Die neue hsg-Pflege-Professorin Dr. Anne Roll hat das Ziel, die Gesundheitsversorgung, die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden von Menschen mit Behinderung im Alter zu verbessern. Foto: hsg Bochum
Seit Dezember 2019 ist Dr. Anne Roll Professorin für ‚Gerontologische und geriatrische Grundlagen der Pflege‘ am Department für Pflegewissenschaft der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum). Das Ziel ihrer Forschung ist es, die Gesundheitsversorgung, die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden von Menschen mit Behinderung im Alter zu verbessern.
Dr. Anne Roll ist neue Professorin für ‚Gerontologische und geriatrische Grundlagen der Pflege‘ am Department für Pflegewissenschaft an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum). Die Gerontologie wird auch Alters- oder Alternswissenschaft genannt und ist die Wissenschaft vom Altern der Menschen.
„Es freut mich sehr, dass wir mit Frau Roll eine hochengagierte Pflegewissenschaftlerin mit Schwerpunkt Alterswissenschaft als Professorin für unser Pflege-Department gewinnen konnten. Die Studierenden werden von ihren langjährigen praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen in den USA – einem Land, in dem die Akademisierung der Pflege viel weiter ist als in Deutschland – enorm profitieren“, erklärte Prof. Dr. Markus Zimmermann, Dekan des Departments für Pflegewissenschaft an der hsg Bochum. Das sei in ihrer Zeit als Vertretungsprofessorin bereits deutlich geworden.
Das Ziel der Forschung von Anne Roll ist es, die Gesundheitsversorgung, die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden von Menschen mit Behinderung im Alter zu verbessern. In der Lehre möchte sie Studierende für die Pflege von älteren Menschen begeistern und ihnen aufzeigen, wie viele Möglichkeiten und auch Aufstiegschancen es in der Pflege gibt.
Anne Roll hat zunächst ihren Bachelor of Science in Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke absolviert, hat dann ihren Master im Rahmen des Programms ‚European Master in Gerontology‘ (EuMaG) erlangt und ihre Masterarbeit zum Thema ‚Functions and Images of Old Age Homes in South Africa‘ geschrieben. In Südafrika hat sie dafür Interviews geführt und ein Jahr an der University of South Africa (UNISA) studiert. Von 2009 bis 2012 war Roll als Lehrerin für Altenpflege an der Vitanas Akademie gGmbH, einer staatlich anerkannten Berufsschule für Altenpflege in Berlin, tätig.
Anschließend hat sie an der University of Wisconsin–Madison in den USA im PhD-Programm an der School of Nursing promoviert. Die Abkürzung PhD steht für Philosophical Doctorate (doctor philosophiae). Der Abschluss kann in jedem Forschungsfach erlangt werden und wird als internationaler Doktorgrad angesehen. In den USA hat Roll zu der steigenden Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung und den damit verbundenen gesundheitspolitischen, pflegerischen und berufspolitischen Herausforderungen geforscht.
Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der University of Wisconsin–Madison war sie an der Entwicklung einer App für pflegende Angehörige älterer Menschen unter der Leitung von Prof. Barbara Bowers (PhD) am Center of Aging an der University of Wisconsin beteiligt. Im Mai 2018 verteidigte Roll dort ihre Dissertation mit dem Titel ‚Social Networks of People with Down Syndrome‘. Die Arbeit befasst sich mit den Unterstützungsnetzwerken von älter werdenden Menschen mit Down Syndrom und den Unterstützungsmechanismen, wenn ihre Bezugspersonen – meist ihre Eltern – die pflegerische Versorgung aufgrund ihres eigenen Alters nicht mehr übernehmen können.
