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Gesundheit

Die an einem Kopf-Hals-Tumor erkrankte Dresdner Künstlerin Elke Heber wird mit einer individualisierten Strahlentherapie behandelt, die langfristige Nebenwirkungen der Therapie reduzieren soll.  TU Dresden/Stephan Wiegand

Individualisierte Therapie soll Lebensqualität von Patienten mit Kopf- Hals-Tumoren verbessern

Die an einem Kopf-Hals-Tumor erkrankte Dresdner Künstlerin Elke Heber wird mit einer individualisierten Strahlentherapie behandelt, die langfristige Nebenwirkungen der Therapie reduzieren soll.  TU Dresden/Stephan Wiegand
Die an einem Kopf-Hals-Tumor erkrankte Dresdner Künstlerin Elke Heber wird mit einer individualisierten Strahlentherapie behandelt, die langfristige Nebenwirkungen der Therapie reduzieren soll. TU Dresden/Stephan Wiegand

Patienten mit bösartigen Tumoren im Mund- und Rachenraum leiden trotz
erfolgreicher Behandlung oft ein Leben lang unter schweren Nebenwirkungen.
Ärzte am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) und am
NCT Heidelberg wollen nun in einer klinischen Studie prüfen, ob sich durch
eine individualisierte Strahlentherapie die negativen Folgen der Therapie
reduzieren lassen. Am Universitätsklinikum Dresden hat nun die erste
Patientin ihre Behandlung im Rahmen der Studie begonnen. Sie leidet an
einer speziellen Tumorart, die durch humane Papillomviren verursacht wird.
Auch an acht weiteren Universitätsklinika in Deutschland können Patienten
an der Studie teilnehmen.

Vorrangiges Ziel einer Krebsbehandlung ist es, den Tumor zu besiegen und
das Leben des Patienten zu retten. Doch langfristige Nebenwirkungen können
die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend beeinflussen. Eine Studie
des NCT/UCC Dresden und des NCT Heidelberg zielt darauf ab, die negativen
Begleiterscheinungen der Therapie bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren zu
verringern. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Mundtrockenheit,
Schluckbeschwerden und Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Im
Rahmen der Studie wird nun die erste Patientin am Universitäts-klinikum
Carl Gustav Carus Dresden behandelt. Die Dresdner Künstlerin Elke Heber
leidet an einem Tumor des Mund-Rachen-Bereiches, der durch humane
Papillomviren (HPV) hervorgerufen wurde. Die vor allem als Auslöser für
Gebärmutterhalskrebs bekannten HP-Viren sind in etwa 50 Prozent der Fälle
ursächlich an der Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren beteiligt – Tendenz
steigend. „HPV-verursachte Kopf-Hals-Tumoren sprechen besonders gut auf
eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie an. Wir gehen davon aus, dass
wir diese Tumoren mit einer verringerten Strahlendosis genauso wirksam
behandeln können, wie mit der bislang standardmäßig verabreichten
Strahlenmenge. Gleichzeitig hoffen wir so, langfristige gravierende
Nebenwirkungen deutlich reduzieren zu können“, erklärt Studienleiterin
Prof. Mechthild Krause, Geschäftsführende Direktorin am NCT/UCC Dresden
und Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des
Universitätsklinikums Dresden.

