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Gesundheit

Kopfschmerztag am 5. September: Oft helfen auch „sanfte“ Methoden

Bei Kopfschmerzen erfolgt oft viel zu schnell der Griff zur
Schmerztablette, weshalb viele Menschen an mehr als 10 Tagen im Monat
Schmerzmittel einnehmen. Das wiederum kann Kopfschmerzen verschlechtern.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen, die die Anfallshäufigkeit
nachgewiesenermaßen verringern, werden hingegen oft nicht konsequent
eingesetzt. Dabei helfen Ausdauersport, Entspannungstechniken und
Stressbewältigung gegen Spannungskopfschmerz und Migräne. Das Vermeiden
von Triggern kann die Anfallshäufigkeit senken. Bei vielen Betroffenen
lässt sich dadurch die Medikamenteneinnahme auf ein „gesundes“ Maß
reduzieren.

Kopfschmerzen sind weit verbreitet – daran will der Kopfschmerztag am 5.
September jeden Jahres erinnern. Treten sie häufig auf oder sind bereits
chronisch (das bedeutet, dass sie über drei Monate lang an mehr als 15
Tagen im Monat auftreten), sollten sie ärztlich abgeklärt werden. In der
Regel stehen sie zwar für sich (man spricht vom idiopathischen
Kopfschmerz), aber manchmal können sie auch Symptom einer anderen
Erkrankung sein. Das kann der Hausarzt oder Neurologe feststellen und
natürlich auch, unter welcher Kopfschmerzart man leidet. Das ist wichtig,
denn Kopfschmerzen werden eben nicht alle gleichbehandelt. Was bei der
einen Kopfschmerzart wirkt, hilft bei der anderen nicht. Daher ist die
korrekte Diagnose wichtig. Damit der Arzt die stellen kann, ist es ratsam,
den Schmerz zu dokumentieren (Ist er stechend oder dumpf? Geht er mit
Übelkeit einher? Wie häufig tritt er auf und in welchen Situationen? Wie
oft wurden Schmerzmedikamente eingenommen? etc.). Die häufigsten
Kopfschmerzarten sind der Spannungskopfschmerz und die Migräne. Von
letzterer ist allein jede fünfte Frau und fast jeder zwölfte Mann
betroffen.

Mit Biofeedback und Entspannungstechniken gegen Spannungskopfschmerz
Der chronische Spannungskopfschmerz tritt mit zunehmendem Lebensalter
häufiger auf, Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Als
Ursache werden das Zusammenspiel einer verhärteten Nackenmuskulatur und
Stress vermutet, dafür spricht auch, dass die Erkrankungsrate in den
Industrienationen höher als in Entwicklungsländern ist. Chronisch ist der
Spannungskopfschmerz, wenn er an über 15 Tagen im Monat auftritt, was bei
etwa 3% der Bevölkerung der Fall ist. Weniger häufig sind sogar 40-90% der
Bevölkerung betroffen. Umso wichtiger ist zu wissen, was hilft. Die
meisten Menschen greifen schnell zu freiverkäuflichen Schmerzmitteln, die
auch in der Regel schnell Linderung verschaffen, allerdings einen
„Pferdefuß“ haben: Werden sie zu oft eingenommen (über ein Vierteljahr
mehr als zehnmal im Monat), verursachen sie selbst Kopfschmerzen. „Daher
lohnt es sich, auch nichtmedikamentöse Maßnahmen auszuprobieren, zumal
bekannt ist, dass die Kombination aus pharmakologischer Therapie und
Stressbewältigungstraining erfolgreicher ist als die alleinige Einnahme
von Tabletten“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, ein international
renommierter Kopfschmerzexperte und Pressesprecher der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie. Die Leitlinien [1] stufen die sogenannte EMG-
basierte Biofeedback-Therapie als wirksam ein, ebenso wie
Entspannungstechniken (PMR) und Verhaltenstherapie. Wirksam seien
wahrscheinlich auch Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie.
„Diese Verfahren zeigen erst langfristig Wirkung, aber auch in der
Akutsituation gibt es eine Alternative für Schmerztabletten: Vielen
Menschen mit Spannungskopfschmerzen hilft es, wenn sie großflächig auf
Nacken und Schläfen Pfefferminzöl auftragen.“ Natürlich sei es nicht bei
allen Patienten in jeder Situation möglich, Schmerzmittel wegzulassen,
aber wichtig sei, durch begleitende nichtmedikamentöse Maßnahmen die
Anfallshäufigkeit zu reduzieren, damit eine Schmerzmitteleinnahme nicht an
mehr als 10 Tagen im Monat erforderlich wird. „Denn alles, was darüber
hinaus geht, kann in einen Teufelskreis führen“, so der Experte. Bei
besonders schweren Fällen kann auch eine medikamentöse Dauertherapie
notwendig werden, aber dann nicht mit Schmerzmitteln, sondern mit anderen
Medikamenten. Als wirksam gegen Kopfschmerzen des Spannungstyps hat sich
beispielsweise die Dauertherapie mit Amitriptylin erwiesen, einer
Substanz, die eigentlich der Klasse der Antidepressiva angehört.