Roll: „Die Wohn- und Betreuungssituation ist dann in vielen Fällen ungeklärt, was oft dazu führt, dass diese Menschen mit Down Syndrom oder anderen geistigen Behinderungen in stationäre Langzeitpflegeeinrichtungen gebracht werden. Dort sind die Pflegenden derzeit auf die Pflege alter Menschen mit geistiger Behinderung oft nicht vorbereitet. Die Erforschung der sozialen Unterstützungsnetzwerke von älter werdenden Menschen mit geistigen Behinderungen ist mir wichtig, damit diesen negativen Folgen entgegen gesteuert werden kann.“
Anne Roll ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Bochum
Zum drohenden Scheitern der Nationalen Diabetes-Strategie kommentiert die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK:
Eine Diabetes-Strategie ohne den Bereich Ernährung ist keine Strategie – das ist sicherlich jedem Bürger klar, den verantwortlichen Ernährungspolitikern jedoch offenbar nicht. Auch die Dringlichkeit wird ignoriert: Diabetes ist tödlich! Jeder 5. Todesfall in Deutschland lässt sich auf Diabetes zurückführen (1). Zudem verkürzt Diabetes die Lebenszeit bei Menschen im mittleren Alter um 6 bis 12 Jahre, je nachdem ob schon zusätzlich Gefäßerkrankungen bestehen (2). Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 500.000 Menschen neu an Diabetes – das entspräche in zwei Jahren der Einwohnerzahl von Köln, in sieben Jahren der von ganz Berlin. Wir brauchen daher dringend eine nationale Diabetes-Strategie, die verbindliche Maßnahmen im Bereich Ernährung umfasst. Dazu gehört als wesentliche Maßnahme ein Verbot von an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte. Niemand außer der Industrie braucht Werbespots, die Kinder dazu animieren, mehr Süßigkeiten zu essen. Wir fordern die entsprechenden Politiker auf, endlich ihre Blockadehaltung aufzugeben, das Versprechen des Koalitionsvertrages zu erfüllen und den Weg frei zu machen für einen besseren Schutz der Gesundheit von Kindern.
(1) Jacobs E at al. Diabetes Care 2017; 40: 1703-9 (2) Emerging Risk Factor Collaboration. New Engl. J Med. 2011; 364: 829-41
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 23 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz- Kreislaufkrankheiten einsetzt. <www.dank-allianz.de>
Patientin Jutta Poisel und Oberarzt Prof. Raiskup halten zwei Bilder der Fotoausstellung in den Händen. Die linke Aufnahme zeigt, wie verschwommen die Sicht bei degenerierter Hornhautschicht ist. Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer
Nicht allein Organspenden bringen schwer kranken Menschen Lebensqualität zurück. Auch das Transplantieren von Augenhornhäuten (Kornea) sorgt dafür, dass nahezu erblindete Patienten wieder klar sehen können. Häufigste Indikation für die Übertragung von Hornhautgewebe an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden ist die Fuchs´sche Hornhaut-Dystrophie. Die dafür notwendigen Transplantate bereitet die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) vor. Die vom Dresdner Uniklinikum mit gegründete und als einer von fünf Gesellschaftern getragene gemeinnützige GmbH begleitet auch die vorhergehende Entnahme der Spenden.
Die Bereitschaft der Menschen, nach ihrem Tod Augenhornhäute oder anderes Gewebe wie bestimmte Blutgefäße zu spenden, ist ungleich höher als die von ganzen Organen. Dies spiegelt sich auch in der 2019-er Bilanz der DGFG wider. Um Menschen den Weg von der Entnahme bis zur Transplantation zu zeigen und Ihnen den Gedanken einer Gewebespende nahezubringen, hat die DGFG die Fotografin Alexandra Bidian gebeten, diesen Prozess zu begleiten. Daraus ist die Reportage „Wieder-Sehen“ entstanden, die in den kommenden Monaten in der Uni-Augenklinik zu sehen ist.