Die multizentrische Studie, die auf Vorarbeiten innerhalb des Deutschen
Krebs-konsortiums (DKTK) beruht und an der alle acht DKTK-Zentren, das
Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie und die
Arbeitsgemeinschaft für Radiologische Onkologie beteiligt sind, trägt den
Namen DELPHI (De-Eskalation der adjuvanten Radio(chemo)therapie für HPV-
positive Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome). Anders als beim antiken
Orakel spielen Weissagungen und Prophezeiungen hier allerdings keine
Rolle. „Wir senken die Strahlendosis unter kontrollierten Bedingungen in
einem engmaschig überwachten, zweistufigen Verfahren ab, das
höchstmögliche Sicherheit für die Patienten garantiert. Vieles deutet
darauf hin, dass ein Teil der Patienten mit der aktuellen
Standardbehandlung übertherapiert wird. Dies wollen wir künftig
vermeiden“, erklärt Studienleiter Prof. Michael Baumann,
Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Im Rahmen der Studie werden zunächst 30 Patienten mit durch HPV
hervorgerufenen Kopf-Hals-Tumoren nach vorangegangener Operation mit einer
Radio-Chemotherapie behandelt. Die Strahlentherapie erfolgt in einem
Zeitraum von fünfeinhalb Wochen in 27 Einzelsitzungen. Hierbei wird die
Strahlendosis um zehn Prozent gegenüber der Standardtherapie gesenkt. Nach
Abschluss der Therapie schließt sich eine zweijährige Beobachtungsphase
an, in der die Patienten regelmäßig untersucht werden. Erst nach Abschluss
dieses Beobachtungszeitraums sollen weitere 30 Patienten mit einer dann um
20 Prozent verringerten Strahlendosis behandelt werden. Zahlreiche weitere
Patienten, die eine Standardtherapie erhalten, dienen als
Vergleichsgruppe.

„Der Ansatz, Nebenwirkungen durch eine reduzierte Strahlentherapie zu
senken, ist vielversprechend. Denn HPV-bedingte Kopf-Hals-Tumoren lassen
sich im Anschluss an eine Operation durch eine Strahlentherapie lokal sehr
gut kontrollieren. Parallel wird in einer internationalen Studie
überprüft, ob im Rahmen der Reduktion der Therapie-maßnahmen die
Chemotherapie weggelassen werden kann. Beide Studien gemeinsam werden eine
wichtige Grundlage für die zukünftige Therapieverbesserung dieser
Patienten liefern“, sagt Dr. Amir Abdollahi vom Universitätsklinikum
Heidelberg. „Ich freue mich, dass ich die Chance habe, an der Studie
teilzunehmen und hoffe, dass ich nach der Behandlung ein weitgehend
beschwerdefreies Leben führen kann“, so die Patientin. An der Studie
teilnehmen können geeignete Patienten der Universitätskliniken in Berlin,
Dresden, Essen, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Mainz, München und
Tübingen.

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Die Herzinfarkt-Schmerzorte.  Illustrationen: DHS/Jan Neuffer.

Lebensgefährliches Zögern: Bei Herzinfarkt-Verdacht keine Scheu vor Notruf 112

Die Herzinfarkt-Schmerzorte.  Illustrationen: DHS/Jan Neuffer.
Die Herzinfarkt-Schmerzorte. Illustrationen: DHS/Jan Neuffer.

Notfallmediziner warnen: An Weihnachten, Neujahr oder Wochenende bei
Herzinfarkt-Verdacht sofort Notruf 112 / Ratgeber zu
Herzinfarktschmerzorten

Notfallmediziner nehmen das Problem des Zögerns vor dem Notruf 112 an
Festtagen wie Weihnachten und Neujahr sowie an den Wochenenden sehr ernst:
Bei neu auftretenden unangenehmen Brustschmerzen, die länger als fünf
Minuten andauern, denken Betroffene und ihre Angehörige oft nicht an einen
Herzinfarkt (www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html) und trauen
sich wegen der Feiertage nicht, mit der Notrufnummer 112 den
Rettungsdienst zu alarmieren. Stattdessen warten sie stunden- oder
tagelang ab, ob die Beschwerden wieder von allein verschwinden. „Zögern
Patienten bei Herzinfarkt oder akuten Brustschmerzen zu lange mit dem
Notruf 112, riskieren sie ihr Leben“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, stv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
„In dieser Verzögerung liegt die Gefahr, dass der Patient plötzlich
Herzkammerflimmern bekommen, ohnmächtig werden und in wenigen Minuten am
Plötzlichen Herztod versterben kann.“ Ebenso kann durch den Infarkt ein
größerer Teil des Herzmuskels irreparabel zerstört werden und der Patient
entwickelt dadurch akut oder auch langfristig eine Herzschwäche. „Beim
Herzinfarkt zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist
Herzmuskel.“
Der Herzinfarkt zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland mit
rund 50.000 Sterbefällen pro Jahr. Fast jeder vierte Herzinfarktpatient
stirbt vor Erreichen des Krankenhauses. Vor diesem Hintergrund bietet die
Herzstiftung den kostenfreien Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (22 Seiten)
mit einer Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen an. Dieser kann unter
www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html oder per Tel. unter 069 955128400
angefordert werden. Weitere Infos unter www.dhs.tips/herznotfall
Rettungsdienstleitstellen, Herznotfallambulanzen (Chest Pain Units/CPUs)
und Notaufnahmen der Kliniken stehen auch an Feiertagen, in der Zeit
zwischen den Jahren wie auch am Wochenende oder nachts rund um die Uhr
bereit. „Deswegen besteht überhaupt kein Grund zur Scheu vor der 112“,
versichert der Herzspezialist vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien
(CCB) Frankfurt am Main.