Migräne: Mit Ausdauersport, Entspannungsverfahren und Vermeiden von
Triggern die Anfallshäufigkeit senken
Das gleiche Problem, nämlich, dass Medikamente gegen Kopfschmerzen zu
Kopfschmerzen führen, gibt es auch in der Migränetherapie. Sogenannte
Triptane, bewährte Migränemedikamente, können bei mehr als 10
Einnahmetagen/Monat über mindestens 3 Monate einen
Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz auslösen. „Daher sollten Menschen mit
Migräne alles daran setzen, die Anzahl der Migräneanfälle zu reduzieren,
indem sie die ihnen bekannten Auslöser („Trigger“) meiden und die in den
Leitlinien [2] empfohlenen nicht-medikamentösen Maßnahme zur
Anfallsprophylaxe ernst nehmen und konsequent umsetzen, und zwar:
regelmäßig Ausdauersport zu treiben“, so Prof. Dr. Peter Berlit,
Generalsekretär der DGN. Grundsätzlich sollte auch bei der Migräne eine
medikamentöse Therapie immer durch nichtmedikamentöse Verfahren der
Verhaltenstherapie (z.B. Entspannungsverfahren) ergänzt werden. „Durch
eine solche Anfallsprophylaxe, dem Vermeiden von bekannten individuellen
Triggern, wie z.B. visuellen Reizen oder Rotwein, dem regelmäßigen
Ausdauersport und mit Entspannungsverfahren schaffen es viele Patienten
mit Migräne, ihre Anfallsfrequenz so zu senken, dass sie nicht an mehr als
10 Tagen Medikamente einnehmen müssen. Kommt es aber zu einem
Migräneanfall, ist es wichtig, so früh wie möglich die Tabletten
einzunehmen, dann sind sie wirksamer“.

Natürlich, so räumt Professor Diener ein, gelingt eine solche
Anfallsprophylaxe nicht bei allen Patienten. Für die Menschen, die durch
die Migräne stark gebeutelt sind, gibt es aber zunehmend mehr
Therapieoptionen. „Seit Mitte des letzten Jahres sind verschiedene
Antikörpertherapien auf den Markt, die bei Patienten, die darauf
ansprechen, sehr wirksam Migräneanfällen vorbeugen und deutlich zur
Lebensqualität beitragen. Allerdings spricht nur etwa die Hälfte der
Betroffenen auf die Therapie an. Deshalb, aber auch letztlich auch wegen
der hohen Therapiekosten sollten vorher alle anderen Optionen ausgeschöpft
worden sein, bevor diese Migränespritzen zum Einsatz kommen. Wichtig ist,
dass bei jeder Kopfschmerzerkrankung auch die nichtmedikamentösen
Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Daran möchten wir am Kopfschmerztag
erinnern“, so das Fazit des Experten.