Die DGFG konnte im vergangenen Jahr deutschlandweit 2.753 Gewebespenden realisieren. 5.740 Patientinnen und Patienten wurden so zeitnah und sicher mit einem Gewebetransplantat versorgt. Mit 347 Spenderinnen und Spendern ist Sachsen das drittstärkste Bundesland in der Gewebespende im Netzwerk der DGFG. Das Dresdner Uniklinikum ist dabei nicht nur bei der Zahl der Spenden stark, sondern auch bei den Gewebetransplantationen: Insgesamt wurden 2019 an der Augenklinik 110 Augenhornhäute transplantiert. „Diese Zahlen erfüllen mich mit Genugtuung. Als einer der ersten Gesellschafter der DGFG beziehungsweise seiner Vorgängerinstitution haben wir die Grundlage für die positive Entwicklung bei der Gewebespende geschaffen. Zum Teil war dies ein steiniger Weg, den wir zurückgelegen mussten. Wir haben uns von dem Selbstverständnis leiten lassen, dass das Spenden von Geweben oder Organen ein klares Zeichen für gesellschaftliches Engagements ist – analog zur Motivation der Spender und deren Angehörige, die sich bewusst für diese Gabe entschieden haben“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums.
Zwei Fotos im Erdgeschoss der Uni-Augenklinik lassen die Folgen der Fuchs´schen Hornhaut-Dystrophie sichtbar werden: Statt klarer Konturen und dem Farbenspiel von Blüten sehen Patienten mit einer starken Degeneration der untersten Zellschicht ihrer Augenhornhäute von einem sommerlichen Blumenstrauß gerade noch ein wolkig-weißes Gebilde. Menschen in diesem Stadium können weder lesen, geschweige denn Autofahren oder sich eigenständig in unbekanntem Gelände bewegen. Dieser Sehverlust lässt sich mit einer Transplantation komplett rückgängig machen. Denn es ist eine nur fünf Mikrometer (μm) – also fünf Hundertstel Millimeter – dünne innere Zellschicht der Augenhornhaut, sogenannte Endothel, die krankheitsbedingt zum Aufquellen von Hornhautgewebe führt und dadurch die Sicht schleichend einschränkt.
Prof. Frederik Raiskup ist einer der Experten, die bei der Fuchs´schen Hornhaut-Dystrophie routinemäßig nicht mehr ganze Augenhornhäute transplantiert, sondern die hauchdünnen Lamellen. Unter dem Mikroskop setzt er einen nur drei Millimeter langen Schnitt am äußersten Rand der veränderten Hornhaut, um mit feinen Instrumenten an deren Unterseite zu kommen. Wenige Minuten sind nötig, um die degenerierte Zellschicht zu entfernen. Danach wird das von der DGFG aufbereitete und in einer sehr feinen Kanüle – auch Injektor genannt – ein aufgerolltes Transplantat unter die restliche Hornhaut geschoben und entrollt. Aufgrund seiner kurzen Dauer belastet dieser Eingriff Patienten nur sehr gering: Im Gegensatz zur herkömmlichen Transplantation aller Hornhautschichten ist ist es möglich, den Eingriff in örtlicher Betäubung vorzunehmen. Das ist auch deshalb entscheidend, weil es vor allem ältere Menschen sind, deren Sehvermögen sich aufgrund der Fuchs´schen Hornhaut-Dystrophie verringert. In Deutschland sind etwa fünf Prozent der 70 bis 80-Jährigen betroffen. Ein noch größerer Vorteil dieser Form der Gewebetransplantation ist eine äußerst geringe Abstoßungsrate. Während sie bei der Übertragung ganzer Hornhäute zwischen vier und 20 Prozent liegt, sind es bei der 2006 etablierten lamellären Transplantationstechnik lediglich ein bis drei Prozent. Geradezu beglückt sind viele transplantierte Patienten davon, dass sie bereits während des knapp einwöchigen Klinikaufenthalts häufig bis zu 70 Prozent ihrer Sehfähigkeit zurückgewinnen. Bei der Übertragung ganzer Hornhäute dauert es nicht selten ein Jahr bis zur klaren Sicht.
