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Gesundheit

Tag der Organspende: Wartezeit auf ein Herz kann Jahre dauern

Mehr als 150 Patienten des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, warten derzeit auf ein Spenderherz. Fast sechs Jahre hat Roland Mündkemöller (54) auf ein Herz warten müssen. Noch dazu brach er sich kurz vor seiner Herztransplantation einen Fuß. Geduld, Humor und die richtigen Experten an seiner Seite haben ihm geholfen.


Rund 100 Tage beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderherz für hochdringlich gelistete Patienten. Das besagt die Statistik der von Prof. Dr. Jan Gummert geleiteten Herzchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Die meisten Patienten warten allerdings deutlich länger als 100 Tage. Schon mehr als fünfeinhalb Jahre hatte Roland Mündkemöller bis zum Frühjahr dieses Jahres überstanden. Eine künstliche Herzunterstützung hat dem Bielefelder das Leben gerettet. Seit Monaten bereits stand er mit der höchsten Dringlichkeitsstufe auf der Warteliste bei Eurotransplant, als im März das Unglück passierte. Eine kleine Unnachtsamkeit auf einer Treppenstufe - und der Mittelfuß war gebrochen.

In den folgenden Wochen war Mündkemöller daher nicht nur mit einer der modernsten künstlichen Herzpumpen ausgestattet, sondern auch mit einem klassischen Gipsbein im HDZ unterwegs. Der Gips würde wohl sechs bis acht Wochen bleiben müssen, hatte man ihm gesagt. Dass er während dieser Zeit sein neues Herz erhalten sollte, konnte ja niemand wissen. So groß die Überraschung dann auch nach dieser langen Wartezeit war, so wenig hat sich Oberarzt Dr. Michiel Morshuis davon irritieren lassen, dass er diesmal einen Patienten mit Gipsbein zur Herztransplantation auf dem OP-Tisch vorfand.

In diesem Jahr haben erst 31 Patienten in Bad Oeynhausen ein neues Herz erhalten. Über 150 weitere stehen auf der Warteliste und müssen auf unbestimmte Zeit darauf hoffen, dass bald ein geeignetes Organ zur Verfügung steht. „Grundsätzlich sollte sich jeder einmal sachlich mit dem Thema auseinandersetzen“, rät Prof. Dr. Jan Gummert, der im HDZ NRW Europas größtes Herztransplantationszentrum leitet und anlässlich des bundesweiten Tags der Organspende die Aufklärungsarbeit unterstützt. „Denn die Organspende kann jeden treffen. Die persönliche Entscheidung hierzu – wie auch immer sie ausfällt – hilft letztlich auch den Angehörigen in einer schwierigen Situation.“

Der Tag der Organspende soll auch zeigen, was nüchterne Zahlen nicht abbilden können, betont die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Er ist ein Tag des Dankes und zugleich auch ein Tag der Hoffnung für die Patienten, die immer noch auf ein Organ warten.

Inzwischen ist Roland Mündkemöller nach Hause entlassen worden und hat ein sanftes Training für Herz und Fuß begonnen. Seine Herztransplantation hat er gut überstanden, er wird fortan von seinen Herzspezialisten sorgfältig nachbetreut. Ein kleiner Wermutstropfen war es, dass er etwas längere Zeit braucht, um wieder fit zu werden. Zusätzlich schränkte ihn auch das Gipsbein anfangs noch ein. Unser Bild zeigt ihn zweieinhalb Wochen nach seiner Herztransplantation im April dieses Jahres. Die Freude ist ihm hier anzusehen, denn an diesem Tag noch sollte ihm der Gips abgenommen werden. Neues Herz, heiler Fuß, alles gut!

Hintergrundinformation:

Seit 1989 sind im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mehr als 2.200 Herzen aller Altersstufen transplantiert worden, darunter mehr als 150 Kinder. Die erwachsenen Patienten werden in der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Jan Gummert) versorgt. Kinder und Jugendliche werden in der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler unter Chefarzt Dr. Eugen Sandica transplantiert. 10.000 Menschen in Deutschland warten aktuell auf ein lebenswichtiges Organ. Demgegenüber stehen 3.083 Organe, die im vergangenen Jahr transplantiert wurden. Eine Herztransplantation benötigen deutschlandweit rund 800 Patienten. Voraussichtlich wird nur gut ein Drittel von ihnen innerhalb eines Jahres ein neues Herz erhalten können. 2015 waren es 284 herztransplantierte Patienten. Im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, dem bundes- und eurapaweit größten Herztransplantationszentrum, wurden im vergangenen Jahr 75 Herzen transplantiert. Hier warten durchschnittlich 100 bis 200 Patienten auf ein Spenderherz.

