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Gesundheit

Menschliche Zellkulturen helfen dabei, entzündliche Darmerkrankungen besser zu verstehen.  Bildquelle: Universität Hohenheim / Thomas Kufer

Entzündliche Darmerkrankungen: Seltene Erbkrankheit offenbart neue Zusammenhänge

Menschliche Zellkulturen helfen dabei, entzündliche Darmerkrankungen besser zu verstehen.  Bildquelle: Universität Hohenheim / Thomas Kufer
Menschliche Zellkulturen helfen dabei, entzündliche Darmerkrankungen besser zu verstehen. Bildquelle: Universität Hohenheim / Thomas Kufer

Aktuelle Studie der Universität Hohenheim und ihrer Kooperationspartner
leistet Beitrag zum Verständnis von Autoimmunerkrankungen / Publikation in
Nature Communications

Ausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen, Entzündungen im Darm – das „Familiäre
kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom“ (FCAS) ist zwar äußerst
selten, doch für die Betroffenen sehr belastend. Die Patienten weisen eine
Genmutation auf, wodurch die Funktion eines Proteins namens NLRP12 gestört
ist, das normalerweise Entzündungsprozessen entgegenwirkt. Soviel war
bereits bekannt. Doch nun haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim
in Kooperation mit französischen Kollegen der Universität Sorbonne in
Paris, der Universität Orleans, dem Institut Pasteur in Lille sowie der
Universität Tübingen nachgewiesen, dass an dem Vorgang ein weiteres
Protein, das sogenannte NOD2, beteiligt ist – eine Erkenntnis, welche die
Forschung zu entzündlichen Darmerkrankungen ein wesentliches Stück
vorantreibt. Ihre Ergebnisse haben die Forscher jetzt im
Wissenschaftsjournal Nature Communications veröffentlicht:
https://doi.org/10.1038/s41467-018-07750-5

NOD2 spielt im Immunsystem eine wichtige Rolle: Das Protein erkennt
einerseits Fremdstoffe wie eingedrungene Bakterien oder Viren und
reguliert andererseits die Darmbakterien. „In unserer Arbeit konnten wir
feststellen, dass NOD2 durch das Protein NLRP12 beeinflusst wird“, erklärt
Prof. Dr. Thomas Kufer, Immunologe an der Universität Hohenheim.

Diese Erkenntnis sei neu: „Im gesunden Organismus wird NOD2 von NLRP12
abgebaut. Das fördert die Toleranz gegenüber Mikroorganismen, so dass die
nützlichen Darmbakterien nicht angegriffen werden. Dies können bestimmte
Krankheitserreger jedoch auch ausnutzen – die Gefahr einer Infektion mit
pathogenen Darmbakterien steigt.“

Wenn bei einer Mutation, wie im Falle der seltenen Erbkrankheit FCAS,
NLRP12 seine Funktion verliert, dann spricht der Organismus stärker auf
NOD2-Antworten an. Die Folge: Der Toleranzmechanismus funktioniert
schlechter. „Es entstehen Immunzellen, die verstärkt Entzündungen
hervorrufen können.“ Ein Effekt, der bei entzündlichen Darmerkrankungen
eine große Rolle spielt.

Baustein zum Verständnis entzündlicher Darmerkrankungen

Um diesen Zusammenhängen auf die Spur zu kommen, hat das Team um Prof. Dr.
Kufer an der Universität Hohenheim in vitro gearbeitet. Das heißt, die
Forscher setzten menschliche Zellkulturen aus der sogenannten HEK-293T-
Zelllinie ein, in denen sie die Funktion der untersuchten Proteine
analysierten.

Haupt-Koordinator der Studie war Dr. Mathias Chamaillard vom INSERM
(Institut national de la santé et de la recherche médicale) und dem
Institut Pasteur in Lille. In seiner Arbeitsgruppe wurden Versuche mit
gentechnisch veränderten Mäusen durchführt. Die Partner an der Sorbonne
und in Orleans haben Patientenkohorten zur Verfügung gestellt und die
Wissenschaftler der Universität Tübingen ihre Expertise in bakteriellen
Infektionen.

