Wenn die Leber ein modernes High-Tech-Gerät wäre, hätte sie vermutlich ein hervorragendes Image als zuverlässiger Alleskönner und einen hohen Bekanntheitsgrad: Die Leber ist das wichtigste Organ für Stoffwechsel und Entgiftung des Körpers. Bei Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung lagert die Leber vermehrt Fett ein – aus dem leistungsfähigen Organ wird eine kranke Fettleber. Jeder dritte Bundesbürger über 40 und sogar Kinder sind bereits betroffen. Die Ausrichter des 18. Deutschen Lebertages am 20. November 2017 – Deutsche Leberstiftung, Deutsche Leberhilfe e. V. und Gastro-Liga e. V. – weisen auf diese alarmierende Entwicklung unter dem Motto: „An die Leber denken!“ hin.
„Die drei Risikofaktoren Übergewicht, Bewegungsmangel sowie ungesunde Ernährung, und hierzu zählt selbstverständlich auch übermäßiger Alkoholgenuss, können eine Leberverfettung und eine daraus resultierende Leberschädigung verursachen“, erklärt Professor Dr. Claus Niederau, Vorstandsvorsitzender Deutsche Leberhilfe e. V., und ergänzt: „Eigentlich sind die notwendigen Maßnahmen wie Abnehmen, mehr Bewegung und gesündere Ernährung zur Vermeidung oder Umkehr des krankhaften Leberwachstums einfach zu realisieren. Doch vielen Patienten fällt es sehr schwer, an die Leber zu denken und ihren Lebensstil konsequent zu ändern.“
Erfolgreiche Gewichtsabnahme gelingt nur, wenn konsequent und langfristig der Verzehr von Kohlenhydraten, gesättigten Fetten sowie Fruchtzucker reduziert und insgesamt die Kalorienzufuhr verringert wird. Ergänzend sollte moderater Sport Bestandteil des neuen leberfreundlichen Lebensstils sein, der sich auch positiv auf das Herz-Kreislaufsystem und andere Organe auswirkt.
Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass bei Übergewichtigen eine Diät mit täglichen 800 Kalorien und zusätzlichen Gemüsemahlzeiten nach acht Wochen den Leberfettgehalt wieder normalisieren kann. Nicht alles ist dabei verboten, der Experte hat auch gute Nachrichten für Kaffee-Fans: „Es sind nicht alle Genussmittel schädlich für die Leber. Kaffee hat einen nachgewiesenen protektiven Effekt bei chronischen Lebererkrankungen. Mehrere Studien zeigen, dass das Risiko einer höhergradigen Fibrose bei Kaffeegenuss sogar reduziert ist. Selbstverständlich sollte der Kaffee-Konsum mit dem behandelnden Arzt abgesprochen sein, um einen negativen Effekt auf eventuell vorhandene weitere Erkrankungen auszuschließen“, rät Professor Niederau.
Eine Heilung der tückischen und meist symptomarmen Lebererkrankung, von der auch schlanke oder nur leicht übergewichtige Menschen betroffen sein können, ist mit Medikamenten bislang noch nicht möglich. „Medikamentös lässt sich die nicht-alkoholische Fettleber derzeit noch nicht adäquat behandeln. Aktuell sind jedoch verschiedene Medikamente mit differenzierten Wirkprinzipien im Entwicklungsstatus. Neue Studien belegen eine Reduzierung von Leberfett und Fibrose durch sogenannte Insulin- Sensitizer, die zur Verbesserung der Insulinwirkung eingesetzt werden, und durch GLP-1-Agonisten, die die Insulinfreisetzung stimulieren", sagt Professor Niederau.
Damit eine erkrankte Leber noch in einem frühen Stadium der Erkrankung entdeckt und durch einen veränderten Lebensstil geheilt werden kann, ist der Test der Leber-Blutwerte wichtig. Dieser gehört in der Regel nicht zu den Routine-Untersuchungen. Speziell übergewichtige Menschen sollten sich beim nächsten Arztbesuch an das Motto des diesjährigen Lebertages erinnern und „an die Leber denken“!