Literatur

[1] S1-Leitlinie: Therapie des episodischen und chronischen Kopfschmerzes
vom Spannungstyp und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen.
https://www.dgn.org/leitlinien/3019-ll-56-ll-therapie-des-episodischen-
und-chronischen-kopfschmerzes-vom-spannungstyp

[2] S1-Leitlinie: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne.
https://www.dgn.org/leitlinien/3583-ll-030-057-2018-therapie-der-
migraeneattacke-und-prophylaxe-der-migraene

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Nephrologen fordern schnelle Behebung der Lieferengpässe bei Hepatitis B-Impfstoff

Aktuell beklagen Nephrologen Einschränkungen in der adäquaten Versorgung
ihrer Patienten wegen der seit längerem bestehenden Lieferengpässe bei
Impfstoffen gegen Hepatitis B. Die Gründe des Mangels sind für Ärzte und
Patienten schwer nachvollziehbar. Die DGfN befürchtet, dass solche
Engpässe die ohnehin bestehende Impfmüdigkeit vieler Patienten verstärkt
und fordert das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf, sich dieses
Problems nachhaltig anzunehmen, damit für nierenkranke Patienten
empfohlene Impfstoffe ohne Unterbrechungen verfügbar sind.

Infektionen mit Hepatitis-B-Viren (HBV) gehören weltweit zu den häufigsten
Infektionskrankheiten. Die Erkrankung ist bei 90 % der betroffenen
Erwachsenen mit einer Gelbsucht verbunden, ca. 10 % der Infektionen
chronifizieren, was zu Komplikationen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs
führen kann. Bei etwa einem Prozent der Erwachsenen endet die Krankheit
tödlich. Eine medikamentöse Therapie – vor allem der chronischen Form –
ist schwierig, wohingegen eine Impfung einen guten Schutz bietet und viel
Leid erspart. Patienten, die häufig Blutprodukte erhalten oder
dialysepflichtig sind, stellen grundsätzlich eine gefährdete
Personengruppe dar. Bei diesen Patienten ist das Immunsystem geschwächt,
so dass das Infektionsrisiko trotz individueller Unterschiede allgemein
als erhöht einzustufen ist.

Um einer Infektion vorzubeugen, hat die Prävention von Erkrankungen, gegen
die es Impfstoffe gibt, bei diesen Personen eine hohe Relevanz. Deshalb
ist die Impfung gegen Hepatitis B für Patienten mit chronischer
Nierenkrankheit/Dialysepflicht in der Empfehlung der Ständigen
Impfkommission am Robert Koch Institut (STIKO) enthalten und wird auch von
den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Grundimmunisierung besteht aus
drei Impfungen und sollte nach 10 Jahren aufgefrischt werden. Für die
Impfung von Dialysepatienten sind Hepatitis-B-Impfstoffe mit erhöhter
Antigenkonzentration zugelassen. Eine Anti-HBs-Kontrolle sollte 4–8 Wochen
nach Abschluss der Impfserie erfolgen. Da es bei Dialysepatienten zu einem
raschen Verlust des Impfschutzes kommen kann, wird eine jährliche
Kontrolle der Anti-HBs-Spiegel empfohlen. Bei Werten <100 IE/l sollte eine
sofortige Auffrischung erfolgen [1].

Aktuell verweisen die Herstellerfirmen auf Lieferengpässe der für
nierenkranke Patienten empfohlenen Impfstoffe HBVaxPro, der
voraussichtlich erst ab Januar 2020 wieder verfügbar sein wird, und
Fendrix Injektionssuspension, dessen Wiederverfügbarkeit in Kürze erwartet
wird. Als jeweils alternative Impfoption wird Engerix-B-Erwachsene
aufgeführt [2]. Dieser Impfstoff hat allerdings keine spezielle Empfehlung
für Personen, die an einer Niereninsuffizienz leiden (einschließlich
Hämodialysepatienten).

