Luzerner Theater: Albert Herring Comic Opera in drei Akten von Benjamin Britten Text von Eric John Crozier, nach Guy de Maupassant, besucht von Gabriela Bucher – Liechti
Produktionsteam Howard Arman Musikalische Leitung
Tobias Heyder Inszenierung
Stefan Heyne Bühne
Janine Werthmann Kostüme
David Hedinger Licht
Eberhard Rex Einstudierung Luzerner Sängerknaben
Dr. Christian Kipper Dramaturgie
Besetzung Alexandre Beuchat Mr. Gedge, Todd Boyce Sid, Szymon Chojnacki Mr. Budd, Marie-Luise Dressen Nancy Waters, Utku Kuzuluk Albert Herring, Eunkyong Lim Florence Pike, Carla Maffioletti Miss Wordsworth, Robert Maszl Mr. Upfold, Caroline Vitale Mrs. Herring, Madelaine Wibom Lady Billows
Die erste Produktion des Luzerner Theaters in der Herbstsaison greift jeweils nochmal das Thema des Lucerne Festivals auf, dieses Jahr war es «Humor». Mit Albert Herring von Benjamin Britten hätten sie ein perfektes Werk gefunden dafür, meinte Christian Kipper, Musiktheater-Dramaturg des Luzerner Theaters, aber vor allem auch mit lediglich 13 Sängerinnen und Sängern und 12 Musikern ideal für ein Theater ihrer Grösse. Und so seien sie dieses Werk angegangen, wohl wissend, dass das Publikum nicht in Scharen kommen würde.
Das tat es dann leider auch nicht, aber jene, die gekommen waren, wurden belohnt mit einer in jeder Hinsicht gelungenen Aufführung. Ein Augen- und Ohrenschmaus; vom Musikalischen über die Kostüme bis hin zum Bühnenbild ist dieser Albert Herring eine überaus gelungene Produktion.
Die Geschichte in Kurzform: Albert, der leicht dümmliche, überangepasste Sohn der Gemüsehändlerin muss mangels tugendhafter Mädchen im Dorf als Mai-König hinhalten. Bei der Krönung kommt er in Berührung mit Alkohol, überdenkt sein Leben neu und verschwindet über Nacht mit den gewonnen 25 Pfund. Das Dorf versinkt in tiefe Trauer - man glaubt ihn tot - dann in höchste Entrüstung, als er lebendig und mit allerlei Geschichten über die vergangene Nacht plötzlich wieder auftaucht. Zusammen mit Sid und Nancy, welche ihm indirekt zu seiner Ab- und Erlösung verholfen haben, feiert er den Beginn seines neuen Lebens.
Auf der Luzerner Bühne steht ein viereckiger Sandkasten, dort drin spielt sich das Meiste ab. Im Hintergrund ein Backsteingebäude, auf welchem sich im ersten Akt die gestikulierenden Akteure in gestochen scharfen Schatten widerspiegeln, was das Geschehen zusätzlich karikiert. Die Kostüme tun das ihre: hochgeknöpft, uniformiert, farblos, die graue Schleife im Haar der Haushälterin Florence erinnert an Mickey-Mouse Ohren, die Schulvorsteherin trägt ein runtergeknöpftes Kleid – wie mit kleinen Schublädchen versetzt - welches auf Wadenhöhe auf die hochgeschnürten Stiefeletten trifft, dazu ausufernd-puffige Ärmel, Hinweis auf ihre Überspitztheit und ihre wahren Gefühle? Die Männer je nach Stand in Uniform oder Anzug, Lady Billows eingeklemmt im züchtigen Tailleur. Im zweiten Akt werden diese uniformierten Kostüme vorübergehend raffiniert aufgelöst mit gelben Akzenten, der Farbe der Freude und des Vergnügens, aber auch des Neids und des Aufsehens. Albert seinerseits entsteigt dem Sandkasten wie ein indischer Maharadscha ganz in Weiss mit gelber Blumenschärpe. So entstehen immer wieder raffinierte Bildkompositionen.
