den Patienten auch neue
experimentelle Therapien anzubieten, gerade wenn das Risiko sehr hoch
ist,“ sagt Angelika Eggert. Dieses aufwändige Vorgehen eignet sich nicht
für jede Krebsdiagnose. „Da geht es um die Patienten, denen wir bisher
nicht effektiv helfen konnten, bei denen wir also zusätzlichen Aufwand,
auch unter Zuhilfenahme der Künstlichen Intelligenz, betreiben müssen.“

Organoide aus Krebsstammzellen

Die Wissenschaftler*innen um Dr. Christian Conrad vom BIH Centrum für
Digitale Medizin untersuchen primäre Gewebeproben von herausoperierten
Tumoren. „Das sind oft nur sehr geringe Mengen, das reicht nicht aus, um
daran 50 verschiedene Medikamente auf ihre Wirkung zu testen“, erklärt der
Biologe. „Wir züchten daher aus den im Gewebe enthaltenen Stammzellen
kleine dreidimensionale Gewebestückchen, so genannte Organoide, an denen
wir die Tests durchführen können. Unter dem Mikroskop können wir dann
beobachten, ob eine Substanz den Tumor zum Schrumpfen gebracht hat, ob sie
Tumorzellen abtötet oder keine Wirkung zeigt.“

Weil es aber so viele Proben sind, die getestet werden müssen, arbeiten
die Forscher*innen daran, das Verfahren zu automatisieren: „Wir verwenden
Kulturplatten, auf denen 100 Organoide gleichzeitig Platz finden. Diese
werden automatisch unter dem Mikroskop analysiert und die Daten direkt im
Computer ausgewertet. Unser Ziel ist es, Modelle zu entwickeln, die
Auskunft darüber geben können, welches Medikament bei welchem
Patiententumor die beste Wirkung gezeigt hat“, erzählt Conrad.

Parallel dazu analysieren die Wissenschaftler auch die genetische
Expression der Mini-Tumoren. Darüber erhalten sie Auskunft, welche
genetischen Veränderungen im Tumor enthalten sind und können Vorhersagen
treffen, welche zielgerichteten Medikamente am wahrscheinlichsten gegen
die Tumorzellen aktiv sind. „Meist stimmt unsere Vorhersage anhand der
Sequenzierdaten mit der Beobachtung unter dem Mikroskop überein, manchmal
aber auch nicht“, berichtet Christian Conrad. „Wir wollen herausfinden,
wie die Morphologie, also das Aussehen der Organoide, und die
Genexpression zusammenhängen.“

„Unser Ziel ist es, verschiedenen Krebspatienten eine möglichst wirksame
und nebenwirkungsarme Therapie anbieten zu können“, sagt Professor Roland
Eils, Gründungsdirektor des BIH Zentrums für Digitale Gesundheit. „Und in
Zukunft möchten wir das Verfahren so weiter entwickeln, dass wir es für
möglichst viele Krebsarten einsetzen können.“

Eine elektronische Krankenakte für Krebspatient*innen

Professorin Sylvia Thun leitet die BIH Core Facility für e-health und
Interoperabilität. Sie möchte eine elektronische Krankenakte für
Krebspatient*innen auf Basis internationaler IT-Standards (FHIR, SNOMED,
LOINC) entwickeln. „Die Patientinnen und Patienten haben ja oft einen
langen Weg durch die verschiedenen Häuser und Praxen. Erst die Diagnose
beim Hausarzt, dann im Krankenhaus nochmal Untersuchungen, Operation und
Bestrahlung, eventuell eine Chemotherapie beim niedergelassenen Onkologen,
danach regelmäßige Nachsorgetermine, und dann kommt womöglich Jahre später
der Tumor zurück.“ In dieser Zeit sammeln sich Untersuchungs- und
Behandlungsergebnisse an, die mehrere Aktenordner füllen können. „Hier
wollen wir die Patientinnen und Patienten entlasten und ihnen ermöglichen,
alle Daten ihrer persönlichen Krankheitsgeschichte in einer elektronischen
Patientenakte zusammenzuführen“, sagt Sylvia Thun.

