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Gesundheit

DEGUM-PK: Gutartige Knoten in der Brust ohne OP behandeln

Tastbare Verhärtungen in der Brust und Spannungsgefühle: Frauen, die
darunter leiden, haben häufig keinen Brustkrebs sondern gutartige Knoten.
Etwa jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens davon
betroffen. Wenn die Geschwülste Schmerzen verursachen oder als störend
empfunden werden, sollten sie behandelt werden. Eine nicht-operative
Methode ist der hoch-intensive fokussierte Ultraschall (HIFU).Dadurch
können die Beschwerden ohne Operationsrisiken deutlich verringert und die
Größe des Knotens reduziert werden. Wie HIFU funktioniert, erläutern
Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
e.V.(DEGUM) auf einer Pressekonferenz am Mittwoch,den 5. Dezember.

Gutartige Knoten in der Brust – sogenannte Fibroadenome – treten vermehrt
bei Frauen unter 30 Jahren auf. „Häufig finden sich auch mehrere
Fibroadenome in der Brust “, sagt DEGUM-Expertin Dr. Bettina Böer. Die
Geschwülste werden durch den weiblichen Zyklus beeinflusst – vor der
Periode schmerzen sie häufig stärker. „In der Schwangerschaft und
Stillzeit können sich Fibroadenome deutlich vergrößern. Nach den
Wechseljahren nehmen sie normalerweise nicht weiter zu, sondern schrumpfen
eher“, so Böer vom Departement für Frauengesundheit am
Universitätsklinikum Tübingen. Ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs entsteht
durch die gutartigen Geschwülste nicht.

Sobald sie Schmerzen verursachen, wachsen oder die betroffene Frau sie als
störend empfindet, sollten sie entfernt werden. „Mit dem hoch-intensiven
fokussiertem Ultraschall (HIFU) können die Knoten mittels Wärme ambulant
behandelt werden“, erläutert Böer. Hierbei bündelt der Ultraschallkopf die
hochenergetischen Schallwellen wie bei einem Hohlspiegel in einem
Brennpunkt innerhalb des menschlichen Körpers. Durch die Absorption der
Ultraschallwellen entsteht Wärme, die das Gewebe punktuell unter Schonung
des umliegenden Gewebes auf bis zu 80 Grad erhitzt. „Bei diesen
Temperaturen gerinnt das Eiweiß und die Zellen der Knoten sterben ab“, so
die Ultraschall-Expertin.

Der Erfolg der Methode zur Bekämpfung der Fibroadeome konnte bereits in
zahlreichen internationalen Studien nachgewiesen werden. „Rund zwei
Drittel der Patientinnen zeigten ein Jahr nach der Behandlung keine
Schmerzen mehr“, betont Böer. „Zudem konnte die Größe der Knoten bei der
Mehrheit der Betroffenen deutlich reduziert werden – und zwar mit
langfristiger Wirkung.“ Außerdem wurden die vitalen Zellen des
Fibroadenoms bei zahlreichen Patientinnen effektiv zerstört. Vorteile sind
darüber hinaus, dass die Behandlung schmerzarm in Lokalanästhesie erfolgen
kann und dass – im Gegensatz zu allen anderen Behandlungsverfahren – keine
äußere Narbe sichtbar ist. Studienergebnisse zeigen, dass fast alle
Patientinnen (96 Prozent) die Behandlungsmethode weiterempfehlen – nicht
zuletzt auch deshalb, weil bei dieser Behandlungsmethode kaum
Nebenwirkungen auftreten. „Lediglich in sehr seltenen Fällen kommt es zu
vorübergehenden Einblutungen in die Haut oder leichten
Pigmentveränderungen“, so Böer.

HIFU ist zur Bekämpfung von gutartigen Knoten in der Brust zwar sehr
effektiv. Doch für die alleinige Behandlung bei malignen Knoten, also
Brustkrebs, nach derzeitigem Kenntnisstand unzureichend. „In aktuellen
Untersuchungen wird nun geprüft, ob der fokussierte Ultraschall die
Wirkung der Immuntherapie bei Brustkrebspatientinnen verbessern kann“,
sagt Böer. „Die Ergebnisse erwarten wir mit Spannung – denn sie könnten
einen weiteren Fortschritt in der Krebstherapie bedeuten.“

Wie werden Fibroadenome entdeckt?

