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Gesundheit

Kathleen und Thomas Roll sind dankbar: PD Dr. Cahit Birdir hat mit einer Lasertherapie das Leben ihrer Kinder Oskar und Felix gerettet. Die Zwillinge sind jetzt zwei Monate alt.  UKD/Annechristin Bonß

Erfolgreiche Lasertherapie bei Zwillingen im Mutterleib

Kathleen und Thomas Roll sind dankbar: PD Dr. Cahit Birdir hat mit einer Lasertherapie das Leben ihrer Kinder Oskar und Felix gerettet. Die Zwillinge sind jetzt zwei Monate alt.  UKD/Annechristin Bonß
Kathleen und Thomas Roll sind dankbar: PD Dr. Cahit Birdir hat mit einer Lasertherapie das Leben ihrer Kinder Oskar und Felix gerettet. Die Zwillinge sind jetzt zwei Monate alt. UKD/Annechristin Bonß

In der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum
Carl Gustav Carus Dresden ist erstmals eine Lasertherapie im Mutterleib
vorgenommen worden. Das Team um Privatdozent (PD) Dr. Cahit Birdir
behandelte eine Mutter in der 18. Schwangerschaftswoche, weil es bei der
Patientin zu Problemen mit der Plazenta gekommen war. Grund für den
hochspeziellen Eingriff war eine sogenannte monochoriale Geminigravidität
mit fetofetalem Transfusionssyndrom. Dabei ist der Kreislauf der Kinder
über einen gemeinsamen Mutterkuchen verbunden, was die Zwillinge in
Lebensgefahr brachte.

Das Expertenteam trennte mit einem Laser die beiden Kreisläufe und stellte
damit eine gleichmäßige Blutversorgung beider Kinder bis zur Geburt
sicher. In der 32. Schwangerschaftswoche kamen die beiden Jungen
schließlich gesund zur Welt.
„Es ist immer noch ein Wunder, diesen Feten helfen zu können“, sagt PD Dr.
Cahit Birdir. Seit April vergangenen Jahres hat der leitende Oberarzt für
Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Dresden die
Möglichkeiten der intrauterinen Therapie weiter etabliert. Mit seinem
unter anderem am King’s College Hospital in London erworbenen großen Know-
how ergänzt er seitdem die diagnostischen und therapeutischen Angebote der
vorgeburtlichen – pränatalen – Medizin der Uni-Frauenklinik. „Wichtiger
Bestandteil unseres Konzeptes der pränatalen Medizin ist es, mögliche
Risiken einer Schwangerschaft abzuschätzen“, erklärt PD Cahit Birdir das
Anliegen der Erst-Trimester-Spezialsprech­stunde. Um das Therapiespektrum
für werdende Mütter und ihre ungeborenen Kinder erweitern zu können, hat
PD Dr. Birdir seine am Londoner King’s College Hospital gesammelten
Erfahrungen in der fetalen Laserchirurgie mit nach Dresden gebracht. In
London war er als Assistent an über 400 dieser Eingriffe bei Ungeborenen
beteiligt.
Operationen im Mutterleib sind immer dann eine Option, wenn die
ungeborenen Kinder durch Probleme der Plazenta gefährdet sind. So wird
eine OP bei eineiigen Zwillingen notwendig, wenn bei einem fetofetalen
Transfusionssyndrom die Blutkreisläufe dieser Kinder über eine gemeinsame
Plazenta miteinander verbunden sind und der eine Fet den anderen mit Blut
versorgt. Das nennt man fetofetales Transfusionssyndrom. Der Fetalchirurg
trennt die beiden Kreisläufe mittels Laser, damit beide Kinder gleichmäßig
mit Blut versorgt werden. Geschieht das nicht, bekommt ein Kind zu viel
und das andere zu wenig Blut. Unbehandelt bleibt den Zwillingen nur eine
zehnprozentige Überlebenschance. Dank der Laser-OP im Mutterleib liegt die
Überlebenschance bei etwa 90 Prozent. Nach der erfolgreich ausgeführten
intrauterinen Lasertherapie in der 18. Schwangerschaftswoche am
Uniklinikum sind Mitte Juni beide Kinder erfreulicherweise in der 32.
Schwangerschaftswoche geboren worden. „Mutter und Kinder sind gesund“,
sagt PD Dr. Cahit Birdir. „Wir sind froh und dankbar, dass uns das Team um
Dr. Birdir helfen konnte und dass der Eingriff in Dresden möglich war“,
sagt Kathleen Roll, die Mutter der Zwillinge. Oskar und Felix sind seit
wenigen Wochen zu Hause und entwickeln sich prächtig. „Wir möchten auch
anderen betroffenen Familien Mut machen, sich für diesen Eingriff zu
entscheiden.“
„Diese komplexen Eingriffe den Eltern mit Risikoschwangerschaften
erfolgreich anbieten zu können, ist ein sehr großer Gewinn für die Paare
und die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“, sagt Prof. Pauline
Wimberger, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
„Mit dem Ziel der größtmöglichen Sicherheit während Schwangerschaft und
Geburt steht hier unseren Patienten ein erfahrenes Team zur Seite. Ein
breitgefächertes und ständig verfügbares Angebot an vor- und
nachgeburtlicher Expertise zeichnet das universitäre Perinatalzentrum
aus.“ Das Perinatalzentrum am Universitätsklinikum Dresden gehört zu den
fünf größten Zentren in Deutschland. „Die Möglichkeiten der pränatalen
Diagnostik und Therapie ermöglichen es auch, dass schwer erkrankte
Ungeborenen gesund überleben und machen damit oftmals eine Behandlung der
Neugeborenen überflüssig“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Leiter des
Fachbereiches Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der
Universitätskinderklinik.