Das Problem ist, dass die Daten aus Labordiagnostik, Pathologie,
Bildgebung, Gewebeuntersuchung oder Gensequenzierung unterschiedliche
Formate haben, der Behandlungsverlauf und die eingenommenen Medikamente
werden nicht oder in unterschiedlichen Sprachen dokumentiert und wie es
dem Patienten unter der Therapie wirklich geht, müsste er eigentlich
selbst aufzeichnen. „Um die Daten für die Weiterbehandlung oder für die
Forschung nutzen zu können, müssen sie aber in strukturierter Form
vorliegen und idealerweise sowohl menschen- als auch maschinenlesbar sein
“, erklärt Sylvia Thun. „Unser Ziel ist es, alle Krankheitsdaten in
standardisierter Form zu erfassen und so zu strukturieren, dass der
Krebspatient und die Krebspatientin ihre persönlichen Daten in ihrer
elektronischen Patientenakte mitnehmen können und wann und wie sie möchten
ihrem Arzt oder Ärtzin beziehungsweise der Forschung zur Verfügung stellen
können.“ Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und internationaler
Netzwerke, die in den standardisierten Sprachen miteinander kommunizieren,
könnte dann sowohl die beste Therapie für den einzelnen Patienten bzw. die
einzelne Patientin gefunden werden. Aus den gemeinsam ausgewerteten Daten
vieler Krebspatient*innen könnten aber auch ganz neue Zusammenhänge
aufgedeckt werden, die zu neuen Behandlungsformen führen könnten.

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Über das Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für
Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für
bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten
Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu
erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den
Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das
BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die
Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-
Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
(MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

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Medikamentöse Blutdrucktherapie senkt Demenzrisiko bei Menschen mit Bluthochdruck

Seit einigen Jahren ist ein Zusammenhang zwischen Demenz und Bluthochdruck
bekannt; Menschen, die chronisch zu hohe Blutdruckwerte haben, erkranken
offensichtlich häufiger an Demenz. Doch lässt sich dieses erhöhte Demenz-
Risiko umgekehrt auch durch eine medikamentöse Blutdrucktherapie senken?
Eine Metanalyse [1] kam zu dem Ergebnis, dass die erfolgreiche
medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks das Demenzrisiko um 12% und
das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 16% senkt. DGN-Experten sehen
hier angesichts der hohen und weiter steigenden Prävalenz von dementiellen
Erkrankungen und bislang fehlender Therapieoptionen ein großes
Präventionspotenzial.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen, die an Demenz
erkrankt sind. Pro Jahr kommen schätzungsweise 244.000 Betroffene neu
hinzu. Die Demenz kann Ausdruck und Folge verschiedener Erkrankungen sein
wie der Alzheimer-Krankheit, der Lewy-Körperchen-Demenz oder Folge
gefäßbedingter Schädigungen im Gehirn (z.B. nach Schlaganfall, man spricht
dann von vaskulärer Demenz). Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft
für Neurologie [2] sind etwa 50-70% der Demenzerkrankten der Alzheimer-
Demenz und ca. 15-25% der vaskulären Demenz zuzuordnen. Nachgewiesen ist,
dass die medikamentöse Blutdrucksenkung z.B. das Schlaganfall- und
Herzinfarktrisiko signifikant reduziert – doch hat sie auch einen Effekt
auf die Demenzrate? Und wenn ja, welche Substanzklasse von
Blutdrucksenkern – ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker,
Betablocker, Calciumkanalblocker oder Diuretika – ist diesbezüglich
besonders effektiv? Diesen Fragen ging eine Metaanalyse [1] nach, die in
der Januarausgabe von „Lancet Neurology“ publiziert wurde.

Die vorliegende Arbeit wertete sechs große Kohorten prospektiver
Beobachtungsstudien mit insgesamt knapp über 31.000 Menschen ohne
vorbestehende Demenzerkrankung im Alter von über 55 Jahren aus – und
stratifizierte sie in zwei Gruppen: Eine Gruppe umfasste
Studienteilnehmer, die zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses normale
Blutdruckwerte (< 140/< 90 mm Hg) aufwiesen (n=15.553), die andere jene
mit erhöhten Blutdruckwerten (n=15.537). Der Anteil der Studienteilnehmer,
die eine medikamentöse blutdrucksenkende Therapie erhielten, variierte in
den sechs Studien, die in die Analyse eingegangen waren, und lag zwischen
32,5% und 62,1%.

