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Lifestyle

Luzerner Theater Dantons Tod Drama von Georg Büchner, Première, 13. Februar besucht von Léonard Wüst

Luzerner Theater Dantons Tod Drama von Georg BüchnerProduktionsteam
Andreas Herrmann Inszenierung
Max Wehberg Bühne
Catherine Voeffray Kostüme
Erik Altorfer Dramaturgie

Besetzung

Christian Baus Georg Danton, Judith Cuénod Lacroix, Jörg Dathe Herrmann/Marion/Eine Frau, Julia Doege Robespierre, Hans-Caspar Gattiker Philippeau, Wiebke Kayser St. Just/Julie, Lilli Lorenz Legendre/Lucile, Bettina Riebesel Thomas Payne/Ein Mann, David Michael Werner Camille Desmoulins Timo Huser – Tambourenjunge

Rezension:

Ein relativ unspektakuläres, dafür umso effektvolleres Bühnenbild präsentierte sich den Besuchern der Première. Vor dem eigentlichen Beginn der Aufführung wirbelte ein Tambourjunge auf seiner Trommel, fast ein wenig bedrohlich und kriegerisch wirkend. Kriegerisch und blutig waren ja auch diese Zeiten, als Danton und die andern Figuren von Büchners Drama das gesamte Weltgeschehen beeinflussten und in andere Bahnen lenkten. Symbolisch dafür die auf der Bühne platzierte halbe, sich drehende Erdkugel, auf denen die Schauspieler agierten, sich mal hinlegten, herumliefen und dabei auch mal abrutschten, sich wieder aufrafften um erneut in den Weltenlauf zurückzukehren, ihn zu beeinflussen. Da der Krieg damals ja nicht von aussen kam, sondern untereinander in Form eines brutalen Bürgerkrieges wütete, waren alle Protagonisten in irgend einer Art und Weise mal Verbündete, Todfeinde, gar vermeintliche Totengräber der eben erst errungenen Privilegien der Revolution, von „Liberté, Egalité und Fraternité“, die als solche erst. über 50 Jahre später, unter Napoleon III., zu deren Parole erklärt wurde.

 

Messerscharfe, besser Guillotinen scharfe Dia- und Monologe prägen dieses Drama, das Georg Büchner in sehr jugendlichem Alter knapp 50 Jahre nach den tatsächlichen Ereignissen verfasste. Eine Art „Stück im Stück“ flocht die Dramaturgie mit den, teils in sächsischem Dialekt rezitierten Dialogen durch Bettina Riebesel (ein Mann) und Jörg Dathe (eine Frau) in auflockernder und sehr aktueller, auf heutige Vorkommnisse bezugnehmende, Weise ein. Damals wie heute wurden Rechte von den Machthabern, Despoten, Regierenden eingefordert für den Normalsterblichen, wodurch die Parole „Wir sind das Volk“ wieder zurechtgerückt wird im historischen Kontext der Volksaufstände und Massendemonstrationen. Damals wie heute war man sich auch unter den Revoltierenden nicht immer eins, was denn der richtige Weg sei, um die angestrebten Ziele zu erreichen.

Der durch seine Freunde immer wieder auf das drohende Unheil angesprochene Danton fühlte sich, als einer der massgeblichen Anführer der Revolution und späteren Vorsitzenden der Jakobiner, als relativ unantastbar und wähnt sich in trügerischer Sicherheit, selbst als absehbar war, dass eine Anklage gegen ihn erhoben würde, die Messer für ihn schon gewetzt, respektive die Klingen des von Dr. Guillotin erfundenen Massenhinrichtungsinstrument schon geschärft waren. Es kam dann, wie hinlänglich bekannt, zu dieser historischen Anklage vor der, von Danton mitbegründeten, Nationalversammlung, die massgeblich von seinem früheren Mitstreiter, seinem Nachfolger als Chef der Jakobiner und jetzigem Hauptgegenspieler und Hauptverantwortlicher für die Terreur von 1793/94, Maximilien Marie Isidore de Robespierre, genannt „Der Unbestechliche“, geprägt war. Ebendieser Robespierre wird eher fast diskret konziliant geschmeidig und nicht so bedrohlich furchterregend dargestellt durch Julia Doege. Überzeugend einmal mehr alle Akteure, die oftmals einzeln, zu zweit oder in Gruppen philosophierten und Fragen stellten, wie z.B. ob die Moral aus Gott entstanden, oder vielmehr Gott durch die Moral entstanden sei, dass Revolutionen schon immer lange gedauert hätten, wie das Beispiel von Moses zeige, der jahrelang mit seinem Volk durch die Gegend und die Wüste gezogen sei, auch ein Meer durchqueren musste, bis sie ihr Ziel endlich erreicht hatten, aber dort bis zum heutigen Tag doch noch nicht in Ruhe und Frieden leben könnten.