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Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon 14.700 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier Universitätskliniken und Institute seit 30 Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik und zugleich Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.hdz-nrw.de  Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen,

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Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Präzise Vernichtung von Krebszellen

Für viele Krebsarten bleibt die Chemotherapie nach wie vor der Therapiestandard. Sie hat den Nachteil, dass sie nicht nur die Krebszellen zerstört, sondern auch gesunde Zellen treffen kann.Intensive Forschung hat mittlerweile ein tiefergehendes Verständnis für die Biologie von Tumoren ermöglicht und so den Weg für neue, spezifischere Substanzen geebnet. In Kombination mit innovativen Technologien zur gezielten Wirkstofffreisetzung sollen so die Auswirkungen einer Chemotherapie auf gesunde Zellen reduziert werden. In diesem Zusammenhang spielt die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (antibody drug conjugates, ADC) eine wichtige Rolle.


Die Fortschritte in der Krebstherapie über die letzten zehn Jahre sind beeindruckend. Für viele Krebsarten bleibt die Chemotherapie nach wie vor der Therapiestandard - also die Therapie mit chemischen Substanzen, die Krebszellen abtöten oder ihre Teilung verhindern. Sie hat den Nachteil, dass sie nicht nur die Krebszellen zerstört, sondern auch gesunde Zellen treffen kann.

Intensive Forschung hat mittlerweile ein tiefergehendes Verständnis für die Biologie von Tumoren ermöglicht und so den Weg für neue, spezifischere Substanzen geebnet. In Kombination mit innovativen Technologien zur gezielten Wirkstofffreisetzung sollen so die Auswirkungen einer Chemotherapie auf gesunde Zellen reduziert werden. In diesem Zusammenhang spielt die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-

Konjugaten (antibody drug conjugates, ADC) eine wichtige Rolle.

„Bei Antikörpern handelt es sich um sehr zielgerichtete Moleküle, die jeweils an ein spezifisches Protein im Körper binden“, erklärt Jochen Salfeld, Ph. D., Vice President Discovery Biologics am AbbVie Bioresearch Center in Worcester (Massachusetts, USA). „Das Ziel von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten ist es, die Spezifität der Antikörper zu nutzen und einen chemischen Wirkstoff direkt und präzise zum erkrankten Gewebe zu transportieren und damit eine Schädigung von gesundem Gewebe zu vermeiden.“

Antikörper, Wirkstoff und “Linker“ zusammenbringen

Jedes ADC setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem Antikörper, der auf ein bestimmtes Protein der Tumorzelle abzielt, dem chemischen Wirkstoff, der das erkrankte Gewebe angreifen soll sowie einer weiteren chemischen Substanz, dem sogenannten „Linker“, der die beiden anderen Komponenten miteinander verbindet. Diese verbindende Substanz ist deshalb so wichtig, da sie dafür sorgt, dass der Wirkstoff erst dann freigesetzt wird, wenn er die Zielzelle - also das Tumorgewebe - erreicht hat.

Dadurch reduzieren ADCs nicht nur die Auswirkungen einer Chemotherapie auf gesunde Zellen, sondern auch die Menge an Wirkstoff, die für eine Therapie erforderlich ist.

„Um Krebszellen wirksam zu bekämpfen, muss der Wirkstoff selbst in hohem Maße toxisch sein“, erklärt Salfeld. „Dadurch, dass wir den Wirkstoff direkt zur Krebszelle transportieren, können wir erreichen, dass weniger davon im Körper zirkuliert. Letztendlich wird die Wirkung innerhalb der Krebszelle maximiert und gleichzeitig die Wirkstoffmenge insgesamt reduziert.“

ADCs könnten es auch ermöglichen, Wirkstoffe einzusetzen, die zu toxisch sind, um sie unspezifisch anzuwenden. „Wenn wir solche Moleküle mittels ADCs direkt in die Zelle einbringen könnten, kann sich ein vollkommen anders Profil ergeben, da sich die Wirkung der Substanz dann direkt gegen das Tumorgewebe richten würde“, so Salfeld weiter.

Gezielter Angriff auf Krebszellen

Zukünftig könnte es auch möglich sein, ADCs zu entwickeln, die auf zwei Proteine gleichzeitig abzielen. „Einige der Zielproteine (Targets) findet man sowohl auf Krebs- als auch auf gesunden Zellen, deshalb kann es eine echte Herausforderung sein, ein ADC so spezifisch zu entwickeln, dass es ausschließlich Krebszellen angreift“, erklärt Salfeld. „Unsere Dual-Variable-Domain (DVD)-Plattform könnte uns die Entwicklung von ADCs erlauben, die auf zwei Targets abzielen.“

Ein Beispiel: Eine Tumorzelle kann zwei Targets aufweisen, Target A und Target B. Für eine optimale Wirksamkeit müsste ein Molekül gleichzeitig auf Target A und Target B abzielen, ohne jedoch gesunde Zellen anzugreifen, die nur eines der beiden Targets tragen.

