Luzerner Theater: Tanz 18: Celebration! Einmalige Wiederaufnahme am Luzerner Theater 15. Mai 2016
Choreografien von Cayetano Soto, Fernando Hernando Magadan und Andonis Foniadakis
«Celebration!» kommt nochmal auf die Luzerner Bühne. Wer diese drei Meisterwerke noch nicht gesehen hat, sollte unbedingt hingehen, wer sie bereits gesehen hat, wird dies wenn irgendwie möglich bestimmt nochmal tun. Um mit dabei zu sein, wenn dieser mitreissende Tanzabend ein letztes Mal zum Leben erweckt wird, reserviert man sein Ticket an der Luzerner Theaterkasse unter
041 228 1414 oder über
Das erste Stück «Malasombra» – zu Deutsch «böser Schatten» – des spanischen Choreografen Cayetano Soto ist eine Hommage an die kubanische Sängerin La Lupe und sprüht nur so vor Lebensfreude. Die unglaublich präzisen Schritt-Abläufe, die Tanzlust des Ensembles, gepaart mit den lateinamerikanischen Rhythmen und der Stimme La Lupes, ergeben einen Mix, dessen Faszination man sich nicht entziehen kann. Da ist so viel Witz, so viel Temperament und Tanzfreude da, dass man hochbegeistert zurückbleibt.
Ganz anders die kühlen, ästhetischen, teils auch witzigen Bilder des Stücks «Naked Ape» von Magadan. Thematisch werden sich Instinkt und Intellekt gegenüber gestellt, musikalisch elektronische Klänge und ein Violinkonzert von Bach. Für skurrile Momente sorgt der Professor, welcher versucht, in einer Kunstsprache die Anatomie der Tänzer zu erklären, eine Anatomie, die sich nicht immer so verhält wie sie sollte.
Beim dritten Stück «Shades» des jungen Griechen Andonis Foniadakis taucht man ein in die Welt der Nachtschwärmer, verliert sich mit ihnen in einer mit speziellen Lichteffekten durchbrochenen Dunkelheit, spürt den Beat, der sich im Körper verkrallt und erlebt das Getriebene, Atemlose, Fiebrige einer durchtanzten Nacht in einem Club. Und wenn der Vorhang fällt, sitzt man selber irgendwie atemlos da und fragt sich, wie es möglich ist, dieses Tempo, diese Körperspannung und Konzentration so lange zu halten, ohne sich auch nur das geringste Zeichen von Anstrengung anmerken zu lassen. Das ist Können auf höchstem Niveau.
Spannend nun also die Wiederaufnahme nach gut einem Jahr und nach internationalen Gastspielreisen, mit teilweise neuen Ensemblemitgliedern, neuen Tanzpartnern. Dazu äussern sich die Tänzerinnen selber wie folgt:
Salome Martins (besetzt in «Malasombra» und «Shades»): «Diese Wiederaufnahme erfordert für mich ein ganz andere Herangehensweise an den Tanzabend. Als ich den Abend in der Jubiläumsspielzeit vor gut einem Jahr getanzt habe, war alles frisch und so auf den Körper bezogen. Nach der ganzen Reihe an Vorstellungen und den internationalen Auftritten habe ich viel verarbeitet, entwickelt und gefestigt: bei der Wiederaufnahme gehe ich viel mehr mit dem ˂Kopf˃ an die Sache ran.» Chiara Dal Borgo (tanzt grosse Partien in allen drei Stücken): «Dieser Abend birgt immer noch eine enorme Herausforderungen an meinen Körper. Alle drei Stücke sind so kraftvoll und voller Emotionen. Ich brauche meine volle Konzentration. Dazu gehe ich vor jedem Stück auf der Bühne alle Schritte ganz fokussiert für mich durch. Dadurch lasse ich die Choreografien wie einen Film im meinem Kopf ablaufen. Das hilft mir, in die jeweilige ˂Stimmung˃ der Werke zu kommen und diese dann auch so präsentieren zu können wie es sich der jeweilige Choreograf wünschen würde. Dieses schnelle Umschalten von einem Stück auf das andere ist die Herausforderung. Jedenfalls möchte ich diese Wiederaufnahme nochmals richtig geniessen und feiern! »
