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Sichere und vertrauliche Geschäftsprozesse in der Cloud

Virtuelle Datenräume speichern sicher jede Menge hochsensibler Daten Foto pexels.com/de
Virtuelle Datenräume speichern sicher jede Menge hochsensibler Daten Foto pexels.com/de

Ein virtueller Datenraum ist ein Archiv, das online zugänglich ist und hochsensible Daten sicher speichert. In Fachkreisen wird er auch Virtual Data room genannt bzw. VDR abgekürzt. Die Daten innerhalb des virtuellen Datenraums können jederzeit und von überall eingesehen und bearbeitet werden, solange die Berechtigung dazu besteht und eine stabile Internetverbindung vorhanden ist. Warum diese Datenräume, besonders für Unternehmen, immer wichtiger werden bzw. eigentlich schon ein Muss im Zeitalter der Digitalisierung sind, klären wir im folgenden Artikel.

 

Was ist ein Datenraum?

Es gibt physische sowie virtuelle Datenräume, zu denen hier mehr Informationen folgen:

Datenraum für Due Diligence

Früher wurde, im Rahmen eines Verkaufsprozesses während der Due Diligence, ein geschützter physischer Datenraum eingerichtet. Innerhalb dieses Raumes wurden vertrauliche Unterlagen von beteiligten Bietern sowie externe Beratern, die Zugang hatten, gesichtet und geprüft. Im Laufe der Digitalisierung und der Verbreitung eines immer größer werdenden IT-gestützten Dokumentenmanagements wurden physische Datenräumen langsam von virtuellen abgelöst. Damit ist auch die Ortsgebundenheit aufgehoben und im Allgemeinen bietet das eine große Arbeitserleichterung für alle Beteiligten.

Virtueller Datenraum

Ein virtueller Datenraum hingegen ist eine Art Cloud-Lösung, die im Speziellen für eine sichere Speicherung und Weitergabe wichtiger und vertraulicher Geschäftsinformationen entwickelt wurde. In der Regel bietet solch ein Datenraum diverse Funktionen, wie z. B. erweiterte Berechtigungen, Q&A-Tool, Notizen, Bookmarks, Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie Wasserzeichen. Je nach Zugriffsberechtigung können die Daten nicht nur gespeichert, sondern auch gelesen, heruntergeladen, bearbeitet oder sogar gelöscht werden. Virtuelle Datenräume sorgen dafür, dass Verkaufsprozesse vereinfacht werden, die Kommunikation auf Führungsebene sicher stattfinden kann oder auch wichtige Projektdaten, Bilanzen, Jahresberichte etc. sicher und vertraulich gespeichert werden können.

Anwendungsfälle für Datenräume

Virtuelle Datenräume werden heutzutage nicht mehr nur im Rahmen von Due Diligence, großen Fusionen, Firmenübernahmen oder Immobilientransaktionen eingesetzt. Zahlreiche Unternehmen sind sich mittlerweile sicher, dass es einen virtuellen Raum braucht, um sicher standort- und unternehmensübergreifenden Daten auszutauschen und somit die Online-Zusammenarbeit zu fördern. Dabei können Kunden, Geschäftspartner, Kollegen (auch aus dem Homeoffice) oder auch externe Berater, Vorstände etc. beteiligt sein. Bisherige Versuche der sicheren und vertraulichen Datennutzung, wie z. B. via E-Mail oder komplexen Softwareanwendungen brachten bisher nicht den gewünschten Erfolg, da sie zu unsicher waren oder die Anwender durch komplexen IT-Aufwand überforderten.

 

Ein virtueller Datenraum hingegen bietet durch die Verschlüsselung der Daten,

benutzerspezifische Zugriffsrechte sowie erweiterten Dokumentenschutz ein Höchstmaß an Sicherheit beim Datenaustausch.

 

Ganz typische Einsatzbereiche von virtuellen Datenräumen sind:

Im Unternehmen allgemein

Zahlreiche Unternehmen werden zunehmend ortsunabhängig geführt. Daher benötigen Führungskräfte einen sicheren Ort für die Kommunikation innerhalb der Geschäftsleitung oder auch auf Vorstandsebene. Dieser Ort muss ein äußerst hohes Maß an Sicherheit und Vertraulichkeit von Daten gewährleisten. Die Nutzung von digitalen Datenräumen ist also unabdingbar für solche Zwecke, da sie einen schnellen, sicheren und örtlich unabhängigen Zugriff auf vertrauliche Dateien ermöglichen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Geschäftsberichte, Bilanzen, Diskussionspapiere zur PR-Arbeit und weitere wichtige und vertrauliche Geschäftsunterlagen. Externe Berater oder Aufsichtsräte können ggf. zur Unterstützung jederzeit mitwirken.