Die Gründe für Engpässe sind vielfältig: erhöhte Nachfrage, Grundstoff-,
Herstellungsprobleme oder die Verlagerung von Produktionsstandorten aus
wirtschaftlichen Gründen. „Wie auch immer, es muss dafür gesorgt werden,
dass der Impfschutz der Bevölkerung und besonders der vulnerablen
Patientengruppen gewährleistet ist“, fordert DGfN-Präsident Professor Dr.
Andreas Kribben. Es sei durch gesetzliche Maßnahmen oder über andere
geeignete Hebel sicherzustellen, dass es zu keinen Komplettausfällen
kommt. „Wir erwarten, dass das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die
‚Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell
übertragbaren Infektionen (STI) bis 2030‘ [3] mit dem Ziel der
nachhaltigen Eindämmung dieser Infektionskrankheiten mit geeigneten
Regelungen umsetzt“, erklärt Prof. Kribben und fügt hinzu: „Angesichts
einer zunehmend zu beobachtenden Impfskepsis bzw. Impfmüdigkeit und
bestehenden Informationsdefiziten zum Impfschutz sollte auch der
Aufklärung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Aber wenn das
funktioniert und die Bereitschaft zur Impfung geweckt ist, muss der
Impfstoff natürlich auch verfügbar sein“, so Kribben. Die DGfN appelliert
an die Politik, dafür Sorge zu tragen, und regt an, eine verantwortliche
behördliche Stelle einzurichten, die die Aufgabe hat, Impfstoff- und
Medikamentenengpässen entgegenzuwirken. „Lieferengpässe von Impfstoffen
und Medikamenten stellen ein zunehmendes Problem dar, das die Versorgung
der Patienten gefährdet“, so Prof. Kribben.

[1]
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/34_18.pdf?__blob=publicationFile
[2] https://www.gelbe-liste.de/lieferengpaesse/lieferengpass-
hbvaxpro-40-mikrogramm)
[3] Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Strategie zur Eindämmung
von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
Bis 2030 - Bedarfsorientiert Integriert Sektorübergreifend 2016

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Professor Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)  Mike Auerbach

Intensivpflege: Mediziner fordern verbesserte Versorgung für außerklinisch künstlich beatmete Patienten

Professor Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)  Mike Auerbach
Professor Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) Mike Auerbach

Gewinnmaximierung auf Kosten schwerkranker Patienten: Statt von der
künstlichen Beatmung schnellstmöglich entwöhnt zu werden, werden
Betroffene oft so lange wie möglich an Maschinen angeschlossen. Der Grund
ist oft finanzieller Natur. Für die Versorgung eines Beatmungspatienten im
eigenen Zuhause erhalten Anbieter pro Monat bis zu 25.000 Euro,
spezialisierte Pflegeeinrichtungen verlangen von Angehörigen bis zu 3.000
Euro pro Monat. Diese Entwicklung will Bundesgesundheitsminister Jens
Spahn mit dem heute öffentlich gemachten Entwurf zum „Reha- und
Intensivpflege-Stärkungsgesetz“ stoppen.

„Wir unterstützen diese wichtige Initiative und fordern den
Bundesgesundheitsminister auf, Vertreter der Intensivmedizin jetzt in die
Ausgestaltung des Gesetzes miteinzubeziehen“, sagt Professor Uwe Janssens,
Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI). „Nur Ärzte aus der Intensivmedizin sollten eine
fachgerechte Indikation für eine außerklinische Beatmung stellen dürfen.
Zudem muss der Patientenwille zwingend eingehalten werden.“

Es ist dringend an der Zeit zu handeln: „Auch wir haben in den vergangenen
Jahren eine überproportionale und nicht mehr zu verantwortende Zunahme an
außerklinisch behandelten Intensivpatienten beobachtet. Dies belastet das
gesamte Gesundheitssystem“, sagt Uwe Jassens, Chefarzt der Klinik für
Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital
in Eschweiler. Besonders die Zahl der künstlich beatmeten Patienten habe
sich drastisch erhöht. Schätzungen gehen heute von rund 30.000 Betroffenen
aus, 2005 waren es lediglich 1.000 Patienten. Inzwischen haben sich in
ganz Deutschland sogenannte Beatmungs-WGs gebildet, in denen mehrere
Patienten gleichzeitig betreut werden. „Gerade hier ist zu befürchten,
dass die hohen Anforderungen an die Qualität einer intensivmedizinischen
Versorgung dort nicht erfüllt und auch nicht ausreichend kontrolliert
werden“, sagt Janssens.