Aurélie Robichon (sie tanzt in „Naked Ape“ die Hauptpartie): «Ich habe diese Rolle in «Naked Ape» auf den Gastspielen nicht getanzt und zum letzten Mal letztes Jahr auf der Luzerner Bühne gezeigt. Ich hatte viel Zeit, um an meiner Interpretationsweise zu recherchieren, habe das Stück niemals ganz abgelegt, sondern es seit einem Jahr in mir unterbewusst arbeiten lassen. Es gibt zwei grosse Änderungen für mich in dieser Wiederaufnahme: Ich steige mit meiner solistischen Partie in «Naked Ape» in den Tanzabend ein. Das ist ein anderes Gefühl als wenn man in «Malasombra» mit den sieben Kolleg*Innen auf der Bühne steht und diese Geborgenheit und Kraft der Gruppe fühlt. Ich gehe erstmal alleine auf diese Bretter und empfinde es als grosse Aufgabe. Die andere grosse Umstellung ist, dass ich einen anderen Tanzpartner für die Duette habe als gewohnt, nämlich Eduardo Zúñiga anstelle von Anton Rosenberg. Wir haben eine tolle Energie zusammen, aber trotzdem ist das neu – sozusagen ist die Derniere gleichzeitig eine kleine Premiere für mich.»
„Wenn Sie also mit dabei sein möchten, wenn dieser mitreissende Tanzabend ein letztes Mal zum Leben erweckt wird, erhalten Sie ihr Ticket an der Luzerner Theaterkasse unter oder
Kleine Fotogalerie von Gregory Batardon Luzerner Theater:
Trailer der Produktion:
www.art-tv.ch/11499-0-Luzerner-Theater-Tanz-18-Celebration.html
Text: www.gabrielabucher.ch
Fotos: www.luzernertheater.ch
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Dramma giocoso in einem Akt von Gioacchino Rossini
Das Philharmonische Orchester Rotterdam erwies sich als wahre Trouvaille, relativ unbekannt, hat es in sich den letzten zwei Jahrzehnten unter der Leitung von Valery Gergiev, amtierte von 1995 bis 2008 und dessen Nachfolger, dem jetzigen Leiter Yannick Nézet – Séguin, kontinuierlich weiterentwickelt und sein internationales Renommee enorm gesteigert und ist inzwischen, seit 2010, ständiges Residenzorchester am Pariser Théâtre des Champs-Elysées. Äusserst motiviert, kraftvoll und spielfreudig begaben sie sich in Dantes zweiten Kreis der Hölle im „Inferno“ der „Göttlichen Komödie“, das Tschaikowski musikalisch umgesetzt hatte mit seiner sinfonischen Fantasie in E-Moll „Francesca da Rimini“. Nach dem Zerwürfnis mit seinem Librettisten, hielt sich der Komponist an Dantes Originaltext und an Zeichnungen von Gustave Doré. Die Höllensturm Passagen im ersten Satz umrahmen die Liebeserzählung Francescas und steigern sich kontinuierlich, besonders bedrohlich instrumentiert durch den drohenden Bassgang, die sich dazugesellenden übrigen Streicher und Holzbläser, komplettiert durch das Holz und die Schlagwerke. Durch die manisch beschworene Tonfolge c – h im Bass rollt erneut eine Steigerungswelle näher, die allmählich abebbt und übergeht in den langsamen Mittelteil. Hier steht die hervorragende Soloklarinette für die Stimme Francescas, deren wehmütiger Gesang zuerst von den Geigen, dann von Flöten und Celli übernommen wird, dies alles ohne eigentliche thematische Entwicklung. Tschaikowski intensiviert die Klarinettenmelodie in gut russischer Tradition durch fabulöse Klangeffekte und melodische Metamorphosen, die aber wieder dem Wirbelwind weichen müssen. Trotzdem gelingt es Tschaikowski die Überlegenheit der Musik über die bildenden Künste deutlich zu machen, indem er auch die Gefühle Francescas zu vermitteln mag. Das sachkundige Publikum würdigte diesen musikalischen Leckerbissen entsprechend mit stürmischem, langanhaltenden Applaus.