Occupational Science Konferenz erstmalig auf europäischen Festland (v.l.n.r.) Prof. Dr. Ulrike Marotzki, Dr. Sandra Schiller, Dr. Ruth Zemke, Dr. Anne Roberts, Prof. Dr. Debbie L HAWK
Zwei Tage lang diskutierten und tauschten sich jetzt 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 24 Ländern an der HAWK in Hildesheim zu der jungen wissenschaftlichen Disziplin der Occupational Science (engl. für Betätigungswissenschaft) aus. Die internationale Tagung mit dem Thema „Meeting in Diversity – Occupation as a Common Ground“ („Treffen in Vielfalt - Beschäftigung als gemeinsame Plattform“) fand in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin und dem Netzwerk Occupational Science Europe (OSE) statt und war erst die vierte europäische Occupational Science Konferenz überhaupt. Organisiert wurde die Tagung von Prof. Dr. Ulrike Marotzki, Dr. Sandra Schiller, und Dorothea Harth (alle HAWK), Dr. Katharina Röse (OSE-Vorstandsmitglied) und Prof. Dr. Silke Dennhardt (ASH).
Vizepräsident begrüßt internationale Gäste „Für unsere Studierenden ist dies eine große Chance, die überwiegend internationalen Forscherinnen und Forscher zu treffen, ihre Vorträge zu hören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, hob HAWK-Vizepräsident Prof. Dr. Dieter Grommas in seiner Begrüßungsrede am ersten Konferenztag die Eigeninitiative und den Pioniergeist der Studiengänge Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit hervor.
Zukunftsszenarien bei der Vortagung Schon zur Vortagung, dem sogenannten Think Tank, waren 70 der Konferenzteilnehmer/innen früher nach Hildesheim angereist. Diese Ideenschmiede wurde von einer seit 2015 bestehenden internationalen Arbeitsgruppe, in der die HAWK durch Dr. Sandra Schiller vertreten ist, vorbereitet. Nach einem Eröffnungsvortrag von Lisette Farias, Doktorandin an der Western University in Kanada, befassten sich neun Kleingruppen damit, wie durch eine betätigungsbasierte Perspektive aktuelle gesellschaftliche Veränderungsprozesse analytisch angemessen erfasst und durch eigenes Engagement in Forschung und Praxis beeinflusst werden können. Zu Themenbereichen wie Armut und Arbeitslosigkeit, Migration und ökologischer Nachhaltigkeit entwickelten die Teilnehmer/innen Zukunftsszenarien und erste Schritte, die sie als neu gebildete Arbeitsgruppen nach der Konferenz unternehmen wollen.
Gründerin der Occupational Science Drei Keynote Sprecherinnen zeigten dann während der Konferenz unterschiedliche Perspektiven in der Occupational Science auf. Die erste war die Amerikanerin Dr. Ruth Zemke, emeritierte Professorin der University of Southern California, sie zählt zu den Gründerinnen der Occupational Science in den USA, die sich seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts im angloamerikanischen Raum zu einer disziplinübergreifenden Wissenschaft entwickelte.
Die Occupational Science beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Betätigung, Gesundheit und Wohlbefinden, aber auch mit Fragen zur Betätigung, die über die Gesundheit hinausgehen. Betätigung und ihr Einfluss auf Gesundheit, Teilhabemöglichkeiten oder auch, was Betätigung ermöglicht und verhindert, kann auf individueller Ebene, aber auch gruppen- oder gesellschaftsbezogen untersucht werden. So ist in der Occupational Science beispielsweise die Frage, inwieweit bestimmte Bevölkerungsgruppen von sozialer Teilhabe und Gesundheit aufgrund ungleicher Zugangsvoraussetzungen zu Betätigungen ausgeschlossen sind, ein Forschungsgebiet.
