Gesundheitswesen Reformdruck bleibt hoch Deutschland droht eine politische Hängepartie. Mit Blick auf die erheblich divergenten Vorstellungen von CDU/CSU, FDP und Grünen drohe die Anbahnung einer „Jamaikakoalition“ zu ganz erheblichen Verzögerungen notwendiger Reformschritte im Gesundheitswesen zu führen, warnt die Vorsitzende vom BDH Bundesverband Rehabilitation e.V., Ilse Müller. Gesundheit und Pflege zählen aus Sicht des Klinikträgers BDH zu den Fundamentalthemen der vor uns liegenden Legislaturperiode. Dazu erklärt Ilse Müller:
„Das vorzeitige Ausscheiden der SPD vor den Sondierungsgesprächen erschwert eine Regierungsbildung ungemein. Der Reformdruck im Gesundheitswesen und der Pflege bleibt ungeachtet komplizierter Sondierungsgespräche zwischen den „Jamaikaparteien“ dennoch hoch. Dass qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und eine generelle Aufwertung des Pflegeberufs in Zeiten alternder Bevölkerung und eines grassierenden Fachkräftemangels fiskalisch anspruchsvolle Baustellen sein werden, ist offensichtlich und muss von der Politik ehrlich kommuniziert werden. Patientengerechte Pflegeschlüssel, wohnortnahe ambulante Versorgungsstrukturen und rentenrechtliche Anerkennung privat geleisteter Pflegezeiten sind nur umsetzbar, wenn die Bürger thematisch sensibilisiert werden und ein transparenter Reformpfad beschrieben wird.“
Eine der zahlreichen unerledigten Baustellen der medizinischen Daseinsvorsorge sei die Telemedizin. Grundsätzlich erwecke die Politik den Eindruck, bei der praktischen Umsetzung der Digitalisierung zu mauern. So verhungerten Projekte wie die digitale Gesundheitskarte oder der elektronische Medikationsplan auf halber Strecke, obwohl sie Patienten und Personal wichtige Hilfestellungen lieferten, so Müller. Jedem ist klar, dass angesichts des steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen und der Pflege jeder noch so kleine Schatz, der kostendämpfend wirke, gehoben werden müsse. Die Parteien stehen in der Pflicht, eine stabile Koalition zu bilden, um einen Gesundheitspakt zu schmieden, der das deutsche Gesundheitssystem innovativ und wirtschaftlich, zum Wohle der Patienten, in die Zukunft führt, so Müller weiter.
Begeistert von HIPSTA (v.l.n.r.): Pflegeschüler Benjamin Götz, Stationsleiterin Birgit Trierweiler-Hauke, Lehrbeauftragter PD Dr. André Mihaljevic und PJ-lerin Anna Badenhop. Universitätsklinikum Heidelberg
Deutschlandweit erste Lehrstation an Chirurgischer Universitätsklinik Heidelberg: In der „Heidelberger Interprofessionellen Ausbildungsstation“ HIPSTA versorgen Medizinstudenten im praktischen Jahr und Pflegeschüler gemeinsam Patienten / Engmaschige Betreuung durch Praxisanleiter und Lehrbeauftragte / Interprofessionelles Lernen schafft Verständnis für jeweils andere Berufsgruppe / Patienten begeistert über persönliche und intensive Betreuung
Operationswunden versorgen, Werte überprüfen, Untersuchungen anordnen, Medikamente einstellen, Angehörige informieren – auf der neuen „Heidelberger Interprofessionellen Ausbildungsstation (HIPSTA)“ an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg geht es zu wie auf anderen chirurgischen Stationen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die Versorgung der frisch operierten Patienten liegt in der Hand von Medizinstudierenden im praktischen Jahr (PJ-ler) und Schülerinnen und Schülern der Gesundheits- und Krankenpflege im dritten Ausbildungsjahr. Betreut werden sie von Lehrbeauftragen der Chirurgie und Praxisanleitern der Pflege. Das Ziel dieses innovativen Lehrkonzeptes, das in dieser Art bislang deutschlandweit einmalig ist: Gemeinsam lernen die angehenden Ärzte und Gesundheits- und Krankenpfleger die Herausforderungen des Klinikalltags kennen und entwickeln dabei auch ein besseres Verständnis für die jeweils andere Berufsgruppe – Was leistet diese alles, wie arbeitet man optimal zusammen? „Wir sind alle begeistert, wie gut HIPSTA funktioniert, was unsere Studierenden, Pflegeschülerinnen und -schüler alles können, mit wie viel Eigeninitiative und Engagement sie sich dieser Aufgabe stellen und wie gut sie zusammenarbeiten“, freut sich Privatdozent Dr. André Mihaljevic, Lehrbeauftragter an der Chirurgischen Universitätsklinik. Das Projekt wird von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Programms „Operation Team – Interprofessionelle Fortbildungen in den Gesundheitsberufen“ zwei Jahre lang mit über 80.000 Euro gefördert.