Wartezeit auf Augenhornhäute beträgt nur wenige Wochen Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 7.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland vorgenommen. „Mehr als jede zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen“, sagt GGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. Unter den vermittelten Hornhäuten waren 383 Hornhautlamellen (LaMEK) für die DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty); 82 davon wurden am Universitätsklinikum Dresden transplantiert. Bei einer lamellären Transplantation ersetzen Ärzte nur eine dünne Schicht der Hornhaut, wodurch sich die Sehfähigkeit der Patienten deutlich schneller erholt und das Infektionsrisiko minimal bleibt.
Auch im Universitätsklinikum Dresden konnte die DGFG zum Großteil Augenhornhautspenden realisieren: Drei Menschen spendeten kardiovaskuläre Gewebe, wie Herzklappen und Blutgefäße. 51 der insgesamt 52 Spendenden gaben ihre Augenhornhaut. Trübt sich die Augenhornhaut wegen einer Erkrankung oder Verletzung kann eine Augenhornhauttransplantation Patienten vor der Erblindung bewahren. Doch Hornhauttransplantate sind nur begrenzt verfügbar: Hinter jedem Transplantat steht ein verstorbener Mensch, der sich zu Lebzeiten für die Gewebespende nach dem Tod entschieden hat. Oft treffen auch die Angehörigen die Entscheidung.
Zusammen mit dem Universitätsklinikum macht die DGFG mit einer Fotografieausstellung auf die Möglichkeiten der Hornhauttransplantation aufmerksam. Mithilfe von Spendengeldern konnte die DGFG in 2019 eine Fotowanderausstellung initiieren, die mittlerweile in allen fünf Gesellschafterkliniken der DGFG zu sehen ist, so auch in der Augenklinik des Universitätsklinikums Dresden. Fotografin Alexandra Bidian begleitete für die Reportage „Wieder-Sehen“ eine Patientin mit Fuchs‘scher Endotheldystrophie auf ihrem Weg vom trüben Blick zurück zum klaren Sehen. Die Motive der Reportage zeigen, wo das Spendergewebe herkommt, wie es aufbereitet und gelagert wird und welche Schritte außerdem bis zur erfolgreichen Transplantation notwendig sind.
DGFG-Bilanz 2019: Ein starkes Jahr für die Gewebespende
Erneut konnte die DGFG mehr Gewebespenden realisieren: In 2019 spendeten insgesamt 2.753 Menschen ihr Gewebe. In 2018 waren es 2.732 Menschen. „Den Spendenden und ihren Angehörigen gilt unser besonderer Dank“, betont Martin Börgel. Insgesamt gingen 39.132 Meldungen potenzieller Spenderinnen und Spendern aus den Kliniken im Netzwerk bei der DGFG ein. Nach deren Prüfung auf medizinische Kontraindikationen führten die an 31 Standorten tätigen rund 50 Koordinatorinnen und Koordinatoren 7.565 Gespräche, um über die Möglichkeit der Gewebespende aufzuklären. 2.997-mal wurde einer Gewebespende zugestimmt. Die durchschnittliche Zustimmungsquote zur Gewebespende lag damit bei 40 Prozent: Gewebespende wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen.
Treibende Kraft für diese Entwicklung sind diejenigen, die im Auftrag der DGFG Gewebespenden in den Krankenhäusern koordinieren. „Sie unterstützen die Kliniken da, wo es nötig ist: vor Ort beim Spenderscreening, dem Angehörigengespräch, der Gewebeentnahme sowie bei der Klärung beispielsweise von datenschutzrechtlichen Belangen”, so Börgel. Von inzwischen 31 Standorten aus realisieren die Koordinatorinnen und Koordinatoren die Gewebespende an über 100 Krankenhäusern deutschlandweit. Im offenen Netzwerk der DGFG kooperieren zahlreiche Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde. 13 Gewebebanken im Netzwerk ermöglichen eine bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten in ganz Deutschland.