Die Verdachtsdiagnose entsteht beim Frauenarzt meistens bereits durch
einen verschieblichen Tastbefund. Um die Diagnose sicher zu stellen, wird
bei jungen Frauen dann eine Ultraschalluntersuchung der Brust
durchgeführt. Da bei ihnen das Brustgewebe häufig sehr dicht ist, ist hier
eine Mammografie, also Röntgenuntersuchung, nicht empfehlenswert.
Bei Frauen über 40 wird meist ergänzend eine Mammografie durchgeführt. Zur
Diagnosesicherung wird meist eine Biopsie zur feingeweblichen Untersuchung
durchgeführt.

Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet
ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch
auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000
Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten,
Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am
häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin.
Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende
Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-
zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: www.degum.de

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Trotz Krebsbehandlung Kehlkopf, Schlucken und Stimme erhalten

HNO-Forscher der Universitätsmedizin Leipzig publizieren neuen
Therapieansatz zur Behandlung von Kehlkopfkrebs: Leipziger Wissenschaftler
ermöglichen personalisierte Entscheidungen für Patienten mit
Kehlkopfkrebs. Verbesserte Therapiekontrolle und eine schonendere
Behandlung helfen dabei, den Kehlkopf häufiger als bisher zu erhalten. Die
Ergebnisse der interdisziplinären multizentrischen Studie DeLOS-II wurden
kürzlich im renommierten internationalen Fachmagazin der Krebsforschung,
„Annals of Oncology“, publiziert. In den aktualisierten Leitlinien der
Fachgesellschaften wird der Therapieansatz als neuer medizinischer
Standard aufgenommen.

Rund 20.000 Menschen pro Jahr erkranken an Kehlkopfkrebs. Sie stehen dann
oft vor einer schwerwiegenden Wahl aus zwei Therapieoptionen: Entscheiden
sie sich für den heutigen Standard der Behandlung fortgeschrittener
Tumoren, wird der Kehlkopf entfernt. Das bedeutet eine mögliche Heilung
aber auch einschneidende Folgen wie den Verlust der Stimme. Alternativ
kann der Tumor auch mit einer Radiochemotherapie (RCT) behandelt werden,
um den Kehlkopf zu erhalten. Spricht der Patient allerdings nicht auf
diese Therapie an, wird eine anschließende Total-OP riskanter, weil Tumor
und Gewebe sich während der wochenlangen Radiochemotherapie verändert
haben. Außerdem verlieren die Patienten Zeit, in der sich unter Umständen
bei unzureichendem Ansprechen Metastasen bilden können.

„Wir haben uns gefragt, ob eine kurze einfache Chemotherapie von nur einem
Zyklus ausreichende Hinweise darauf liefern könnte, ob der Tumor anspricht
oder nicht. Diese Kurztherapie sollte dann die Grundlage einer
Therapieentscheidung werden. Das war unser Forschungsansatz“, erklärt
Prof. Dr. Andreas Dietz, Professor für HNO-Heilkunde an der Medizinischen
Fakultät der Universität Leipzig und Leiter der fächerübergreifenden
Studie DeLOS-II. Die Studienergebnisse weisen nun tatsächlich den Weg zu
einer personalisierten Krebsbehandlung, die in vielen Fällen den Kehlkopf
erhalten kann und den Krebs sicher bekämpft. Arzt und Patient können
schneller entscheiden, welche Behandlung die passende ist: „Nach nur drei
Wochen Kurztherapie lassen sich klare Empfehlungen formulieren, die auf
Fakten fußen“, sagt Prof. Dietz.

Bei der Kurztherapie erhalten die Patienten zunächst eine Chemotherapie,
die an zwei Tagen gegeben wird. Nach zwei Wochen kontrolliert ein Chirurg
mit dem Endoskop, wie sich der Tumor verändert hat. Aus dieser
Begutachtung lässt sich ableiten, ob weiter mit Chemo- und Radiotherapie
gearbeitet wird oder der Kehlkopf operativ entfernt werden muss. „Ist der
Tumor um mindestens 30 Prozent verkleinert, wird der Patient statistisch
gesehen in hohem Maße in Folge der weiteren Radiochemotherapie auch
tumorfrei“, fasst Dr. Gunnar Wichmann, Leiter des HNO-Forschungslabors der
Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, zusammen.