Dann erwartete uns nicht nur ein akustischer, sondern auch optischer Genuss, als die attraktive argentinisch – schweizerische Doppelbürgerin Sol Gabetta mit ihrem Violoncello die Szene betrat. Sie spielt u. a. ein Guadagnini-Cello von 1759, das ihr vom Rahn Kulturfonds als Leihgabe zur Verfügung gestellt wird. Beim Konzert von Schostakowitsch, das eher kammermusikartig gehalten ist, also reduzierte Tonsprache, Verzicht auf üppige Klangmalerei zugunsten transparenter Durchhörbarkeit, konnte Gabetta ihr ausgeprägtes Flair für Tremolo, feinziselierte Tonmodulation und Wandelbarkeit ausspielen. Dies zeigte sich schon 2004, als sie internationales Aufsehen erregte bei ihrem Debüt am Lucerne Festival, als Gewinnerin des „Crédit Suisse Young Artist Award“, mit den Wiener Philharmonikern unter Valery Gergiev. Sol Gabetta zog das Publikum in ihren Bann. Angespannt und fasziniert folgte das Auditorium der Künstlerin durch das anspruchsvolle, aufwühlende Werk des russischen Komponisten. Nach dem furiosen Finale wogte eine tosende, nichtendenwollende Applauswelle durch den Tonhalle Saal, die die Solistin dann noch zu einer Zugabe bewog. Gutgelaunt begab man sich darauf während der folgenden Pause in die Foyers, wo angeregt diskutiert wurde. Die für das Kinderradio Moskau als Kompositionsauftrag geschriebene Sinfonie Nr. 7 von Sergej Prokofjew war nach der Pause programmiert. Da Prokofjew spätestens seit „Peter und der Wolf“ aus dem Jahre 1936 als Spezialist für anspruchsvolle Kinderkompositionen galt und sich auch gerne in Kindheitserinnerungen schwelgte, waren die idealen Voraussetzungen gegeben, obschon er selbst später hinterfragte, ob diese Musik nicht zu einfach sei, was aber durch die breite Anerkennung des Werkes, auch von Komponistenkollegen, zum Beispiel Schostakowitsch, negiert wurde. Prokofjew wob Motive seiner Ballettkomposition „Die Sage von der steinernen Blume“ ebenso in das Werk ein wie Fragmente der Musik sowjetischer Pioniere. Mal orchestriert er grimmige, brummende Basssequenzen von Celli und Kontrabass, dann wieder in dünner Höhenlage durch die Bläser, manchmal hektisch und aggressiver werdend, mündet das Finale mit der farbenprächtigen Wiederaufnahme des Hauptthemas zu einem versöhnlichen Ende. Hier entlockte der kanadische Dirigent Yannick Nézet – Séguin seinem Orchester mit prägnanten Gesten und vollem Körpereinsatz eine grandiose Virtuosität, die das Publikum mehr als zu überzeugen vermochte. Ein, wahrscheinlich den wenigsten Anwesenden bekanntes Orchester hat seine Visitenkarte abgegeben und wird bleibenden Eindruck hinterlassen. Dies demonstrierte auch der langanhaltende Schlussapplaus. Nach langer, fast zu langer Zeit gönnten uns die Holländer dann doch noch eine Zugabe.
Besetzung und Programm:
Das begeisterte Publikum spendete langanhaltenden kräftigen Applaus, erntete dafür aber keine Zugabe der Weltklassesolisten aus Norwegen.
