DEGUM-PK: Gutartige Knoten in der Brust ohne OP behandeln
Tastbare Verhärtungen in der Brust und Spannungsgefühle: Frauen, die
darunter leiden, haben häufig keinen Brustkrebs sondern gutartige Knoten.
Etwa jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens davon
betroffen. Wenn die Geschwülste Schmerzen verursachen oder als störend
empfunden werden, sollten sie behandelt werden. Eine nicht-operative
Methode ist der hoch-intensive fokussierte Ultraschall (HIFU).Dadurch
können die Beschwerden ohne Operationsrisiken deutlich verringert und die
Größe des Knotens reduziert werden. Wie HIFU funktioniert, erläutern
Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
e.V.(DEGUM) auf einer Pressekonferenz am Mittwoch,den 5. Dezember.
Gutartige Knoten in der Brust – sogenannte Fibroadenome – treten vermehrt
bei Frauen unter 30 Jahren auf. „Häufig finden sich auch mehrere
Fibroadenome in der Brust “, sagt DEGUM-Expertin Dr. Bettina Böer. Die
Geschwülste werden durch den weiblichen Zyklus beeinflusst – vor der
Periode schmerzen sie häufig stärker. „In der Schwangerschaft und
Stillzeit können sich Fibroadenome deutlich vergrößern. Nach den
Wechseljahren nehmen sie normalerweise nicht weiter zu, sondern schrumpfen
eher“, so Böer vom Departement für Frauengesundheit am
Universitätsklinikum Tübingen. Ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs entsteht
durch die gutartigen Geschwülste nicht.
Sobald sie Schmerzen verursachen, wachsen oder die betroffene Frau sie als
störend empfindet, sollten sie entfernt werden. „Mit dem hoch-intensiven
fokussiertem Ultraschall (HIFU) können die Knoten mittels Wärme ambulant
behandelt werden“, erläutert Böer. Hierbei bündelt der Ultraschallkopf die
hochenergetischen Schallwellen wie bei einem Hohlspiegel in einem
Brennpunkt innerhalb des menschlichen Körpers. Durch die Absorption der
Ultraschallwellen entsteht Wärme, die das Gewebe punktuell unter Schonung
des umliegenden Gewebes auf bis zu 80 Grad erhitzt. „Bei diesen
Temperaturen gerinnt das Eiweiß und die Zellen der Knoten sterben ab“, so
die Ultraschall-Expertin.
Der Erfolg der Methode zur Bekämpfung der Fibroadeome konnte bereits in
zahlreichen internationalen Studien nachgewiesen werden. „Rund zwei
Drittel der Patientinnen zeigten ein Jahr nach der Behandlung keine
Schmerzen mehr“, betont Böer. „Zudem konnte die Größe der Knoten bei der
Mehrheit der Betroffenen deutlich reduziert werden – und zwar mit
langfristiger Wirkung.“ Außerdem wurden die vitalen Zellen des
Fibroadenoms bei zahlreichen Patientinnen effektiv zerstört. Vorteile sind
darüber hinaus, dass die Behandlung schmerzarm in Lokalanästhesie erfolgen
kann und dass – im Gegensatz zu allen anderen Behandlungsverfahren – keine
äußere Narbe sichtbar ist. Studienergebnisse zeigen, dass fast alle
Patientinnen (96 Prozent) die Behandlungsmethode weiterempfehlen – nicht
zuletzt auch deshalb, weil bei dieser Behandlungsmethode kaum
Nebenwirkungen auftreten. „Lediglich in sehr seltenen Fällen kommt es zu
vorübergehenden Einblutungen in die Haut oder leichten
Pigmentveränderungen“, so Böer.
HIFU ist zur Bekämpfung von gutartigen Knoten in der Brust zwar sehr
effektiv. Doch für die alleinige Behandlung bei malignen Knoten, also
Brustkrebs, nach derzeitigem Kenntnisstand unzureichend. „In aktuellen
Untersuchungen wird nun geprüft, ob der fokussierte Ultraschall die
Wirkung der Immuntherapie bei Brustkrebspatientinnen verbessern kann“,
sagt Böer. „Die Ergebnisse erwarten wir mit Spannung – denn sie könnten
einen weiteren Fortschritt in der Krebstherapie bedeuten.“
Wie werden Fibroadenome entdeckt?
Die Verdachtsdiagnose entsteht beim Frauenarzt meistens bereits durch
einen verschieblichen Tastbefund. Um die Diagnose sicher zu stellen, wird
bei jungen Frauen dann eine Ultraschalluntersuchung der Brust
durchgeführt. Da bei ihnen das Brustgewebe häufig sehr dicht ist, ist hier
eine Mammografie, also Röntgenuntersuchung, nicht empfehlenswert.
Bei Frauen über 40 wird meist ergänzend eine Mammografie durchgeführt. Zur
Diagnosesicherung wird meist eine Biopsie zur feingeweblichen Untersuchung
durchgeführt.
Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet
ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch
auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000
Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten,
Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am
häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin.
Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende
Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-
zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: www.degum.de
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