Dabei haben die HNO-Spezialisten gemeinsam mit den Kollegen des
interdisziplinären Universitären Krebszentrum Leipzig (UCCL) des
Universitätsklinikums Leipzig auch ein neues Schema der Radiochemotherapie
entwickelt und erfolgreich getestet. Sie setzen auf eine alleinige
initiale Kurz-Chemotherapie, auf die erst nach der endoskopischen
Kontrolle (Frühansprechen) gegebenenfalls zwei weitere Chemo-Zyklen und
die Strahlentherapie folgen. Dieser schonendere Ansatz, auch mit weniger
kombinierten Modalitäten als bisher üblich, hilft den oft geschwächten
Tumorpatienten. „Wir haben die Therapien entzerrt und festgestellt, dass
die Spättoxizität geringer ist, als in Studien, bei denen Bestrahlung und
Chemo simultan gemacht werden. Das bedeutet, dass die Nebenwirkungen Jahre
nach der Therapie geringer sind“, sagt Prof. Dietz.

Bei rund einem Drittel der Patienten in der Studie wurde nach der
Kurztherapie bei mangelndem Frühansprechen entschieden, den Kehlkopf
operativ zu entfernen. Mit guten Ergebnissen, wie Dr. Wichmann sagt: „Bei
diesen doch weit fortgeschrittenen Tumoren war das gesamte Überleben in
unserer Studie sehr gut und das mit deutlich weniger späten
Funktionsstörungen als bislang bei der primären Radiochemotherapie, die
vielerorts als Alternative zur Kehlkopfoperation angeboten wird.“

Die DeLOS-II-Studie hat 180 Patienten mit fortgeschrittenen großen Tumoren
der Stadien drei und vier eingeschlossen und lief über acht Jahre. Zu
Beginn der randomisierten Studie entfernten die Wissenschaftler eine sonst
übliche Substanz der Kurzchemotherapie (5FU) und verbesserten dadurch
deren Verträglichkeit. Weiterhin wurde in einer Studiengruppe getestet,
wie sich die Gabe des Antikörpers Cetuximab auf die Krebsbehandlung
auswirkt. Es zeigte sich, dass dessen zunächst stärkere Wirkungen
hinsichtlich des Kehlkopferhalts nach zwei Jahren zu vernachlässigen sind.
An der Studie beteiligten sich 25 deutsche Behandlungszentren: „Das war
ein wichtiger Punkt unserer Studie, die Eignung des Verfahrens in der
breiten Fläche zu untersuchen. Das ist uns gelungen“, betont Prof. Dietz.

Originalpublikation:
Veröffentlichung im Fachmagazin der Europäischen Gesellschaft für
Medizinische Onkologie (ESMO), Annals of Oncology
doi:10.1093/annonc/mdy332

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Bewertungstool zur Steigerung der Innovationsfähigkeit des Gesundheitssystems

Das deutsche Gesundheitssystem gilt weltweit als eines der besten,
zeichnet sich aber auch durch Interessen- und Verteilungskonflikte aus,
die soziale Innovationen behindern können. Um diese Hemmnisse abzubauen,
wurde am Fraunhofer ISI im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung ein
Evaluationstool entwickelt, das Zielkonflikte offenlegt und die oft
heterogenen Effekte einer Innovation im Gesundheitswesen transparent und
diskutierbar macht.

Das deutsche Gesundheitssystem verfügt international über einen guten Ruf
und gilt etlichen Ländern als Vorbild. Dennoch werden seine Effizienz,
Strukturen, Finanzierungs- oder Steuerungsinstrumente immer wieder infrage
gestellt. Der demografische Wandel, die Zunahme chronischer und
psychischer Krankheiten oder der Fachkräftemangel stellen das
Gesundheitswesen vor zusätzliche Herausforderungen. Die Vielfältigkeit der
anstehenden Veränderungen führt zu sehr verschiedenen Perspektiven in
Politik, Gesundheitsversorgung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft,
was die Zukunftsfähigkeit und Reformbedürftigkeit des Gesundheitswesens
anbelangt. Debatten über neue Praktiken, Regulierungen,
Organisationsformen oder Systemstrukturen sind aufgrund einer »Kultur des
Gegeneinanders« oft interessengeleitet, was ein Innovationshemmnis
darstellt.