AbbVie untersucht derzeit ein ADC für Patienten mit einer aggressiven Form eines Hirntumors sowie mehrere andere ADC in frühen Entwicklungsstadien.
Weitere Informationen finden Sie unter
https://twitter.com/abbvie_de/status/737220187309629440   AbbVie Deutschland GmbH & Co.KG,

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Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Präzise Vernichtung von Krebszellen (2)

Für viele Krebsarten bleibt die Chemotherapie nach wie vor der Therapiestandard. Sie hat den Nachteil, dass sie nicht nur die Krebszellen zerstört, sondern auch gesunde Zellen treffen kann.Intensive Forschung hat mittlerweile ein tiefergehendes Verständnis für die Biologie von Tumoren ermöglicht und so den Weg für neue, spezifischere Substanzen geebnet. In Kombination mit innovativen Technologien zur gezielten Wirkstofffreisetzung sollen so die Auswirkungen einer Chemotherapie auf gesunde Zellen reduziert werden. In diesem Zusammenhang spielt die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (antibody drug conjugates, ADC) eine wichtige Rolle.


Die Fortschritte in der Krebstherapie über die letzten zehn Jahre sind beeindruckend. Für viele Krebsarten bleibt die Chemotherapie nach wie vor der Therapiestandard - also die Therapie mit chemischen Substanzen, die Krebszellen abtöten oder ihre Teilung verhindern. Sie hat den Nachteil, dass sie nicht nur die Krebszellen zerstört, sondern auch gesunde Zellen treffen kann.

Intensive Forschung hat mittlerweile ein tiefergehendes Verständnis für die Biologie von Tumoren ermöglicht und so den Weg für neue, spezifischere Substanzen geebnet. In Kombination mit innovativen Technologien zur gezielten Wirkstofffreisetzung sollen so die Auswirkungen einer Chemotherapie auf gesunde Zellen reduziert werden. In diesem Zusammenhang spielt die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-

Konjugaten (antibody drug conjugates, ADC) eine wichtige Rolle.

„Bei Antikörpern handelt es sich um sehr zielgerichtete Moleküle, die jeweils an ein spezifisches Protein im Körper binden“, erklärt Jochen Salfeld, Ph. D., Vice President Discovery Biologics am AbbVie Bioresearch Center in Worcester (Massachusetts, USA). „Das Ziel von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten ist es, die Spezifität der Antikörper zu nutzen und einen chemischen Wirkstoff direkt und präzise zum erkrankten Gewebe zu transportieren und damit eine Schädigung von gesundem Gewebe zu vermeiden.“

Antikörper, Wirkstoff und “Linker“ zusammenbringen

Jedes ADC setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem Antikörper, der auf ein bestimmtes Protein der Tumorzelle abzielt, dem chemischen Wirkstoff, der das erkrankte Gewebe angreifen soll sowie einer weiteren chemischen Substanz, dem sogenannten „Linker“, der die beiden anderen Komponenten miteinander verbindet. Diese verbindende Substanz ist deshalb so wichtig, da sie dafür sorgt, dass der Wirkstoff erst dann freigesetzt wird, wenn er die Zielzelle - also das Tumorgewebe - erreicht hat.

Dadurch reduzieren ADCs nicht nur die Auswirkungen einer Chemotherapie auf gesunde Zellen, sondern auch die Menge an Wirkstoff, die für eine Therapie erforderlich ist.

„Um Krebszellen wirksam zu bekämpfen, muss der Wirkstoff selbst in hohem Maße toxisch sein“, erklärt Salfeld. „Dadurch, dass wir den Wirkstoff direkt zur Krebszelle transportieren, können wir erreichen, dass weniger davon im Körper zirkuliert. Letztendlich wird die Wirkung innerhalb der Krebszelle maximiert und gleichzeitig die Wirkstoffmenge insgesamt reduziert.“

ADCs könnten es auch ermöglichen, Wirkstoffe einzusetzen, die zu toxisch sind, um sie unspezifisch anzuwenden. „Wenn wir solche Moleküle mittels ADCs direkt in die Zelle einbringen könnten, kann sich ein vollkommen anders Profil ergeben, da sich die Wirkung der Substanz dann direkt gegen das Tumorgewebe richten würde“, so Salfeld weiter.