Im Finanzbereich

Im Finanzbereich werden virtuelle Datenräume für folgende Zwecke häufig genutzt:

 

  • Mergers & Acquisitions auf der Verkäufer- und Käuferseite
  • Börsengänge und Exits
  • Insolvenzverfahren
  • Unternehmensrestrukturierungen
  • Unternehmensfinanzierungen
  • Portfoliomanagement
  • Investorenreporting

Im Immobilienbereich

Projektmanager großer Immobilienunternehmen nutzen virtuelle Datenräume überwiegend, um Baupläne, Teilungserklärungen und weitere wichtige Projektdaten zu sichern. Ausgewählte Partner haben dann während des Verlaufs Zugriff auf diese Daten, wobei die Schriftstücke immer aktualisiert sein sollten. Nach Abschluss eines Projekts kann man im digitalen Archiv noch eine Zeit lang auf die Daten zurückgreifen.

In Kanzleien

Innerhalb von Kanzleien werden virtuelle Datenräume für folgende Zwecke häufig genutzt:

 

  • Due Diligence
  • Mandantenkommunikation
  • Rechtskommunikation

 

 

Fazit

Im Zeitalter des Internets, insbesondere der Digitalisierung, sind digitale Datenräume unabdingbar. Sensible und äußerst vertrauliche Daten können durch sie sicher gespeichert werden. Je nach Zugriffsberechtigung können diese Daten gelesen oder auch bearbeitet werden.

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Digital Health im Gesundheitswesen und Digital Health Management: Experteninterview mit Prof. Dr. Felix Hoffmann

Ob Telemedizin oder medizinische Diagnostik mittels Künstlicher
Intelligenz – Prof. Dr. Felix Hoffmann von der APOLLON Hochschule sieht
Deutschland beim Thema Digital Health auf einem guten Weg. Wie es künftig
gelingen kann, einzelne Technologien und Anwendungen zu einem großen
digitalen Ökosystem zusammenzuführen, berichtet er im Interview. Ein
wichtiger Baustein ist unter anderem die Weiterbildung. Aus diesem Grund
startet ab 1. Juli an der Hochschule der neue Master „Digital Health
Management“.

Herr Prof. Dr. Hoffmann, was verbinden Sie persönlich mit dem Begriff
Digital Health?

Prof. Dr. Hoffmann: Digital Health beinhaltet einerseits die
Digitalisierung, also ein sehr technisches Thema. Eigentlich muss man in
diesem Zusammenhang auch von einer digitalen Transformation sprechen – der
Wandel von einem analogen Gesundheitswesen und einer analogen Gesellschaft
hin zu einem digital vernetzten Gesundheitswesen und einer digital
vernetzten Gesellschaft. Da spielen aber noch viel mehr Themen als die
reine Digitalisierung eine Rolle.

Welche zum Beispiel?

Das ist unter anderem die transformationale Führung, also wie arbeiten
Menschen in einem digital vernetzten Gesundheitswesen zusammen? Muss es
immer noch eine Chefin oder ein Chef sein mit Menschen darunter, die
Anweisungen ausführen, oder funktioniert das auch anders? Dann ist Bildung
ein ganz wichtiges Thema: Dadurch, dass die Digitalisierung sehr viel
verändert, müssen alle im Gesundheitswesen tätigen Menschen sich gewisse
Kompetenzen aneignen, die vorher noch nicht da waren. Im Grunde muss die
gesamte Gesellschaft nochmal digital qualifiziert werden, was eine große
Herausforderung unserer Zeit ist.

Wie kann das gelingen?

Im Prinzip dadurch, dass man Weiterbildungsangebote schafft, die genau auf
die entsprechenden Aufgaben ausgerichtet sind, in denen Expertise benötigt
wird. Am besten sind das mundgerechte, kleine Weiterbildungshäppchen, die
während der Arbeit gereicht werden.

Auf welchem Stand sind wir in Deutschland mittlerweile mit Digital Health
angekommen?