Schwedische Register-Studie: An Weihnachten und Neujahr mehr Infarkte
Ergebnisse einer schwedischen Studie im Fachjournal BMJ – gestützt auf
Registerdaten von über 280.000 Klinikaufnahmen wegen Herzinfarkts – lassen
auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko u. a. an Weihnachten und Neujahr
besonders bei Menschen, die über 75 oder bereits chronisch krank sind (z.
B. Diabetes, koronare Herzkrankheit), schließen. Vermutlich, weil diese
Patientengruppe besonders anfällig auf externe Auslöser (Trigger) für
einen Infarkt wie Stress reagiert*. „Wir können aus eigener Erfahrung
bestätigen, dass insbesondere bei längeren Feiertagsphasen wie zum
Beispiel den Weihnachtsfeiertagen häufiger Herzinfarktpatienten
aufgenommen werden, die zu lange gewartet haben, bis sie den Notarzt mit
dem Notruf 112 gerufen haben“, betont Voigtländer und warnt: „Dadurch
steigt die Gefahr lebensgefährlicher Rhythmusstörungen und der Entwicklung
einer bedeutsamen Herzschwäche.“

Infarktverdacht deutlich äußern!
Wer die 112 ruft, sollte den Verdacht auf Herzinfarkt deutlich äußern,
damit ein Rettungswagen mit Notarzt geschickt wird. Die infarkttypischen
Alarmzeichen sind leicht zu erkennen: Schwere, länger als fünf Minuten
anhaltende Schmerzen überwiegend im Brustkorb, häufig auch ausschließlich
hinter dem Brustbein, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und
Oberbauch ausstrahlen können. Bisweilen auch nur im Rücken (zwischen den
Schulterblättern) oder Oberbauch (Verwechslung mit „Magenschmerzen“
möglich). Die Schmerzen sind flächenhaft, nicht piekend, sondern sie
werden als brennend, mit Engegefühl in der Brust und drückend beschrieben.
Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen.
Wichtig: Der Umweg über den Hausarzt oder den Ärztlichen
Bereitschaftsdienst mit der Rufnummer 116 117 („Notdienstnummer“) bei
einem Herzinfarkt kann gefährlich sein, da ein Hausarzt und der Ärztliche
Bereitschaftsdienst hier nichts anderes tun können als den Notarzt (112)
zu rufen.

Warum die 112 bei Herzinfarkt?
Beim Herzinfarkt wird ein Herzkranzgefäß durch ein Gerinnsel (Thrombus)
verschlossen, sodass ein Teil des Herzmuskels von der Sauerstoffzufuhr
abgeschnitten ist. In dieser Gefahrensituation ist sofort der
Rettungsdienst (112) anzurufen, weil der Herzinfarkt jederzeit eine
bösartige Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) auslösen kann, die in
wenigen Minuten zum Tod führt, wenn nicht sofort reanimiert wird. Nur der
Rettungsdienst kann das Kammerflimmern mit dem Elektroschock eines
Defibrillators beseitigen und so den Patienten vor dem plötzlichen Herztod
schützen. Jede Minute zählt jedoch auch, wenn ein Herzinfarkt nicht in
Herzkammerflimmern übergeht. Dazu Kardiologe Prof. Voigtländer: „Je eher
der Infarktpatient die Klinik erreicht, wo das verstopfte Herzkranzgefäß
per Katheter wiedereröffnet wird, umso mehr Herzmuskel und Pumpkraft des
Herzens können wir erhalten: Mehr Pumpkraft bedeutet mehr Lebensqualität
für den Patienten.“

