Lucerne Festival an Ostern 2016: Sinfoniekonzert 1, W. A. Mozart Il re pastore 15. März, besucht von Léonard Wüst
Besetzung und Programm:
Les Arts Florissants, William Christie Dirigent
Rolando Villazón Alessandro, Martina Janková Aminta
Regula Mühlemann Elisa, Angela Brower Tamiri, Emiliano Gonzalez Toro Agenore
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) Il re pastore KV 208. Serenata in zwei Akten Konzertante Aufführung in italienischer Sprache | Koproduktion mit U-Live
22 Bühnenwerke hat Wolfgang Amadé Mozart in seinem kurzen Leben komponiert – ins Opernrepertoire aber sind eigentlich nur die sogenannten sieben «grossen» Musikdramen eingegangen, vom Idomeneo bis zum Titus. Und die anderen 15? Sind sie nicht gut genug? Keineswegs, wie William Christie und sein fabelhaftes Ensemble Les Arts Florissants mit der Aufführung des Pastoralidylls Il re pastore beweisen werden. Mozart komponierte diese Serenata im Alter von 19 Jahren als Huldigung für den Salzburger Fürsterzbischof Colloredo. Dessen Pendant auf der Bühne ist kein Geringerer als Alexander der Grosse, gesungen von Startenor Rolando Villazón. Der legendäre Feldherr hat die phönizische Stadt Sidon von einem Tyrannen befreit und will nun wieder den rechtmässigen König in sein Amt einsetzen. Der aber ist der Hirte Aminta, der nichts von seiner Herkunft ahnt und viel lieber sein privates Glück mit der Schäferin Elisa geniessen will … Mozart nähert sich dieser Parabel mit doppelbödiger Ironie
Grundsätzliches zum Werk:

Il re Pastore wurde nicht nur von Mozart, sondern auch von zahlreichen anderen bekannten Komponisten vertont, u.a. Giuseppe Bonno ,Christoph Willibald Gluck, Johann Adolph Hasse (für den Dresdner Hof von August III. Kurfürst von Sachsen). Mozart komponierte diese Serenata nach einem Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio im Alter von 19 Jahren als Huldigung für den Salzburger Fürsterzbischof Colloredo zum Empfang von Erzherzog Maximilian Franz (etwa gleichaltrig wie Mozart), jüngster Sohn von Kaiserin Maria Theresia. Orchesterbesetzung
2 Flöten, 2 Oboen bzw. Englischhörner, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, Streicher, Pauken
Rezension:
Natürlich war man besonders gespannt auf den Auftritt, der inzwischen international gefeierten einheimischen Sopranistin Regula Mühlemann, die an der Luzerner Hochschule für Musik klassischen Gesang studiert und In der Spielzeit 2010/2011 dem Ensemble des Luzerner Theaters angehört hatte. Nach der Ouvertüre im typischen Mozart Sound betraten zuerst Martina Jankova (Aminta) und Regula Mühlemann (Elisa) die Szene und fesselten das Publikum sofort mit ihrem Gesang und der Darstellung als sorglos Liebende. Das Sorglose endete aber mit dem Auftauchen von Agenore, des Beraters von Alexander dem Grossen. Dieser klärte Aminta darüber auf, dass er, als legitimer Thronfolger, in Zukunft die Geschicke des nun befreiten Sidon leiten soll. Wenig begeistert, ergibt sich der Hirte Aminta darauf vorerst mal seinem Schicksal und begibt sich in das Zeltlager Alexanders, wo er über seine künftigen Pflichten als König unterrichtet werden soll. Über die Verbindung Amintas mit Elisa und von Agenore mit Tamiri (Tochter des früheren Tyrannen von Sidon Strato) nicht informiert, will er die Paare zum Wohle des Landes über Kreuz verheiraten, also Aminta mit Tamiri und Agenore mit Elisa. Während sich die Männer dem Entscheid Alexanders beugen wollen, protestieren die Damen aufs Heftigste und verteidigen ihre Liebe vehement, worauf Aminta klar macht, dass er in diesem Fall auf den Thron verzichten, seine Jugendliebe ehelichen und weiterhin als einfacher Hirte leben wolle. Dies besingt er denn auch mit einer der schönsten Liebesarien von W.A. Mozart „Làmerò, sarò costante“, in wunderbaren Zusammenspiel mit der Solo Violine. Beeindruckt ob so viel selbstloser Liebe, stimmt der Herrscher den ursprünglichen, also richtigen Verbindungen zu und preist das Sinnbild des „re pastore“, also des „Hirtenkönigs“ als Ideal des künftigen Staates.