Auf der Ebene der einzelnen Technologien haben wir in Deutschland einen
sehr guten Stand erreicht. Es gibt bei uns ganz viele Möglichkeiten der
Anwendung im Gesundheitswesen wie telemedizinische Anwendungen oder die
medizinische Diagnostik mittels künstlicher Intelligenz. Diese vielen
Möglichkeiten müssen nun zusammengeführt werden, zu einem großen,
digitalen Ökosystem, in dem die einzelnen digitalen Technologien ihren
Platz finden. Da sind andere Länder sicherlich weiter, in Deutschland
kämpfen wir bei der digitalen Vernetzung immer noch mit
Startschwierigkeiten, beispielsweise bei der Implementierung der
Telematikinfrastruktur. Diese soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen
wie Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken und
Krankenkassen im Rahmen der digitalen Gesundheitsversorgung miteinander
vernetzen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit sich das von Ihnen
erwähnte Ökosystem gesund weiterentwickelt?

Im Gesundheitswesen gibt es viele qualifizierte Menschen, die etwas
bewegen wollen, und man muss diese auch machen lassen. Ich sehe zum
Beispiel immer wieder bürokratische Hürden, etwa für die Markteinführung
von Innovationen. Hier muss man schauen: Wo sind welche Hürden nötig und
wo sind sie unnötig, weil sie zum Beispiel keine Qualitätsverbesserung
erreichen. In der ambulanten Versorgung könnten beispielsweise viel
häufiger telemedizinische Sprechstunden angeboten werden, wenn die Anzahl
dieser Sprechstunden nicht begrenzt wäre.

Die Prozessinfrastrukturen zum Aufbau eines solchen Ökosystems stellen Sie
am Klinikum Darmstadt her. Mit welchem konkreten Ziel?

Wir bauen diese gemeinsam mit den klinischen Fachabteilungen, mit der
Pflege und der IT-Abteilung auf, damit wir am Ende ein großes Prozess-
Ökosystem haben, das digital unterstützt wird und dann die analoge,
Jahrhunderte alte Struktur des Krankenhauses irgendwann ablösen soll. Da
sind wir in Darmstadt schon relativ weit und wurden in diesem Jahr zum
zweiten Mal als Digital Champion in einer Studie des Instituts für
Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) ausgezeichnet; das Klinikum
Darmstadt erzielte dort den 3. Platz aller kommunalen Krankenhäuser.
Insgesamt muss das Gesundheitswesen aber noch einen sehr weiten Weg gehen:
Solche Stellen wie meine gibt es nicht an allen Krankenhäusern. Man
braucht dafür Menschen, die aus der Versorgung kommen und wissen, wie das
Gesundheitswesen funktioniert, die aber auch die digitalen und
transformationalen Inhalte beherrschen. Da geht die APOLLON Hochschule den
richtigen Weg und bietet mit dem Master „Digital Health Management“ einen
Qualifizierungsrahmen an, um Fachkräfte genau für diese Aufgabe zu
qualifizieren.

Sie starten mit dem Studiengang ab dem 1. Juli 2022. Für welche Zielgruppe
ist dieser geeignet?

Grundsätzlich richtet er sich an alle Menschen im Gesundheitswesen mit
einem Bachelor-Studium, die sich für Digitalisierung und digitale
Transformation interessieren. Da gibt es zwei Karrierewege, die man
unterscheiden muss: Das ist zum einen mein Karriereweg: Ich habe nach
meiner Facharztweiterbildung eine Tätigkeit im Projektmanagement eines
Universitätsklinikums aufgenommen, und Digitalisierungsprojekte geleitet.
Später habe ich dann die Leitung der Stabsstelle für medizinische
Prozessentwicklung am Klinikum Darmstadt angenommen. Dieser Karriereweg
ermöglicht es, perspektivisch eine Leitungsposition im Top-Management
innezuhaben und die Prozess- oder Projektinfrastruktur an einem
Krankenhaus zu verantworten.
Der zweite Karriereweg betrifft Menschen, die sagen: „Ich interessiere
mich für Digitalisierung, die digitale Transformation betrifft mich, ich
möchte aber gar nicht aus meinem Beruf raus.“ Das können zum Beispiel
Chirurgen sein, die eine leitende Tätigkeit anstreben oder andere Ärzte,
die in ihrem Fachgebiet bleiben, sich aber dennoch diese Inhalte aneignen,
um gemeinsam mit Projektteams gestalten zu können. Für Menschen, die
bereits Führungskompetenzen haben, wird es noch eine kleinere Form des
Studiengangs ohne Management-Anteil geben, der im Herbst starten wird.

Welche Inhalte erwarten die Studentinnen und Studenten unter anderem im
großen Studiengang?