Steigende Qualitätsanforderungen für die Versorgung von Beatmungspatienten

Der neue Gesetzesentwurf sieht vor, dass Intensivpflege mit Beatmung
Zuhause nur noch in Ausnahmefällen stattfinden darf. Für Pflege-WGs und
ambulante Versorgung sollen die Qualitätsanforderungen massiv erhöht
werden, gleichzeitig sollen die Eigenanteile einer Unterbringung in
Spezialeinrichtungen auf zehn Euro pro Tag und maximal 280 Euro pro Monat
gedeckelt werden. Ein finanzieller Anreiz soll zudem dafür sorgen, dass
Krankenhäuser Patienten häufiger von der künstlichen Beatmung entwöhnen.
Die DIVI unterstützt dieses Vorhaben, fordert die Verantwortlichen aber
dazu auf, zwei wichtige Aspekte mit in die neue Gesetzgebung aufzunehmen,
um auch zukünftig die Qualität der Intensivversorgung zu sichern: Zum
einen muss eine Indikation durch Ärzte aus der Intensivmedizin
gewährleistet sein. Zum anderen muss zwingend der Patientenwille beachtet
werden.

Ärzte und Patienten müssen im Mittelpunkt des Gesetzes stehen

Die DIVI betont, dass die Indikation für eine außerklinische,
intensivmedizinische Versorgung von einem Arzt aus dem
intensivmedizinischen Bereich getroffen werden sollte. Auch der
Patientenwille müsse bei einer außerklinischen intensivmedizinischen
Behandlung wie der künstlichen Beatmung unbedingt Beachtung finden, so
DIVI-Präsident Janssens. „Eine solche Behandlung muss durch den
Patientenwillen gedeckt sein, da sie sowohl für den Betroffenen als auch
für die Angehörigen eine große Belastung darstellt. Ökonomische Interessen
dürfen hier keinesfalls eine Rolle spielen.“ Die DIVI fordert, dass bei
einer bestehenden außerklinischen intensivmedizinischen Behandlung oder
Beatmung die Notwendigkeit in regelmäßigen Abständen durch eine
unabhängige Expertengruppe überprüft werden sollte.

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Feinstaub: Unterschätztes Risiko für Herz und Gefäße Herzstiftung warnt vor Gesundheitsschäden durch Feinstaub

Luftschadstoffe wie Stickstoffoxide und Feinstaub gelten als besonders
gesundheitsschädlich. Vielen Menschen ist spätestens seit den öffentlichen
Diskussionen um Dieselfahrverbote und die Abschaltung von
Braunkohlekraftwerken besonders Stickstoffoxid aus Verbrennungsmotoren und
Feuerungsanlagen für Kohle (auch Öl, Gas, Abfälle) als Verursacher von
Entzündungsprozessen bekannt, die mit einer Zunahme von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen einhergehen. „Feinstaub ist aber das größere, vor allem aber
das noch immer unterschätzte Gesundheitsrisiko“, betont der Kardiologe und
Pharmakologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz in der aktuellen Ausgabe von
HERZ heute, der Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung
(www.herzstiftung.de). „Je größer die Feinstaubkonzentration in der
Atemluft ist, desto wahrscheinlicher sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“
Dass Feinstaub ein ebenso großer Risikofaktor von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen ist wie die klassischen Faktoren, also hoher Blutdruck,
Rauchen, Zuckerkrankheit und hohes LDL-Cholesterin, bestätigte 2019 eine
Studie in der Fachzeitschrift „European Heart Journal.“ (1)