Innovationshürden überwinden

Um solche Innovationshürden zu überwinden, haben Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler des Fraunhofer ISI das »Zielfokussierte Evaluationstool
für Innovationen im Gesundheitswesen (ZEIG)« entwickelt. Das
indikatorgestützte Tool orientiert sich an zwölf Zielfeldern wie
»Qualitätssicherung und -verbesserung«, »Prävention und
Gesundheitsförderung« oder »Stärkung der Patientenrechte«. Mittels
Prüffragen und einer Bewertungsskala lassen sich Innovationen und
Maßnahmen im Gesundheitswesen vor oder nach ihrer Einführung auf
Zielkonflikte überprüfen. Ihre Effekte werden damit transparent und
diskutierbar.

Dr. Nils Heyen, der das ZEIG-Projekt am Fraunhofer ISI leitete, beschreibt
die Anwendung des Bewertungstools wie folgt: »Mit ZEIG lassen sich
Innovationen im Gesundheitswesen dahingehend überprüfen, inwieweit sie zur
Erreichung von zwölf übergeordneten Zielen und damit zu einer positiven
Gesamtentwicklung des Gesundheitswesens beitragen. Dazu zählen gute
Arbeitsbedingungen von Fach- und Pflegekräften genauso wie der
wirtschaftliche Erfolg von Gesundheitseinrichtungen, die
Versorgungsqualität oder die Begrenzung finanzieller Belastungen von
Versicherten. Werden mögliche Zielkonflikte identifiziert und anschließend
entschärft, steigert das die Chancen für eine erfolgreiche Durchsetzung
und Implementierung von Innovationen. Mit ZEIG lassen sich sowohl
zukünftige Effekte einer Innovation abschätzen als auch die bereits
sichtbaren Effekte von Innovationen und Maßnahmen nachträglich bewerten.«

Fokus auf soziale Innovationen

Im ZEIG-Projekt werden Innovationen als Neuerungen betrachtet, die
zumindest für einen Teil der Akteure im Gesundheitssystem eine
Verbesserung bedeuten. Der Fokus liegt dabei auf sozialen und weniger auf
technologischen Innovationen. Beispiele sind die Einrichtung neuer
Kooperationsformen zwischen verschiedenen Akteuren, die Einführung
verbindlicher Personalvorgaben in der stationären Versorgung oder eine
Aufgabenumverteilung zwischen den Gesundheitsberufen. Selbst eine
politische Reform des Gesundheitswesens ließe sich mit »ZEIG« auf ihre
Effekte und auf mögliche Zielkonflikte hin überprüfen.

Severin Schmidt, Leiter des Gesprächskreises Sozialpolitik und bei der
Friedrich-Ebert-Stiftung verantwortlich für die Themen Gesundheits- und
Pflegepolitik, hebt vor allem ein Anwendungsgebiet des Evaluationstools
hervor: »ZEIG lässt sich insbesondere in gesundheitspolitischen
Diskussions- und Aushandlungsprozessen einsetzen, bei denen die Fronten
der unterschiedlichen Akteure verhärtet sind. Denn pauschale Ablehnungen
werden durch das Tool erschwert, Interessenlagen greifbarer und strittige
wie unstrittige Punkte besser sichtbar. Dies käme dem gesamten
Gesundheitssystem zugute.« Darüber hinaus ist die Anwendung des Tools für
einzelne Akteure im Rahmen einer Selbstreflexion sowie in einem
Forschungskontext sinnvoll.

»ZEIG« ist frei zugänglich und steht online unter <www.zeig-analyse.de>
zur Anwendung bereit.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Nils B. Heyen

Originalpublikation:
Publikation »ZEIG – ein zielfokussiertes Evaluationstool für Innovationen
im Gesundheitswesen« im WISO-Diskurs der Friedrich-Ebert-Stiftung

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Kalium- und Magnesiummangel: Wann gefährlich fürs Herz?