Es geht los mit dem Management-Anteil, der Digitalisierungsanteil hat
allerdings einen größeren Umfang. Da werden technische Grundlagen
vermittelt, also Schnittstellenmanagement, Interoperabilität, Telemedizin,
diverse Anwendungen wie KI oder Blockchain – damit hat man alles, was
technisch möglich ist zumindest in Grundzügen erlernt. Ein wichtiger
Meilenstein ist das Gruppenprojekt „Digitales Changemanagement“, dieses
kommt aus der Praxis und erfordert die Lösung eines konkreten Problems im
Gesundheitswesen. Die Konzeption digitaler Prozesse oder die Evaluation
von Digitalisierungsprojekte könnten hier eine Rolle spielen.

Wozu befähigt der Abschluss des Digital Health Management die
Absolventinnen und Absolventen?

Es ist eine Qualifizierung für jede Management-Position. Denn jedes
Management-Studium braucht einen Digitalisierungsanteil, um sich
vollumfänglich vorzubereiten.

Wäre es da nicht erstrebenswert, diese Art der Weiterbildung verpflichtend
anzubieten?

Dafür ist es zu umfangreich. Es ist ja auch immer die Frage: Was braucht
jemand? Bin ich Chirurg und in meinem Job glücklich, benötige ich diese
Art der Weiterbildung nicht. Sobald ich aber eine Führungsposition
anstrebe, zum Beispiel in einer Gemeinschaftspraxis, im Krankenhaus oder
MVZ, brauche ich diese Kompetenzen.


Können sie ein konkretes Beispiel nennen, bei denen Digital Health bereits
für Sie den erwünschten Effekt gebracht hat?

Einmal ging es zum Beispiel um Prozesse in der Notaufnahme in Darmstadt,
die zuvor allesamt Papier gesteuert waren. Nach unserer Problemlösung
findet der komplette Workflow inzwischen digital statt. Die
Behandlungsdringlichkeit läuft jetzt digital und auch die Ablaufsteuerung
und Dokumentation. Auf diese Weise konnten wir die Transparenz erhöhen und
auch zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität beitragen.

Auf dem Land haben wir das Problem mit dem Ärztemangel in der Fläche. Wie
könnte die Optimierung von digitalen Prozessen dort von Nutzen sein?

Das betrifft übrigens nicht nur den Ärztemangel sondern auch die Pflege,
wo wir ebenfalls zu wenig Fachpersonal haben. Hier kann es helfen, wenn
bestimmte Prozeduren nicht mehr von Hand gemacht werden, sondern digital
ablaufen. Ich denke da zum Beispiel an die Dokumentation, die ja etwa bis
zu 40 Prozent der Arbeitszeit einnimmt. Wenn wir das digitalisieren
können, haben wir mehr Zeit, die wir in die Arbeit am Menschen investieren
können. Und dann gibt es noch digitale Anwendungen, die direkt die
medizinische Versorgung unterstützen, zum Beispiel die Telemedizin. Diese
kann gerade im ländlichen Raum viel bewirken, etwa bei älteren
Patientinnen und Patienten, die dann nicht mehr für jede Kleinigkeit den
Hausarzt aufsuchen müssen.

Zur Person:
Nach seinem Medizinstudium und seiner Approbation als Arzt erfolgte
zunächst die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Seit Beginn des Jahres 2022
bereichert Prof. Dr. Felix Hoffmann die APOLLON Hochschule mit der
Denomination „Digital Health", welches einen großen Stellenwert im
Gesundheitswesen einnimmt. Neben seiner aktuellen Professur ist er Leiter
der Stabstelle für medizinische Prozessentwicklung am Klinikum Darmstadt
und trägt dort in enger Zusammenarbeit mit allen Sektionen des Klinikums
die Verantwortung über die Neuaufstellung sowohl der digitalen als auch
der analogen Prozesslandschaft. Zudem ist Prof. Dr. Felix Hoffmann
Lehrbeauftragter der medizinischen Fakultät an der Ruhr-Universität in
Bochum.Das Interview führte: Daniela Krause

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UKM eröffnet interdisziplinäres Zentrum für die gesundheitliche Versorgung von trans*Personen

Das Verständnis von Geschlechtervielfalt befindet sich im Wandel und die
Zahl von trans*Personen, die medizinische Behandlung zur Unterstützung
einer geschlechtlichen Transition aufsuchen, steigt. Gleichzeitig haben
trans*Frauen und trans*Männer sehr individuelle Bedürfnisse und
Anforderungen an die Behandlung der von ihnen empfundenen
Geschlechtsinkongruenz. Mit dem Ziel, trans*Personen eine ganzheitliche,
lebensbegleitende Versorgung zu ermöglichen, geht jetzt am UKM
(Universitätsklinikum Münster) Deutschlands erstes interdisziplinäres
Kompetenzzentrum Center for Transgender Health an den Start.