„Die Erkenntnisse, die wir aus unserer Studie gewonnen haben, sind von
medizinscher Relevanz. Auch zum Beispiel bei der entzündlichen
Darmerkrankung Morbus Crohn spielen sie eine wichtige Rolle“, betont Prof.
Dr. Kufer. „Wir hoffen, dass es zur Erklärung dieser Erkrankungen
beiträgt, wenn wir die Funktionsweise der beteiligten Proteine besser
verstehen. Nur so können wir neue Behandlungswege für diese Krankheiten
finden.“

HINTERGRUND: Menschliche Zellkulturen mit HEK-Zelllinien

HEK-Zellen sind menschliche embryonale Nierenzellen, das Kürzel HEK steht
für „Human Embryonic Kidney“. Sie werden seit Anfang der 1960er-Jahre
hergestellt. Die Zelllinie HEK-293T, die in dieser Studie von den
Hohenheimer Forschern eingesetzt wurde, entstand 1973 an der Universität
Leiden (Niederlande). Ihr wurde Fremd-Erbgut eingeführt, und so erhielten
die Zellen künstlich Charakteristika einer Krebszelle. In der Zellbiologie
sind sie, etwa zur Entwicklung von Virenimpfstoffen oder
Chemotherapeutika, weit verbreitet, da sie vergleichsweise leicht zu
kultivieren sind.

Aktuelle Publikation

S. Normand, N. Waldschmitt, A. Neerincx, J. Martinez-Torres, C. Chauvin,
A. Couturier-Maillard, O. Boulard, L. Cobret, F. Awad, L. Huot, A.
Ribeiro-Ribeiro, K. Lautz, R. Ruez, M. Delacre, C. Bondu, M. Guilliams, C.
Scott, A. Segal, S. Amselem, D. Hot, S. Karabina, E. Bohn, B. Ryffel, L.
F. Poulin, T. A. Kufer & M. Chamaillard (2018): Proteosomal degradation of
NOD2 by NLRP12 promotes bacterial tolerance and colonization by enteric
pathogens. Nature Communications,
https://doi.org/10.1038/s41467-018-07750-5

  • Aufrufe: 381
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Kardiologe und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung.  Foto: Andreas Riess

Schwere Last: Depression bei Herzschwäche Herzstiftungs-Experten informieren über Behandlungsmöglichkeiten, die Betroffenen und Angehörigen helfen

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Kardiologe und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung.  Foto: Andreas Riess
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Kardiologe und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Foto: Andreas Riess

Luftnot, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Wassereinlagerungen
in den Beinen: Herzschwäche (Herzinsuffizienz) schränkt bei vielen
Betroffenen massiv die Lebensqualität ein. „Zu den körperlichen
Beschwerden kommen häufig psychische Probleme wie Depression, Angst und
eine verringerte geistige Leistungsfähigkeit hinzu. Mindestens ein Viertel
der Patienten mit Herzschwäche hat nicht nur depressive, sondern auch
ängstliche Symptome“, berichtet Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas
Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.
Klassische Antidepressiva sind bei Patienten mit Herzschwäche häufig nicht
geeignet oder weniger wirksam als bei Depressiven ohne körperliche
Einschränkungen. Welche Therapien Herzpatienten mit Depression helfen
können und wo sie Hilfe finden, darüber informiert der Ratgeber „Das
schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“, den man
unter www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie kostenfrei bestellen
kann. Nach aktuellen Schätzungen leiden mehr als drei Millionen Menschen
in Deutschland an einer Herzschwäche. Je schwerer die Herzschwäche ist,
umso mehr Patienten werden depressiv.

Viele Antidepressiva sind für Herzpatienten ungeeignet
Bei vielen herzgesunden Menschen mit Depression sind Antidepressiva gut
wirksam. „Liegt eine Herzschwäche vor, ist besonders kritisch zu prüfen,
ob Antidepressiva eingenommen werden sollten“, betont Herzspezialist Prof.
Dr. med. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am Deutschen
Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) am Universitätsklinikum Würzburg.
Insbesondere die sogenannten trizyklischen Antidepressiva sollten wegen
vegetativer Nebenwirkungen sowie der Gefahr von Herzrhythmusstörungen und
einer Steigerung der Infarkthäufigkeit bei Herzkranken möglichst vermieden
werden. Sogenannte Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind
zwar besser verträglich, können aber ungünstige Wechselwirkungen mit
manchen Herzmedikamenten haben. Neuere Studien, die SSRI mit einem
Scheinmedikament verglichen, haben zudem gezeigt, dass SSRI bei vielen
Patienten mit symptomatischer Herzschwäche – wie übrigens auch bei anderen
chronischen körperlichen Erkrankungen (z. B. der Niere) – depressive
Symptome nicht mildern.