Die Protagonisten erhielten zwischendurch auch mal Szenenapplaus des sichtlich faszinierten und berührten Publikums.

Die Verhandlung:

Grossartig wie Wiebke Kayser als St. Just auf der sich, an Seilen fixierten sich anhebenden, Welthalbkugel stehend (symbolträchtig in eine blutrotes Gewand gehüllt), die anklagende Brandrede gegen Danton vor der Nationalversammlung in den Raum schleuderte, den ehemaligen Chef der Jakobiner des Hochverrats und der Konspiration mit den Feinden der Revolution bezichtigte und seine ultimative Verurteilung durch die, parteiisch ausgewählten, Geschworenen einforderte.

Höhepunkt dieser Sequenz die Intonation der „Marseillaise“, damals eine der diversen Revolutionshymnen, die dann später, genauer, am 14. Juli 1795 zur französischen Nationalhymne erklärt wurde. Begleitet durch bombastische Orgelklänge sang sich Wiebke Kayser auf der Welthalbkugel in die Höhe, eingetaucht in die Farben der „Tricolore“, ein akustischer und visueller Fanal auch an den vom aussen nach Paris gebrachten Terror des letztjährigen Novembers.

Daraufhin las uns ein junges Mädchen die Leviten in Form des Zitierens der Artikel der am 26. August 1789 von der französischen Nationalversammlung verkündeten Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen), die in leicht modifizierten Formen noch heute in den Verfassungen jeder legitimierten modernen Demokratie stehen. Sie tat dies sehr engagiert, emotional und entliess daraufhin ein ziemlich nachdenklich beeindrucktes Publikum in die Pause, den Artikel 1 (Die Menschen (Männer) werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es) in den Gedanken nachhallend.

 

Nach der Pause die Geschichte weitergesponnen bis zum bitteren Ende, dem ein keiner entrinnen konnte, wie man heute weiss. Ein in jeder Hinsicht überzeugender, packender und aufwühlender Schauspielabend, ganz grosses Theater im „Haus an der Reuss“. Die Akteure, durften sich dann auch einen kräftigen Applaus abholen, sich lange daran erfreuen und baten auch noch das Produktionsteam auf die Bühne um auch diese, meistens „Unsichtbaren“, am verdienten Künstlerlohn teilhaben zu lassen.

Dantons Tod | Luzerner Theater (Official Trailer)

www.youtube.com/watch?v=JkuMT_T8ZZo


Kleine Fotodiashow von Toni Suter www.ttfoto.ch/ www.luzernertheater.ch und Wikipedia

fotogalerien.wordpress.com/2016/02/14/luzerner-theater-dantons-tod-drama-von-georg-buechner/

Text: leonardwuest.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch Toni Suter/ T+T Fotografie

Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch  www.irenehubschmid.ch

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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Luzerner Theater Béatrice et Bénédict, Opéra comique in zwei Akten von Hector Berlioz, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Luzerner Theater Béatrice et Bénédict, Opéra comique in zwei Akten von Hector BerliozOpéra comique in zwei Akten von Hector Berlioz,Text von Hector Berlioz, nach William Shakespeare, In französischer Sprache mit deutschen Dialogen und Übertiteln

Besetzung:

Produktionsteam

Boris Schäfer Musikalische Leitung, Béatrice Lachaussée Inszenierung, Werner Hutterli Bühne
Nele Ellegiers Kostüme, Ueli Riegg Licht
Mark Daver Choreinstudierung, Dr. Christian Kipper Dramaturgie

Besetzung

Jutta Maria Böhnert Béatrice, Todd Boyce Claudio, Flurin Caduff Don Pedro, Szymon Chojnacki Somarone, Utku Kuzuluk Bénédict, Eunkyong Lim Ursule, Carla Maffioletti Héro, Chor des Luzerner Theaters, Luzerner Sinfonieorchester

Rezension: Ein vergnüglicher Abend wird einem versprochen mit «Béatrice und Bénédict» im Luzerner Theater und vergnüglich war er durchaus. Hector Berlioz Opéra comique in zwei Akten erlebt momentan in Luzern eine schlichte, unaufgeregte Inszenierung mit einem tollen Ensemble, welches vom Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Boris Schäfer leichtfüssig, elegant-französisch und wo nötig wehmütig-melancholisch unterstütz wird.