„Mein Kind ist unglücklich über sein Geschlecht“ oder „Ich fühle mich im
falschen Körper“ – Äußerungen wie diese machen den Leidensdruck von
Menschen, deren angeborenes Geschlecht nicht mit dem von ihnen empfundenen
Geschlecht übereinstimmen, deutlich. Mit dem Center für Transgender Health
(CTH) bietet nun erstmals in Deutschland ein universitäres Zentrum diesen
Menschen eine integrierte medizinische Behandlung. „Durch die Bündelung
und Vernetzung aller an der Behandlung von trans*Personen beteiligten
medizinischen Disziplinen, sollen Versorgung und Forschung in der
trans*Gesundheit entscheidend vorangebracht werden“, sagt Univ.-Prof.
Georg Romer, erster Sprecher des CTH. Gleichzeitig vertritt er als
Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und
-psychotherapie mit seinem Team behandlerisch den psycho-sozialen
Schwerpunkt der Transition. „Im Kindes- und Jugendalter sind Gefühle der
Verunsicherung im Hinblick auf die geschlechtliche Identität nicht selten
und können auch vorübergehend sein. Ist jedoch der Wunsch nach Behandlung
einer Geschlechtsdysphorie, also dem Leiden am angeborenen Geschlecht,
vorhanden, tritt er oft schon in früher Jugend auf“, so Romer. Es sei
wichtig, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern in dieser frühen Phase
psychiatrisch beratend eng und ergebnisoffen zu begleiten. „Erst wenn in
unserer Spezialambulanz der finale Entschluss einer Geschlechtstransition
geäußert wird, kommen die weiteren Disziplinen des Kompetenzzentrums ins
Spiel.“

Der interdisziplinäre Ansatz ist für trans*Personen auf dem gesamten Weg
der Transition von Bedeutung. „Das CTH bietet ein ganzheitliches und
lebenslanges Konzept vom Wunsch nach Transition über die psycho-soziale
Beratung, Hormonbehandlung, Stimmtherapie bis hin zum chirurgischen
Eingriff der geschlechtsangleichenden Operation. Auf Wunsch werden
trans*Personen auch hinsichtlich des Erhalts der Möglichkeit einer
späteren Elternschaft beraten“, erklärt Romer. „All das liegt integriert
in den Händen eines interdisziplinär arbeitenden Expert*innen-Teams, das
untereinander vernetzt ist und sich im ständigen Austausch befindet.“

Das Behandlungskonzept des CTH beruht auf den drei Säulen der psycho-
sozialen, konservativen und operativen Versorgung von trans*Personen.
Neben Romer als Sprecher sind die konservativen, bzw. operativen
medizinischen Disziplinen durch Univ.-Prof Katrin Neumann (Direktorin der
Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie) und Univ.-Prof. Tobias Hirsch
(Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Fachklinik
Hornheide in Münster und Leiter der Plastischen Chirurgie am UKM) als
jeweilige Co-Sprecher*innen vertreten. Sowohl die psycho-soziale,
konservative als auch die operative Säule subsumieren die weiteren auf dem
Weg zur Transition notwendigen Fachbereiche.

Das interdisziplinäre Kompetenzzentrum will mit seiner Arbeit zur Ent-
Pathologisierung und Entstigmatisierung von trans*Personen beitragen. Die
beteiligten Kliniken haben bereits seit Jahren in Spezialsprechstunden
Erfahrungen bei der Beratung und Behandlung von trans*Personen gesammelt.
Bereits jetzt ist das UKM ein etabliertes führendes Zentrum für
interdisziplinäre Versorgung im Bereich Transgender Health im Jugend- und
Erwachsenenalter. So hat allein die Klinik für Kinder- und
Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und psychotherapie seit 2013 rund 400
jugendliche Patient*innen bei der Transition begleitet. „Unser Ziel ist
es, europaweit eines der führenden universitären Zentren für die
umfassende Versorgung von trans*Personen zu werden“, bekräftigt
Zentrumssprecher Romer. „Unser Alleinstellungsmerkmal der
ineinandergreifenden Interdisziplinarität legt einen weiteren Ausbau der
Versorgungsmöglichkeiten von trans*Personen am Standort Münster nahe.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Univ.-Prof. Georg Romer, Sprecher des CTH und Direktor der Klinik für
Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und psychotherapie am UKM
(Universitätsklinikum Münster)