Was macht Feinstaub zum Risiko für Herz und Gefäße?
Das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung steigt dadurch, dass
Feinstaub, insbesondere der Ultrafeinstaub bei einer Partikelgröße kleiner
als 0,1 Mikrometer (= Größe eines Virus) nach Inhalation durch das
Lungenepithel sofort in die Blutbahn übertritt und von dort in die
Gefäßwand. „Dadurch werden chronische Entzündungsprozesse ausgelöst und
damit die Arteriosklerose begünstigt. Bei Menschen, die chronisch der
Luftverschmutzung ausgesetzt sind, kann es zum vorzeitigen Ausbruch der
wichtigsten Erkrankungen in den Gefäßen, die das Herz und das Gehirn
versorgen, kommen. Folgen sind Herzinfarkte und Schlaganfälle“, erläutert
Prof. Meinertz. Insbesondere ältere Patienten mit Herz- und
Lungenerkrankungen sollten sich bei hoher Luftverschmutzung besonders
wenig außerhalb des Hauses aufhalten.
Das Gefährdungspotenzial von Feinstaub für die Gesundheit sehen auch das
Umweltbundesamt und Wissenschaftler der Nationalen Akademie Leopoldina.
Sie halten die Feinstaub-Grenzwerte für zu lax und sie sehen eine
Absenkung der Feinstaubgrenzwerte und eine „nachhaltige Verkehrswende“ als
notwendig. Auch die Deutsche Herzstiftung hält schärfere Grenzwerte im
Sinne des vorsorglichen Gesundheitsschutzes für zwingend erforderlich.
„Saubere Luft ist ein hohes Gut: Je sauberer die Luft ist, desto seltener
leiden die Menschen an Schlaganfällen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Lungenkrebs oder Atemwegsproblemen. Das haben zahlreiche Studien gezeigt.
Jetzt ist entschlossenes politisches Handeln notwendig“, fordert der
Herzstiftungs-Experte.

(1) Lelieveld, Jos et al. (2019), "European Heart Journal", doi
org/10.1093/eurheartj/ehz135

Hintergrund:
Feinstaubpartikel teilt man ihrer Größe nach in Gruppen ein, je winziger
die Teilchen sind, desto weiter können sie in den Körper vordringen:
Partikel kleiner als zehn Mikrometer (PM 10) verbleiben größtenteils in
den oberen Atemwegen; Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5)
gelangen bis in die Lungenbläschen. Ultrafeine Partikel (Ultrafeinstaub)
mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer können in den
Blutkreislauf übertreten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt einen Grenzwert von zehn
Mikrogramm Feinstaub (Partikelgröße 2,5) pro Kubikmeter Luft als Vorgabe.
Deutschland – wie die gesamte Europäische Union – liegt mit einem
Grenzwert im Jahresmittel von 25 Mikrogramm (PM 2,5) beziehungsweise 40
Mikrogramm (PM 10) pro Kubikmeter Luft erheblich über der WHO-Empfehlung.
Eine Feinstaubkonzentration von mehr als zehn Mikrogramm pro Kubikmeter
Luft verkürzt nach Studienergebnissen des Projekts „Global Burden of
Disease“ (2004) der WHO die durchschnittliche Lebenserwartung statistisch
um rund ein Jahr. Weltweit, schätzt die Fachzeitschrift „Lancet“ (2017),
ist die Luftverschmutzung für etwa neun Millionen vorzeitige Todesfälle
verantwortlich.

Mehr zum Thema Feinstaub als Herz-Kreislauf-Risikofaktor und weitere
Literaturhinweise erhalten Sie in dem Beitrag „Dicke Luft“ in der
aktuellen Ausgabe von HERZ heute 3/2019.

HERZ heute jetzt modernisiert und in neuer Gestalt: Probeexemplar
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Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Mitglieder der Deutschen
Herzstiftung erhalten die Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung
regelmäßig und kostenfrei. Ein kostenfreies Probeexemplar der neuen
Ausgabe HERZ heute 3/2019 ist unter Tel. 069 955128400 oder per E-Mail
unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

Hinweis für Redaktionen: Ein Rezensionsexemplar der aktuellen Ausgabe von
HERZ heute erhalten Sie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Bildnachweis Coverfoto: Anja Lehmann

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Bildnachweis Collage: DHS; Foto: Adobe Stock/kichigin 19, Infografik:
Alexandra Vent

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Bildnachweis Portrait: Foto: Andreas Riess

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