Mit Sport und Psychotherapie gegen die Depression
Warum Antidepressiva bei Herzschwächepatienten schlechter zu wirken
scheinen als bei Herzgesunden, ist noch nicht abschließend erforscht.
Möglich ist aber, dass die Depressionsursachen bei schweren chronischen
Krankheiten wie der Herzschwäche andere sind als bei körperlich gesunden
Menschen. Dennoch gibt es auch für Patienten mit Herzschwäche gute
Möglichkeiten, die depressiven Symptome zu behandeln. „Psychotherapie, vor
allem kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit regelmäßiger
körperlicher Aktivität, kann oft sowohl die Stimmung als auch die
Lebensqualität von Herzpatienten verbessern“, erläutert die Kardiologin
Prof. Dr. med. Christiane E. Angermann vom DZHI. „Durch die kognitive
Verhaltenstherapie können im Gespräch mit dem Therapeuten negative
Denkmuster und Einstellungen sowie Defizite in der Wahrnehmung abgebaut
werden.“ Körperliches Training verbessert die Durchblutung in Gehirn und
Muskulatur und stärkt dadurch die körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit von Herzpatienten. „All das wirkt sich auch günstig auf
die Depression und deren Symptome wie verminderte Konzentrationsfähigkeit
und Schlaflosigkeit aus.“ Herzschwächepatienten mit Depression können
zudem von einer optimalen Dosierung der Herzmedikamente und von gezielt
auf die Herzschwäche zugeschnittenen multidisziplinären
Betreuungsprogrammen profitieren.*

So erkennen Sie eine Depression
Nicht immer wird Depression bei Herzpatienten frühzeitig erkannt. Das kann
sich wiederum negativ auf die Herzschwäche auswirken, denn depressive
Menschen halten sich oftmals weniger genau an Therapieempfehlungen, essen
häufig unvernünftig oder bewegen sich zu wenig. Umso wichtiger ist es,
dass Ärzte und Patienten auf psychisch bedingte  Begleitsymptome besonders
achten. Als Hauptsymptome einer Depression gelten:
- Anhaltend gedrückte, depressive Stimmung
- Interessenverlust, Freudlosigkeit
- Antriebsmangel
- Erhöhte Ermüdbarkeit

Daneben können weitere Symptome wie Schlaflosigkeit, verminderte
Konzentration oder Schuldgefühle auftreten. Trotzdem kann die Depression
von Ärzten und sogar von den Betroffenen leicht übersehen werden, da eben
auch die Herzerkrankung selbst mit ähnlichen Symptomen, nämlich Müdigkeit,
Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und häufig auch Schlafstörungen
einhergeht. Verschiedene Fragebögen, über die der Herzstiftungs-Ratgeber
„Das schwache Herz“ informiert, ermöglichen es Patienten, sich selbst auf
Anzeichen einer Depression zu testen. Besonders bewährt hat sich hier der
im Internet frei verfügbare Gesundheitsfragebogen (PHQ)*, der entweder von
Patienten selbst ausgefüllt oder auch leicht in das ärztliche
Patientengespräch integriert werden kann. Fällt der Test positiv aus,
sollte immer der Rat eines Spezialisten eingeholt werden, um die
Verdachtsdiagnose zu sichern. Je früher Depression erkannt und die
komplexen Wechselwirkungen mit der Herzschwäche bei der Behandlung nach
den individuellen Bedürfnissen jedes Patienten berücksichtigt werden, umso
besser stehen die Chancen, wieder gesünder und leistungsfähiger zu werden
und mehr Lebensqualität zurück zu gewinnen.

Experten-Ratgeber: Wichtige Informationen zum Thema Depressionen bei
Herzschwäche bietet die Deutsche Herzstiftung in dem Experten-Ratgeber
„Das schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“
kostenfrei an. Der Band (160 S.) kann angefordert werden unter Tel. 069
955128400 oder unter www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

Video-Clips: Herzschwäche – Formen und Symptome (Prof. Thomas Meinertz)
https://www.youtube.com/watch?v=NB9zC9XgLzs
https://www.youtube.com/watch?v=GKGDSf92uIw