In der ersten Keynote der Konferenz „Occupational Science: Yesterday, Today, and Tomorrow“, gab Prof. Dr. Ruth Zemke einen Rückblick, einen Einblick und einen Ausblick in den aktuellen Stand der Occupational Science. Für die Einordnung der Wissenschaft stellte Zemke ihre persönliche Kurz-Definition auf der Tagung vor: „Occupational Science (OS) ist eine sich entwickelnde Wissenschaft, die alltägliche Betätigungen erforscht, welche Menschen bevorzugt tun oder nicht verrichten mögen, aber angehalten sind zu tun. Diese Dinge sind Teile unseres Lebens in die wir eingebunden sind, die unserem Leben Sinn geben, und zeigen, wer wir sind. Die Aktivitäten sind individuell verschieden. Dies ist ein interessanter Forschungsgegenstand, um darüber zu lernen, wie Individuen handeln und die Gesellschaft funktioniert.“
Als eine ihrer Gründerinnen zeigte sich Zemke beeindruckt, dass sich die Wissenschaft so schnell entwickelt hat. Sie freute sich darüber, dass sich die Occupational Science in immer mehr Ländern etabliert, sodass die internationale Forschung auch zunehmend von der Vielfalt unterschiedlicher soziokultureller Perspektiven auf Betätigung profitieren kann. Für die Weiterentwicklung der Wissenschaft hofft sie, dass der Fokus von OS auf der Forschung bleibt und nicht zu schnell in die konkrete praktische Anwendung gewechselt wird. Es bedarf ihrer Auffassung nach fundierter Grundlagen, um Betätigung gezielt für individuelle sowie gesellschaftliche Veränderung einsetzen zu können.
Sozial-kritische und engagierte Wissenschaft Diese Thematik vertiefte Prof. Dr. Debbie Laliberte Rudman von der Western University London (Kanada). Sie hob eine politische Ausrichtung und Verantwortung der OS als eine sozial-kritische und engagierte Wissenschaft hervor. In ihrer Keynote verdeutlichte sie, dass es Aufgabe der OS sei, auf die Diskriminierungen in den verschiedenen Kontexten im Zusammenhang mit Betätigungsungerechtigkeit (occupational injustice) hinzuweisen und soziale Veränderungen mitzugestalten.
Die Ergotherapie bereichert Dass Occupational Science den Bereich der Ergotherapie maßgeblich bereichert hat, betonte Prof. Dr. Anne Roberts, emeritierte Professorin der University of Plymouth (UK) und Vorsitzende von Occupational Science Europe (OSE) in der dritten Keynote. Durch den wissenschaftlichen Ansatz der Occupational Science könne man an die Wurzeln der Profession gehen und wissenschaftlich untersuchen, wie die Ergotherapie wirkt, um dann gezielt Betätigungen vorschlagen zu können, die den Menschen bei der Genesung und bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen, sagte die Ergotherapeutin aus England, die 2011 das europäische Netzwerk mitgründete.
Erkenntnisse erweitern die Praxis Die Erkenntnisse der Betätigungswissenschaften können die ergotherapeutische Praxis um neue Ansätze erweitern, ergänzt Prof. Dr. Ulrike Marotzki. Lebensumbrüche zum Beispiel, wie das Ausscheiden aus dem Berufsleben, sind mit der Anforderung verbunden, sich neu zu orientieren. Dies kann zu einer gesundheitlichen Belastung werden. Warum dies so ist, erforscht beispielsweise die Occupational Science. Für die therapeutische Praxis können hier Fragen abgeleitet werden: Welche Rollen hat ein Mensch bisher ausgefüllt und welche Hilfestellungen braucht er, um eine neue Rolle zu finden? Mit dem Wissen um Auswirkungen von Lebensübergängen auf die Betätigungen eines Menschen können diese in der Ergotherapie besser begleitet werden und Ergotherapie kann einen Beitrag zur Gesundheitsprävention leisten.