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Neue Europäische Leitlinie empfiehlt Kombipräparate zur Blutdrucksenkung

Einzelsubstanzen haben in der Behandlung von Bluthochdruck ausgedient. Die
neu publizierte europäische Leitlinie für die Behandlung von Bluthochdruck
empfiehlt den Einsatz von sogenannten Fixdosis-Kombinationen, also von „2
in 1“ (oder „3 in 1“)-Blutdrucksenkern. Die sind teurer, verbessern aber
die Therapietreue und damit die Rate an Patienten, deren Blutdruck
erfolgreich in den Zielbereich gebracht werden kann. Das zahle sich aus,
denn damit würde auch die Zahl der Folgekomplikationen von Bluthochdruck
sinken, die dem Gesundheitssystem jährlich mehrere Milliarden kosten. Die
Deutsche Hochdruckliga drängt nun auf eine schnelle Implementierung der
Leitlinienempfehlung im klinischen Alltag.

Vom 25.-29.8.2018 trafen sich beim Kongress der European Society of
Cardiology (ESC) rund 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zu
Expertenvorträgen und wissenschaftlichem Austausch. Ein wichtiger
Programmpunkt war die Diskussion der Europäischen Leitlinie für die
Behandlung von Bluthochdruck, die zusammen von der „European Society of
Hypertension“ (ESH) und der ESC entwickelt worden war und nun zum Kongress
publiziert wurde [1].

Eine Neuerung mit großer Bedeutung für die klinische Praxis in Deutschland
ist die Empfehlung von sogenannten Fixdosis-Kombinationen (im engl.
„single pill combinations“); also Tabletten, die 2-3 blutdrucksenkende
Substanzen enthalten. „Die medikamentöse Therapie soll nun primär als
Zweifach-Kombinationstherapie aus ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-
Blocker (ARB) und Kalziumantagonist oder Thiaziddiuretikum erfolgen, die
Monotherapie hat als Erstlinientherapie ausgedient“, so fasst Prof. Dr.
Bernhard K. Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und
Prävention e.V., die wesentliche Änderung zusammen.

Neuer Therapiestandard sind also „2 in 1“-Blutdrucksenker (bzw. „3 in 1“).
Noch sieht der Behandlungsalltag in Deutschland aber ganz anders aus: Die
Kombinationspräparate machen derzeit nur rund 15% der verschriebenen
Blutdrucksenker aus (Anteil der Zweifach-Kombinationen: 14%; Anteil der
Dreifachkombinationen: 1%), das Gros der Patienten wird mit
Einzelsubstanzen behandelt und muss bei Bedarf bis zu drei verschiedene
Blutdrucksenker einnehmen. Um eine leitliniengerechte Therapie zu
ermöglichen, muss jetzt der KBV-Medikationskatalog [2] entsprechend
angepasst und die Kombinationspräparate priorisiert werden. Das wird mit
höheren Kosten für die Krankenkassen einhergehen, da Präparate mit einer
Mehrfachkombination derzeit oft teurer sind als die Einzelwirkstoffe.
Dieses Investment lohne sich aber und sei auch nicht ohne Grund von der
europäischen Leitlinienkommission empfohlen worden. „Es gibt viele
Studien, die zeigen, dass die Therapietreue mit der Anzahl der Tabletten,
die eingenommen werden müssen, abnimmt. Werden Mehrfachkombinationen
verschrieben, kann das die Zahl der Patienten, die eine erfolgreiche und
anhaltende Blutdrucksenkung erreichen, erhöhen. Mehrfachkombinationen
mögen zwar teurer sein, aber sie können helfen, viele Schlaganfälle,
Herzinfarkte und andere Folgekomplikationen zu verhindern“, so Professor
Krämer. „Kombinationspräparate haben darüber hinaus den Vorteil, dass
mehrere Wirkstoffe in einer Tablette z.T. in niedrigerer Dosierung
kombiniert werden, was die Tabletten in der Regel nebenwirkungsärmer
macht.“

