Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia KKL Luzern, 5. Mai 2017, besucht von Léonard Wüst
Besetzung und Programm:
Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia
Sir Antonio Pappano (Leitung)
Yuja Wang (Klavier)
Konzertprogramm
Programm Zürich und Luzern
Gioacchino Rossini
Ouvertüre zur Oper „Die Belagerung von Korinth“
Peter Tschaikowski
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23
Ottorino Respighi
Fontane e Pini di Roma
Rezension:
Zum Auftakt die Ouvertüre zu Rossini`s „Die Belagerung von Korinth“, die nicht grad zu den bekanntesten Werken des Komponisten gehört, aber die unverkennbar typische Orchestrierung des Italieners beinhaltet. Es war denn auch eine Art lockerer Aufgalopp, souverän vom gutgelaunten Orchester dargeboten, vom Auditorium mit freundlichem Applaus bedacht. Einstimmung des Publikums auf den unbestrittenen Star dieses Abends, die chinesische Ausnahmepianistin Yuja Wang. Für diese wurde denn auch der Konzertflügel an den richtigen Platz gerückt, dessen Stimmung durch den Konzertmeister nochmals kurz überprüft. Dann, mit etwas Spannung steigernder Verzögerung, betrat die Künstlerin, gewandet in ein sehr enges, hellgrünes Abendkleid, die Bühne. Dirigent Sir Antonio Pappano schloss sich mit Augenkontakt kurz mit der Chinesin, geleitete dann das Orchester in das Konzert mit dem so bekannten Leitmotiv zu dem dann Yuja Wang die mächtigen Harmonien setzte, später die präzisen, perlenden Läufe folgen liess, sich wieder einzubinden wusste in den Schoss des Orchesters, besonders eindrücklich in den Dialogen mit den Bläsern nach ca. fünf Minuten des ersten Satzes, bevor sie die, von Tschaikowsky eingefügten Solosequenzen nutzte, um ihre stupende Technik zu demonstrieren. Der Komponist äusserste sich nur ein einziges Mal zu diesem Werk, in einem Brief an seine Gönnerin Ndjeschda von Meck sah er das Verhältnis von Klavier und Orchester als „Kampf zweier ebenbürtigen Kräfte“ in diesem Ringen stecke viel Poesie und eine Unmenge verführerischer Kombinationsmöglichkeiten. Diese Kombinationsvarianten ermöglichten den Protagonisten denn auch eine differenzierte, sehr persönliche Interpretation dieses Meisterwerks der Musikliteratur. So bediente sich die Pianistin zu Beginn des zweiten Satzes selten des Pedals, wahrscheinlich wollte sie damit die Arpeggien nicht verwischen. Yuja Wang, früher eher ein vor Vitalität sprühendes Energiebündel, ist gereift, ordnet sich ein, wirkt nie überaus dominant. Sie setzt die Ausrufezeichen nicht mehr nur mit ihrer Technik, beweist viel Einfühlungsvermögen, stellt die Harmonie mit dem Orchester ins Zentrum. Dadurch erschliesst sich eine perfekte Klangwelt, ermöglicht auch durch das souveräne römische Orchester.