Herzstiftungs-Experte rät: Besonders bei Herzrhythmusstörungen,
Herzschwäche, Nierenerkrankungen und bestimmten Herzmedikamenten Kalium-
und Magnesiumwerte vom Arzt kontrollieren lassen

Störungen des Salzhaushalts (Elektrolyte) mit einem Mangel an Kalium und
Magnesium können Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen
begünstigen. Dann müssen Kalium und Magnesium zugeführt werden. „Besonders
bei Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Nierenerkrankungen und bestimmten
Herz- und Bluthochdruckmedikamenten sollte man regelmäßig die
Konzentration von Kalium und Magnesium im Blut kontrollieren lassen, um
sich vor möglichen Komplikationen bis hin zu Vorhofflimmern und
lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern zu schützen“, rät
Herzspezialist Prof. Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat
der Deutschen Herzstiftung im Interview in der Expertenschrift „Kalium und
Magnesium bei Herzrhythmusstörungen“. Diese kann kostenfrei per Tel. unter
069 955128400 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert
werden (weitere Infos: www.herzstiftung.de). Kalium und Magnesium sind für
eine normale Herzfunktion wichtig, weil sie die Herzzellen elektrisch
stabilisieren. Sie bilden elektrische Impulse in den Herzzellen und sind
für deren Weiterleitung von Zelle zu Zelle von entscheidender Bedeutung.
„Stabilisierend wirken Kalium und Magnesium allerdings nur, wenn ihre
Konzentration im Normbereich liegt.“ Bei Kalium liegt der Normbereich
zwischen 3,6-4,8 mmol/l, bei Magnesium bei 0,7-1,05 mmol/l – mit geringen
Abweichungen je nach Labormethode.

Auslöser („Trigger“) für Rhythmusstörungen
Wird der untere Grenzwert unterschritten, führen Kaliummangel
(Hypokaliämie) und Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) in den Zellen zu
einer verstärkten Erregbarkeit der Zellmembrane, so dass sich verstärkt
Extraschläge des Herzens (Extrasystolen) bilden. Das Herz wird dadurch
anfälliger für Rhythmusstörungen in den Vorhöfen (Vorhofflimmern) und den
Herzkammern. „Im schlimmsten Fall kann extremer Magnesiummangel das
lebensbedrohliche Kammerflimmern begünstigen“, warnt der Chefarzt für
Kardiologie am St. Vincenz Krankenhaus Paderborn. Kaliummangel kann sich
mit Symptomen wie Ermüdbarkeit, Muskelschwäche und Verstopfung bemerkbar
machen, Magnesiummangel mit Symptomen wie Muskelzittern, Muskelschwäche
und Muskelkrämpfen. Wird eine Herzrhythmusstörung festgestellt, sollten
die Kalium- und Magnesiumwerte hochnormal eingestellt werden: z. B. auf
einen Kaliumwert von 4,4 mmol/l und einen Magnesiumwert von 0,9 mmol/l. In
manchen Fällen lässt sich durch eine Normalisierung der Kalium- und
Magnesiumwerte die Herzrhythmusstörung beseitigen. „Häufig muss aber nach
anderen Ursachen gesucht und die Rhythmusstörung selbst behandelt werden.“

Helfen bei zu niedrigen Werten: Ernährung oder Präparate
Sowohl ein Kalium- als auch ein Magnesiummangel sollten wegen der erhöhten
Anfälligkeit der Herzmuskelzellen für Rhythmusstörungen z. B. durch eine
kalium- und magnesiumreiche Ernährung und, wenn nötig, durch Kalium- und
Magnesiumpräparate ausgeglichen werden. „Normalerweise erhält der Körper
durch die Ernährung genug Kalium und Magnesium“, so Götte. Gute
Kaliumlieferanten sind vor allem getrocknete Aprikosen und getrocknete
Bananen sowie Gemüse wie Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Erbsen, weiße Bohnen,
Linsen. Gute Lieferanten von Magnesium sind Trockenobst, Bohnen, Linsen,
Getreideprodukte, Nüsse. Zum erheblichen Verlust von Kalium und Magnesium
können aber auch Nierenfunktionsstörung, Durchfallerkrankungen,
übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln führen, ebenso Erbrechen, Fieber
und starkes Schwitzen. „Dies kann bei Patienten beispielsweise mit
Herzschwäche, die wassertreibende Diuretika einnehmen, den Verlust an
Elektrolyten beschleunigen.“ Auch bei langanhaltender Hitze im Sommer,
durch übermäßigen Alkoholkonsum, Diabetes und Gallenwegserkrankungen kann
der Kalium- und Magnesiumspiegel absinken.