Derzeit ist die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck in Deutschland
nicht bzw. nicht ausreichend behandelt und nach Ansicht der Experten ist
es dringend notwendig, diesen Anteil deutlich zu reduzieren. Nur so kann
den z.T. dramatischen Folgeerkrankungen von Bluthochdruck – wie
Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenkrankheit, Erblindung oder Demenz –
entgegengewirkt werden. „Wir müssen alles daransetzen, dass mehr Menschen
mit Bluthochdruck erfolgreich behandelt werden“, so Professor Dr. Peter
Trenkwalder, stellv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.
„Ein Weg dahin ist der Einsatz von Mehrfachkombinationspräparaten.“ Die
Mehrkosten für die Kombinationsmedikamente würden sich langfristig auch
auszahlen. „Derzeit werden Milliarden ausgegeben, um Folgeerkrankungen von
Bluthochdruck zu therapieren. Wir glauben, dass es sich lohnt, von
vornherein etwas mehr in eine effizientere Bluthochdrucktherapie zu
investieren, die teure Folgekomplikationen verhindern kann.“

Die Deutsche Hochdruckliga setzt sich dafür ein, dass die Empfehlung der
neuen Leitlinie schnell in den KBV Medikationskatalog Hypertonie
eingearbeitet wird, damit die verschreibenden Ärzte keine Probleme
bekommen, wenn sie ihre Patienten bestmöglich nach aktuellem
Leitlinienstandard behandeln wollen. „Sollte es der Arzt für notwendig
erachten, auf Basis der aktuellen Leitlinie, Mehrfachkombinationen zu
verordnen, darf er dafür nicht finanziell bestraft werden. Hier besteht
Handlungsbedarf“, so Professor Trenkwalder. „Wir fordern eine schnelle
Umsetzung der Leitlinienempfehlung, und zwar auch abrechnungstechnisch,
damit Hausärzte und Hypertensiologen ihre Patienten optimal versorgen
können.“


Quelle:
[1] Williams B, Mancia G et al. 2018 ESC-ESH Guidelines for the Management
of Arterial Hypertension. J Hypertens 2018 (in press)
[2] http://www.kbv.de/html/medikationskatalog.php

Originalpublikation:
https://academic.oup.com/eurheartj/advance-
article/doi/10.1093/eurheartj/ehy339/5079119

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Neue Europäische Blutdruck-Leitlinie: 140/90 mm Hg bleibt «rote Linie»

Auch in der neuen Europäischen Blutdruck-Leitlinie [1], die aktuell
publiziert wurde, markiert der Grenzwert von 140/90 mm Hg die «rote
Linie». Erst dann kommen Blutdrucksenker ins Spiel. Lebensstilmaßnahmen
zum Gegensteuern werden bereits davor empfohlen: Das ist effektiv und
schützt vor einem kardiovaskulären Ereignis wie Herzinfarkt und
Schlaganfall. Die Gefahr einer möglichen Untertherapie sieht die Deutsche
Hochdruckliga nicht.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen um
Blutdruckgrenzwerte, da diese in den USA in Folge der SPRINT-Studie [2]
2017 abgesenkt wurden. Krank und somit therapiebedürftig ist dort, wer
Blutdruckwerte ≥ 130/80 mm Hg aufweist. Die Frage war, ob auch die
Europäer dem amerikanischen Beispiel folgen und den Grenzwert in ihrer
Leitlinie absenken. Die neue Leitlinie der europäischen Gesellschaften für
Hypertonie und Kardiologie (ESH/ ESC) wurde nun anlässlich des Kongress
der European Society of Cardiology (ESC) in München publiziert, sieht aber
weiterhin vor, Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von ≥ 140/90 mm Hg
medikamentös zu behandeln.