Gezielter Angriff auf Krebszellen

Zukünftig könnte es auch möglich sein, ADCs zu entwickeln, die auf zwei Proteine gleichzeitig abzielen. „Einige der Zielproteine (Targets) findet man sowohl auf Krebs- als auch auf gesunden Zellen, deshalb kann es eine echte Herausforderung sein, ein ADC so spezifisch zu entwickeln, dass es ausschließlich Krebszellen angreift“, erklärt Salfeld. „Unsere Dual-Variable-Domain (DVD)-Plattform könnte uns die Entwicklung von ADCs erlauben, die auf zwei Targets abzielen.“

Ein Beispiel: Eine Tumorzelle kann zwei Targets aufweisen, Target A und Target B. Für eine optimale Wirksamkeit müsste ein Molekül gleichzeitig auf Target A und Target B abzielen, ohne jedoch gesunde Zellen anzugreifen, die nur eines der beiden Targets tragen.

AbbVie untersucht derzeit ein ADC für Patienten mit einer aggressiven Form eines Hirntumors sowie mehrere andere ADC in frühen Entwicklungsstadien.
Weitere Informationen finden Sie unter
https://twitter.com/abbvie_de/status/737220187309629440   AbbVie Deutschland GmbH & Co.KG,

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Unstatistik des Monats: Krebs durch Erdölförderung?

Die Unstatistik des Monats Mai sind die vermeintlich unnatürlichen Häufungen von Krebserkrankungen in der Nähe von Erdöl- oder Erdgasförderstätten sowie Fracking- und Atomanlagen, die seit Jahrzehnten die Menschen beunruhigen. Aktueller Anlass ist der Artikel „Die rätselhaften Krebsfälle von Rodewald“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 8. Mai 2016: Von den 2 500 Einwohnern dieses Ortes im Landkreis Nienburg sind im Zeitraum von 2005 bis 2013 20 Personen an Leukämie oder Tumoren des Lymphgewebes erkrankt. Im Durchschnitt seien aber nur 12 Fälle zu erwarten, so der Artikel, deshalb sei diese Häufung nicht durch Zufall zu erklären, also statistisch signifikant.


Die Unstatistik des Monats Mai sind die vermeintlich unnatürlichen Häufungen von Krebserkrankungen in der Nähe von Erdöl- oder Erdgasförderstätten sowie Fracking- und Atomanlagen, die seit Jahrzehnten die Menschen beunruhigen. Aktueller Anlass ist der Artikel „Die rätselhaften Krebsfälle von Rodewald“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 8. Mai 2016: Von den 2 500 Einwohnern dieses Ortes im Landkreis Nienburg sind im Zeitraum von 2005 bis 2013 20 Personen an Leukämie oder Tumoren des Lymphgewebes erkrankt. Im Durchschnitt seien aber nur 12 Fälle zu erwarten, so der Artikel, deshalb sei diese Häufung nicht durch Zufall zu erklären, also statistisch signifikant. Ein möglicher Auslöser sei das bei der Erdölförderung rund um Rodewald entwichene Benzol.

In Wahrheit sind solche Häufungen alles andere als signifikant. Sie sind im Gegenteil normal. Teilt man etwa alle 223 000 im Jahr 2014 durch Krebs verursachten Todesfälle (ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland insgesamt) rein zufällig auf die 11 100 Gemeinden des Landes auf, so wird es viele Gemeinden geben, in denen weit mehr als ein Viertel aller Verstorbenen an Krebs gestorben sind, aber auch viele Gemeinden mit einer Krebsmortalität von weit weniger als 25%. Aber diese Abweichungen sind ein rein zufällig und fast sicher zu erwarten. Hätten etwa alle Gemeinden Deutschlands so wie Rodewald 2 500 Einwohner, läge die Wahrscheinlichkeit, dass in mindestens einer davon in 9 Jahren statt der erwarteten 12 mehr als 19 Leukämie-Erkrankungen auftreten, bei über 99,9%. Selbst die Wahrscheinlichkeit, dass in 10 oder mehr Gemeinden solche Häufungen rein zufällig vorkommen, betrüge noch mehr als 95%.

Natürlich können solche Häufungen auch systematische Ursachen haben, ein Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Zahl an Krebserkrankungen und der Erdölförderung in Rodewald ist nicht ausgeschlossen. Aber allein aus den Zahlen 12 und 20 ist dieser niemals zu beweisen. Üblicherweise ergibt das Nachforschen nach systematischen Gründen in solchen Fällen immer das Ergebnis: viel Lärm um nichts.

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Ansprechpartner:

Prof. Dr. Walter Krämer, Tel.: (0231) 755-3125

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.
Weitere Informationen finden Sie unter
- Weitere Informationen, Kontakte & Archiv
- Artikel „Die rätselhaften Krebsfälle von Rodewald“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

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