Kalium und Magnesium nie einfach so ins Blaue nehmen!
Die Herzstiftung warnt vor einer Einnahme von Kalium und Magnesium ohne
ärztliche Rücksprache – einfach so ins Blaue, unabhängig von ihren Werten.
„Grundsätzlich sollten Kalium und Magnesium nur eingesetzt werden, wenn im
Labor ein Mangel daran festgestellt wurde“, betont Götte. Können durch
eine magnesium- und kaliumreiche Ernährung die Normwerte nicht erreicht
werden, sollten nicht Nahrungsergänzungsmittel, sondern Medikamente zum
Einsatz kommen. Kalium am besten als Kaliumchlorid (40 mmol pro Tag),
Magnesium als Magnesiumaspartat oder Magnesiumcitrat (10 mmol pro Tag).
„Kaliummangel kann effektiv nur ausgeglichen werden, wenn die
Magnesiumwerte im Normbereich liegen. Ein Magnesiummangel verstärkt die
Symptome eines Kaliummangels.“

Vorsicht auch vor zu hohem Kaliumspiegel: Herzschlag wird verlangsamt
Selten ist ein zu hoher Magnesiumspiegel, häufiger hingegen ein zu hoher
Kaliumspiegel. Weil hierdurch die Erregbarkeit der Schrittmacher- und
Herzmuskelzellen herabgesetzt wird, wird das Herz langsamer. Bei extrem
hohem Kaliumspiegel kann die Verlangsamung so weit gehen, dass das Herz
gar nicht mehr schlägt: Herzstillstand. Die Ursache für eine zu hohe
Kaliumkonzentration im Blut kann eine akute Nierenschwäche sein. Aber auch
Medikamente, die für die Behandlung von Bluthochdruck und Herzschwäche
eingesetzt werden, können einen zu hohen Kaliumspiegel verursachen: ACE-
Hemmer, Sartane, vor allem Aldosteronantagonisten. Auch kaliumsparende
Diuretika können zu Abweichungen des Kaliumspiegels nach oben führen.
Deshalb müssen in diesen Fällen Kalium und die Nierenfunktion regelmäßig
kontrolliert werden. Bei lebensbedrohlich überhöhten Werten von Kalium und
Magnesium kann z. B. durch die Gabe von Diuretika oder eine
Dialysebehandlung der Kalium- oder Magnesiumspiegel gesenkt werden.

Wie oft Normwerte kontrollieren?
Bei allen Patienten, die folgende Medikamente einnehmen, müssen die
Kaliumwerte und die Nierenfunktion regelmäßig überwacht werden: vor Beginn
der Therapie und vor Änderung der Dosierung und nochmals in den folgenden
zwei Wochen. Danach wird zu einer halbjährlichen Kontrolle geraten.

- Diuretika (Entwässerungsmittel),
- ACE-Hemmer,
- Sartane oder ARNI (Valsartan/Sacubitril)
- Aldosteronantagonisten,
- kaliumsparende Diuretika (Entwässerungsmittel),
- Digitalispräparate (Digoxin und Digitoxin)

Die Überwachung der Kalium- und Magnesiumwerte ist besonders wichtig bei
Herzschwäche-Patienten: Bei ihnen kann eine Herzrhythmusstörung zu einer
gefährlichen  Verschlechterung der Herzschwäche, schlimmstenfalls zum
Herzversagen führen.

Tipp: Das Herzstiftungs-Interview „Kalium und Magnesium bei
Herzrhythmusstörungen“ kann kostenfrei telef. unter 069 955128400 (E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden.

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