Spende von Herzklappen und Blutgefäßen: Neues Programm zeigt Erfolge
2019 konnte die DGFG 31 Spenden kardiovaskulärer Gewebe bei Herz- Kreislauf-Verstorbenen vornehmen – mehr als dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Bei dieser Form der Spende entnehmen die Koordinierenden gemeinsam mit einem Arzt das Herz mitsamt der Herzklappen oder auch die großen Blutgefäße. Dadurch war es der DGFG in 2019 möglich, insgesamt 166 Herzklappen und 111 Gefäße zur Transplantation zu vermitteln. Der Bedarf dieser Gewebe in der Transplantationsmedizin ist nach wie vor sehr hoch. Herzklappen und Blutgefäße stammten bisher aus der Organspende. Die DGFG hatte daher 2017 ein Programm zur Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) von Herz-Kreislauf-Verstorbenen initiiert. Denn auch bei der Spende dieser Gewebe spielt der Hirntod keine Rolle. Herzklappen und Gefäße können noch bis zu 36 Stunden nach Todeseintritt entnommen werden.
Amnion aus der Plazentaspende: Das Wunder in der Wundheilung
In 2019 konnte die DGFG 39 Plazentaspenden im Rahmen geplanter Kaiserschnittgeburten realisieren (28 in 2018). Aus der Plazenta wird die Amnionmembran gewonnen, die Ärzte vor allem in der Ophthalmologie zur Behandlung der erkrankten Augenoberfläche verwenden, sowie in der gynäkologischen Chirurgie, Mund-Kiefer-Chirurgie sowie als temporären Hautersatz bei thermischen Verletzungen und Wundheilungsstörungen. Insgesamt 1.802 „Wundpflaster“ kamen 2019 aus diesen Spenden Patienten deutschlandweit zugute.
Fast jeder verstorbene Mensch kann Gewebe spenden
Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran. Der Anteil der Menschen unter den Organspendenden, die Gewebespenderinnen und -spender sind, ist insgesamt sehr gering. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle: 2.386 Gewebespendende und damit knapp 90 Prozent sind an einem Herz-Kreislauf-Stillstand verstorben.
Gesetze regeln die Abläufe einer Gewebespende
Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Stelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer- Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.
Prof. Dr. Bernhard Schwaab, Wiss. Beirat der Deutschen Herzstiftung, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) Foto: Bogdan Kramliczek
Vorsätze für das neue Jahr können viel für Herz und Gefäße sowie das seelische Wohlbefinden bewirken. Nur nicht alles auf einmal vornehmen!
Neujahrsvorsätze sind ein guter Anlass, alte und überkommene Verhaltensweisen, die dem Körper und der Seele nicht guttun, aufzugeben und neue Wege zu gehen. Dabei bewirkt ein gesunder Lebensstil viel für das Herz-Kreislauf-System, nur sollte man sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Wie komme ich trotz des inneren Schweinehunds zu mehr Bewegung? Wie esse ich gesünder? Und habe ich alle meine Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall mit Hilfe eines regelmäßigen Gesundheits- Check-ups im Blick? Helfen kann dabei eine Checkliste mit sieben Schritten, die wir immer parat haben sollten. Diese Herzstiftungs- Checkliste für ein gesundes Herz 2020 beinhaltet die folgenden Tipps:
- Sei aktiv, bewege dich mehr - Iss gesünder, vermeide Zucker - Achte auf dein Gewicht - Höre mit dem Rauchen auf - Achte auf deinen Blutdruck - Behalte deinen Cholesterinspiegel im Auge - Achte auf ausreichend Entspannung im Alltag
„Neujahrsvorsätze sollte man nicht mit zu vielen neuen Gesundheitsmaßnahmen überfrachten. Wir empfehlen generell mit Bewegung anzufangen und dann erst weitere Vorsätze anzugehen: Man fühlt sich schnell besser und ist leistungsfähiger. Herzpatienten kommen dadurch besser mit der herzmedizinischen Behandlung zurecht“, betont der Kardiologe und Reha-Spezialist Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Curschmann-Klinik am Timmendorfer Strand.