Bereicherung durch europäische Sichtweisen „Hier in Europa gibt es viel mehr Diversity“, zeigte Prof. Dr. Debbie Laliberte Rudmann von der Western University of Ontario aus Kanada einen der grundlegenden Unterschiede zwischen OS in Nordamerika und Europa auf. Die Ergotherapie und die Betätigungswissenschaft stehen besonders im europäischen Raum im direkten Austausch und entwickeln sich gegenseitig weiter. „Durch die Occupational Science kann sich die Ergotherapie im Allgemeinen über das Gesundheitssystem hinaus entwickeln und auch Themenfelder wie Arbeitslosigkeit, Armut oder die Flüchtlingsproblematik angehen - zu denen viel in den Betätigungswissenschaften geforscht wurde.“ „Occupational Science lief Gefahr, nur die englischsprachige Welt abzubilden, daher ist es gut, dass die Wissenschaft jetzt durch neue Stimmen und kulturelle Kontexte bereichert wird“, bewertete Prof. Dr. Clare Hocking, Chefredakteurin des Journal of Occupational Science sowie Professorin für Occupational Science und Therapie an der Auckland University of Technology (AUT) in Neuseeland, die Konferenz. An der HAWK wird Occupational Science als eine Grundlagenwissenschaft der Ergotherapie verstanden; in einem zweiteiligen Modul beschäftigen sich die Studierenden der Ergotherapie im Masterstudiengang mit der Perspektive: „Was heißt eigentlich Betätigung im Alltag?“. Als Quellen dienen überwiegend englische Texte. „Es ist aktuell noch eine kleine Gruppe, die OS wahrnimmt und sich damit auseinandersetzt“, sagt Professorin Dr. Ulrike Marotzki von der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, aber sie setze viel auf die junge Generation, die sich jetzt im Rahmen ihres Studiums mit diesen Perspektiven auf menschliche Betätigung beschäftigt. Gerade in der täglichen Arbeit, wie zum Beispiel in der Arbeitsrehabilitation oder in der Gemeinwesen orientierten Ergotherapie, wozu Dr. Sandra Schiller an der Fakultät und in Hildesheim einen wesentlichen Beitrag leistet, könne diese Art der Forschung die Ergotherapie durch ein umfassenderes Rollenverständnis maßgeblich bereichern.
Deutschsprachige Arbeitsgruppe geplant Neben der Gründung einer deutschsprachigen Arbeitsgruppe der Occupational Science, die auf der Konferenz beschlossen wurde, soll die Wissenschaft als wichtige Grundlage der Ergotherapie auch Einzug in den Bachelorstudiengang erhalten, versprach Prof. Dr. Marotzki zukunftsweisend. Prof. Dr. Silke Dennhardt, Professorin für Ergotherapie an der Alice Salomon Hochschule und Mitorganisatorin der Konferenz, zog eine positive Bilanz dieser ersten Occupational Science Konferenz in Deutschland: „Die Konferenz bot die ideale Austauschplattform, um sich untereinander zu vernetzen und sich von der Vielfalt der Ideen und Perspektiven innerhalb der internationalen Occupational Science bereichern zu lassen. Mit dieser Konferenz ist es uns zum ersten Mal gelungen, nordamerikanische und europäische Wissensdiskurse in der Occupational Science zusammenzubringen, was von vielen Teilnehmer/inne/n, gerade auch aus dem internationalen Raum, als besonderes Ereignis herausgestellt wurde.“
Dank an Organisation Die Vielfältigkeit der Beiträge und Diskussionen auf der Konferenz spiegelt sich nicht zuletzt auch in den vielen Ländern wider, aus denen die 230 Forscher/innen und Teilnehmer/innen anreisten. So kamen sie aus 13 europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Irland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden Schweiz Spanien), sowie elf weiteren Ländern (Argentinien, Australien, Brasilien, Israel, Japan, Kanada, Neuseeland, Pakistan, Katar, Südafrika, USA) nach Hildesheim. Durch die erstmals eingesetzte Live Stream Technik der HAWK waren zu einigen Präsentationen Teilnehmer/innen aus weiteren Ländern, wie beispielsweise Frankreich, Georgien oder Kroatien, virtuell zugeschaltet. Auch zwei Deutschlerner aus Syrien, die an dem HAWK-Open-Programm für Menschen mit Fluchterfahrung teilnehmen, nutzten die Möglichkeit, ihre eigenen akademischen Hintergründe aus der Heimat mit der interdisziplinären Agenda der Occupational Science zu verknüpfen. Dass auf dieser Konferenz reichhaltige Diskussionen und neue theoretische sowie persönliche Verbindungen entstanden, lag vielen Teilnehmer/inne/n zu Folge nicht zuletzt an der offenen, freundlichen und lebendigen Atmosphäre. Hierfür wurde Dorothea Harth aus dem Organisationsteam auf der Abschlussveranstaltung besonders gewürdigt, da sie mit ihrer Arbeit und ihrem Organisationstalent wesentlich zur Entstehung dieser Atmosphäre und dem reibungslosen Ablauf der Konferenz beitrug.