Tipp: Einen Herznotfall-Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (22 Seiten) mit
einer Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen und Erläuterungen zur
Wiederbelebung für Laien bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei unter
Tel. 069 955128400 oder unter www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html an.
Weitere Infos zum Thema Herznotfall unter: www.dhs.tips/herznotfall
Die Herzinfarkt-Alarmzeichen unter: www.herzstiftung.de/Anzeichen-
Herzinfarkt.html


* Mohammad MA et al., Christmas, national holidays, sport events, and time
factors as triggers of acute myocardial infarction: SWEDEHEART
observational study 1998-2013
BMJ 2018;363:k4811 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.k4811

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Lebensstil wirkt sich stärker auf Schlaganfallrisiko aus als Gene

Die falschen Gene steigern das Schlaganfallrisiko um ein
Drittel, der falsche Lebensstil dagegen um zwei Drittel – beide Faktoren
wirken unabhängig voneinander. Wer gesund lebt, kann also genetische
Nachteile etwas kompensieren. Zu diesem Schluss kommt ein internationales
Wissenschaftsteam in „British Medical Journal“. „Die Ergebnisse belegen,
dass sich ein gesunder Lebensstil zur Schlaganfallprävention lohnt –
unabhängig vom genetischen Risikoprofil", sagt Prof. Dr. med. Martin
Dichgans, 2. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG),
der von deutscher Seite an der Studie beteiligt war.

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wird sowohl durch genetische
als auch durch Umweltfaktoren wie Ernährung und Lebensstil beeinflusst.
Könnte ein gesunder Lebensstil den Einfluss der Gene auf das
Schlaganfallrisiko ausgleichen?

Den Daten eines deutsch-britischen Forscherteams zufolge senkt ein
gesunder Lebensstil das Schlaganfallrisiko unabhängig vom genetischen
Risiko. Von einer gesunden Ernährung und viel Bewegung profitieren also
alle Menschen im ähnlichen Ausmaß – zumindest solche mit europäischen
Vorfahren, denn nur für diese konnte das Team um Dr. Loes Rutten-Jacobs
vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn
das genetische Risiko bestimmen.

Genprofile und Lebensstil analysiert
Die Forscher stützten ihre Untersuchungen auf die MEGASTROKE-Analyse, die
anhand von genomweiten Assoziationsstudien genetische Schlaganfall-
Risikofaktoren bei 520.000 weißen Europäern aufgespürt hat. Darin wurden
90 mit Schlaganfall assoziierte Genvarianten entdeckt. Auf dieser Basis
entwickelten die Forscher um Dr. Rutten-Jacobs einen Risiko-Score und
wendeten ihn auf die britische prospektive Biobank-Kohortenstudie an. Die
UK Biobank enthält die biologischen Informationen von 500.000 Briten im
Alter zwischen 40 und 69 Jahren: Genprofile sowie detaillierte Angaben zur
Ernährung und zum Lebensstil.

Anhand ihres genetischen Risiko-Scores wurden diejenigen Biobank-
Teilnehmer, die bislang weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt
erlitten hatten, in drei Gruppen eingeteilt: Solche mit hohem, mittleren
und niedrigem genetischen Schlaganfallrisiko. Außerdem gruppierten die
Forscher die Personen gemäß den Richtlinien der American Heart Association
(AHA) in Kategorien mit gesundem, mäßig gesundem und ungesundem
Lebensstil. Gesund lebt laut AHA, wer nicht raucht, nicht allzu dick ist
(BMI unter 30), sich mit viel Obst, Gemüse und Fisch gesund ernährt und
pro Woche mindestens drei Stunden moderat bzw. eineinhalb Stunden intensiv
Sport treibt.