Sieben Tipps für Ihr Herz
Sei aktiv, bewege dich mehr Wer sich regelmäßig bewegt, beugt wirksam Herz- und Gefäßkrankheiten, aber auch Diabetes und Krebserkrankungen wie Darm- oder Brustkrebs vor. Ideal ist Ausdauerbewegung an fünf Tagen die Woche 30 Minuten. Zum Beispiel bei einer mäßigen Ausdauerbelastung Joggen, schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen, Ergometertraining oder auch Tanzen. Am besten man gestaltet auch seinen Alltag so bewegt wie möglich: Fahrrad statt Auto und E-Roller, Treppe statt Aufzug, im Büro stehend statt sitzend telefonieren und arbeiten. „Herzpatienten sollten aber ihre Belastbarkeit mit ihrem Arzt besprechen“, rät Schwaab. Das gilt auch für Menschen ohne Erkrankung nach längerer Pause ohne sportliche Aktivität. Bewegung schützt nicht nur vor Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“), sondern wirkt sich positiv auf andere Körper- und Organfunktionen wie Zellerneuerung, Anregung der Hirnaktivität, Stoffwechselprozesse in Leber und anderen Organen aus. Infos: www.herzstiftung.de/Ausdauersport.html
Iss gesünder, vermeide Zucker Herzspezialisten propagieren die traditionelle Mittelmeerküche, weil sie erwiesenermaßen den Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch vor anderen chronischen Leiden wie Diabetes und Krebs erhöht. „Die mediterrane Kost setzt auf Obst und Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, wenig Fleisch, dafür eher Fisch, auf Oliven- und Rapsöl und auf Kräuter anstelle von Salz“, bestätigt Prof. Schwaab. Salz bindet Wasser im Körper, was einen Bluthochdruck fördern kann. Speziell der tägliche Konsum von ausreichend Gemüse und Ballaststoffen kann durch den relativ geringen Energiegehalt dazu beitragen, Übergewicht zu vermeiden, das wiederum Bluthochdruck begünstigt. Dazu schmecken die Gerichte der Mittelmeerküche lecker und sind keineswegs fade. Rezepte unter: www.herzstiftung.de/Rezept-Tipps- Mittelmeerkueche Zu viel Zucker in Lebensmitteln und Getränken erhöht das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Deshalb die Devise: Zucker in Getränken vermeiden. Auch in Lebensmitteln, in denen wir Zucker in großen Mengen gar nicht vermuten (Joghurt, Salatsaucen, Ketchup), ist Zucker enthalten. Ein Blick auf die Beschreibung der Zutaten hilft dabei, Zucker aus dem Weg zu gehen.
Achte auf dein Gewicht Zusätzlich zur Bewegung fördert die Mittelmeerküche das schrittweise Abnehmen für ein gesundes Normalgewicht. Auch lohnt es sich, den Alkoholkonsum einzuschränken. Alkohol hat viele Kalorien und kann indirekt über die Zunahme an Gewicht zu hohem Blutdruck führen. Übergewicht ist ein wichtiger und häufiger Auslöser für Bluthochdruck. Angestrebt werden sollte ein Gewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI*) von 25. Beim Taillenumfang sollten Männer weniger als 102 und Frauen weniger als 88 cm anstreben. Das Bauchfett produziert Hormone und entzündungsfördernde Botenstoffe, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken. „Jedes Kilo und jeder Zentimeter weniger wirken sich günstig auf den Bluthochdruck aus“, betont Prof. Schwaab.