Das Auditorium zollte diesem eindrücklichen Hörgenuss denn auch kräftigen stürmischen Applaus, der in einer stehenden Ovation endete. Yuja Wang zeigte sich mit zwei kurzen Zugaben dafür erkenntlich und verabschiedete sich mit einem strahlenden Lächeln vom Publi
2. Konzertteil: Römer für Rom
Mit “Fontane e Pini di Roma“ von Ottorino Respighi packte das Römer Orchester die Gelegenheit, Werke dieses, zu Unrecht verkannten italienischen Komponisten, nachdrücklich in Erinnerung zu rufen und diese acht kurzen Kompositionen im rechten Licht zu positionieren. Dabei liefen Orchester und Dirigent zu absoluter Höchstform auf. Besonders eindrücklich bei „Pinien neben den Katakomben“, mit den tiefen Streicherklängen, überführend in eine, an gregorianischen Chorgesang erinnernde Trompetenmelodie, die vergangene Zeiten aufleben lässt. Bei „Pini del Gianicolo“, wo auch, zu ganz zarten Violin Trillern, original Nachtigallengesänge ab Tonband zugespielt werden. Gekrönt mit dem finalen „Pinien der Via Appia“, beginnend mit dumpfen Paukenschlägen, ergänzt mit tiefen Klavier – und Kontrabasstönen, entwickelt sich ein triumphaler, empirischer Marsch, der, Zitat des Komponisten, dem Zuhörer vor dem inneren Auge, den Ruhm des alten Rom aufleben lassen soll. Den besonderen Effekt erreicht Pappano, indem er Bläser paarweise auf die zwei Balkonseiten und ebenso auf der Orgelempore platziert. Unter deren Geschmetter, ähnlich altrömischen Posaunen (Buccinen), naht ein Konsul mit seinem Heer, um im Glanz der neuen Sonne zur Via Appia und im Triumph aufs Kapitol zu ziehen. Die Intentionen des Komponisten und dessen Visionen umzusetzen, gelingt den Musikern auf unnachahmliche Art. Das Orchester, so massgebende Kritiker, hat sich unter Pappano zu einem der besten, wenn nicht gar zum besten, italienischen Klangkörper entwickelt. Fazit, um beim Römischen zu bleiben: Quod erat demonstrandum. Das Publikum war dezidiert auch dieser Meinung und applaudierte die Künstler zu einer Zugabe, gewährt in Form von „La valse triste“ von Jean Sibelius. Die Zuhörer gaben sich noch nicht zufrieden und spendeten so lange Applaus, bis noch die furiose Ouvertüre des „Wilhelm Tell“ zum krönenden Konzertabschluss intoniert wurde.
Nachtrag:
Vielleicht ging Respighi nebst den Erneuerern Schönberg und der „Neuen Wiener Schule“, Igor Strawinsky und den französischen Avantgardisten wie etwa Claude Debussy oder Maurice Ravel etwas unter mit seinen der Tradition verpflichteten Werken.
Text: www.leonardwuest.ch
Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home
Link auf Lucerne Festival am Piano 2011, 2. Klavierrezital mit Yuja Wang, 23.11.2011
Homepages der andern Kolumnisten: www.irenehubschmid.ch
www.marvinmueller.ch www.gabrielabucher.ch
Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li
- Aufrufe: 429

Besetzung undProgramm:
Vor dem Konzert fand eine höchst interessante Einführung durch Mariel Kreis, unter Mitwirkung des Ensembles „Helix“ der Hochschule Luzern statt. Kreis erklärte die atonale Musik Arnold Schönbergs anhand von konkreten Beispielen, die von der Pianistin Ju Ting intoniert wurden. Schönberg war ja keinesfalls der erste, der diesen Weg einschlug, das hatten vor ihm auch schon ganz grosse Komponisten getan, berühmteste Beispiele wohl Gustav Mahlers 9 Ton Akkord in der 10. Sinfonie, Franz Liszt „Bagatelle ohne Tonart“ und wegweisend Richard Wagners legendärer „Tristan Akkord“ im 2. Takt der Einleitung zu „Tristan und Isolde“. Aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern, löste Schönberg die Harmonien schlussendlich nicht auf, führte sie also nicht in die gewohnten Dur- oder Molltonarten wohlgefällig zurück, sondern liess sie im Raum stehen und aushallen. Fast etwas Unerhörtes, vor allem aber Revolutionäres, in der damaligen spätromantischen Kompositionsphase. Und der Erneuerer und suchend Angetriebene beliess es nicht dabei, sondern entwickelte sein Schaffen weiter, was schlussendlich zu der sogenannten Zwölftonmusik führte.
Zuerst erfuhren wir, wie Akkorde um ca. 1910 entstanden und erklangen, schlussendlich durch die Intonation des 2. Streichquartetts, dessen Uraufführung in Wien einen grösseren Skandal, ja Tumulte auslöste, die beinahe in eine Massenschlägerei mündeten.