Die Idee zur Lehrstation kam von Studierenden, die das interprofessionelles Praxistraining während eines Auslandsemesters im Rahmen des Erasmus-Förderprogramms der Europäischen Union in Kopenhagen kennen gelernt hatten. Als sich Mihaljevic nach eingehender Recherche damit an Fakultät, Gesundheits- und Krankenpflegeschule an der Akademie für Gesundheitsberufe und Pflegedienstleitung der Chirurgischen Klinik wandte, rannte er, wie er sagt, nur offene Türen ein. „Alle haben sofort Interesse signalisiert.“ Die Konzeption und Vorbereitung lief denn auch viel schneller als gedacht: Statt wie ursprünglich angedacht nach 18 Monaten Ausarbeitungszeit, konnte die erste Teilnehmerrunde bereits nach acht Monaten, im April 2017, loslegen. „Wir erfahren sehr viel Unterstützung in allen Bereichen, etwa von den Stationsteams, die für die Teilnehmer jederzeit ansprechbar sind, oder dem DV-Team der Klinik Das ist der `Heidelberger Spirit´“, ist der Chirurg überzeugt.
Das Ergebnis ist ein gemeinsames Lehrangebot von Medizinischer Fakultät, Akademie für Gesundheitsberufe und Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, das überzeugt: „Als Supervisor bei Visiten und Teambesprechungen bin ich meistens nur Zuschauer. Bisher wurde alles, was an Problemen aufgetaucht ist, von den Teilnehmern selbstständig gemanagt“, lobt Mihaljevic. Von Seiten der Studierenden und Pflegeschüler gibt es inzwischen einen regelrechten Run auf HIPSTA, für die kommenden Kohorten ist voraussichtlich ein Auswahlverfahren nötig. Nicht zuletzt ernten die engagierten Jungmediziner und Nachwuchspflegekräfte sehr viel Lob und Zuspruch von den Patienten. „Die Patienten werden nicht speziell vorbereitet oder ausgewählt. Trotzdem haben wir bisher nur sehr positive Rückmeldungen erhalten, Klagen gab es überhaupt nicht“, freut sich Birgit Trierweiler-Hauke, Stationsleitung in der Chirurgischen Klinik.
HIPSTA umfasst zwei Dreibett-Zimmer der allgemein- und viszeralchirurgischen Station. Jeweils zwei PJ-ler/PflegeschülerInnen- Paare betreuen ein Zimmer in zwei Schichten. Das gesamte Spektrum allgemeinchirurgischer Behandlungen ist vertreten, lediglich Patienten mit Multiresistenten Keimen sind ausgenommen und Patienten nach Transplantation werden nur in Ausnahmefällen auf die Lehrstation verlegt. Dass die Teilnehmer es hier fast ausschließlich – wie an einem Universitätsklinikum üblich – mit schwerkranken Patienten zu tun haben, macht HIPSTA weltweit einzigartig. „Die Betreuung der viszeralchirurgischen Patienten ist sehr komplex. Da gibt es kaum Standard-Tätigkeiten, die Teilnehmer müssen sehr gut mitdenken – aber das hat bisher wunderbar geklappt“, betont Birgit Trierweiler-Hauke. Die vier Teams versorgen „ihre“ Patienten unter der Supervision ihrer Betreuer selbstständig, bereiten Visiten, Teamgespräche und Übergaben vor, organisieren Untersuchungen und nötige Folgebehandlungen ebenso wie die weitere Versorgung nach Entlassung. In täglichen „Spiegelgesprächen“ resümieren und bewerten sie gemeinsam mit Lehrbegleitern und Praxisanleitern die Vorkommnisse ihrer Schicht. Außerdem ist eine kurze, selbstständig recherchierte Fortbildung eingeplant: Die Themen ergeben sich aus den Fragen, die beispielsweise während der Visite oder der Patientenversorgung aufkommen, und sind sowohl für angehende Ärzte als auch Pflegekräfte relevant. Nicht zuletzt können PJ-ler und Pflegeschüler auch sehr viel voneinander lernen – HIPSTA hat bei den Teilnehmern diesbezüglich bereits für einige Aha-Effekte gesorgt.