Höre mit dem Rauchen auf Mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen lohnt sich! Nikotin ist ein starkes Gift für die Gefäße und Rauchen ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Arterienverkalkung (z. B. pAVK). Auf den Tabakkonsum gehen hierzulande 120.000 vorzeitige und vermeidbare Todesfälle pro Jahr zurück: verursacht durch Herzinfarkt und Schlaganfall, bösartige Tumoren und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Auch das dauerhafte Rauchen von E-Zigaretten kann nicht als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden. Es gibt unterstützende Programme zum Aufhören mit Rat und Hilfen wie Aussteigerprogramme z. B. unter www .rauchfrei-info.de/
Achte auf deinen Blutdruck Bluthochdruck ist tückisch, weil man ihn zunächst nicht spürt ihn nicht sieht („stiller Killer“). Unerkannt und unbehandelt steigt bei Bluthochdruck das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Nierenschädigung zu erleiden erheblich. Deshalb unbedingt regelmäßig den Blutdruck messen: ab Schuleintritt beim Kinderarzt und später im Rahmen von Einstellungsuntersuchungen im Beruf oder der Routineuntersuchung beim Hausarzt. Von Bluthochdruck sprechen Ärzte, wenn verschiedene Oberarm- Messungen in der Arztpraxis an unterschiedlichen Tagen Werte von 140 zu 90 mmHg oder höher ergeben. Bei Selbstmessungen für zu Hause gilt eine Obergrenze von 135 zu 85 mmHg. Die Blutdruckwerte in der Praxis dürfen etwas höher sein, weil meist die Patientinnen und Patienten bei der Messung etwas aufgeregt sind („Weißkittelhochdruck“). Um festzustellen ob ein erhöhter Blutdruck vorliegt, ist eine sorgfältige Messung erforderlich. Infos: www.herzstiftung.de/blutdruck-mehrmals-messen.html Die Werte können in einem Blutdruck-Pass protokolliert werden, um den Verlauf zu dokumentieren. Infos: www.herzstiftung.de/Blutdruckpass.html
Behalte deinen Cholesterinspiegel im Auge Erhöhte Cholesterinspiegel im Blut sind ein wichtiger Risikofaktor für koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Schlaganfall. Hohe LDL- Cholesterinspiegel verursachen Gefäßveränderungen in den Arterien des Herzens (Arteriosklerose) und auch in Hirnarterien mit der Bildung von Ablagerungen in diesen Gefäßen (Plaques). „Das belegen Studien ganz eindeutig seit Jahrzehnten“, betont Schwaab. Zusätzlich konnte in Studien gezeigt werden, dass sich eine medikamentöse Senkung erhöhter Cholesterinwerte günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Zur Infarktvorbeugung trägt eine Untersuchung des Cholesterinspiegels beim regelmäßigen Gesundheits-Check ab 35 Jahren ein Mal im Jahr beim Hausarzt bei. Eine erste Einschätzung, bis zu welcher Höhe Cholesterinspiegel noch normal sind und unter welchen Kriterien eine medikamentöse Behandlung notwendig wird, finden Sie unter: www.herzstiftung.de/cholesterin- ratgeber.html Oder Sie sprechen Ihren Arzt an.
Achte auf ausreichend Entspannung im Alltag Stress bei der Arbeit, in der Familie, in der Beziehung und noch in der Freizeit: Nicht Stress alleine macht krank, sondern fehlende Entspannung. Bei Stress wappnet sich der Körper sehr gut für die akute Problemsituation: Stresshormone werden ausgeschüttet, der Blutzucker steigt, die Insulinausschüttung nimmt zu, das Herz schlägt schneller und der Blutdruck steigt. Bei anhaltendem Stress kommen diese Vorgänge jedoch nicht zur Ruhe und schaden dem gesamten Körper. Die Folge können Entzündungsreaktionen im Körper sein, im schlimmsten Fall Diabetes, Schlaganfall, Arteriosklerose und Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Achten Sie daher auf ein Gleichgewicht zwischen Stress und Entspannung. Sorgen Sie für Inseln der Ruhe, die Sie mit Leben füllen. Also Aktivitäten, die den Stress vergessen lassen: musizieren, lesen, malen, tanzen, mit Freunden kochen, mit den Kindern spielen, einem Verein beitreten oder gemeinsam Konzerte und Sportereignisse besuchen. Auch Entspannungstechniken sind sehr hilfreich: progressive Muskelentspannung, Atemgymnastik, Yoga, Qigong oder Tai-Chi.