Zum Konzert, das von der Programmation und Besetzung her Aussergewöhnliches erwarten liess. Der ehemalige Bass – Bariton Thomas Quasthoff als Sprecher der „Egmont Texte“, dem griechischen Gastdirigenten Constantinos Carydis und der israelischen Sopranistin Chen Reiss, nebst dem Luzerner Sinfonieorchester, das im gut besetzten Konzertsaal natürlich einmal mehr ein „Heimspiel“ hatte. Quasthoff erwies sich als äusserst einfühlsamer Rezitator der Goethe Texte, die Beethoven ganz im Sinne des Dichterfürsten vertont hat. Sanft, mit sparsamen Gesten führte der Dirigent das Orchester an den Sprecher heran, ermöglicht so einen spannenden Dialog der Protagonisten auf gleicher Ebene. Auf diesem hohen Niveau gesellte sich später auch die Sopranistin mit den Liedern „Clärchens“ dazu, In den Zwischenakten blieb für die Luzerner Sinfoniker genug Platz, um ihre aussergewöhnlich hohe musikalische Qualität zu beweisen, mal einfühlsam schlank, dann wieder vehement voluminös aufbrausend, wie dies das Werk Beethovens einfordert, dem auch der Dirigent mehr als gerecht wurde, indem er sich einordnete in diesen Klangkörper und das Ganze über die Individualität stellte. Das Publikum verdankte diesen akustischen Genuss mit einem langanhaltenden Applaus, entliess aber die Musiker dann doch in die wohlverdiente Pause.
Auftritt für den zweiten Sprecher des Abends Peter Schweiger, der Schönbergs „Ode an Napoleon Buonaparte“ rezitierte, eingebettet in die Harmonien oder vielmehr Dissonanzen des Werkes. Diese Anklage an den korsischen Tyrannen bot dem Komponisten ausreichend Gelegenheit, Schmerz, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit musikalisch umzusetzen, einen Appell wider Unterdrückung, Krieg und das daraus entstehende Elend zu statuieren. Das Auditorium beeindruckt nachdenklich, würdigte auch diese Interpretation mit grossem Applaus. Zum Abschluss eher Versöhnliches, noch ein Schaulaufen des Orchesters mit Mozarts Sinfonie Nr. 39 in Es-Dur. Hier war Dirigent Carydis deutlich aktiver mit Gesten, Gesamtkörpereinsatz und Kopfgesten in Richtung Mitmusikern. Gelegenheit auch für die verschiedenen Sektionen des Orchesters, ihr grosses Können aufschimmern zu lassen, besonders erwähnt die Bläser, dazu die Möglichkeit für das Schlagwerk, einmal tüchtig auf die Pauke zu hauen. Mozarts Partitur führt scheinbar in ein furioses Finale, endet aber abrupt, um anschliessend die Spannung wieder langsam aufzubauen. Eine neckische Irreführung durch das Salzburger Musikgenie, der sich darob sicherlich köstlich amüsiert haben dürfte. Auch dieses Werk interpretierten die Künstler souverän und durften dafür einen langanhaltenden stürmischen Schlussapplaus als verdiente Belohnung entgegen nehmen.
Produktionsteam und Besetzung
Besetzung:
Die Künstlerisch wirkt sehr authentisch, wenn sie die psychisch und physisch erlittenen Qualen ihres geknechteten und drangsalierten Volkes anklagt, trotzdem die Hoffnung im Vertrauen auf eine höhere Macht nicht verliert und die Menschen dazu aufruft, Sorge zu tragen zu den Mitmenschen, andern Lebewesen und eigentlich zur gesamten Welt, unserem einmaligen blauen Planeten.
Das Konzert begann mit dem traditionellen Ruf des Muschelhorns, das die Nonnen und Mönche in den Klöstern Tibets zum Gebet ruft. Beim darauffolgenden Chenresi Mantra, dem wohl allerwichtigsten für die Tibeter, kam erstmals Jürg Fuyûzui Zurmühle mit seinem Shakuhachi als Solist zur Geltung, garniert mit ein paar Schlägen des Gongs. Mit einen paar Zupfern an der von Thomas Niggli gespielten Sitar, dem Einsatz von diversen, in Schwingungen versetzten Klangschalen und Glasschalen war unmittelbar ein mystisch – magischer Klangteppich geschaffen, auf dem sich die Künstlerin stimmlich in Höhen schwang, gekleidet in ein traditionelles, einfaches Kleid des Bergvolkes, einen Glücksschal um die Schultern gelegt.