Auf der Bühne liegen als «Kulisse» lediglich Holzelemente als Labyrinth ausgelegt, mal warm dezent, mal hell ausgeleuchtet. Diese werden in ein paar Handgriffen im Laufe der Aufführung in ein kriegerisches Chaos verwandelt, das wie ein abstrakt-kühles Kunstwerk anmutet und schlussendlich für die Hochzeitsszene zu einem Saal mit Bänken, eine raffinierte Lösung, schlicht und doch ausdrucksstark, aber wohl für die Sänger, welche sich darin bewegen müssen, nicht ganz ohne Tücken.

 

Die erste Szene – vier Kinder, die in diesem Labyrinth spielen und sich necken – erinnert an ein Bild aus einem alten Kinderbuch und läutet das Verspielte des Stücks ein. Die Geschichte ist banal, basiert auf Shakespeares «Much Ado About Nothing» und ist, aufs Nötigste reduziert, ungefähr folgende: Hero, Tochter des Gouverneurs auf Sizilien, wartet auf ihren Claudio, Adjutant der sizilianischen Armee, welcher  aus dem Krieg zurückkehrt. Sie erhält die Erlaubnis ihres Vaters, ihn auch sogleich zu heiraten und beginnt mit den Hochzeitsvorbereitungen. Ihre Cousine Béatrice jedoch (eine herrlich streitsüchtige Jutta Maria Böhnert, die sich ihre Erkältung an diesem Abend in keiner Weise anmerken lässt) verweigert sich der Liebe und streitet sich permanent mit Bénédict (Utku Kuzuluk, selbstverliebt und mit wunderbar südländischen Allüren) einem sizilianischen Offizier und Freund von Claudio. Durch eine Intrige, welche so nur in einer Oper möglich ist, finden die beiden aber doch noch zueinander, verlieben sich auf der Stelle und heiraten gleichzeitig mit Hero und Claudio.

 

Bis es soweit ist, wird wortstark und deutsch gestritten (eine Herausforderung, wie der Dramaturg Christian Kipper in seiner übrigens sehr hörenswerten Einführung erklärte, sind doch im Ensemble sieben verschiedene Nationen vertreten!) und  französisch gesungen. Ein Höhepunkt dabei die Arie «Vous soupirez, Madame» zwischen der Amme Ursule, Eunkyong Lim, und Hero, Carla Maffioletti. Kims wunderbar warmes Timbre verwebt sich da aufs Schönste mit Maffiottis hellem Sopran, ein Gänsehautmoment! Neben Arien und Wortgefechten ist da noch der Chor des Kapellmeisters Samarone, der eher an einen Raubtierdompteur erinnert als an einen Dirigenten. Sein Chor verhält sich auch dementsprechend und seine düsteren Kompositionen wollen so gar nicht zur Hochzeit passen. Die Kostüme, fast ausschliesslich in Schwarz-Weiss, passen sich der Schlichtheit des Szenenbildes an. Einzige Farbtupfer sind das rote Kleid von Hero, das sie wie ein kleines Mädchen aussehen lässt und das dunkelrote koreanische Hochzeitskleid der Amme Ursule, welches ihr eine unglaubliche Ruhe und Würde gibt.

Alles in allem eine sehr stimmige Aufführung, ein unterhaltsames, leichtfüssiges Kunstwerk für einen amüsanten, erfreulichen Abend. leine Fotodiashow von  Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2016/01/25/luzerner-theater-beatrice-et-benedict-opera-comique-in-zwei-akten-von-hector-berlioz-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Trailer der Produktion:

www.youtube.com/watch?v=KyeWpKKxmEU

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

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Zwischen Exil und Emigration – Sinfoniekonzert, Ein Gemeinschaftskonzert der Jungen Philharmonie Zentralschweiz und des Luzerner Sinfonieorchesters, 27. Januar 2026, besucht von Léonard Wüst

Junge Philharmonie ZentralschweizBesetzung und Programm:

Junge Philharmonie Zentralschweiz
Luzerner Sinfonieorchester Christian Poltéra, Violoncello
Steven Sloane, Leitung

Katharina Rosenberger (*1971)
Spuren, Uraufführung im Rahmen von «Oeuvres Suisse» (Auftragskomposition des LSO )

Erich Wolfgang Korngold (1897 – 1957)
Konzert für Violoncello und Orchester op. 37

Béla Bartók (1881 – 1945)
Konzert für Orchester Sz 116

Michael Kaufmann, Direktor der Hochschule LuzernBei der Begrüssung erklärte Michael Kaufmann, Direktor der Hochschule Luzern – Musik, dass dieses Konzert dem Dirigenten Israel Yinon gewidmet sei, der vor einem Jahr (29. Januar 2015) während eines Konzertes mit der Jungen Philharmonie Zentralschweiz, beim Dirigieren der Alpensinfonie von Richard Strauss, hier im Saal infolge eines Herzinfarktes  zusammengebrochen war und verstarb. Yinon sei ein grosser Förderer des Orchesters der Hochschule Luzern gewesen.