Nun hofft das HIPSTA-Team, dass es in dem verbleibenden Förderzeitraum bis September 2018 eine tragfähige Infrastruktur aufbauen kann, damit HIPSTA spätestens dann zum Selbstläufer wird. Denn darin sind sich alle einig: HIPSTA hat sich schon jetzt mehr als bewährt und soll daher auf jeden Fall auch im Neubau der Chirurgischen Universitätsklinik fortgesetzt werden. „Nur mit einer stärkeren Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit sind Krankenhäuser zukünftigen Herausforderungen gewachsen“, sind sich Mihaljevic und Trierweiler-Hauke sicher.
Anzeige zur DGfI-Festschrift „Immunologie in Deutschland - Geschichte einer Wissenschaft und ihrer Fachgesellschaft“
Das 50-jährige Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für Immunologie bietet die einmalige Chance sowohl die wissenschaftlichen Triumphe, als auch die Entwicklung des Fachs Immunologie in der deutschen Forschungslandschaft von der Vergangenheit bis in die Gegenwart näher zu beleuchten. Die Festschrift unter dem Titel „Immunologie in Deutschland - Geschichte einer Wissenschaft und ihrer Fachgesellschaft“ ist jetzt im be.bra wissenschaft verlag erschienen. Herausgeber ist die Deutsche Gesellschaft für Immunologie.
Am 7. Juli 1967 fand in der Höchster Jahrhunderthalle in Frankfurt eine denkwürdige Veranstaltung statt. Auf Initiative von Hans G. Schwick trafen sich 18 Wissenschaftler und gründeten die Gesellschaft für Immunologie, die 2007 in Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) umbenannt wurde. 2017 feiert die DGfI ihren 50. Geburtstag. In diesen 50 Jahren hat sich die DGfI zur weltweit viertgrößten immunologischen Fachgesellschaft mit hoher internationaler Anerkennung entwickelt.
Die Geschichte der Immunologie in Deutschland beginnt aber schon vor über hundert Jahren in Berlin mit der Entdeckung der Antikörper und der mit dem ersten Nobelpreis gewürdigten ersten Immuntherapie zur Behandlung von an Diphtherie erkrankten Kindern. Das 50-jährige Jubiläum ist ein geeigneter Zeitpunkt, sowohl den Fortschritt der Immunologie in Forschung und Klinik in Deutschland, als auch die Entwicklung der beiden deutschen immunologischen Fachgesellschaften in Ost und West in einer Festschrift zu würdigen. Zur Realisierung dieses ambitionierten Projektes traf sich am 6. Juni 2016 eine kleine Gruppe von Immunologen inklusive Kollegen aus der ehemaligen DDR mit Historikern des Instituts für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité Berlin und dem Verlag Neumann & Kamp – Historische Projekte am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin. Am Ende des Tages war das Projekt »Festschrift – Immunologie in Deutschland« geboren.
Im Festschriftband wird die Entwicklung der immunologischen Fachgesellschaften in der ehemaligen BRD und DDR nach 1945 und deren Zusammenführung nach der Wiedervereinigung beleuchtet. Ausführlich dargestellt wird aber auch der Zeitraum von der Entdeckung und der ersten klinischen Anwendung der Antikörper durch Emil von Behring, Shibasaburo Kitasato und Paul Ehrlich über den unglaublichen Niedergang der Immunologie mit dem Exodus hervorragender klinischer Immunologen nach 1930 bis hin zur Entwicklung der Hybridomtechnik durch Georges Köhler und César Milstein im Jahre 1975. Zudem wird ein Überblick über die Deutsche Gesellschaft für Immunologie mit all ihren gegenwärtigen Aktivitäten gegeben und die Bedeutung der Immunologie für die heutige Medizin und Volksgesundheit zusammengefasst.
50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) – diesen runden Geburtstag nehmen wir zum Anlass, zusammen mit dem medizinischen Fachverlag Trillium ein Fachmagazin aufzulegen, das die Immunologie erstmals in deutscher Sprache einer breiten interessierten Leserschaft näher bringen soll. Die Jubiläumsausgabe mit dem Schwerpunkt "Immunonkologie" erscheint am 12. September 2017: pünktlich zum fünfzigsten Jubiläum der Fachgesellschaft und zur Eröffnung der 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.