*Ganzheitliche Betreuung: Direkter Draht zum Patienten
Die Studie zum ersten Betreuungsprogramm in Deutschland „Heart-NetCare-HF“
(Angermann et al., Circ Heart Fail 2012) an über 700 Patienten hat
nachgewiesen, dass das interdisziplinäre Versorgungsprinzip aus Ärzten
verschiedener Fachrichtungen wie Kardiologie, Diabetologie, Psychologie,
ergänzt durch direkte Ansprechpartner in Form eines speziell ausgebildeten
Pflegepersonals, den Krankheitsverlauf günstig beeinflusst. Dieses
spezielle Pflegepersonal lernt seine Patienten persönlich kennen und
bleibt mit ihnen telefonisch in Kontakt, wenn sie bereits aus der Klinik
nach Hause entlassen werden. Es überwacht und schult unter Anleitung eines
Krankenhauskardiologen die Patienten und Angehörigen und klärt über die
Wirkung von Medikamenten und das rechtzeitige Erkennen einer
Verschlechterung der Herzschwäche auf. Bei allen Teilnehmern an dem
Programm wurden Lebensqualität, körperliche Leistungsfähigkeit und
Prognose günstig beeinflusst.  Den größten Gewinn hatten Patienten, wenn
bei ihnen eine Depression über einen Fragebogen festgestellt worden war.
Mehr Infos enthält der Experten-Ratgeber „Das schwache Herz: Diagnose und
Therapie der Herzinsuffizienz heute“.

  • Aufrufe: 339
Prof. Karl-Heinz Tomaschko lobte bei der Eröffnung des Festaktes zum Jubiläum der Pflegeschule vor allem die Schüler*innen und das Lehrerkollegium.  Foto: Universitätsklinikum Ulm

Gute Ausbildung schafft gute Pflege | Pflegeschule feiert 100-jähriges Jubiläum

Prof. Karl-Heinz Tomaschko lobte bei der Eröffnung des Festaktes zum Jubiläum der Pflegeschule vor allem die Schüler*innen und das Lehrerkollegium.  Foto: Universitätsklinikum Ulm
Prof. Karl-Heinz Tomaschko lobte bei der Eröffnung des Festaktes zum Jubiläum der Pflegeschule vor allem die Schüler*innen und das Lehrerkollegium. Foto: Universitätsklinikum Ulm

Wer Menschen pflegt, bekommt viel zurück – und trägt große Verantwortung.
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, bietet die Pflegeschule in Wiblingen
ihren Schülerinnen und Schülern seit einem Jahrhundert eine hervorragende
Ausbildung. Am Freitag, 30. November, hat die Pflegeschule an der Akademie
für Gesundheitsberufe des Universitätsklinikums Ulm im Kloster Wiblingen
ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei wurde nicht nur ein Blick in die
Vergangenheit geworfen, sondern auch auf aktuelle und zukünftige
Herausforderungen in der Pflegebranche.

„In den letzten 100 Jahren hat sich der Pflegeberuf stetig verändert – was
sozusagen die einzige Konstante ist. Durch das enorm hohe Engagement und
die Fachkompetenz unseres Schulteams, mit dem Universitätsklinikum im
Rücken und der DHBW als starkem akademischen Partner sind wir jedoch
optimal für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet“, fasst der
Direktor der Akademie für Gesundheitsberufe, Professor Dr. Karl-Heinz
Tomaschko, bei der Eröffnung des Jubiläums-Festaktes zusammen. Besonderer
Dank gelte jedoch vor allem den Schülerinnen und Schülern, die die besten
seien, die man sich wünschen könne, so Professor Tomaschko weiter. Auch
die weiteren Grußredner, Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender
Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm, Silvia Cohnen,
Pflegedirektorin des Universitätsklinikums, Dr. Gundi Schickle-Reim,
Medizinaldirektorin des Regierungspräsidiums Tübingen, Professor Dr.
Rainer Przywara, Rektor der DHBW Heidenheim und Iris Mann, zweite
Bürgermeisterin Ulms, hoben die besondere Leistung des Lehrerkollegium und
der Schüler*innen und Studierenden hervor, die sich auf das Abenteuer
Pflege eingelassen haben. „Ohne eine starke, leistungsfähige Pflege wäre
die Gesundheitsversorgung in der Region nicht möglich. Die Akademie für
Gesundheitsberufe erbringt hier einen äußerst wichtigen Beitrag. Mit einem
wunderschönen Gebäude, einem innovativen Lehransatz, dem
Universitätsklinikum als Leistungsträger und einer attraktiven Umgebung
bietet die Pflegeschule ihren Auszubildenden die perfekte Mischung“, lobt
Professor Dr. Udo X. Kaisers.