Nun zu Erfreulicherem:

Annähernd 100 Musiker waren auf der Bühne des KKL bei diesem Konzert, das die Junge Philharmonie Zentralschweiz und das Luzerner Sinfonieorchester gemeinsam bestritten, dies unter der Leitung des 1958 in Los Angeles geborenen Steven Sloane.

Ohne ersichtliche Nervosität platzierten sich die jungen Musiker inmitten ihrer erfahrenen Kollegen vom Luzerner Sinfonieorchester, welches, gegründet 1806, das älteste der Schweiz ist. Gestartet wurde grad mit einer Uraufführung von „Spuren“ ein Stück der jungen Schweizer Komponistin Katharina Rosenberger(*1971), einem Auftragswerk des LSO. Ein ganz besonderer Start auf einer weltbekannten Konzertbühne für die Studierenden Musik der HSLU.

 

Steven Sloane, Leitung c JohnFMartinDurch das  Scharren mit den Schuhen der Orchestermitglieder und den Einsatz auf der Galerie verteilter Musiker ergaben sich ungewohnte Klangerlebnisse, irgendwie mystisch, irritierend und verwirrend. Die Komposition, geprägt von der tragischen Familiengeschichte der Schöpferin, ist schwer in Worten wiederzugeben, deshalb die Trailer zweier Werke von Rosenberger über unten eingefügte Links.

Gewohntere Töne dann beim zweiten Werk des ersten Konzertteiles, geschrieben vom, vor allem durch seine Filmmusikkompositionen bekannten, E.W. Korngold. (u.a. prämiert mit einem „Oscar“ im Jahre 1938 für die Musik zu „The Adventures of Robin Hood“ unter der Regie von Michael Curtiz, der sechs Jahre später mit “Casablanca" einen Welterfolg landete). Obwohl selten aufgeführt, wirkte dieses Cellokonzert irgendwie doch vertraut, ein gewisser Hollywoodsound schien doch irgendwie durchzuschimmern, deshalb wurde Korngold wohl eher den Unterhaltungskomponisten als den klassischen zugeordnet, obwohl ihm Richard Strauss, als auch Gustav Mahler grosses Talent attestierten. Korngold übersiedelte 1934 auf Einladung von Max Reinhardt in die USA, wo er sich schnell zu einem sehr bekannten und vielbeschäftigten Filmmusiker entwickelte.

Der Solist am Cello überzeugte durch sein ausgewogenes, trotzdem sehr variables Spiel auf seiner Stradivari „Mara“ (1711) und brachte die Kraft und Vitalität des ursprünglich für einen Hollywood Film komponierten Werkes auch auf der Bühne zur vollen Entfaltung, unterstützt  durch das, durch Steven Sloane, sensibel zurückhaltend geleitetem Orchester. Solist Christian Poltéra war wirklich eine Entdeckung, obwohl mehrfach mit Preisen dekoriert und schon mit weltweit bekannten Orchestern aufgetreten, ist er in seiner Schweizer Heimat nur Insidern wirklich ein Begriff. Das Publikum wusste denn auch die Leistung der Protagonisten in diesem ersten Konzertteil mit langanhaltendem Applaus zu würdigen und Steven Sloane bat die Komponistin Katharina Rosenberger für einen Sonderapplaus ebenfalls auf die Bühne.

 

Christian Poltéra, Solist  VioloncelloBartoks Konzert für Orchester im zweiten Konzertteil war bestens geeignet, das Zusammenspiel der beiden Orchester zu demonstrieren, was bis auf einige etwas konstruierte, nicht fliessende Übergänge und manchmal zu laute Blechbläser auch klappte. Dafür war der mittlere, langsame Satz umso harmonischer. Ebenso überzeugte der nun zusammengewachsene Gesamtklangkörper beim furiosen Finale. Dafür wurden die Künstler mit grossem, langanhaltendem Beifall belohnt, durften sich die jungen Studenten der HSLU Musik über ein gelungenes Debut freuen und die Zuhörer über ein sehr schönes Konzert im leider unterdurchschnittlich besetzten Konzertsaal.