Im Ergebnis erkrankten insgesamt 3.728 Studienteilnehmer während des
Beobachtungszeitraums neu an einer Demenz, bei 1.741 Patienten handelte es
sich um eine Alzheimer-Demenz. Verglich man die Erkrankungsrate von
Patienten mit Bluthochdruck, die medikamentöse Blutdrucksenker einnahmen,
mit denjenigen, die unbehandelt waren, zeigte sich nach Adjustierung der
Daten, dass die medikamentöse Bluthochdrucktherapie vor Demenz schützt:
Die Patienten, deren Bluthochdruckerkrankung behandelt wurde, hatten ein
um 12% signifikant geringeres Risiko, an Demenz (HR: 0,88; p=0,019) bzw.
ein um 16% niedrigeres Risiko an Alzheimer (HR: 0,84; p=0,021) zu
erkranken. Hatte es zuvor z.T. widersprüchliche Daten zur Rolle des
Bluthochdruckdrucks gegeben, zeigt diese Metaanalyse deutlich einen
positiven und klinisch relevanten Einfluss der Bluthochdruckkontrolle.

Prof. Richard Dodel, DGN-Experte für dementielle Erkrankungen, sieht hier
ein großes Potenzial für die Prävention: „Bluthochdruck ist ein immenses
Gesundheitsproblem in unserer Bevölkerung. Im Alter von über 60 ist fast
jeder Zweite davon betroffen und viele Patienten sind unbehandelt oder
unzureichend eingestellt. Wir wissen nun, dass diese Menschen durch die
medikamentöse Blutdrucksenkung nicht nur ihr Risiko für kardiovaskuläre
Erkrankungen verringern können, sondern auch das Risiko, später an Demenz
zu erkranken. Dieses Präventionspotenzial sollte unbedingt ausgeschöpft
werden, letztlich auch, weil wir bis heute keine krankheitsmodifizierende
Therapie gegen Demenz haben und die Zahl der Erkrankten weiter steigt.“

Die Auswertung zeigte außerdem, dass es nicht entscheidend war, mit
welcher Substanzklasse die Patienten behandelt worden waren, keine der
fünf verschiedenen Substanzklassen erwies sich hinsichtlich der
Risikoreduktion gegenüber den anderen als überlegen. „Es ist also nicht
so, dass eine bestimmte Klasse von Blutdrucksenkern einen ‚Anti-Demenz-
Effekt‘ hätte, sondern, dass eine erfolgreiche Blutdrucksenkung in den
Zielwertbereich unter 140/90 mm Hg zur Reduktion des Demenzrisikos führt“,
so der Experte weiter. Dementsprechend zeigte sich auch bei den
Studienteilnehmern mit normalen Blutdruckwerten, die – aus welchen Gründen
auch immer – Blutdrucksenker eingenommen hatten, im Hinblick auf die
Demenzrate kein Effekt.

„Wir Neurologen können gar nicht oft genug daran appellieren, dass
Menschen mit Bluthochdruck konsequent behandelt werden und die
Blutdrucksenker wie verschrieben regelmäßig einnehmen. Damit schützen sie
sich gleich vor zwei neurologischen ‚Volkskrankheiten‘: Schlaganfall und
Demenz“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen,
Pressesprecher der DGN, abschließend.

[1] Ding J, Davies-Plourde KL, Sedaghat S et al. Antihypertensive
medications and risk for incident dementia and Alzheimer´s disease: a
meta-analysis of individual participant data from prospective cohort
studies. Lancet Neurology 2020; 19: 61-70.
doi: 10.1016/S1474-4422(19)30393-X
[2] S3-Leitlinie „Demenzen“ (Langversion–Januar 2016), abrufbar unter
https://www.dgn.org/leitlinien/3176-leitlinie-diagnose-und-therapie-von-
demenzen-2016

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