In ihrem Vortrag zu den zukünftigen Herausforderungen der Schule für
Pflegeberufe gewährte Lara Hinz, die die Pflegeschule seit 2013 leitet,
schließlich einen genaueren Blick in Vergangenheit, aber auch in die
Zukunft: „Was unsere Schule wie keine andere auszeichnete und auch heute
noch auszeichnet, ist der rasante Wandel, das Immer-Mitdenken und Immer-
Weiterentwickeln“, erklärt Hinz. 1918 noch als Einrichtung der Stadt Ulm
gegründet, wurden in der Pflegeschule im ersten Jahr lediglich zehn
Schülerinnen unterrichtet. Pflegende Männer waren damals noch nicht
vorstellbar. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich die Schule
stetig – und auch die Zahl der Auszubildenden stieg immer weiter an. Seit
1982 gehört die Pflegeschule nun zum im selben Jahr gegründeten
Universitätsklinikum und bietet ihren Auszubildenden damit die
Möglichkeit, im Umfeld universitärer Spitzenmedizin zu lernen und zu
arbeiten. „Der Theorie-Praxistransfer hatte und hat bei uns immer einen
sehr hohen Stellenwert. So wurden bereits Anfang der 1990er Jahre
Praxisanleiter und Nachweisordner eingeführt, die die praktische
Ausbildung noch weiter verbessert haben,“ erklärt Lara Hinz. „Zwei
besondere Meilensteine unserer Geschichte markierten dann die Fusionierung
der damals am Michelsberg ansässigen Kinderkrankenpflegeschule mit der
Krankenpflegeschule am Safranberg 2005 sowie der gemeinsame Umzug ins
Kloster Wiblingen zwei Jahre später. Auf diese Errungenschaften sind wir
bis heute sehr stolz“.
Seit 2013 können angehende Pflegefachkräfte an der Akademie für
Gesundheitsberufe ihre Ausbildung sogar mit einem Dualen Studium
verbinden. „Dass ich einmal im Gesundheitswesen tätig sein werde, war für
mich immer klar, aber nur studieren – zum Beispiel Medizin – kam für mich
nie in Frage“, erklärt Natalie Doll, die Angewandte Gesundheits- und
Pflegewissenschaften studiert. „An der Akademie kann ich zwei Abschlüsse
in vier Jahren bekommen – schneller geht es gar nicht – und so habe ich
mich für den dualen Studiengang entschieden. Hier bekommen wir noch mehr
Hintergrundwissen vermittelt und am Ende haben wir einen Bachelor of
Science in der Tasche“. Für ihre Kurse müssen die Studierenden das Kloster
in Wiblingen nicht verlassen, denn die Akademie für Gesundheitsberufe ist
die einzige Akademie in Deutschland, die ihre Studiengänge direkt vor Ort
und nicht an einer entfernten Hochschule anbietet.
Der nächsten großen Veränderung wird die Pflegeschule 2020 entgegentreten,
wenn das sogenannte Pflegeberufereformgesetz in Kraft tritt, das zukünftig
zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung
vorschreibt. Im dritten Jahr können die Auszubildenden dann einen
gesonderten Abschluss in der Alten- oder Gesundheits- und
Kinderkrankenpflege erwerben. Diese Umstellung bringt große Veränderungen
in der Ausbildung mit sich, auf die sich die Lehrkräfte und die
zukünftigen Pflegefachkräfte schon heute einstellen. „Ich persönlich finde
es wahnsinnig interessant, Teil einer prägenden Phase und eines Umschwungs
zu sein“, sagt Judith Ntibizerwa, die an der Akademie für
Gesundheitsberufe eine Ausbildung zur Gesundheits- und
Kinderkrankenpflegerin absolviert. „Die Unterstützung, die wir von den
Lehrenden bekommen, finde ich ganz toll, wir werden als Schüler zum
Beispiel in viele Entscheidungen miteinbezogen und wir merken: unsere
Meinung zählt.“

Die Jubiläumsfeier wurde durch eine Kabarett-Einlage und einen kleinen
Imbiss in der wunderschönen Atmosphäre des Wiblinger Klosters abgerundet.