Trillium Immunologie ist konzipiert als ein deutschsprachiges Fachmagazin und soll das große öffentliche Interesse an immunologischen Fragestellungen mit der wissenschaftlichen Komplexität, dieses für die Medizin so wichtigen Faches, in Einklang bringen – von Infektionskrankheiten und Vakzinen über Allergien und rheumatische Erkrankungen bis hin zur Onkologie und Genetik. Die Zeitschrift soll sowohl der praxisnahen Fortbildung und Wissensvermittlung für Ärzte und Naturwissenschaftler dienen als auch die Inhalte der Immunologie über die eigenen fachlichen Grenzen hinaus auf breiter Basis bekannt machen. Die Jubiläumsausgabe erschien am 12. September 2017. Ab 2018 soll die Zeitschrift viermal jährlich erscheinen.
Mit einer Gesamtauflage von 7.000 Exemplaren ist Trillium Immunologie das offizielle Organ der Deutschen Gesellschaft für Immunologie e. V. (DGfI) mit derzeit ca. 2.500 Mitgliedern (Stand Juli 2017), und erreicht darüber hinaus rund 2.500 Mitglieder weiterer einschlägiger Fachgesellschaften (Allergologie, Rheumatologie, Mikrobiologie, Labormedizin) wie DGAKI, DGRh, GfV, DGHM und DGKL. Weitere 1.500 Exemplare werden themenbezogen bei Fachkongressen und Fortbildungsveranstaltungen verteilt. Die Jubiläumsausgabe widmet sich dem Schwerpunkt "Immunonkologie" und behandelt zudem Themen der angewandten Immunologie und Grundlagenforschung für Klinik und Praxis. Anlass dafür ist der eindrucksvolle klinische Erfolg der sog. Checkpoint-Inhibitoren bei der Behandlung von Tumorerkrankungen. Ihre therapeutische Effektivität beflügelt auch die klinische Entwicklung weiterer immunologischer Therapien. Weitere Themen sind körpereigene CAR-T-Zellen, die genetisch so „umgerüstet“ werden, dass sie Tumorzellen passgenau attackieren, die Nukleinsäure-Immunität, die im Rahmen des angeborenen Immunsystems der Abwehr von fremden oder schadhaften Nukleinsäuren dient und die spezifische „Genschere“ CRISPR/Cas in deren Anwendung große Hoffnungen für die Entwicklung neuer Therapien in der Onkologie liegen. Der Einsatz von monoklonalen Antikörpern als Werkzeuge für zielgerichtete Therapien wird unter historischen Aspekten beleuchtet. Auch die großen Herausforderungen durch die bereits für besiegt gehaltene Infektionserkrankung Tuberkulose werden näher beleuchtet. In Übersichtsartikeln zur Gründung und zu gegenwärtigen Aktivitäten der DGfI wird natürlich auch die Erfolgsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Immunologie gewürdigt. Informationen zu eigenständigen Studiengängen und Forscherverbünden im Bereich Immunologie runden den Inhalt der ersten Ausgabe ab. Die Schwerpunkte der nächsten Ausgaben sollen sich auf rheumatische und allergische Erkrankungen, sowie die Immuntherapie von Infektionserkrankungen konzentrieren. Probeabonnement - Trillium Immunologie jetzt kostenlos testen! Wir möchten Sie herzlich dazu einladen, einen Blick in unser erstes Heft zu werfen:
Sie erhalten die Jubiläumsausgabe 1/2017 (Erscheinungstermin September) sowie die vier regulären Ausgaben 2018 kostenlos. Nach dieser Probezeit werden wir Sie per E-Mail kontaktieren, ob Sie zufrieden waren. Falls Sie Ihr Probeabonnement wieder kündigen möchten, haben Sie nach dem Erhalt dieser E-Mail eine 14-tägige Kündigungsfrist. Nach verstreichen dieser Frist beziehen Sie die Zeitschrift ab dem Jahr 2019 zum regulären Jahresabonnementpreis von 40 €, Sonderpreis für Studenten gegen Einsendung der Immatrikulationsbescheinigung 32 €. Alle Preise verstehen sich einschließlich Porto und gesetzlicher Umsatzsteuer, Auslandsabonnements zuzüglich Porto.
Hintergrund: Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI), die am 7. Juli 1967 gegründet wurde und bei ihrer Jahrestagung 2017 in Erlangen ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, vereint führende Naturwissenschaftler und Ärzte, um die Wirkmechanismen der körpereigenen Abwehr von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren, Pilze und anderen körperfremden Stoffen wie beispielsweise biologischen Toxine und Umweltgifte zu erforschen. Dadurch werden bedeutende Grundlagen für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten geschaffen. Durch nationale Schulungen und den Austausch mit internationalen Fachgesellschaften fördert die DGfI in besonderem Maße den wissenschaftlichen und klinischen Nachwuchs. Die DGfI ist weltweit die viertgrößte nationale Fachgesellschaft für Immunologie.