Rauchen und Übergewicht erhöhen Schlaganfallrisiko um 66 Prozent
Insgesamt erlitten 2077 der 306.473 Teilnehmer im Laufe von sieben Jahren
einen ersten Schlaganfall, wie die Forscher Krankenhaus- und
Sterberegistern entnahmen. Das Schlaganfallrisiko war bei den Menschen mit
hohem genetischen Risiko um 35 Prozent höher als bei denjenigen mit
geringem genetischem Risiko, und zwar unabhängig vom Lebensstil. Bei
moderatem genetischen Risiko war die Rate um 20 Prozent erhöht. Deutlicher
war die Assoziation mit dem Lebensstil: Teilnehmer mit einer ungesunden
Lebensweise erlitten 66 Prozent häufiger einen Schlaganfall als gesund
lebende Personen, unabhängig vom genetischen Risiko. Bei solchen, die
mäßig gesund lebten, ergab sich eine um 27 Prozent erhöhte
Schlaganfallrate.

Schlechte Gene und ungesunder Lebensstil addieren sich
Schlechte Gene und ein ungesunder Lebensstil erhöhen also unabhängig
voneinander das Schlaganfallrisiko und addieren sich, konnten die Forscher
zeigen: Bei Personen mit ungünstigen Genen und zugleich ungesundem
Lebensstil fanden sie eine rund 130 Prozent erhöhte Schlaganfallrate
gegenüber Personen mit geringem genetischen Risiko und gesundem
Lebensstil. Am stärksten trugen Rauchen und ein erhöhter BMI zum
lebensstilbedingten Schlaganfallrisiko bei. Bei Männern wirkten sich
sowohl Gene als auch Lebensstilfaktoren stärker aus als bei Frauen.

„Die Ergebnisse belegen, dass sich ein gesunder Lebensstil zur
Schlaganfallprävention lohnt – unabhängig vom genetischen Risikoprofil.
Männer sollten besonders auf eine gesunde Lebensweise achten", sagt Prof.
Dr. med. Martin Dichgans, dessen Institut für Schlaganfall- und
Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München von deutscher
Seite an der Studie beteiligt war.

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Funktionsstörung der Schilddrüse eindeutig entdecken? Ultraschall macht’s möglich

Rund 600 000 Frauen in Deutschland sind von der
Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow betroffen. Bei Männern tritt sie
deutlich seltener auf. Emotionale Verletzbarkeit, Haarausfall, innere
Unruhe, Schwitzen, Zittern und Durchfall sind einige der typischen
Symptome. Da die Anzeichen denen einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln und
nur manche Patienten die bekannten hervortretenden Augen zeigen, können
die Erkrankungen leicht verwechselt werden. Um rechtzeitig eine Therapie
einleiten zu können, führen Ärzte diverse diagnostische Untersuchungen
durch. Eine wesentliche Rolle fällt hierbei der Ultraschalluntersuchung
zu.

Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V.
(DEGUM) machen darauf aufmerksam, dass mittels Ultraschall das
Schilddrüsengewebe und seine Durchblutung besonders exakt bestimmt werden
können. Zudem können Fachärzte durch eine spezielle Technik – die
Feinnadelpunktion –  andere Schilddrüsenerkrankungen eindeutig
ausschließen.

Die Schilddrüse (Thyroidea) ist eine wichtige Hormondrüse. „Sie übernimmt
als Stoffwechselorgan eine Vielzahl von Funktionen im Körper“, sagt
Professor Dr. med. Josef Menzel, Leiter der DEGUM-Sektion Innere Medizin.
„Sie bildet unter anderem die jodhaltigen Hormone T3 (Triiodthyronin) und
T4 (Thyroxin), die den Stoffwechsel, den Kreislauf und die Stimmung
beeinflussen.“ Gesteuert wird die Aktivität der Schilddrüse durch ein im
Gehirn gebildetes Hormon, das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon).