Auch stimmlich überzeugt dieser Albert Herring: Madeleine Wibom mit ihren vor Empörung blitzenden Augen ist eine wunderbar aufgebrachte, bigotte Lady Billows und bringt die nötige Schärfe und Schrillheit in ihre Stimme, Utku Uzuluk seinerseits ist ein herrlich naiver, leicht tollpatschiger Albert, der in seinem Gemüseregalen an Lucien aus Amélie de Montmartre erinnert, Carla Maffioletti überzeugt als überspannte Schulvorsteherin mit ihrem verklemmten Lachen und dem untertänigen Getue, verführerisch und unverfroren das Paar Todd Boyce und Marie-Luise Dressen als Sid und Nancy. Das ganze Ensemble ist sehr homogen, keine Stimme fällt ab, das Orchester begleitet und unterstützt hervorragend und die Sängerinnen und Sänger scheinen selber eine diebische Freude zu haben an dieser köstlichen Satire auf scheinheilige Moral und Tugendhaftigkeit.
Kleine Fotodiashow der Produktion von: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
Text: www.gabrielabucher.ch
Fotos: www.luzernertheater.ch
Fotos: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
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Produktionsteam
Die Schauspielerin Julia Doege schloss 2006 ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste ab, danach war sie an Theatern in Wilhelmshaven, Bielefeld, Hamburg, und zuletzt in Aachen engagiert. Sie lebt als freie Schauspielerin in Köln und steht auch für Film und Fernsehen vor der Kamera. Der Schauspieler Sven Gey, 1986 in Köln geboren, studierte Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Neben dem Studium gastierte er am Schauspielhaus Bochum und am Schauspiel Essen. 2012 bis 2014 war er festes Ensemblemitglied am Theater St. Gallen und ist nun freischaffend.
Ein wahrlich unterhaltsamer Abend! Er war als Monologe angekündigt, da denkt man fast an ein Hörspiel. Von wegen, die Inszenierung war überaus interessant und unterhaltsam, dargeboten von zwei hervorragenden Darstellern. Wie sie die zwölf Episoden virtuos spielerisch umsetzten war brillant.
Produktionsteam
Besetzung und Programm:
Wo immer nötig, korrespondierte sie mittels Augenkontakt, auch mal durch Kopfgesten mit Orchester und Dirigenten. Technisch natürlich völlig ausgereift, besonders ausgeprägt in den Tremolos und den fulminanten Fingerläufen, Saitensprünge der besonderen Art. Beim Andante sostenuto trieb sie voran, das Allegro giocoso spielte sie auch vivace, entsprechend ihrem Temperament durchaus auch mit vollem Körpereinsatz. Janine Jansen als ein weibliches Pendant zu dem als Teufelsgeiger bezeichneten Niccolò Paganini (1782 – 1840)? Kann man durchaus so sehen, was das Auditorium auch tat und die Darbietung mit einem Applausorkan und einer langen stehenden Ovation belohnte.
Das Publikum war mehr als überwältigt und bezeugte das auch wieder durch laute Bravorufe, nichtendenwollenden Applaus und Standing Ovations, während denen Nelsons die diversen Orchestersektionen einzeln zum Erheben aufforderte für die diversen Sonderapplause für die Klarinetten, die Perkussion, die Violinen etc. Fazit: schlichtweg ein akustischer Orgasmus. Dieses Orchester hat den Zusatz „königlich“ in seinem offiziellen Namen mehr als verdient (Das Concertgebouw-Orchester, vollständiger Name Königliches Concertgebouw-Orchester, niederländisch Koninklijk Concertgebouworkest). Auch Andris Nelsons agierte majestätisch. Zur Kontinuität dieses Ensembles trägt sicher auch bei, dass in den 127 Jahren seines Bestehens lediglich sieben Chefdirigenten das Zepter, besser gesagt, den Taktstock schwangen, beziehungsweise schwingen, darunter auch Altmeister Bernard Haitink (*1929), der das diesjährige Lucerne Festival im Sommer, als Dirigent des Lucerne Festival Orchestra, eröffnete.
Zum 100-jährigen Jubiläum 1988 verlieh die damalige Königin Beatrix dem Orchester den Titel Königlich. Der außerordentlich runde Klang des Orchesters wurde und wird wesentlich geprägt durch seine Spielstätte und Namensgeber, das 1888 eröffnete Amsterdamer Concertgebouw. Das Orchester spielt auch zeitweise an der Niederländischen Oper, dem führenden Opernhaus der Niederlande.