Prof. Dr. Bernhard K. Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie
und Prävention e.V. erklärt: „Viele Studien zeigen ein Ansteigen des
kardiovaskulären Risikos bereits ab einem Blutdruck von 130/ 80 mm Hg auf.
Mit der roten Linie, dem Grenzwert, wird der Schwellenwert definiert, ab
dem der Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten empfohlen wird. Dieser
Grenzwert bleibt bei 140/90 mm Hg. Die neue Leitlinie definiert aber
erstmals einen niedrigeren, individuell festzulegenden Zielwert (je nach
Ausgangsrisiko in Abhängigkeit von Alter, manifesten Organschäden und
körperlicher Verfassung) bei der medikamentösen Hochdruckbehandlung.
Dieser Zielwert liegt für Patienten unter 65 Jahre erstmals bei 120/70 bis
130/80 mm Hg (nur bei guter Verträglichkeit).

Professor Dr. med. Peter Trenkwalder, Stellv. Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie
und Prävention, erklärt: „Bei uns bleibt 140/90 mm Hg die «rote Linie».
Erst ab da muss der Blutdruck medikamentös gesenkt werden.
Lebensstilmaßnahmen zur Blutdrucksenkung werden aber bereits bei
hochnormalen Blutdruckwerten (130-139/85-89 mm Hg) empfohlen. Hier haben
es die Menschen selbst in der Hand, durch ausreichend Bewegung, gesunde
Ernährung und Abnehmen bei Übergewicht ihren Blutdruck zu senken. Erst
wenn diese Maßnahmen nicht greifen und der Blutdruck über den Grenzwert
von 140/90 mm Hg steigt, sollten zusätzlich medikamentöse Blutdrucksenker
eingesetzt werden.“

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für
Hypertonie und Prävention sieht in den neuen Leitlinien keine mögliche
Gefährdung oder Untertherapie der Patienten: „Unserer Meinung nach ist das
eine Empfehlung mit Augenmaß“, so das Fazit von Prof. Dr. Bernhard K.
Krämer. Professor Trenkwalder ergänzt: „Es nützt nichts, die Patienten
durch das Absenken der Grenzwerte kränker zu machen. Die Herausforderung
und Verantwortung für den Arzt gegenüber seinen Patienten liegt darin, sie
in der Therapietreue medikamentös und nichtmedikamentös zu unterstützen.“


Originalpublikation:
Quelle:
[1] Williams B, Mancia G et al. 2018 ESC-ESH Guidelines for the Management
of Arterial Hypertension. J Hypertens 2018 (in press)
[2] Wright JT, Jr., Williamson JD, Whelton PK et al. A Randomized Trial of
Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med 2015; 373:

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Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim

Frankfurter Wissenschaftler: Neue Chancen zur besseren Behandlung von Arthrose

Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim
Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim
Die "Alterskrankheit" Arthrose wird auch durch körpereigene Enzyme ausgelöst / Frühe Diagnose und neue Therapien als Alternative zum Gelenkersatz -  Aber es fehlen Gelder für die Forschung.
In Deutschland sind mehr als 50 Prozent der Frauen und ein Drittel der Männer über 60 Jahren von Arthrose betroffen. Millionen Menschen kämpfen Tag für Tag mit Schmerzen, Entzündungen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Die Behandlungskosten für Arthrose belasten das Gesundheitssystem nach Expertenschätzung jährlich mit rund sieben Milliarden Euro, verbunden mit hohen Ausfallzeiten am Arbeitsplatz und Frühverrentung. Trotzdem ist das Problem Arthrose in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt, wird viel zu wenig Geld in die Erforschung dieser Volkskrankheit investiert. Von Frankfurt aus will die Deutsche Initiative Arthroseforschung jetzt Weichen stellen, die Behandlungsmöglichkeiten für diese Volkskrankheit zu verbessern.
Lange dachten Forscher, Arthrose sei vor allem die Folge von Gelenkverschleiß. Heute gilt als sicher: auch aggressive körpereigene Enzyme sind wesentlich an der Entstehung und dem Fortschreiten der Krankheit beteiligt. Im Forschungsbereich für Arthrose an der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt arbeiten Wissenschaftler und Kliniker an den Behandlungsmethoden der Zukunft, vor allem aber an Möglichkeiten, um Arthrose in einem sehr frühen Stadium zu diagnostizieren.