  • Aufrufe: 400
Auf der COMPAMED 2018 war der Produktmarkt des IVAM Fachverband für Mikrotechnik erneut der größte Gemeinschaftsstand der Messe.  IVAM

Smarte Medizintechnik steht in den Startlöchern: COMPAMED 2018 zeigte marktreife Innovationen

Auf der COMPAMED 2018 war der Produktmarkt des IVAM Fachverband für Mikrotechnik erneut der größte Gemeinschaftsstand der Messe.  IVAM
Auf der COMPAMED 2018 war der Produktmarkt des IVAM Fachverband für Mikrotechnik erneut der größte Gemeinschaftsstand der Messe. IVAM

Hochinnovativ und hochinternational: Die COMPAMED 2018 hat ihren führenden
Rang als weltweit bedeutender Marktplatz für medizintechnische Verfahren
und Komponenten erneut erfolgreich unter Beweis gestellt. Auch in diesem
Jahr besuchten rund 20.000 Fachbesucher die Hallen 8a und 8b auf der Suche
nach smarten Hightech-Bauteilen und ultrapräzisen Herstellungsverfahren.

Die COMPAMED, die in Angliederung zur Medizintechnikmesse MEDICA vom 12.
bis 15. November in Düsseldorf stattgefunden hat, zeigte sich in diesem
Jahr international wie nie zuvor: Dies galt sowohl für die gesamten Messe,
die Aussteller aus 40 Nationen versammelte, als auch für den größten
Gemeinschaftsstand der Messe, den Produktmarkt des IVAM Fachverband für
Mikrotechnik. Auf mehr als 700 m² Fläche präsentierten internationale
Aussteller aus 10 Nationen innovative Produkte und Dienstleistungen.

Wie bereits in den vergangenen Jahren war das Thema Digitalisierung
allgegenwärtig auf dem Produktmarkt und beim messebegleitenden COMPAMED
HIGH-TECH FORUM, welches ebenfalls von IVAM organisiert wurde. In diesem
Jahr waren aber besonders viele Aussteller mit Anwendungs- und
Erfolgsgeschichten zur Messe gereist. Ein Großteil der smarten Komponenten
ist mittlerweile in marktfähigen Produkten im Einsatz. Besonders
eindrucksvoll waren daher die Präsentationen an den einzelnen Ständen und
auf der Bühne des Forums, die einen faszinierenden Ausblick auf die
Zukunft der medizinischen Versorgung mittels smarter Systeme gaben.
Innovative, miniaturisierte Sensorik ist beispielsweise in der Lage
Vitalparameter komfortabel im Alltag zu messen und so Herz-Kreislauf-
Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Auf der Messe wurden
Konzepte und Produkte vorgestellt, die diese Messeinheiten in
Alltagsgegenstände integrieren wie z.B. in Smartphones, Sportkleidung,
Autositze oder in neuartige Miniatur-Messgeräte, die im Ohr getragen
werden können.

Weitere Trendthemen auf dem Produktmarkt waren Materialien für z.B.
neuartige Beschichtungen, die medizinische Geräte oder Implantate in
Hinsicht auf Verträglichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit
verbessern können, mikrofluidische Systeme für schnelle und zuverlässige
Diagnoseverfahren sowie Optik- und Photonikanwendungen für laserbasierte
Produktionsverfahren von medizinischen Geräten.

Das messebegleitende COMPAMED HIGH-TECH FORUM hat sich als internationaler
Expertentreffpunkt fest etabliert und wurde von den Besuchern auch in
diesem Jahr sehr gut angenommen: Mehr als 300 Besucher informierten sich
und diskutierten mit den Referenten im Rahmen von insgesamt 10 Sessions an
allen vier Messetagen. Besonders gut besucht waren dabei die Sessions zum
Thema „Smart Sensor Solutions“ und eine Session, die in Kooperation mit
den Organisatoren des EU-geförderten Projektes „PoC-ID – A Platform for
ultra-sensitive Point-of-Care Diagnostics for Infectious Diseases“ geplant
wurde. Dabei geht es um die Entwicklung eines Point-of-Care Systems für
die Diagnose von RSV-Infektionen, speziell für die Anwendung bei
Säuglingen und Kleinkindern.

Für die Aussteller der Gemeinschaftsfläche hat sich die COMPAMED gelohnt.
Die befragten Firmen und Institute waren hochzufrieden mit den Besuchern
an ihren Messeständen. Für einen Großteil der Austeller des IVAM-
Produktmarktes steht rund eine Woche nach Ende der Messe bereits fest,
dass sie im Jahr 2019 erneut teilnehmen werden. Informationen zum IVAM-
Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2019 sind im
Internet unter http://www.ivam.de/events/compamed_2019 zu finden.

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