Bei der Schilddrüse sind in erster Linie folgende Erkrankungen bekannt:
Zum einen die krankhafte Vergrößerung des Organs, der sogenannte Kropf
(Jodmangel), und zum anderen Knoten in der Schilddrüse. Auch bösartige
Tumore können in und an der Schilddrüse auftreten. Neben den strukturellen
Veränderungen werden bei der Schilddrüse auch funktionelle Veränderungen
festgestellt. So gibt es eine Unterfunktion (Hypothyreose) und eine
Überfunktion (Hyperthyreose) des hormonproduzierenden Organs. „Bei einer
Überfunktion kommt es zu Haarausfall, Reizbarkeit, Schwitzen
(Wärmeunverträglichkeit), Zittern, Bluthochdruck, schnellem Puls,
Heißhunger, Durchfall und Muskelschwäche“, erläutert Menzel, Leiter der
Medizinischen Klinik II am Klinikum Ingolstadt. Die Symptome der
Unterfunktion sind Haarausfall, Depression, Kältegefühl, verlangsamter
Puls, niedriger Blutdruck, Gewichtszunahme, Verstopfung, erhöhte Blutfette
und Muskelschwäche.

„Eine weitere, weniger bekannte Erkrankung der Schilddrüse, die leicht mit
einer Überfunktion verwechselt werden kann, ist der Morbus Basedow, eine
Autoimmunerkrankung“, erklärt Menzel. „Normalerweise bilden die
Immunzellen des Körpers Antikörper gegen Bakterien oder Viren; bei einer
Autoimmunkrankheit wie dem Morbus Basedow greifen sie jedoch körpereigene
Zellen an.“ Es kommt zu einer unkontrollierten Freisetzung von
Schilddrüsenhormonen.

Bei Morbus-Basedow-Patienten binden sich Antikörper an die Zellen der
Schilddrüse und zwar an den Rezeptor für das im Gehirn gebildete Hormon
TSH; man nennt die Antikörper deshalb TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Die
TRAKs können sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion auslösen: „Wenn
sie den TSH-Rezeptor blockieren, „denkt“ die Schilddrüse, sie hat eine
Unterfunktion und muss gegensteuern, das heißt sie fängt an zu wachsen und
es entsteht ein Kropf, also eine Vergrößerung der Schilddrüse“, so der
Experte. „Wenn die TRAKs die Schilddrüse aber anregen, schüttet die
Schilddrüse vermehrt Hormone aus – dann kommt es zu einer Überfunktion.“

„Um eindeutig herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich an einem Morbus
Basedow oder an einer anderen Schilddrüsenerkrankung leidet, führt der
Arzt diverse Untersuchungen durch“, sagt Menzel. Dazu gehören nach der
genauen Feststellung der klinischen Symptome, die körperliche
Untersuchung, die Analyse verschiedener Laborwerte – zum Beispiel der
TRAKs – und die Ultraschalluntersuchung. „Mit Hilfe des Ultraschalls
können wir die Diagnose schnell und sicher stellen“, betont Menzel.
„Besonders wenn die sogenannte Farbdopplersonografie eingesetzt wird, kann
die Struktur des Gewebes sehr exakt dargestellt werden. So lässt sich dann
beispielsweise die für die Krankheit typische, massiv gesteigerte
Durchblutung des gesamten Organs feststellen.“

„Endgültige Sicherheit gewinnt der Spezialist mit der einfachen, sicheren
und schnellen ultraschallgezielten Feinnadelpunktion“, so Professor
Menzel. Hierbei entnimmt der Arzt der Schilddrüse unter
Ultraschallüberwachung ein kleines Gewebestück und lässt es histologisch
untersuchen. Mit diesem Verfahren kann er andere Erkrankungen der
Schilddrüse eindeutig ausschließen. „Damit ist die Ultraschalluntersuchung
neben der klinischen Symptomatik und den Laborparametern eine tragende
Säule der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen“, sagt Menzel.

Die Behandlung des Morbus Basedow kann zunächst mit Tabletten erfolgen,
die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen (Thyreostatika).  „Wenn es
nach einem Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren nicht zu einer nachhaltigen
Besserung kommt, muss die Schilddrüse langfristig entweder durch eine
Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod
(Radiojodtherapie) verkleinert werden,“ so der Experte abschließend.

Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet
ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch
auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000
Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten,
Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am
häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin.
Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende
Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM
zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: <www.degum.de>

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