"Die Arthroseforschung konzentrierte sich in der Vergangenheit ausschließlich auf die Verbesserung des Gelenkersatzes", sagt Professor Dr. Andrea Meurer, Ärztlichen Direktorin der Orthopädischen Universitätsklinik. "Zudem fehlte das Geld: Bei der Finanzierung medizinischer Forschungsprojekte haben in der Regel Studien zu Krebs, Diabetes oder Herzkrankheiten Vorrang, weil sie häufiger junge Menschen betreffen, akut lebensbedrohlich sein können und hohe Kosten verursachen", so Frau Professor Meurer.

Um die patientennahe Arthroseforschung zu fördern, wurde 2016 eine neue Abteilung für Arthroseforschung innerhalb der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim gegründet. Der Biochemiker und Molekularbiologe Professor Dr. Frank Zaucke ist Leiter dieser Abteilung und gehört zu den wenigen Wissenschaftlern in Deutschland, die sich als Grundlagenforscher dieser Krankheit widmen. Finanziert wurde der Forschungsbereich bisher weitgehend aus einer 4,2 Millionen Euro-Spende der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung.

Ziel: Arthrose im Anfangsstadium stoppen
Die Suche nach besseren Diagnose- und wirkungsvolleren Behandlungsmöglichkeiten von Arthrose kam bisher aber nur langsam voran. "Unser wichtigstes Ziel ist, die Krankheit bereits in einem frühen Anfangsstadium zu erkennen, ihren Verlauf zu verlangsamen und so den Gelenkersatz zu verhindern", so Zaucke. Ein Ansatzpunkt ist dabei die Identifizierung von Abbauvorgängen, die schon vor einer radiologisch möglichen Diagnose stattfinden. Beim Abbau des Knorpels entstehen Fragmente, die zum einen als prognostische Biomarker für die Erkrankung dienen, zum anderen kann die Hemmung der abbauenden Enzyme das Fortschreiten und die Ausprägung der Erkrankung verlangsamen. Aktuell tüfteln die Wissenschaftler in Frankfurt auch an einer Methode, mit der sich winzige Knorpeldefekte reparieren lassen. "Das funktioniert ein bisschen wie eine Füllung beim Zahnarzt", sagt Professor Zaucke. In Zukunft sollen in Frankfurt Behandlungsstrategien entwickelt werden, um möglichst vielen Patienten auch ohne Gelenkersatz wirksam helfen zu können.

Weitere finanzielle Unterstützung erhält der Forschungs-bereich für Arthrose mittlerweile über ein von der Europäischen Union (EU) gefördertes Netzwerk. Außerdem hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kürzlich eine Forschungsgruppe zum Thema ‚Neue molekulare Determinanten der Homöostase der muskuloskeletalen extrazellulären Matrix‘ eingerichtet. Auch daran ist die Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim mit einem Projekt beteiligt.

Deutsche Initiative Arthroseforschung zeigt Wirkung
2017 wurde von Frau Professor Meurer die Deutsche Initiative Arthroseforschung ins Leben gerufen. Diese Initiative soll die Arbeit von Kliniken und Ärzten auf dem Gebiet deutschlandweit koordinieren und den Aufbau von weiteren Forschungsnetzwerken unterstützen. Ein erster großer Workshop mit Klinikvertretern und Grundlagenforschern aus ganz Deutschland sowie Vertretern der Medizinwirtschaft brachte im Frühjahr 2018 wichtige Impulse für den Forschungsfortschritt. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie stellt überdies Mittel für eine erste Anschubfinanzierung ausgewählter Forschungs-projekte im Bereich Arthrose zur Verfügung. Unterstützt werden die Forscher in ihrem Bemühen auch durch Professor Dr. Rita Süssmuth. Die frühere Bundestagspräsidentin ist prominente Botschafterin und Schirmherrin der Initiative. Auch mit ihrer Unterstützung sollen politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit für das wachsende Problem Arthrose sensibilisiert werden. Die Forscher erhoffen sich dadurch die Bereitstellung weiterer finanzieller Mittel, um die Erforschung der Krankheit künftig noch schneller voranzubringen.



Professor Dr. Frank Zaucke ist Leiter der Abteilung für Arthroseforschung in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim. Er gehört zu den wenigen Wissenschaftlern in Deutschland, die sich der Arthrose-Grundlagenforschung widmen. Foto: Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim
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