Blumen für den 15.000. Studienteilnehmer Jens Thürmann. Fotos: Norbert Fellechner
Seit Ende Juli können Probanden der Gesundheitsstudie NAKO aus der Demminer Region erstmals direkt vor Ort ein Untersuchungszentrum anlaufen. Bislang haben die 20 Studienmitarbeiter fast 500 Frauen und Männer auf Herz und Nieren untersucht. Bis Ende April 2018 sollen es dann insgesamt 3.500 sein.
Heute hatte das Team des Demminer Untersuchungszentrums im Neuen Weg 19 zu einem Tag der offenen Tür eingeladen, um über Deutschlands größte Gesundheitsstudie zu informieren. Dazu wurde auch der 15.000. NAKO- Studienteilnehmer aus MV erwartet. Das war Jens Thürmann aus Malchin, der vom Demminer Bürgermeister Dr. Michael Koch begrüßt worden ist. Der 47-Jährige unterstützt die Gesundheitsstudie mit seiner Teilnahme, weil er die Gesundheitsforschung für seine und die künftigen Generationen für sehr wichtig hält. Studienzentrumsleiterin Dr. Claudia Meinke-Franze nutze die Gelegenheit, sich für die tatkräftige Hilfe bei der Stadt Demmin und dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zu bedanken. „Wir sind hier vor Ort unglaublich gut aufgenommen und von allen Beteiligten unterstützt worden, so dass wir unseren Studienteilnehmern dieser Region auch den Service der kurzen Anfahrt bieten können.“
In der NAKO-Gesundheitsstudie werden seit 2014 Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren in 18 Studienzentren bundesweit medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt. Bis Ende April 2018 sollen 20.000 Einwohner der Region Neubrandenburg und Mecklenburgische Seenplatte ausgiebig untersucht werden, bundesweit sind es 200.000. Damit wird die sogenannte Basiserhebung abgeschlossen.
Bereits jetzt arbeiten die beteiligten Universitäten und Forschungsinstitute mit den erhobenen Daten der ersten 100.000 Probanden. Ziel ist es, chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Infektionen und Demenz genauer zu erforschen, um Prävention, Früherkennung und Behandlung dieser in der Bevölkerung weit verbreiteten Krankheiten zu verbessern. Mit den ersten Ergebnissen wird im kommenden Jahr gerechnet. Möglichst viele Teilnehmer sollen dann ein zweites Mal untersucht werden, um gesundheitliche Entwicklungen aufzuzeigen und wertvolle Vergleichswerte zu erhalten.
Für die Zweituntersuchungen wird es neben dem ständigen Standort im Dietrich Bonhoeffer Klinikum in Neubrandenburg wieder nacheinander die drei temporären Studienzentren in Neustrelitz, Waren (Müritz) und Demmin geben“, informierte Professor Henry Völzke von der Universitätsmedizin Greifswald.
Fotos: Norbert Fellechner Blumen für den 15.000. Studienteilnehmer: der Demminer Bürgermeister Dr. Michael Koch, Jens Thürmann, der 15.000. Proband, Dr. Claudia Meinke- Franze (Leiterin des Studienzentrums), Marco Ziesemer (Stellvertretender Leiter des Studienzentrums) [vordere Reihe von links nach rechts] und Jens-Peter Beneke Sachgebietsleiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landratsamtes Mecklenburgische Seenplatte sowie Prof. Henry Völzke und Prodekan Prof. Karlhaus Endlich [hintere Reihe von links nach rechts]. Sandra Hannemann vom Studienzentrum erläutert Jens-Peter Beneke die Verarbeitung einer Bioprobe.