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Institut für innovatives Bauen und Projektmanagement entwickelt nachhaltige Lösungen für die Bauwirtschaft

Ob im Koalitionsvertrag der Bundesregierung oder mit der Gründung des
Neuen Europäischen Bauhauses: Die Politik stellt klare Anforderungen an
das Bauen von Morgen, das nachhaltiger werden, Ressourcen schonen und das
Klima schützen soll. Dekarbonisierung, also die Reduktion von CO2 in
Planung, Bau und Betrieb von Bauwerken, lautet das oberste Gebot. Dafür
kann die Digitalisierung eine Querschnittskompetenz darstellen: Um das
Planen und Bauen zukunftsfähig zu gestalten, bedarf es der Vernetzung der
am Bau Beteiligten, von Geräten und Bauteilen. Auch die Vorfertigung von
Elementen mit klimafreundlichen Baustoffen steht ganz in diesem Zeichen.

An der Hochschule Biberach (HBC) legt die Fakultät Bauingenieurwesen und
Projektmanagement hier einen Schwerpunkt und sucht in der
interdisziplinären Zusammenarbeit neue Lösungen. Einer der Experten ist
Dr.-Ing. Hannes Schwarzwälder, Professor für Digitalisierung im Bauwesen.
Gemeinsam mit Kollegen hat er nun das Institut für innovatives Bauen und
Projektmanagement (IBP) gegründet und dessen Leitung zum Sommersemester
übernommen.

Übergeordnete Aufgabe des IBP ist das experimentelle Erforschen neuartiger
Verfahren, neben der Dekarbonisierung geht es u.a. um die Steigerung der
Produktivität. Hannes Schwarzwälder nennt Beispiele: „In der Zukunft muss
Wohn- und Arbeitsraum bezahlbar sein, damit die gesellschaftliche
Diversität sichergestellt ist“. Dafür sei es essenziell, die Prozesse zu
analysieren und anzupassen, etwa die Schnittstellen zwischen industrieller
Standardisierung und Individualisierung, die Reduktion von Abfällen bzw.
die Wiederverwendung von Materialien. Gleichzeitig nehme die Komplexität
von Produktion und Bauwerkserrichtung zu, so der wissenschaftliche Leiter
des IBP. Um hierfür Lösungen zu finden, steht das Institut auf fünf
Säulen, jeder beteiligte Kollege bringt sich mit anderen Kompetenzen ein
und erweitert das Spektrum: Nachhaltige Digitalisierung in Planung und
Bauausführung (Prof. Dr.-Ing. Hannes Schwarzwälder), neue Methoden des
Planens und Bauens (Prof. Dr. Marco Angermeier), Logistik auf Baustellen
und in Unternehmen der Wertschöpfungskette Bau (Prof. Dr.-Ing. Michael
Denzer), Infrastruktur und Mobilitätskonzepte (Prof. Dr. Ing. Florian
Schäfer), sowie Klimaschutzmanagement und Kreislaufwirtschaft (Prof. Dr.
Gotthold Balensiefen). „Die Kompetenzen sind da – im Institut wollen wir
sie stärker interdisziplinär vernetzen und in dieser Zusammenarbeit die
Bauwirtschaft gezielt voranzubringen“, so Schwarzwälder. Dabei ist er
sicher: „Die Lösungen liegen auf der Straße, wir müssen sie zusammenführen
und in die Anwendung bringen“.

Und auch das ist ein Anliegen der Hochschule Biberach: der Wissenstransfer
in die eigene Lehre – und die praktische Umsetzung in den Unternehmen und
Betrieben. „Die Fachkräfte von Morgen müssen in der Lage sein, die
Transformation der Branche zu begleiten – in der Planung ebenso wie auf
der Baustelle“, sagt Hannes Schwarzwälder. Deshalb sei die Vernetzung mit
regionalen Unternehmen, Verbänden, Kompetenzzentren und anderen Akteuren
so wichtig. Dass die Studierenden der HBC von dieser Herangehensweise
unmittelbar profitieren, ist für den Professor keine Frage: „Was wir an
neuen Erkenntnissen gewinnen, geben wir direkt über die Lehre an die
Studierenden weiter“.

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