Vorsätze für 2020: Wie bleibt man trotz des inneren Schweinehunds dran? Für Lebensstiländerungen sind meistens alte gewohnte Strukturen im eigenen Leben aufzubrechen. „Das ist in der Regel schwierig“, so Prof. Schwaab, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) ist, und empfiehlt: „Oftmals ist es hilfreich, in sein Lebensumfeld feste Ankerpunkte einzurichten: die regelmäßige Lauf-, Walker- oder Herzsportgruppe im Verein, das mehrmalige gemeinsame Kochen mit der Familie oder mit Freunden zu Hause und für Raucher der Austausch mit Ex-Rauchern in der Selbsthilfegruppe.“ *BMI errechnet sich aus: Körpergewicht in kg geteilt durch Körperlänge² in m. Beispiel: 80 kg: 1,80 (m)² = BMI 24,7
Tipp: Der Herzinfarkt-Risikotest der Herzstiftung zur Besprechung der persönlichen Risikofaktoren für Herzinfarkt mit dem Hausarzt unter www.herzstiftung.de kann auch als Faltblatt kostenlos angefordert werden per Tel. unter 069 955128400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Ratgeber-Service zu den Risikokrankheiten von Herzinfarkt und Schlaganfall: Alle Ratgeber können auch telefonisch bestellt werden (Tel. 069 955128-400)
Daten & Fakten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. An Herz- und Kreislauferkrankungen starben 2017 insgesamt über 344.500 Menschen (2016: 338.700). (Statistisches Bundesamt/Destatis, 2019). Jährlich werden in Deutschland über 1,7 Mio. vollstationäre Fälle wegen Herzkrankheit (koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankung, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Angeborene Herzfehler) in einer Klinik behandelt, davon allein fast 218.000 wegen eines Herzinfarkts. Über 207.000 Menschen sterben jedes Jahr an einer Herzkrankheit, davon ca. 48.700 am akuten Herzinfarkt (Deutscher Herzbericht 2018).
Die Risikokrankheiten für Herzinfarkt im Überblick - Bluthochdruck: ca. 20 Mio. Erwachsene in Deutschland, davon ca. vier Mio. unerkannte Fälle. - Diabetes Mellitus: ca. 7 Mio. Betroffene. - Fettstoffwechselstörungen (Gesamtprävalenz): Insgesamt haben 64,5 % der Männer und 65,7 % der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren Fettstoffwechselstörungen (Gesamtcholesterin ≥190 mg/dl oder ärztliche Diagnose einer Fettstoffwechselstörung); davon haben jeweils mehr als die Hälfte der betroffenen Personen eine bislang unerkannte Fettstoffwechselstörung. - Rauchen ist nicht nur für Krebs und chronische Lungenleiden ein Risikofaktor, sondern auch für Herzinfarkt und Schlaganfall. An den Folgen des Rauchens sterben jedes Jahr in Deutschland zwischen 100.000 und 120.000 Menschen. - Menschen mit einer starken Belastung durch chronischen Stress zeigen deutlich häufiger eine depressive Symptomatik, ein Burnout-Syndrom oder Schlafstörungen als Menschen ohne starke Belastung durch chronischen Stress. Das Mortalitätsrisiko (alle Todesursachen) in Assoziation mit psychosozialem Stress steigt um 21%.
Quellen: Deutscher Herzbericht 2018 PLOS ONE: DOI:10.1371/journal.pone.0133493 Deutscher Gesundheitsbericht, Diabetes 2016; Bundesgesundheitsbl 2013 56:661–66 Robert Koch-Institut (2016), Gesundheit in Deutschland – die wichtigsten Entwicklungen, RKI Berlin Bundesgesundheitsbl 2013·56:749–754DOI10.1007/s00103-013-1690-9