Simulator-Fortbildung im OP-Saal: Die Teilnehmer werden eingewiesen (Foto: Markus Rudloff).
„Wenn Schweigen gefährlich ist“, so lautet das Motto des Internationalen Tags der Patientensicherheit, mit dem das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. am 17. September auf sein Anliegen aufmerksam macht. Passend dazu bietet das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, an diesem Tag eine besondere Fortbildungsveranstaltung an: Ähnlich wie Piloten im Flugzeugcockpit besondere Ereignisse simulieren, können jetzt auch im OP-Saal sowohl Routine-Situationen als auch unerwartete Situationen und Notfälle trainiert werden. An der in der Herzchirurgie bisher einmaligen Echtzeit-Simulation sind Herzchirurgen, Anästhesisten, Pflegekräfte und Kardiotechniker beteiligt.
Als erste und größte Herzchirurgie in Deutschland hat das HDZ NRW seit Ende des vergangenen Jahres dieses besondere Simulatortrainingsprogramm für Operationsteams eingerichtet und in diesem Jahr mit zwei Veranstaltungen in das interne Fortbildungsprogramm für OP-Fachkräfte aufgenommen.
„Das Besondere für die Teilnehmer ist die Fortbildungseinheit einer Echtzeit-Simulation in Kombination mit softwaregesteuerten Patienten- Dummys und einem Simulator für die in der Herzchirurgie überlebenswichtige Herz-Lungen-Maschine (HLM-Simulator)“, erläutert Prof. Dr. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie. Die dazu notwendige Hard- und Software steht in Deutschland erst seit kurzem zur Verfügung. Die Veranstaltung am Tag der Patientensicherheit ist bereits die zweite Fortbildungsmaßnahme dieser Art, die in diesem Jahr am HDZ NRW durchgeführt wird. „Das Interesse, sich auch auf höchst seltene Ereignisse im OP-Saal praktisch vorzubereiten, ist sehr hoch“, berichtet Gummert, der das Pilotprojekt vor neun Monaten am HDZ NRW ins Leben gerufen hat.
Anästhesist Dr. Ties Meyer-Jark, Markus Rudloff, Leiter der Kardiotechnik am HDZ NRW, und das Team des Simulationszentrums Mainz mit Dr. Matina Heinrichs und Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs haben um das Simulator- Herzstück die exakte Arbeitswelt im OP-Saal nachgestellt. Hier finden sich ein Patienten-Dummy mit offenem Brustkorb und sämtliches medizintechnische Inventar einschließlich der Überwachungsgeräte und einer Herz-Lungen- Maschine im Einsatz. Über ein Regiepult werden spezielle Ereignisse während einer Operation simuliert, die Trainer achten dabei besonders darauf, wie genau und worüber sich die Teammitglieder gegenseitig informieren. „Im Ernstfall kann die richtige Kommunikation lebensrettend sein. Das ist eher noch anspruchsvoller als beim Simulatortraining für Flugzeugpiloten,“ sagt Gummert, „denn im OP-Saal ist bei etwa acht bis zehn beteiligten Personen um den chirurgischen Eingriff herum die Teamleistung entscheidend, während im Cockpit Pilot und Co-Pilot auf einer Ebene kommunizieren.“
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Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon 14.400 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier Universitätskliniken und Institute seit mehr als 30 Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik der Ruhr- Universität Bochum. www.hdz-nrw.de
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.(APS) ist das Netzwerk für eine sichere Gesundheitsversorgung in Deutschland. Vertreter aller Gesundheitsberufe, ihrer Verbände und der Patientenorganisationen haben sich zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Plattform zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland aufzubauen. Das APS hat sich zum Ziel gesetzt, die Patientensicherheit in Deutschland kontinuierlich, nachhaltig und nachweisbar zu fördern. www.tag-der-patientensicherheit.de