Trailer zweier Werke von Katharina Rosenberger als Eindruck ihrer Kompositionen:

www.youtube.com/watch?v=jA3-dB1AEFI&list=PL31B351F64C05EC34&index=3

www.youtube.com/watch?v=vdYHCxBSYww&index=2&list=PL31B351F64C05EC34

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.hslu.ch und www.kkl-luzern.ch

www.sinfonieorchester.ch

www.hslu.ch/de-ch/musik/studium/ensembles-und-veranstaltungsreihen/junge-philharmonie-zentralschweiz/

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Luzerner Theater: Schauspielpremiere Dantons Tod, Premiere: Samstag, 13. Februar 2016, 19.30 Uhr

Luzerner Theater nachtsRevolution, Terror, Flucht, Asyl, Menschenrechte. Diese Themen und Begriffe verbinden die Französische Revolution, Georg Büchners eigene Geschichte und unsere Gegenwart. «Dantons Tod» spielt in einer der düstersten Zeiten der Französischen Revolution: fünf Jahre nach der Erklärung der Menschenrechte herrscht nun der Terror. 1835 nutzte der junge Büchner diesen historischen Hintergrund, um in seinem Drama existentielle Fragen zu stellen: Kann es ein gerechtes politisches System geben, in dem jeder einzelne Mensch ein gutes, selbstbestimmtes Leben führen kann? Ist der Mensch zum friedlichen Zusammenleben fähig oder existiert in jedem von uns das «Tier», das bereit ist, zu töten, wenn es um den eigenen Vorteil geht? Diese Fragen stellen sich auch heute, vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Revolutionen im arabischen Raum und den dadurch ausgelösten politischen Debatten in Mitteuropa, mit grosser Dringlichkeit.
Paris, 1794. Aus den ehemaligen Gefährten Danton, Robespierre und St. Just sind Gegner geworden. Danton, der Held der Revolution, ist müde. Ekel hat ihn ergriffen angesichts des Leids, das mit dem menschlichen Dasein unauflöslich verbunden zu sein scheint. Der Kämpfe überdrüssig, propagiert er den Hedonismus und sucht den Rausch des Augenblicks. Unversöhnlich stehen sich die unterschiedlichen Positionen gegenüber: Hier der Tugendterror des Moralisten Robespierre und der Fanatismus des St. Just, dort Dantons Wille zum politischen Kompromiss. Am Ende bleibt allen der Gang zur Guillotine.
Büchner war Revolutionär und Künstler zugleich. Er schrieb «Dantons Tod» vor der Flucht ins französische Exil in wenigen Wochen nieder. Spätestens seit letztem Jahr sind Flüchtlinge nach den gescheiterten Revolutionen im arabischen Raum nun auch in Mitteleuropa nicht mehr zu übersehen. Können sie und wir noch von einer besseren Zukunft träumen? Können wir noch an den Erfolg von Revolutionen hin zu einer gerechteren Gesellschaft glauben? Büchner selbst war Realist genug, um einem Sieg der Prinzipien von Vernunft, Freiheit und Gleichheit zutiefst skeptisch gegenüber zu stehen. Seine Bestandsaufnahme ist von bestürzender Gegenwärtigkeit.
Der Regisseur Andreas Herrmann: Für mich steht die Auseinandersetzung im Zentrum, ob wir an die Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung zum Besseren noch glauben können oder ob wir von fatalistischen Gedanken geprägt sind, dass jede revolutionäre Bestrebung pervertiert wird und machtpragmatischen Handlungen zum Opfer fällt. Können wir noch von einer besseren Zukunft träumen, Utopien der Möglichkeit eines menschenwürdigen Daseins in der Gesellschaft ernst nehmen und diskutieren – oder haben wir schon längst die Meinung akzeptiert, dass unsere Welt von anderen komplexen und undurchschaubaren Interessen gelenkt wird.

Besetzung: Judith Cuénod, Julia Doege, Wiebke Kayser, Lilli Lorenz, Bettina Riebesel; Christian Baus, Jörg Dathe, Hans-Caspar Gattiker, David Michael Werner
Produktionsteam: Andreas Herrmann (Inszenierung), Max Wehberg (Bühne), Catherine Voeffray (Kostüme), David Hedinger (Licht), Erik Altorfer (Dramaturgie)
Weitere Informationen zum Stück sowie ein Gespräch zwischen Andreas Herrmann und Erik Altorfer finden Sie unter: luzernertheater.ch

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