Alle Akteure zeigten, nebst ihren unbestrittenen gesanglichen Fähigkeiten, auch beachtliches schauspielerisches Können. Rolando Villazon (Alessandro), verkörperte seinen Part mit Ironie und manchmal fast clownesk übertriebenem Witz, abgeklärt souverän, hat aber vor seiner krankheitsbedingten Auszeit mehr überzeugt als jetzt als leicht blässlicher Kavalierstenor. Emiliano Gonzalez Toro zeigte als „Agenore“ grosses komödiantisches Talent und beeindruckte mit perfektem Schmelz und Agilität. Alle Damen spielten und sangen mit sehr grossem Einfühlungsvermögen und Hingabe. Das begeisterte Publikum geizte nicht mit reichlich Szenenapplaus. Die Solisten wurden getragen von einem wunderbaren Orchester, diskret, aber zügig geführt von Dirigent William Christie, dem Villazon einen vergoldeten Lorbeerkranz auf den Kopf setzte. Gekrönt durch ein grandioses Finale, bei dem alle Akteure ihr aussergewöhnliches Können noch einmal demonstrieren konnten, beendete Christie dieses eindrückliche Konzert. Es folgte nicht endend wollender Applaus des begeisterten Auditoriums, der von den Akteuren sichtlich genossen wurde und sie nach langer Zeit motovierte, uns doch noch mit einer Zugabe zu erfreuen, bei der die Protagonisten scherzten, mit dem Publikum flirteten und einen Teil davon noch auf die Bühne baten.
Trailer IL RE PASTORE – MOZART Opernhaus Zürich
www.youtube.com/watch?v=H1VGVNGki78
Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch
www.gabrielabucher.ch Paul Ott:www.literatur.li
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Produktionsteam
Norma ist eine tragische Oper in zwei Akten von Vincenzo Bellini. Das Libretto stammt von Felice Romani und beruht auf einem Drama von Louis Alexandre Soumet. Die Uraufführung fand 1831 in Mailand statt. Die Oper spielt in Gallien im ersten Jahrhundert vor Christus. Die Spieldauer beträgt etwa zweieinhalb Stunden.
Belcanto (Schöngesang) im wahrsten Sinne des Wortes, grossartige Stimmen gepaart mit exzellenten schauspielerischen Leistungen, alles unterstützt von einem adäquaten Bühnenbild inklusive passenden Diaprojektionen. Instrumental wie immer grossartig, das von Howard
Arman geleitete Luzerner Sinfonieorchester. Obwohl eher ein Melodram für die weiblichen Stimmen, behaupteten sich der Bassbariton Flurin Caduff als Oroveso und Tenor Carlo Jung-Heyk Cho als Pollione nachhaltig eindrücklich auf der Szene. Leider etwas überlaut, fast schreiend gegenüber Norma hingegen im ersten Duett war Adalgisa (Marie-Luise Dressen). Alles überstrahlt natürlich die sehr lange Cavatine „Casta Diva“ zu der sich Morenike Fadayomi scheinbar mühelos aufschwang. Die Schlüsselarie ist geprägt von unendlichen, elegisch grundierten Kantilenen. Übergrosse Adlerschwingen integriert am Druidenthron visualisieren die aussergewöhnliche gesellschaftliche Stellung der Priesterin Norma in der gallischen Gemeinschaft. Das Drama nimmt seinen Lauf und gipfelt in der fast halbstündigen Schlussszene und dem Tod von Norma und Pollione auf den Scheiterhaufen.
Eine fast perfekte Adaption des Stoffes durch Regisseurin Nadja Loschky, wenn sie auf das Anzünden mittels eines Feuerzeuges und das Rauchen von Zigaretten durch Pollione und Flavio im ersten Akt und Verwendung einer Faustfeuerwaffe zur Bedrohung von Pollione durch Norma verzichtet hätte.
Trotz mehrerer Vorhänge reichte es nicht ganz zu einer stehenden Ovation. Gespannt, wie die originalbesetzte Jutta Maria Böhnert nach ihrer Wiedergenesung den schwierigen Part meistern wird, hat doch ihr Ersatz, Morenike Fadayomi, die Messlatte sehr hoch gelegt.
Kleine Fotodiashow der Produktion vonTanja Dorendorf / T+T Fotografie
Besetzung und Programm:
Produktionsteam und Solisten ersichtlich über eingefügte Links: